4. Folge biodynamischer Grundkurs im November 2025 - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2025

Aus BiodynWiki

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9

| zurück zu Martin von Mackensen |

Martin von Mackensen mit der 4. Folge vom biodynamischen Grundkurs im Rahmen des Novemberkurses am 7. November 2025 vor den Azubis der biodynamischen Ausbildung in der Landbauschule Dottenfelderhof

+++ Stand 12. November 2025: Dieser Text ist eine automatische Transkription und muss noch von Hand überarbeitet werden. Du kannst hier gerne MitTun? +++

Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

Transkription 4. Folge vom 7. November 2025

Einleitung: Die Komplexität der nahenden Gegenwart 00:00:02

Und das hat er gemacht. Das ist seine Arbeit. Also einen wunderschönen guten Morgen auch an die Zuhörer, die jetzt heute Morgen noch nicht da waren. Schön, dass ihr da seid. Wir haben heute einen nächsten Schritt. Und jetzt wird es kompliziert. Und das liegt einfach daran, dass wir, je mehr wir zur Gegenwart hinkommen, immer mehr Quellen haben. Immer mehr verschiedenstes Wissen, sich widersprechendes Wissen. Und da ist es gar nicht so ganz einfach, sich vorzubereiten, weil man sich immer auch fragen muss, suchst du jetzt eigentlich die Sachen, die gut zu deiner Theorie passen? Oder bist du wirklich offen und guckst, wie war denn alles?

So, mit diesem Problem bin ich zunehmend beschäftigt. Bis hierher hat es so eine wunderschöne Eindeutigkeit. Da ist eigentlich alles klar. Was wir bis jetzt besprochen haben, da kann man lange drüber diskutieren. Am Ende wird man es, wenn man jedenfalls nicht der brutalste Materialist ist, dann wird man es doch ähnlich sehen können. Von jetzt ab gibt es so viele Stränge und so viele Möglichkeiten, die Dinge auch zusammenzustellen, manches wegzulassen, anderes stark zu betonen. Sodass ich immer in diesem Konflikt bin, was bringe ich und wie entsteht ein Bild, was jetzt nicht nur irgendwie mir gefällt oder was meiner Theorie entspricht oder so, sondern wirklich der Versuch, aus dem Ganzen eine Ideengeschichte der Landwirtschaft zu entwickeln, als Ausdruck einer Ideengeschichte der Menschheit.

Gut, also das vielleicht nochmal, um ein bisschen nach innen zu gucken. Bei mir, was ist einfach und was ist schwierig?

Rückgriff: Die Herkulesaufgabe und das fehlende Düngerverständnis der Griechen 00:02:02

Und für heute habe ich nun gedacht, wir machen ein bisschen einen Rückgriff oder einen Parallelgriff. Wir gucken nochmal woanders hin. Aber wir setzen fort. Und wir waren ja gestern gekommen bis in diese Mittelmeerkultur, bis in diese griechische Kultur. Und ich habe ja schon mehrfach auch von dem Homer und der Odyssee gesprochen. Und in diesem ganzen großen griechischen Mythologiekomplex gibt es ja diese wunderbare Geschichte von dem Herkules. Und der Herkules, der so dies und das eben tun muss, der große Aufgaben hat und sich daran beweisen muss. Und eine seiner Aufgaben ist es, einen Stall auszumisten.

Und da denkt man ja, was soll denn das? Also einen Stall ausmisten ist doch nun vielleicht keine Herkulesaufgabe. Dieser große Held, das wird er doch nun einfach hinkriegen. Und wenn man dann die Geschichte genauer liest und so ein bisschen sich da eindenkt, dann ist es doch eben eine echte Herkulesaufgabe. Ich illustriere die jetzt mal so nach meinem Verständnis. Wir haben einen Stall, und das ist kein wirklicher Stall, sondern das ist eigentlich wie so ein Pferch, der überdacht ist. Wo man also eigentlich die Fundsteine, die Lesesteine des Ackers und der Wiese zusammengetragen hat. Und so ein Karree gebildet hat mit Stämmen oben drüber und mit vielleicht irgendwelchen Stroh oder mit irgendeiner Deckung. Also mit irgendwas, was den Regen abhält, runterlaufen lässt nach außen, sodass innen die Schafe eingesperrt werden können. Das war glaube ich der Hauptgrund. Man wollte nicht eine besonders artgemäße Behausung für die Schafe schaffen oder sowas, sondern man wollte sie vor dem Wolf sicher da einsperren können.

Und das hat man vielleicht mehr oder weniger 10, 20 Jahre gemacht. Und dazwischen hat man immer wieder auch irgendwelches Reisig und Äste und irgendwelche Dinge, wo man sonst nicht so recht wusste, wo sie hin sollten, da reingeschmissen in der Hoffnung, dass die Schafe da ein bisschen die Rinde dran abknabbern. Und so entsteht so ein undurchdringliches Gemenge von Schafskot und Ästen. Wir müssen nicht an schön gehäckseltes Stroh denken, was täglich eingestreut wird oder so, sondern eine ziemlich undurchdringliche, harte Geschichte. Und die soll jetzt ausgemistet werden, weil die Schafe schon oben an die Decke stoßen. Die können einfach nicht mehr rein. Man hat keinen Sinn dafür, was da drin ist oder so, sondern es muss wieder frei werden.

Und Herkules ist schlau. Was macht Herkules? Wer weiß es? Er leitet den Bach durch den Stall. Er geht ein Stückchen bergauf und sieht, da ist ein Bach, und den leitet er um und leitet ihn durch den Stall. Und nach einer Woche ist der Stall ausgemistet.

