Eine freie Initiative von Menschen bei mit online Lesekreisen, Übungsgruppen, Vorträgen ... |
| Use Google Translate for a raw translation of our pages into more than 100 languages. Please note that some mistranslations can occur due to machine translation. |
Die soziale Frage - der Landwirtschaftlicher Kurs als sozialer Impuls. Ein Vortrag von Marcel Waldhausen, 2026
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9
| zurück zu Marcel Waldhausen |

+++ dieser Text ist automatisch transkribiert und bedarf der Überarbeitung. Willst du MitTun? +++
Transkription vom 24. März 2026
Begrüßung und die Bedeutung der Landwirtschaft für die Anthroposophie 00:00:18
Guten Abend zusammen. Ich freue mich tatsächlich sehr, wieder hier zu sein. Es fühlt sich ein bisschen so an wie immer noch eigentlich tatsächlich. Also das ist auch in mir noch so nachgeklungen, der Abend, den wir vor einer Woche hier zusammen hatten. Meine Ankunftszeit hier heute Abend war 19.24 Uhr. Der landwirtschaftliche Kurs wurde 1924 gehalten, also das scheint irgendwie heute ganz gut zu passen, glaube ich. Ja, warum sprechen wir eigentlich jetzt von Seiten der Landwirtschaft eigentlich mit einer anderen Tochterbewegung und erzählen ihr was von uns? Oder auch warum wenden wir uns an das Allgemeinanthroposophische und erzählen etwas von uns?
Da gibt es zwei Gründe, die man da ins Auge fassen kann. Der erste ist, dass die Landwirtschaft tatsächlich mit allen Menschen zu tun hat, weil es ist die archaische Grundlage unserer Existenz. Also ohne Nahrungsmittel kommen wir alle auf unseren Lebensfeldern nicht weiter. Und der zweite Grund ist, dass ich die Anthroposophie als Gesamtwerk immer mehr so erlebe eigentlich, dass das zusammenhängt und dass das aufeinander aufbaut und dass man immer wieder an verschiedenen Stellen, wo man gar nicht damit rechnet, etwas entdecken kann, was für das eigene Fachgebiet von größter Bedeutung ist. Und deswegen lese ich zum Beispiel nicht nur den landwirtschaftlichen Kurs, sondern alles Mögliche andere und finde immer die Antworten, die ich schon lange suche, die vielleicht in meinen Vorträgen in Anführungszeichen nur angedeutet werden. Und deswegen ist es heute wie so ein Ihnen-erzählen, was vielleicht bei uns Besonderes sich abgespielt hat und was vielleicht helfen kann, in den anderen Lebensgebieten auch vielleicht zu Antworten zu kommen auf Fragen.
Karl Graf von Keyserlingk: Der Pionier des Landwirtschaftlichen Kurses 00:02:24
Wenn wir auf die soziale Frage, den sozialen Impuls des landwirtschaftlichen Kurses schauen, dann müssen wir ein wenig einen Blick werfen auf die Genese des landwirtschaftlichen Kurses. Wie ist es dazu gekommen überhaupt, dass dieser Kurs gehalten werden konnte? Denn es war keineswegs einfach. Es stand wirklich auf Messers Schneide. Wir werden das gleich ein wenig anschauen. Und wie in allen Tochterbewegungen auch, ist es immer eine Person, auf die wir schauen, wenn es darum geht, einen Impuls auf die Erde zu bringen, die im ersten Plan sozusagen das in ihr Schicksal aufnimmt und in die Welt bringt. Mithilfe anderer Menschen. Aber es braucht diese eine Person. Das finden wir ganz oft, bei der anthroposophischen Gesellschaft ist es Marie Steiner-von Sivers. Für die Waldorfschule können wir Emil Molt nennen und so weiter. Wir finden immer diese Person.
Für die Landwirtschaft, da ist es Karl Graf von Keyserlingk, der diese Person ist, der das in sein Schicksal aufnimmt. Und ich möchte ein bisschen erzählen zunächst von diesem Mann, damit man vielleicht so ein bisschen die Tragweite auch erspüren kann, was das für eine Aufgabe war, sich für so einen Impuls in die Welt zu stellen, mit all seinem Sein. Karl Graf von Keyserlingk ist ein Mann, den kann man wirklich als sehr außergewöhnlich beschreiben. Er ist eine weitentwickelte Seele, würden wir vielleicht heute sagen. Er heiratet ja eine Frau, die Johanna Skene und damit ein in ein großes Zuckerunternehmen, das sich nach der Hochzeit auch noch weiter entwickelt zu diesem bekannten Vom Rath, Schoeller & Skene Aktiengesellschaft ab 1922. Und dieses Unternehmen hat 7500 Hektar. Es sind drei Gesellschafter, die da ihre Ländereien, die Eigentumsländereien einbringen und es werden noch Ländereien gepachtet. Und Karl ist ja landwirtschaftlich ausgebildet, aber dann hat er eine militärische Laufbahn eingeschlagen, aufgrund der biografischen Verhältnisse. Und mit der Heirat 1899 kommt er dann sozusagen wieder in diesen Strom und bekommt eine Anstellung innerhalb der Firma und wird dort zum Leiter der Landwirtschaft über die Jahre.
Und verantwortet eben 7500 Hektar und 1000 Mitarbeiter damals. Es geht hauptsächlich darum, Zuckerrüben zu bauen. Natürlich auch alle anderen möglichen Erzeugnisse in Fruchtfolgen, aber hauptsächlich um die Zuckerrübe, damit eben Zucker produziert werden kann, der von der Firma im ganzen Deutschen Reich verkauft wird. Und Karl entwickelt diese Güter über die Jahre zu Mustergütern, die im gesamten Deutschen Reich eine gute Reputation genießen. Und er ist aber eben ein sehr ungewöhnlicher Mann und das drückt sich aus in der Art und Weise, wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht. Das ist nämlich ganz ungewöhnlich tatsächlich. Der schlesische Landarbeiter galt in der damaligen Zeit nichts. Das war wie Inventar, kann man sagen. Die hatten keine Rechte und die haben auch nichts verdient. Die haben unter prekären Verhältnissen geschuftet. Und den Zuckerbaronen, die wollten halt Geld verdienen. Das war einer der Gründe, warum sie das konnten.
Soziale Reformen und Menschlichkeit im Unternehmen 00:05:50
Und Karl hat das ganz anders gesehen und hat für diese Menschen seinerzeit weit voraussehend soziale Erleichterungen geschaffen, die wirklich bemerkenswert sind. Erstmal hat er Sozialwohnungen eingerichtet. Dann hat er eine Sozialabteilung gegründet. Die Leitung hat er seinem Neffen Alexander übergeben, der mit einer Rotkreuzschwester über die Güter gezogen ist. Und dort haben sie mit den Menschen gesprochen und von den Sorgen und Nöten erfahren und konnten was tun. Dann hat er eine monatliche Sitzung eingeführt, wo jedes Gut zwei Abgeordnete hat hinsenden können. Und unter der Umgehung der Vorgesetzten auf den Gütern konnten sie ihre Sorgen und Nöte berichten. Und da waren da Alexander und die Rotkreuzschwester, noch andere vertrauensvolle Mitglieder der Firma und Karl selber. Also das muss man sich mal vorstellen. Das wäre so, als ob der VW-Chef da irgendwo säße. Also das können Sie sich die Distanz vorstellen, die es da nominell gab. Aber er hat eben keinen Unterschied des Standes gemacht.
Er hatte eine Gabe. Er konnte nämlich den Menschen ansehen, wenn ihnen etwas fehlte. Und das hat er auch mit dem ganz normalen Landarbeiter gemacht. Wenn er über die Dörfer fuhr, hat er halten lassen, wenn er jemanden sah und hat ihn gefragt. Ihm fehlte doch etwas. Und dann haben die miteinander gesprochen. Also von Mensch zu Mensch. Und wir haben ja wirklich schwierige wirtschaftliche Verhältnisse zu der Zeit. Nach dem ersten Weltkrieg haben wir eine Inflation im Deutschen Reich, die bis 1923 eben zu einer Hyperinflation sich entwickelt, sodass das Geld sich täglich abwertet. Und jetzt haben die ja schon nicht so viel verdient. Und einmal in der Woche war Zahltag. Und wenn man jetzt sein Geld bekam, dann musste man schnell sein, um damit noch etwas erwerben zu können. Ja, weil das können Sie sich vorstellen, wie schnell das ging. Also was das für eine Not war.
