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5. Folge biodynamischer Grundkurs im November 2025 - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2025
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Transkription 5. Folge vom 8. November 2025
Einleitung und Organisatorisches 00:00:19
Sind wir vollständig oder weiß jemand von jemandem, der gerade in einer halben Minute noch kommt? Dann fangen wir an. Ja, also wir haben heute ein kleines Kapitel, wo ich einfach sehr mit verbunden bin, was mich sehr berührt und mein großes Problem wird die Zeit sein, dass ich das in eine Stunde reinkriege, weil da würde ich so gerne eine ganze Woche darüber erzählen, aber die Zeit haben wir einfach nicht.
Rückblick: Methodik und Zielsetzung des Kurses 00:00:54
Und wir machen noch mal kurz uns klar, wie wir hier, worum es hier geht. Wir wollen verstehen, wie ist Landwirtschaft entstanden und wie hat sie sich verwandelt unter dem Gesichtspunkt, dass es auch eine innere Entwicklung gibt, das heißt eine Entwicklung unseres Bewusstseins, unserem Empfinden, unserer Emotionen und so weiter. Und das heißt, wir haben die Geschichte als Ausdruck von innerer Veränderung des Menschen zu studieren und natürlich müssen wir zunächst die Fakten gut kennen, soweit sie heute bekannt sind und wir müssen auch wach sein für die Lücken und uns denken können, das könnte noch so oder so herauskommen.
Und wir brauchen ein Verständnis von der Mythologie, wir müssen irgendwie auch an dieses anschließen können, was eigentlich mit dem großen Paket, was die Menschheit oder eine bestimmte Menschengruppe in einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit mit dabei hatten, was sozusagen mit eine große Rolle spielte. Wie kann man das eigentlich erschließen, um daraus auch unser Bild von Geschichte und Wandel und Entstehung dessen, wo wir heute stehen, mitzubenutzen. Und wir sind auch nicht dogmatisch und lehnen jede geistoffene Geschichtserkenntnis ab, sondern beziehen eben solche Gesichtspunkte, wie sie eben zum Beispiel durch Rudolf Steiner in Bezug auf Geschichte eingebracht werden, auch mit ein.
Rückblick: Der benediktinische Impuls als Modell 00:03:09
Und mit diesen vier Gesichtspunkten sind wir unterwegs und haben die ganze erste und zweite und dritte Phase von Geschichte und Landwirtschaft sozusagen angedeutet und waren jetzt gestern gekommen, bis in dem römischen Imperium der Zusammenbruch kam, die Völkerwanderung und dann diese erste Entstehung einer Gemeinschaft aus einem inneren Motiv heraus, aus einem Motiv diesen Christusimpuls in seiner, in der Weise, wie diese Gemeinschaft das eben aufgefasst hat, in den Mittelpunkt zu stellen und dann zu sagen, ja, wir wollen aber nicht nur irgendwie ein inneres Leben und eine Religiosität im Zusammenleben mit den anderen Menschen entwickeln, sondern wir wollen eigentlich eine Art Religiosität in Bezug auf die Natur entwickeln.
Und das ist wirklich neu und das führt eben zu diesem geschlossenen, ja, wir würden vielleicht heute sagen Betriebsorganismus der Klostergemeinschaft, die eben das so macht, dass sie davon leben kann. Und in aller Regel funktioniert das auch und das begrenzt sie auch und das ist auch durchaus entbehrungsreich und gleichzeitig ist es, man könnte sagen, ein Modell für die nächsten anderthalbtausend Jahre oder zwölfhundert Jahre. Also bis 1750 oder so geht eigentlich das Mittelalter in der Landwirtschaft und bis dahin hat das eine große Wirksamkeit.
Im Grunde genommen, das kann man hier am Dortenfelder Hof sehr schön studieren, an der Geschichte des Dortenfelder Hofes, im Grunde genommen so um 1800 ist das dann endgültig vorbei und äußerlich ist es vorbei dadurch, dass es eine Säkularisierung gibt, dass die Klösterbesitzungen, die kirchlichen Besitzungen in weltliche Besitzungen übergehen, das heißt, Herzöge, Landgrafen, Könige, wie auch immer, werden Eigentümer dieser Besitzungen und viel wichtiger eigentlich das innere Leben in diesen Gemeinschaften ist eigentlich schon vorher lange immer weniger innen aktiv und man erhält es noch irgendwie und damit ist es dann auch eben irgendwann zu Ende.
Das frühe Mittelalter: Verlust von Wissen und Wandel der Spiritualität 00:06:02
Wir gehen an den Anfang dieser Entwicklung, an den Beginn des Mittelalters, wir haben die Völkerwanderung ein bisschen angedeutet und wir können jetzt sehr mit Fug und Recht, also das ist wirklich gut möglich jetzt nördlich der Alpen zu schauen, wirklich in Mitteleuropa, man findet aber eine ähnliche Entwicklung auch südlich, also in Spanien, in Italien, auf dem Balkan, überall ist es eigentlich in dem Gebiet von Tschechien, von Deutschland, von Holland, von Belgien, von Frankreich, das ist auch England, auch Dänemark, das ist ein bisschen, sind da manchmal ein, zwei Jahrhunderte Verschiebung, aber die Entwicklung des Grundsätzliches ist eigentlich für ganz Mitteleuropa jetzt sehr ähnlich.
