Einführung in die anthroposophische Ernährung (Teil 2) - ein Vortrag von Petra Kühne, 2026

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Transkription des Vortrags vom 28. Januar 2026

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Dr. Petra Kühne am 28. Januar 2026: "Einführung in die anthroposophische Ernährung" in der Landbauschule Dottenfelderhof. Hier gelangst du zum youtube Film

Begrüßung und Rückblick 00:00:31

Ich würde auch sagen, ja, dann erst mal wieder guten Tag. Heute zum zweiten Teil über Ernährung. Ich werde anknüpfen an das, was wir letztes Mal gemacht haben. Es gilt wieder so, dass Sie die Fragen stellen, die Sie wollen. Wir hatten ja dieses Schema von der sogenannten Viergliedrigkeit des Menschen und in Bezug auf die Lebensmittel. Das will ich dann noch vervollständigen. Da hatten wir ja nur drei Stufen. Und dann war die Frage nach der Milch oder das hatte ich auch schon angeboten. Sollen wir über Milch und Milchqualität sprechen? Und es kam von Einzelnen die Frage zur Kartoffel. Sind noch andere Fragen, die jetzt aufgekommen sind in der Zeit? Noch irgendwas von der Ernährung, was im Augenblick brennt? Okay, gut.

Ich kann vielleicht noch nachtragen, aber ich glaube, die Kollegin da ist gar nicht da. Das ist ja auch als Film gegangen und da gab es dann auch Kommentare. Letztes Mal hatte ich gesagt, wie lange ein Ei im Huhn bleibt, bis es rauskommt. Und das stimmt schon. Zwei bis drei Wochen sind das. Also von der Anlage bis auf das Letzte, das dauert nur ein, zwei Tage. Das ist wirklich das, was ein bisschen länger ist. Aber im Vergleich zum Leben des Tieres und Fleisch ist das eben irgendwie ganz anders.

Ich bin ja vom Arbeitskreis für Ernährungsforschung. Der ist hier in Bad Vilbel und ich hatte letztes Mal so ein paar Probehefte von unserer Zeitschrift Ernährungsrundbrief mitgebracht. Das reichte nicht ganz. Ich habe jetzt noch mal welche dabei. Wer keins hatte oder noch eins will, der kann das also gerne machen. Ich wollte aber kurz auch mal unsere Homepage anschreiben. Da können Sie immer: www.ak-ernaehrung.de. Da können Sie gerne sich mal informieren. Wir machen auch Kurse, machen Online-Kurse. Das ist vielleicht auch interessant für den einen oder den anderen. Da habe ich auch noch mal eine Information dazu.

Die Viergliedrigkeit des Menschen und das Lebensmittel 00:03:28

Gut, dann würde ich mal anfangen. Wir hatten ja hier den Menschen und das Lebensmittel. Da hatten wir die Stufen vom Körper, vom physischen Körper. Körper, das war ein Mineral, die Nährstoffe. Dann hatten wir das eigentlich Lebendige. Ich schreibe jetzt nicht mehr alles an. Eigentlich Lebendige, Fachbegriff Ätherleib, Pflanze. Dann hatten wir das eigentlich Seelische, Empfindungen. Das war der Astralleib, das war das Tier und auch die Tiersachen, also Milch, Eier. So weit waren wir gekommen.

Jetzt ist eigentlich, man nennt das auch Wesensglieder des Wesens. Mensch, ein bisschen altertümlicher Ausdruck. Das wäre jetzt die vierte Stufe. Der Mensch hat eben vier Wesensglieder. Das wäre das eigentliche Ich, die Persönlichkeit. Also das, was der Mensch hat, was ihn als Individuum auszeichnet, als ganz besonderer, eigenständiger Mensch. Wenn wir jetzt auf das Lebensmittel schauen, wir essen keine Menschen, also die Zeiten sind vorbei. Aber der Mensch hat natürlich einen Einfluss auf die Lebensmittel.

Vielleicht sollte ich mal sagen, das hatte ich ja letztes Mal auch gesagt, was bei den anderen Sachen immer ist. Wir haben auch Dinge, die sich in dem Persönlichen, in dem Individuellen ausdrücken. Das prägt sich ja auch in den Körper rein, so wie sich beim Tier das Seelische reinprägt. Das tut es bei uns auch. Aber es prägt sich auch das Individuelle rein. Und das ist unser Immunsystem.

Das Immunsystem, was ganz spezifisch ist, was jeder für sich hat und womit Sie immer Ihre sogenannte biologische Individualität aufrechterhalten. Das heißt, jeder von uns bewahrt ja das Eigene seines Körpers.

Die biologische Individualität und das Fremdeiweiß 00:06:42

Und das geschieht interessanterweise bei Menschen vor allen Dingen über das Eiweiß. Unser Eiweiß ist ganz individuell, das ist überhaupt nicht kompatibel mit anderen. Das Einzige sind, glaube ich, eineiige Zwillinge, aber da bin ich mir auch nicht mehr sicher. Und das ist eben geschützt durch die biologische Individualität. Dann merkt man bei der Ernährung schon immer, wenn Sie ein Eiweiß essen, egal ob tierisch oder pflanzlich, das ist ja ein ganz anderes Eiweiß. Also ist der Körper am stärksten mit der Verdauung beschäftigt, um das Fremdeiweiß abzubauen.

Und dann müssen wir es eigentlich bis in den Darm hinein aufgelöst haben in seiner Fremdheit. Also von dem fremden Eiweiß müssen seelische Aspekte, ätherische Aspekte, die müssen aufgelöst sein und es muss auch in seiner Struktur schon weitgehend aufgetrennt werden in die Aminosäuren. Und wenn das nicht passiert, wenn wir das nicht können, weil wir da irgendeine Schwäche haben oder ein Defizit haben, dann ist das, solange es im Darm ist, noch nicht das Problem. Dann kann der Körper es eventuell noch ausscheiden. Aber kritisch wird das Ganze, wenn es vom Darm übertritt, über die Darmschleimhaut ins Blut. Und wenn da ein nicht abgebautes, nicht vollständig abgebautes Eiweiß bei uns hineinkommt, dann passiert hier ein großer Alarm.

Und dieser Alarm, der geht dann aus vom Immunsystem. Und dann haben wir ein manifestes, man kann schon sagen, Krankheitsbild der Allergie. Also das führt zu einer Allergie, wenn ein nicht vollständig abgebautes Eiweiß mit unserem Blut in Berührung kommt. Und das ist dann ein Viren, das Immunsystem mit seinen Antikörpern, das schießt dann ganz scharf drauf. Das passiert bei Nahrung, aber das kann natürlich auch bei Krankheit mit Bakterien oder sonst was passieren. Wir kriegen dann schwere Entzündungszustände, wir kriegen Fieber. Das alles macht dann das Immunsystem, um dieses fremde Eiweiß zu zerstören. Denn das gefährdet uns mit unserer biologischen Immunität. Also mit unserem Eigenen.

Deshalb ist es eben auch so schwierig, in der Medizin zum Beispiel bei Organtransplantationen, da müssen lebenslang Medikamente genommen werden, die das Immunsystem runterdrücken, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Weil der Schutz gegen alles, die ersten Monate, glaube ich, sind die ganz isoliert, diese Menschen. Aber trotzdem, es ist eine Überlebenschance. So äußert sich das im körperlichen oder im lebendigen Bereich, dass wir eine Individualität sind und das aufrechterhalten im Hinblick auf das Eiweiß. Deshalb ist eigentlich in der Nahrung die Zufuhr von Eiweiß immer das Komplizierteste, weil das total abgebaut werden muss. Das kann man da eigentlich daran erkennen.

Der menschliche Einfluss auf Lebensmittel: Züchtung 00:10:40

Wenn wir das jetzt nun schauen auf unser Schema, inwiefern wirkt sich das Menschliche, das Ich, die Persönlichkeit, inwieweit wirkt sich das jetzt aus auf die Lebensmittelqualität? Wo findet man da einen gewissen Zusammenhang? Dann sind wir aber im Bereich von allem, was die Menschen tun, im Grunde genommen. Da kommen wir zu all dem, was auch ihr Arbeitsbereich ist. Nämlich immer, wenn der Mensch etwas tut mit den Lebensmitteln, hat das einen Einfluss. Das fängt also an, man kann eigentlich sagen, das ist die menschliche Aktivität, das menschliche Handeln mit Lebensmitteln.

Das beginnt im Grunde genommen mit der Züchtung, wenn man jetzt an Pflanzen und Tiere denkt, wie verändern die der Züchter, die Züchterin, wie verändern die das, ja, die Pflanze, das Umfeld der Pflanze wäre sozusagen die erste Stufe und das hat ja schon eine Wirkung, wie das gemacht wird. Und da kann man sich auch gerade bei der Züchtung, finde ich, das kann man ganz gut sehen, mit welchen Methoden geht man da eigentlich um. Hier, was ja hier auch am Dottenfelderhof gemacht wird, ist Kreuzungszüchtung, Erhaltungszüchtung, solche Dinge. Aber es gibt ja auch sehr radikale Züchtungsmethoden, die wir jetzt in Deutschland nicht erlaubt haben, bestimmte Formen der Gentechnik oder so. Und das führt dann eben eigentlich dazu, dass da von der Intention des Menschen her bestimmte Dinge ja übertragen werden.

Und es geht auch um Zuchtziele, das kann man eben auch sehen. Ein Zuchtziel ist zum Beispiel, was will ich da mit der Züchtung erreichen? Wenn ich immer nur Ertragssteigerung will, die Pflanze soll mehr hergeben, das Tier soll schneller wachsen und zulegen und so weiter, die Kuh soll noch mehr Milch geben und so fort, dann bringe ich das natürlich in eine bestimmte emotionale Richtung auch. Nicht nur ökonomisch, sondern das hat ja auch einen Einfluss. Und das ist durchaus etwas, was dann sozusagen in dem Tier oder in der Pflanze als eine gewisse, wie soll ich sagen, Tendenz sich verwirklicht. Und das hat schon einen gewissen Qualitätseinfluss.