Und was sehen wir an dieser Geschichte? Wir sehen, dass die griechische Kultur zu diesem Zeitpunkt kein, aber auch gar keinen Sinn dafür hatte, was Dünger eigentlich ist. Die konnten eine tolle Landwirtschaft auf ziemlich widrigen, hangigen, steilen Lagen machen. Die waren in der Lage, das, was sie aus dem Menschheitspaket dabei hatten für Landwirtschaft, daraus eine Landwirtschaft zu machen, die funktionierte. Mit der man sich ernähren konnte, mit der man sogar die Krüge füllen konnte mit Öl und Wein. Das war ihnen ja sehr wichtig. Sie hatten diese wunderbaren, lagerbaren Flüssigkeiten, die nährenden Flüssigkeiten des Öls. Das ist ja wirklich was ganz Tolles, das Olivenöl. Aber dass die Schafe auch eine Bedeutung haben mit dem Kot für die Landwirtschaft, für die Landschaft, für die Fruchtbarkeit, das war ihnen nicht klar.

Hätte man ihnen das erzählt, hätten sie gesagt, das macht zu viel Mühe. Wir müssen eigentlich Schiffe bauen und wir müssen über das Mittelmeer segeln. Dafür haben wir eigentlich jetzt nicht so Zeit, da uns so wahnsinnig um Kompostierung zu kümmern oder so. Wenn es halt nicht mehr geht, dann gehen wir woanders hin. Nach 20, 30 Jahren wird es dann da wieder gehen. So ungefähr hätten sie wahrscheinlich geantwortet.

Also diese kleine Geschichte wollte ich einflechten, weil sie ein bisschen das zeigt, was jetzt für uns immer mehr in den Fokus rückt. Die Ägypter hatten keinen Sinn für die Düngung, weil sie die Düngung hatten. Und sie hatten einen Sinn dafür, sie anzuwenden, aber sie herzustellen, der Nil schenkte ihnen die. Und die Griechen haben keinen Sinn für die Düngung, weil sie haben eigentlich anderes zu tun. Das ist zu kompliziert und das geht auch ohne, so ungefähr.

Exkurs: Die Himmelsscheibe von Nebra und die Hochkultur Nordeuropas 00:07:14

Und nun möchte ich eben einen kleinen Schwenk machen zwischen beiden Kulturen, hatte ich schon angedeutet. Gibt es die phönizische Kultur und es gibt eben jetzt auch in Nordeuropa Kulturen, die wirklich wie Hochkulturen sind. Und wir sind immer unterbelichtet in Bezug auf das, weil sie später entdeckt wurden und weil sie eben keine Schriftkultur hatten. Also ich spreche jetzt von den Kulturen, die dann zu der keltischen Kultur wurden und die eben nördlich der Alpen sich abgespielt haben. Und da ist es eben sehr erstaunlich, welche Hochkultur, welche Entwicklung da schon da war.

Und ich möchte repräsentativ dafür diese Himmelsscheibe zeigen. Die Himmelsscheibe von Nebra, die ja erst seit 25 Jahren bekannt ist. Und diese Himmelsscheibe ist eben so toll, weil sie ist jetzt hier ein bisschen größer als sie im Original ist, weil man sie verstehen kann. Es hat ein bisschen gedauert, Nebra, das liegt so in der Gegend von Halle. Es hat ein bisschen gedauert, bis man verstanden hat, was sie ist. Und es war eine sehr abenteuerliche Entdeckung, die ist nämlich von zwei Männern ausgegraben worden, die gar keine Ausgräber waren, sondern die mit solchen magnetischen oder mit solchen Metallsuchgeräten da was gefunden haben und das dann rausgeholt haben. Und die haben das so grob gemacht, dass diese Verletzungen der Scheibe auf sie zurückgehen, auf ihre Hacke. Sie haben nämlich einfach mit einer Hacke da rausgeholt, weil sie natürlich auch nicht wussten, was sie da hatten. Und sie wussten auch nicht so genau, was es ist und haben es dann einfach angeboten auf einem eher illegalen Markt. Und da hat eben ein Mann aus Sachsen-Anhalt geschnallt, um was es ging, und es kam dann zu einer sehr fast kriminellen Übergabe in der Schweiz. In einem Hotel wurde dann verhandelt und so und dann griff die Polizei zu. Das ist ein Krimi, diese Himmelsscheibe, wie die dann da in die Öffentlichkeit kommt.

Und dann hat es ein paar Jahre gedauert, bis Menschen und Analysen und so darauf kamen, ah, die ist drei- oder vier- oder fünfmal, heute gibt es Experten, die sagen, sie ist achtmal umgearbeitet worden und sie ist verstehbar. Es ist nämlich so, dass hier drüben gibt es ursprünglich auch noch so einen Teil und hier ist die Sonne und der Mond und hier gibt es etwas, was anders strukturiert ist und aus einer späteren Bearbeitung draufkommt. Und alle anderen Punkte können ganz deutlich und ganz klar zugeordnet werden zu Sternbildern. Und so kann man sagen, hat man das erste Mal eine wirklich naturalistische Darstellung des Sternhimmels mit Sonne und Mond.

Und das Spannende ist, wenn man die Sonne auch noch als Vollmond deutet und eben die Plejaden dazu sieht, dann ist da sogar eine relativ eindeutig identifizierbare Frühjahrs- und Herbstkonstellation gezeigt. Undglicherweise ist das so, dass man sagen kann, ja, das war eine Art Erinnerungs-Orientierungshilfe, um diese Punkte, um diesen Mond, Neumond und Vollmond, zu bestimmen, der jeweils in der Nähe der Plejaden ist, wenn eben das im Frühjahr und im Herbst der Fall ist. Und jetzt fängt die ganze Interpretiererei an, da kann man jetzt sagen, ja, das brauchten die, um Aussaattermine zu definieren, das glaube ich eher nicht. Man kann jetzt vieles interpretieren, das will ich gar nicht, sondern ich will einfach zeigen, sowas ist da entstanden und man muss sagen, es ist ungefähr 2000 oder 1900 vor Christus. Also diese Zeit ist ungefähr so.