Ich hatte das gestern schon gesagt, es kommt zu einem ganz starken Verlust von Techniken, von Wissen, von Können alter Landbaukultur aus dem Altertum, also aus der griechisch-römischen Periode, da hat man vieles schon entwickelt gehabt, was dann gar nicht mehr vorhanden war, was verloren ging und was eben dann interessanterweise erst wieder 1750, 1800, 1820 entdeckt wird und wieder realisiert wird und wir können heute sagen, ja guck mal, das hatten die alten Römer schon. Aber erstmal ist es weg, also es gibt eine Verarmung an äußerer Technik und es gibt sehr stark eine Reduzierung der Menschen, es werden einfach sehr viel weniger Menschen, die da in Mitteleuropa leben. Und es nimmt damit zu, die Verwaltung, es wird also, viele Gebiete sind wieder bewaldet und man hat da heute sehr gute Studien über ganz Europa hin, man kann sagen, im römischen Kaiserreich in seiner Spitze gab es sozusagen einen Peak der Entwaldung der großen Menge an Kulturland und das erreichte man dann wieder irgendwie um 1000, um 1100 und dann wird es sogar mehr. Bis 1300 ist Europa, Mitteleuropa entwaldeter als heute. Es gibt also weniger Wald und mehr landwirtschaftliche Fläche dann am Ende Spätmittelalter als es heute der Fall ist. Es gibt dann wieder eine neue Bewaldung. Also es sind so Zyklen, die auch interessant sind und mit denen man auch eben etwas verstehen kann von dieser ganzen Geschichte.
Wir gehen an diese Stelle zurück, 600, 700 und da können wir eben gut und gerne hier in der Region schauen und da sehen wir kleine Siedlungen, die großen römischen Städte sind zusammengebrochen, da gibt es noch kleine Städtchen, also wenn wir an Mainz und Köln und Trier und all diese Städte denken, die römische Gründungen sind und die jahrhundertelang ein hochzivilisiertes, aber auch durchreglementiertes Stadtleben hatten, das ist alles nicht mehr da. In gewisser Weise sind diese Städte Steinbrüche. Man holt sich aus den Ruinen die Steine, die mal die Römer produziert hatten. Und es ist ein Zehntel der Bevölkerung oder noch weniger. Und die regionalen, die kleinen Ministädtchen oder Dörfer, die es gab, auch da ist es so, aber es gibt auch neue Siedlungen.
Und hier zum Beispiel ganz im Umkreis von 10, 15, 20 Kilometern, hier waren ja die Römer sehr aktiv und hatten 200 Jahre eigentlich here ihre Landwirtschaft gemacht und ihre Schwimmbadkultur am Südbahnhof von Bad Vilbel mit dem riesen Warmbad, wo ein Ofen unten drunter war, den würde man hier kaum in das Gebäude, in diesen Saal reinbauen können. Da verschwanden ganze Stämme drin, ganze Wälder, um diesen Lebensstil zu produzieren. Das alles war zu Ende und es war eine viel ärmere Bevölkerung. Aber dieser Limes, diese Grenze, die es da mal gab, 20 Kilometer von hier vor dem Taunus, 20, 25, 30 Kilometer von hier da zwischen Gießen und uns und dann im Osten auch wieder 30, 40 Kilometer, dieser Bogen, den der Limes hier um diese fruchtbare Wetterau herum machte und damit dieses Gebiet eben noch dem römischen Imperium sicher zuordnete und dahinter fing das wilde Germanien an, der war nicht mehr aktiv, der hatte keine Bedeutung mehr. Das war längst vorbei, es gab also eine einheitliche Situation, so eine Grenze bestand nicht mehr und jetzt finden wir hier 550, 600 die ersten Gräber, in so Gräberfeldern, die nicht mehr nord-südlich beerdigt sind.
Und das ist ein ganz sicheres Indiz dafür, dass in einer bestimmten Weise eine neue Spiritualität, eine andere Art des Zusammenlebens wirksam wird, nämlich eine christliche. Für die Christen war es immer oder mit dieser christlichen Kultur ging eben in dieser Zeit einher, dass man die Gräber ost-westlich ausrichtete, wie die Kirchen auch. Und das ist für uns heute eine tolle Sache, weil wir dadurch an einem Gräberfeld sagen können, da hatten wir nicht mitgerechnet, 550, 600, ein Gräberfeld hier, schon christliche Bestattung. Und dann ist ein anderes Gräberfeld zwei, drei Kilometer weiter weg und da ist es noch nord-südlich. Und dann findet man die Beigaben und dann findet man die ersten kleinen Bronze-Anstecker und so und die erzählen dann auch etwas von diesem großen, großen Wandel.
Die Iroschottische Mission: Ein oft übersehener Impuls 00:12:41
Und auf diesen Wandel möchte ich jetzt eigentlich nicht von den Dokumenten und den archäologischen Befunden aus draufschauen, sondern ich möchte ihn eigentlich so schildern, wie wir ihn heute kennen können, wenn wir die Quellen studieren, also alles, was man eben über Urkunden und Beschreibungen weiß. Und da taucht ein Bild auf, was man echt gut kennen muss, was ich für eine sehr wichtige Sache halte. Die Missionierung, die Entwicklung des christlichen Glaubens, des christlichen Lebens ist nicht nur aus dem Süden passiert. Wir dürfen nicht glauben, Mitteleuropa sei allein auf dem Wege der Missionstätigkeit des römisch geprägten Christentums so geworden. Sondern es gibt eine zweite oder eine alternative oder vielfach auch die erste Entwicklung in dieser Hinsicht und die kommt nun aus einer Ecke, wo man es überhaupt nicht vermuten würde, nämlich aus dem äußersten Westen und Norden, aus Irland.
In Irland hat es eine sehr frühe, hochspirituelle Kultur gegeben, 100, 200, 300 nach Christus, die dazu geführt hat, dass man eine extrem friedvolle und kooperative Lebensweise entwickelt hatte und die war tief verbunden mit dem Christusimpuls. Und das wurde irgendwie so stabil, dass dieser Wunsch entstand, das auch zu verbreiten. Und so gab es eine Art Klosterkultur, die darin bestand, dass immer zwölf eine Einheit bilden und diese zwölf eben nicht ein Gebäude hatten und einen festen Ort und irgendwie hier sind wir und wir machen das so, sondern eine Wandermissions-, eine Wanderkultur.
