10. Folge biodynamischer Grundkurs im November 2025 - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2025

Aus BiodynWiki

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9

| zurück zu Martin von Mackensen |

Martin von Mackensen mit der 10. Folge vom biodynamischen Grundkurs im Rahmen des Novemberkurses am 15. November 2025 vor den Azubis der biodynamischen Ausbildung in der Landbauschule Dottenfelderhof

+++ Stand 18. November 2025: Dieser Text ist eine automatische Transkription und muss noch von Hand überarbeitet werden. Du kannst hier gerne MitTun? +++

Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

Transkription 10. Folge vom 15. November 2025

Einleitung: Das innere Bild und die Einheit von Pflanze und Boden 00:00:10

Einen schönen guten Morgen für diejenigen, die jetzt erst dazugekommen sind. Wir wollen anschließen an unseren gestrigen Beitrag, wo wir uns beschäftigt haben mit der Rote Bete als stellvertretende Hackfrucht und wollen eigentlich dieselbe Betrachtung zunächst anstellen für das Getreide und versuchen wieder nicht zu sagen, es geht um ein pflanzenbauliches, wann muss man eigentlich welche Maßnahme ergreifen oder welches EC-Stadium ist wann, sondern das Thema ist, wir brauchen ein inneres Bild, wir müssen in uns tragen etwas, was sich da draußen vollzieht und das muss so gut und so fest und so kräftig und so einerseits flexibel und andererseits allgemein sein, dass ich im Voraus wissen kann, wo geht's hin. Dass ich im Konkreten, jetzt habe ich so ein Dreiblatt-Stadium, wie wir es heute Morgen gesehen haben bei dem Roggen und was wird die nächsten zwei Wochen passieren und was wird die nächsten zwei Monate passieren und wie greift meine Maßnahme, die ich möglicherweise jetzt ergreife und wie haben meine vergangenen Maßnahmen da eingegriffen. Erst wenn ich dieses innere Bild habe, aus dem heraus ich sozusagen das Aktuelle, wie ist es jetzt, einerseits verstehe im Sinne von was hat dazu beigetragen aus dem Gewordenen, warum ist es jetzt so, erst dann kann ich mit diesem Gewordenen und diesem inneren Bild, kann ich eine Gewissheit, eine Sicherheit, einen Handling kriegen, wie muss ich das machen.

Und in diesem Sinne jetzt dieses Getreide und der zweite Aspekt ist, hatte ich gestern auch schon gesagt, wiederhole ich auch nochmal, es geht darum eine Einheit in unserem Bewusstsein zu erzeugen von Pflanzenwachstum und Bodenentwicklung. Das sind nicht zwei Sachen, die so völlig nebeneinander passieren, da habe ich einen bestimmten Boden und da kann ich eine bestimmte Kultur, einen bestimmten Nährstoffbedarf und so weiter und dann ist die Sache fertig, sondern ich muss darüber hinaus kommen, ich muss eigentlich checken, eine Bodenentwicklung unter einer Hackfrucht ist eine sehr spezielle und die muss sich mindestens im vergangenen Herbst anfangen anzulegen, sonst wird das nichts mit einem super Kartoffelertrag. Also wie kriege ich die Spezialität, die ich da machen will? Jedes Mal mache ich eine Einseitigkeit, auch das Getreide ist eine Einseitigkeit, auch der Futterbau ist eine Einseitigkeit. Alles sind Einseitigkeiten und ich muss sie in ihrer Einseitigkeit auch wie fast übertreiben. Ich muss die Einseitigkeit fördern, damit ich den universalen Prozess ermögliche. Das habe ich jetzt ganz abstrakt gesagt, ich hoffe, ihr konntet folgen. Das ist dieses Sprichwort, was ich schon mal gesagt habe, der gute Ertrag ist die beste Vorfrucht. Da ist das alles zusammen und man kapiert es eigentlich gar nicht. Wenn es gut gewachsen ist, wird es auch wieder gut wachsen. Und dieses, wie ist es gut gewachsen, ist ein anderes als das, was jetzt machen will. Ist verständlich. Ganz wichtiger Punkt, dass man sich das noch mal gut klar macht. Die jetzige Situation ist nicht zu verstehen, ohne dass wie es geworden ist. Und das zukünftige ist anders als das und muss aber aus diesem anders gerade das Spezifische herausholen, muss das gerade ermöglichen.

Das Wintergetreide: Vernalisation und Kälteimpuls 00:04:31

Das wäre jetzt die Grundfrage für dieses Getreide im Jahreslauf. Und das ist schon eine spannende Sache, weil das Getreide in gewisser Weise sehr wunderschön den Sonnen- abbildet, indem es eben im Hochsommer reif ist und fertig ist und erntbar ist. Auf der anderen Seite ist es das gerade nicht. Denkt mal an das Wintergetreide. Und das Wintergetreide ist das eigentliche Getreide. Das Sommergetreide ist eigentlich die Ausnahme. Das Wintergetreide ist das eigentliche, weil es diese Winterfeuchte, diese Winterruhe nutzt, um das Power zu entwickeln, dann im Frühjahr so durchzustarten, wie es durchstartet. Das macht der Sommerweizen, das macht der Hafer, das macht die Sommergerste bei Weitem nicht so wie die Wintergerste oder eben der Winterweizen. Es sind immer, gerade in solchen Standorten wie hier, wo das Wasser oft knapp ist im Frühjahr-Sommer, immer 20 Prozent weniger Ertrag, Minimum bei den Sommerungen.

Also auf der einen Seite ist das Getreide wunderbar wie eingekoppelt, eingehängt, verbunden mit der Entwicklung des Jahreslaufes. Und das werden wir hoffentlich ein bisschen sehen. Und auf der anderen Seite ist es irgendwie genau dagegen, dass es da die Frühentwicklung in den Winter hinein zustande bringt. Das ist schon sehr erstaunlich. Wenn wir jetzt so eine Roggenpflanze wieder heute Morgen sehen, die ja knackig und schön und schnell gewachsen und prima dastehen. Und jetzt kann morgen der knackigste Frost kommen. Und das macht dem gar nichts. Das ist echt verrückt. Also beim Gemüse kenne ich keine Kultur, wo man so weit gekommen ist, dass man es in den Winter hinein, eigentlich in ganz lebensfeindliche Bedingungen hineinpflanzt, hineinsät, hineinstellt. Und das hat davon einen Vorteil. Das ist ja nicht, weil man den Winter nutzen will, auch noch fruchtfolgetechnisch oder so. Sondern das Wintergetreide, das tickt so.

