Hintergrund und Umfeld des Landwirtschaftlichen Kurs 1924 - ein Vortrag von Marcel Waldhausen, 2025

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Marcel Waldhausen am 11. Januar 2025 zum Thema Hintergrund und Umfeld des Landwirtschaftlichen Kurs 1924. Hier klicken um zum Video zu gelangen

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Einführung: Carl von Keyserlingk begegnet Rudolf Steiner 00:00:10

Wir steigen direkt ein in das Jahr 1918. Der Erste Weltkrieg neigt sich dem Ende zu und der Major von Keyserlingk ist wieder zurückbeordert worden nach Berlin ins Kriegsministerium. Dort ist er für die Versorgung der Truppe, für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln verantwortlich. Seine Frau hat in der Zwischenzeit Bekanntschaft geschlossen mit Eliza von Moltke, der Frau von Helmuth von Moltke, dem Heerführer zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der 1916 verstirbt. Diese beiden Frauen haben eine Freundschaft und seine Frau Johanna wird mitgenommen von ihr und Rudolf Steiner vorgestellt. Es gibt ein Gespräch zwischen Johanna, Eliza und Rudolf Steiner in Eliza Moltkes Wohnung. Und sie wohnen ganz nah beieinander, fußläufig in der Kaiserallee in Berlin.

Und jetzt erzählt Johanna ihrem Mann ganz begeistert davon, dass sie eben Rudolf Steiner getroffen hat und er solle doch auch unbedingt mitkommen. Und dann, obwohl er ja kein Mitglied ist der Gesellschaft, erreicht Eliza von Moltke, dass Carl von Keyserlingk (Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk) mit zu einem Zweigvortrag kommen kann. Und dann gehen sie danach nach Hause und bringen Eliza zu ihrer Wohnung zunächst, um dann weiter zu streiten, zu der eigenen Wohnung. Und dann fragen die beiden Frauen den Carl und sagen, wie hast du es denn gefunden? Und Carl ist aber ganz schweigsam, der sagt da gar nichts zu. Sie bringen Eliza nach Hause, sie gehen dann in die eigene Wohnung und dann fragt sie nochmal Carl, wie hast du es denn gefunden? Und wieder lässt er seine Frau ohne Antwort. Und beim Abendessen, Johanna hat ja auch einen starken Willen, so wie ihr Mann, wird sie denn etwas resoluter und sagt, du kannst ja auch sagen, wenn du nicht einverstanden warst. Und dann bricht er sein Schweigen und sagt, wenn du es genau wissen willst, dieser Mann gehört von jetzt an mein ganzes Leben. Und das hat ja auch gehalten, wirklich bis zu seinem Tode diese Treue zu der Arbeit mit Rudolf Steiner.

Keyserlingks Wirken in Schlesien 00:02:37

Und nun in Berlin beginnt es, dass diese beiden Männer, also Carl und Rudolf Steiner, intensivst miteinander ins Gespräch kommen. Persönliche Dinge bewegen, sich mit allgemeinen Fragen beschäftigen. Denn Carl Graf von Keyserlingk ist im zivilen Leben Güterdirektor und Leiter der gesamten Landwirtschaft eines großen landwirtschaftlichen Unternehmens, also eines der renommiertesten landwirtschaftlichen Unternehmen im Deutschen Reich. Die Güter sind zu Spitzengütern von ihm entwickelt worden. Er hat etwa um 1900 herum angefangen, in der Familienfirma der Schwiegerfamilie als Güterdirektor zu arbeiten und hat bis zum Kriege eben diese Güter entwickelt zu absoluten Spitzenbetrieben. Wir sprechen von konventionellem Landbau natürlich. Höchsterträge für die Zuckerrübe, denn es geht eigentlich um Zuckerproduktion. Das ist das eigentliche Ziel. Da arbeiten insgesamt 3000 Menschen in dieser Fabrik und 1000 Menschen in der Landwirtschaft. Und er ist verantwortlich für all dieses, was die Landwirtschaft betrifft.