Und wir müssen sehen, oder wir können sehen, dass Mitteleuropa jetzt durchzogen wird von dem 5., 6. bis ins 9., 10. Jahrhundert hinein von solchen wandernden Zwölfergruppen, die unterwegs sind und irgendwie mit den Menschen kooperieren. Die haben keinerlei militärische Gewalt, die haben keinerlei Macht in irgendeiner Form, sondern sie lassen sich auf die Menschen ein, die in einer bestimmten Region leben und kommen mit ihnen so ins Gespräch und leben da eine gewisse Zeit, dass irgendwie hinter denen alles anders ist. Die ziehen dann weiter und dann ändert sich da ganz viel.
Das ist eine spannende Sache und es geht eben wirklich diesen Weg, man könnte sagen über die Niederlande, über das Pariser Becken, über dieses Gebiet Köln, über den nördlich, über Sachs, das hat man früher Sachsen genannt, also Detmold und dann runter Göttingen, Nordhessen, Südhessen, aber auch den Rhein runter und dann hier und dann nach Osten Würzburg. Und so können wir heute diese Wege nachzeichnen und wir finden Gruppen und die bekannteste und bestbelegteste ist der Kolumban, der Jüngere, die da eben durch Mitteleuropa ziehen. Kolumban. Ungefähr 580, 640, so mal als Größenordnung und tief unter der später erfolgenden Missionierung aus dem Frankenreich, also aus Westen, aus Südwesten eigentlich, die dann sehr viel mit Gewalt und mit Militär passierte, tief drunter ist das ganz häufig zu finden.
Also, wenn ihr in Würzburg seid und die älteste Kirche auf dem Marienberg danach fragt oder archäologische Berichte sucht und so, dann ist das so eine Gründung. Wenn ihr hier drei, vier Dörfer weitergeht, dann gibt es Kilianstätten. Das war nämlich ein heiliger Kilian, ein solcher Missionar, der oder eine solche Gruppe, die sich um diesen Mann irgendwie bildete, die hier so irgendwie über die Jahre so durchzog. Wenn wir ein bisschen nach Norden gehen, kommen wir in das Gebiet von Marburg und da gibt es die Amöneburg. Und dann gibt es einen Berg bei Fritzlar-Büraberg. Dann gibt es in Paderborn eine ganz entscheidende erste kirchlich mini kleine Gründung, eine Gemeinschaft, die da auch auf Einfluss dieser iroschottischen Mission, so findet ihr das, die da entstanden ist.
Und wir können die heute relativ gut dadurch finden, dass wir immer den querrechteckigen Chor an einer kleinen Kapelle haben gegenüber dem später unter dem römischen im Christentum dann meistens runden Chor. Ganz einfach und oft nur eine kleine Grundmauer aus Stein und das sind dann mal acht Meter Länge und fünf Meter Breite oder auch nur fünf Meter Länge und drei kleine Kapellen, Holzbau, querrechteckiger Chor und das sind oft die allerersten unter den großen Kirchen. Wenn man nach Paderborn geht, die Abdinghofkirche, fünf verschiedene Bauten übereinander, fünfmal ist sozusagen vergrößert worden über die Jahrhunderte, fünfmal ist eine neue Kirche gebaut und dann baut man heute irgendwann eine Fußbodenheizung ein und dabei haben die Archäologen einmal die Chance wirklich unten zu gucken, was war denn Nummer eins und dann findet man plötzlich eine Kirche, die nicht ganz genau so eingenordet ist wie die anderen fünf, sondern die ein bisschen schräg dazu steht und die plötzlich einen querrechteckigen Chor hat und jeder Fachmann weiß, das ist was ganz anderes.
Die Haltung der Iroschotten und der Konflikt mit Bonifatius 00:19:38
Und diesen Impuls, den möchte ich sozusagen in eure Seelen übertragen, in gewisser Weise schließen wir heute ein bisschen an denen an. Für uns, für das Biodynamische ist das wie eine Quelle, dass wir eigentlich wissen können, es ist nicht nur dieses Christentum, was dann mit einer ziemlichen Gewalt und einer ziemlichen Einseitigkeit hier nach Mitteleuropa gebracht wurde, sondern dem liegt etwas zugrunde, was sehr fruchtbar irgendwie war und interessanterweise haben dann solche Missionare wie Bonifatius, 720, 740, immer auf den Spuren der vorherigen iroschottischen Missionen gehandelt und sein Biograf hat dann dummerweise auch einmal klar geschrieben, was eigentlich das Thema ist, nämlich hier bei Marburg auf der Amöneburg. Ja, wir haben dort zwei Männer gefunden, die in falscher Weise das Christentum missbrauchend da tätig waren und eine Gemeinschaft hatten. Und die haben wir erstmal entfernt so ungefähr, da haben wir jetzt mal für Ordnung gesorgt. Und wir hatten natürlich Soldaten dabei von der fränkischen Macht, von dem fränkischen Königen und dieser Detik und Deowulf, nun wirklich keine germanisch-deutschen Namen, sondern ganz eindeutig iroschottische Namen, die waren damit beseitigt so ungefähr.