Und da ist von der griechischen Hochkultur noch lange nicht die Rede. Da ist auch diese mykenische Kultur erst am Anfang. Und was da vorliegt, ist ein Metallhandel. Beide Metalle dieser Bronze kommen nicht aus der Gegend. Die einen sind aus Großbritannien und die anderen sind aus den Ostalpen, also aus dem Gebiet, heute man würde sagen vielleicht Österreich, Wiener Becken oder so. Also da steht ein großer Handel dahinter. Da steht ein unglaubliches Wissen über die Herstellung von solchen Legierungen der Bronze dahinter. Eine ganz erstaunliche Leistung.

Und wieder die Frage, was war jetzt diese Welt der Sterne, des Himmels für diese Menschen? Warum haben sie denn nicht den Kopf ihres Herrschers abgebildet? Hätten sie auch machen können. Oder sie hätten vielleicht irgendein Tier, was ihnen heilig und wichtig war, ein Hirsch mit seinem Geweih. Oder, oder, oder. Nein, es ist eine Abbildung des Sternenhimmels. Und zwar eine sehr klare und sehr, man könnte sagen, rationale. Da ist eine Ratio dahinter, da ist ein innerer Zugang. Das kann man verstehen. Da ist eine Systematik, eine Logik drin, die ganz erstaunlich ist.

Und wo sitzen die? Wo sind die? Wo ist dieser Ort? Wo ist dieses Gebiet? Was ist da? Da haben wir eben auch schon vor knapp 4000 Jahren eine extrem fruchtbare Gegend. Da haben wir 80er, 90er Böden. Da haben wir gerade genug Niederschlag, dass noch ein Wald da ist. Und dass es im Sommer zwar sehr trocken und warm ist, aber eben durch die tiefgründigen Böden doch noch weiter wächst. Wir haben eine Landwirtschaft, wo wir heute wissen, dass sie große Häuser gebaut haben, alles in Holz. Und durch diesen tollen Boden, in dem sie eben die senkrechten Stämme, an denen das Haus sozusagen aufgerichtet oder die Teile des Hausbaus waren, finden wir eben ganz wunderbar in ihrer Verwitterung noch in den Böden. Da hat man große Flächen abgetragen, den Oberboden abgetragen und findet dann im Unterboden diese Reste von dem Holz. Und kann daraus dann ganz toll errechnen, wie groß war das Haus, wie lang war das Haus sogar, dass es möglicherweise zweistöckig sein konnte und so weiter.

Also eine Kultur, die mit dem Himmel umgehen konnte und die große Kreisanlagen kannte. Ähnlich wie in Stonehenge, aber eben mit Holzpalisaden und Erdwellen gebaut. Und diese Anlagen hatten auch wieder einen Bezug zum Himmel. Da gab es ganz bestimmte Tage, an denen eben die Sonne durch eine Lücke in dem Holz vom Horizont auf eine bestimmte Stelle, wo vielleicht eine Skulptur stand, wo vielleicht irgendein Merkstamm stand oder so, schien. Das heißt, wir haben also eine Anlage, wo man das Wissen um die großen Zusammenhänge des Himmels in eine Konservierung, in eine Überdauerung, in eine Form bringt, in der es für mehrere Generationen ganz offensichtlich ist.

Ich sage es nochmal anders. Wir haben da in einer hochgradig gut entwickelten Landwirtschaftskultur mit Haustieren und Getreidebau und Gemüse und so weiter, eine Hochkultur, in der es die große Anstrengung, Bemühung wert war, Himmelsorientierung, Himmelsverhältnisse auf die Erde zu bringen. Auf der Erde manifest zu machen durch Strukturen in Form von riesigen Anlagen, die sozusagen das festhielten oder in Form von unglaublicher Leistung. Also es stehen hunderte von Menschen und ihre lebenslange Arbeit dahinter, bis das sozusagen gebaut ist oder hergestellt ist. Allein für die Metallurgie, allein für die Verhüttung, für die Reinheit dieser Erze und so weiter. Das ist heute alles sehr gut dokumentiert und untersucht.

Super, super spannend, dass sowas eben auch nördlich der Alpen stattgefunden hat und wir sehen heute durch die Forschung der Genetik, wir können ja heute aus den Knochen die Genetik herausholen, auch wenn die Knochen 10.000 Jahre alt sind. Das ist in Deutschland entwickelt worden in den letzten 20 Jahren, dafür ist auch ein Nobelpreis verliehen worden. Das ist eine unglaubliche Technik, dass es möglich ist aus Knochen die genetische Situation herauszuholen, auch wenn diese Knochen viele tausend Jahre alt sind. Und damit ist es möglich gewesen plötzlich zu verstehen, dass mit dem Einzug der Landwirtschaft nach Mitteleuropa, die Donau aufwärts, dass da eine völlig andere Bevölkerung sich breit macht. Es ist nicht so in Mitteleuropa, dass die vorhandene Bevölkerung langsam zur Landwirtschaft übergegangen ist, sondern es muss wirklich einen Wechsel gegeben haben. Es sind andere Menschen, die kommen eben aus diesem südosteuropäischen Raum und bringen die Landwirtschaft hierher und vermehren sich sehr und das geht über natürlich mehrere Jahrhunderte. Und die anderen, die schon da waren, die werden weniger, die verschwinden, die gehen nach Norden, die gehen andere Wege. Das sind neue Menschen. Und das ist schon ein Wechsel, den wir bisher nie in der Historik so richtig klar hatten. Wir hatten eigentlich immer mehr das Bild, dass die Menschen davon überzeugt sind, dass die Landwirtschaft irgendwie eine tollere Lebensform ist. Und das ist gar nicht so. Sondern es kommt eine neue Entwicklung durch neue Menschen in diesem mitteleuropäischen Raum.