Es ist aber auch so, dass er auf der einen Seite eben einen starken Willen besitzt und auf der anderen Seite eben eine ganz feine Seelenkonfiguration hat, wenn man so ein komisches Wort dafür benutzen darf. Eine Seele hat, von der Eliza von Moltke gesagt, er habe eine Seele wie von Sand. Also man kriegt da so ein bisschen ein Gefühl einer besonderen Seele. Und das wirkt sich aus auf das soziale Leben innerhalb seiner Arbeit. Denn er erreicht für die Arbeiter, die da arbeiten, ganz außergewöhnliche soziale Errungenschaften, die in der Zeit absolut atypisch sind. Also für seinen Stand als Graf, für seinen Stand als Güterdirektor, als Mitglied des Vorstandes gibt es eine ganz enge Bindung an die Arbeiterschaft. Das ist sehr ungewöhnlich.

Zum Beispiel richtet er Sozialwohnungen ein für die Arbeiter. Dann ist es so, dass damals die Landbevölkerung in Schlesien keinen Wert hat für die Obrigkeit. Das waren wie Austauschbare. Man könnte jetzt alle möglichen Bilder finden, aber ihr habt ja einen Eindruck davon. Das heißt, die Menschen leben unter sehr schwierigen Verhältnissen. Die Bezahlung ist mager, die Sicherheit, dass sie da arbeiten können und so weiter, das ist alles nicht gegeben. Und sie werden behandelt eben wie, ja, man hat ein Bild. Und dieser Carl macht es ganz anders. Er macht nämlich zum Beispiel eine Sozialabteilung, baut er auf innerhalb der Firma, sein Neffe Aki wird der Leiter dieser Abteilung und der fährt mit einer Rotkreuzschwester zusammen über die Güter und die erfahren dann ganz viel von den sozialen Verhältnissen auf den Gütern. Dann richtet er eine Beschwerdestelle ein, wo die Leute sich beschweren können unter Umgehung ihrer Vorgesetzten, also keine Repressalien aufgrund ihrer Beschwerde erwarten müssen. Und jeden Monat einmal ist eine Versammlung, wo jedes Gut zwei Abgeordnete schickt. Und da sind anwesend Aki, die Krankenschwester, einige vertrauensvolle Leute aus der Sozialabteilung und Carl selber. Also das alleine schon, dass er als Leiter der gesamten Landwirtschaft, Mitglied des Vorstandes, also wirklich, ja, die Kluft könnte nicht größer sein zum einfachen Landmann. Ihm ist das so wichtig, dass er dabei wohnt, dass er jedes Mal da ist.

Und dieses ganze soziale Verhalten, was er da an den Tag legt, gipfelt eigentlich darin, dass er eine Getreidewährung einführt, weil wir ja in dieser Zeit nach dem Krieg mit Hyperinflation zu kämpfen haben. Also 1923 ist der Höhepunkt dieser Hyperinflation und ein Dollar sind 400 Billionen Reichsmark. Also es ist unfassbar. Und jetzt ist immer jede Woche Zahltag und das Geld verfällt innerhalb der Woche ja. So, und jetzt richtet er es ein, dass jeder Mensch, der arbeitet, jeden Tag aufgeschrieben wird, was dieser Mann gearbeitet hat und Frau. Und dann am Freitag war immer Zahltag, dann wurde ausgezahlt. Und dann hatten die die Möglichkeit, das einerseits in Währung zu nehmen, aber auch in Getreide oder in Zucker, sodass sie selber die Naturalien veräußern konnten. Das war für die Firma natürlich viel Arbeit, aber für die Landbevölkerung war das ein wahnsinniger Fortschritt, weil sie sogar ja sparen konnten dadurch, wenn sie jetzt nicht alles abhoben von ihrem Roggenkonto.