Und damit hätten wir schon einen Begriff, der ganz wesentlich ist. Das Wintergetreide braucht den Winter. Und die Kälte, die da kommt, nennt man Vernalisation, der Kältereiz, die Kältesumme. Das Wintergetreide braucht eine bestimmte Summe von Tagen, in denen es unter 6, 7 Grad ist. Und wenn es das nicht bekommt, was macht es dann? Dann geht es nicht hoch. Ich habe das gesehen. Im Mai ist alles Getreide hochgegangen und da stand so ein Büschelpelz, total dicht. Der ist einfach nicht hochgegangen. Der ist unten geblieben, der ist Wiese geblieben. Für Wintergetreide ist Vernalisation, ist Kältereiz, ist dieser Kälteimpuls unbedingt notwendig. Und ich finde das sehr interessant, wenn man jetzt das so ausspricht und sagt Vernalisation und Kältereiz. Das tut man eigentlich wie eine Maschine das anschauen, wie von außen. Und wir müssen jetzt eigentlich durch diese Betrachtung, die ich jetzt versuche, rauskriegen, wie das sozusagen seinem Wesen entsprechend ist, wie das eigentlich von innen heraus eine Notwendigkeit hat, mit dieser Kältesituation, mit der Wintersituation zurechtzukommen. Und da kann man dann sehen, wie Anthroposophie, wie Biodynamik eigentlich eine Handreichung ist, ein Erklärungsvorschlag, eine Zugangsmöglichkeit, wie man sowas besser verstehen kann. Es bleiben trotzdem große Rätsel und man muss es selber machen. Die Begriffe nützen erstmal gar nichts. Aber die Denkbewegungen, die man mit Anthroposophie machen kann, die helfen einem sowas auch eben von innen heraus denken zu können und nicht dabei stehen zu bleiben und zu sagen, ja scheinbar sind das Pflanzen, die brauchen Vernalisation, also sehe ich sie doch im November oder Oktober. Und dann kommt das schon zustande und dann haben sie auch ein bisschen Vorteil im Frühjahr, weil ich kann auch nicht auf den Acker und da wächst das schon usw. Das allein reicht eigentlich nicht, um dieses Phänomen wirklich zu verstehen im Sinne von, es soll in mir so aktiv, so griffig, so genau, so klar, so detailreich sein, wie es draußen ist. Und zwar im Vorgriff, sonst kann ich gar keine richtige Maßnahme treffen.

Bodenbearbeitung und Saatbett: Die Rolle des Pfluges und die Unkrautkur 00:09:13

Okay, das war alles nochmal der Einleitungstext, warum machen wir das? Und jetzt kommen wir zu dieser Situation, Winter, Aussaat, das was wir heute Morgen gesehen haben, was da vor drei, vier Wochen passiert ist. Und da haben wir zunächst ja immer die Situation, wieder ein Unterboden, eine Geologie unten drunter, wieder ein Unterboden haben wir heute Morgen auch gesehen und den dürfte ich eigentlich jetzt auf keinen Fall so einfarbig zeichnen. Das haben wir heute Morgen sehr schön gesehen. Ich habe leider kein Schwarz hier. Ich müsste hier jetzt überall so ein, auf Mehrfarbigkeit zeichnen, in dem Unterboden schon.

Und jetzt entsteht die Frage, wie ist der Oberboden, wie ist dieses Paket? Ich zeichne es mal so ein, halbwegs eins zu eins. Also der A-Horizont, der bearbeitete Horizont, wie ist der jetzt präpariert, wie ist der vorbearbeitet? Und ja, das ist echt ein großes, wichtiges Thema. Das Getreide ist die Kultur, die mit der Erfindung des Pfluges, mit der Erfindung der Bodenbearbeitung Kulturpflanze wurde. Jetzt darf man nicht an Vierscharpflug mit 30 Zentimeter Wendung denken. Viele tausend Jahre war der Pflug ein Ritz-, ein ansatzweise Drehinstrument. Und das war sehr flach. Also man darf es nicht übertreiben, aber im Prinzip ist es schon so, diese allererste Phase in diesem Wawilow-Zentrum fruchtbarer Halbmond, Bodenbearbeitung und Kulturpflanze-Fall ist es eins. Ich kann keine Gramineen zu Kulturpflanzen machen, ohne den Boden so zu öffnen, dass er auch eine gewisse Lockerheit, eine gewisse Tiefgründigkeit, eine gewisse Offenheit hat. Ich kann Getreide nicht in der Wiese kultivieren. Das geht einfach nicht. Das wuchert das Getreide kaputt. Das hält das Getreide nicht aus, auch im tollsten kleinen System. Ich brauche diese offene Situation des Bodens und ich brauche die lockere Situation, die irgendwie in die Tiefe geht. Und die erzeuge ich mir zum Beispiel durch das Pflügen. Ich kann das auch ganz anders machen und das ist gleich auch viel besser. Für den Humus-Haushalt der Böden ist aber oft auch schwieriger. Oder man kann es noch anders sagen. Im Pflug ist so viel Grips, so viel Erfindergeist, so viel tolle Umsetzung von der technischen Notwendigkeit der Bodenbearbeitung geronnen, dass es einfach ein saugeniales Gerät ist und man es mit einmal einsetzen wahnsinnig viel erreicht hat. Leider zu viel. Oft zu viel. Zu tief, zu intensiv und wird viel zu oft angewendet.

Also ich will jetzt keine Diskussion über pfluglose Bodenbearbeitung anzetteln oder beginnen. Die ist super wichtig und ich bin überhaupt nicht überzeugt davon, dass wir viel pflügen sollten. Ich will nur sagen, wir brauchen jetzt hier für unsere Betrachtung einfach einen gelockerten, mehr oder weniger durchmischten, freien, oberflächlich abgeschälten Boden. Es darf da nichts groß drauf wachsen. Und wenn wir so einen Boden haben, dann, das soll jetzt alles hier durchgehend sein, ich deute es im Herbst so, dass man hier jetzt irgendwie bearbeitet hat und jetzt sind da oben drauf die Krümel und die Krümel sind dann im Frühjahr nicht mehr so. Diese Krümeligkeit bedeutet einfach nur, dass da Luft und Wärme reinkommt und von unten Dichte und Feuchte da ist. Und für uns ist es eben nicht so wie im konventionellen Landbau, dass ich pflüge und nebendran läuft schon die Kreiselegge mit der Sämaschine und wir beide, der eine der pflügt und der andere der sät, wir schaffen sieben, acht Hektar am Tag und nächster Acker. Das ist ja das konventionelle, das ist genial, ist super, weil wenn das Wetter passt, zack, zack, in einem Rutsch fertig.