Ja, diesen Abstecher wollte ich gerne machen, dass wir auch mal was hier aus unserer Gegend dabei haben. Jetzt muss man ganz entschieden sagen, das ist bei weitem nicht das Erste. Wir haben eine Landwirtschaftskultur schon mehrere tausend Jahre vorher. Das ist nicht der Anfang, sondern das ist da schon mehrere tausend Jahre her und alt, dass Landwirtschaft betrieben wird, kontinuierlich betrieben wird in Mitteleuropa. Und ist vielleicht mit einer Grundlage, mit einer Basis, dass so eine Kultur wie eben die, wo diese Himmelsscheibe entstanden ist, da sein konnte.

Die griechische Klassik: Demokratie und Harmonie 00:20:13

Ja, vielleicht können wir das da beschließen als kleinen Exkurs und wieder zurückgehen in unsere Zeit bei den Griechen. Jetzt eben tausend Jahre später, 500 vor Christus, 600, 800, die hellenistische Klassik, die tollste Zeit der Griechen. 400 vor Christus, die Erfindung der neuen Form des Gemeinwesens, eine Struktur, in der das Gespräch, die Auseinandersetzung fruchtbar wird dadurch, dass wir eigentlich auf Augenhöhe uns begegnen. Die Welt wird sozial nicht geregelt dadurch, dass es Gesetze gibt und Herrscher und Beherrschte, sondern die Welt wird dadurch geregelt, dass wir sie zusammen regeln wollen. Die Erfindung der Demokratie, eine unglaubliche Sache in dieser Klassik.

Die Skulpturen der Griechen, wir könnten jetzt eine Woche über die Griechen, ich liebe sie und ich hätte große Lust, aber wir dürfen uns das nicht erlauben, diese Skulpturen, die sind schöner als der Mensch ist, obwohl sie eigentlich wie naturalistisch sind. Oder diese Tempel, die Tempel, die ja eigentlich nirgends nichts, nie hat es das gegeben und auch später nie wieder, dass die Landschaft und das Kultgebäude eine solche Harmonie haben, wie die da so jeder Tempel für sich, bei jedem Tempel kann man das studieren, wie eigentlich unglaublich der in der Landschaft sitzt. Und das, was im Innersten des Tempels ist, gleichzeitig in der Art, wie der Tempel in der Landschaft ist, schon anwesend ist. Die Tempel haben ja ganz, ganz unterschiedliche Bestimmungen, je nachdem für welchen Gott oder Göttin sie gebaut sind. Und so müssen manche versteckt sein und man muss lange Wanderungen machen, um da hinzukommen, und andere müssen weit vom Meer schon erkennbar sein und so weiter und so weiter. Da gibt es also eine riesige Welt und auch bei dem Tempelbau ist das wie bei den Schiffen, das macht man nicht, weil man gezwungen ist, sondern weil wir jetzt gemeinsam den Entschluss haben, hier einen Tempel für die Aphrodite zu machen. Und es ist eine Ehre, daran teilzuhaben, an diesem Bau.

Die römische Kultur: Systematik, Ego und Täuschung 00:22:44

Da muss ich mir jetzt leider ganz stark verbieten, da tiefer einzusteigen, weil wir wollen weitergehen und wir wollen sehen, wie jetzt dieser Wechsel von der griechischen zur römischen Kultur in Bezug auf die Landwirtschaft vollzogen wurde. Und das ist schon spannend, weil wir jetzt eben etwas sehen, was eigentlich erstaunlich ist. Eigentlich waren die Römer, die römische Kultur, die Römer gibt es ja gar nicht, sondern man muss ehrlich sagen, die römische Kultur war die pfiffige Zusammensetzung von allem Möglichen. Die römische Kultur hatte eigentlich dieses wunderbare Vermögen, von allem das mitzunehmen, was kompatibel war, was passte. So gab es alle möglichen Götter und Religionen und so gab es alle möglichen Techniken und alles, was jeweils passte. Aber es war auch immer mit dem leichten Zug des Militärischen, mit dem leichten Zug der Unterdrückung, der Hierarchie und auch mit dem leichten Zug, wie kann man das sagen, wenn man aufgestiegen war und es zu etwas gebracht hatte, dann konnte man sich zur Ruhe setzen und ließ sich bedienen.

Also so eine gewisse Egonummer, die steht auch viel präsenter in der römischen Kultur als bei den Griechen. Ein Grieche, der ist am liebsten sozusagen bei irgendeiner ganz besonderen Fahrt übers Meer halt umgekommen, weil der Sturm kam. Das war der Preis für das tolle Leben. Ein Römer, der würde gerne 20 Jahre noch bedient werden und sozusagen ein Genussmensch. Die Thermen, die Griechen fanden das Baden jetzt, dafür muss man keine extra Anlagen bauen. Die Römer, die haben die Thermen erfunden, dieses sich in warmem Wasser aalen und dafür werden ganze Wälder verheizt und ganze Heerscharen von Sklaven müssen das in Gang bringen, Hauptsache wir können jetzt hier in diesem warmen Wasser so rumplanschen. Also es hat immer diesen leichten Ego, diesen leichten Zug, der ein bisschen unangenehm ist, wenn man da drauf guckt.

Und nun ist es ja so, dass zwischen diesen beiden Kulturen eben diese Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde ist. Das heißt, wir rechnen da eben auch dieses Vorher-Nachher, Vorchristus-Nachchristus, und wir sehen, dass der Impuls, dass der Kultureinschlag, dass das spirituelle, geistige, was eigentlich mit diesem Erscheinen dieser Sonnengottwesenheit auf der Erde selber passiert, dass das eigentlich in der griechischen Kultur noch ist. Und der Christus selber hat neuaramäisch gesprochen, aber er konnte höchstwahrscheinlich auch griechisch und die Kultur war griechisch. Griechisch war das, was heute Englisch ist. Man kann sich eigentlich überall auf der Welt verständigen und das war eben damals griechisch. Und so wurden eben auch die Evangelien aufgeschrieben, sehr schnell im Griechischen. Das heißt, das war die Kultur, die sozusagen tragend war, die eigentliche Kultursprache, obwohl es herrschaftsmäßig ja schon römisch war. Ihr wisst es genau, dieser Stadthalter und so weiter, das war eine römische Provinz.