Und diese iroschottische Mission wird am Bodensee dann ganz deutlich, da gibt es das St. Gallen, das ist der Gallus, auch ein irischer Missionar, ich benutze eigentlich ungern dieses Wort Missionar, weil das ergibt ein falsches Bild. Das müssen Menschen gewesen sein, die irgendwie durch ihr Sein, durch ihre Art und Weise, wie sie mit der Bevölkerung gesprochen haben, etwas erreicht haben, weil die waren da nicht lange und die hatten keine Macht und nichts. Die haben mit den Menschen irgendwie gesprochen und gelebt und so und danach wurde alles anders. Und am Bodensee gibt es dann diese wunderbare Legende, dass einer dieser iroschottischen Mönche einer der Bodenseeinseln dahin geht und mit den Tieren spricht und daraufhin verschwinden die giftigen und wilden Schlangen von selber. Das ist ein Bild, nicht? Er ist da nicht hingegangen und hat die irgendwie alle geköpft oder so, sondern dieses Bild mit diesem Menschen, mit diesem Impuls ist diese Insel zu einer Oase der Landwirtschaft, des Friedens, der Entwicklung geworden.
Diese iroschottische Mission, die eben natürlich eine Art von Landwirtschaft mit im Paket hatte, die auch ganz schön anders war als das, was man hier hatte, das wissen wir leider sehr wenig. Da ist ganz, ganz wenig überliefert. Wir wissen dann aus den späteren Jahrhunderten, 800, 900, aus ganz bestimmten Klöstern, dass sie führend waren bei der Züchtung und dass da sicher auch einiges von diesem Impuls mit drin war. Aber wir können heute nicht sagen, diese oder jene Kulturpflanze oder dieses oder jenes kommt wirklich aus diesem iroschottischen Impuls. Ich würde eher sagen, es ist die Grundmethodik, es ist die Grundhaltung, es ist die Grundeinstellung zum anderen Menschen und zur Natur, die nochmal eine ganz andere Art und einen ganz anderen Einschlag hatte als dasjenige, was eben dann danach in Mitteleuropa Platz gegriffen hat.
Der fränkische Macht-Impuls als Fortsetzung Roms 00:23:46
Was eben mit den Franken zu tun hat, mit dem Chlodwig, Chlodwig der Franke, der genau in denselben Jahren, in denen Benedikt von Nursia bei Neapel diese erste Gemeinschaft begründete, tritt Chlodwig, vielleicht einer der brutalsten Herrscher, die wir überhaupt so kennen, dem Christentum, zum Christentum über und das hat machtpolitische Gründe. Und das zieht sich dann 150, 200 Jahre weiter durch unter diesen Franken, Königen, Merovinger, da wurde sich bei der Festmahl, während des Festmahls innerhalb der Familie der Kopf abgehauen. Die Brutalität kennt keine Grenzen und so ist man natürlich auch mit seinen Untergebenen umgegangen. Also wirklich eigentlich sehr trübe Geschichte und sie sind im Grunde genommen diejenigen, die aus diesem Gebiet in Flandern, in Belgien, Holland aus dieser neblig, kalten Ecke Europas kommen und am wenigsten mitbekommen hatten von dem römischen Imperium und am besten kopiert haben 200, 300 Jahre später diese römische Art und Weise.
So kann man sie eigentlich beschreiben und sie hatten eigentlich von der ganzen Kultur des römischen Imperiums ganz wenig mitbekommen und sie hatten sehr gut rausgekriegt, wie man eigentlich Machterhalt macht und wie man Ausdehnung macht und so hat man eigentlich dann schlussendlich im Karl dem Großen und seinen Vorfahren und dieser ganzen Merovingisch-Karolingischen-Fränkischen Imperiumsbegründung eine Fortsetzung des römischen am stärksten. Und das paart sich eben nun mit dem Christentum und das wird ja auch in eurer Geschichte in der Schule präsent gewesen sein, Karl der Große, der jetzt Kaiser wird und vom Papst gekrönt wird und eigentlich in einer Art das alte römische Imperium erneuernd, das kombiniert mit einer ganz bestimmten Weise mit dem Christentum. Und das kann man nur verstehen, dass das überhaupt möglich war, wenn man diese andere Seite, diese iroschottische Mission eben auch kennt. Die wird leider in den Geschichtsbüchern viel zu wenig erzählt, weil sie auch schwer zu, es sind viel weniger Fakten, schwer zu erforschen ist, aber ich habe es versucht ein bisschen deutlich zu machen. Die ist wichtig.
Die mittelalterliche Dorfgemeinschaft: Struktur und Autonomie 00:26:26
Und nun kommt das Hochmittelalter. Und jetzt kommt auch ein bisschen, obwohl alles von diesem Fränkischen Imperium überprägt ist, in den einzelnen, vor allem mehr in den östlichen, also mehr in den germanischen als in den romanischen Völkern, also da gibt es die Alemannen, was dann später die Schwaben waren, die Bajuwaren, die die Bayern wurden und so weiter. In all diesen Völkern gibt es jetzt unter dieser Überprägung von diesem Machtchristentum, von dieser starken Hierarchie, von der Dualität Kirche und Staat, weltliche und kirchliche Herrschaft, gibt es jetzt eine Entwicklung, die sehr wichtig ist für unsere Landwirtschaftsverständnis oder für das, was Landwirtschaft eigentlich auch in Zukunft zu leisten hat.
Und das kann man überschreiben, das ist jetzt das nächste kleine Kapitel mit dem Stichwort die mittelalterliche Wirtschaftsgemeinschaft oder das Dorf als landwirtschaftlich wirtschaftliche Gemeinschaft. Und das müssen wir ein bisschen genauer studieren, damit wir das gut verstehen, weil auch das ja nicht so in den ganz einfachen Geschichtsbüchern nicht so richtig gut kommt. Und da müssen wir denken an eine mittelalterliche Gemarkung und da fließt vielleicht ein kleiner Bach durch und an diesem Bach gibt es jetzt schöne Feuchtwiesen, die da vorhanden sind und da gibt es ein kleines Dorf und den Mittelpunkt des Dorfes macht eine kleine Kapelle aus, die von den Dorfbewohnern irgendwann mal gebaut worden war und wenn wir jetzt zum Beispiel ein bisschen weiter nach Norden gehen, 200 Kilometer weiter nach Norden, dann ist es da in diesem Gebiet, sagen wir mal, Soest, Trendelburg, da in Nordhessen, Süd, Ost, Westfalen, ist es normal gewesen, dass die Dorfgemeinschaft ihr Getreide über dem Kultraum gelagert hat.