Konflikte und die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner 00:07:23

Diese ganzen Sachen haben ihm großen Gegenwind entgegengebracht innerhalb der Fabrik. Und sein Schwiegervater war sowieso nicht so gut auf ihn zu sprechen, wegen dieser ganz anderen Geistesart, die der Schwiegersohn eben hatte. Und das ist etwas sehr Typisches für Carl Graf von Keyserlingks Leben, dass er immer im Konflikt mit dem direkten Umfeld irgendwie zu tun hatte. Das ist wie so ein Motiv, was sich durchzieht von Anfang bis Ende. Sein eigener Bruder Robert ist Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes, also des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes. Und die beiden liefern sich öffentliche Auseinandersetzungen im Gewerkschaftshaus in Breslau oder Fachanstalt. Und der Schwiegervater macht ihm eben das Leben auch nicht leicht.

Und jetzt ist es so, dass durch die Arbeit mit Rudolf Steiner dieser Carl 1920 berufen wird, um die Güter des kommenden Tages in Baden-Württemberg zu beraten. Der kommende Tag ist, nachdem die Dreigliederung des sozialen Organismus im großen sozialen Gefüge gescheitert ist, ist es ein Versuch, die Dreigliederung auf Wirtschaftsebene in die Welt zu bringen. Und es sind einige Unternehmen und eben auch landwirtschaftliche Güter dabei, die mit Rudolf Steiner zusammen diese Dreigliederung des sozialen Organismus zu verwirklichen versuchen. Und Carl berät nun diese Güter und ist eben viel auch in Baden-Württemberg. Und da kann man schon sehen, wie leise diese karmischen Stränge sich entwickeln, die nachher zum landwirtschaftlichen Kurs führen. Denn zum Beispiel begegnet er Immanuel Vögele auf der Guldesmühle, der da als Landwirt arbeitet. Und sofort entsteht ein Austausch. Wir haben Albrecht Strohschein, der im kommenden Tag in Stuttgart im Büro arbeitet, der dann später die Heilpädagogik begründen wird. Also man sieht, das kommt schon so langsam in Kontakt.

Und nun sprechen sie ja auch über die Rolle, die Carl, also Rudolf Steiner und Carl, eben die er in der Firma hat. Und dann sagt Rudolf Steiner, er solle auf Ressorttrennung drängen. Also dass er wirklich in der Landwirtschaft handlungsfähig ist und nicht jedes Mal alles immer mit allen und so. Und dann ist er in Stuttgart, Sie besprechen das nochmal, und er ist auf dem Weg nach Berlin zu einer Vorstandssitzung, wo er das nochmal vorbringen wird. Und er weiß schon, das wird eine haarige Nummer werden. Aber er ist voller Vertrauen zu Rudolf Steiner, und im Gehen reicht Rudolf Steiner ihm einen Zettel. Und er steckt den einfach in seine Aktentasche und fährt ab. Dann guckt er dann an im Zug, und was ist denn das? Das ist ein Anstellungsvertrag als Leiter der Güter des kommenden Tages. Der wundert sich ein bisschen, weil sie ja gar nicht darüber gesprochen hatten, was soll das jetzt werden und wie soll das sein. Er hat es aber hingenommen in seine Aktentasche, er kommt in Berlin an, er drängt auf die Ressorttrennung, und dann sagt der Vorstand, das machen wir nicht. Und er könne eigentlich auch direkt seinen Hut nehmen und das Unternehmen verlassen. Und dadurch zückt eben dieser Carl diesen Anstellungsvertrag, den er in seiner Tasche hat, und sagt, weil das vorauszusehen war, habe er schon eine andere Anstellung angenommen, nämlich in Baden-Württemberg und so weiter. Und dann sind die so erstaunt, so erschüttert diese Vorstandsmitglieder, dass sie sich zurückziehen, das beraten und ihm dann wieder seine Arbeit geben und auch Ressorttrennung zustimmen. Also wo er merkt, in dem absoluten Vertrauen in Rudolf Steiner können Sachen auf einmal geschehen, die vorher bis dato undenkbar waren.