Also es ist eigentlich genau an diesem Schnitt dieser beiden Kulturen und wir werden dann gleich in der übernächsten Betrachtung oder im übernächsten kleinen Unterkapitel werden wir sehen, inwiefern das Christentum als dann Folgeimpuls aus diesem Erscheinen oder Dasein des Christus Jesus auf der Erde, wie das dann doch alles anders wird. Hier zunächst erstmal die Feststellung, dass das da ist und eben noch diese drei Jahrhunderte römische Cäsaren-Welt. Und in dieser Zeit gibt es nun richtig viel Quellen. Ich habe versucht nochmal jetzt in der Vorbereitung ein bisschen mich da einzulesen. Es ist einfach schon ganz viel Originalmaterial, was die Römer aufschreiben über Landwirtschaft. Die schreiben jetzt auf einmal, die Griechen haben das mit so Storys abgehandelt, wie die Herkules-Geschichte. Die Römer machen eine systematische Beschreibung, wie Landwirtschaft geht.

Und wenn man das liest, dann denkt man ganz schön ans 20. Jahrhundert. Was musst du machen, damit du ein gutes Gut kaufst? Nicht, wie machst du Landwirtschaft, Fruchtbau oder so, sondern dass es eigentlich geht um Geschäfte machen. Und wie musst du mit den Sklaven sprechen, damit sie ordentlich arbeiten? Und wie musst du mit dem Pächter sprechen, damit der ordentlich für dich arbeitet? Und wie oft musst du da sein? Und wenn das Gut so und so groß ist, wie viel Fässer brauchst du dann für das Öl? Oder wie groß müssen die Scheunen sein für das Getreide? Das wird alles besprochen.

Und jetzt muss man wahnsinnig aufpassen, das lernt man eigentlich nicht so ohne weiteres. Man findet diese Cato und Columella und so, das sind wirklich Bücher, diese Beschreibung der Landwirtschaft. Die findet man im Original auch, die könnt ihr für einen Euro im Internet kaufen, ich kann die auch alle mal herbringen. Aber Achtung, Vorsicht, die Römer lügen wie gedruckt. Meistens steht hinter den Veröffentlichungen irgendeine Absicht. Man wollte sich in ein bestimmtes Licht stellen oder man wollte eine bestimmte Region ganz schlecht machen und eine andere ganz gut. Und das wird alles in Fakten verborgen. Du musst höllisch aufpassen, du brauchst richtig gute Forschung, um zu wissen, ist der Quelle zu trauen? Das ist auch bei Geschichtsbeschreibungen von Schlachten, es wird einfach gelogen, aber massiv. Es wird völlig falsche Fakten erzählt und zwar systematisch und die sind auch in dem Buch, das widerspricht sich nicht, das ist eine tolle Story, die passt. Aber die hat sich gar nicht so zugetragen. Die ist tendenziös geschrieben, weil man in Rom irgendeinen Titel haben wollte. Man hat irgendwo draußen eine Schlacht gegen irgendwelche schlimmen Germanen geschlagen oder irgendwas gemacht und muss das so darstellen, damit man zu Hause gefeiert wird. Und da wird eine Story aufgebaut, die völlig anders ist als die wirklichen Fakten. Aber die Story an sich ist perfekt. Das muss man wissen. Die Römer sind auch also perfekt im Lügen oder im Schönschreiben. Auch das kennen wir ja in unserer Kultur. Bestimmte Sachen werden einfach ausgespart. Man schreibt das eben so. Das kennen wir ja sehr gut in unserer Kultur.

Also das gehört dazu und doch muss man auch eben positiv sein. Ich habe es nicht so leicht mit den Römern. Deshalb muss ich mich immer sehr am Riemen reißen, dass das jetzt nicht tendenziös ist, was ich hier darstelle. Doch muss man wirklich sagen, die Landwirtschaft hat einen riesen Sprung gemacht. Die Landwirtschaft ist sehr viel systematischer gemacht worden, ist sehr viel technisierter gemacht worden. Ist sehr viel mehr auch standortbezogen. Die hatten einfach eine Wissenschaft davon, wo geht was. Wie steil kann man noch Getreidebau machen? Wann muss man aufhören und muss Schafe halten und Oliven anpflanzen? Die Römer liebten das Systematische. Und das hat der Landwirtschaft einen ziemlichen Aufschwung gebracht. Und die Römer hatten den Sinn dafür, wir können die Welt auf den Kopf stellen. Wir können machen, was wir wollen. Und was wir wollen, das machen wir aus Verständnis.

Und so waren sie die großen Meister der Neu-Urbarmachung von landwirtschaftlichem Grund und Boden. Das muss man ihnen zugute halten. Nie vorher sind so viele Landschaften umgewandelt worden zu Agrarland. Zum Beispiel durch Trockenlegen von Sümpfen. Und das hatte natürlich auch für die Kultur eine riesen Bedeutung. Wenn man heute weiß, die Malaria-Mücke lebt in den Sümpfen und wenn man die Po-Ebene trocken kriegt, dann ist auch irgendwann diese Malaria weg. Und das haben die Römer geschafft. Das sind schon unglaubliche Kulturleistungen. Nicht nur, dass man diese furchtbare Krankheit los wurde, sondern dass man Hunderttausende von Menschen ernähren konnte, die man vorher gar nicht ernähren konnte. Das muss man schon auch wirklich berücksichtigen. Obwohl es ein sehr hierarchisches System war und obwohl es eben auch sehr monetär war, es ging immer auch einfach ums Geldverdienen. Das war bei den Griechen nicht das Motiv. Das war vorher auch in Ägypten natürlich überhaupt gar nicht. Obwohl man schon irgendwelche Währungen hatte, um irgendwas zu bezahlen, aber das Motiv war nicht Geld anzuhäufen. Bei den Römern wurde das das Motiv.