Und nun hat Karl etwas eingeführt in dieser Firma. Er hat nämlich anschreiben lassen, was jeder seiner tausend Mitarbeiter in der Woche gearbeitet hatte. Und hat das ausgedrückt als Äquivalent in Pfund Roggen. Also der Roggen als stabiles Gut war dann sozusagen die Währung, die die hatten. Und am Freitag kamen die Arbeiter dann. Und dann konnten sie sich das auszahlen lassen in Geld oder in Naturalien, also Getreide oder Zucker. Und konnten es selber verkaufen. Sie konnten aber auch verlustfrei sparen. Sie konnten nämlich auch sagen, ich nehme gar nicht alles mit. Jetzt können Sie sich ja vorstellen, für die Menschen war das wirklich ganz wunderbar. Die Firmenleitung, die fand es nicht so wunderbar. Und so hatte Karl, und das ist wirklich wie ein Motiv, das sich durch sein Leben zieht, immer große Konflikte auszustehen im engsten inneren Kreis. Also in der Führung der Firma, in der Familie selber. Also immer schwierige, konfliktbehaftete Situationen. Sein Schwiegervater selber, also der Vater seiner Frau, der mochte diese Art seines Schwiegersohns gar nicht. Seine Tochter sagt von ihm, er sei ein Despot gewesen. Und deswegen war das natürlich in einem Kontrast. Das war für Karl auch immer sehr herausfordernd.
Die Begegnung mit Rudolf Steiner und Schloss Koberwitz 00:09:25
So, und 1918 lernt nun, oder lernen beide Keyserlingks eigentlich Rudolf Steiner kennen. Das geht über die Vermittlung von Exzellenz von Moltke, Eliza von Moltke. Und zuerst trifft Johanna Rudolf Steiner, und es gibt Gespräche. Und Karl ist ja Soldat, und während des Ersten Weltkriegs rückt er auch wieder in den aktiven militärischen Dienst ein, und ist im Reichskriegsministerium damit beauftragt, Nahrungsmittel und solche Dinge heranzuschaffen, Gänsefett und so. Und er wird nun zum Kriegsende hin zurück nach Berlin beordert, er ist in Ungarn. Er kommt dahin, und dann nimmt Johanna ihn, oder lässt auch fragen durch die Eliza von Moltke, ob er bei einem Mitgliedervortrag teilnehmen darf. Und er begleitet seine Frau, die eine Hellsicht hat, er begleitet sie schon sehr lange, sie hat immer ja wieder geguckt, wie komme ich da irgendwie weiter. Und das ist für ihn im ersten Moment erstmal so wie ein weiterer Versuch der Suche.
Und er geht mit, und er sitzt in der ersten Reihe, und dann ist der Vortrag zu Ende, und sie gehen zurück durch Berlin, und bringen zunächst Exzellenz von Moltke nach Hause, das war auch nicht weit von der eigenen Wohnung. Und sie fragen ihn: "Karl, wie hast du es denn gefunden?" Und er sagt nichts. Und dann kommen sie nach Hause, und Johanna fragt noch mal: "Wie hast du es denn gefunden?" Und wiederum bleibt er ihr eine Antwort schuldig. Und beim Abendessen, dann wird sie ungeduldig. Dann sagt sie: "Karl, es ist ja auch in Ordnung, wenn du nicht einverstanden bist, aber wie hast du es denn gefunden?" Und dann sagt er: "Wenn du es wirklich wissen willst, diesem Mann gehört von nun ab mein ganzes Leben." Und das hat er gehalten, im wahrsten Sinne des Wortes.
So, und jetzt habe ich ja schon gesagt, der Schwiegervater, der fand das gar nicht gut, wie der Karl sich da innerhalb der Firma mit den Mitarbeitern verwandelte, und er hat ihnen immer einen Wohnsitz auf dem Land untersagt. Es gab verschiedene Güter, also Sie müssen sich vorstellen, das waren über 20 landwirtschaftliche Betriebe, die zum Teil Rittergüter waren und so weiter. Da gab es überall repräsentative Wohnsitze, aber der Schwiegervater wollte das nicht, dass der Karl bei seinen Leuten wohnte. Also musste der immer von der Stadtwohnung aus das machen, oder von den Stadtwohnungen aus. Und mithilfe Rudolf Steiners bekommen sie dann das Schloss Koberwitz. Also Johanna und Rudolf Steiner, die sprechen darüber, wo sie denn wohnen könnten, und dann gehen die alle durch. Und dann sagt er, "Verlangen Sie Koberwitz." Sagt sie, "Ja, mein Bruder, der darf da jetzt schon wohnen, damit wir sozusagen da nicht wohnen." "Verlangen Sie Koberwitz", sagt er. Und dann geht der Karl dahin, der ist in vollem Vertrauen. Der geht in die Sitzung und sagt, "Koberwitz möchte ich gerne als Dienstwohnung haben." Und dann kriegt er das. Und dann bauen die das um und ganz wunderbar. Und dann 1920 im Frühjahr ist der Einzug.
Und der Schwiegervater, der ist immer noch ein wenig garstig, kann man sagen, und beurlaubt Karl. Und sagt, "Komm, also geh mal weg eine Zeit." Und dann soll er ein paar Monate eben weggehen. Und Karl nutzt die Zeit und arbeitet in Stuttgart beim "Kommenden Tag". Also diesem Unternehmen, das aus der Dreigliederung heraus entstanden ist. Und beriet die landwirtschaftlichen Güter, die dazu gehörten. Und dabei bemerkt Karl, wie unglaublich beschlagen Rudolf Steiner in landwirtschaftlichen Fragen ist. Und der Mann ist jetzt wirklich Profi. Also er wird ja überall im Deutschen Reich geschätzt für diese Güter, die er da entwickelt hatte. Und er sagt zu seiner Frau, "Also ich sehe ja gar nicht ein, warum wir nicht auch als Landwirte Rudolf Steiner nach Ratschlägen fragen sollten. Vielleicht können wir einen Kurs haben, sowas." Das heißt, diese ursprüngliche Idee, einen landwirtschaftlichen Kurs oder Anregungen dazu zu bekommen, das passiert schon 1920.
Die drei Strömungen: Wollen, Fühlen und Denken 00:13:36
Und von heutiger Sicht aus können wir sehen, dass es etwas ganz oder etwas ganz Besonderes vonnöten war, damit der landwirtschaftliche Kurs wirklich in die Welt kommen konnte. Der betrifft uns ja alle als Menschen. Und der Mensch als solcher wird ja in der Anthroposophie als dreigliedrig, also so ganz basal als dreigliedrig angeschaut. Also Denken, Fühlen und Wollen, wie so diese erstmal ganz basalen menschlichen Fähigkeiten. Und wie die Temperamente auch, bei uns ist das eine stärker als das andere und wir finden irgendwie damit einen Umgang in diesem Leben, so sind auch diese Strömungen, kann man sagen, von einer besonderen Stärke in uns. Eine davon. Wir sind Menschen, die über das Denken vielleicht auf die Welt schauen und Dinge machen. Oder über das Fühlen und gucken eben mit diesen Kräften in die Welt und handeln danach. Oder das Wollen. Und Karl von Keyserlingk, von ihm sagt Rudolf Steiner: "Sie haben ja einen eisernen Willen." Und er nennt ihn den eisernen Grafen. Also es wird wirklich ausgedrückt. Und Karl ist ein Vertreter, wie ein Repräsentant dieser Wollensströmung. Und das Wollen ist in der Dreigliederung ja verbunden mit dem Wirtschaftsleben. Also das ist alles irgendwie ganz im Einklang. Also wir können sagen, die erste Strömung von diesen Menschheitsströmungen, die nach einem landwirtschaftlichen Kurs fragt, ist das Wollen.