Die Entlassung und der Generalstreik 00:11:00

Das ist aber noch nicht ausgestanden, die ganze Nummer, weil der Schwiegervater, also ihr müsst euch vorstellen, Schlesien war damals die Wiege der Zuckerproduktion. Der Aufstieg Preußens basiert auf diesem Zucker. 40% des europäischen Zuckers wurden in den 1880er Jahren aus dem Deutschen Reich nach Europa exportiert. Und diese Menschen, die da große Güter haben, die sind da, weil eben die Landbevölkerung zu absolut prekären Verhältnissen schuftet, der Boden billig ist, das Grundwasser ansteht, also genug Wasser für die Zuckerproduktion da ist, und dann kaufen die sich quasi ordentlich Landbesitz. Mit der Zeit wird es aber auch da dann so, dass obwohl die große Güter haben, es Sinn macht zu fusionieren. Und deswegen kommt es zu dieser Fusion der Güter der Familie vom Rat, Schoeller und Skene, das ist der Schwiegervater, die alles zusammenlegen, was sie besitzen, und eben dann auf 7500 Hektar kommen. Und da geht es eben um ganz andere Dinge, da geht es um richtig Geld verdienen, da geht es nicht um sozial und nett und so, das wollen die gar nicht, ja. Und der hat eben einen sehr schweren Stand die ganze Zeit.

Und nun geht es so weit, dass der Schwiegervater, der eben der Hauptaktionär sozusagen ist, oder der, der am meisten eingebracht hat, dass der eigentlich sagt, Carl, du mach erstmal ein halbes Jahr Pause, geh mal weg. Und das macht er auch, und dann ist er in Stuttgart, und sie machen einen kommenden Tag und essen da eben ganz viel. Und dann ist es aber auch so, dass sie damit erstmal ihr Einkommen nicht mehr so haben. Also sie erhalten Aktienbesitz aus dieser Familien AG, die Grafen von Keyserlingk, aber diese monatlichen Zuwendungen aus seiner Stelle, also das fällt weg. Und auf einmal sind sie aus einer sehr gut situierten Situation in eine Armutssituation geraten. Also sonst sind Johanna und Carl immer mit dem Auto gefahren, wenn sie in Stuttgart angekommen sind. Und jetzt laufen sie die Straße entlang mit einem Kofferträger, der den auf so einen Karren schiebt, und die gehen in so eine billige Absteige. Also es ist wirklich auch eine Situation, wo es krisenhaft ist, familiär gesehen.

Und dann ist das halbe Jahr um, und dann schreibt der Schwiegervater einen Brief und sagt, Carl, du brauchst gar nicht mehr wiederkommen. Und dann zeigt Rudolf Steiner den Brief, und der liest es ja mal so ganz gewissenhaft durch, und sagt dann, es ist nicht sehr freundlich, aber fahren Sie ruhig zurück. Der sagt ja, Herr Doktor, das ist ja eine Unmöglichkeit, das kann ich nicht machen. Doch fahren Sie ruhig zurück. Und er fährt zurück, in vollem Vertrauen in Rudolf Steiner, fährt zurück und kommt in Koberwitz an. Und dieses Gut Koberwitz, da haben sie sehr lange drum ringen müssen, es überhaupt zu bekommen. Also seit 15 Jahren haben sie versucht, einen Landsitz auf dem Land zu erhalten, weil es ja für ihn viel einfacher ist, es liegt ja alles südlich von Breslau, diese ganzen Güter. Da dann zu wirken, das wollte der Schwiegervater nie, und hat es immer verweigert. Da musste er immer von der Stadtwohnung aus, oder den Stadtwohnungen aus, das alles managen. Und die haben auch das Gut Koberwitz bekommen, als Wohnsitz, also als, wie soll man sagen, als Berufswohnsitz, eigentlich durch die Hilfe Rudolf Steiner am Ende des Tages. Und das ist 1920, ziehen die da ein, und in dieser Zeit begegnet das auch eben diese Situation, dass er weggeschickt wird. Und jetzt kehrt er zurück und alles ist weg. Also, keine Autos mehr im Schuppen, kein Chauffeur mehr, keiner Mitarbeiter mehr, kein Geld mehr, keine Naturalien von den Gütern, alles nicht mehr da. Und er ist aber ja in völligem Vertrauen in Rudolf Steiner und setzt sich in den Zug, der so viertel Stunde fußläufig eben von Koberwitz Bahnhof aus fährt nach Breslau, setzt sich in sein Büro. Und den ganzen Tag über kommt niemand rein, kein Telefon, kein Zettel, gar nichts. Die sind alle instruiert worden, die Mitarbeiter in der Fabrik. Und er verbringt seine Zeit da und geht dann wieder zurück. Und das macht er drei Tage lang. Und am dritten Tag stürzt dann der stellvertretende Direktor herein und sagt, die Arbeiter haben den Generalstreik beschlossen, wenn er nicht sofort wieder in seine Funktion eingesetzt werden würde.