Das ist schon spannend, dass man sich trifft für den Gottesdienst und oben drüber liegt das Getreide der ganzen Gemarkung und davon lebt man. Das hat man nicht im einzelnen Hof oder einzelnen Gehöft, sondern als Gemeinschaft hat man das da, wo man eben unten drunter sich einem Höheren zuwendet. Kleine Höfe, ich mache das jetzt ein bisschen, stilisiere das ein bisschen und mache jetzt eher ein Haufendorf. Es gibt eben die Straßendörfer und die Haufendörfer und das ist in jeder von diesen Regionen oder kleinen Völkern ein bisschen anders, aber das Prinzip ist mitteleuropaweit eigentlich dasselbe. Wir können das einfach mal so denken, ein Dorf mit 10, 15, 20 Gehöften und diese Gehöfte haben nun das Vieh und den Mensch unter einem Dach.
Ganz wichtig, Mensch und Tier so eng wie es eigentlich vorher, ja das gab es natürlich vorher auch, aber wie es später nie mehr wurde. Und dadurch, dass das doch viele Jahrhunderte anhielt, diese enge Gemeinschaft, ist das eigentlich in vielen von unseren Haustieren noch präsent. Das was wir heute mit den Haustieren machen können, das geht nur, weil sie diese Geschichte haben mit uns Menschen und wir natürlich auch mit Ihnen. Also darauf will ich hinweisen, eine unglaublich enge Gemeinschaft und jetzt sehen wir um das Dorf herum einen ersten Bereich und das sind die Gärten. Intensive Gärten, die um das Dorf herum sind und diese Zone der Gärten, die ist sehr fruchtbar, die ist sehr intensiv und davon lebt man in Bezug auf alles Gemüse.
Und um diese Zone der Gärten kommt jetzt eine Zone des Obstes, der Dauerkulturen Äpfel, Birnen, Beeren und so weiter und jetzt kommt ganz ganz draußen der Wald und der Wald, das Ganze ist überhaupt irgendwann mal eine Rodung gewesen und der Wald begrenzt diese Gemarkung und der Wald ist, das hat ein bisschen geändert, aber im Prinzip kann man sagen, oftmals konnte der Wald gar nicht wirklich bewirtschaftet werden, weil da war dann irgendwann irgendeine Obrigkeit, die Jagdrechte hatte und weil sie misstrauisch war, durften dann oft die Dorf die Gemarkung, diese Wirtschaftsgemeinschaft, so muss man eigentlich sagen, die durften oft den Wald noch nicht mal betreten. Es gab auch bessere Zeiten, da wurde der Wald mit einbezogen und es wurde vor allem im Wald geweidet und es wurde aus dem Wald Reisig herausgeholt und das findet ihr noch in den Brüder Grimm Märchen, eine alte Frau geht in den Wald und sammelt Reisig, so fängt jedes zweite Märchen an. Und man kann sich immer fragen, was macht die denn eigentlich mit dem Reisig und dieses Reisig ist nicht zum Ofen anzünden, sondern das ist eben um die Tiere einzustreuen, um den Mist sozusagen vom Davonfließen zu hindern. Man hatte nicht viel Stroh und dass man eben Reisig aus dem Wald mit dem Kot der Tiere zusammenbringt, das war schon eine sehr geniale Sache, wo das eben erlaubt war.
Die Drei-Felder-Wirtschaft und der "Flurzwang" 00:33:28
Wir sehen jetzt hier die Feldflur, die jetzt noch zu skizzieren ist, geteilt in drei Bereiche und das war ungefähr gleich groß, da muss ich mich jetzt ein bisschen bemühen, so und vielleicht das ist ein Drittel, zwei Drittel, so und dann hier ungefähr und diese Feldflur, nennen wir sie hier römisch 1, hier römisch 2 und hier diese beiden römisch 3, die waren nun die eigentliche Feldflur und diese Feldflur musste von allen gleich bewirtschaftet werden und das haben wir noch viele Jahrhunderte später dadurch, dass wir das dann noch in der Bewirtschaftung nach dem Mittelalter haben und da heißt das dann so schön die Flurzwang. Es gibt einen Flurzwang und Flurzwang bedeutet, man muss in diesem Jahr in römisch 1 die Winterung anbauen und in römisch 2 die Sommerung und in römisch 3 ist die Brache. Sommerung, Winterung, Brache und das wechselt.
Das ist die berühmte 3-Felder-Wirtschaft des Mittelalters, wo wir eigentlich erstaunt sind, wie lange sie erhalten ist, wie lange sie geblieben ist und diese Gemeinschaft, ich muss noch Obst, diese Gemeinschaft ist nun in der Lage fast alles selber herzustellen und zwar ist das ganze Handwerk, was man eben braucht zum Überleben in dem Dorf integriert. Man kann bauen mit Holz und Lehm. Man kann sogar schmieden mit dem Erz aus dem Rasen, das Raseneisenerz, eine wahnsinnig mühsame Sache, aus dem normalen Boden das Eisen herauszuholen, was wirklich wenig ist und was viel, viel Holz braucht und viel, viel Kunst braucht. Das muss man können. Da hat man ein bisschen Eisen und dann tut man dieses Eisen ein bisschen noch härten und dann hat man ein bisschen Stahl und das ist sehr wenig und jeder Nagel und jede Scharnier oder sowas solange es irgendwie geht aus Holz. Das Eisen ist ganz, ganz kostbar, aber eben ganz, ganz notwendig an bestimmten Stellen.