Das ist eigentlich wieder unserer, unseren Problemen, weil was haben wir als allererstes? Unkraut, Unkraut, Unkraut, Unkraut. Und wir müssen mindestens einmal ein falsches Saatbett machen. Das heißt, wir machen eine Bearbeitung und haben einen ersten Auflauf und vier, fünf, sechs Tage später, sobald wir die kleinsten Fädchen sehen, wieder ein Eggenstrich. Mit der Egge hat man eigentlich die beste Möglichkeit, ein Saatbett zu erzeugen und ich will jetzt auch da keine Diskussion anfangen, welches Gerät wann und wie. Es gibt eine gewisse Fülle. Wir müssen uns unbedingt das noch anschauen, wie funktioniert eine Egge. Wir müssen uns unbedingt den Pflug noch anschauen, damit wir sozusagen die Gesetze verstehen, aber das kann man auch mit ganz anderen Geräten und es hängt jeweils von der Bodenart und so weiter. Wichtig ist, mehrfach eigentlich eine krümelige, rückverfestigte Struktur schaffen, in der Unkraut keimen kann. Es hat keinen Sinn zu sagen, ach, ich pflüge mal ein Frühjahr, der Martin hat gesagt, das ist gut, wenn man früh pflügt, wenn die Regenwürmer noch unten sind oder bearbeitet, eine tiefere, grobe Arbeit macht und dann sagt, ach, es ist ja jetzt Anfang September und ich will ja Mitte Oktober meinen Weizen säen, lasse ich mal liegen, dann kommt noch Unkraut. Das ist es nicht, sondern wirklich feine Oberfläche schaffen, die ein bisschen abgesetzt ist und nach fünf Tagen wieder. Sonst kriegt man das nicht zustande, dass es kommt und dass man es auch wieder wegkriegt. Da reichen manchmal drei Wochen und das Unkraut ist so groß, dass man es eben mit einem flachen, engen Strich nicht mehr wegkriegt.

Die Entwicklung der Getreidepflanze: Wurzelwachstum und Bestockung 00:16:32

Okay, jetzt haben wir hier das zwei, vielleicht ein oder zweimal gemacht und wir haben jetzt irgendwie den 10. Oktober und wir säen und wir wollen natürlich dahin säen, wo die optimale Situation ist, wo es eben oben drüber krümelig ist und darunter fest, wasserführend. Und meine Krümel werden jetzt weniger, es gibt eine gewisse Rückverfestigung, eine Verschlämmung und was passiert, ist ja sehr schnell diese ersten drei Keimwurzeln und als nächstes passiert sehr schnell, dass die sehr tief sind und auch schon im Unterboden sind und dabei gerade mal das erste Blatt sichtbar ist. Und wenn wir jetzt überlegen, dass wir beim Roggen heute Morgen schon ein Drei-Blatt-Stadium hatten, dann sieht man, wie schnell das geht. Immer denken, die Wurzel eilt voraus. Beim Getreide ist die Wurzel immer vorweg und zwar massiv und man ist wirklich überrascht, wie heftig das ist, wie viel das ist. Ich habe einmal Ende Oktober hinter der Bahn 1,80 Meter ein Loch gehabt und ich konnte da unten sitzen und habe auf 1,50 Meter, 1,40 Meter genau gepopelt, was ist da und da waren wirklich die Wurzeln nach fünf, sechs Wochen schon da unten. Das gibt es überhaupt nicht. Ich habe dann da kleinste Würzelchen gefunden, weiße, habe die dann einfach hoch verfolgt und habe gesehen, das ist wirklich von diesem Getreide. Das hat noch nicht richtig bestockt und schon sind die Wurzeln so tief. Ich male jetzt den Keimling nicht mehr, weil der gar nicht mehr entscheidend ist. Wir haben jetzt hier das Drei-Blatt-Stadium und eben diese Wurzeln, die jetzt schon sehr intensiv da runtergehen und das ist etwas, was man sich immer wieder gut klar machen muss. Dieses Getreide hat die Fähigkeit runter, runter, runter. Noch mehr als Bäume, noch viele zweikeimblättrige Pflanzen haben das so nicht. Die Luzerne hat das natürlich, die ganzen Kruziferen haben diese Pfahlwurzel Tendenz, aber beim Getreide ist das Spannende, dass es das zu Anfang hat und dann mit der nächsten Wurzelbildung nicht mehr. Das ist wirklich ein Wunder. Ich bin da immer wieder erstaunt.

Jetzt haben wir hier unsere Drei-Blatt-Geschichte so und jetzt fängt es hier nebendran an, weitere Blätter zu machen und diese nächsten Blätter beruhen darauf, dass jetzt hier eine Bestockung eingesetzt hat und diese Bestockung ist damit verbunden, dass diese Wurzeln hier zwar noch da sind und auch aktiv sind, aber ergänzt werden, erweitert werden durch neue Wurzeln, die wirklich hier oben an diesem gestauchten Knoten losgehen und ganz, ganz dick sind. Botanisch auch wirklich anders sind. Und ja, dieses Wunder der Bestockung der Kronenwurzeln und das Irre ist, das kann schon im Dezember sein und es kann im März sein. Kommt einfach darauf an, wie die Bedingungen sind. Diese irre Flexibilität von dieser Pflanze, als wäre der Winter sozusagen nicht nach Tagen gezählt, sondern nach Bedingungen. Das kann wirklich hier schon bereits am 10.12. sein und es kann aber genauso gut, ja vielleicht nicht am 10.03., aber am 20.02. sein. Das ist diese irre Flexibilität von drei Monaten. Also das ist schon irre. Schon wirklich irre. Zwei Monate, Entschuldigung. Zwei Monate habe ich jetzt zu zweit hingeschrieben. Von Mitte Dezember bis Mitte Januar, von Mitte Januar bis Mitte Februar. Das ist vielleicht sogar noch ein bisschen größer, aber ist auch egal, ob man zwei oder drei Monate denkt. Entscheidend ist, diese Pflanze wächst zu der Zeit so, wie die Bedingungen sind.