Ich glaube, ich weiß nicht, ob ich es letztes Mal gesagt habe, also zum Beispiel bei der Tierzüchtung, wenn man diese Intention hat, also bei Schweinen ist das ja oft so, oder Masthähnchen oder sowas, das Tier soll möglichst schnell mit möglichst wenig Futter wachsen, wie wir das heute ja vielfach haben. Und das ist ja enorm auch gesteigert worden bei den Hochleistungstieren da. Dann ist da eben auch etwas drin, was ich dann durchaus wie eine Information bekomme, wenn ich das esse. Also man muss sich mal klarmachen, mit möglichst wenig Einsatz an Kalorien, an Energie soll man möglichst schnell zunehmen, wenn die Information bei uns ankommt. Wir haben Riesenprobleme mit Übergewicht. Aber wenn da sozusagen latent so eine Information reingezüchtet wird, dass man das enorm ausnutzen soll mit wenig, muss man sich vielleicht nicht wundern, dass sowas auch eine Resonanz im Menschen erzeugen kann. Ich will nicht sagen, dass es das muss, aber kann. Also das ist zum Beispiel dann ein Punkt, wo das auftritt, die Züchtung.

Anbau und Tierhaltung 00:15:02

Der nächste Punkt wäre dann das, was Sie tun, der Anbau, die Pflege, der Umgang mit den Pflanzen, mit den Tieren. Und auch hier, das hatte ich letztes Mal ja schon angesprochen, ist es eben durchaus so: Was will ich erreichen, wenn ich die Pflanze anbaue? Was für Unterschiede erzeuge ich eigentlich als Landwirt, als Gärtner, ob ich die Pflanze nun im Freiland habe, unter Folien oder im Glashaus? Was sind das für Unterschiede, wie kann sich die Pflanze mit der Umwelt auseinandersetzen? Das sind ja Maßnahmen, die dann eben von Menschen entschieden werden und die dann natürlich auch einen großen Einfluss auf die Qualität haben. Und zum Beispiel auf die Widerstandskraft, da hatten wir letztes Mal schon ein bisschen drüber gesprochen, die Widerstandskraft, die so Pflanzen entwickeln. Und das können wir natürlich auch beim Tier sehen. Ich glaube, beim Tier ist es immer noch, Tierhaltung ist ja noch ein viel emotionalerer Teil eigentlich, der dann hinkommt, weil wie halte ich die Tiere? Ist das wesensgemäß? Wie füttere ich sie? Wie ermögliche ich denen Sozialkontakte? All diese Fragen, das geht ja vom Menschen aus.

Und das hat natürlich auch verschiedene Richtungen. Das hat ökologische Richtungen, das hat ökonomische Richtungen. Und da ist natürlich auch in der ganzen Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte dem Ökonomischen immer ein sehr großer Raum gegeben worden. Und das Ökologische kommt so langsam so ein bisschen, im Bioanbau und im Biodynamischen vor allen Dingen auch, geht man das nicht alles mit. Aber natürlich sind sie auch nicht vom Markt abgekoppelt, das wissen sie auch. Und insofern ist das natürlich schon eine gesamtgesellschaftliche Einstellung.

Und wenn wir jetzt so bei den Verbrauchern erleben, also ich hatte letztes Mal von der Umfrage da berichtet, dass zum Beispiel Tierwohl ganz vielen Leuten wichtig ist, aber sie haben eigentlich nicht viel Ahnung. Sie denken irgendwie, wir haben ja so eine Spaltung im Tierreich. Wir haben einerseits, wie man so sagt, die Nutztiere in der Landwirtschaft und wir haben die Haustiere im engeren Sinn, also die Schoßtiere zu Hause. Und wie man mit seinem Hund und seiner Katze umgeht, vor allen Dingen, wenn ich denke an so kleine Hunde oder so, das wird ja wie ein Familienmitglied gesehen und treibt ja manchmal auch gewisse Blüten, wie sie dann... man muss sich nur mal den Markt angucken, was alles an Hundezubehör angeboten wird. Dann kann man eigentlich nur staunen, was da ist. Und die Leute kaufen das und dafür geben sie ihr Geld aus und so weiter. Und das ist so eine gewisse Einstellung zum Tier, die sehr sentimental vielleicht manchmal auch ist.

Und auf der anderen Seite wird dieses Wissen vom Tier, das wird oft auf die Nutztiere versucht zu übertragen. Das geht natürlich so einfach nicht. Das Eine ist extrem, das Andere ist, gerade in der industriellen Tiernutzung, ist natürlich auch nicht tolerierbar. Und insofern sieht man, da muss man eigentlich so eine Polarität finden, also einen Ausgleich der Polarität finden, die dabei ist. Aber wir sind ja schon weiter mit Tieren, noch vor 100 Jahren hat man ihnen ja jede Seele abgesprochen und sie eigentlich noch anders gesehen. Und heute stehen wir eben so ein bisschen vor der Aufgabe, das Tier soll ja auch weiterentwickelt werden in seinen Fähigkeiten. Und wir müssen schon eins sehen, dass wir so ein Rind oder so ein Schwein, dass das ja zugewandt ist dem Menschen. Und dass das einfach eigentlich schon einen Schritt hierhin macht. Wir haben ja durchaus so ein paar, ich sag mal persönliche, individuelle ist vielleicht zu viel gesagt, das sind so Definitionssachen, aber wir können durchaus erkennen, dass bestimmte Tiere, mit denen wir sehr eng zusammenleben, dass die bis zu einer gewissen Grenze schon sehr eigene Persönlichkeitsmerkmale entwickeln können.

Und das ist ja auch eine gewisse Aufgabe, die eben mit der Züchtung, mit der Zähmung oder so des Menschen zusammenhängt und wo wir eigentlich auch eine moralische Verpflichtung haben, würde ich mal sagen. Das beinhaltet alles, also nicht nur die Zucht, nicht nur die Tierhaltung, sondern auch den Verbraucher, dass er damit umgeht. Und da erleben wir eben leider immer noch so ein bisschen, dass man zwar alle, jeder will Tierwohl, aber keiner will viel Geld für Fleisch bezahlen. Und da haben wir so eine Spaltung oft in der Gesellschaft und da muss man eben einfach sehen, dass es zum Ausgleich kommen muss.

Immerhin wird schon sehr viel darüber diskutiert und es ist nicht der Weg, meiner Ansicht nach ist das nicht der Weg, ich weiß nicht, für viele, für Einzelne mag das ja der Weg sein, dass man generell sagt, man verzichtet auf alles, also man verzichtet generell auf Tierhaltung oder so. Da gibt es ja so einige Organisationen, die das ganz in Frage stellen und also ich denke nicht, dass das der Weg ist. Wenn wir die Tiere so in die Einseitigkeit gezüchtet haben, ist es eigentlich auch unsere Aufgabe, sie da ein bisschen wieder rauszuholen, denn sonst sterben die aus. Das ist mit Pflanzen auch so und das sehe ich auch als eine menschliche Aufgabe, also eine Verantwortung. Nicht nur eben von den Herstellern, sondern auch von denen, die das essen. Also mag es ja im Augenblick mal sinnvoll sein, auf bestimmte Dinge zu verzichten. Es ist allerdings so, ich glaube im Bioanbau gibt es, also der Absatz ist gar nicht, der ist nicht übermäßig hoch, das ist anders als konventionell oder so. Ja, also das wäre so der Anbau, die Tierhaltung, die wir haben.

Die Verarbeitung von Lebensmitteln und Convenience-Produkte 00:21:59

Dann ist eigentlich die nächste Stufe, die hier eben auch in diese Bedeutung des Menschen hineinfällt, das ist die Verarbeitung. Ich will es nicht alles anschreiben. Wie verarbeite ich die Produkte? Die meisten werden ja verarbeitet, auch im Pflanzenbereich werden die meisten verarbeitet. Wir haben gewisse Rohprodukte, wie Salate oder so, aber vieles wird doch weiterverarbeitet, um es verträglicher zu machen, um es haltbar zu machen, um es schmackhafter zu machen, da gibt es ja sehr viele Dinge. Da hatte ich das letzte Mal schon angesprochen, da muss man eben auch sehen, dass das nicht zu sehr in eine Einseitigkeit hineingeht, weil man dann auch wirklich diese Kräfte des Lebendigen schädigt und das Problem haben wir im Augenblick so ein bisschen bei bestimmten hochverarbeiteten Produkten.

Die sind im Biobereich zum Glück noch nicht so. Demeter ist ja eine Organisation, die auch recht strikte Verarbeitungsrichtlinien hat, zum Beispiel nicht alles zulässt. Das können wir nachher bei der Milch nochmal sehen, aber die Hochverarbeitung ist zum Beispiel nicht zugelassen, aber im konventionellen und auch in anderen Bio-Verbänden ist das durchaus erlaubt und es gibt ja noch viel stärkere Verarbeitungsverfahren und das dient dann oft der sogenannten Convenience. Das deutsche Wort für Convenience ist Bequemlichkeit und der Verbraucher findet es zum Teil schön, zum Teil ist es auch der Handel, der ihm das so nahe dient, die Werbung, und dann kauft er das und macht sich nicht so viele Gedanken über viele Dinge. Also Verarbeitung ist wichtig, aber im Demeter-Bereich gibt es den Bereich der schonenden oder entwickelnden Verarbeitung.

Also man kann ja durch eine gute Verarbeitung, zum Beispiel aus dem Getreidekorn, sehr schmackhafte, gut verträgliche Brote schaffen. Da entwickelt man sozusagen das Getreidekorn weiterhin in ein Produkt, was enorm nährend ist, gut schmeckt und auch die Grundlage für die Ernährung darstellen kann. Das ist so verstanden unter entwickelnder Verarbeitung und das kann man ja auch in der Milchproduktion sehen, wenn ich das weiter veredle, sagt man ja auch, zu Käse oder zu Sauermilchprodukten, dann ist das auch eigentlich eine entsprechende günstige Verarbeitung. Wenn ich die Milch zu Milchpulver mache, um daraus Babynahrung zu machen, das ist schon ziemlich weitgehende Verarbeitung, geht aber nicht anders gesetzlich. Das sind sehr strikte Vorgaben, was man da machen muss.

