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Koexistenz von Biene und Milbe ermöglichen - ein Vortrag von Johannes Wirz, 2026
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Transkription des Vortrags vom 15. Januar 2026
Einführung und Herausforderungen der Imkerei 00:00:25
Okay, dann kommen wir zum letzten Teil und ich würde gerne in diesem Teil ein paar Dinge sagen über Gesundheit und Krankheit bei den Bienenvölkern. Und ich werde nicht über alle die verschiedenen viralen Erkrankungen sprechen, die Bakterienerkrankungen, sondern ich möchte zwei Dinge sagen über sogenannte Neozoen, also eingeschleppte Tiere, mit denen wir in der Imkerei zu tun haben. Ich werde mich länger mit der Varroamilbe beschäftigen und werde gleich erzählen, weshalb und würde gerne ein paar Worte sagen zu der Asiatischen Hornisse, Vespa velutina, die 2004 in Bordeaux gelandet ist und erstaunlich, also eine oder zwei Königinnen kommen an, wandern jedes Jahr 20 bis 40 Kilometer nach Osten, sind jetzt bei uns voll angekommen und niemand weiß, was man dagegen machen kann und ich weiß, dass die Bienen lernen müssen, mit dieser Vespa umzugehen und vielleicht Vögel, die auch mal Vespa und Hornissen fressen, können da mithelfen.
Aber da würde ich etwas sagen und das zweite Milbe ist so, ich komme ins Alter und habe beschlossen aufzuhören mit Behandeln, weil spätestens, wenn ich in den Rollstuhl oder Rollator zu den Bienen gehe, kann ich nicht noch Ameisen scheuern und so transportieren, viel zu gefährlich. Also ich habe beschlossen aufzuhören, habe einen Stand, wo ich nicht mehr behandle, in Frankreich und habe im November eine große Konferenz gemacht zu diesem Thema behandlungsfrei. Und ich möchte hier ein paar Dinge erzählen aus dieser Konferenz und vor allem, das ist natürlich jetzt bei euch ein bisschen schwierig, es sind keine Imker dabei, dass wir selber mit Augen sehen können, ob Völker in der Lage sind, mit der Milbe umzugehen oder nicht. Das ist ein bisschen das Thema und da wird jetzt gefilmt, weil letztes Jahr habe ich da ein paar Teile zu diesen Krankheiten nicht drin gehabt und jetzt starten wir einfach.
Okay, wir sind ja in einer Situation heute, wo wir zwar vom Gesundheitswesen sprechen, aber doch eigentlich der Meinung sind, es geht um ein Krankheitswesen. Also wenn ich sehe, wie bei uns in der Schweiz die Krankenversicherungskosten durch die Decke rocken, ist das ja unglaublich. Spannend wird es sozialwirtschaftlich dann, wenn die Menschen krank werden. Da kann man teure Medikamente verkaufen, teure Eingriffe machen und so weiter und so weiter. Und ich meine, am Anfang müsste eigentlich stehen, wie können wir leben, ernähren, vielleicht psychisch etwas unternehmen, dass wir gar nicht in diese Fälle der Krankheit hineintappen.
Voraussetzungen für gesunde Bienenvölker 00:03:51
Und ich glaube, dass genau dasselbe ist natürlich bei Bienen auch der Fall. Und ich habe da einfach geschrieben, was sind Voraussetzungen, damit Bienenvölker gut und gesund gedeihen. Und das sind verschiedene Punkte, dass eine Tracht, Tracht heißt in der Imker Sprache Blüten, die vor allem Nektar und Pollen bringen, also dass die gut genährt sind mit Nektar und Pollen und dass sie für den langen Winter eben diese sechs Monate, fünf Monate genug in der Kiste haben, um ohne Zuckerwasser den Winter zu überstehen. Und man kann sagen, ja, also es gibt Bienenwissenschaftler in Deutschland, die behaupten, das beste Futter ist Zucker. Und ich habe denen mal gesagt, esst mal sechs Monate nur Kartoffeln und dann schau, wie du drauf bist. Weil es ist absurd. Diese Meinung ist einfach absurd. Und wir müssen dahin arbeiten, eben zu gucken, dass der größere Teil oder ein Teil der Wintervorräte eben der Honig ist, den das Volk den Sommer über gesammelt hat.