Pflegemaßnahmen im Winter und Frühjahr: Striegeln und Bodendruck 00:21:34

Ich habe schon gesagt, diese Vier-Grad-Grenze ist super wichtig und vielleicht gibt es jetzt die Bedingungen, dass es einmal so zwei Wochen nicht geregnet hat, hier unten noch nicht tiefgründig nass ist und vielleicht mal zwei Sonnenscheintage, ein bisschen Wind und jetzt kann ich da drauf, kann ich da fahren und jetzt kann ich noch mal striegeln. Super Chance, ob das im Dezember ist, ob das im Januar ist, ob das im Februar ist. Ich muss mich nur versichern, dass ich hier unten durch die Reifen keinen Schaden mache. Also wenn das möglich ist, hier zu striegeln, ist es super. Und man muss eben nur sich klarmachen, wenn jetzt hier der Reifen kommt und hier da drückt, obendrauf ist es relativ unproblematisch. Weiter unten kann das halt echt ein Problem sein. Und deshalb ist eben die große Frage, wie sind diese Druckverhältnisse hier? Der Druck geht zur Seite und bildet so unter dem Reifen so Druckglocken, Linien gleicher Bodenverdichtung. Und da muss man schon echt sehr aufpassen, weil Druck obendrauf ist bei weitem nicht so problematisch wie da, wo man ihn nicht sieht. Man sieht ihn dann oben schon auch massiv, aber er ist wirksam in 20 Zentimetern und das ist das große Problem. Wenn man jetzt hier denkt, man hat hier sozusagen Linien gleichen Druckes und die sind ungefähr so und die gehen bis hier runter. Und wenn man hier unten Verdrückungen hat, das ist echt problematisch. Das sollte man dann nicht tun.

Und daran sieht man, dass diese Reifentechnologie, diese Schleppertechnologie nicht unbedingt für alle Zukunft das Allertollste ist. Hier auf diesem Betrieb wurden in den 80er Jahren und auch in den 90er Jahren, noch ein Teil der 90er, extra zwei Arbeitspferde gehalten, nur fürs Striegeln, im Frühjahr beim Getreide. Und da gab es auch solche Striegel, wie wir sie heute haben, 10, 12 Meter, es gibt sogar 18 Meter Striegel, die gab es damals überhaupt nicht. Also es spielt eine Rolle, dass es heute viel bessere Technik gibt, die man auch mit viel leichteren Schleppern ziehen kann. Es gibt heute auch diese Terra-Reifen, die eben ganz kleinen, leichten Schlepper mit anderthalb Tonnen oder so, denen man solche Reifen sozusagen aufziehen kann und die kann man dann mit so wenig Druck beaufschlagen, dass die an der Seite 45 Grad abwinkeln, die Reifen. Wenn das hier der Reifen ist und hier ist unten das, was aufliegt, dann macht das so und dadurch, dass das so wenig Druck hat, 0,4 Bar, ist die Aufstandsfläche nicht nur breiter, sondern auch länger. Es entsteht einfach eine Riesenfläche, auf der der Reifen aufliegt und dann ist es sehr harmlos, was der Andruck erzeugt im Unterboden. Ich will jetzt nicht da weiter das vertiefen.

Wenn das möglich ist, ist es eine super tolle Sache, hier einmal zu Striegeln. Man muss sich klar sein, Striegeln heißt, das Unkraut nicht rausreißen, sondern zudecken. Es müssen sozusagen Klümpchen gedreht werden. Wenn das nicht möglich ist, wenn ich da nur Ritzen mache, dann nützt es nichts. Es müssen wirklich Klümpchen entstehen oder da sein, die ich drehe und auf frisch, fertiges Unkraut drauflege. Sonst bringt es nicht viel. Aber wenn ich es im Frühjahr mache, wenn ich es im März, April mache und das Getreide ist da schon bestockt und man ist schon relativ halb bedeckt, der Boden ist schon relativ dicht, dann habe ich eine ganz tolle Möglichkeit, eine Schicht zu erzeugen, neu zu erzeugen nach dem Winter, der vielleicht viel Boden verschlämmt hat, die jetzt Krümel sind und wenn es dann ein paar Tage warm bleibt und nicht regnet und die anfangen durch einen mikrobiellen Prozess, den man Lebendverbau nennt, stabil zu werden und auch den nächsten Regen auszuhalten oder der nächste Regen wird gebremst durch die dann schon wieder weitergewachsenen Pflanzen, dann kann es sein, dass einmal Striegeln im März, April für die ganze Saison mir da so eine Krümelschicht ermöglicht und die wird nachher richtig ertragsbildend wirksam, wenn es trocken wird, weil die trocknet ab und ist meine Schutzfolie, ist mein Schutz dagegen, dass es nach weiter unten nicht mehr trocknen kann. Der kapillare Aufzug geht bis unter diese Krümel und weil diese Krümel locker sind und abgelöst sind, schützen sie davor, dass es weiter hochzieht, dann im Mai und im Juni.

Das kann bis zu zwei Wochen, ich habe hier meine Situation gehabt, da haben wir schön, da hatten wir auch noch gehackt und gestriegelt im Getreide und der Nachbar neben dran, da riss der Boden auf und es war Ende Mai und bei uns konnte man mit der Hand die Krümel weg machen und darunter war es noch feucht. Einfach weil es dann manchmal so schnell, so heiß wird, dass die Pflanzen, die sich viel langsamer entwickeln, gar nicht noch diesen letzten Rest Wasser so schnell verbrauchen können und wenn der Boden aber dann offen ist, verbraucht es eben der Wind und die heiße Sonne und wenn da so eine Schutzschicht drüber ist, dann, man hat da an dieser Stelle wirklich gesehen nachher, trotz aller Düngung war es bei uns besser, weil einfach länger das Wasser da war. Das kann einem hier gelingen und dann hat man so eine schöne Krümelschicht hier drauf, hat natürlich auch wieder neu keimendes Unkraut und hat altes zugedeckt oder eben ist es weniger.

