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7. Folge biodynamischer Grundkurs im November 2025 - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2025
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Transkription 7. Folge vom 11. November 2025
Der überrollte Wandel: Das Chaos der Innovation 00:00:26
Okay, wir sind gestern an die Stelle gekommen, wo wir feststellen konnten, ungefähr ab 1800, 1820, 1840, in manchen Gegenden vielleicht auch erst ab 1880 oder 1900, Landwirtschaft ist jetzt auf einmal gerade nicht mehr ewig dasselbe, sondern ewig ein dauernder, brutaler, viel zu schneller Wandel. Und dieser viel zu schnelle Wandel, der führt dazu, dass man die Dinge gar nicht mehr im Einzelnen beurteilen kann. Ich habe gerade jetzt heute früh und gestern Abend spät nochmal in der Vorbereitung auch biografisch bei einzelnen Persönlichkeiten nachgelesen und ein bisschen in dieser Ideen- oder Wissensgeschichte 19. und 20. Jahrhundert. Die Menschen sind so überrollt, es geht so schnell, es ist so viel dauernde Innovation, dass eigentlich eine besonnene, auf der einen Seite distanzierte und auf der anderen Seite wirklich drinnen stehende Beurteilung der Situation, was machen wir da eigentlich mit den Böden, mit den Pflanzen und den Tieren, dass das gar nicht möglich ist. Man ist da vollkommen drin und tut und macht und hat Innovation oder man steigt aus und dann rollt dieser Zug ohne einen einfach weiter. Und die entstehende Agrarwissenschaft und die chemischen Wissenschaften und die ganzen universitären Einrichtungen und Fachhochschulen und so weiter, die sind auf eine Art auch wieder so distanziert, so davon abgerückt, so darüber reden und nicht da drinnen reden, dass es den Praktikern auch oft ganz wenig nützt. Und die Innovationen kommen von diesen Menschen, die außerhalb stehen und die Praktiker sind eigentlich damit beschäftigt, das irgendwie mehr oder weniger zu integrieren.
Sodass wir eigentlich an diesem Beginn des 20. Jahrhunderts eine Landwirtschaft haben, wo man sagen kann, wer und was und welche Ideen und welche Gesichtspunkte steuern das eigentlich? Wie geht das eigentlich? Da kommt dann plötzlich noch, um ein Blitzlicht sozusagen zu machen, da kommt dann am Anfang des 20. Jahrhunderts plötzlich aus Frankreich ein genialer Impuls, der aber auch wahnsinnig problematisch ist. Man findet das sogenannte Kurzstroh-Gen, so sagt man das heute, damals waren es eben einfach Weizensorten, ein paar Typen, die die Eigenschaft hatten, hohe Erträge in der Ähre zu bilden bei gleichzeitig sehr reduzierter Gesamthöhe. Und die werden jetzt überall eingekreuzt und das geht in einem rasanten Tempo. Und was man sich damit erkauft an Problemen, das wird halt im Großversuch 30 Jahre später überall klar. Aber Bedenken, Erwägen, Erproben, Testen, Untersuchen, dazu fehlt nicht nur, dass das vielleicht für niemanden so eine richtige Frage ist, aber es fehlt einfach schlicht die Zeit. Man hat gar nicht die Möglichkeit, die Dinge wirklich im Kontext zu überprüfen. Man rennt eigentlich immer der Praxis hinterher. Also in der Erkenntnisbemühung, das ist eigentlich das Typische. Und gleichzeitig ist die Praxis irgendwie Chaos, wo kommen eigentlich die Impulse her?
Und das bleibt, das geht auf allen Feldern, das geht auf dem Feld der Fruchtfolge, der Bodenbearbeitung, der Maschinen. Also ich habe auch da noch mal gelesen über die Einführung des Schleppers, was man da diskutiert hat und gedacht hat. Und man hat eigentlich über die Nachteile, die hat man bitter sozusagen erkauft, dadurch, dass man sie 30, 50 Jahre später festgestellt hat. Aber nicht, dass man vorher irgendwie ordnungsgemäß und wissenschaftlich und sauber und klar geklärt hätte, was ist denn da für einen Vor- und Nachteil mit verbunden, mit diesen Stahlrössern auf dem Acker zu fahren. Und was heißt das eigentlich für das Bodenleben und so weiter. Und zunächst, das hat mir hier ein alter Landwirt mal erzählt, das fand ich sehr, sehr spannend. Ende der 40er Jahre, das ist dann jetzt schon ein bisschen weiter, aber direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, nur weil ich eben gerade noch bei den Schleppern war, will ich das noch ergänzen.