Nahrungsergänzungsmittel und Nährstoffmangel 00:24:56

Nur es ist dann eben auch von Verbrauchersicht her, dass viele Verbraucher empfinden, dass die normale Nahrung eben nicht mehr ihren Bedarf deckt und dann haben wir, ich möchte es fast so sagen, fast eine Nahrungsergänzungsmittelindustrie, die eben alle möglichen Tabletten und Pülverchen und so weiter anbietet, damit die Nahrung ergänzt wird, damit sie wieder vollwertig wird. Ich hatte früher mal so das Beispiel, wenn ich das Getreidekorn nehme, koche das oder backe das und also im Vollkorn und esse das, dann bin ich eigentlich sehr gut versorgt. Aber wenn ich daraus nur den Mehlkörper abtrenne innen und habe jetzt weißes Mehl, dann fehlen mir alle Ballaststoffe und Vitamine. Oder nicht alle, aber 80 Prozent.

Da kriege ich Verstopfung eventuell. Dann muss ich ins Reformhaus gehen oder auch in den Bioladen und muss mir Kleie kaufen, also die äußeren Schalen vom Getreidekorn, damit ich wieder Ballaststoffe zuführe. Dann fehlen mir immer noch die B-Vitamine, die muss ich dann irgendwo herbekommen und eventuell kaufe ich dann die Weizenkeime, da sind sie dann drin. Also habe ich das ursprüngliche Korn eigentlich zerlegt in drei Produkte, ins weiße Mehl, in die Weizenkeime, auch nur ein Teil, und in die Kleie. Und das ist natürlich eigentlich etwas, was dann die Ernährung nicht mehr vollwertig macht und insofern muss man bei der Verarbeitung eben sehen, wo sind da Grenzen, was ist in Ordnung und was ist eigentlich das, was die Menschen eher verschlechtert.

Zuschauerin: Das Problem mit dem Mangel an Nährstoffen ist doch vor allem bei konventioneller Nahrung, oder?

Dr. Petra Kühne: Ja, oder bei einseitiger Ernährung.

Zuschauerin: Ja, also wenn ich mich jetzt mit Demeter-Lebensmitteln ernähre, dann sollte das ja jetzt nicht so ein Thema sein, oder? Gerade, wenn ich was supplementieren muss.

Dr. Petra Kühne: Ja, das ist richtig. Es sei denn, Sie sind Veganer, aber das wissen die auch, weil da nicht alle Vitamine drin sind.

Zuschauerin: Mhm, ist auch so.

Dr. Petra Kühne: Achso, ja, also das hat Demeter auch nicht.

Fragen zu Vitamin D und Vitamin B12 00:27:20

Zuschauerin: Ich dachte, dass Vitamin D über die Haut aufgenommen wird, wenn da Sonne drauf scheint.

Dr. Petra Kühne: Nein, nicht Vitamin D, sondern der Körper ist dann in der Lage, aus einer Vorstufe das Vitamin D zu bilden. Das ist das Einzige, was wir können, wo wir so eine Art, wie Sie wollen, Photosynthese machen können. Das ist das Einzige. Aber dazu brauchen Sie die Fähigkeit, das zu bilden unter der Haut, diese Vorstufen, das Cholesterin zum Beispiel als Vorstufe. Und Sie brauchen genug Belichtung. Und zum Beispiel jetzt steht die Sonne zu tief, es ist zu wenig Licht.

Zuschauerin: Ja.

Dr. Petra Kühne: Also jetzt könnte man stundenlang draußen sein und das ist nur eine geringe Umsetzungsrate. Je älter man wird, umso schwerer fällt das auch. Und je dunkelhäutiger zum Beispiel ein Mensch ist, umso mehr Licht braucht er auch. Das heißt, wenn dunkelhäutige Menschen hier bei uns, die eigentlich aus, weiß nicht, den Tropen kommen oder so, hierher kommen, haben die manchmal ein Vitamin D-Problem. Und auch Menschen, die jetzt aus irgendwelchen Gründen sich total verhüllen. Da kommt einfach nicht Licht an den Körper.

Zuschauerin: Darf ich zu den Vitaminen etwas fragen? Stimmt das, dass die Vitamine, die im Sommer aufgenommen werden, ins Fett gespeichert werden, dass der Körper dann daraus im Winter davon zehren kann?

Dr. Petra Kühne: Wir unterscheiden zwei Gruppen von Vitaminen, die fettlöslichen und die wasserlöslichen. Die wasserlöslichen sind eigentlich nicht speicherbar, mit einer Ausnahme von diesem Vitamin B12, was eben auch ein Mangel ist. Und die fettlöslichen, die werden eigentlich immer eingespeichert, wenn nicht nur im Sommer, weil das ist zum Beispiel Vitamin A, also die Vorstufe in Möhren, wenn Sie viel Möhren essen, wird es eingespeichert und so. Und Vitamin E, das ist in Ölen und sowas. Diese können wir speichern. Und Vitamin B12 können wir ein kleines bisschen speichern, das ist ein ziemlich sonderbares Vitamin. Und das ist aber auch das Problem bei Veganern. Das muss ich eigentlich zuführen.

Zuschauerin: Ist Vitamin D wasserlöslich oder fettlöslich?

Dr. Petra Kühne: Fettlöslich.

Zuschauerin: Dann denke ich nämlich, dann könnte man sich im Sommer richtig schön volltanken damit, dann wird ein Teil davon ins Fettgewebe eingespeichert und im Winter baut man dieses Fett ab und somit auch das Vitamin D.

Dr. Petra Kühne: Das kann man auch aus dem Fett rausschleusen, Sie müssen ja nicht mal das Fett abbauen. Wenn man genug hat, so läuft das auch. Also das läuft schon so, ich nehme Sie, Sie kommen gleich dran. Aber merkwürdigerweise haben wir alle... naja, ich will gar nicht so viel sagen. Bei Vitamin D ist es zum Teil auch so, es kommt ja darauf an, woran misst man denn, dass es genug ist. Das misst man an irgendwelchen festgelegten Werten. Die sind mal vor ein paar Jahren erhöht worden. Muss man sich überlegen, wenn wir jetzt so viele Mängel haben, ist der Wert zu hoch oder gibt es tatsächlich einen Mangel in unseren Breiten? Also Skandinavien und so, die haben einfach Lichtmangel, ein halbes Jahr, das reicht im Sommer nicht und da war schon immer Zufuhr, oder wahrscheinlich in der Südhalbkugel genauso. Jetzt hat sich Ihr Nachbar so lange gemeldet.

Zuschauer: Ich habe eine Frage bezüglich Vitaminen. Ich habe gehört, dass es auch so ist, also zum Beispiel gesehen, ich habe einen Vitamin-D-Mangel. Und dann führen wir das zum Beispiel hinzu, aber oftmals ist es ja viel komplexer, dass das eine Vitamin nur im Zusammenhang mit anderen Dingen wirklich auch aufgenommen werden kann. Könnten Sie dazu vielleicht was sagen, wie das ist, wie Vitamine miteinander wirken?

Dr. Petra Kühne: Naja, aber es ist ja kompliziert. Also wir sind darauf gekommen, weil wir jetzt, wie ich gesagt habe, die Ernährung, die Zusammenstellung der Ernährung, die Verarbeitung, dadurch sind wir darauf gekommen. Also es ist ein bisschen abstrakt, das Denken immer zu sagen, ich nehme das Vitamin und das nehme ich auf. Normalerweise, wenn man das eben in Rinderleber oder sowas aufnimmt, dann nimmt man das ja in der ganzen Struktur auf, die in dieser Leber drin ist. Und das sind eben Begleitstoffe, die die Aufnahme zum Beispiel erleichtern. Und da ist die Wissenschaft bei und kriegt eigentlich immer mehr Informationen, was nötig ist.

Und Vitamin D ist eine sehr komplizierte Sache, braucht zum Beispiel immer, damit es richtig aufgenommen wird, braucht es eigentlich, sollte mitwirken Vitamin K2, ein bestimmtes auch fettlösliches Vitamin, was mehr in tierischen Produkten vorkommt und so in bestimmten vergorenen Sojaprodukten, die aber auch nicht so gut schmecken. Also was ich da kennengelernt hatte, Natto, ich weiß nicht, ob jemand mal Natto gegessen hat. Und Soja, wenn man das so macht, das zieht so Fäden, so eine japanische Spezialität. Und so, da braucht man dann zum Beispiel solche Ergänzungen, aber man weiß bei auch den wasserlöslichen Vitaminen, den B-Vitaminen, dass da zum Beispiel Mineralstoffe mit reinwirken. Man weiß zum Beispiel, die Eisenaufnahme von Mineralstoffen ist abhängig vom Vitamin C-Gehalt der Nahrung.

Und so wirkt das immer als eine Ganzheit, das ist ein ganz wichtiger Punkt und deshalb ist so die einzelne Zufuhr von Substanzen immer problematisch, das ist nicht natürlich. Da haben Sie schon ganz recht, dass man das fragt. Aber man weiß noch nicht alles, das ist auch sehr kompliziert, die Vitaminforschung, sehr komplizierte Sache. Wir kennen die erst seit 120 Jahren, ungefähr, was haben wir jetzt, 1926... 1910, glaube ich, wurden die ersten so entdeckt.