So, ich erzähle die Geschichte noch kurz zu Ende und dann gucken wir auf die zweite Strömung. Also als es jetzt so weit ist, dass Karl sich wieder anschickt, zurückzukehren nach Koberwitz, da kommt ein Brief des Schwiegervaters, der sagt: "Du brauchst gar nicht mehr kommen." Karl zeigt den Brief Rudolf Steiner und Rudolf Steiner liest die Briefe immer so ganz gewissenhaft durch und sagt: "Gehen Sie ruhig zurück." "Herr Dr. Steiner, das ist eine Unmöglichkeit." Also, es ist nicht sehr nett, sagt er, "aber gehen Sie ruhig zurück." Und Karl ist eben ganz im Vertrauen da. Der geht zurück, kommt da an und es ist alles weg. Kein Chauffeur mehr, keine Fahrzeuge mehr, keine Nahrungsmittel von den Gütern, Konten gesperrt, alles weg. Und er nimmt den Zug, fußläufig zum Bahnhof, fährt mit dem Zug nach Breslau, läuft in die Fabrik und setzt sich in sein Büro. Und das macht er drei Tage lang. Keiner kommt rein. Kein Anruf, keine Papiere. Die sind alle instruiert worden: "Lasst den da ruhig mal schmoren." Nichts passiert. Und am dritten Tag, da wird die Tür aufgerissen und der stellvertretende Direktor stürzt herein und sagt, vor dem Werkstor haben sich die Arbeiter versammelt, die haben im Gewerkschaftshaus in Breslau beschlossen, den Generalstreik auszurufen, wenn er nicht wieder sofort in seine Ämter eingesetzt werden würde. Und die Land-, oder überhaupt alle Arbeiter in der damaligen Zeit, der Streik war das eigentliche probate Mittel, um irgendwie sich Gehör zu verschaffen. Weil sonst haben die keine Chance gehabt. Wenn der Einzelne sich beschwert, haben die den rausgeschmissen. Die hatten aber da nie Streiks, weil Karl das im Sozialen eben so gut mit denen gemacht hat. Und dann stehen eben nicht nur tausend Arbeiter vor der Tür, sondern alle dreitausend Arbeiter von Vom Rath, Schoeller & Skene. Also was ein bewegender Moment. Und da ist dann so etwas wie eine Kraft gebrochen, dieses Schwiegervaters und dieses Reprimierenden. Und es beginnt eine Zeit des Friedens, die bis nach dem landwirtschaftlichen Kurs reicht. Also der landwirtschaftliche Kurs wird hineingehalten in diese friedliche Zeit. Auch wieder eigentlich etwas Besonderes. Also wir können eigentlich sagen, dieses Schloss Koberwitz, dieser Ort, kommt mit der Hilfe Rudolf Steiners da zustande. Und auch die friedliche Zeit, in die der Kurs dann reingehalten wird, das gehört auch zusammen.
Nun gibt es 1922 die nächste Strömung, die an Rudolf Steiner herantritt und nach einem landwirtschaftlichen Kurs oder nach landwirtschaftlichen Hinweisen fragt. Und das ist Ernst Stegemann. Ernst Stegemann ist ein Landwirt, der in Göttingen ein Pachtgut betreibt, Marienstein. Und dieser Ernst Stegemann, der hat festgestellt in seiner landwirtschaftlichen Praxis über die Jahre, dass die Qualität der Nahrungsmittel eklatant schlechter geworden ist. In einer Generation. Können die das richtig sehen? Und er macht sich darüber große Sorgen und er geht zu Rudolf Steiner 1922 in Stuttgart und fragt ihn. "Was können wir tun? So ist die Situation. Was kann getan werden?" Und Rudolf Steiner gibt ihm die Saatgutmeditation. Eine Meditation, die zum Säen oder zur Auswahl des Saatgutes genutzt wird. Und er gibt ihm den Hinweis, er solle versuchen, aus Gras Getreide zu züchten. Und auf Marienstein fangen die sofort an, in der Gemeinschaft gemeinsam zu meditieren und daran zu arbeiten. Das heißt, dieser Betrieb ist zum landwirtschaftlichen Kurs schon soweit umgestellt. Es fehlen noch Präparate und natürlich der Gesamtkontext des landwirtschaftlichen Kurses. Aber das ist wie so ein Vorreiter. Und das ist wirklich das Fühlen, weil diese ganz in dieser Gemeinschaft sind und sich da reinspüren und dieses rein meditieren. Also Sie haben vielleicht so ein Bild, dass man das so anschauen kann.
Und im selben Jahr kommt auch die noch uns fehlende Strömung, nämlich das Denken. Da gibt es zwei ganz junge Männer, die am Goetheanum ein kleines Laboratorium einrichten durften. Günther Wachsmuth und Ehrenfried Pfeiffer, die beide später bedeutende Rollen spielen werden in der Bewegung. Aber da eben noch ganz junge Männer sind und die wollen Lebenskräfte erforschen. Das ist die Fragestellung, die die haben. Und da gehen sie zu Rudolf Steiner und fragen ihn, was sie da machen können, damit sie da irgendwie in die Forschung kommen. Dann sagt er ihnen: "Machen Sie doch mal Präparate." Und dann fragen die: "Wie sollen wir das denn machen?" und so. Und dann sprechen die das ganz genau ab, wie mit den Hörnern, "Ja, sollen wir die zumachen, vielleicht mit einer Blase" und so. Also die machen das. Und dann haben wir 1922 schon Vorträge am Goetheanum, wo Rudolf Steiner, wie hinblickend auf diese landwirtschaftliche Tätigkeit, schon anfängt, über die Dinge zu sprechen. Und Motive, die wir nachher im landwirtschaftlichen Kurs wieder treffen werden, die tauchen da schon auf. Und er erklärt wieder andere Dinge, die uns heute vielleicht unverständlich sind, so dass wir aus beiden zusammen es heute besser verstehen können. Das hängt alles immer irgendwie miteinander zusammen, was da so im Gesamtwerk passiert.
Der Weg nach Koberwitz und die Form des Kurses 00:21:01
Und nun wollen die einen landwirtschaftlichen Kurs und sprechen miteinander und so weiter. Und dann passiert aber ja etwas, was ein ganz wesentliches Momentum in der anthroposophischen Bewegung ist. Das Jahr 1922 ist das Jahr, wo Rudolf Steiner eigentlich am stärksten in der Öffentlichkeit auftritt. Die Konzertagentur Wolf organisiert ihm so eine Vortragsreise. Und das ist wirklich in aller Öffentlichkeit. Also da ist richtig was los. Und am Ende des Jahres brennt das Goetheanum ab. Es ist wie so ein Peak und dann kommt wirklich ein zutiefer Schlag, der das alles so ins Wanken bringt, dass erst mal fraglich ist: Geht es überhaupt weiter? Also ein ganz großer krisenhafter Moment. Und Rudolf Steiner setzt die Arbeit dann fort. Und das Jahr 1923 ist eben von unfassbarer Arbeitsfülle. Das kann man sich ja vorstellen, was da los war. Er bereist ja überall die ganzen Regionen und schaut sich an, wie der Zustand der Gesellschaft ist und so. Sie kennen das alle.
Und nun wollen die Landwirte, immer wieder fragen die danach: "Können wir einen Kursus haben?" Und sie schließen sich dann Ende 1923 zusammen und begründen eine Arbeitsgruppe. Also ein Zweig, kann man sagen, der Landwirte. Und am 23.11. schickt Karl von Keyserlingk nochmals einen Brief, darum bittend, das Datum zu erfahren. Und am selben Tag beginnt Rudolf Steiner einen Vortragszyklus, Mysteriengestaltung heißt er, wo er vom 23.11.23 bis zum 23.12.23, also bis einen Tag vor Weihnachtstagung, diese vorbereitet. Und der Neffe Alexander, der diese Sozialabteilung leitet und der wirklich ein sehr interessanter Mensch war – Rudolf Steiner hat von ihm gesagt, "Ich mag diesen Naturburschen, er hat in der Welt manch Merkwürdiges zustande gebracht" – also, das ist auch wieder so ein Mensch, der da eine Rolle spielt und der nimmt an der Weihnachtstagung teil. Und Karl hat ihn gebeten, doch zu fragen, ob sie einen Termin bekommen können. Und am Tag nach der Weihnachtstagung holt Alexander diesen Termin, geht Rudolf Steiner fragen. Und dann wissen sie, dass es Pfingsten sein würde, '24.