Die Schlepper kommen in die Landwirtschaft als Werbegeschichte durch die Landtechnikfirmen. Und wie machen die das? Die machen das so, dass während der Heuernte, das ist einer der großen Peaks in der Landwirtschaft, wo sozusagen Kind und Kegel draußen sind. Alle sind mit dem Rechen unterwegs und man schwadet und macht und packt das ein und lädt das in Tücher oder wie auch immer, gabelt das auf. Und da fährt jetzt einer mit einem Schlepper und einem Schwader oder einem Wender. Die ersten Wender waren so Gabeln, die wie so Mistgabeln eigentlich, also nicht wirklich, Forken, so gemacht haben. Und jetzt fährt er mit so einer Maschine und einem Schlepper darüber und sagt, komm ich wende euch das hier mal fertig. Anderthalb Stunden gespart. Oh Gott, das brauchen wir auch. Und vor allem eben Menschen, die selber schon aus der Landwirtschaft rausgegangen sind, die längst Lehrer, Industrie, was weiß ich, in irgendwelchen Berufen sind und die in diesen Urlaubszeiten jetzt helfen beim Onkel, beim Vater, bei der Tante, bei was weiß ich, dem landwirtschaftlichen Betrieb. Wir müssen Heu machen, Pfingsten. Und jetzt kommt da einer mit so einer Maschine und das sehen eben auch die Distanzierten sagen ja, also Erwin, du hast ja hier den Betrieb, aber wir helfen dir immer. Das werden wir nicht mehr lange machen. Da ist die Lösung. Also dieses ganz geschickt an den Punkt ansetzen, wo die Menschen, die außerhalb der Landwirtschaft schon beruflich sozusagen mit ihrem Leben sind, aber noch die Landwirtschaft verstehen, noch mithelfen, sehen wir, das ist doch jetzt eigentlich die Lösung. Schafft ihr das Ding doch mal an. Also so mit dem, das haben sie sich ja so nicht gesagt, aber über nächstes Jahr bin ich dann in Ferien. Da werde ich in Pfingsten nicht mehr bei dir Heu machen. Du siehst, da ist die Lösung. So ist es gelaufen. Also der hat das so, da habe ich plötzlich kapiert. Aha, das war ein wirtschaftliches Interesse, das durchzusetzen. Und wir kommen da noch mal hin. Morgen dann an diese Ecke nach dem Zweiten Weltkrieg, was da eigentlich noch passiert ist.
Die Einführung des mineralischen Stickstoffs 00:07:45
Also ich gehe zurück auf diesen Übergang in das 20. Jahrhundert, die Einführung des Stickstoffs nach dem Ersten Weltkrieg. Und wir sehen, überall wird jetzt ein Versuchswesen so aufgezogen, dass man eigentlich nicht sagen kann Versuchswesen, sondern man muss schon sagen, das waren Feldversuche, an denen eigentlich, ja wie kann man das sagen, Werbung gemacht wurde, an denen eigentlich ein politisch gesellschaftlich, industriell gewünschter Effekt erzielt werden soll. Und das war wirklich eine merkwürdige Liaison von Industrie, von Politik, von auch großen Geldgebern, die in diese Stickstoffindustrie investiert hatten. Und die Bauern wurden förmlich dahin geprügelt. Die jungen Auszubildenden und so weiter, die mussten dahin und sehen, Mensch, wenn man diese kleinen weißen Kügelchen da in der richtigen Menge ausstreut, dann ist das Getreide 30 Zentimeter höher und hat den doppelten Ertrag. Wie ist das eigentlich möglich? Wie kann das eigentlich gehen? Und was ein Rieseneffekt. Und das muss man machen. Das ist das einzig Vernünftige.
Das ist jetzt die moderne Zeit und alles Gerede von Bodenleben und irgendwie, es hatte sich jetzt 100 Jahre eine Fruchtfolgewissenschaft entwickelt. Man hatte jetzt wirklich ein Wissen über Fruchtfolge. Die Dreifelderwirtschaft war 100 Jahre vorbei, 120, 150 Jahre. Man hatte ein bisschen verstanden, was Futterbau im Ackerbau bedeutet. Man hatte ein bisschen verstanden, dass Hackfrüchte, Kartoffeln, Zuckerrüben, die aus den Gärten in die Ackerbausituation im 19. Jahrhundert hineingekommen, was das Starkzehrer sind, wie man das handeln muss und so weiter, dass das irgendwie halbwegs vernünftig geht. Und jetzt kommen diese Pulver oder diese Kügelchen oder diese Soße und das sind kleinste Mengen mit riesigen Effekten.
Ein berühmtes Beispiel ist die Gießkanne, wo man das Ammonium drin gelöst hat und eine Stickstoffbrühe hatte mit einer Konzentration von vielleicht 10 oder 15 mal einer Jauche, also ein hochkonzentrierter, für heutige Verhältnisse ist das mager, aber für damalige Verhältnisse ein hochkonzentrierter, hochverfügbarer, schnell verfügbarer Stickstoff in ganz wässriger Form. Und mit dem hat man sozusagen seinen Namen in den Getreidebestand im März gegossen und vier Wochen später braucht man nur am Rand irgendwo auf den Baum klettern und dann sieht man seinen Namen da in dunkelgrün und das ist so viel höher und oh, was macht dieses Zeug, was ist das für eine unglaubliche Möglichkeit.
Und jetzt muss man dazu denken, dass die Menschen noch viel mehr verbunden waren mit ihrem Produkt, auch wenn es schon natürlich Mühlen und Molkereien und so weiter gab, also die Art der Verarbeitung schon an vielen Stellen sozusagen herausging aus der Landwirtschaft und aus den dörflichen Strukturen, die Leute hatten doch noch eine ganz andere Verbindung und wussten, sie sind verantwortlich dafür, dass die Menschen ernährt werden können. Und das war Anfang der 20er Jahre, 19, 20, 21, sind in Deutschland noch Menschen gestorben am Hunger. Es war so knapp, dass wirklich die Versorgung eine extreme Herausforderung für die Landwirtschaft war und man hatte ein Verantwortungsgefühl und an dieses Verantwortungsgefühl wurde eben auch appelliert. Es wurde an die Jungen mehr über das Ökonomische, hey guck mal, da geht was, mach doch, und an die, die etwas distanzierter, die etwas wissender waren, die etwas abwägender waren, an die wurde appelliert mit, Mensch, ihr habt eine Verantwortung, ihr könnt die Leute satt machen, jetzt macht's auch. Der Transport war bei weitem nicht so wie heute, man konnte nicht einfach das Getreide aus Australien oder Neuseeland oder Ukraine oder sonst wo herholen, man musste irgendwie diese Eigenversorgung hinkriegen und fühlte eine Verantwortung. Und jetzt sieht man diese Parzellen, diese Versuche und ist einfach davon eingenommen. Das wurde mit einer unglaublichen Macht veranstaltet, diese Einführung des mineralischen Stickstoffs.