Dazu muss man sagen, Streiks waren damals ein probates Mittel der Arbeiterschaft, aber durch die Arbeit, die Carl eben mit den Mitarbeitern gemacht hat, hatten die dort niemals Streiks. Und er guckt eben raus aus dem Werkstor und es stehen 3000 Arbeiter da. Alle, nicht nur die landwirtschaftlichen, auch die der Fabrik. Und dann wird er wirklich in alle seine Funktionen eingesetzt und dann hat er wirklich Freiheit auch zu agieren innerhalb der Firma. Und es beginnt eine friedliche Zeit, die eigentlich bis nach dem landwirtschaftlichen Kurs anhält.

Die drei Strömungen zum Landwirtschaftlichen Kurs 00:16:08

So, und parallel dazu, also wenn wir jetzt nochmal zurückgehen auf 1920, ist es so, dass er da schon eigentlich die Idee hat, einen landwirtschaftlichen Kurs halten zu lassen von Rudolf Steiner, weil er sieht die unheimliche Fachkenntnis, die Rudolf Steiner in landwirtschaftlichen Fragen hat. Und der ist nun wirklich Profi, der Carl, und sagt zu seiner Frau, ich sehe gar nicht ein, warum die anderen Fachleute immer alle so gute Anregungen kriegen, warum wir das für unser Fachgebiet nicht bekommen sollen. Also da beginnt schon eine Idee eigentlich, einen landwirtschaftlichen Kurs zu halten. Die Zeit ist aber noch nicht reif.

Dann gibt es einen Sprung nach 1922 und dann gibt es eben weitere, man kann sagen, Strömungen oder Gruppen oder Menschen, die nach einem landwirtschaftlichen Kurs verlangen. Dieser Hinweis kommt von Ehrenfried Pfeiffer aus seinen Erinnerungen, dass er sagt, es gab drei Strömungen, die dafür gesorgt haben, dass der landwirtschaftliche Kurs gehalten werden konnte. Wir haben die Wollenströmung oder das Wirtschaftsleben im Sinne der Dreigliederung, wenn wir auf Carl Graf von Keyserlingk schauen. 1922 kommt das Fühlen dazu, in Person von Ernst Stegemann und das Rechtsleben innerhalb der Dreigliederung. Ernst Stegemann führt einen knapp 180 Hektar großen Pachtbetrieb bei Göttingen, Marienstein. Er hat festgestellt, dass die Qualität der Nahrungsmittel so eklatant nachlässt, dass man sich wirklich Sorgen machen muss. Er tritt auf Rudolf Steiner in Stuttgart hinzu und spricht mit ihm darüber. Dann gibt Rudolf Steiner ihm erstmal ein Gras an und die Saatgutmeditation und gibt ihm Anweisungen, wie man das machen kann. Dann fangen die sofort an auf Marienstein. Der Betrieb ist dann schon ohne Kunstdünger usw. Und sie machen Hornmistpräparat 1923 auf 1924. Nach Rudolf Steiners Angaben. Da sehen wir das Fühlen und das Rechtsleben als Strömung.