Rudolf Steiner hat übrigens über Vitamine damals auch schon was gesagt, da ging die Vitaminforschung los und sagte, naja, das ist eigentlich ein Endprodukt von einem Prozess, von einem Lebensprozess. Der hat stattgefunden, wir messen dann das Vitamin. Das ist insofern eine ganz große Erfolgsgeschichte gewesen, weil wir hatten etliche Vitaminmangelkrankheiten, das kennen wir hier in unseren Breiten eigentlich so gut wie nicht mehr und dann entdeckt man Stoffe, wo man das heilen kann, was als tödlich galt, zum Beispiel Skorbut. Obwohl man wusste, die Seefahrer wussten das, man konnte Skorbut heilen, also die lange fuhren früher auf den Segelschiffen, wenn man genug Sauerkraut aß, das waren so die Nordvölker und wenn man im Süden fuhr, hat man Zitronen mitgenommen und wenn die Matrosen das regelmäßig bekamen, dann gab es kein Skorbut. Und Fichtennadeln, das machen die Älpler, glaube ich. Und genauso Vitamin B1-Mangel, Beriberi-Krankheit, ganz schlimm, kam durch weißen Reis in den Tropen. Durch weißen Reis, also wenn Sie Ihren Reis schälen, fehlt Ihnen das wichtige Vitamin B1 und das macht die Krankheit Beriberi. Ich habe ein ganzes Buch über Vitamine geschrieben, weil ich es auch sehr interessant fand, für fast jedes Vitamin gab es einen Nobelpreis für die Entdeckung oder für die Umwandlung, so wichtig war das. Vor hundert Jahren.

Zuschauerin: Könnten Sie dann bitte auch noch mal kurz darauf eingehen, was es mit dem Vitamin B12 auf sich hat, was natürlicherweise vorkommt und warum das eigentlich nur durch tierische Nahrung von uns aufgenommen werden kann, weil ich habe das Gefühl, ich habe da vielen Widersprüchen schon zugehört, und bin mir gar nicht mehr sicher, was davon überhaupt stimmt.

Dr. Petra Kühne: Also wir sind ein bisschen ab, wir sind beim menschlichen Handeln, bei den Nahrungsergänzungsmitteln. Vitamin B12 ist auch ein ganz eigenartiges Vitamin, es ist ein sehr großes Vitamin, also chemisch gesehen, jetzt nicht so, aber für Vitamine ein sehr großes Vitamin. Es ähnelt in seiner Struktur dem Hämoglobin des Blutes und dem Chlorophyll der Pflanzen und es wird nur produziert, nur von Bakterien. Und durch die Bakterien gelangt es dann in Pflanzen oder in Tiere. Und in Pflanzen eigentlich nur anhaftend. Also alle Untersuchungen, die man hat, dann war das eigentlich nicht so ganz sauber. Also wenn Sie graue Petersilie haben und die nicht richtig abgewaschen haben, dann hängen da eigentlich kleine Bakterien dran und da kann so ein bisschen Vitamin B12 drin sein. Ist aber nicht viel.

Wir brauchen unglaublich wenig Vitamin B12, also ich hoffe, ich sage es Ihnen jetzt richtig, es sind drei Mikrogramm, das sind drei Millionstel Gramm täglich und Vitamin B12 kann man speichern. Wenn man gut versorgt ist, zwei Jahre, wenn man dann Veganer wird, bleiben zwei Jahre, also wenn man vorher gut versorgt ist, noch eine Weile da. Wenn dann Mangel ist, gibt es schwere Mangelerkrankungen, Nervenschädigungen, Blutschädigungen und auch noch aufs Herz geht es und bei Kindern vermindertes Wachstum, also Wachstumsstörungen. Also so wenig man davon braucht und so entscheidend das ist, umso bedeutsamer ist das für den Menschen.

Und das wird ganz unten im Darm, im untersten Dünndarm und wahrscheinlich auch, da ist man sich nicht so sicher, im Dickdarm resorbiert. Warum? Weil es so groß und schwer und kompakt ist und man eben nicht weiß und der Körper Mühe hat es aufzunehmen. Es wird von der Darmflora erzeugt und da diskutiert man rum, ob da eine Anpassung möglich ist und im Stuhl, also in Ausscheidungen ist es deshalb drin und man vermutet so, dass manche Tiere fressen ja den Kot, dass das auch einer Vitamin B12 Aufnahme dient. Aber das sind Vermutungen, das weiß man immer nicht so genau.

Wie nehmen wir das auf in tierischen Produkten? Überall wo diese Verdauungstätigkeit ist, die Wiederkäuer durch die Pansentätigkeit, da kommt es rein in den Körper und findet sich dann in der Milch, im Fleisch, in Milchprodukten, in Eiern, im Fisch. Das sind die Hauptquellen, wo wir Vitamin B12 finden. Und in Pilzen, in manchen Pilzen ist ein bisschen drin, aber nicht so viel. Wenn man vegan lebt, also gar nicht tierische Produkte aufnimmt, dann reicht das wenige in der Nahrung nicht aus, dann muss man sich das zuführen. Und es gibt aber auch Vitamin B12-Mangel durch eine Schwäche, wie gesagt, das ist ein ganz kompliziertes Vitamin. Wir brauchen ein bestimmtes Eiweiß, einen Faktor nennt man das, der dazu führt, dass das überhaupt aufgenommen werden kann, der wird im Magen gebildet und wenn man den nicht genug bilden kann, wenn man krank ist, wenn man alt ist oder irgendwas, dann kann man zwar genug Vitamin B12 in der Nahrung haben, aber man kann es nicht aufnehmen. Ist das verständlich? Das heißt, obwohl dann genug da ist, also man kann ein Gemischtköstler sein, kann man trotzdem so einen Mangel kriegen und dann muss man das immer zuführen. Also vegane Tabletten, in relativ hoher Dosierung kann man das machen, kann man spritzen ins Blut. Hat man mal mit Zahnpasta probiert, funktioniert da aber nicht. Also Vitamin B12-Zahnpasta und dann ordentlich Zähne putzen, das funktioniert irgendwie nicht. Also wenn man sich zu so einer Lebensweise entschließt, muss man sich klar sein, dass man das dann irgendwann mit konventionellen Nahrungsergänzungen zuführen muss.

Zuschauerin: Ich habe mal gehört, dass Vitamin B12 aus den Nahrungsergänzungsmitteln, in eine Art Brottrunk in die Richtung hergestellt wird, weil da die Bakterien kultiviert werden drin, die das produzieren.

Dr. Petra Kühne: Ich weiß nicht, wie die Firmen das machen, kann sein, wahrscheinlich, in Biofermentern, so wird das laufen.

Zuschauerin: Ja, genau, Bioferment, sozusagen.

Dr. Petra Kühne: Fermentation, Bakterientätigkeit, aber nicht von Pilzen, niedere Pilze tun das nicht, also Hefen oder so, die tun das nicht. Sauerteig ein bisschen, aber nicht doll. Also im Sauerteig sind ja auch Bakterien drin. Ja, jetzt sind wir so ein bisschen abgekommen, aber das war ja die Frage Nahrungsergänzung, also wie richtet man so seine Ernährung ein und wie wirkt das auf die Lebensmittel? Der Ansatzpunkt war, wenn ich die Lebensmittel so stark verarbeite und Teile wegmache, dann fehlt es eventuell. Und wenn ich mich von vielen solchen Produkten ernähre, immer nur Weißmehlprodukte, Gebäck, Kuchen, viel Zucker oder so, dann fehlen mir einfach diese notwendigen Begleitstoffe. Und dann kann man sagen, es liegt am Menschen, aber es liegt eben auch zum Teil am Angebot. Und das ist im Konventionellen sehr breit und weit.

Zubereitung, Essen in Gemeinschaft und Ayurveda 00:40:44

Ja, das wäre die Verarbeitung und die letzte Stufe hier, dann haben wir das auch sozusagen ein bisschen abgerundet, die letzte Stufe wäre eben, dass wir die Zubereitung noch haben. Also das, was in der Küche passiert, entweder zum Beispiel hier in der Gemeinschaftsküche oder überhaupt Gemeinschaftsküchen, Schulen, Unis, auf Höfen oder eben auch privat, wenn man sein Essen zubereitet. Und ich glaube, sollte man schon auch darauf Wert legen, die Stimmung, die so in der Küche ist oder mit welcher Stimmung man das zubereitet, das überträgt sich ein bisschen aufs Essen. Also früher hat man immer gesagt, wenn die Köchin verliebt ist, dann versalzt sie das Essen oder so. So meine ich das gar nicht, sondern dass, wenn man eben zum Beispiel die Arbeit nicht gern macht oder immer schlechte Laune hat dabei, aus welchen Gründen auch immer, das merkt man im Essen. Und sehr sensible Menschen können sowas eigentlich bestätigen. Die merken, dass das Essen einfach nicht so gut verträglich ist, dass es nicht so rund ist und dass man das durchaus auch eben als menschlichen Einfluss sehen kann, der hier hineinwirkt in die Lebensmittelqualität. Also bis der Mensch das tut, also schon im Grunde genommen, wie man eine Suppe umrührt. Rührt man sie so um oder ist man irgendwie sauer? Vielleicht muss man sie auch gar nicht mehr umrühren, weil das alles mechanisch funktioniert. Dann ist das relativ neutral. Also auch bis dahin hat man sozusagen Punkte, die da mit hineinkommen.

Also das sind so die Stufen. Dann hatte ich die Züchtung, den Anbau, Tierhaltung, Verarbeitung, Handel habe ich jetzt nicht besonders erwähnt, aber der Handel kommt natürlich auch dazu und dann eben auch die Zubereitung zu Hause, der Konsument, der eben auch noch eine große Rolle hat. Und man könnte das jetzt noch ein bisschen ergänzen, dann kommen wir eigentlich noch was dazu, das wäre die Gemeinschaft. Also wir wissen das alle, dass zum Beispiel Essen in Gemeinschaft, dass das ja dann auch nochmal eine Wirkung hat auf den Menschen, auf alles Mögliche eigentlich. Dass zum Beispiel ein großes Problem sein kann, wenn Menschen einsam sind, dann immer alleine da vor ihrem Essen sitzen und ihnen das alles gar nicht schmeckt und sie das eigentlich gar nicht so mit ihrer inneren Persönlichkeit und mit ihrer seelischen Verbundenheit aufnehmen können. Das heißt dieses Soziale, das Zusammenleben, das Zusammenessen, das spielt eine ganz große Rolle.