Die Folgeprobleme: Der Kreislauf der chemischen Industrie 00:12:53
Und nun müssen wir ein bisschen verstehen, was bedeutet das für die Pflanze, für das Verhältnis von Pflanze und Boden und schlussendlich auch für die Tiere und für die Tiergesundheit. Und da tauchen jetzt ein paar Sachen auf, die man einfach wissen muss. Der mineralische Stickstoff wird von der Pflanze, überhaupt aller Stickstoff wird von der Pflanze über das Bodenwasser aufgenommen. Und dieses Bodenwasser anzureichern mit gelösten Stickstoffsalzen bedeutet, die Pflanze nimmt das einfach auf. Da gibt es gar keine Möglichkeit, das irgendwie nicht zu tun oder partiell zu tun. Man lässt das sozusagen in die Pflanze hereinlaufen, weil die Pflanze das nicht anders kann. Und es gibt, glaube ich, gar keine Pflanzen, die das wirklich können. Das hängt mit der Evolution zusammen. Der Stickstoff war über Jahrmillionen immer das knappe Element, weil der Stickstoff immer mit den Kohlenstoffverbindungen eigentlich für die Grundlage der Fruchtbarkeit sorgt, für den Humus. Und da dann auch gebunden wird.
Und eigentlich ist die Pflanze sozusagen darauf angewiesen, mit ihrer Wurzel, mit ihrer wachsenden Wurzelspitze nicht nur etwas aufzunehmen, sondern auch etwas abzugeben. Und das in einem rhythmischen Geschehen zu tun und in diesem Abgeben eben Lösungsprozesse im Boden zu verursachen, die dann die Aufnahme der verwandelten halben Millimeter um die Wurzelspitze herum, diese Welt sozusagen, da ist eine andere Biologie, da ist eine andere Chemie, da ist ein anderes Mikrobiom, davon dann eben etwas aufzunehmen. Und das überbrückt man, das nutzt man nicht mehr, das geht kaputt, das wird nicht mehr gebraucht, wenn man die Bodenlösung, das Bodenwasser einfach mit Nitrat anfüllt oder anreichert.
Und die Folge ist jetzt in der Pflanze, insbesondere in den Gramineen, in den Getreidepflanzen, dass einfach größere, wässrigere Zellen entstehen und dass der gesamte Pflanzensaft insbesondere eiweißreicher wird, also Rohproteinreicher, das sind auch nicht fertig verbaute Eiweiße, sondern eigentlich Eiweiße auf dem Wege der Bildung. Und diese Situation führt in der Pflanze dazu, dass etwas geschieht, was sehr selten eigentlich passiert, dass die Pflanze überfrachtet ist mit diesen Nährsalzen. Und diese Überfrachtung zeigt sich in eigentlich runden Blattformen, in breiten Blattformen, in dunkelgrünen Blattformen und die Antwort des Ökosystems ist jetzt, da ist zu viel. Da können Mikroorganismen tätig werden, da können Insekten tätig werden und da können Pilze tätig werden. Und eigentlich diesen Überschuss an quellender, wüchsiger, wuchernder, flüssiger Nahrhaftigkeit zurückbauen, umbauen. Und im Grunde genommen die Pflanze dadurch davon entlasten und eigentlich für Gesundheit sorgen. Das muss man eigentlich verstehen lernen, dass der Pilzbefall eine Antwort eines Gesamtsystems ist auf eine Einseitigkeit hin zu einer Gesundheit. Das erscheint uns erstmal nicht so, wenn wir eben den Mehltau im Folienhaus haben oder wenn wir irgendwelche anderen pilzlichen Erkrankungen auf den Pflanzen haben. Aber es ist so.
Das heißt, wir haben eigentlich vier Aspekte, die mit der Mineraldüngung einhergehen. Das erste ist, die Pflanzen werden größer und diese Größe, das Problem ist, sie werden eigentlich zu groß für das, was dann als Ähre dran ist und sie fallen um. Das Problem ist das Umfallen und dann natürlich, wenn das einige Wochen vor der Ernte der Fall ist, verfaulen und nicht ernten können und zu feucht ernten, zu früh wieder auskeimen usw. Und das zweite ist eben das, was mit dem Saft ist, der Pflanzensaft, also der zu nährstoffreiche Pflanzensaft und der hat die Folge, dass das abgebaut wird durch die Insekten, durch die Pilze und durch viele andere Mikroorganismen. Und etwas viertes, man düngt auch das Umfeld und das Umfeld, das bedeutet, dass da die Beikräuter, die anderen Pflanzen, die Unkräuter, dass die mit in diese Stickstoffsoße geraten. Man kann das nicht hinkriegen, dass man sozusagen selektiv nur diese Flüssigkeit an die Wurzelspitze des Getreides bringt. Das heißt, wir haben plötzlich eine sich unglaublich wandelnde Beikraut-Beipflanzen-Mitpflanzenwelt und eine Mitpflanzenwelt, die auch kräftig ins Kraut schießt. Ein wunderbarer Ausdruck, eine Blattbetonung und das heißt, es entsteht sofort Konkurrenz in Bezug auf das Licht und genau das Licht wäre aber das, was ein Stück weit zurückdrängt, in Ausgleich bringt die zu quelligen Kulturpflanzen. Das heißt, die Sache wird eigentlich noch schlimmer.