Und dann kommt das Geistesleben und das Denken noch dazu, das ist auch 1922, in dem ganz junge Wissenschaftler im Goetheanum, Wachsmuth und Pfeiffer, Rudolf Steiner fragen nach dem Wirken der Ätherkräfte. Das wollen sie gern erforschen und was sie da machen könnten, um das zu erforschen. Dann machen die ganz spannende Gespräche. Unter anderem sagt er zu ihnen, machen sie mal Präparate. Und dann geht es sofort los. Mit einer Blase zu oder mit Wachs, wie soll man das machen? Das geht sofort ganz technisch. Und dann machen die auch, zeitgleich mit Stegemann, Hornmistpräparate. Also vor dem landwirtschaftlichen Kurs werden schon Dinge erprobt.

Für die gesamte anthroposophische Bewegung ist es nun so, dass wir 1922 eben den Brand des Goetheanums haben. Also eine ganz massive Zäsur eigentlich. Und das Jahr 1923 ist damit ausgefüllt, dass Rudolf Steiner eben das wieder in neue Bahnen bringen muss. Das endet mit der Weihnachtstagung, die einen neuen Zug, die eine ganz neue, die Anthroposophie auf ganz neue Beine eigentlich stellt. Deswegen sagt er, wenn er den landwirtschaftlichen Kurs hält, es ist ja seit, auch wenn es schon lange gewünscht ist, das erste Mal, dass ich aus dem Schoße der Anthroposophie. Das heißt, das erste Mal nach der Weihnachtstagung. Weil es gibt ja schon landwirtschaftliche Anregungen, 1922 auch in Vorträgen. Sachen, die er schon im Kurs wiederholt sozusagen, die sagt er da schon. Ich würde jetzt zu weit führen.

Und dieser Rudolf Steiner ist da eben, ihr könnt euch das vorstellen, wahnsinnig beschäftigt. Aber wenn die im Frühjahr 1924 nun das Hornmistpräparat ausgraben, im Sonnenhof, im Garten des Sonnenhofs in Arlesheim, dann ist ihm das so wichtig, dass er da hinkommt. Also da kann man noch mal sehen, was das für eine Dimension hat. Dass der dafür da hinkommt, ich meine, die machen da so ein Experiment, könnte man äußerlich denken. Das geht ja viel tiefer und deswegen kommt er da hin. Und dann ist so ein Klassiker, die haben da nicht richtig markiert, wo die Hörner waren und dann buddeln die erst mal da los und die finden die nicht. Und Rudolf Steiner steht dabei, ihr könnt euch das vorstellen. Also da was hat er? Die haben geschwitzt, also 100%. Und die buddeln und buddeln und er ist dann schon auf dem Weg zum Auto. Er ist dann schon so krank auch, dass er nicht mehr läuft. Der ist ja sonst immer gelaufen auf dem Hügel. Er wird gefahren in so einem kleinen Ford T zum Fahrer. Und er ist auf dem Weg zum Auto und dann, so beschreiben die das, stößt der Spaten glücklich auf ein Horn. Oder mal so. Und dann setzen sie sich da hin und dann lässt er Wasser kommen und dann zeigt er denen, wie man rührt mit so einem Spazierstock von dem einen von denen. Und dann wechseln die sich ab und rühren das erst mal zusammen Hornmist. Was für ein Moment eigentlich.