Und auf Höfen ist das ja oft üblich, dass man gemeinsam dann ein Mittagessen isst oder eine andere Mahlzeit gemeinsam hat und in Familien versucht man das ja auch, mit verschiedenen Arbeitszeiten, Kindern, Kindergarten, Schulen und so weiter ist das gar nicht mehr so einfach, aber im Grunde genommen ist das eigentlich eine schöne Errungenschaft, aber es kann auch negativ sein, sag ich mal, ich will das jetzt nicht herausstellen, aber man sollte keine Streitgespräche beim Essen führen. Dieser Begriff in der Politik "Arbeitsessen" ist so grenzwertig, also wenn sich bestimmte Politiker da gegenübersitzen, die sich eh nicht leiden können und dann ein gemeinsames Arbeitsessen haben, weiß nicht, ob das so hilfreich ist, für so eine Gemeinschaft, ob man das nicht abtrennen sollte. Also das spielt auch noch so eine Rolle.

Ja, soweit wollte ich diesen ersten Teil eigentlich jetzt damit abschließen, dass wir selber sind vielgliederig, zumindest wenn man das hier so betrachtet. Wir haben die Lebensmittel, die von verschiedenen Faktoren bestimmt sind und wenn wir jetzt sagen wollen, wir wollen eben eine sehr gute Lebensmittelqualität haben, um den ganzen Menschen zu ernähren, also eben in seinen sogenannten Wesensgliedern, dann muss ich eben viele Dinge, viele verschiedene Dinge eigentlich beachten und das kann ich mir eben einrichten. Man isst ja sehr aus Routine oft, aber viele verschiedene Dinge, manche kann ich einfach machen. Ich esse eben immer nur Bio oder ich esse immer nur Demeter oder da habe ich schon Grundlagen eben, um da in eine bestimmte gute Richtung zu kommen.

Trotzdem kann ich nur ermuntern, ich finde es schön, sagte ich letztes Mal glaube ich schon, wenn man mal probiert, wie Ernährung wirkt, das erkennt ja die Medizin jetzt auch immer mehr, dass die Ernährung schon einen ganz großen Einfluss auf unsere gesamte Gesundheit hat. Und wenn man mal eine andere Ernährung ausprobiert, also irgendwie mal was anderes isst oder ein bestimmtes Lebensmittel mal eine Zeit lang isst, jetzt haben wir Januar, im Februar kommt dann Fasching und nach Fasching ist ja oft so diese Zeit, wo manche sagen, ich will irgendwie fasten. Also fasten muss nicht sein, dass ich gar nichts mehr esse, sondern es gibt ja auch so, das nennt man dann Teilfasten, also man sagt ja zum Beispiel, die sechs Wochen verzichte ich mal auf Zucker, generell, also auch auf Honig, was Süßes. Man kann auch sagen, was ich gerne mache, vielleicht verzichte ich auf Kaffee oder auf irgendwas, was man gerne macht, mal sechs Wochen mal ausprobieren, irgendwas, was ich gerne mache, trinke keinen Wein mehr oder wie auch immer, wird man merken, wie das auf den Körper wirkt. Und im Internet findet man ja permanent solche Challenges, wie man das nennt, also zuckerfrei leben für drei Wochen oder so und dann merkt man, wie die Ernährung auf einen wirkt, was man beeinflussen kann.

Zuschauerin: Das ist jetzt eine allgemeinere Frage, inwiefern unterscheidet sich, oder was halten Sie von ayurvedischer Ernährungslehre, ist das grundlegend anders als die anthroposophische oder wirkst du überschneidend?

Dr. Petra Kühne: Die hat viele Gemeinsamkeiten, also die kennen ja auch so eine Konstitutionstypen, das kennt man im Anthroposophischen auch, da haben wir jetzt nicht drüber gesprochen in der Zeit.

Zuschauerin: Es geht ja immer irgendwo um eine Ausgeglichenheit, um da irgendwas in Balance zu bringen, wir gucken uns was an, individuell den Menschen, und dann bringen wir das irgendwie in Balance oder nicht? Auch da sehe ich gerade von dem, was sie gesagt haben, ich höre die unterschiedlichen Worte, aber für mich hört sich das trotzdem sehr ähnlich an, gar nicht so ganz im Grundverständnis.

Dr. Petra Kühne: Ja, also man muss bei der Ayurveda natürlich auch sehen, die westliche Form, die wir jetzt hier haben, die ist schon dem westlichen Menschen sehr angepasst. Und wir sind anders konstituiert als ein Inder vor tausenden Jahren oder so. Und damals war irgendwie das Leben in der Gemeinschaft, ja, und in dem Drinnenleben in der Gemeinschaft, ein bisschen so ein Kastenwesen, was sie hatten, das war eben ganz was anderes als das wahrscheinlich heute auch ist. Also sowas muss man vielleicht immer noch ein bisschen bedenken bei so alten Ernährungslehren.

Zuschauerin: Das ist ja auch nur ein Grundsatz am Ende, den sie beide gerade so ein bisschen erzählt haben. Und dann gibt es natürlich immer das Fachwissen, auch nur das Fachwissen.

Dr. Petra Kühne: Ja, aber da sind viele Ähnlichkeiten. Anthroposophie hat ja auch manche Dinge, die Steiner... also die mehr am Indischen als an den anderen Weltanschauungen ist, sag ich mal, sind allein aus dem ursprünglichen Herkommen aus der Theosophie. Ich weiß nicht, wie sie sich auskennen mit der Geschichte so ein bisschen. Er hat das dann zwar sehr modifiziert auf den westlichen Menschen, weil das eben ein ganz großer Unterschied ist, ob man jetzt in Asien groß wird in einer Gesellschaft, nähert sich an jetzt, aber ist schon anders in der amerikanischen oder hier.

Zuschauerin: Das sind ja andere Konstitutionen.

Dr. Petra Kühne: Andere Konstitutionen, das geht ein bisschen in den Körper rein. Also insofern ist es spannend, auch zu gucken, welche Gesellschaft hat welche Ernährungslehren hervorgebracht.

Zuschauerin: Ich könnte es vielleicht übertragen, also ich hatte damals mal so einen Ansatz, oder so die Idee, das Ayurvedische im Rahmen, also ich habe Ayurvedische Massage gelernt, war ja schon ein Tick mal drin, das Ayurvedische irgendwie so ein bisschen regionaler zu machen. Also wie kann ich das übersetzen? Wir nutzen ja auch Kräuter, Heilkräuter, etc., etc., oder Nahrung, die wir hier überhaupt nicht finden regional, weil das hier gar nicht angebaut werden kann. Und da ist dann vielleicht sowas wie die anthroposophischen Lehren, die zwar jünger ist, ich spreche die noch gar nicht, nur erste Eindrücke, ein bisschen da reinzugucken.

Dr. Petra Kühne: Also man muss eben auch schauen, wie so manches kommt, wie Sie sagen. Also zum Beispiel empfiehlt Ihnen Ayurveda ja sehr stark dieses Ghee. Jetzt das kommt aber natürlich aus dem Klima, Sie können ja keine Butter halten, wenn Sie keine Kühlschränke hatten, also macht man die Butter in einen haltbaren Butterschmalz. Aber wenn jetzt hier rüberkommt, am besten ist das Milchfett als Ghee, das ist eine Einseitigkeit, das stimmt so nicht.

Zuschauerin: Oder geht es da nicht auch um die Stoffe, es sind ja die Eiweiße, die ausgefiltert werden müssen, da haben Sie die Butter gern, jetzt sind wir wieder bei dem Thema, wir hatten das gestern in der Käserei, das ist ganz schön.

Dr. Petra Kühne: Es gibt ja bei uns auch Butterschmalz, kann man ja auch kaufen.

Zuschauerin: Ja, ja, genau, aber sind es dann, weil es werden ja die Stoffe ausgefiltert, klar, es sind klimatische Bedingungen, aber ist es auch was in den Eiweißen, was dann irgendwie eventuell vom Körper anders aufgenommen wird, nicht so gut vertragen? Ich weiß nicht, warum ist dieses Ghee wie so ein starkes Heilmittel, dann benutzen Sie es nicht nur innerlich, sondern ja auch äußerlich, für Augen, für Knie, für Sonnenbrand, also es ist alles möglich, Ghee ist ja wirklich so ein Wundermittel.

Dr. Petra Kühne: Also wenn es jetzt um die Diätetik geht, kann man das sofort sagen, also als irgendwie Heilmittel oder sowas, da kann, wer da allergisch ist, auf Milcheiweiß oder sowas, obwohl in Butter, also zumindest in Sauerraumbutter ist nicht mehr viel drin, aber wer da ganz empfindlich ist, da würde man das wahrscheinlich machen. Dann ist es aber mehr ein Diätetikum, das müsste man vom Nahrungsmittel so ein bisschen differenzieren.

Zuschauerin: Auch wie der Typ auch ein einzelnes Argument vorbringt.

Dr. Petra Kühne: Und wofür man es nützt, also wenn ich ein Brot aufstriche, würde ich nicht unbedingt einen Butterschmalz da drauf machen. Ja, das könnte ich mir vorstellen, aber die Streichfähigkeit ist nicht ganz so, wenn es nicht so warm ist bei uns. Gut, aber wir haben einen schönen Übergang jetzt schon zur Milch. Mache ich mal weg.

Milch und Milchqualität: Empfehlungen und Kritik 00:52:19

Ja, wir hatten ja letztes Mal schon ein bisschen über Milch gesprochen, da war dann auch die Frage, oder ich hätte es auch gesagt, gleich ein bisschen vertieft, weil die Milch ja heute so verteufelt wird auch sehr oft, und weil es ganz starke Ablehnungen von Milch gibt. Wir haben ja bei uns so als Empfehlung die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, in Österreich gibt es die auch, also die Österreichische und die Schweizer, das nennt man den DACH, die haben dann gemeinsam so ihre Empfehlungen. Und in Deutschland hat man jetzt die Empfehlungen für Milch und Milchprodukte gesenkt, also Empfehlung ist das eine und Umgang ist das andere, mit der Begründung aus Nachhaltigkeitsgründen, also gar nicht aus gesundheitlichen Gründen.