Und diese Umfeldpflanzen, mit denen muss man jetzt irgendwie fertig werden. Und diese Mitpflanzen führen jetzt als erstes dazu, dass man sagt, naja, nur Hacken und Striegeln und so scheint nicht zu reichen. Wir haben da mit dieser Mineraldüngung und das war ja bei weitem nicht nur der Stickstoff, sondern es gab ja auch schon vorher das Kalium, die Phosphate, das Magnesium und so weiter. Wir haben damit etwas entwickelt und das muss weitergehen und wir müssen damit fertig werden. Und um diese Mitpflanzen wegzukriegen, da werden wir doch etwas entwickeln können, womit wir eben diese Zweikeimblättrigen von den Einkeimblättrigen unterscheiden können und die wegkriegen. Und das führt zu der Entwicklung der Herbizide. Und bei den Pilzen führt es eben zur Entwicklung der Fungizide. Und hier führt es natürlich zur Entwicklung der Insektizide. Und hier führt es natürlich zu der Entwicklung des Cycocels, des Kurzspritzhormons, einer Art Pflanzenhormon.
Krimis sind wirklich wahnsinnig interessante Geschichten, wie diese Mittel entdeckt werden und in welchen Laboren und von welchen Leuten die Erfindungen kommen, wie man das jetzt eigentlich in eine Formel bringt, dass es wirkt. Man denkt heute immer, wenn man da so Präparate hört und Präparate ausbringt, da ist eine Messerspitze, ein Fingernagel voll auf einem Hektar, irgendwie ein Gramm oder so auf 1000 Quadratmeter. Wie verrückt ist denn das und kann das denn überhaupt wirken? Das ist ja so wenig. Und dann hat man diese Mittel und hat 40 Milligramm pro Hektar, die da wirken. Ist also bei Weitem in noch höheren Verdünnungen und die wirken hochgradig. Wehe, man macht es zwei Wochen zu früh oder wehe, man macht die doppelte Menge oder so. Gerade bei diesem Pflanzenhormon, bei diesem Cycocel ist das ganz, ganz deutlich. Wenn man das ein bisschen zu früh macht, werden nicht nur die zwischen den Knoten, die Internodien kürzer, sondern wird die Ährenanlage gestauchter und wird sozusagen degenerierter. Und wenn man es ein bisschen zu spät macht, dann wirkt es nicht mehr.
Also man kommt jetzt in etwas rein, wo man sozusagen Laborerfindungen, hohe Intelligenz in einem ganz spezifischen, einseitigen Blick verallgemeinern muss. Auf alle mitteleuropäischen Standorte, auf alle Bauern, auf alle Verhältnisse, auf jedes Wetter. Und damit sind riesige Probleme verbunden. Und wenn man allein schon zum Anbau des Getreides vier verschiedene Spritzmittel braucht und die zum Teil auch mehrfach braucht, dann sieht man schon, das wird jetzt eine Spezialaufgabe. Das ist nicht mehr mit Säen und einmal Striegeln und Ernten getan, sondern das wird wirklich ein System. Und da brauche ich jetzt sehr spezielle Geräte. Da sind sehr große Gefahren auch mit verbunden.
Ich habe jetzt hier noch einige Mittel ausgeblendet. Ich habe das sozusagen ein bisschen vereinfacht. Insofern, als ich zum Beispiel die ganzen Saatgut-übertragbaren Pilze weggelassen habe. Also wegen deren man eben die Beizen dann erfunden hat. Also die Umhüllung des Saatguts und so weiter und so weiter. Ich habe das auf die vier wichtigsten vielleicht jetzt reduziert. Aber ich meine, man sollte das wirklich wissen und mitnehmen als Landwirt, als Gärtner. In diesen 20er Jahren entsteht dieser Change, entsteht dieser Wechsel. Mit der Erzeugung der heftigen Wüchsigkeit durch den Stickstoff kommen diese Folgeprobleme. Und diese Folgeprobleme, da redet man gar nicht drüber. Die sind selbstverständlich die Verantwortung der chemischen Industrie. Das ist schon interessant, dass eigentlich die ganze Gesellschaft, die Bauern, alle sind sich darüber einig. Die chemische Industrie selber auch. Das müssen wir jetzt lösen auf diesem Weg. Und das ist eigentlich sehr komisch, dass man eigentlich diesen Gesichtspunkt, die Landwirtschaft muss aus sich selber gesund sein. Und nur dadurch können eigentlich gesunde Lebensmittel entstehen. Und nur dadurch kann eine langfristige Gesundheit der Landwirtschaft selber erreicht werden. Dass man den einfach mir nichts, dir nichts über Bord schmeißt. Nur weil das jetzt doppelt so viel Ertrag bringt. Und welche Folgen damit verbunden sind und ob dieser doppelte Ertrag auch nur allein schon 10 Jahre und so weiter. Und auch ob das ökonomisch sinnvoll ist bei dem ganzen Zusatzaufwand. Die Frage wird gar nicht gestellt. Man macht das.