Dann ist wichtig, Wetter und Klima und auch das Beutenklima. Und da gibt es natürlich bekannte Faktoren, die man berücksichtigt, dass ein Flugloch sollte nie nach Nordosten gerichtet sein. Weil dort kommt, ich weiß nicht, ob das in Deutschland auch Bise heißt, dieser Nordostwind von Sibirien, eiskalt und wenn er die permanent in die Flugloch bläst, dann hat das Volk riesen Probleme, überhaupt die Wärme zu halten. Dann Witterung, eben viel Regen oder viel Trockenheit führt immer zu einer Notsituation. Wir können natürlich wenig machen, wenn die Bienen dann über Tage nicht rauskommen. Und um euch einfach eine Idee zu geben, ein großes Volk braucht pro Tag 300 bis 500 Gramm Honig. Wenn ein Volk also 10 Tage nicht fliegt, sind zwischen 3 und 5 Kilogramm Honig weg. Wenn es drei Wochen nicht fliegt, ist das Volk wahrscheinlich gestorben, wenn wir nicht eingreifen. Und das letzte Beutenklima, da habe ich in der Vergangenheit, ich muss gestehen, bis jetzt zu meiner Schande, immer ein bisschen gelästert, Beuten isolieren, Böden einbauen usw. Und jetzt habe ich gelernt, dass gut isolierte Beuten vielleicht für die Bienen okay sind, weil sie weniger heizen müssen, aber interessant, weil wenn die Isolation stimmt, ist die Wintervorrat kann um 3 bis 5 Kilo reduziert werden. Also das heißt, wir haben ein Problem mit Blüten, aber wir haben auch ein Problem mit Wohnungen, die einfach verlangen, dass man mehr Honig verstoffwechseln muss, um die Wärme zu halten. Und ihr merkt, da kommen so verschiedene Aspekte zusammen. Und ich bin jetzt dran, bei mir aufzuschauen, kann ich besser isolieren, weil wenn ich 3 Kilo oder 5 Kilo weniger Zucker reinfüttern müsste, würde ich bei den meisten Völkern sie auf ihrem eigenen Honig überleben lassen können im Winter.
Dann Volksstärke, ihr erinnert euch daran, dass das Bild mit diesen einen grünen Balken, 4 grüne, also 40 und 160 Liter Beuten, es ist klar, dass ein riesiges Volk noch mehr Vorräte braucht, als ein kleines, dass ein riesiges Volk mit einem großen Brutnest viel mehr Krankheitskeime und Parasiten mitzüchtet, als ein kleines und so weiter. Also da ist die Frage nicht maximale Größe, sondern die Frage müsste in Zukunft lauten, was ist die optimale Größe? Und bei Optimum, das wissen wir alle, das ist nicht eine Sache, die man einfach so setzt, sondern ist je nach Ort, je nach Situation und so weiter, liegt das Optimum immer an einem bisschen anderen Ort. Das heißt, in Beziehung treten, gut beobachten, ist das A und O, um dort weiterzukommen. Und um euch noch ein Bild zu geben, was Optimum und Maximum bedeutet, bei Milchkühen auf Rauhfutterbasis ernährt, also Gras und Heu, was ist die Milchmenge pro Jahr? Milchbau, ganz ohne Kraftfutter, also auf ihrer eigentlichen Nahrung, 6000, 5000 Kilo, mit Kraftfutter. Ja, also 13.000? 13.000, ja, es gibt wahrscheinlich, weil ihr Stahlwerk sicher aufbaut und die noch höher gehen. Aber man merkt, das ist ein Faktor zwei. Und jetzt, das ist spannend, in der Schweiz hat man gemerkt, diese Ausrichtung auf maximale Leistung bringt an einem anderen Ort Probleme. Also bei uns sehr viel Mastitis und große Probleme bei der Aufzucht von Kälbern, also Reproduktionsschwierigkeiten. Und die Bauern fangen an, Gesundheitskosten vom Tierarzt gegen Milchleistung zu halten und merken, eventuell wäre weniger Milch, würde auch heißen, weniger Kosten für die Gesundheit der Kühe. Und Optimum heißt für mich, in einem Bereich sein, wo man auf die eine Seite schwanken kann und auf die andere Seite, also zu viel oder zu wenig, gleicht man gut aus. Wenn man immer im maximalen Bereich lebt oder arbeitet, dann sind kleine Veränderungen oft fatal, machen krank oder führen sogar zum Vergehen von einem Tier oder Pflanze. Also das finde ich noch zentral.