Früher hatte man drei Portionen Milch am Tag sozusagen empfohlen, Milch bzw. Käse oder umgerechnet Milchprodukte, und jetzt hat man das gesenkt auf zwei Portionen, das sind 400 Milliliter Milch oder umgerechnet Käse, das ist dann so eine Scheibe Käse am Tag oder sowas. Also relativ wenig. Die Wirklichkeit sieht anders aus, es ist sehr unterschiedlich in den Ernährungsgruppen, weil bei uns natürlich auch die Menschen leben sehr unterschiedlich, und wenn sie jetzt Vegetarier sind, also Lakto-Vegetarier, dann werden sie mehr Milchprodukte zu sich nehmen, weil sie ja schon Fleisch nicht essen. Das muss man immer berücksichtigen, dass dann natürlich da auch ein tierisches Lebensmittel mehr bevorzugt wird.

Aber insgesamt das Interessante ist, dass so eine staatliche Organisation jetzt eigentlich so ein bisschen dahingeht und auch sagt, ja, wir nehmen zu viel Milch und Milchprodukte auf. Auf Demeterhöfen, auch hier, ist es ja ein ziemlich großer auch wirtschaftlicher Faktor, die Tierhaltung und die Milchhaltung und die Käserei und was daraus alles gemacht wird. Die Zahlen in Deutschland: Milchverbrauch geht zurück, seit Jahren wird es immer niedriger, bisher ist noch gestiegen Sauermilchprodukte, sowas wie Joghurt und Käse, das stagniert im Augenblick so, wird nicht mehr. Und es gibt verschiedenste Argumente gegen Milch, man muss immer sehr vorsichtig sein, ich habe mir eigentlich immer so angeguckt, was es da für Studien gibt und Studien, dass die Milch irgendwie Krebs erzeugt, die sind nicht bestätigt. Und mit einer Ausnahme, wenn Männer täglich über lange Zeit, längere Zeit, mehr als ein Liter Milch pro Tag trinken, fördert das Prostatakrebs, das ist die einzig bestätigte Studie.

Zuschauerin: Ja, das ist eine ganz wichtige Frage, weil fast alle Studien stammen aus den USA und was ist das für eine Milchqualität?

Dr. Petra Kühne: Das sage ich immer mit amerikanischen Studien, die produzieren die Milch in ganz anderem Zusammenhang und das steht in den Studien ja auch nicht drin, also die vitaminieren auch Milch. War jemand mal in den USA, hat der mal das Milchangebot gesehen?

Zuschauerin: Ja, schmeckt anders, das ist doch in riesigen...

Dr. Petra Kühne: In Gallonen wird das verkauft, also ich weiß gar nicht, dreieinhalb Liter oder so, ne?

Zuschauerin: Fast vier ist eine Gallone, glaube ich.

Dr. Petra Kühne: Ja, aber wie lange braucht man denn, um das aufzubrauchen? Also ich habe mal so ein Bild gesehen, da war das unterteilt mit 0% Fett, 1% Fett, 2% Fett. Also ich konnte das kaufen, nachdem wie das drin war, die Vitaminierung war vorgeschrieben bei fettreduzierter Milch von A, D, also die fettlöslichen Vitamine. Also wenn die Studien mit sowas gemacht wären, weiß ich nicht, ob man das so immer vergleichen kann.

Zuschauerin: Woran es mir auch aufgefallen ist, das ist natürlich ein umwegendes und anderes Lebensmittel, aber Schokolade. Jetzt mag ich dunkle Schokolade, aber früher noch, auch als ich mal in den USA gelebt habe, habe ich eigentlich nur Vollmilch-Schokolade gegessen, aber in den USA ist die... ich fand die einfach eklig, also die schmeckt nicht gut und ich glaube nicht, dass die jetzt einen ganz anderen Kakao hat, weil Kakao kommt aus dem gleichen Inhalt, aber Milch ist halt von da und schmeckt anders.

Dr. Petra Kühne: Schokolade ist natürlich auch eine Kunst, die zu machen, Chocolatier ist ja ein richtiger Beruf. Aber das würde ich zu Studien generell sagen, also mit welcher Milchqualität ist das eigentlich gemacht worden? Aber so Fazit ist, dass man normalerweise diese ganzen Vorwürfe, dass die Milch krank macht eigentlich nicht halten kann, auch nicht bei Kindern. Im Gegenteil, dass man eigentlich sagen muss, wenn Kinder gute Milch bekommen, dass sie das vor Asthma schützt, interessanterweise. Gute Milch, also keine hocherhitzte Milch oder so.

Faktoren für die Milchqualität und Verarbeitungsstufen 00:58:02

Die Milchqualität hängt eben von ähnlichen Dingen ab wie hier, einmal die Züchtung der Tiere. Wenn ich Kühe dermaßen hoch in der Milchleistung drücke, dass die da 10.000, 12.000 Liter oder sowas produzieren, dann muss ich mich nicht wundern, die kriegen dann auch Krankheiten, die werden mal drei Jahre alt oder vier, weil sie dann fertig sind. Dass diese Lebenskräfte in der Milch einfach ganz andere sind, als wenn ich Tiere habe, die nicht aus dieser Hochleistungszucht stammen. Tierhaltung: können Tiere raus? Können sie nicht raus? Bio müssen sie raus.

Zuschauer: Das hängt ja auch viel mit dem Futter zusammen. Wenn die jetzt viele Kräuter fressen, auf Kräuterwiesen stehen, dann wird natürlich die Qualität der Milch auch besser. Aber aus solchen Kräutern kann man nicht so viel melken. Also wenn man eben Kraftfutter füttert, dann sind das ja auch Kraftfutterflocken oder so. Und aus denen kriegt man viel Milch, aber die haben nicht die Inhaltsstoffe, die die Kräuter einbringen zum Beispiel. Ziemlich logisch eigentlich auch.

Dr. Petra Kühne: Also die Fütterung spielt eine ganz große Rolle. Und das Kraftfutter, dafür sind ja die Mägen eigentlich nicht geeignet, der Tiere. Das heißt, das geht ja auch nur bis zu einer gewissen Grenze. Ich war mal völlig erschüttert, als ich hörte, dass eine Kuh Diabetes hat. Das scheint nicht so selten zu sein, aufgrund von Fütterung. Ja, also das beeinflusst natürlich die Milchqualität.

Das andere ist die Verarbeitung. Wir haben ein ziemlich strenges Milchgesetz in Deutschland, in der EU. Und die ermolkene Milch ist sogenannte Rohmilch. Die darf man ja gar nicht abgeben mit zwei Ausnahmen in Deutschland. In anderen Ländern ist es anders. Die eine Ausnahme ist hier, Sie können es hier abgeben, direkt ab Hof, eigentlich ab Stall. Und dann muss aber dran stehen: "Diese Milch ist vor dem Verzehr abzukochen". Und dann kann der Konsument das entscheiden. Die zweite Ausnahme ist sogenannte Vorzugsmilch. Die wird kaum noch hergestellt. Die hat sehr hohe hygienische Anforderungen. Und die darf unerhitzt angeboten werden, im Handel innerhalb von 24 Stunden. Ich kenne ganz wenige Höfe, die das noch machen, weil das so ein Riesenaufwand ist, hygienisch, dass sich das nicht lohnt.

Sonst ist verpflichtend, dass die Milch erhitzt wird. Und ich will es nur ganz kurz sagen, die schonende Erhitzung für die Konsummilch ist die Pasteurisierung bei 72 Grad. Für die Käserei kennt man noch niedrigere Temperaturen. Dann ist das aber länger. Diese Milch, das nimmt immer mehr ab. Diese sogenannte Konsummilch, die ist bei Demeter vorgeschrieben. Aber fast alle anderen Hersteller, konventionell sowieso, die erhitzen höher. Nämlich auf 120 Grad, das ist diese sogenannte ESL-Milch oder hoch erhitzte Milch. ESL heißt Extended Shelf Life, also längeres Regalleben. Die ist eben haltbarer, kann länger verkauft werden und verdirbt nicht so schnell. Das ist heute hauptsächlich verkaufte Milch. Und dann gibt es noch die sogenannte H-Milch, die ultrahoch erhitzte Milch. Die wird eben steril hergestellt, also dass nichts mehr drin ist und die hält mindestens ein Vierteljahr ungekühlt. Das ist ein hoher Absatz bei uns. Aber sie verdirbt, wenn man sie aufgemacht hat, dann hält sie auch nicht mehr so lange, das ist klar.

Ja, das so zu dem Angebot, das ist natürlich schon so, dass man da einen Teil der Milch hat, die von der Qualität eigentlich nicht günstig zu beurteilen ist, sag ich mal.

Zuschauerin: Wie viel Nährstoffverlust ist in den verschiedenen Milchprodukten eigentlich enthalten?

Dr. Petra Kühne: Ja, das gibt es Messungen, die sind zwar schon ein bisschen älter. So groß ist der Verlust an Vitaminen, was man messen kann, nicht. Der beträgt so im Schnitt zwischen 10 und 20 Prozent.

Zuschauerin: Auch in der H-Milch?

Dr. Petra Kühne: Ja, weil die H-Milch, Sie müssen bedenken, die geht bei 140 Grad, aber nur für ein bis zwei Sekunden. Das ist ein hoher technischer Aufwand. Das läuft als ein ganz dünner Film auf Platten und einmal hoch und sofort wieder runter. Und wenn die Zeit so kurz ist, dann ist der Verlust relativ gering. Aber trotzdem ist kein Bakterium mehr drin, was eigentlich da reingehört, also in normale Konsummilch. Und das ist in der pasteurisierten Milch noch drin. Sie schmeckt auch ganz anders. Das sollte man auch nicht so mitbewerten.