Die Völkerwanderung: Ein Umschmelzungs-Impuls 00:32:33

Jetzt würde ich gerne weitergehen und einfach an die Stelle kommen, wo dieses römische Imperium zusammenkracht. Und es ist ja schon erstaunlich, dass es viele Jahrhunderte gehalten hat und so riesig war. Und eben immer den Reichtum da nach Rom gebracht hat. Und eben auch sehr ähnlich war, wie unsere heutige Welt, letztendlich davon lebte, immer wieder neue Völker, neue Regionen zu integrieren mit ziemlicher Gewalt und auszubeuten. Dadurch hat diese Welt ja überhaupt so lange bestehen können.

Und es ist nun sehr interessant, dass gerade von hier die kamen, die der Sache ein Ende bereiten. Also gerade aus diesem Raum zwischen oberhalb nördlich der Donau, östlich des Rheins, gerade aus diesem, ja wir würden vielleicht sagen heute polnisch, tschechisch, slowakischen, deutschen, dänischen, holländischen Raum kommen die Völker, die nun sagen, jetzt ist auch mal Schluss. Das geht ja über eine ganze Weile und irgendwann bricht es in sich zusammen. Und wir wissen ja heute sehr genau, das habt ihr sicher auch alle in der Schule gelernt, dass die Römer dann im letzten Moment dann noch das Christentum zur Staatsreligion machen, um sozusagen noch vielleicht doch über diese Schwelle zu kommen, dass das Ganze nicht beendet wird, und es nützt ja dann doch irgendwie nichts.

Und die neuen Kulturen aus dem Norden und Nordosten bis rüber in die Ukraine, also wir müssen uns klar sein, die Westgoten und die Ostgoten, das ist dieser Raum, in dem eben heute diese furchtbaren Auseinandersetzungen da sind zwischen dem russischen und ukrainischen, und wo die Griechen auch ganz massiv vorher gesiedelt hatten und die über das Schwarze Meer dahin kamen, aus diesem Raum kommen die Goten, und gerade die Ostgoten und die Westgoten spielen eine riesige Rolle dann in der Völkerwanderung und für die Entwicklung des Europäischen.

Also die Völkerwanderung, die das eigentlich beendet und die jetzt aus diesem Raum Impulse reinbringt, die auf eine andere Art und Weise mit dem Christentum sich verbunden haben. Vielleicht als ein Blitzlicht Ulfilas oder Wulfilas, dieser Gotenkönig, der dem Volk, seinem Volk irgendwie klar macht, wir müssen uns mit diesem Christentum auseinandersetzen. Das könnte etwas sein, was uns wirklich weiterbringt, und weil wir ja gar keine Schriftkultur haben und weil wir noch ganz in der alten, man würde vielleicht sagen, slawischen Mythologie festhängen, muss ich mal eben gerade eine Schrift erfinden. Und dann können wir dieses Neue Testament, so wie es für uns vielleicht passend ist, übersetzen und da in dieser Schrift verbreiten und dann wisst ihr das alle. Und das macht er einfach. Er ist nicht nur so, dass man sagt, er führt dieses Volk oder sein Volk oder so, bringt das im Zusammenhang, in Berührung mit diesem Christusimpuls, sondern er erfindet eben nebenbei auch eine Schriftsprache und sorgt dafür, dass das auch verbreitet wird. Die sogenannte Wulfilas-Bibel, die ist heute in Schweden, in Uppsala, aufbewahrt. Eine wunderschöne Schrift, die er einfach erfindet, um in seinem Gotisch diesem Volk sozusagen das zu bringen. Und dann ziehen die irgendwie ein, zwei Generationen später los und rollen halb Europa auf. Sie sind überall plötzlich.

Und dieser Impuls ist jetzt tief drinnen, unten sozusagen in unserer Kultur mit drinnen. Und die bringen nun eine Landwirtschaft herein nach Mitteleuropa und auch nach Südeuropa, die anders ist. Wo man eben große Räume auch überschaut und wo man Bewegung und Ausgleich eigentlich sucht im Großräumigen. Und es hängt einfach auch damit zusammen, dass sie in Bewegung gekommen sind durch diese Völkerwanderung. Die Völkerwanderung ist bis heute ja ein Riesenrätsel. Wir wissen immer noch nicht genau, warum das so passiert ist und was da eigentlich wirklich der Motor war. Und warum alle, fast alle, bis auf die Nordhessen, Chatten, die bleiben zu Hause. Die haben keine Lust zu wandern. Also wer in Fritzlar oder Witzenhausen oder Kassel oder so wohnt, der sollte sich das immer mal klar machen, dass hier sind die Menschen auch bei der Völkerwanderung zu Hause geblieben. Das hat die nicht berührt. Überall, alle, von Spanien bis Ukraine, von Südschweden bis Nordafrika, alle waren unterwegs, die Chatten blieben in Nordhessen. Interessant, ich habe da lange gelebt, ich weiß, wovon ich rede.