Imker, Genetik und Mikrobiom 00:10:22
Standort, darüber könnte man lange sprechen, lassen wir weg. Und dann, Imkerin ist Teil des Standorts. Und ich kann euch sagen, wenn ich die Imker sehe, wir haben ja diese Lederhandschuhe, die sind heute so dick, da geht kein Stachel durch. Und man arbeitet auch mit so einem Handschuh oft anders, als wenn man mit bloßen Händen dran geht. Und dann stechen die Bienen da wie verrückt in den Handschuh. Beim nächsten Besuch riechen die schon, bevor man überhaupt eine Wabe gezogen hat. Kennen wir doch, da kommt der Feind, weil das alles nach dem Gift stinkt. Und kaum ist man ein Bienen, kommt wieder diese Stress und Aggressivität hervor. Also da kann man einiges machen, sorgfältiger Umgang, respektvoll, liebevoll und vielleicht, ich erinnere mich, auch ein bisschen einstimmen, runterfahren. Weil was die Bienen merken, ist die persönliche Verfasstheit des Imkers. Also die Angst vor Stichen befördert Stiche. Das Gespannte muss sich jetzt auch noch bringen, dank dem Stress, den man als Imker mitbringt, in die Völker hinein. Also eine Art imkerliche Selbstschulung ist wichtig. Und ich habe schon gespottet, dass es in Deutschland Untersuchungen an 3000 oder 5000 Völkern jedes Jahr gibt. Es wird nie gefragt, wer steht als Imker oder wie steht der Imker hinter diesen Völkern. Also etwas klammern wir aus, als ob sie alle perfekt wären. Und ich bin überzeugt, ein paar der Probleme, die wir haben, mit unseren Völkern hängen, mit der Art, wie wir mit den Völkern zusammenarbeiten.
Und dann kommt ein wichtiger Punkt. Wesensgemäß ist entstanden, nach dieser Frage, zur künstlichen Königinnenzucht. Und eine Sache ist ganz sicher, die künstliche Königinnenzucht und die künstliche Rindviehzucht schmälert die genetische Breite bei Rind und bei Bienen massiv ein. Das wissen alle. Und wir haben heute ein Programm in der Schweiz stark subventioniert, um die dunkle Biene, die früher einheimisch war, zu erhalten. Und das größte Problem, das diese Züchter haben, ist genetische Vielfalt. Und dann muss man alle Pötte aus Frankreich oder aus Deutschland oder von irgendwo, wo noch andere dunkle Bienenzüchter sind, Königinnen, man spricht dann von Zuchtmaterial, importieren, um diese Breite zu gewährleisten. Also ganz zentral, dieser Standbegattete ist wichtig, um eine Vielfalt genetisch zu halten. Das zweite, ich habe es auch schon erwähnt, wie Pflanzen und andere Tiere auch, passen die sich, wenn sie länger an einem Ort sind, diesem Ort an. Und ich habe ja nicht viel Gärtnererfahrung, aber das ist mir nie aus dem Kopf gegangen, ich liebe die Strauchdienstrosen. Und da gibt es einen Züchter, der macht geniale Dinge, kauft man für 100 Franken so einen Strauch. Erstes Jahr mickrig, zweites Jahr mickrig, drittes Jahr mickrig, man denkt, weg. Und plötzlich, nach vier oder fünf Jahren, ist er angekommen, wächst und blüht. Und ich denke, das ist so eine Art Zeitspanne, die es braucht, um ein Lebewesen an einen Ort anzupassen. Zweite Geschichte, ich habe angefangen zu imkern, damals, vor vielen, vielen Jahren, an einem verlassenen Weinberg im Südschwarzwald. Ich habe Völkerschwärme bekommen von Thomas Radetzki, Ingenieur von Stuttgart, und mein Sohn musste mit dem IC die beiden Schwärme holen, weil ich keine Zeit hatte. Und es war ein schönes Erlebnis, der pubertierende Zug mit seinem, damals waren es noch Discman, die man da rumgetraten hat, und die Leute waren nicht erschrocken, sondern erfreut. Und dann habe ich die auf diesem Weinberg aufgestellt, pralle Sonne, keine Bäume, und in den ersten Jahren nur Schwärme, nur Schwärme, nur Schwärme. Und ich habe gedacht, ich höre auf, macht keinen Sinn. Und dann auch, vielleicht im dritten oder vierten Jahr, Spuk vorbei. Ich hatte nie gelernt, mit dieser heißen Situation im Sommer umzugehen, und die Schwarmfreudigkeit war nicht größer als bei Nachbarn im Dorf, die ihre Kästen unter den Bäumen stehen hatten. Also man merkt, diese genetische Vielfalt ist wichtig, und auch die Möglichkeit der Völker, sich an den Ort anzupassen. Und darum sehe ich auch das Wandern mit Völkern immer ein bisschen kritisch. Obwohl ich niemandem das verbieten würde. Aber es ist kein gutes Zeichen, wenn das Volk schwärmt? Ist das nicht ein Zeichen für deren Gesundheit? So hatte ich das eben verstanden. Ja, sowohl als auch. Aber wenn es dann jedes Jahr mit einer einjährigen Königin schon wieder schwärmt, dann wird es schnell zu warm, oder ich weiß auch nicht. Aber das hört dann eben auf.