Und jetzt kommt dieser landwirtschaftliche Kurs heran und Rudolf Steiner wird erwartet. Und er kommt an am Pfingst... am Pfingstsamstag startet die Tagung, am Freitagabend davor mit dem Zug. Wissen Sie, von Breslau nach Köln ist man damals elf Stunden gefahren. Und wenn wir heute mit dem ICE von Köln nach Basel fahren, dann sind das vielleicht so fünf Stunden. Also geplante Zeit. Also, Sie können sich vorstellen, wie lang war diese Reise, oder? Der macht das aber. Und er ist schwerkrank. Also, das ist ja wirklich eine Tortur für ihn, diese Reise auf sich zu nehmen. Die Leute sind ganz erschreckt, als er da ankommt. Und dann fahren sie raus ins Schloss und am Pfingstsamstag beginnt diese Tagung. Und wir werden jetzt gleich hier so ein paar Sachen dazu anschauen, damit wir das ein bisschen kompakter haben. Aber vorweg sei noch gesagt, dass der landwirtschaftliche Kurs ein sehr ungewöhnlicher Vortragszyklus ist. Er hat ein Alleinstellungsmerkmal. Das gibt es nur bei dem landwirtschaftlichen Kurs. Das ist seine Form. Wir haben es mit acht Vorträgen zu tun. Der erste Vortrag ist am Pfingstsamstag. Dann kommen Pfingstsonntag und Pfingstmontag, wo kein landwirtschaftlicher Vortrag stattfindet. Und dann kommen sieben Vorträge am Stück. Ab dem Pfingstsamstagabend sind Karma-Vorträge für Mitglieder in Breslau. Die sind jeden Abend. Ja, es gibt also keinen Grund, warum nicht. Es gibt also einen Grund, warum es keine gab. Und da wollen wir mal drauf schauen, was es damit auf sich hat. Und dann sehen wir auch schon diese soziale Struktur. Ich mache das jetzt mal an. Ich muss mal einen kleinen Moment Geduld haben hier. Also, wir haben es zu tun mit acht Vorträgen. Aber wir haben hier so eine Zäsur. Erster Vortrag, zwei Tage Pause.
Der soziale Konflikt in Koberwitz und die Struktur der Vorträge 00:26:06
Ja, was passiert denn da? Also, was machen die da in der Zeit? Es gibt ganz viele Aktivitäten, die schauen das Gut an und so weiter. Aber das Wesentliche, was geschieht, ist am Pfingstsonntag versammeln sich die Landwirte in Breslau im Bockschen Saal. Das ist so ein Veranstaltungsort. Und Stegemann berichtet von seinen Erfahrungen und das Anliegen von Karl von Keyserlingk ist es, einen Versuchsring zu begründen. Versuchsringe, das war damals ganz normal. Man hatte eine Idee, landwirtschaftlich gesehen, und hat sich mit verschiedenen Kollegen zusammengeschlossen und hat die Dinge ausprobiert. Ein Versuchsring oder ein Ring aus Landwirten, die das ausprobieren. Karl von Keyserlingks Anliegen war es, dass das, was Rudolf Steiner da als Kurs in die Welt stellt, dass das von den Landwirten auf die Erde geholt wird. Also, dass nicht nur eine Bewegung begründet wird, sondern dass tatsächlich etwas Institutionalisiertes entsteht, was wiederum eine Beziehung hat zu der neu gegründeten anthroposophischen Gesellschaft, dem Vorstand in Dornach, all diesen Fragen.
So, und nun sitzen die da und Stegemann berichtet, und es sind ja jetzt zwei ganz unterschiedliche Männer gewesen. Und der Keyserlingk hört sich das so an, wie der Herr Stegemann das da berichtet, und der ist da irgendwie nicht mit einverstanden, mit der Art und Weise, was er und wie er das sagt. Da sagt er zum Beispiel: "Wir sind anthroposophische Landwirte, aber wir sitzen hier nicht als Anthroposophen, sondern als Landwirte. Wir blamieren den Herrn Doktor ja, wenn wir das so in die Welt tragen." Also, er wollte das in einer anderen Form, und er sagt: "Was haben Sie geerntet, was haben Sie gesät, wie groß waren die Versuchsflächen?" Jetzt mal meine Worte: "Mal Butter bei die Fische. Tacheles reden." Und der andere, der kann das nicht. Das ist nicht seine Art. Der ist ja da ganz im Fühlen drin. Also, der berichtet so, und der sagt: "Ich lade Sie ein, das anzuschauen" und so weiter. Und die beiden, die geraten wirklich aneinander. Und Sie müssen sich vorstellen, der ganze Vorstand sitzt da, also Wachsmuth, Rudolf Steiner und so weiter. Die sitzen da und hören es mit an. Und sie seien sich mit starken landwirtschaftlichen Ausdrücken entgegengefahren. Man hat so ein bisschen ein Bild. Rudolf Steiner berichtet nachher, er war sich nicht sicher, ob er nicht Dr. Lutz Engel, den anthroposophischen Arzt in Breslau, mit dem Verbandskasten hätte kommen lassen sollen. Also, das war der irgendwie auch nicht gewohnt. Also, das ging da richtig zur Sache.
Und Karl wird darüber so... der ist so erbost, dass er kurz vorm Abendessen, also bevor die in den Kammervortrag gehen, beantragt er, dass sie die Tagung beenden. Er beantragt den Schluss der Tagung. Und das hätte bedeutet, dass der, wissen Sie, der alles organisiert, der alles finanziert hat, dessen Lebensaufgabe das ist, dass der sagt – meine Worte jetzt wieder – : "Leute, das klappt hier nicht mit euch. Das wird so nichts." Der sagt: "Wenn ich es durchsetzen muss, dann setze ich es durch mit meinen Leuten in Schlesien." Aber der fühlt sich alleingelassen. Das klappt irgendwie nicht. Die kommen nicht überein. Und jetzt ist das wirklich eigentümlich, oder? Denn Stegemann und Keyserlingk, die kennen sich. Die haben sich besucht. Die haben sich das angeschaut, was der Stegemann da macht. Also es ist nicht das erste Mal, dass er das hört oder so. Aber irgendwas ist da geschehen. Und jetzt kann man sagen, es ist eigentlich gar kein Konflikt zwischen Karl und Ernst als Menschen, als Männer. Die konnten sich gelten lassen. Sondern es ist ein Konflikt zwischen dem Fühlen und dem Wollen. Es ist ein Strömungskonflikt. Das kommt nicht überein. Und wie oft haben wir das auch in unserem sozialen Leben, dass wir... der andere ist ja irgendwie gar nicht dumm und blöd und so, sondern der hat einfach eine andere Art, auf die Welt zu schauen.
Und die soziale Frage, das ist die Frage der Gegenwart, die wir dringend in eine Bearbeitung bekommen wollen. Denn es braucht heute dieses Bewusstsein darüber, was da passiert in diesen sozialen Prozessen, die dahinterstehen. Und deswegen habe ich Ihnen diese Zahlen hier mitgebracht. Denn jetzt kann man sehen, mit welch unglaublich feiner Didaktik Rudolf Steiner da wirkt, wie er das macht. Also wir können demnach sagen, der erste Vortrag, wenn man den so liest, dann beschreibt er, wie eine Ouvertüre zu einer Oper oder so, beschreibt er, was kommen wird. Jedes Motiv, was später im Kurs aufgegriffen wird, ob das die Planetenwirkungen sind, ob das, wie die Planeten in den Gesteinen wirken und so, diese ganzen Motive kommen da einmal vor. Und wie auch bei einer Ouvertüre es ja Überleitungen gibt zwischen Motiv und Motiv, die im Hauptwerk gar nicht mehr kommen werden, sondern nur da vonnöten sind, so ist das hier auch. Also es kommen schon auch Sachen, die sagt er nur da. Und deswegen ist es jetzt kein Aufruf, den ersten Vortrag nicht mehr zu lesen natürlich. Das will ich nur sagen, wir schauen nur auf die Prinzipien.
So, und nun kommen diese beiden Tage Pause und natürlich gibt es Gespräche danach, nach diesem Konflikt, zwischen Stegemann und Steiner, zwischen Karl von Keyserlingk, das ist ja ein freundschaftliches Verhältnis, das Karl mit Rudolf Steiner pflegt. Das ist was Besonderes, was diese beiden Menschen verbindet. Und wir wissen ja auch, die kriegen das hin. Und jetzt schauen wir uns an, wie die das machen, weil proklamiert wird der Versuchsring und eine erneuerte Arbeitsgemeinschaft erst hier, vor dem dritten Vortrag. Also die brauchen wirklich ein paar Tage, bis sie das eingestielt haben. Also erster Vortrag, Ouvertüre, zwei Tage Pause. Also wir können sagen, hier haben wir eben diese Ouvertüre und nun hält Rudolf Steiner jeder Strömung ihren Vortrag. Ein Vortrag, der genau die Strömung anspricht.
Und der erste Vortrag, die erste Strömung, die hier angesprochen wird, das ist im zweiten Vortrag, das ist die Wollenströmung, das ist Karls Strömung. Er spricht über die landwirtschaftliche Individualität und wie ist ein Betrieb eigentlich wirtschaftlich, wenn er aus sich selber heraus das hervorbringen kann, was wachsen soll. Das ist ökonomisch gesehen sinnvoll und so weiter. Also es ist ein Wollensvortrag. Der dritte Vortrag, der beschreibt, wie der Geist in der Materie wirkt, welche Beziehungen da herrschen. Und wenn man nicht nur darauf schaut, was Rudolf Steiner sagt, sondern wie er das sagt, dann kann man eben bemerken, man wird so hier auch angesprochen. Da wird ganz wesenhaft der Kohlenstoff, dieser "schwarze Kerl" und so. Also ja, da wird man auf einer ganz anderen Ebene abgeholt, als denn beim Wollen. Und der vierte Vortrag, das ist der Vortrag, der sich an das Denken als Strömung wendet. Da geht es um Düngung und um die beiden Spritzpräparate Hornmist und Hornkiesel. Das taucht da auf als Motiv.