So und diese drei Strömungen braucht es eigentlich, damit der landwirtschaftliche Kurs gehalten werden kann. Also wir brauchen das, was den Menschen ausmacht, das Fühlen, das Denken und das Wollen gleichermaßen. Und zwar in drei Strömungen, die repräsentiert werden von Leuten, die da drinstehen in der Strömung und im Leben stehen. Denn es gibt ganz viele junge Landwirte, die wollen allen landwirtschaftlichen Kurs. Es gibt so eine kleine Arbeitsgruppe in Breslau von Landwirtschaftsstudenten, die schreiben dem Rudolf Steiner immer wieder, dass sie einen Kurs wollen. Und er sagt immer, es ist noch nicht so weit, erledigt erst mal diese Aufgabe. Dann machen die die Aufgabe und sagen so jetzt aber, sagt er, das ist noch nicht so weit, nehmt mal diese Aufgabe und die machen. Und es ist immer wechselnde Besetzung. Aber es sind doch dann auch welche, die das so durchtragen. Und diese Menschen werden nachher wichtig, wenn die Bewegung sich in die Welt entwickelt. Aber in dem Moment, wo der landwirtschaftliche Kurs gehalten wird, sind sie noch nicht fähig, den zu tragen. Es ist so ein bisschen wie, wenn jemand im ersten Lehrjahr auf den Betrieb kommt und ganz gute Ideen hat, die auch sicherlich uns auch erfrischen und so weiter. Aber wenn man den jetzt loslassen würde, dann würde es chaotisch werden ein bisschen, oder? Ihr könnt das so ein bisschen nachvollziehen. Also die werden nachher ganz wichtig als Impuls, aber in dem Moment braucht es eben die Menschen, die schon in der Strömung stehen.

Der Landwirtschaftliche Kurs und die Zeit danach 00:22:25

Und nun wird der landwirtschaftliche Kurs gehalten. Also der Aki fährt dann zur Weihnachtstagung, holt den Termin, dass es Pfingsten sein wird. Die bereiten alles vor. Die machen eine anthroposophische Tagung über zwölf Tage in Breslau. Ein Riesending. Der landwirtschaftliche Kurs morgens, Patienten, Begutachtungen, hunderte Leute mit Fragen, Eurythmie-Aufführung, Theater, abends dann in Breslau Karma-Vorträge. Also Rudolf Steiner kommt schwergezeichneter an und lebt über die Tagung wieder auf. Also die Menschen sind ganz erschreckt, als er kommt, aber sehen dann auch, dass er, weil er bemerkt, dass da wirklich etwas ganz Wesentliches passiert und er wirklich einen Resonanzkörper hat in den Menschen, die da sind, dass da Kräfte kommen. Und ich habe jetzt in 24 Mal nur zu den Originaldaten, morgens den landwirtschaftlichen und abends den Karma-Vortrag gelesen. Also ich bin echt geübt. Aber das war die härteste Aufgabe bisher. Ich habe es fast nicht geschafft. Und das waren ja jetzt nur die beiden Vorträge jeden Tag. Das Ganze dazwischen habe ich ja gar nicht gehabt, wie die das hatten. Unfassbare Leistung.

So, und nun geschieht etwas ganz Wesentliches bei dieser Tagung. Man kann nämlich mal darauf aufmerksam werden, dass der landwirtschaftliche Kurs eine sehr eigentümliche Gliederung hat. Wir haben ja sonst immer, dass er jeden Mittwochen Vortrag hält oder am Stück zwölf oder wie auch immer. Beim landwirtschaftlichen Kurs haben wir einen am Pfingstsamstag, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, ohne landwirtschaftlichen Vortrag, aber Karma-Vorträge am Abend und dann sieben Vorträge am Stück. Während dieser Zeit beginnt am Pfingstsonntag ein ganz wichtiger Prozess, den wir nachher noch vertiefen werden, nämlich die Begründung der anthroposophischen Landwirtschaftsbewegung, indem sie den Versuchsring begründen. Das ist der Begründungsmoment. Wir werden da später noch weiter drauf und tiefer drauf schauen.