Und dann möchte ich noch etwas zu Mikrobiomen sagen. Ich glaube, und das wisst ihr als Demeter-Landwirt oder Landgehende wahrscheinlich besser als ich, dass die Vielfalt an Bakterien im Boden, oder die Vielfalt an Mikroben in unserem Darm, die ja anders sind als im Mund oder auf der Haut und so weiter, zentral sind für Gesundheit, Resilienz, Widerstandskraft und so weiter. Und wenn ihr mal Gelegenheit habt, lest einen Artikel von Jürgen Fritz, Uni Bonn und Witzenhausen. Und die konnten nachweisen, dass in diesen Feldpräparaten, im Hornmist-Präparat, Bakterien drin sind in geringer Menge, die dann auch ausgebracht werden, also homöopathisch, aber das Wachstum anderer Bakterien, die dann sogenannte Konsortien bilden, positiv beeinflusst. Und eine Botschaft, und das schließt an das an, was wir heute Morgen gehört haben, in Demeter-Böden gibt es eine Art Kooperation zwischen den Mikroben. Also Riesenvielfalt und Kooperation, das ist natürlich ein bisschen statistisch gesagt, wenn die Bakteriensorten A, B, C vorkommen, sind E, F, G auch immer dabei. Das heißt, die brauchen einander. Im konventionellen Böden, Vielfalt wahnsinnig gering, und dort ist von diesen wenigen Bakterien Herzkompetition, der Stärkere überlebt, der Schwächere verschwindet. Also ihr merkt, es ist sozusagen ein Bild, ein bisschen auch eine Landwirtschaft, ich mache es so und alles andere muss weg, oder wir machen es zusammen.
Und Mikrobiome gibt es bei den Bienen auch, und da kann man sehen, dass Pestizide, Herbizide usw. Mikrobiome sofort verändern, in kürzester Zeit. Und etwas, was für mich so magisch ist, jedes Mal bei der Metamorphose, geht das ganze Mikrobiom der Larve verschwindet, und die Bienchen werden geboren mit keinem Bakterium im Bauch. Und sie bekommen ihr Mikrobiom, es ist sehr reduziert im Vergleich zu Säugetieren oder Menschen, bekommen sie im Laufe der Ernährung. Und jetzt die Quizfrage, wie schaut das Mikrobiom der Königin aus, die ein Leben lang vom frühesten Stadium bis ans Lebensende immer nur Gelee Royal bekommt. Bitte? Armselig. Es ist ein bisschen so, wie wenn wir nur Fast Food essen, die Diversität geht zurück. Und das Positive, offensichtlich lebt die Königin gut, Umweltveränderungen wie Pestizide oder sonstige Gifte haben keinen Einfluss, weil die Bienen in ihren Drüsen offensichtlich nicht noch die Pestizide verarbeiten. Also es sind beide Seiten. Gesund, weil es immer konstant ist, aber mikrobiommäßig sehr bescheiden. Und das sind Dinge, die führen zu einer Gesundheitsmedizin. Wenn ich höre, iss sieben Tage Frischgemüse, dir wird dir noch besser als sonst etwas. Und du veränderst bereits messbar, nachweisbar dein ganzes Mikrobiom. Dann muss man sagen, in irgendeiner mittelfristigen Zukunft wird man Gesundheit anfangen, über Gesundheit nachzudenken und nicht, was mache ich, wenn die Leute krank geworden sind. Obwohl Ernährungsinstitute wie Nestle oder wie heißt der in Holland, die interessiert daran sind, ihre Fertigprodukte weiterhin auf den Markt zu bringen, weil es ein profitables Geschäft ist. Also das zur Einführung. Auf diese Seite schauen und es hat mich schon einer angesprochen, vielleicht sind ja Krankheiten auch etwas Gutes. Und auf alle Fälle muss man sagen, haben sie in der Evolution immer Gutes bewirkt. Weil sie einfach die, die überlebt haben, gefordert haben, stärker, anpassungsfähiger, resilienter zu werden. Und es könnte sein, dass es bei uns auch so ist.