So und jetzt hat jede Strömung ihren Vortrag gekriegt. Und jetzt wissen wir ja, Denken, Fühlen und Wollen müssen im Menschen zusammenklingen. Und diese ganzen vorgebrachten Dinge müssen im landwirtschaftlichen Betrieb natürlich auch zusammenklingen. Also wie kommt es zusammen? Was ist der Schlüssel, den wir benutzen können, um da zu einem Verständnis zu kommen? Und das ist eigentlich der Generalschlüssel, um den landwirtschaftlichen Kurs zu verstehen. Den gibt er am Ende des vierten Vortrags. Er sagt, Rudolf Steiner, der Mensch wird zur Grundlage gemacht der Betrachtung. Und das ist es, was diese Art der Betrachtung unterscheidet von anderen. Also wir können sagen, das anthroposophische Menschenbild ist der Schlüssel, dass wir diese ganzen Verhältnisse verstehen, aber auch die sozialen Fragen eben verstehen können. Und das beinhaltet alles. Also die Leiber, die Siebengliedrigkeit, Reinkarnation und Karma, all diese Fragen möchte das angesprochen wissen.
Und dann kann man sehen, dass jetzt etwas sehr Interessantes passiert, nämlich es gibt dann wie eine Spiegelung dieser Strömung. Also der zweite und der achte Vortrag, wie so ein siebenarmiger Leuchter. Der dritte und der siebte Vortrag klingen wieder zusammen. Und vier, fünf und sechs als Denkenvorträge. So und wenn man da jetzt mal so ein bisschen draufguckt, dann kann man sich fragen, ja warum ist denn das hier mit einem mehr? Also warum ist denn das Denken jetzt schon wieder so überrepräsentiert, oder? So gerechtigkeitsmäßig. Und jetzt kommt wirklich etwas, als ich das gefunden habe da drin, das ist unfassbar, was Rudolf Steiner da wieder in die Welt gestellt hat. Denn wenn wir jetzt diese drei Denkenvorträge als einzelne anschauen, dann geht es hier ja um Düngung und die Spritzpräparate. Hier geht es um die Präparate, die wir für unsere Wirtschaftsdünger einsetzen. Und hier geht es um das Veraschen von Insekten, Samen und Säugetierfellen, um Unkraut zu vernichten oder beziehungsweise da nicht zu haben, wo man das haben will und eben die entsprechenden Schädlinge auch nicht. Hier geht es um die Rührpräparate, wissen Sie? Und da muss man sich eine Stunde hinstellen und rühren. Und wir rühren so 200 Liter, das ist so die Größenordnung, eine Stunde lang. Ja, welche Kräfte, welche inneren Kräfte brauche ich denn, um das zu machen? Ja, Wollenskräfte, oder? Ich muss ja eine Stunde wirklich das tun. Und deswegen haben wir hier das Wollen im Quadrat, nenne ich das. Also wir haben Denken eigentlich als Grundströme und dann haben wir Wollen im Quadrat dazu. Bei diesen Präparaten hier, die wir in den Kompost, in den Mist, in die Jauche tun, wenn man da wieder genau liest und mal so reinspürt, wie er da spricht, dann wird es auch wieder... er beschreibt das so wesenhaft und so im Sozialen eigentlich, in der Beziehung zueinander, dass wir eigentlich sagen können, hier haben wir das Fühlen im Denken zum Quadrat. Und im sechsten Vortrag, da haben wir Denken und wir haben dieses ganze Planetarische, wie macht man das und so weiter. Das ist reinste Anthroposophie, kann man sagen, also haben wir da das Denken zum Quadrat. Das ist ja unfassbar, oder? Also wie das ineinander geschachtelt ist und wie er das hingebracht hat.
Und wenn wir das so ein bisschen einfach nur mit der Dreigliederung in Beziehung setzen, dann haben wir für das Wollen das Wirtschaftsleben, das spricht den Stoffwechsel-Gliedmaßen-Menschen an und es ist die Brüderlichkeit, die als soziales Ideal da drin steckt. Darum geht es beim Wirtschaftsleben, um die Brüderlichkeit. Hier haben wir es mit dem Fühlen zu tun, das ist das Rechtsleben, das finden wir im Brustmenschen und die Gleichheit ist das Ideal, wo wir hinstreben wollen. Beim Denken ist es das Geistesleben, es ist im Haupt verortet und die Freiheit ist das Motiv.
So und wir haben beim letzten Vortrag gesehen, wie eigentlich die biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Lage ist, durch die Angaben, die wir da haben und die Praxis, die es heute gibt und die Weiterentwicklung, die uns jetzt noch vielleicht bevorsteht, dass wir in der Lage sind, dem Menschen die Leiblichkeit auf der Erde so zu ermöglichen, dass das sich gut inkarnieren kann, dass die Erdenziele erfüllen können. Und die großen Erdenziele, die wir eben finden in der Anthroposophie für den Erdenzustand, ist ja, das Ich für den Menschen zu entwickeln, die Freiheit zu entwickeln und die Liebe. Und Freiheit und Liebe, das sind tatsächlich ja soziale Fragen, oder? Das kriegt man mit sich alleine nicht ganz hin. Man muss und wir sind ja nun mal soziale Wesen, wir kommen um diese soziale Frage einfach nicht herum. Und jetzt ist es ja so unfassbar spannend, wenn wir nämlich diesmal hier anschauen, also wir finden Wollen, Fühlen und Denken auch in unserem Leib verortet. Und im landwirtschaftlichen Kurs kommt er ja immer wieder auch auf Ernährung zu sprechen und sagt dann, wenn sie auf das Haupt wirken wollen, dann müssen sie Wurzelnahrung geben. Wollen sie auf den Stoffwechsel-Gliedmaßen-Menschen wirken, dann brauchen sie Gekochtes, Samen und Früchte. Und für den Brustmenschen, da ist es Blattnahrung. Das heißt analog zum letzten Mal, also wenn wir so gut ausgebildete Nahrungsmittel zu uns nehmen können, machen die uns fähig, aktivieren damit auch sozusagen unsere sozialen Kompetenzzentren in unserer Leiblichkeit. Und das ist etwas, was wir heute wirklich brauchen, denn die soziale Frage, wir haben das ja letztes Mal schon ein wenig angeschaut, in welchen Polaritäten wir eigentlich heute leben und wie wir umringen müssen, diese Mittenkräfte hinzubringen. Also das kann uns da ganz doll helfen.
Der Weg nach dem Kurs: Widerstände und das Testament des Grafen 00:40:25
So, und jetzt möchte ich den Schluss oder den Rest der Zeit noch dafür nutzen, Ihnen etwas zu erzählen, wie es nämlich mit Karl von Keyserlingk weiterging. Das gibt nämlich einen Hinweis darauf, wie es in die Zukunft gehen kann für uns alle. Also wir haben ja schon gehört, dass Karl es immer wieder mit Konflikten im engsten Umfeld zu tun hatte und das setzt bei ihm auch sofort wieder ein. Also ich sage Ihnen mal ein Beispiel. Das Schloss Koberwitz, das ist ein Bau, der hatte eigentlich einen Mittelbau und dann hat man da zwei Teile angesetzt, einen etwas kürzeren und einen etwas längeren. Da ja der Vater von Johanna dem älteren Bruder von Johanna das als Wohnsitz gegeben hat, hat er auf der einen Hälfte gewohnt und auf der anderen Hälfte haben die Keyserlingks gewohnt, wissen Sie, und man begegnete sich und man grüßte sich dann nicht mehr. Ja, also im eigenen Haus. So, jetzt zieht er sechs Wochen vor Kursbeginn aus und dann zieht ein Professor Burg ein, und Professor Burg ist derjenige, den Karl holt, damit er die Landwirtschaft, das ist halt ein Spezialist für den Ackerbau, den holt er und der ist aber in völliger Opposition. Und dann hat er wieder das gleiche im Haus, im eigenen Haus, das muss man sich immer wieder vorstellen. Wie muss das gewesen sein?