Der Stellenwert der Milch in der Ernährung und Laktoseintoleranz 01:03:16

Die Milch hat eigentlich viele Vorteile in der Nahrung. Wir hatten das ja letztes Mal schon, sie ist ein tierisches Lebensmittel. Jede Tierart hat eine eigene Milch. Ziegenmilch ist anders als Kuhmilch. Ziegenmilch ist in manchen Dingen ähnlich, aber sie hat zum Beispiel einen ganz anderen Geschmack. Es waren ja einige, die Ziegenmilch produzierten. Und Schafmilch trinken wir auch. Im Prinzip kann man von vielen Weidetieren Milch gewinnen. Kamelmilch gibt es, Yakmilch usw. in anderen Weltgegenden.

Die Milch hat insofern eine Sonderstellung, weil sie im Grunde genommen, das hatte ich letztes Mal schon gesagt, ein alleiniges Lebensmittel für ein Kind ist, für längere Zeit. In den ersten Monaten kann ein Säugling ganz und gar davon leben. Aber da sind eben alle Nährstoffe in einer sehr leichten, verträglichen Form enthalten. Eiweiß, Milcheiweiß ist sehr gut verträglich. Fett, die Sahne, der Rahm, sehr gut und leicht verdaulich im Vergleich mit anderen. Und das dritte eben Kohlenhydrate in Form von Milchzucker, Laktose, auch sehr gut verträglich.

Zuschauerin: Aber im Grunde ist es doch so, dass die Menschen das nicht grundsätzlich gut vertragen. Vor allem die Laktose, oder? Und die Menschen sind da an Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Intoleranz erkrankt.

Dr. Petra Kühne: Wir hier in Deutschland Lebenden haben uns vor 8000 Jahren daran gewöhnt. Also ursprünglich nicht. Es kam dann aus dem Fruchtbaren Halbmond, die Mittelmeerländer, wo die erste Domestizierung war. Und man anfing wahrscheinlich mit Ziegen. Da ist eine Anpassung eingetreten. Also wir sind ja nicht statisch in unseren Verdauungssachen. Und es gibt zwei große Unterschiede. Es gibt die Gewöhnung an die Laktose. Muttermilch hat ja immer Laktose. Das heißt, jedes Baby verträgt erstmal die Laktose in der Muttermilch. Nur ganz wenige Krankheiten gibt es. Eins zu einer Million oder so. Wo die Muttermilch aus dem Grunde nicht vertragen wird. Aber wenn dann abgestillt wird und die Kinder eine Zeit lang keine Milch und Milchprodukte kriegen, dann verlieren viele Völker die Fähigkeit, noch Laktose zu verdauen. Das sind so asiatische Völker, Urwaldvölker, die keine Tierhaltung haben, also keine Weidehaltung.

Und dann gibt es die zweite Gruppe. Das sind die Europäer, das sind die milchtrinkenden Völker Afrikas. Also diese Savannenvölker, Nigeria, Indien natürlich, das ist ein großes milchtrinkendes Land. Die haben eine genetische Änderung und die ist schon ein paar tausend Jahre alt. Und diese Änderung bewirkt, dass auch wenn wir eine Zeit lang irgendwo hingehen, wo man keine Milch und Milchprodukte kriegt, und dann zurückkommen und wieder Milch trinken, dann springt es wieder an. Also wir entwöhnen uns nicht. Das ist die zweite Form, das haben die meisten Europäer. Aber es gibt einen Prozentsatz hier von uns von ungefähr zehn Prozent, die das nicht können. Das ist genetische Ausstattung.

Und das Interessante ist ja, dass das Land, wo im Augenblick immer mehr Milch produziert wird und mehr Milch getrunken wird, China ist. Da staunt man. Also in Nordchina ist es ja so, Peking hat glaube ich dasselbe Klima wie Berlin. Also man darf nicht immer nur an das tropische China denken. Und diese großen Steppen von Nordchina, da bauen die eine Herde nach der anderen auf. Warum? Weil Milch von allen tierischen Produkten das günstigste ist, im Gegensatz zu Fleisch oder so. Also in der Erzeugung, in der Landwirtschaft, in allem. Und weil es sehr gut den Menschen wachsen lässt. Und mit Eiweiß versorgen lässt. Und deshalb forcieren solche Länder die Milch und Milchprodukte. Kinder, die früh abgestillt werden und dann eine eiweißarme Ernährung bekommen, weil nix Rechtes da ist, die bleiben klein. Man weiß, dass eine sehr gute eiweißhaltige Ernährung in der Kindheit Wachstum begünstigt. Sagen wir es so. Gut, also das so zur Laktose insofern.

Aber Sie haben recht, wenn die Menschen älter werden, kann die Fähigkeit zum Laktoseabbau sinken. Und hier war ja früher, haben Sie vielleicht von gehört, die Ebba Bauer, die die Käserei mal eingerichtet hat und die hat immer gesagt, die Milch ist sozusagen mehr das Lebensmittel der Jugend, also der Kindheit und der Jugend. Aber je älter der Mensch wird, dann muss man eigentlich die Milch, so wie der Mensch sich entwickelt und fester und dichter wird, muss man auch die Milch zum Gerinnen bringen und muss eben sozusagen die Milchprodukte haben. Also je älter der Mensch ist, sollte er eigentlich mehr die Milchprodukte genießen, die Sauermilchprodukte, Joghurt, Kefir, Quark und was es alles gibt und eben Käse auch. So ein bisschen in der Richtung. Ist verträglicher, ja, weil die Laktose zum Teil abgebaut ist in bestimmten Produkten.

Milchersatzprodukte und die Frage des Milchkonsums im Erwachsenenalter 01:09:04

Ja, wie soll man umgehen mit der Milch? Vielleicht nur zum Abschluss noch ganz kurz, noch ein Wort dazu zur Kartoffel sagen. Wir haben ja die sogenannten Milchersatzprodukte. Also ich bin da immer so ein bisschen kritisch und jetzt wird es ja auch mehr thematisiert. Ich kann natürlich aus allen möglichen Pflanzen Milch ähnlich aussehende Lebensmittel machen, also Haferdrink, Reisdrink, ich kann das aus Getreide machen, ich kann das aus Ölsaaten machen wie Nussdrink, Mandeldrink und sowas. Ich kann das aus Hülsenfrüchten machen, Soja ist das bekannteste Beispiel, aber es gibt auch Erbsendrink, kann noch geschmacklich verbessert werden.

Das ist alles gut und schön und wenn man erwachsen ist, kann man das trinken, wenn man das mag und so weiter, aber man sollte nicht glauben, dass es wie Milch ist. Es ist in den Nährstoffen nicht wie Milch und ich wehre mich so ein bisschen dagegen, dass sehr oft die Werbung für diese Produkte – es ändert sich im Augenblick ein bisschen – immer so gemacht wird, als wenn man so einen schönen Schwall Milch da eingießt. Also möglichst noch mit einer grünen Weide im Hintergrund oder so. Es ändert sich jetzt, es wird ein bisschen anders die Werbung. Weil für Kinder ist ein Reisdrink oder Reismilch, wie man oft sagt, nicht ausreichend in den Nährstoffen. Weil die Kinder brauchen Eiweiß und das ist in diesen Milchersatzprodukten, in den veganen, nicht enthalten. Also so gut wie nicht. Ausnahme von Soja, da ist ein bisschen mehr. Aber die entsprechen in den Nährstoffen nicht der Milch.

Und das muss man sich mal ein bisschen klar machen. Also wenn man denkt, das ist ein Milchersatz, das ist es nicht. Es ist ein Getränk und das kann ich genießen, wenn ich möchte. Als Erwachsener kann ich machen, was ich will da. Aber ich soll nicht denken, dass ich genau das Gleiche kriege wie die Milch. Und was wir hier so aufgelistet hatten, das ist eben auch, dass die Milch, die ist schon so ein Allnahrungsmittel, was eben da auch ein bisschen wirkt. Und das hat ein Haferdrink oder ein Reisdrink hat andere Wirkungen. Ich will nicht sagen, dass es schlecht ist, das kann ich gar nicht sagen. Aber es ist anders. Ich habe so eine Tabelle, jetzt habe ich das nicht hier. Es wirkt in den Nährstoffen total anders. Und das wird jetzt auch langsam so ein bisschen mehr erkannt und auch publiziert. Und das sollte schon so ein bisschen klarer dann eigentlich sein.

Zuschauerin: Und warum reicht es den menschlichen Kindern nicht, die Muttermilch zu trinken?

Dr. Petra Kühne: Wenn sie älter sind, man wird ja nicht jahrelang stillen.

Zuschauerin: Aber warum brauchen sie dann noch so viel?

Dr. Petra Kühne: Wachstumszeit. Sie brauchen dann noch viel Eiweiß.

Zuschauerin: Also wenn ich jetzt den Menschen als eines von den Tieren auf dem Planeten betrachte, biologisch, dann sind doch eigentlich alle Tiere gesättigt dadurch, was die Mutter ihnen gibt und was sie dann selber in der Natur finden, an Lebensmitteln sozusagen oder was die Eltern mitbringen. Warum ist das beim Menschen anders? Ich kenne kein anderes Tier, was ein anderes Tier melkt sozusagen.

Dr. Petra Kühne: Es gibt aber auch kein Tier, was seinen Weizen kocht. Also der Mensch hat schon eine Kultur. Also man kann das nicht alles vergleichen.

Zuschauerin: Und der Bedarf des menschlichen Körpers ist mit der Kultur sozusagen entstanden?

Dr. Petra Kühne: Der ist mit der Kultur entstanden und wir haben eine wesentlich verlängerte Wachstumszeit gegenüber Tieren. Also wir sind ja körperlich ausgewachsen erst mit 21 und bei Tieren unterschiedlich. Ich glaube, der Elefant, da geht es lange, so zwei Jahre, aber sonst ist es noch schneller. Ja.