Asiatische Hornisse und Varroamilbe 00:21:10
Und jetzt kommen wir zu diesen beiden Parasiten. Der Erste, wenn ihr keine Fragen mehr habt, ist die Asiatische Hornisse. Ein sehr schönes Tier und ich habe sie mittlerweile hundertfach bewundert an meinem Bienenstand. Und wenn das Volk schwach ist, hat es keine Chance. Dann kommen die an, gehen alle rein und dann räumen die auf. Und rechts seht ihr ein sogenanntes Sekundärnest. Die Asiatische Hornisse, vom Verhalten her, bei mir im Bienenstand, ist nicht sehr verschieden von der Europäischen. Außer, dass sie ein bisschen frecher, näher an die Stöcke kommt. Und eben bei schwacheren Völkern eher und schneller drin ist, im Volkssinn, als die Europäische. Dann gibt es einen riesen Unterschied. Die Europäische Hornisse brütet Ende Herbst eine Handvoll Königinnen. Und dann verschwinden alle Hornissen, die Königinnen überleben. Und jede Königin beginnt im Frühjahr, wenn sie überlebt hat, selber wieder ein Volk aufzubauen. Das ist einer der Gründe, dass man sie früh im Sommer kaum sieht. Und erst gegen Herbst, wenn sie dann respektable Nester gemacht haben, mehr sieht. Bei der Asiatischen Hornisse gibt es hunderte von Königinnen, die in den Winter gehen. Deshalb ist diese Population auch so extrem explodiert. Und dann haben sie eine Strategie, dass sie ein sogenanntes Primärnest machen. Meistens auf einer Obstwiese in einem Baum. Und wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, ziehen sie weg. Sie lassen also alles zurück und gehen hoch bis zu 30 Meter in Bäume. Und machen dann solche Dinge. Die haben zum Teil fast einen Meter Durchmesser. Riesige Dinge. Und sind dann eben mit viel, vielen tausend Hornissen unterwegs im Vergleich zur Europäischen. Und dann eben mit viel, viel mehr Königinnen. Als die gekommen ist in der Schweiz, hat man sofort ein Programm gestartet. Da haben Experten mit Radartracking versucht, Hornissen am Bienenstand abzufangen. Antenne auf den Rücken geklebt. Und dann, so wie man Drohnen fliegt, einfach geguckt, wo gehen die hin. Dann natürlich 30 Meter Höhe, da kommt nicht mehr jeder hoch. Also brauchte man Fachleute, die Hebebühnen und weiß Gott was alles hatten. Fachleute, die mit den Hornissen umgehen konnten. Und dann hat man schon im ersten Jahr gemerkt, eine solche Aktion, und die ist nur etwa in ein bis zwei von drei Fällen erfolgreich, kostet 3.000 bis 5.000 Schweizer Franken. Und dann waren exponentiell, also 12, 130, 1.300 Hornissen-Nester gemeldet. In der Gegend, wo ich bin, kann man ausrechnen, was es kostet, um diese Nester alle zu entfernen. Also, let it be, das lassen wir. In Deutschland genau dasselbe. Und das heißt, es geht kein Weg dran rum. Die Hornisse ist nicht selber hergekommen, sie hat es per Zufall nach Europa geschafft. Und jetzt muss sie, wie die europäische Fauna, Tiere, von Vögeln bis Bienen lernen, damit umzugehen. Das ist meine Meinung, aber wenn ich das in einem konventionellen Imkergerät in Deutschland sage, dann Kopf ab. Also die sagen, was sollen wir jetzt tun, wir hören auf. Und ich bin der Meinung, starke Völker kommen wie so oft im Leben gut zurecht, bei Schwachen wird es kritisch oder dramatisch.
Und jetzt zum großen Thema Varroa. Es ist vor 40 Jahren, also Ende der 70er Jahre, genau dasselbe passiert, was jetzt passiert ist mit der asiatischen Hornisse. Da hat ein Bienenwissenschaftsinstitut in Deutschland die östliche Biene Apis cerana, Völker aus Indien, sage ich jetzt, nach Deutschland gebracht. Und mit diesen Völkern auch diese Varroa-Milbe. Apis cerana, die östliche Biene, geht seit Hunderten oder vielleicht Tausenden von Jahren problemlos mit der Milbe um. Und es gibt verschiedene Faktoren, die das Zusammenleben ermöglicht haben. Hier kam sie an, und durch unser Verschicken von Völkern und Königinnen hat sie sich 0,1 in ganz Europa ausgebreitet. Und in den 80er Jahren standen wir vor der Frage, was machen wir? Etwas dagegen, oder lassen wir es laufen? Der oberste Seuchenverantwortliche in Deutschland hatte, bevor er dieses Amt übernommen hat, bei Bayer gearbeitet. Und es ist ja ganz klar, was ein Bayermann vorschlägt. Und ich sage das jetzt nicht irgendwie herabsetzend. Die hatten natürlich unendlich viele Substanzen, die gegen Spinnentiere wirksam sind, also hat man gesagt, behandeln. Ich kenne den Mann gut, nach seiner Pensionierung hat er mal öffentlich gesagt, wir haben den falschen Entscheid getroffen. Also man hätte das laufen lassen müssen. Und bis jetzt hat man es nicht laufen gelassen. Und ich möchte ein paar Dinge zeigen, wo es doch ohne, dass man diese Milbe bekämpft, funktioniert.