So, und sie verabreden, dass sie, als der Versuchsring begründet wird, dass sie erst mal Stillschweigen bewahren wollen über das, was sie herausfinden. Und Rudolf Steiner sagt das auch nochmal, also es kriegen ja alle mit, dass das vereinbart ist, und Rudolf Steiner hält eine Ansprache am dritten Vortragstag, am Tag des dritten Vortrags, so und sagt, also wir wollen das so halten, dass wir das jetzt nicht herausposaunen in die Welt. Und das ist etwas, was nicht gelingt. Es wird herausposaunt. Und das richtet richtig Schaden an. Also Karl wird dann eingeladen von der IG Farben, die kriegen das mit. Also bis in solche Kreise dringt das vor. Er widersteht der Versuchung, ein Exemplar des Kurses zu verkaufen. Aber sie sehen, da kommen Kräfte direkt ins Spiel, die wirklich an der Substanz schon beginnen herumzunagen. Und für Karl ist es richtig schwer, das auszuhalten, weil er ist jemand, der ganz gerade, ganz dafür einsteht, was vereinbart ist und in Treue handelt. Und nun, nachdem das alles geschehen ist, legt er – er ist ja Vorsitzender des Versuchsring, der ganze Versuchsring sitzt in Koberwitz, also das ist das. All die jungen Männer, die später eine Rolle spielen werden, die Brüder Bartsch, Vögele, all diese sind durch seine Güter und seine Güte gegangen. Er ist der Nukleus des landwirtschaftlichen Kurses. Ohne ihn wäre da gar nichts gewesen. Das ist wirklich sein Vermächtnis, kann man sagen, seine Erdentat.
So, nun legt er eine zweite Verschwiegenheitserklärung auf, die aber vom Rest nicht anerkannt wird. Und das führt bei ihm dazu, dass er den Versuchsringsvorsitz abgibt. Das macht er nicht mehr. Zieht sich da zurück. Dann weilt er in Dornach, als Rudolf Steiner stirbt. Er hält Totenwache bei ihm, also es ist wirklich sehr eng und sehr nah. Und danach beginnen ja Prozesse innerhalb der Bewegung, die wirklich zersetzend sind. Das müssen wir heute so konstatieren. So war es gewesen. Und davon bleibt die anthroposophische Landwirtschaft natürlich auch nicht verschont. Und nun beginnen da Konflikte. Und Karl ist in Breslau, er ist Zweigleiter, er ist Mitglied der Christengemeinschaft und er lässt es alles sein. Er zieht sich aus allem zurück, weil er sagt, so wie hier über den von ihm verehrten Vorstand in Dornach gesprochen wird und über die verantwortlichen Personen in Breslau, das kann er nicht ertragen und er zieht sich daraus zurück.
Er ist ja 1899 eingetreten in die Vorfirma, die dann Vom Rath, Schoeller & Skene wurde und hat da 27 Jahre gewirkt. 1927 legt er seine Ämter da nieder. Er wird quasi rausgeschmissen. Der Schwiegervater ist gestorben und die Johanna hat richtig Geld geerbt, weil die Brüder nämlich, ihre Brüder, des Vaters Skenes Lebenswerk war diese Firma und die Brüder klagen gegen die Firma auf die Herausgabe des eingesetzten Kapitals und gewinnen den Prozess. Die spekulieren nachher mit dem Geld an der Börse und die Keyserlingks kaufen sich zwei Güter, Sasterhausen und Raben und ziehen dahin. Das ist im Winter 1927. Aber Karl ist da auch kaum noch. Er weilt in Breslau, kann man sagen. Und sein ganzes Leben, alles was ihm wichtig ist, ist wie sozusagen zu Ende gekommen. Nirgendwo kommt er weiter mit dem, was er eigentlich als inneres Anliegen hat. Und das ist für ihn eine wirklich herausfordernde Zeit, das kann man sich ja vorstellen.
Die Vision für Deutschlands Zukunft und die Urne des Grafen 00:45:51
Und es gibt eben einen ganz besonderen Moment während der Landwirtschaftlichen Tagung und zwar ist es am Donnerstag. Mittags ist es so, die essen ja, also der Essraum, wo die immer gegessen haben, das war Tagungssaal. Also da wurde der Vortrag gehalten und das Vestibül, was daneben war, da waren die Türen offen, da saßen die Leute auch. Für Frühstückspause und Mittagessen musste immer umgebaut werden. Also Stühle weg, Essen hin und so. Und im Esssaal, im Speisesaal, durften jeden Tag zwölf Menschen zusammen mit Rudolf Steiner und den Keyserlingks am Tisch sitzen. Die wurden immer geladen. Jeden Tag andere. Und an diesem besagten Tag waren eben Menschen da, die in der Politik standen und es gibt eben so politische Gespräche. Und Karl fragt Rudolf Steiner, wie er denn die Zukunft Deutschlands sehe. Weil wir haben ja eine Zeit, also der Marsch auf die Feldherrnhalle liegt hinter uns 1923. Oder wir sehen, also da kommt eine Zukunft unter Umständen auf Deutschland zu. Wir wissen, wie es ausgegangen ist, aber da war das ja noch eine Ahnung. Und er fragt ihn, wie er denn die Zukunft sehe. Und so richtig antworten mag er erst mal gar nicht. Und dem Karl ist es aber richtig wichtig. Und er fragt ihn noch mal, also wie sehen Sie denn die Zukunft Deutschlands.
Und da sagt er, die Schornsteine werden fallen und Deutschland wird zu einem Agrarland herabsinken. Und es wird dann eine Aufgabe haben können, wie Griechenland während der römischen Besatzung, nämlich dass die Jugend und damit die Jugend Europas in Deutschland erzogen wird. Und zwar in Orten in agrarischer Abgeschiedenheit, die so klosterähnlich sind, wo noch deutsches Geistesleben gepflegt werden kann. Und dann sind da noch so Momente und sagt dann aber, man wird weit fahren müssen zwischen dem einen und dem anderen Ort. Und dieses Gespräch, also diese Antwort, die macht einen ungeheuren Eindruck in Karls Seele. Das ist für den was, was den richtig bewegt. Also 1923, also die Weimarer Republik, die Regierungen, die wechseln ja immer. Das hält immer nicht. Da muss wieder eine neue und so. Und dann wird er auch gefragt, ob er als Kultusminister 1923 in die Regierung eintreten will. Und er lehnt es aber ab. Und Rudolf Steiner sagt zur Exzellenz von Moltke: "Wäre die Dreigliederung gekommen, dann wäre Karl Landwirtschaftsminister geworden." Also man merkt schon, das ist eine Persönlichkeit, die hat überall wirklich Reputation genossen.
Und nun denn, geht er mit diesem inneren Motiv, dieser Oasenbildung, geht er um und das über diese ganze Zeit, nach dem Kurs, all die Jahre, durch diese schwierige Zeit. Und kurz vor Ende seines Lebens hat er das wie umgewandelt in ein inneres Mantram, was er in seiner Seele trägt. Und der Wortlaut ist: "Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, in denen der Christus aufersteht." Das ist sein inneres Lebensmotiv geworden, da am Ende seines Lebens. Und jetzt findet er Menschen, die mit ihm so etwas begründen wollen. Und der Staat ist auch dabei, würde es unterstützen, wenn Keyserlingk da mitmacht. Also so ist das Verhältnis. Und er kommt eben zurück von einer dieser Sitzungen und am nächsten Tag wäre er nach Dornach gefahren und in der Nacht erleidet er einen Herzinfarkt. Und das ist 1928 im Dezember. Und nun graviert man dieses Mantram auf seine Urne. Und dann ist die ganze Trauerfeier in Sasterhausen und Beisetzung.
Das Schicksal der Johanna von Keyserlingk nach dem Krieg 00:49:27
Und nun machen wir einen Zeitsprung. Denn Johanna bleibt da wohnen. Und jetzt kommt eben der Zweite Weltkrieg heran. Alles erfüllt sich. Der Zweite Weltkrieg kommt heran und die russischen Truppen nehmen diesen Teil ein. Und die ganzen Einwohner von Sasterhausen, die fliehen auf den Zobten. Das ist der einzige Berg, den es da gibt. Und als die Kampfhandlungen zu Ende sind, kehren die zurück. Und jetzt kommt Johanna wieder hin zu dem Schloss und die Truppen haben da gewütet. Und da waren mehrere Urnen in der Kapelle. Also es ist ein alter Zisterzienser-Abtssitz gewesen. Da gab es eine Kapelle und in dieser Kapelle standen die Urnen und die haben die Urnen geschändet. Die Asche haben sie einfach ausgekippt, um die Menschen zu demütigen. Und sie nimmt die Urnen an sich, es ist die Urne von Karl und die Urne ihrer Schwiegertochter, der ersten Frau von Adalbert, und vergräbt sie im Garten der kleinen Dorfschule. Denn sie kann auch nicht mehr im Schloss wohnen, sondern muss in dieser Dorfschule Zuflucht finden und wohnt in so einer kleinen Dachkammer. Ich war da drin in dieser Dachkammer, da kann man nicht stehen drin. Da kann man nur reinkriechen.