Schossen und Blüte: Das Getreide als Bestandspflanze 00:28:22

Jetzt nach der Bestockung, wir machen jetzt hier weiter und sind in der Zeit von März. Nach der Bestockung ist jetzt diese verrückte Sache, das ist jetzt hier schon ein Bestockungstrieb, das ist unser erster und es ist hier vielleicht der dritte Bestockungstrieb, dass der jetzt hoch geht und schießt und hier kommt auch noch einer und dieses Schossen, das ist ja schon wirklich eine unglaubliche Sache, wie schnell das geht und dem folgt ja dann sehr bald, dass das Schießen so hoch geht, dass es oben richtig dazu führt, dass die Ähre da sichtbar wird und das kommt ja da so wunderschön raus aus dem letzten, das ist ja so umhüllt, also meistens sind es ja vier Blätter, die wirklich weiter oben sind und eins, was noch unten so verbunden ist und das oberste nennt man ja das Fahnenblatt und hier können wir vielleicht mal eins malen, was es dann doch nicht geschafft hat. Das gehört ja auch dazu, dass Pflanzen es nicht schaffen, das ist eine ganz, ganz wichtige Grundgeste des Getreides, dass wir jetzt diese vielen Stadien haben, in denen eigentlich immer mehr entsteht und es wieder reduziert werden kann.

Im Gegensatz zu vielen zweikeimblättrigen Pflanzen sind diese Getreidepflanzen so wahnsinnig flexibel, so wahnsinnig offen, so wahnsinnig bildsam oder änderbar und zu verstehen nur, nur als Bestandspflanze. Das Schossen ist wirklich eine Sache von den Bedingungen, nicht nur von oben, Wärme, Licht, nicht nur von unten, gute Umsetzung im Boden, keine Anaerobesituation, sondern auch von neben. Wie sind die Nachbarpflanzen? Heute ist das ein Riesenthema, ich kenne einen Forscher in Holland, einen Prof, der mit seinem Institut nur Pflanzenkommunikation untersucht, nur wie geht das eigentlich, wie können wir das eigentlich verstehen, dass solche Pflanzenkommunikationen passieren, dass die Pflanze jetzt dreifach bestockt und die einfach und die zweifach und die fünffach und so weiter und dass nachher dieser Bestand entsteht, weil das Verrückte ist, ich kann hier 350 Körner gesät haben, was wir jetzt zum Beispiel so beim Weizen anstreben, aber ich kann auch 500 gesät haben und ich kann vielleicht auch 180 gesät haben und am Ende ist in allen drei Fällen derselbe Ertrag, weil diese Pflanze über viele Stationen sich wie einregelt mit der Nachbarpflanze, mit der Umgebung.

Das heißt, jetzt gehe ich wieder zurück zu dem, wie müssen wir das begreifen, sozusagen die philosophische oder die Frage nach dem, wie müssen wir das richtig denken und fühlen, das ist sozusagen eine Pflanze, das ist überhaupt nicht da ein Weizen, da ein Weizen, was ich hier zeichne, sondern da entsteht eigentlich ein Bestand, deshalb sage ich Bestandspflanze. Ganz wichtig, ganz anders beim Salat oder bei der Gurke oder so, da spielt es schon auch eine Rolle, aber es ist ganz anders. Hier ist wirklich dieses über jedes Stadium immer wieder, wie man könnte sagen, abchecken, hey, wo stehen wir zusammen, wie bilden wir zusammen eigentlich einen Bestand und die Züchter machen ja manchmal sehr verrückte Sachen, das habe ich von denen gelernt, 80 Zentimeter Einzelpflanzenabstand beim Getreide und dann kann ich sagen, die haben keinen Einfluss mehr untereinander. Noch bei 70 Zentimetern haben die rausgekriegt, gibt es einen gewissen Einfluss. Erst mit 80 Zentimeter kann ich wirklich sagen, diese Pflanze wächst jetzt alleine da. Züchter wollen das manchmal sehen, so verrückte Sachen, wie ist die genetische Voraussetzung bei zwei Pflanzen, die aus derselben Sorte stammen, gibt es da Unterschiede? Wie bilden die sich aus? Was ist das genetische Potenzial in dieser Sorte in Bezug auf die Einzelpflanze, nicht auf diese ganzen Bestandsfunktionen? Das wollen die manchmal sehen, so ein Einzelaspekt, das ist immer nur ein Teilaspekt, aber wenn man den mal pur sehen will, dann muss man wirklich nicht 70, sondern 80 Zentimeter auseinander gehen, damit man nur noch die Einzelpflanze sieht. Das heißt, andersrum gesagt, diese Kommunikation ist eine weite Geschichte und die kriegen wir wahrscheinlich gar nicht nur über Wurzelabstände und irgendwelche Substanzen, die da von Wurzel zu Wurzel gehen, sondern das ist noch viel komplexer, viel größer, super spannende Frage, die noch längst nicht fertig erforscht ist. Also Bestand denken, Bestand regulieren und hier kann durchaus ein Halm dann plötzlich stehen bleiben und wir müssen uns klar sein, hier hätten auch fünf starten können und hier hätten auch fünf volle Ähren angelegt werden können. Die starten hier unten mit drinnen, indem sie hochwachsen, ist sozusagen die Anlage wird erst richtig ausgebildet im Hochwachsen. Das hatten wir hier schon mal, haben wir schon mal angesprochen, das ist super spannend, das ist so eine Ringgeschichte, die ganz wässrig, nur so eine Anlage ist hier ganz unten drinnen und die beim Hochwachsen jetzt ausgestaltet wird, wie viele Lagen und wie viele Körner pro Lage da ausgebildet werden.