Und zuerst aber noch eine Geschichte. Ich nenne immer die Milbe, das ist eigentlich das Frankensteinmonster, der Imker. Und es lohnt sich, das Buch von Mary Shelley mal zu lesen. Also ihr wisst es ja, Dr. Frankenstein setzt aus Leichenteilen ein Wesen zusammen, geht aufs Dach, blätschert. Damals war Elektrizität das A und O, sozusagen die Lebenserweckungskraft. Und dann lebt das Monster. Und dann drei Wochen, nachdem es endlich ein bisschen fitter, heiler geworden ist, geht es ins Dorf. In der Provence. Und ist erstaunt, dass alle Menschen wegrennen. Geht nach Hause und sagt, Dr. Frankenstein, was ist los? Ich mache niemandem was Böses, ich will nichts Böses, alle rennen weg. Sagt Frankenstein, du schaust eben nicht ganz genau so aus wie die anderen. Okay. Plötzlich merkt das Monster, dass Frankenstein selber Angst bekommt vor seiner Schöpfung. Und er überlegt sich ja dann, schicken wir das Monster nach Grönland oder machen wir noch ein weibliches Monster, damit die etwas zusammen zu tun haben. Und dann kommt die entscheidende Stelle. Das Monster merkt, dass da etwas im Gange ist und er sagt, es sagt, Herr Doktor, Sie haben mich geschaffen, Sie müssen mit mir zusammenbleiben. Also eigentlich ganz klar. Und wir haben in den 90er Jahren, das letzte Jahrhundert, uns gesagt, so kann man Gentechnik in der Landwirtschaft machen. Zusammenbleiben heißt, wer es produziert, also entwickelt und wer es anbaut, steht gerade, wenn etwas schief läuft. Und nicht einfach irgendwo irgendwas. Und ich denke, in dem Sinne ist die Milbe auch gekommen und wir müssen mit ihr verbunden bleiben. Ich will jetzt nicht sagen, ich liebe sie nicht. Ich finde es schöne Tierchen wie andere auch, aber wir müssen lernen, besser mit ihr zurechtzukommen. Geheißen in der ersten Stufe, nachdem Bayer und andere Agrarchemikalienhersteller mitgehabt haben, nach ein paar Jahren Resistenzen. Das ist klar, so reagiert die Natur. Die Demeter-Leute haben angefangen mit Säuren, aus zwei Gründen. Das eine war, dass Steiner sehr viel über Ameisensäure und Oxalsäure spricht, in verschiedenen Vorträgen auch bei den Imkern. Und das zweite ist, dass ein paar der Demeter-Pioniere auch Kollegen in Russland hatten, die auch mit der Milbe zu kämpfen hatten. Und die haben mal einem ein weißes Pulver mitgegeben und gesagt, probiert, dass es funktioniert. Das weiße Pulver war Oxalsäure. Und dann haben die Pioniere Ameisensäure und Oxalsäurebehandlungen erfunden, entwickelt und alle anderen haben gelacht. Politisch war die Situation in der Schweiz so. Alle Imker bekamen die damals Ciba-Produkte und Bayer-Produkte kostenfrei zur Milbekämpfung. Die organischen Säuren, Ameisen- und Kleesäure, mussten sie selber kaufen. Was nimmt man? Sparsam, Profitgier, man nimmt das, was gratis ist und braucht es, bis es nicht mehr funktioniert. Und der nächste Schritt, der dann stattgefunden hat, war der, dass Imker angefangen haben zu sagen, wir wollen auch keine Säuren mehr. Und dann einfach mit dieser ganzen Behandlung gegen die Milbe aufgehört haben. Zum Teil ohne genau hinzuschauen, einfach es gemacht. Und es hat funktioniert.
Und jetzt möchte ich euch zuerst die Milbe mal zeigen. So schaut das Tierchen aus. Und da könnt ihr sehen, das ist eine Milbe auf dem Pelz einer Biene. Oft verstecken sie sich unten, dann kann man sie aus dem Knie ziehen. Und manchmal sind auch zwei oder drei Milben sogar auf den Bienen drauf. Und man muss sich vorstellen, wir hätten also vier, fünf Kaninchen, die dann so machen. Das ist schon ein bisschen eine grausliche Vorstellung. Das ist ein Spinnentier, also mit acht Beinen. Und es ist relativ schlecht an unsere Biene angepasst. Und das will ich euch auch noch schnell zeigen. Und dann kommen wir zu der Milbebehandlung. Da haben wir so eine Grafik gemacht in diesem Buch, um aufzuzeigen, was passiert. Also egal, wenn wir mit Bienen arbeiten, müssen wir ein bisschen die Bienenbiologie kennen. Wenn wir mit Milben arbeiten müssen, müssen wir ein bisschen die Milbenbiologie kennen. Und die Milbe ist eine Brutkrankheit. Und ein Weibchen steigt kurz bevor die Zelle verdeckelt wird, also kurz bevor die Metamorphose beginnt, steigt sie in die Zelle. Und dann passiert die ersten 72 Stunden nichts. Also es muss ankommen, es muss ausreifen. Und dann beginnt es, Eier zu legen, das Weibchen. Das erste Ei ist immer ein männliches Ei. Und wir wissen jetzt, unbefruchtet. 30 Stunden später kommt das erste Weibliche, 30 Stunden später das zweite Weibliche. Und alles, was später kommt, kann sich nie zu einer fortpflanzungsfähigen Milbe entwickeln. Also es ist eigentlich ein ganz enges Fenster. Und wenn man es ausrechnet, kann man sagen, der Reproduktionserfolg ist 1,3. Also das heißt, auf drei Weibchen, die einsteigen, kommen vier raus. Man würde sagen, das ist nicht so viel. Aber wenn man das über das Jahr anschaut, kann man sagen, dass alle drei Wochen die Milbenpopulation im Volk sich verdoppelt.