Und nun sind die da noch bis Pfingsten 1946 die deutschen Bewohner vertrieben werden. Das heißt so ein knappes Jahr. Und es passiert alles, was man sich vorstellen kann, was passiert in so einer Zeit. Die haben nichts mehr. Die werden ausgeräumt, also alles. Und am Pfingstsamstag wird ihnen das mitgeteilt, dass am Pfingstsonntag Abmarsch ist. Und die können mitnehmen, was sie am Leib tragen, Löffel und Gabel und vielleicht eine Decke. Und das war's. Und dann macht sie zwei Dinge, nämlich sie begräbt eben diese Urnen im Garten dieser Schule und sie versteckt im Dach ihrer Dachkammer unter dem Holz so letzte Papiere, die ihr noch geblieben sind. Und dann muss sie gehen. Und sie kann nie wiederkehren, denn es ist ja nachher kommunistisch und so weiter und 1966 stirbt sie schon. Das heißt, da gibt es keine Rückkehr an diesen Ort.
Die Suche nach der Urne und die Reise nach Polen 00:52:01
Wir haben uns hier bei Demeter Nordrhein-Westfalen sehr starke Gedanken gemacht über die Hundertjährigkeit des anthroposophischen landwirtschaftlichen Impulses. Und wir haben ja das letzte Mal etwas gesprochen darüber, dass es jetzt eben eine Erneuerung auch bedarf, ein sich tiefer damit verbinden, sich nochmal die Sachen wirklich durchzuarbeiten, um so eine Zukunft daraus zu ziehen. Und wir haben uns dann entschlossen, uns darauf vorzubereiten, dass wir eben nicht 2023 sagen, naja, wo machen wir denn nächstes Jahr das Hoffest zu 100 Jahre, sondern wie kriegen wir eigentlich eine Verbindung zu diesem Impuls. Und dann haben wir fünf Jahre lang eine Tagung zu Pfingsten gemacht, haben uns eben getroffen, haben den landwirtschaftlichen Kurs gelesen, haben es so durchgetaktet, dass wir dann genau fertig sind, zu Pfingsten als Fest gearbeitet und so weiter. Und ich sehe uns dann noch sitzen mit der Ute Rönnebeck, meiner Chefin, bei uns in der Küche damals. Und '24 sind wir dann in Koberwitz. "Ja, das machen wir, ja, das machen wir." Also wie so eine fixe Idee, wissen Sie. Aber wir haben es wirklich gemacht, wir haben es wirklich gemacht. Wir haben also fünf Jahre diese Vorbereitung gemacht und haben dann Kontakt bekommen zu den Kollegen in Polen, also Demeter Polen, denen ja auch klar war: Okay, in dem Jahr kommt die ganze Welt auf uns. Weil in Koberwitz wird der ökologische Landbau in der ganzen Welt begründet. Also so weit reicht das als Kulturimpuls. Ohne diesen Moment hätte es das so nicht gegeben.
So, und dann ging es los. Naja, das ist heute ein Verwaltungsgebäude, wissen Sie. Da geht man zum Führerschein verlängern hin, zum Heiraten, in dem Esssaal wird heute geheiratet, ja, so ist es. Und man kann ja nicht einfach da reingehen. Also stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Einwohnermeldeamt hier in Bochum und sagen: "Guten Tag, wir würden hier mal gerne durchgehen mit 50 Leuten." Dann würde ich auch sagen: "Na, ungern." So, jetzt hatten wir aber ja Kontakt zu diesen Menschen von Demeter in Polen und das waren so richtige Türöffner. Und dann hat die Verwaltung gesagt: "Also gut, wir bieten Ihnen an, an bestimmten Wochenenden so Zeitslots zu machen. Da kommt ja ein Mitarbeiter und schließt dann alles auf und so." Okay, dann haben wir gefragt, "Ja, was ist denn frei?" "Ja, Originaldaten, Pfingsten." Da haben wir gesagt, "Dann nehmen wir Pfingsten. Denn das ist ja das spirituelle 100 Jahre." Dann sind wir mit 50 Menschen dahin gefahren und haben anhand, wie dieser Kurs zustande gekommen ist, haben wir so die Stationen – also die sind in Breslau am Bahnhof angekommen, mit demselben Zug da raus und dann zu Fuß zum Schloss, so wie die Leute auch. Wissen Sie, wir haben das alles so, immer so Textschnipsel gehabt, damit man richtig, richtig reinkam. Es war eine unglaublich tolle Tagung und wir sind am selben Samstagmorgen über dieselbe Schwelle zur selben Zeit getreten, wie die Leute vor 100 Jahren an Pfingsten, als sie zum Kurs gingen. Also es waren so Momente, das werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen.
So, und nun haben wir die Tagung zu Ende, war am Pfingstmontagmorgen und die Menschen sind mit dem Bus nach Breslau gefahren und wir waren so ein kleines Auto mit Leuten aus Nordrhein-Westfalen, die eben auch diese fünf Jahre, diese Vorbereitung gemacht haben. Wir haben gesagt, pass auf, Sasterhausen, das ist 20 Minuten von hier, wir fahren da hin. Ja, dann nehmen wir einen Spaten mit und dann gucken wir mal, ne? Also so Späßchen. Und dann kommen wir da hin und es ist... also das Schloss ist heute eine Ruine, ja, das ist wirklich, es ist eine Ruine, da ist nichts mehr los. Die Kapelle ist wunderbar restauriert, aber das Schloss, man sieht noch, wie das mal war, so als Betrieb und so. Ganz kleines Dorf, aber die Schule, die gibt es noch und da sind auch Gebäude angebaut und so weiter. So, und Pfingstmontag war Arbeitstag in Polen. Wir waren total verwundert, weil es ist ja eigentlich so katholisch und du denkst, naja, haben wir Feiertag gesagt. Nein, da war Schule und wir kommen da hin und die Leute hatten uns auch in der Schule erspäht. Überall gingen schon so Leute her, da sind ein paar Deutsche, guck mal und so. Es war ganz, also eine ganz interessante Stimmung. Es hat so ein bisschen gebritzelt so in der Luft. Wir sind da hingegangen und gesagt, ja, wir hatten eine polnische Übersetzerin dabei, weil keiner von uns weiß der Sprache richtig. Und dann ist sie da reingegangen und dann haben die uns eingeladen, reinzukommen. Und dann war die Deutschlehrerin da, die Direktorin der Schule und es war richtig: "Was ist hier eigentlich los?"
Und wir haben unser Anliegen vorgebracht. "Ja, guten Tag, ist hier vielleicht bei Bauarbeiten eine Urne im Garten gefunden worden? Oder wissen Sie, Ihr Dach ist ja neu gedeckt, haben Sie da vielleicht so Papiere gefunden, da oben irgendwo so?" Dann sagt die: "Naja, da sind Papiere gefunden worden. Die haben wir in so ein lokales Museum gegeben" und wir waren schon so: "Was ist denn hier los?" Und dann sind wir mit denen weitergegangen und wissen Sie, alle Schüler, die waren so freundlich, also so, wir waren so, was ist denn das hier für ein Ort? Und dann haben wir die gefragt, was ist das für eine Schule? Ist das eine staatliche Schule? "Nee, nee, staatlich ist das nicht mehr. Das ist ja hier so ein Dorf, das hat der Staat schon längst geschlossen. Das ist hier so eine Initiative der Eltern und der Lehrer. Die Astrid Lindgren-Schule" und so genau. Draußen hast du gesehen, die haben so einen Garten gehabt und so Werksachen und so was. Und die kriegen auch nächstes Jahr hier keine Noten mehr und so. "Sagen Sie mal, kennen Sie die Waldorfschule?" "Oh, das würde uns so interessieren." Und dann haben wir das wirklich zusammengebracht, dass jetzt die polnische Waldorf-Bewegung da mit denen, ja, super. Dann habe ich gesagt, darf ich einmal in diese Dachkammer gucken? Kann ich das einmal ansehen? Ja, kein Problem, sind wir da hoch und so. Und Sie müssen sich vorstellen, das ist so ein Dach, also es ist so ein richtig spitzes Dach von der Schule und da oben ist so ein trapezförmiger Raum. Oben gibt es noch einen kleinen Spitzboden und dieser trapezförmige Raum, der war dann noch mit zwei so Säulen abgestellt und früher waren das drei Räume. Also immer so ein Dreieck, war so eine Dachkammer, in der Mitte gab es was und wieder so ein Dreieck. Und in so einem Dreieck hat die Johanna ihr Dasein gefristet. Wie gesagt, man kann da nicht stehen. Heute ist das alles offen und es ist die Bibliothek der Schule. Und genau an der Wand, wo ihre Kammer war, war der Tierkreis an die Wand gemalt. Wissen Sie, da geht einem das Herz auf. Wenn man merkt, doch, ist doch, irgendwie doch, da passiert doch was.