Wir gehen weiter und kommen eben von dem Schossen dann zur Blüte und dieses Stadium ist super spannend, weil jetzt, ich muss immer den Maßstab verändern, das ist eigentlich bescheuert, weil ich mache oben, ihr habt das gesehen bei dem Roggen, wie groß die Pflanzen wirklich sind. Ich müsste jetzt unten sozusagen kleiner werden, das war eigentlich, ja das kann ich ja machen, das war eigentlich falsch. Ich muss hier unten kleiner werden, weil ich oben kleiner werde, dann ist es vielleicht korrekt. Das ist jetzt hier die Geologie und die Wurzeln sind natürlich schon weit hier runter. Jetzt im nächsten Stadium Blüte passiert was sehr Merkwürdiges. Es ist nämlich so, dass hier unten bereits Absterben einsetzt und das muss ich jetzt irgendwie andeuten. Die werden heller und fangen an abzusterben und unsere Halme, die hier hochgehen, die fangen an zu blühen. Und diese Blüte, die ist deshalb so spannend, weil bis dahin, man denkt ja immer, da ist was, da ist schon eine Getreidepflanze, aber da ist gar keine. Das sieht nur alles so schön aus, das könnte alles voll sein. Wenn man es dann aufmacht, dann merkt man, da ist gar nichts drin, wie hohl. Kennt ihr doch, oder? Der ist plötzlich da, findet man cool, mit Spelzen und allem und ist leer. Und dann merkt man plötzlich, ach da kommt irgendwann sowas raus oder beim Roggen sieht man es dann Ende Mai, dass da manchmal die Pollen fliegen. Und erst jetzt kann da überhaupt eine Kornanlage entwickelt werden. Es ist spannend, dass die Blüte eigentlich wie vorangelegt wird und dann erst vielleicht am 1.6. passiert.

Vegetative vs. Generative Phase: Der Mai macht den Weizen 00:38:47

Und das ist jetzt eine ganz wichtige Geschichte, dass wir uns klar machen zwischen dem 1.5. und dem 1.6. zwischen Schossen und Blüte, gibt es jetzt einen Monat oder sechs Wochen sogar oft, in dem die Pflanze Substanz, Substanz, Substanz bildet und Wurzel und Wurzel und Wurzel macht. Hier ist die Durchwurzelung die maximale. Man kann sagen, hier in diesem Zeitraum entsteht der Weizen. Das ist jetzt Quatsch, aber es ist doch irgendwie wahr, nämlich die Weizenkörner, obwohl es noch gar nicht geblüht hat. Das wird jetzt gleich deutlich in dem nächsten Schritt. Und dieses alte Sprichwort, der Mai macht den Weizen, das ist sehr gut, findet man in alten Büchern und in alten Sprichwortsammlungen. So wie der Mai ist, so wird nachher deine Ernte. Wir müssen heute sagen eigentlich, der Mitte April bis Mitte Mai macht den Weizen, weil alles zwei, drei Wochen vorgeschoben ist durch den Klimabruch. Aber das Prinzip ist dasselbe. Hier passiert vegetativ ganz, ganz viel und hier ist es dann zu Ende. Hier ist die vegetative Phase zu Ende. Bis hier ist die ganze Sache vegetativ und jetzt wird es generativ. Diese vegetative Entwicklung, so gut wie es geht, so kräftig wie es geht, ist super, super entscheidend, weil alles was jetzt noch passiert ist Umbildung. Zu 80 Prozent sind die Substanzen, die ich nachher im Korn habe, die sind hier schon gebildet als grüne Pflanzenmasse. Lernt bitte das Weizen, das Weizenkorn, das Getreidekorn so anzuschauen, dass ihr sagt, im Wesentlichen habe ich da die Substanzen, die vorher ein Grünblatt waren. Das was wir als tägliches Brot essen, ist im April und im Mai schon einmal auf dem Feld, über der Erde, in der Pflanze, im Licht und so weiter.

Nochmal mit anderen Worten dasselbe. Das Getreide ist mindestens die doppelte Umwandlung. Das erste ist die Bildung aus der vegetativen Pflanze und das zweite ist die Umbildung als generative Pflanze. Es ist nicht wie jetzt bei einem Rosenkohl oder bei einem Salat oder bei der Rote Bete das direkte Entstehen einer Frucht aus dem vegetativen. Und das macht auch ein bisschen die besondere Qualität aller Getreidepflanzen aus, dass sie diese doppelte Umbildung sind. Das muss ich jetzt versuchen noch einmal hier irgendwie hinzukriegen. Kleinen Moment bitte. Das hier unten sind jetzt wirklich schon fast Strohbraun, grünlich, Unterblätter, die wirklich schon bräunlich werden. Oh, Fehler. Nicht schöne Strohfarbe, sondern eben braun, grün, so ein Mix.

Reifung und Kornfüllung: Die Umbildung von unten nach oben 00:43:18

Und diese Reifung geschieht wirklich von unten. Die muss von unten geschehen und geschieht auch von unten. Wenn die weiter oben beginnt, verschenken wir sozusagen Ertragsmöglichkeit, weil es sich um eine Umbildung handelt. Es ist wirklich notwendig, auch von der Züchtung her, vom Zuchtbild her, dass das von unten aus passiert. Hier ist es schon am Abreifen und oben spielt die Musik. Da ist es meistens noch auf den einzelnen Spelzenhüllblättern. Zum Schluss ist es noch grün und hier unten ist es schon wirklich am Abreifen. Also ein Umbildungsprozess Nummer zwei, der die Substanz von hier nach oben leitet. Das ist super wichtig, dass man das versteht. Eine Umbildung, eine Verlagerung der gesamten Substanzen, die dann diese Kornfüllung erzeugen oder machen.

Und gleichzeitig, fast gleichzeitig mit dieser Kornfüllung, ist es eigentlich ein überlagert ineinander geschobener Prozess, passiert die Reife. Die Reife ist erst eine Milchreife, dann eine Teigreife und zum Schluss eine Todreife. Und dieser Prozess geht so weit, dass ganz zum Schluss wirklich nur noch hier oben, da ist es dann noch grün, an der Ähre, also an der Spelze. Alles andere ist längst gelb-braun und nur noch ganz oben passiert diese Umbildung. Und dann sieht man das meistens kurz vor der Ernte, dass die halben Spelzen von oben schon gelb sind und von unten sind sie noch ein bisschen grün. Und innen drin ist es Korn und man kann mit dem Fingernagel noch reindrücken und man weiß, ich muss noch eine Woche, zehn Tage warten, dann kann ich dreschen.