Natürliche Abwehrmechanismen und Behandlungsfreiheit 00:33:59
Und jetzt hat man aber schon früh gesehen, was sind Verhaltensweisen, die der Milbenentwicklung, Populationsentwicklung entgegenwirken. Und das hier, das ist die wichtigste, natürliche. Mit Schwärmen erreichen die Völker immer eine Brutpause, und zwar in allen Einheiten. Der Schwarm, der auszieht, muss zuerst ein paar Tage lang Waben bauen, bevor die Königin wieder Eier legen kann. Und die junge Königin, die im Kasten zurückbleibt, braucht ungefähr 14 Tage bis vielleicht drei Wochen, bevor sie das erste Ei legt. Das heißt, Brutläufe von der alten Königin verschwinden, und bis die junge Königin legt, ist einfach ein großes Fenster, wo keine Brut vorhanden ist. Und ich habe in einem Projekt in der Fischermühle angeschaut, wie viele Milben nehmen dann Schwarm mit, mit der alten Königin. Ich habe gesehen, im Durchschnitt, das war ein kleiner Versuch, zehn Völker, sechs Prozent der Milben gehen mit dem Schwarm. Das ist eine massive Reduktion der Zahl der Milben. Und umgekehrt, wenn wir so lange warten, bis die junge Königin in Eilage ist, sind 60 Prozent der Milben, die im Volk waren, verschwunden. Also die können nicht so lange warten, als sie fallen ab. Das ist das Erste.
Dann das Zweite, sehr schwierig zu beobachten, verzögerte Eiablage. Es gibt Berichte, dass sie manchmal länger als 30 Stunden warten, bis das Ei kommt, oder später anfangen. Und zwar natürlich, wenn man das dann noch weiter schiebt, auch eine extreme Reduktion der Milbenzahl.
Dann gibt es die Verhaltensweise, dass die Bienen Zelldeckel aufmachen. Ich sage immer, reinschauen, ob es der Quatsch ist, der Dunkel, gucken, ob alles stimmt, und dann wird wieder zugemacht. Und heute weiß man, dass es Völker gibt, die machen 14 Mal die gleiche Zelle auf und zu. Und offensichtlich stört das die Bienenmadepuppe nicht, hingegen die Milben schon. Die vermehren sich nicht mehr.
Dann noch ein bisschen weiter geht das. VSH, das heißt Varroasensitive Hygiene, wo Bienen kranke Puppen erkennen, aufmachen und die Brut entfernen.
Und dann gibt es schließlich noch die vierte Verhaltensweise, Lausen oder Grooming auf Englisch, wo die Bienen sich selber oder den Schwestern Milben aus dem Pelz nehmen und runterschmeißen. Also kurz und gut, obschon die westliche, also unsere Honigbiene, die Milben nie gesehen hat, sind für wahrscheinlich andere Milbenkrankheiten diese Verhaltensweisen alle mehr oder weniger da. Und wir haben jetzt gedacht, auf dieser Grundlage möchten wir jetzt in die Breite, also mit einigen Freunden und Kollegen einen Versuch machen, behandlungsfrei. Und das machen wir, weil wir eben im November eine Konferenz gemacht haben zum Thema. Und es war spannend, viele Wissenschaftler und sehr viele Imker, die nicht mehr behandelt sind, waren da. Und die Stimmung war, in diese Richtung müssen wir arbeiten. Auch die Präsidenten der großen Imkerverbände, also des Deutschen Imkerbunds und des Deutschen Erwerbsimkerbunds, es hat so eine Art Aufbruchsstimmung gegeben. Und wir sind jetzt dran, so eine Art Vorgehensblatt zu entwickeln, worauf man schauen kann.