Die Zerstörung des Gemischtbetriebs und die Reduzierung der Landwirtschaft 00:25:14
Das ist diese Brutalität, dieses eigentlich, ein englischer Historiker hat das mal wunderbar, Blackburn, hat das wunderbar rausgearbeitet, gerade für die Deutschen. Das ist übrigens immer gut, die Sprache, die Formulierung der Engländer über die Deutschen zu lesen. Weil da, die durchschauen das. Und der schreibt so schön, das ist 90er Jahre, Nuller Jahre jetzt, 20 Jahre her oder so. Ein Kampf gegen die Natur. Die Deutschen und ihre Art und Weise, mit Landwirtschaft umzugehen, auch mit Rekultivierung, mit Urbarmachung von Mooren, mit Trockenlegung von Mooren, mit Begradigung von Flüssen, mit Neulandgewinnung an der Nordsee. Es ist immer diese Haltung, Kampf, ich kriege das hin, wir müssen das hier so und so machen. Dieses Element, ja, das ist schon etwas sehr spezifisch Deutsches. Und viele von diesen Sachen sind wirklich in Deutschland entwickelt worden und haben dann natürlich in allen europäischen Ländern und in Nordamerika sehr schnell Fuß gefasst. Aber es ist schon ein spezifisch deutsches Thema.
Ja, vielleicht so viel zu diesem ersten großen Entwicklungsschritt, der jetzt da im 20. Jahrhundert passiert und der eigentlich einen ungeahnten, einen nicht abzuschätzen, eine riesige Folge hatte. Auf einmal hat man eben 30 Jahre später eine Ertragssituation, wo man gar nicht weiß, wohin mit den Produkten. Auf einmal hat man eigentlich eine industrialisierte Landwirtschaft, wo man eigentlich gar nicht mehr weiß, warum man diesen komischen Gemischbetrieb noch aufrechterhalten will. Der einzelne Landwirt, der jetzt wirklich gut sein Weizen und seine Gerste und vielleicht noch sein Raps spritzen kann und anbauen kann, warum soll der denn sich noch mit Schweinen beschäftigen? Das sollen doch die tun, bei denen das Futter eh billiger ist. Da irgendwo in der Nähe eines Hafens, wo die Futtermittel hereinkommen usw. Das ist die absolut notwendige Voraussetzung für die Folge, die Landwirtschaft zu zerteilen. Das Ende des Gemischbetriebes geht erst nachdem dieses Düngungs- und Pflanzenbehandlungssystem entwickelt ist. Vorher wäre das gar nicht möglich gewesen. Dass wir Grünlandregionen nur noch weidend und extensiv benutzen und dass Getreide dahin fahren und die Gülle usw. und dass wir in Ackerbauregionen eigentlich gar keine Tiere mehr haben und dass wir in besonderen Situationen wie jetzt z.B. in Rheinland-Pfalz das Obst anbauen und am Bodensee, wo der See für den Frostschutz sorgt, das Obst anbauen oder im Alten Land. Die Spezialisierung in die Landwirtschaft nicht nur einziehen lassen, sondern wollen und auch richtig zum Programm erheben, das ist die Folge. Das geht ohne diese Geschichte nicht.
Und damit sind wir eigentlich schon nach dem Zweiten Weltkrieg an der Stelle, wo man nun endgültig sagt, die Landwirtschaft ist nichts anderes als ein Gewerbe zum Zwecke des Geldverdienens. Und jetzt vor ungefähr 10, 15 Jahren hat man dann auch das in der Sprache und die Sprache spielt immer eine große Rolle, weil die Begriffe, die in der Sprache gebildet werden, in der nächsten Generation sozusagen Wirklichkeit werden in den Köpfen. Und da sagt man, nein, Bauern und Landwirte, nee, das sind Lebensmittelerzeuger und die sind halt jetzt in der Primärproduktion und andere sind in der Sekundär, die verarbeiten usw. Das ist so eine Kette, als wäre das irgendwie eine Fabrik, in der man eben bestimmte Dinge so zusammengießt und heiß macht und kalt macht und umformt und so und dann ist da plötzlich Weizen oder Milch oder Fleisch oder was auch immer da. Diese Auffassung ist eigentlich die gerade Folge von dieser Entwicklung.
Ich habe natürlich jetzt das sehr einseitig und sehr einstromend beschrieben. So ist es nicht. Es gibt vieles zwischendurch, was auch wie warnende Hinweise war, wo man plötzlich gemerkt hat, das kann doch nicht der einzige Weg sein. Aber der Mehrheit, der Hauptstrom, der Mainstream, der ist so gelaufen. Und ich habe schon gesagt, es gab eben auch andere Düngemittel und gibt es auch und die spielen auch eine große Rolle und über die müsste man im Einzelnen reden. Das Kalium ist ganz anders an bestimmten Standorten wirksam und zu beurteilen als der Phosphor und wieder ganz anders als das Magnesium und so. Das überspringe ich jetzt erstmal alles, weil es sozusagen für das Verständnis, wo stehen wir heute und auf was kommt es in der Zukunft an, nicht so maßgeblich ist.