Also ja, alle sind in Bewegung. Wir wissen heute nicht genau, was sie getrieben hat und wie das eigentlich zustande kam. Ja, da hat man so äußere Punkte, an denen man das so festmacht. Aber auch das kann man nur verstehen, da bin ich ganz sicher, wenn man das als Ausdruck der inneren Seite betrachtet. Irgendwie war es plötzlich so, dass man etwas bei dem anderen gesucht hat oder dass man eine Weiterentwicklung dadurch erreichte, dass man das Vorhandene verlässt und was Neues aufsucht. Und das natürlich irgendwie findet und doch nicht findet und wieder weiterzieht und dann kommen äußere Ergebnisse. Da darf man nicht und da gibt es Auseinandersetzungen usw. Aber auch das Aufbruchsmotiv, das ist sehr spannend und sehr rätselhaft und zeigt eben wieder diese innere Entwicklung. Es muss wieder ein neuer Einschlag gewesen sein in der ganzen Menschheit, der dafür gesorgt hat, dass sich das alles so wandelte. Und auch natürlich damit diese Statik, die immer von Rom aus geplant und durchgeführt wurde, zu Ende war.

Und die ganze Völkerwanderung kann man gar nicht verstehen ohne den Christusimpuls. Also dass die verschieden und unter verschiedener Auslegung auch dieses Impulses unterwegs waren. Und alles eigentlich neu sortiert wurde oder durchgemischt. Sortiert gar nicht, das ist eine falsche Aussage. Alles durchgemischt wurde. Es war dann viel mehr Chaos, viel mehr Offenheit, viel mehr Chance, viel mehr Wissen von Technologien, von Anbauen von Kulturen usw. Pflanzenbaukulturen, die man auch anbauen kann, weil man mit ganz anderen Ethnien, ganz anderen Menschen in Berührung gekommen war, die vorher tausend Kilometer weiter weg gewohnt haben und die ihre Kulturen, ihr Saatgut usw. mitgebracht haben. Ein riesiger Umschmelzungs-Verwandlungsimpuls von ganz Europa. Warum tauchen die dann plötzlich zwei Generationen später alle, eine bestimmte Ethnie taucht dann plötzlich in Nordafrika auf usw.

Der Benediktinische Impuls: Ora et Labora 00:40:18

Also wir können auch da jetzt lange drüber sprechen. Fakt ist, wir kriegen eine Durchmischung und landwirtschaftliche Technologien, landwirtschaftliches Können, Saatgut, Haustiere werden durchmischt. Es geht auch was verloren. Aber erstmal ist diese ganz große Mischung und vieles kommt wohin, wo es eben vorher nicht war.

Und jetzt kurz danach sortiert sich die Welt neu. Und das ist ein spannender Moment, an den ich vielleicht heute als letztes noch bringen möchte. Jetzt kommt das erste Mal etwas in der europäischen Welt zustande. Vorher ist es einmal in Äthiopien schon gewesen. Das unter der Idee dieser Nächstenliebe-Religion, dieser Religion der Entwicklung, das unter dieser Idee Gemeinschaftsbildung auf Augenhöhe passiert. Und das ist die Gründung in Monte Cassino, etwas da in der Gegend von Neapel, die erste Gemeinschaft, die Arbeiten und Leben und Beten in eins bringen will und bringt.

Es braucht zwei Anläufe. Der Benedikt von Nursia, der das sozusagen vorantreibt, kommt eigentlich aus einer sehr reichen Familie, hat eigentlich dieses ganze Degenerative und Egomäßige der römischen Hochkultur noch in der Familie sozusagen mit an Bord und entsagt dem und sucht sozusagen Kollegen, die auch so etwas suchen. Und jetzt ist es eben nicht nur eine Gemeinschaft, die irgendwie einen spirituellen, einen religiösen, einen meditativen, einen irgendwie gemeinschaftlichen Ansatz haben, sondern ein Ansatz, wo jetzt die Natur mit einbezogen wird. Wir gehen dahin, wo keiner ist, wo es wild ist, wo wir niemanden etwas wegnehmen und machen ein Stück Welt urbar und Leben von unserer Hände Arbeit.

Wir entsagen, das muss man wirklich gut klar haben, was dann geworden ist, ist wieder ein bisschen was anderes. Man guckt ja heute so ein bisschen komisch auf die Klöster und so. Erstmal muss man sehen, wir entsagen dieser merkwürdigen Kultur, dass wir von überall alles rauben und die Randvölker des römischen Imperiums die Arbeit machen und wir genießen. Das wollen wir nicht mehr. Das ist ganz klar mit in diesem ersten Paket. Ziemlich genau um 500, 495, wie gesagt, zwei Gründungen, es kommt jetzt gar nicht auf das Jahr drauf an, sondern auf diesen Impuls. Wir wollen eine innere Arbeit, ein Inneres an uns arbeiten, damit zusammenbringen, dass wir zusammenleben. Und dieses Leben beruht auf dem, was ein Ort uns gibt, den wir selber bearbeiten und nicht bearbeiten lassen. Und irgendwie mit Unterdrückten dann, die eigentlich die Arbeit machen müssen, sondern wir können so viel, jetzt sage ich es nochmal mit anderen Worten, wir können so viel innere Entwicklung machen und so viel Zeit dafür haben, wie wir auch äußere Entwicklung an der Natur ermöglichen.

Habt ihr es? Ganz wichtiger Punkt. Unglaublich wichtiger Einschlag. Ich sage es nochmal mit anderen Worten. Indem wir die äußere Welt umfrieden mit einer Mauer, wirklich da, wo nur Wald und Macchia und niemand ist, da nehmen wir ein Stück, machen eine Mauer drumrum und versuchen innen das Allerbeste. Und das ist viel, viel Arbeit. Und aus dieser Arbeit können wir leben und können ein Leben führen, indem wir ein Inneres uns bemühen in den Mittelpunkt stellen. Da sind auch Feste und da ist auch Feiern und da ist auch alles möglich dabei, aber eigentlich die Haupttendenz ist diese innere Entwicklung als Gemeinschaftsprojekt, aufruhend auf der äußeren Arbeit. Und das ist dieses Motiv Arbeiten und Beten oder Beten und Arbeiten, Ora et Labora.