Und natürlich kann man selber Körbe machen und natürlich kann man selber Töpfe machen, Töpfern und die Dächer, Decken und so weiter und jeweils so, wie es eben in der Region am praktischsten, am einfachsten ist. Und wir sehen eigentlich durch diese wirtschaftliche Dorfgemeinschaft in dem frühen und Hochmittelalter diese wunderschöne Entwicklung von Regionalität. In jeder Gegend ist das ein bisschen anders und zwar gebunden an die Bedingungen. Wenn man in Süddeutschland ist, dann gibt es irgendwo auch eine kleine Ecke, einen Südhang und da stehen da auch ein paar Weinreben. Und wenn man im Flachland ist und es ist mehr feucht, dann sind relativ mehr Tiere. Überhaupt waren die Tiere sehr wenig und die Tiere waren im Stall. Ganz selten kamen sie hier auf das Grünland und in aller Regel hat man da Heu gemacht für den Winter und wenn sie rauskam, war das eher im Hochsommer und im Frühherbst, nämlich auf die Brache. Die Brache wurde abgeweidet, wenn sie sozusagen geblüht hatte.
Ja, man sieht jetzt eigentlich diese christliche Kultur in Bezug auf die Natur, also angewendet oder in der Beziehung zur Natur so, dass man zum Beispiel eben sagt, ja der Acker ist ein Wesen und das muss sich auch mal erholen. Und deshalb muss es eine Brache geben und für den Acker ist es eine Beglückung, wenn er blüht. Und dass da das Unkraut blüht und sich vermehrt, das hätte man eigentlich gut verstehen können. Aber man wollte das nicht. Man hatte sozusagen den Eindruck, das muss so sein. Und so hat man vieles, das muss so sein.
Stabilität, Entbehrungen und die Last des "Zehnten" 00:39:28
Und jetzt gehe ich zwei Stufen höher und gucke auf das Ganze aus dem Abstand von vielen Jahrhunderten und aus einem langen Strom von dem, was davor war und was danach kam. Da muss man sagen, es muss ein sehr entbehrungsreiches Leben gewesen sein und gleichzeitig muss es irgendwie auch toll gewesen sein, weil man in dieser Gemeinschaft, es war was sehr Stabiles. Das hat über Jahrhunderte funktioniert. Und man war dann glücklich, wenn man sozusagen nichts für außen tun musste.
In vielen Fällen kamen dann irgendwann die Herrscher und haben gesagt, ja aber wir brauchen den Zehnten. Die Zehntscheune findet ihr heute noch überall in den kleinen Städtchen und Dörfern. Ein Zehntel musste sozusagen abgegeben werden und damit beginnt das Übel, weil mit diesem Zehntel leben dann Menschen, die auch nur eigentlich im Sinn haben, weitere Probleme zu machen. Am besten ist, das gibt es nicht. Und es bleibt autonom, dieses System. Das war es dann eben oft schnell nicht mehr.
Es kam dann bald die weltliche Herrschaft, die den Zehnten forderte und es kam die kirchliche Herrschaft, die eben über den Gottesdienst irgendwelche Forderungen stellte, auch ganz ähnlich wie die weltliche Herrschaft, irgendwelche großen Münster und Kathedralen und Dome baute in irgendwelchen nah oder ferngelegten Städten. Und viel schlimmer noch war, als diese Forderungen aus dem System ständig was rauszuziehen, die Forderung, dass Menschen jetzt für diese Obrigkeiten irgendwelche Dienstleistungen erbringen mussten. Die Burg bauen, das Schloss bauen, den Dom bauen und so weiter. Dass also Arbeitskraft noch genommen wurde und am allerschlimmsten war natürlich, dass Menschen da rausgezogen wurden, um Krieg zu führen. Alles ruht auf dieser Leistung dieser Dorfgemeinschaft. Das muss man sich gut klar machen. Das ganze Mittelalter kann überhaupt nur funktionieren, weil es überall diese kleinen relativ autonomen, relativ in sich geschlossenen Systeme gibt, denen man noch was wegnehmen kann.
Der Verfall der Infrastruktur und die "Raubritter" 00:41:55
Und damit taucht eben auch auf, die Frage, wie erreicht man diese Dorfgemeinschaft? Welches Wegesystem gibt es überhaupt? Und da stürzt man vollkommen ab. Da merkt man, es ist sozusagen weit, weit vor dem römischen Imperium. Auch in den Gebieten, wo 200-300 Jahre das römische Imperium war. Ich habe gerade jetzt vor 3-4 Tagen im Internet eine neue Seite einer Forschungseinrichtung. Die machen das sogar mit wie diese Navigationssysteme. Man kann in römischer Karte durch Mitteleuropa reisen und kann einstellen, ob man zu Fuß ist oder mit Maultier. Und wie lange man von Mainz nach Stuttgart braucht. Jetzt muss man die lateinischen Namen dieser Städte wissen. Das ist alles ganz super sauber. Nur die Straßen, die man wirklich weiß, da sind römische Straßen gewesen. Da gab es Hauptstraßen und Nebenstraßen. Die hatten ja alle immer eine Markierung. Da wusste man genau, wie viele Kilometer es noch nach da ist. Die waren so schön überwölbt gebaut, dass sie sich selber reinigten. Mit dem Regen waren 80 Zentimeter tief gegründet. 80 Zentimeter Fundament. 299.000 Kilometer römisches Straßen in ganz Europa jetzt. Auch mit Süden und Osten und Westen. Irre.