Jetzt versteht ihr auch auf einmal, warum es früher durchaus Praxis war und botanisch möglich ist und auch heute natürlich noch möglich ist von der Botanik her, dass man das Getreide abschneidet unten und so mit seinem ganzen Halm einfach noch mal drei, vier Wochen stehen lässt in der Garbe und zu Ende reifen lässt. Diese letzte Reifung da oben, dazu braucht es unten die ganze Pflanze gar nicht mehr. Das heißt, man konnte früher, hatte diese flexible Erntezeit dadurch, dass man die ganze Pflanze geschnitten hat und die dann noch sechs, acht Wochen irgendwo auf dem Feld oder auf dem Hof im Speicher eingebanzt, wie man so gesagt hat, die da zu Ende reift. Nur weil wir heute dieses super pfiffige technische Programm haben, schneiden und ausdreschen in einem, müssen wir so lange warten. Und das ist kritisch, weil wenn es dann, und mit dem Klimabruch wird das immer mehr ein Thema, wenn es dann mal vier Wochen regnet, dann keimt uns irgendwann das Getreide oben auf der Ähre, auf dem Halm. Weil wir so lange warten müssen, bis wir überhaupt mal ans Mähdreschen denken können. Wenn ich mit 25 Prozent Feuchtigkeit, mit 75 Prozent Trockensubstanz unten schon abschneide und da oben ist noch die Spelze grün, dann kann das einfach zu Ende reifen. Das dauert noch zwei, drei Wochen, aber es macht gar nichts, weil die ganze Pflanze ist ja da. Das kann da drauf stehen.

Also das ist technologisch ein Thema. Der Mähdrescher ist eine super geniale Erfindung, aber er bringt zwei Sachen zusammen, die sozusagen von einem sinnvollen, pflanzenphysiologisch abgeleiteten, organischen Geschehen gar nicht sinnvollerweise zusammengehören. Es ist halt technisch unheimlich schwierig, wenn man sich vorstellen würde, man würde vielleicht, auch wenn es nur oben so die Ähren und ein Stückchen, letztes Stückchen Halm sind, selbst wenn es so ist, es wird so ein Riesenvolumen geben. Wie soll man das bewegen? Das ist schon pfiffig, dass man das gleich auf dem Feld ausdrischt. Ein zweiter Nachteil vom Mähdrescher ist, ich dresche nicht nur das Getreide, ich dresche alles Unkraut. Und vieles Unkraut hat so, so mini kleine Samen, dass das zwischen und mit den Spelzen und Blattteilen hinten wieder rausgeht als Schwad auf dem Stroh. Ich mache eigentlich eine perfekte Unkrautvermehrung. Das Getreide nehme ich mit, das Unkraut lasse ich da. Wie bescheuert bin ich eigentlich? Ist verständlich. Muss man sich gut klarmachen, das ist nicht sehr pfiffig. Natürlich nimmt man mit dem Stroh einen gewissen Teil dieser Unkräuter dann doch wieder mit, mit den Ballen und so und im Mist und im Kompost und in der Rotte gehen sie dann vielleicht auch kaputt und so. Klar, klar, klar. Aber es gibt genug, was hinten einfach wieder rauskommt. Und die Firma Claas, die ja sozusagen einer weltweit führenden Mähdrescherhersteller ist, die hat mal eine Weile in den 90er Jahren experimentiert. Wie könnten wir das sogenannte Kaff, also die Spelzen und die feinen Bestandteile, nicht nur die Halme und Blätter, sondern alles Feine, Spindelstücke, dichte Mittelteile in der Ähre, wie könnten wir das vom Feld holen, indem wir es extra behandeln? Weil es wäre technisch im Mähdrescherhersteller eigentlich gar nicht so schwierig, das extra rauszuführen. Aber es ist, wie mache ich das dann jetzt? Habe ich einen Korntank und habe ich einen Spelztank? Das ist technisch einfach eine Schwierigkeit, weil man beim Getreide immer gleich in diesen Riesenflächen denken muss und in diesen wahnsinnigen Geschwindigkeiten. So ein Mähdrescher, der soll also spätestens nach einer Stunde einen Hektar fertig haben. Und das ist natürlich knackig. Das ist viel. Das ist nicht so ganz einfach.

Also da kann man sich jetzt vieles dran klar machen. Ich will hier eigentlich jetzt so enden, dass ich deutlich mache, hier ist mit Wurzeln nicht mehr viel zu. Die Wurzeln sind alle am Absterben. Da ist gar nicht mehr groß was los. Da passiert gar nichts mehr groß. Oftmals ist es ja so, dass in dieser Zeit hier wirklich so viel Trockenheit da ist, dass der Boden richtig aufreißt und man große Risse auch hat im Boden, sodass die Trockenheit da reinkommt und die Wärme. Und jetzt hat man eigentlich dieses Bild einer intensiven Verbindung der Pflanze mit dem Boden und einer Auflösung dieser Beziehung. Und das letzte Leben ist da oben und hier unten ist eigentlich alles mehr und mehr tot. Ab Anfang Juli, Mitte Juli ist hier oben das Leben noch und hier unten geht eigentlich alles zu Ende. Es gibt dann so eine Situation drei, vier, fünf Wochen vor der Ernte, wo es dann nur noch oben grün ist und man guckt da unten rein und es sind eigentlich schon so strohige Halme und da keimt noch nicht mal neues Unkraut. Da kommt Licht auf den Boden, da ist es in manchen Jahren auch feucht. Der Boden ist wie abgestorben. Ganz wichtiger Punkt, den man sich klar machen muss. Ich muss das mit einer anderen Farbe irgendwie andeuten. Dieses intensives Leben geht hier raus und geht hier hoch. Da ist noch die Zone, in der es sozusagen lebendig ist und hier unten ist eigentlich ein zunehmendes Absterben. Hier kommt Wärme in den Boden und vor allem Trockenheit und richtiges Absterben.

Und das ist gut, weil der Böden kann nicht nur nonstop belebt sein. Es muss auch Absterbeprozesse geben im Boden und die sind eben nicht hier. Nicht zwischen Saat und Ende Mai. Ganz wichtig, ein wichtiges Ergebnis. Der Boden ist im Winter unterm Getreide. Da passiert was. Nicht im Hochsommer. Gestern bei unserer Rote Bete haben wir gesagt, hier fängt es erst überhaupt an. Bis hier ist so ein bisschen Blätter und baut sich das so auf. Aber wirklich richtig Umsetzung, richtig Wachstum, richtig Fruchtbildung fängt hier langsam an. Das ist hier schon alles zu Ende. Da ist hier schon mit Anfang Juni beginnt eigentlich das Absterben. Es ist eigentlich Schluss. Mit dem Strich habe ich ein bisschen zu früh hier angefangen. Bis hier ist noch alles super lebendig, aber ab da ist eigentlich ein Absterbevorgang und ein Umbildungsvorgang.