Und dazu gehört jetzt was saumodernes, was auch immer vergessen wird, was auch in der Schule nicht richtig, in den Geschichtsbüchern nicht richtig rausgearbeitet wird, diese ersten Gemeinschaften wählen ihren Abt. Das ist wirklich horizontal, das ist was saumodernes. Wir sind eine Gemeinschaft auf Augenhöhe und wir brauchen einen, der für uns bestimmte Dinge regelt, weil manchmal muss es schnell gehen, manchmal ist eine Außenvertretung erforderlich und so weiter. Und wenn das gar nicht geht, dann wählen wir einen anderen oder wenn der stirbt oder so. Also das hat es so nie gegeben vorher. Ein Ansatz war 800 Jahre vorher die griechische Polis, hatte ich vorhin erwähnt, aber eigentlich ist das alles verschwunden und man hat immer ganz merkwürdige Herrschaftssysteme, irgendwelche Hierarchien gehabt, ob die auf Vererbung aufruhten oder auf Gewalt. Aber dass wir sozusagen als Gemeinschaft sagen, wir wollen zusammen und wir organisieren auch, wie wir uns führen oder führen lassen zusammen aus unserer Mitte. Da kommt nicht jemand von außen und sagt, du bist jetzt unser Präsident, sondern aus unserer Mitte heraus bestimmen wir, wer soll es denn jetzt machen.

Und in diesem Kontext entsteht jetzt aus dieser gesamten Situation das erste Mal ein stabiles Verhältnis zwischen Pflanzenbau und Tierhaltung. Vorher ist es bei den Römern, man findet das in dieser Landwirtschaftsliteratur, dass der Mist eine Bedeutung hat und so. Aber das ist nichts, was man systematisch sozusagen mit im Paket, mit in dem Ganzen sieht, sondern man sieht eigentlich Landwirtschaft mehr, wie man es heute im Konventionellen, mehr monetär, mehr ökonomisch. Man hat nicht den Blick, wie baue ich eigentlich einen landwirtschaftlichen Kontext so zusammen, dass er stabil ist und sich selber zu immer mehr Fruchtbarkeit weiterentwickelt.

Und so kann man schon mit Fug und Recht sagen, das was wir eigentlich bemühen, worum wir eigentlich suchen, ganz anfänglich dieses Organismusbilden einer Landwirtschaft, dieses biodynamische Motiv, das hat hier sein erstes Vorspiel. Oder da kommt das erste Mal, das sozusagen pur als Motiv stellt sich das dar, aus dieser eigentlich spirituellen Suchbewegung, aus dieser geistigen Suchbewegung, aus dieser, ja, wir wollen eigentlich uns enthalten der Genusswelt, wir wollen eigentlich zusammen eine innere Entwicklung machen und wir wollen mit der Natur eine äußere Entwicklung ermöglichen.

Und wenn ihr einmal mit dem Christentum zu tun habt, was das orthodoxe Christentum ist, also in Griechenland und überall, wo orthodoxes Christentum ist, dann werdet ihr merken, dieser Impuls in Bezug auf die Natur, der ist da gar nicht. Das liegt ganz anders. Das ist, bin ich jetzt nicht besser oder schlechter, gar nicht. Darum geht es gar nicht. Ich will sagen, das ist etwas, was mit der westlichen Entwicklung des Christusimpulses zusammenhängt, dass es dazu kommt. Im Osten ist es in einem, eben in Äthiopien, habe ich ja gesagt, da ist es schon 330, 350 gab es schon solche Gemeinschaften, die auch einen Bezug hatten zu Nahrung und Erzeugung. Das war aber nicht so, wie er dann eben im Westen entstanden ist.

Ausblick: Das Rätsel des Mittelalters 00:48:45

Also ja, das ist vielleicht das Bild, was wir hier haben und das spielt dann für die nächsten tausend Jahre eine gigantische Rolle. Und das werden wir dann morgen weiter verfolgen, wie eigentlich jetzt durch alles, was dann passiert, äußerlich, aber auch innerlich, wie alles verloren geht. Wie das Mittelalter eigentlich eine ganz merkwürdige Sache ist, weil so viel an Kultur, an Wissen, an Technik, an Händlingen, ich weiß gar nicht, wie man das alles beschreiben soll, verloren geht. Das Leben wird wieder so weit und so lange, so einfach und so entbehrungsreich und so primitiv, dass man es sich kaum vorstellen kann, wie das eigentlich entstand, warum das eigentlich passiert ist. Und es passiert überall. Es ist in ganz vielen europäischen Ländern so, dass mit dem beginnenden Mittelalter, dann 600, 700, 800 ein irrsinniger Rückgang der Bevölkerung und ganz, ganz vieles, was vorher da war, ist verloren. Und man macht eigentlich eine sehr archaische Art von Landwirtschaft und es wird ganz einfach und man hat den Eindruck oder die Frage, was passiert denn eigentlich? Irgendwas muss doch passieren. Irgendeinen Sinn muss das doch haben. Es kann doch nicht nur einfach sein, dass man das alles vergisst und sozusagen in ein Leben zurückfällt, was sehr einfach ist.

Und mit diesem Rätsel und eben diesen Gemeinschaftsimpuls oder Klosterimpuls, da wollen wir dann morgen weitermachen. Herzlichen Dank soweit und eine schöne nächste Stunde.

Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

Glossar

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar A

A


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar B

B


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar C

C


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar D

D


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar E

E


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar F

F


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar G

G


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar H

H


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar I

I


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar J

J


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar K

K


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar L

L


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar M

M


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar N

N


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar O

O


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar P

P


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Q

Q


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar R

R


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar S

S


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar T

T


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar U

U


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar V

V


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar W

W


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar X

X


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Y

Y


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar Z

Z


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9 | Gesamtglossar 0-9

0-9


Folge 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

| zurück zu Martin von Mackensen |

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9