So, aber das ist sehr konfliktreich. Da streiten sich nämlich Stegemann und Carl Graf von Keyserlingk während dieser Versammlung und die streiten sich so, dass sie sich mit kräftigen landwirtschaftlichen Ausdrücken entgegenfahren. Rudolf Steiner hatte die Frage, ob er Dr. Lutz Engel mit dem Verbandskasten rufen sollte. Also die haben sich richtig gestritten, richtig doll. Und zwar ging es darum, dass Stegemann nicht so erklären konnte, was er für Versuche gemacht hat. Also der Carl war dann nachher richtig sauer. Der hat gesagt, sagen Sie mir nochmal, was Sie jetzt geerntet haben, wie groß waren die Parzellen und so weiter. Das kann der aber gar nicht. Und darüber kommen die richtig in Streit. Und es geht so weit, dass Carl sagt abends, ich beantrage den Schluss der Tagung. Und dann wäre der landwirtschaftliche Kurs nach dem ersten Vortrag nämlich zu Ende gewesen. Weil er ist der, der alles finanziert, der alles und so weiter. Der Streit entsteht nicht, weil Ernst und Carl sich nicht leiden mögen. Die mögen sich und die kennen sich auch und die haben sich auch besucht und so. Sondern es kollidiert das Wollen in der Person von Carl mit dem Fühlen in der Person von Ernst Stegemann. Und die streiten sich, weil die einen Strömungskonflikt haben. Gar nicht mal einen fachlichen, sondern einen Strömungskonflikt. Und das ist etwas, was wir natürlich auch sehr gut kennen in unserem ganz normalen sozialen Leben. Und darauf aufmerksam zu werden, das ist so eine Frage der Zeit heute. Aber die schaffen das. Wir werden es später noch vertiefen.

Und nun wird danach dieser Versuchsring begründet und Carl übernimmt den Vorsitz. Und jetzt ist es ja so, dass Rudolf Steiner im September 1924 seine letzte Ansprache hält und sich dann ins Krankenlager begibt. Und am 30. März 1925 verstirbt. Und Rudolf Meyer, der Priester in Breslau ist, ist zusammen mit Carl Graf von Keyserlingk, als diese Nachricht eintritt. Und nach der ersten Erschütterung sagt Carl dann zu dem Rudolf Meyer: Für mich gibt es jetzt nur noch diese Arbeit.

Und dann beginnt etwas am Ende seines Lebens, das wir heute über den Tag kennenlernen werden. Dass er erst mal 1926 die operative Leitung der Güter niederlegt, die abgibt an jemanden, der ihm auch sehr feindlich gesonnen ist, an Professor Burg, der mit ihm im gleichen Schloss Koberwitz haust. Und dieser Professor Burg sollte auch zum landwirtschaftlichen Kurs kommen und da hat Rudolf Steiner gesagt, wenn dieser Mann kommt, dann kann ich nicht sprechen. Dann haben sie den wieder ausgeladen. Aber ihr merkt schon, es ist wieder so ein Konflikt. So ist es immer bei dem. Das übergibt er an den.

Und dann ist es so, dass sie 1927 Koberwitz verlassen, weil sie eigene Güter gekauft haben. Die Brüder von der Johanna, nachdem der Carl Skene, der Vater, 1926 stirbt, die prozessieren gegen vom Rat, Schoeller und Skene, um das Geld, die Einlage des Vaters, wieder rauszuklagen. Und die gewinnen den Prozess und die Firma muss die auszahlen. Wir sprechen von Millionen. Und das machen sie, indem sie die Aktien an Südzucker verkaufen, die Firma, und die Brüder werden ausgezahlt und Johanna kriegt eben auch das Geld. Und von diesem Geld kaufen sie Sasterhausen und Raaben, zwei Güter gar nicht weit.

Und 1927 im Winter ziehen sie um. Und dann ist 1928, wird dann alles da eingerichtet und so weiter. Und Carl legt dann, dann kommen wieder Konflikte innerhalb der Bewegung, wir gucken das später nochmal an, Konflikte innerhalb der Bewegung, so dass Carl dann 1928 den Vorsitz niederlegt. Vielleicht kommen sie dadurch zu Bewusstsein, sagt er. Und dann ist im Dezember 1928 sein Erdenleben beschlossen und er stirbt am 28. Dezember.

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