Wenn ihr heute hört in den Nachrichten, es soll in Infrastruktur investiert werden. Das ist im Prinzip die Fortsetzung von diesem Spiel. Wir alle müssen etwas hergeben, damit eine tolle Infrastruktur entsteht. Was soll mit dieser Infrastruktur eigentlich gemacht werden? Wer soll da fahren und warum ist das jetzt so nötig? All diese Fragen. Wir sehen jedenfalls hier eine katastrophale Infrastruktur. Matschwege. Und zwar nicht nur zum letzten Gehöft oder zum letzten Stück Wald, sondern auch große Verbindungen sind nicht befestigt. Und das heißt, man kann die auch nur temporär benutzen. Und dann gibt es eine ganze Welt, wirklich eine ganze Bevölkerungsgruppe, eine ganze Welt von Menschen, deren Beruf und ihr Lebensstil ist es Raubritter. Auf eine Art Zollforderungen auf diesen Wegen. Und das war nicht schön. Das waren nächtliche Überfälle. Meistens endete es nicht mit Tod, aber doch mit Verlust der Waren, die man transportierte. Es gibt heute ganze Filme, man macht ja viel so Ahnenforschung, da gibt es ganze Familien, wo man sagt, das ist eine Raubritter-Dynastie von drei, vier Generationen. Über 100 Jahre war das deren Hauptjob, andere zu bedrohen und davon zu leben.
Wenn ihr jetzt hier einfach aus dem Fenster guckt und diese Wände seht und diese Steine, diese Buntsandsteine, die die Laibungen der Fenstertüren machen, die sind irgendwann zwischen 700 und vielleicht 900, 1000 hierher transportiert worden. Wir wissen auch sehr genau, die kommen aus dem Main, aus dem Untermain usw. Das sind so 60, 80 Kilometer. Ich sehe sozusagen das Risiko, die Gefahren, vielleicht sogar das Blut und den Verlust, der an dem Transport dieser blöden Laibungssteine hängt. Alles andere hat man mit Steinen gemauert, die von hier sind, weil das wollte man nicht. Aber für die Fenster musste man das, weil das geht mit diesem Rotliegenden nicht. Versteht ihr? So ein bisschen dieses Transport ist ein riesen Thema.
Ist das auch die Zeit, in der die Hohlwege entstanden sind? Ja, die Hohlwege sind auch schon früher entstanden. Die Hohlwege haben mit dem Löss zu tun. Aber sie sind natürlich genau das unbefestigte Wege. Die werden gerade im Löss, wenn es auch nur ein bisschen bergab geht, irgendwann kommt das Riesengewitter und dann schwimmt dieser Weg runter ins nächste Dorf, da wo er hingeht. Und wenn man es geschickt gemacht hat, ist vorher noch eine Kurve und es geht ins Feld. Und der Weg ist einen halben Meter tiefer. Und das geht sehr schnell. Man kann Hohlwege innerhalb von zwei, drei Meter tiefe Wege die können entstehen in ein, zwei hundert Jahren. Das ist unglaublich. Im Löss. Der Löss ist eben sehr, sehr erosionsgefährdet. Wassererosionsgefährdet. Da kommen die her. Hier oberhalb, zwei, drei Kilometer von uns hier entfernt, können wir mehrere solche Hohlwege finden. Solche Einschnitte. Da ist so eine Hügellandschaft der Löss. Und dann ist es eben immer da runter geflossen. Und nach hundert Jahren ist das plötzlich vier, fünf Meter tiefer. Das gehört dazu.
Die "Intrinsische Motivation": Genügsamkeit und innere Entwicklung 00:46:45
Ja, also die wirtschaftliche Dorfgemeinschaft als etwas, was entbehrungsreich war, was irgendwie auch von einer tiefen, inneren, konservativen, alles bleibt so wie es ist, über Jahrhunderte Haltung geprägt war, aber was irgendwie eine innere Zentrierung, ein Inneres hatte, was die Menschen erfüllt hat, sonst hätten sie das nicht gemacht. Sie wären weggegangen oder hätten irgendwas anderes gemacht. Es muss etwas an dieser ersten Phase der Religiosität mit dem Christentum gewesen sein, was Menschen über Jahrhunderte in dieser Weise ohne viel Macht von außen hat zusammenleben lassen. Dieses Zusammenleben aus einer inneren, heute sagen wir so schön mit so einem Plastikwort, intrinsischen Motivation, eine von innen herauskommende Motivation, das ist ganz, ganz deutlich. Sonst geht es nicht. Sonst würde das, hätte das nicht funktioniert.
Und diese innere Haltung, die ist für uns so wahnsinnig schwer nachzuvollziehen, weil wir so anders sind. Und ich habe mich immer wieder gefragt, was wird da eigentlich, wenn man sozusagen große Geschichtsbögen anguckt, dann kann man sich ja fragen, was wird da eigentlich entwickelt, was wird da eigentlich erübt, was kann eine Menschheit nach dieser Epoche anders, mehr, wie auch immer. Und mir scheint es so zu sein, als würde es darum gehen, eine Art Selbstlosigkeit, eine Art Genügsamkeit, Geduldsamkeit, ein inneres Gemüt zu entwickeln, wo man eben in diesem so wie es ist, ist es eben, überhaupt zufrieden sein kann.