Zuschauerin: Nährstoffmäßig verstehe ich schon.

Dr. Petra Kühne: Ja, die haben gleiche Nährstoffe.

Zuschauerin: Aber so energiemäßig, was ich vorher dazu sagen wollte, ist ja schon, dass wir dann eigentlich einem anderen Wesen ein Möglichstes entnehmen, um die Nährstoffe aufzunehmen.

Dr. Petra Kühne: Das ist für mich auch so eine energetische Vorstellung. Auch wenn es gibt ja noch eine andere Sichtweise. Das hört sich natürlich so an, so die Muttermilch hinnehmen. Wir haben uns die Tiere gezüchtet. Ja, also das ist ein ganz langer Prozess gewesen. Es ist ja nicht eine Gewaltanwendung sozusagen. Das wird manchmal so gemacht, das würde ich auch ablehnen. Aber das ist ja mit Pflanzen ähnlich. Also wir gestalten das um. Und ich glaube, das ist unsere menschliche Ernährung. Ein Tier, ein Löwe reißt auch seine Beute. Es ist ja nicht so, dass alle friedfertig auf der Welt sind. Also wir müssen ja leben von Pflanzen und von Tieren. Das kann man sehen, wie man will. Ja.

Zuschauerin: Und wir gehen auch an den Punkt, wo wir sehen, die Kuh hält trotzdem die Milch für ihr Kälber.

Dr. Petra Kühne: Ja, so wie sie es hier machen. Muttergebundene Kälberaufzucht.

Zuschauerin: Ja, die groß werden. Deswegen mache ich ja das.

Dr. Petra Kühne: Aber das ist sicher ein Weg, dass man das macht. Mir sagte dann auch jemand, die Kuh hält, wenn sie weiß, dass sie danach noch zum Kälbchen kommt, dass sie die Milch zurückhält. Die weiß das ganz genau. Und es wird auch mehr produziert, wenn ein Kälbchen da noch trinkt. Also die stellt sich darauf ein. Aber das ist Tierhaltung. Da würde ich sofort mitgehen und sagen, ja, da ist vieles nicht gut gelaufen in den letzten Jahrzehnten. Aber wir leben hier in einem gewissen Wohlstand. Aber zum Beispiel für viele Völker in Afrika ist eine Ziege das Überleben von dem Kind. Da wird das Zweitkind geboren. Das kriegt dann die Muttermilch. Und das Erste überlebt mit der Ziegenmilch. Weil wenn der nur Maniok isst und so... Also wir leben hier sehr wohlstandsmäßig. Wie ist das?

Zuschauerin: Ich habe gehört, Milch wird eigentlich auch nicht mehr empfohlen, weil es Kalzium aus den Knochen löst.

Dr. Petra Kühne: Das kann man nicht nachweisen. Da kenne ich Untersuchungen, das ist nicht so. Also es hat ja gerade viel Kalzium. Aber es ist nicht so, dass es das rauslöst. Also es gibt so viele Mythen um die Milch. Das kann ich jetzt gar nicht alles so widerlegen. Aber ich weiß, dass das sehr untersucht wurde, dass das eigentlich nicht der Fall ist. Aber vielleicht noch mal ganz deutlich, auch in der anthroposophischen Ernährungslehre, der Steiner sagte mal eben, die Milch stammt ja vom Tier, ist also irdisch. Und sie gibt uns so einen gewissen Bezug zur Erde, zum Irdischen insgesamt, vom Körpergefühl, von allem her. Die Pflanze strebt immer zum Kosmos, zum Licht hin, zur Sonne. Und die Pflanze hat diese Tendenz des starken Aufrichtekräftes, sozusagen des Aufrichtens, die meisten Pflanzen jedenfalls. Und das ist so ein gewisser Ausgleich. Wenn man dann Fleisch isst, das ist noch schwerer, das bringt dann noch schwerer auf die Erde, das kann sozusagen noch mehr in diese schwere Schwerkraft hineinführen. Und die Milch ist so ein, ich sage jetzt immer Milch, aber es könnte auch Käse sein oder so. Also es können auch diese Milchprodukte sein. Aber das macht so einen gewissen Ausgleich. Denn nicht für jeden ist eine rein pflanzliche Ernährung gut. Das kann einen auch weglupfen, so ein bisschen. Kommt ja auf den Menschen an.

Zuschauerin: Der Dr. Bruker hat auch gesagt, dass der Mensch quasi das einzige Säugetier ist oder Lebewesen, das eben über das Säuglingsalter hinaus Milch zu sich nimmt. Und eben Schweine, Kühe, die trinken ja als Erwachsene keine Milch, sondern eben Wasser. Insofern ist das einfach auch nicht mehr so ganz aktuell, was der Dr. Bruker gesagt hat.

Dr. Petra Kühne: Er empfiehlt aber Milch, nur Rohmilch. Er lehnt die Milch nicht ab, nur Rohmilch. Er hat die Milchverarbeitung abgelehnt. Also er hat auch eine tierisch eiweißfreie Nahrung zum Teil, bei bestimmten Krankheiten. Aber im Normalen, Rohmilch hat er nicht abgelehnt. Nur das ist ja, für wen ist das zu machen? In unserer Gesellschaft.

Zuschauerin: Das kann sein.

Dr. Petra Kühne: Ja, also ich bin kein Vertreter davon, dass man dann Massen an Milch und Milchprodukten isst. Insofern denke ich, was die DGE da macht, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, das ist nicht nachteilig. Oder Käse zu essen oder sowas.

Pflanzliche Züchtung und genetische Veränderung 01:18:28

Dr. Petra Kühne: Ja, da war noch eine Frage. Zum Getreide.

Zuschauerin: Sie haben ja gerade gesagt, es stimmt ja, wir haben ja Pflanzen genetisch so verändert, dass sie uns mehr nutzen. Also z.B. den Hafer, der spuckt sie nicht aus, ihn müssen wir nicht schon gewinnen. Gibt es ein Getreide, oder kennen Sie ein Getreide, was noch so ursprünglich heute noch angebaut wird? Genau?

Dr. Petra Kühne: Nein, es gibt eine interessante Forschung. Herr Heyden macht das im Institut, wie heißt das, Keyserlingk-Institut am Bodensee. Der versucht aus Wildgetreide eine Kultursorte zu züchten. Und da hat er eine gefunden, die eben wild in Süd-, ich glaube auf Sizilien und an der Krim angeboten wurde, schon vor Jahren. Also nicht angebaut wurde, wuchs. Und die versucht er weiter zu veredeln. Das ist eine Trespen-Art. Das hat natürlich große Probleme mit sich, diese Pflanze, weil die Körner springen raus, wenn sie reif sind. Also die Ernte ist schwierig, das ist ein Spelz, und der ist relativ groß im Vergleich zu dem eigentlichen Korn. Und das ist nicht einheitlich. Auch für die Ernte und für den Aufwand.

Aber das ist halt auch so eine Frage, ich denke, es sind alle, also so viele Pflanzen, die wir heute anbauen, viel Ertrag und Fleischansatz, und alles, was wir ja gezüchtet haben, wie sind wir dann, wenn ich das durch CRISPR/Cas-Gen verändere? Wir verändern auch unsere Gene. Die Gene verändern sich immer. Wie gesagt, Laktose, wir sollen doch nicht glauben, dass wir die gleichen Gene haben wie Neandertaler. Das ist ja gerade Entwicklung. Das wirkt sich dann auch in den Genen aus. Das ist jetzt nicht so das Primäre.

Zuschauerin: Ich verstehe da ein bisschen zu wenig. Es ist ja alles gezüchtet, alles vom Menschen verändert.

Dr. Petra Kühne: Das ist ja auch oft nicht natürlich. Es gibt auch Fliegenpilze und es gibt auch x-Dinge, die ich nicht aus der Natur haben will. Und wir haben auch manches uns überhaupt erst zuträglich gemacht, was gar nicht geht sonst. Zum Beispiel Rapsöl. Die wenigsten wissen, noch vor 50 Jahren hat man kein Rapsöl gehabt, weil es zwei Stoffe hat, die das als Speiseöl unbekömmlich machten. Die hat man rausgezüchtet. Hat seine Vorteile. Also in den Norden gab es früher... es gibt so eine Stelle bei Steiner, da spricht er über Fette und Schlachtfette. Und dann sagt er, übrigens es gibt auch pflanzliche Fette. Und dann frage ich immer gerne, wieso sagt er das? Also wenn wir heute an Fette denken, denken wir an Öl, an Olivenöl und an sonst was. Olivenöl kriegen wir ja erst, seit wir in der EU sind. Oder EG hieß das damals. Vorher kamen die ja nicht aus Italien oder Spanien hierher. Sonnenblumenöl in unserem Klima? Sonnenblumen vielleicht, aber Öl. Was wächst hier? Saflor wächst auch nicht doll hier in dem Klima. Wird ja jetzt immer wärmer. Also diese ganzen Öle, Importe oder Rapsöl. Ist auch Entwicklung.

Abschluss 01:22:17

Dr. Petra Kühne: Wir sind mit der Zeit rum. Jetzt sind wir nicht zur Kartoffel gekommen. Ernährung ist so vielseitig. Aber ich hoffe, es hat Ihnen ein bisschen Freude gemacht. Ich habe hier noch ein paar Hefte mit. Von unserem Ernährungsrundbrief. Da waren vorhin noch nicht alle da. Ich möchte noch mal darauf hinweisen, wir haben auch Online-Kurse. Also wen das interessiert, die sind auch da drin. Oder da können Sie auch noch mal einen Zettel mitnehmen. Wer sich jetzt besonders für Ernährung interessiert und das vielleicht weitermachen will. Dann hoffe ich, dass es Ihnen einen kleinen Einblick in die Ernährung gegeben hat. Und dass Sie dann mit Freude an der Ernährung kamen. Das finde ich immer am wichtigsten.

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