Fazit: Das innere Prozessbild und die Flexibilität des Getreides 00:53:55

Ja und so ein Bild innerlich sozusagen vor sich zu haben und zu sagen, aus dem heraus komme ich jetzt immer im konkreten Jahr, bei der konkreten Sorte, bei der konkreten Situation in der Fruchtfolge, bei den konkreten Bodenproblemen, die ich vielleicht jetzt spezifisch auf diesem Acker von der Vorfrucht oder der Vorvorfrucht hatte. Das habe ich sozusagen im Background. Das habe ich im Hintergrund. Das ist diese Entwicklungsidealentwicklung oder dieses Entwicklungsbild oder diese Phasen von Entwicklung.

Und dann kann man so Spiele machen, dass man sich ausrechnet, was wäre denn wenn? Was wäre denn wenn an allen Stellen das Optimum passieren würde? Wenn alle keimen, meistens hat man so 90, 95 Prozent Keimung. Wenn dann gar keine Auswinterung passieren würde. Wenn also über Winter gar nichts kaputt gehen würde. Wenn nichts durch Frost, durch irgendwas geschädigt würde. Wenn alle Pflanzen ihre volles Potenzial an Bestockungen entwickeln würden, was ja gar nicht geht, weil das sind die Nachbarn und das kriegen die mit und die reduzieren wieder. Aber wenn man das so theoretisch mal durchspielt und wenn dann aus allen Bestockungstrieben volle Ähren mit 27 Lagen entstehen würden. Und wenn jede Lage nicht mit ein, zwei oder drei, sondern mit genetisch möglichen fünf Körnern belegt wäre. Man würde nicht 20 Prozent Ertragsmehrung haben, man würde nicht 100 Prozent, sondern man würde zwei, drei hundert Prozent mehr haben.

Und dann seht ihr wieder diese unglaubliche Flexibilität dieser Pflanze. An jedem von diesen Stadien erst mal maximal sozusagen veranlagt zu sein und jetzt zu reduzieren und sich wieder anzupassen an die Bedingungen. Nächstes Stadium. Ah, geht nur einer. Diese Geste, die muss einem unheimlich präsent sein und damit ist das Getreidebau auch so eine magische Geschichte, weil man eigentlich ständig dieses äh wie ein neuer Bestand, wie eine nochmal eine komplett neue Möglichkeit und dann wird es halt doch nur ein Teil davon. Wenn ich äh Rote Bete denke von gestern, ich sehe eine Pflanze und diese eine Pflanze kann eine Pflanze werden oder nicht. Und sie kann dicke, eine kleine, eine mittlere Rote Bete ausbilden. Es können Schädlinge kommen oder nicht. Äh sie kann 50 Prozent oder 80 Prozent werden oder 100 oder vielleicht gar nicht, aber mehr geht nicht. Mehr Flexibilität ist da nicht. Hier kann aus einem Korn können fünf Ähren kommen und aus einer Ähre kann ähm 60, 80, 100 Körner entstehen. Äh es kann aber auch nur 20 sein. Und die können klein sein, die können groß sein. Also ein riesiges Spiel ähm und wir können auch noch eine Sache vielleicht zum Schluss noch. Wir können sagen, für unseren Anbau ist es auf der einen Seite super wichtig, dass wir diese Vitalität hier haben, dass wir diese äh möglichst guten ähm Pflanzenmengen, sozusagen äh Massenwachstum im April, Mai haben, dass da einfach eine Masse entsteht.

Und wir können aber auch sagen, die die der Hauptertragsbildende Faktor ist bei unseren Anbausystemen immer nach hinten. Da sind die Böden warm, da können die Pflanzen so viel ähm erzeugen, wie Wasser da ist. Also eine Sorte, die ähm zum Schluss ganz viel ihres Ertrags durch die Kornfüllung äh macht, ist eigentlich die bessere als eine, wo wir sagen müssen, ja äh es wird steht eh nur ähm immer eine Pflanze und die muss ähm optimal sich entwickeln oder so. Also wenn diese, diese früheren ähm Möglichkeiten und wieder ähm Reduzierungen, wenn die sehr definierend sind für den Ertrag nachher, ist es für uns eigentlich immer blöd, weil wir haben eigentlich hier nur so viel Entwicklung wie Wärme und Bodenentwicklung da sind, weil wir die Pflanzen nicht durch den mineralischen Stickstoff äh da schon in den frühen ähm Phasen so stark pushen können. Also für unsere Sorten spielt gerade die Kornfüllung die größte Rolle und die ähm ja die Reduzierung der Ähre die zweitgrößte. So viel vielleicht noch zu diesem Detail.

Ja, ich glaube, das Bild ist ein bisschen da und ähm ich würde nachher gerne in der nächsten Stunde in einem ganz konkreten mehr experimentellen Spiel äh mit euch einfach Ähren auseinandernehmen und ähm bewerten. Und dazu wäre es gar nicht dumm, wir würden jetzt die Tische dann äh nach der Pause irgendwie halbwegs im Kreis haben oder in so einem U, äh weil dann würden wir hier vorne so eine Wiegestation einrichten und verschiedene Prozesse uns da einfach ganz physisch jeder äh an seiner Ähre angucken und nachher das Zusammentragen an der Tafel und dann hat man seine eigene Ähre und wir können sozusagen Bestand nochmal verstehen, rein mathematisch, rein gewichtsmäßig, rein äh wie tickten diese Kultur eigentlich. Soweit.

Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

Glossar

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar A

A


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar B

B


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar C

C


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar D

D


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar E

E


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar F

F


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar G

G


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar H

H


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar I

I


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar J

J


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar K

K


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar L

L


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar M

M


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar N

N


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar O

O


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar P

P


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Q

Q


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar R

R


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar S

S


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar T

T


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar U

U


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar V

V


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar W

W


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar X

X


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Y

Y


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Z

Z


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar 0-9

0-9


Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

| zurück zu Martin von Mackensen |

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9