Und das ist uns so wahnsinnig fern. Wir wollen es eigentlich immer weiterbringen, weiterentwickeln, anders machen, probieren, noch wo Neues hin und so weiter. Und all das ist da nicht, sondern es scheint wirklich so zu sein, dass das Eigentliche nicht im Äußeren lag, sondern dass das Eigentliche eine innere Entwicklung war, der, ja, vielleicht kann man das sagen, einer Kultur, diese Kirchlein, in denen man sich versammelt hat, die waren nicht geschmückt, die waren nicht schön, die waren nicht, da ging es nicht um was Äußeres. Das waren eigentlich dunkle Räume. Da waren keine großen Fenster. Es muss etwas gegeben haben, was diese Gemeinschaften über Jahrhunderte zusammengehalten hat und zufrieden sein hat lassen, was mit ihrer inneren Entwicklung zu tun hat.
Ein entbehrungsreiches Leben: Geringe Erträge und Mangel 00:50:13
Und das kann eigentlich nur etwas gewesen sein, was mit ihnen selbst und ihrem Verhältnis zu sich selbst zu tun gehabt hat, weil im Äußeren wahnsinnig wenig Entwicklung ist. Dieses System ist unheimlich lange stabil und ist davon gekennzeichnet, dass es sehr, sehr ertragsschwach ist. Man hat die Erträge gemessen beim Acker, beim Getreide, in der Einheit des Wievielfaches der Saat erntet man. Und man war zufrieden, wenn man das Dreifache erntete. Und man war glücklich, wenn es das Fünffache war. Und nicht jedes Jahr war es überhaupt das Einfache. Also, dass man überhaupt so viel wieder geerntet hat, wie man gesät hat. Nicht selten, da haben wir viele Dokumente von, musste man zu einer nächsten Dorfgemeinschaft gehen und um Saatgut bitten, weil alles kaputt gegangen war.
Also so mager und so schwierig und so knapp und so vom Level her der Ertragsfähigkeit, der Bodenfruchtbarkeit, dass wir würden vielleicht heute sagen, mit einer Tonne Getreide war es ein Spitzenertrag pro Hektar. Und mit 800 Kilo war man auch noch zufrieden. Und wenn wir uns heute fragen, wie ist das in Ökobetrieben heute, dann sind 5 Tonnen pro Hektar auch ein ganz guter Mittelwert. Bei unseren Züchtern gibt es manchmal 7,5 Tonnen. Das ist schon fast konventionell. Das sind dann auch nur Parzellen und so, aber wenn man es richtig drauf anlegt, kommt man in so ein Gebiet. Und hier eben 10%, 20% davon.
Und Tiere eben ganz, ganz geringer Tierbesatz. Das war ein Leben, wo man sehr wenig Fleisch verzehren konnte. Das war ein Leben, wo die Milch, die man melken konnte, ein Heiligtum war. Das war sozusagen eigentlich Halbmedizin. Wir kennen das noch. Es gibt eine Untersuchung aus den 30er Jahren in ganz entlegenen Gebieten in der Schweiz, im Lötschental, wo man noch ein bisschen die jahrhundertealten Traditionen gefunden hat. Da wurde die Butter einfach nur Heilmittel. Die kriegte nicht jeder und immer. Das war für den besonderen Fall, wo jemand besonders krank war oder die kleinen Kinder oder die Senioren, also die Alten und so, es wurde nach ganz anderen Gesichtspunkten verteilt als jeder hat es und jeder braucht es wenn es nicht da ist, dann schreiben wir mal laut oder holen einen LKW von.
Also, das ist für uns fast alles gar nicht vorstellbar. Das sind natürlich Häuser, die haben keinen festen Boden. Das ist gestampfter Lehm. Und das sind Holzbauten. Was heißt das? Man lebt mit den Mäusen und Ratten zusammen. Das ist keine Nacht, in der es nicht irgendwo huscht. Ja, da hat man da den Hund mit. Aber macht euch keine Illusionen. Das war ein sehr entbehrungsreiches Leben. Und wie toll war es, wenn man noch ein paar Fische aus dem Bach hatte. Und wie toll war es, wenn man noch ein paar Hasen aus der Flur hatte. Also, es war alles ganz, ganz knapp und ganz, ganz mangelmäßig. Und das über so, so lange Zeit.
Und trotzdem muss es etwas gegeben haben, was die Menschen innerlich erfüllt hat, damit es so lange so sein konnte. Und dass sie auch noch viele Generationen ertragen haben, dass dann eben von außen diese Haltung kommt, was können wir da noch alles rausziehen. Ja, so weit wollte ich jetzt heute kommen, dass wir einmal in dieses Frühmittelalter, Hochmittelalter geschaut haben und merken, wir kommen, wir können es fast nicht verstehen, was die Menschen bewegt hat. Es muss eine, ich will vielleicht noch sagen, diese Darstellung beruht sehr viel auf Forschung, die Manfred Klett gemacht hat. Der hat sich sehr damit beschäftigt. Und ich habe dann auch eben das mit den Iroschotten selber noch dazu mir erarbeitet.
Und er hat immer so schön gesagt, es muss darum gehen, dass irgendwie das Gemüt, die innere Haltung, das, was eigentlich Genügsamkeit, Geduld, diese innere, es ist wie eine Entwicklung von Qualitäten, die wir heute eigentlich gar nicht mehr richtig kennen, geschweige denn wirklich haben. Und wo wir so ähnlich sind, wie diese ganze Epoche des Imperiums der Römer vorher. Also nur so kann man es eigentlich irgendwie ansatzweise verstehen. Die Menschen müssen einen Faden, ein Interesse, einen Zugang gehabt haben zu einer inneren Entwicklung, um die wir heute so ringen. Und gleichzeitig muss man sich fragen, warum habt ihr nicht ein bisschen für Innovationen gesorgt? Warum habt ihr nicht ein bisschen dieses System irgendwie, das war ja nicht schlecht, aber an drei, vier Schrauben hätte ich sofort gedreht und das wäre, hätte sich entwickelt. Und dazu kommen wir dann am Montag. Herzlichen Dank.
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