Wenn man den Stickstoff verstanden hat und das, was auch der Stickstoff nicht nur in der, was ich jetzt beschrieben habe, in der Gesellschaft und in der Art, wie man Landwirtschaft macht, zu tun hat, wie der da funktioniert, sondern wenn man auch den Stickstoff nach innen versteht, was passiert eigentlich zwischen dem Boden und der Pflanze durch und mit dem Stickstoff, dann hat man schon ganz schön viel verstanden. Es ist nämlich so, und das ist dann erst in den 70er Jahren, also 1970, 1980 klar geworden, der Stickstoff selber, den man düngt, der erscheint nur zu einem kleinen Teil in der Pflanze. Es gibt da einen merkwürdigen Umbau durch das Bodenmikrobiom. Der Stickstoff, den man dann in der Pflanze findet und der dann in den viel stärkeren Erträgen und Eiweißgehalten tätig ist oder wirksam wird oder dessen Folge diese Situation eben ist, der scheint im Bodenleben zunächst zu wirken auf das Mikrobiom, auf das bakterielle und pilzliche Leben, welches sich eben ganz stark verändert, was sozusagen wie einen Kick kriegt in eine bestimmte Einseitigkeit oder in eine bestimmte Richtung. Und diese Richtung und die extreme Produktion oder das extreme einseitige Wachsen von diesen Stickstoff verwandelnden Mikroorganismen, das scheint dann in der Pflanze eigentlich anzukommen, sodass man eben sieht, mit der mineralischen Düngung kickt man den Boden, gibt man eigentlich eine Information, gibt man eigentlich eine bestimmte Richtung. Und ist gar nicht so in dieser Vorstellung, ich bringe da so und so viel Kilo verschiedene Stickstoffverbindungen hin und die sind dann so und so viele Tage, Wochen, Monate später in den Pflanzen und werden dann verbaut, so mechanisch ist das Leben gar nicht. Sondern es scheint eben wirklich so zu sein, dass Pflanze und Boden gar nicht zu trennen sind und dass die Vorstellung, die Pflanze steht in einer Nährlösung und diese Nährlösung kann eben besser oder schlechter sein, dass die schon eine brachiale Verkürzung, sowohl gegenüber dem Boden als auch gegenüber der Pflanze eine Beschreibung ist, die gar nicht die Wirklichkeit trifft.
Die Gegenfrage: Die Entstehung des biodynamischen Impulses 00:34:21
Ja, damit kommt eben auf die Frage, was ist denn Düngung dann? Was ist denn Düngung eigentlich? Oder wie müsste man Düngung erweitert verstehen? Was macht Düngung denn eigentlich im Sinne der Lebendigkeit? Ja, vielleicht sogar im Sinne der Harmonie, der Gesundheit. Was macht Düngung denn eigentlich aus? Und diese Frage taucht nun wirklich das erste Mal 1924 auf oder 1922, 1921, 1922, 1923 bei den Leuten, die da auf den Rudolf Steiner zugehen und sagen, wir hätten so gerne, dass sie uns mal erklären oder uns Anregungen geben, wie wir Landwirtschaft noch anders machen können. Und das waren Menschen, die eben in der Landwirtschaft drin waren und doch nicht drin waren.
Viele von den Teilnehmern des Landwirtschaftskurses 1924 sind, ja wir würden vielleicht heute sagen, Großagrarier oder Agrarlobbyisten oder Agrarwissenschaftler oder Agrarberater oder irgendwie so würden wir die heute nennen. Es waren ganz wenige einfache kleine, also mit kleinen Betrieb Bauern, die wirklich einen kleinen Betrieb hatten oder einen Betrieb hatten. Es waren ganz viele eben Menschen, die sozusagen um die Landwirtschaft herumstanden, die verstanden, wie Landwirtschaft sozusagen geht, aber die ganz stark kritische Fragen genau an dieser Stelle hatten. Was passiert da eigentlich gerade in der Landwirtschaft?
Eine der Fragen war zum Beispiel der Kartoffelbau. Der scheint irgendwie sich von 1890 bis 1920 in diesen 30 Jahren so verändert zu haben, dass man die Kartoffeln so nicht mehr nachbauen kann. Man hatte früher viele, viele Jahre Kartoffeln nachbauen können und das ging irgendwie nicht mehr. Die wurden sehr schnell, sehr viel kleiner, die Erträge wurden sehr viel schlechter, die Qualitäten wurden schlechter. Es irgendwie war die Lebendigkeit, die Vitalität, auch das Abwehren gegenüber irgendwelchen Blattkrankheiten, das wurde immer schlechter. So was haben die zum Beispiel beobachtet. Oder sie haben beobachtet, dass die Tiergesundheit innerhalb der Landwirtschaft so wahnsinnig abbaut, so wahnsinnig viel schlechter wird.
Es gibt einen wunderbaren Bericht aus Norddeutschland, auch aus den 20er Jahren, wo Eduard Bauck, der Erste dieser Bauck-Dynastie, auf seinem Hof in Amlinghausen, ganz magerer Sandstandort, nahe der großen Hafenstadt Hamburg, wo der feststellt, meine Tiere, die ich da im Wesentlichen mit importiertem Futter füttere, die sind wahnsinnig krank. Und dann hört er von einem Vortrag von einem Tierarzt, Josef Werr, in Uelzen, wo der Bauernverband sagt, geht da bloß nicht hin, das ist ein Spiritist. Der erzählt Geschichten, die sind, die haben gar nicht, das ist altes Zeug und das ist sektenhaft, das sind so Theosophen und so. Und das war eben der Erste anthroposophische Tierarzt und der hat ganz deutlich gesagt, Tierkrankheiten muss man im Kontext des ganzen landwirtschaftlichen Hofes betrachten. Heute eine Selbstverständlichkeit, Fütterung ist Gesundheitsprävention, Fütterung spielt eine riesige Rolle in Bezug auf das, wie die Tiere, ja, wie die sind und wie gesund die sind.