Also wir sind da ganz beglückt nach Hause gefahren, die Strecke und so, und am nächsten Tag sind wir nach der ganzen Tagung mit der Familie in den Urlaub gefahren. Wir sind dann auf der Autobahn und dann ruft die Übersetzerin an und sagt, fahr mal rechts ran. Ich sag, ja, ist gerade schwierig hier, die Autobahn. Sie so: "Ja gut, halt das Lenkrad gut fest." Also der Mann hat sich gemeldet von diesem Museum und hat gesagt, er schickt uns mal Bilder von diesen Papieren, ob das die gesuchten sind. Und ihm ist eingefallen, aufgrund unserer Frage, dass er auch die Urne von Karl in seinem Museum hat. Und da habe ich... es wäre besser gewesen, ich wäre rechts ran gefahren.
Die Überführung der Urne nach Deutschland 00:59:18
So, und dann hat er gesagt, er würde diese Urne der Familie übergeben wollen. Die war nie ausgestellt, er würde die übergeben wollen. So, jetzt hatte ich Kontakt zu einem Sohn von Adalbert, der in Leipzig wohnt. Das wäre genau auf dem Weg gewesen. "Ich packe den ein, wir fahren da hin." Und ich wusste, das war ja Pfingsten und ich wusste, Johanni bin ich wieder da. Und für die Kollegen von Demeter International durchs Schloss. Ich schreibe dem also, "Also, wir müssen mal bitte sprechen" und so weiter und so weiter. Dann antwortet mir seine Frau und sagt: "Er, das geht nicht mehr, der ist vor einem Monat gestorben." Und ich war wirklich so: "Boah, und jetzt?" Und dann gibt es noch eine Schwester, das war ja der einzige Kontakt zur Familie, den ich hatte, die in Kanada wohnt. Dann habe ich die gefragt. Und dann haben wir es wirklich hingebracht.
Weil das müssen Sie sich vorstellen, das ist ja ein Artefakt in einem polnischen Museum. Also, das ist so, als ob Sie in Bochum ins Museum gehen würden und sagen: "Guten Tag, ich komme aus Rumänien oder so. Dieses Ding nehme ich jetzt mal mit." Es geht einfach nicht. Es müssen Papiere da sein, es muss richtig mit aller Ordnung. Da haben die auch wieder Grenzkontrollen eingeführt. Stellen Sie mal vor, die Grenzpolizei hätte mich angehalten an der Grenze und hat gesagt, "Entschuldigen Sie mal, was ist denn das für eine Urne in Ihrem Kofferraum?" Und du hast gesagt... das wäre ja nicht gegangen. Also, das musste alles Hand und Fuß haben. Also, wir brauchten ein Schriftstück, das eine Vollmacht erteilt, diese Urne und die Papiere abzuholen, das auf Polnisch übersetzt in der kanadischen Botschaft beglaubigt zu mir per Kurier, wir haben einen Monat gehabt und wir haben es geschafft. Also, am Dienstag kommen die Sachen an und am Samstag sind wir gefahren. Also, es war wirklich so just in time, würde man heute... So, also, Demeter International durchs Schloss geführt. Danach haben wir uns dann in Feinzwirn geworfen, also wirklich im Anzug und so, und sind da hin. Denn dann kam der Bürgermeister, das Fernsehen, das Radio, die anderen Archäologen. Das war die totale Sensation für die, was da gefunden worden ist.
Und dann haben wir das eingepackt und dann ist der Karl auf meiner Rückbank, wissen Sie, ist der mitgefahren. Und dann hat der eine Zeit lang in meinem Arbeitszimmer gewohnt und es war wirklich so, dass dieser ganze Raum in seiner Atmosphäre sich geändert hat. Der hat sich verwandelt. Da war eine richtige Präsenz. So, und dann haben wir eine Ausstellung gemacht hier im Institut für Waldorfpädagogik, weil ich habe ja noch viel, viel mehr Sachen gesammelt. Also ich will Ihnen das jetzt gar nicht alles erzählen, aber wirklich ein Zeug. Und dann haben wir eine ganze Ausstellung gemacht und haben diese Sachen einmal gezeigt, weil danach ist die Urne nämlich dann nach Kanada gegangen zur Familie. Jetzt müssen wir das hier nochmal ein bisschen scharf stellen, dann ist ja sonst nichts. Besser geht das aber nicht. Also, das ist seine Urne. Und Sie sehen eben hier, von Karl von Keyserlingk: "Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, in denen der Christus aufersteht", der eiserne Graf. Das haben wir da eingraviert.
Das Vermächtnis des Karl Graf von Keyserlingk 01:02:36
So, und was bedeutet das jetzt für uns? Wissen Sie, das ist eigentlich etwas ganz Unglaubliches, dass das geschehen ist. Da kommen ganz viele Dinge zusammen. Also das Erste ist, dass Karl ja ein Repräsentant der Wollensströmung ist, also des Wirtschaftslebens. Aber ich habe ja zu Anfang berichtet, wie er mit seinen Arbeitern umgegangen ist. Und wissen Sie, das ist, wenn man die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben entwickelt hat. Dann ist das so. Das heißt, er ist eigentlich der, der seine Strömung ganz entwickeln konnte. Der da richtig in der Art drin steckt, wie eigentlich die Dreigliederung des sozialen Organismus sich vorstellt oder wie das sein kann. Das heißt, wir haben da schon mal etwas sehr Zukünftiges. Dann ist er derjenige, der diesen landwirtschaftlichen Impuls auf die Erde bringt. Und zwar richtig in die Erde rein. Also der dafür sorgt, dass es eine Institution gibt, die das macht. Dass es richtig auf die Erde runterkommt. Dass es nicht jeder auf seinem Gut oder auf seinem Hof da irgendwie, sondern dass es so ein gemeinschaftliches wird und werden soll. Das scheitert in dem Moment, in Ordnung. Aber er bringt es runter.
Jetzt gibt es natürlich dieses Mantram, auch in den Erinnerungen der Johanna von Keyserlingk. Dort steht aber: "Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, auf denen der Christus aufersteht." Der originale Wortlaut ist aber: "Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, in denen der Christus aufersteht." Können Sie bemerken, dass es einen Unterschied macht, ob das eine Wort ändert, das Fundamental? Das heißt, wir bekommen den originalen Wortlaut. Und wir bekommen das in dem Moment, Pfingsten 2024, 100 Jahre später. Wissen Sie, und bei der gleichen Tagung wird ja die Johanni-Epistel für die Christengemeinschaft gegeben. Das ist das letzte Stück, was noch fehlt. Es wird vollendet da. Und Johanni bekommen wir diese Urne in unsere Bewegung hinein. Für einen kleinen Moment, aber sie kommt eben zu uns. Und wissen Sie, die Farben, die Sie hier in der Christengemeinschaft haben, sind dieselben. Das ist also ein Bezug, den es da gibt. Und wir bekommen diesen, wie diesen Impuls, wie so ein: Wo kann es in die Zukunft hinführen? Das bekommen wir in dem Moment, wo wir wirklich an die 100 Jahre landwirtschaftlicher Impuls herankommen. Und eigentlich die Frage in uns tragen: Wo ist denn die Erneuerung? In welche Richtung sollen wir gehen? Und da kommt wirklich wie aus der geistigen Welt, man kann es haptischer nicht machen, kommt der Hinweis: Liebe Leute, lassen Sie uns Stätten schaffen des Friedens und der Liebe, in denen der Christus aufersteht. Und wenn wir das ein bisschen mitnehmen, jeder in uns und jeder in seinem Lebensbereich, dass wir darum ringen, Stätten schaffen des Friedens und der Liebe zu schaffen, dann wird es eine Zukunft geben. Da bin ich mir gewiss. Vielen Dank.