Und Eduard Bauck, das ist seine Größe, geht da trotzdem hin. Obwohl die Empfehlung war, geht bloß nicht da hin. Das ist was völlig Falsches und Verrücktes. Und der findet das alles sehr logisch und sehr sinnvoll und lädt diesen Josef Werr ein und Werr kommt auf seinen Betrieb und macht ihm eben wirklich einen Entwicklungsplan, wie er ganz wegkommt von dieser Art von Tierhaltung, die vor allem ein, ja, ein industrieller Prozess ist. Futter von Übersee über den Hafen, billig auf den Betrieb, hochkonzentriert und schnell und viele Tiere mästen und auch Milch machen und viele Krankheiten haben. Und das erschöpft sich natürlich nicht nur damit, dass man sagt, ja, wir müssen weniger halten und sie können eigentlich nur so viele Tiere halten, wie sie selber füttern können, sondern sofort taucht natürlich auch die Frage auf, welches Haltungssystem haben sie, wie ist ihr Verhältnis, wie pflegen sie die, wie sind die eigentlich mal draußen, wie haben sie eigentlich im Mensch-Tier-Beziehung und vor allem, wie ist ihre Züchtung. Das heißt, sofort taucht eigentlich dieser, ja, diese vier Aspekte einer biodynamischen Tierhaltung auf. Wie ist die Verbindung zum Menschen, wie ist das mit der Zukunft, mit der Züchtung, wie, welche Tiere sind hier eigentlich die richtigen, wie ist die Gesundheit und wie ist eigentlich diese Fütterung im Verhältnis zu dem Hof. Und wie ist eigentlich ein artgemäßes, ein richtiges Stall, eine richtige Weide und so weiter, wie sind diese Tiere eigentlich gehalten. Und damit ist für Eduard Bauck klar, also das ist die Landwirtschaft der Zukunft und das macht er und ist plötzlich erfolgreich, ist auch wirtschaftlich erfolgreich.
Der biodynamische Anspruch als "gefährliche" Alternative 00:40:10
Also eine typische Story, eine typische Geschichte der 20er Jahre, wo jemand sagt, ne stopp, ich glaube das ist alles gar nicht so. Und zu den 20er Jahren gehört dann auch Anfang der 30er, Ende der 20er Jahre, dass man die erste große Untersuchung macht und diese biodynamischen Betriebe, ich glaube zehn an der Zahl, eben da auswählt auf verschiedenen Standorten und genaue Erhebung macht von Seiten der Wissenschaft und der Politik oder der Gesellschaft, wie sind denn die Erträge wirklich. Und da fällt dann der Blick auf einen Betrieb in Sachsen, Heinitz, Benno von Heinitz, ein riesiges Gut, ein Mann, der eben eine öffentliche Figur war, eine hochgewissenhafte, eine wirklich saubere Persönlichkeit im 20. Jahrhundert, der eben davon mitkriegt von dieser Art von Landwirtschaft und sagt, ja das ist es und das einfach macht, sein riesiges Gut umstellt und die Tierhaltung anpasst und da ein Gleichgewicht entwickelt zwischen Pflanzenbau und Tierhaltung, was überhaupt nicht normal war auf diesen super guten Standorten, da in der Lommatzscher Pflege, etwas westlich von Dresden. Und es gehört eben, es ist typisch für Benno von Heinitz, dass er sowohl dann vor den Nazis flieht, also von den Nazis verfolgt wird und dann auch sich versteckt und so weiter und als es dann endlich vorbei ist, dann in den Konflikt gerät mit den Kommunisten. Also eine wirkliche Persönlichkeit, die da eben diesen Weg geht, nee, ich mache eine Landwirtschaft, die ich verstehe und die ich für richtig halte und die eben aus der Anthroposophie heraus ist.
Ich wollte einfach mal zwei Beispiele dieser ersten Generation benennen, um zu zeigen, das fällt doch irgendwie auf fruchtbaren Boden und gleichzeitig fällt es das auch nicht. Es fängt sofort ein riesiger Kampf an. Es gibt eigentlich gegen die Anthroposophie nirgendwo so viel Hetze und auch Aktivität, einfach pure Aktivität wie in der Landwirtschaft. Es gibt viele Schriften, viele Veröffentlichungen, viele Zeitungsartikel und so weiter. Wie rückständig und wie verrückt das eigentlich sei, auch nicht nur vor den Nazis, während der Nazizeit, sondern auch danach, 50er, 60er Jahre. Ich habe eine Zeitung mal in der Hand gehabt aus der Düngerbewegung. Da gibt es ja eine unheilige Allianz zwischen Industrie und Wissenschaft in Bezug auf den Mineraldünger. Aus dieser Ecke kam diese Zeitschrift und die hat hier über den Dörtenfelder Hof geschrieben in den 50er Jahren, in der ersten biodynamischen Phase. Ja, man erkennt diese ganz verrückten rückständischen biodynamischen Betriebe daran, dass die noch Kompost machen. Also wenn man Komposthaufen irgendwo sieht, dann sollte man sehr vorsichtig sein. Da wird gelogen und da werden Sachen erzählt, die gar nicht gehen und die gar nicht stimmen und die sehr gefährlich sind, weil sie die Bauern verderben. So ungefähr war dieser Artikel und dann war ein Bild von der Kompostanlage damals hier, die nicht schlecht war. Schöne abgedeckte Kompostmieten, darüber Bäume, die das beschatteten und so, wo man dachte, eigentlich toll, habt ihr scheinbar von Humus und Humusentwicklung und wirklicher Düngung noch nie was gehört.
Also so ging das auch noch in den 50er und 60er Jahren. Und es kam eben eigentlich erst ein gewisser Durchbruch, der ist ja bis heute nicht da, aber ein gewisses Aufhorchen oder ein gewisses, dass eine kritische Masse entstand dadurch, dass man sah, dass die konventionelle Landwirtschaft in riesige Probleme führt. Und diese Probleme, die will ich jetzt gar nicht weiter besprechen, sondern die führten eben dazu, dass Menschen gesagt haben, das kann schon mal nicht sein, was wäre denn da eine Möglichkeit? Und da war lange, bis eben Ende der 60er Jahre, war das Biodynamische die eigentliche einzige Alternative, weil die auch aus einer Ratio entstanden ist, aus einer Begrifflichkeit, aus einem Denken, was natürlich in der Tat die Anthroposophie und die biodynamische Landwirtschaft ist eine wahnsinnige Herausforderung, überhaupt diese Ratio zu verstehen, da überhaupt einzusteigen, die zu studieren. Aber es war die einzige Art von anderer Landwirtschaft, die nicht darin bestand, dass man sagte, man muss es so machen, wie es früher gemacht wurde. Das gab es auch. Es gab immer die Leute, die gesagt haben, das ist alles, das führt uns in große Probleme, wir müssen so machen, wie man es immer schon gemacht hat. Und das ist nun eben Biodynamik auch nicht. Biodynamik ist nicht die Aufrechterhaltung oder Wiederbelebung oder Wiederverkörperung einer vermeintlich historischen oder alten oder sicheren oder guten Landwirtschaft aus der Vergangenheit.
Und insofern war es eben eine wahnsinnige Herausforderung, auch da tiefer einzudringen und das besser zu verstehen, weil danach trachtete der Mensch im 20. Jahrhundert eindeutig, ich will es verstehen. Und irgendwann kam das auch mehr und mehr sozusagen in die Bauernstuben und in die Köpfe, in die Herzen derer, die es gemacht haben. Ich will verstehen, was ich hier tue. Und da muss man schon sagen, ist das biologisch-dynamische eine riesige Anstrengung, ist eine riesige Herausforderung, weil man eben sich auf Dinge einlassen muss, die man zunächst mal gar nicht so leicht greifen kann und gar nicht so leicht, ja auch aus seiner Vorbildung von der Schule oder wie auch immer, wo man gar nicht so schnell erstmal hinkommt, weil die Art, die Pflanze, den Boden des Tiers zu reduzieren auf etwas rein, ja wie soll man sagen, materialistisches rein, sozusagen dadurch erklärbar, dass man ins Kleine guckt, das reicht eben nicht. Und wenn man aber dann wirklich sagt, wie ist es denn dann anders, dann wird es nicht ganz einfach. Dann muss man Begriffe bilden von Dingen, die man eben zunächst nicht sieht oder zu denen man keine sinnliche Beziehung erstmal hat und muss die denken können, muss zu seinem Denken ein Verhältnis entwickeln, wo man sich auf das auch verlassen kann, wo man zu eigenen klaren Erkenntnisprozessen kommt und dann wird man autonom.
Und das ist eine Sache, die sehr gefährlich ist. Für viele gesellschaftliche Gruppen ist selber denken, selber fühlen, selber handeln etwas, wo Alarmglocken angehen. Und so war in allen totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts und des 21. Jahrhunderts eben Anthroposophie und auch Biodynamik verboten. Das war ganz klar. Da, wo Menschen selber denken, wo Menschen selber fühlen, wo Menschen selber ihr Handeln auf das aufstützen, was sie für richtig halten und für falsch und das aus einem Weltbild, aus einer Erkenntnisquelle, die ein spirituelles mit einbezieht, das ist gefährlich. Das wollen wir nicht. Wir sollen bitte das machen, was wir verordnen, was wir für richtig halten, was ökonomisch passt und dass wir sozusagen da so Zellen haben auf dem Land und in diesen Landwirtschaftsbetrieben, die eine gewisse Autonomie haben, ja sogar den Anspruch haben, sie seien Keimzellen von Gesundheit, von Pädagogik, von Gesundheit auch für die Landschaft. Für Boden und Pflanze, für Wasser, für Luft und so. Das wollen wir mal lieber nicht, weil das könnte uns ja die Macht aus den Händen nehmen.
Und nichts anderes ist Biodynamik. Es ist eine Landwirtschaft, die einen sehr, sehr großen Anspruch hat und die eine, der eine immanente, revolutionäre, eine evolutive Verantwortung für die Gesellschaft und die Natur inne wohnt und die eben bei weitem nicht damit zufrieden ist, dass sie eine bestimmte Zahl von Broten oder Käsen erzeugt und die auch irgendwie halbwegs gesund sind. Sondern es eben wirklich darum geht, den großen Zusammenhang des Lebens mit einzubeziehen. Es wirklich darum geht, Standorte zu entwickeln, Bodenfruchtbarkeit zu entwickeln, die sozusagen für die Zukunft in eine nächste Generation besser übergeben werden, als ich sie vorgefunden habe. Und wo es eben wirklich darum geht, den Beitrag der Landwirtschaft als die polare Geschichte gegenüber der Industrie deutlich zu machen, auszuleben. Also, dass das wirklich etwas ist, was überhaupt das weitere Leben auf dem Planeten möglich macht. Und alles, was da drunter ist, wo man sagt, ja, es geht um dies oder das oder jenes, muss man sagen, ja, ist ja alles schön und gut, aber Biodynamik hat schon einen ziemlich hohen Anspruch und der geht weiter, der geht eben bis in diese Sphäre.
Ausblick auf die nächste Sitzung 00:50:46
Ja, soweit wollte ich kommen und wir würden da morgen fortsetzen und den letzten Schritt noch machen und uns eben nochmal klar machen, was jetzt passiert in Bezug auf die Ist-Situation, wie eigentlich seit den 80er Jahren eine gewisse Wende passiert ist in der Landwirtschaft und auch wiederum nicht und wo wir eigentlich heute stehen, um dann eben dann weiterzugehen, was sind eigentlich die großen Fragen für die Zukunft, wo muss man eigentlich ansetzen und wofür steht eigentlich jeder einzelne Betrieb und jeder einzelne Mitarbeiter und jeder einzelne Handgriff in der Biodynamik, wenn man das mal in so einen Kontext stellt. Herzlichen Dank.
Vielen Dank.
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