Und jetzt kommt eben wieder das Hingucken. Also das eine ist in Beziehung zu treten, das andere ist Hingucken, ist natürlich das A und O in dieser ganzen Sache. Und ich habe da mal, damit es nicht ganz abstrakt bleibt, ein bisschen Fotos aus dem Internet geholt, wo man als erstes VSH sehen kann. Ihr seht hier, die Bienenkiste ist so, und unten kann man eine Schieberunterlage reinschieben. Und dann sieht man alles, was runterfällt, kann man auf dem Schieber anschauen. Und da sieht man so weiße Antennen, weiße Beine, und die fallen, wenn Bienen Puppen aus den Zellen ziehen. Also es ist ein Hinweis, das Volk kann VSH. Und der Imker mit ein bisschen mehr Erfahrung sieht auch, dass das Brutnest löchriger wird. Also wir können es beobachten. Dann kann man beobachten, ob sie dieses Aufmachen-Zumachen-Verhalten haben. Das ist Aufmachen, da werden die Zellendeckel einfach so aufgebissen, rund. Und dann werden sie oft mit einem anderen Material zum Wiederverschließen hat, eine andere Farbe als das ursprüngliche. Also man kann auch dieses Verhalten in den Völkern finden. Und schließlich kann man hier auch noch dieses Grooming-Verhalten finden. Dann muss man, also ich mit meinen Augen sowieso, eine Lupe haben. Und wenn eben Beine fehlen oder die Antennen fehlen, dann weiß man, dass da auch jemand gerissen hat oder abgebissen hat, um die Milben von den Bienen runterzuräumen. Also ich will damit sagen, im Prinzip haben wir eine Werkzeugkiste, wo wir von der Beobachtung her einfach sehen können, wenn wir mal nicht mehr behandeln, welche Völker haben eher diese Fähigkeit, das zu können und welche Völker nicht.
Und dann natürlich das Wichtigste ist, dass wir auch, wenn wir die Unterlage haben, sehen, wie der sogenannte natürliche Milbenfall ist. Ihr müsst euch vorstellen, die Milben sitzen auch auf den Bienen und die bewegen sich und manchmal fallen die runter. Und man kann so ein bisschen herausfinden, was eine runtergefallene Milbe bedeutet, Zahl der Milben im Volk. Bei mir sind es eine Milbe unten, 100 oben. Und dann bekommt man langsam so ein bisschen ein Gespür, wo man merkt, dieses Volk könnte es schaffen, dieses eher nicht. Und da will ich auch etwas sagen, bei mir ist es natürlich, viel ist so ein bisschen weich. Als ich angefangen habe, mich zu behandeln, vor vielleicht sechs oder sieben Jahren, habe ich immer gedacht, wen opfere ich? Und dieses Gefühl ist so miserabel. Wen liefere ich ans Messer hier, ohne Milbenbekämpfung was zu machen? Und plötzlich, und ich kann euch nicht sagen genau, was der Anlass war, habe ich nicht mehr gefragt, wen opfere ich, sondern ich habe gefragt, wem traue ich es zu? Und man merkt also, dieses positive oder negative Ding, das macht so einen gewaltigen Unterschied für einen selber. Und ich weiß natürlich aus der Umgang mit kleinen Kindern, die ich auch mal hatte, auch mit anderen Wesen. Also nur das Beispiel, wenn der Kleine versucht auf ein Mäuerchen zu klettern und der Papa sagt, schaffst du nie? Ganz sicher sein, er schafft es nicht. Wenn aber der Papa sagt, hey, nicht schlecht, probier es nochmal oder mach das noch, dann ist er plötzlich oben. Also wir kennen das im ganzen Leben. Also das finde ich echt zentral, auf dieser Seite zu arbeiten und eben ihm und dem Kind zu ermuntern, so etwas zu tun. Und ganz klar ist natürlich auch, man braucht ein soziales Netz, Informationsaustausch, Hilfe, wenn mal die Völker sterben, um sie zu ersetzen und so weiter. Also plötzlich ist es nicht nur ein Anliegen, Milbe weg, sondern in einer neuen Form, wieder miteinander und mit den Imkern und Jüngern in Kontakt zu treten. Also eine Art, wie soll ich sagen, biologisch-medizinisch, tiermedizinisch-soziales Projekt. Und eben, ich habe das auch erst bei der Konferenz so gemerkt, also die Dinge, die man sehen kann, auch sehen, lernen, das ist so zentral. Nicht, dass es ein Labor braucht, der irgendwie das genetisch nachweist, das und das und das ist vorhanden.
Gut, ist es irgendwie ein bisschen deutlich geworden? Also, ich sage niemandem, mach nichts mehr, gebe Krankheiten, aber ich lade Leute ein, wollte es mit ein paar Völkern versuchen und insgesamt ein schönes Projekt mitarbeiten. Weil die Zukunft, und das war der Konsens an dieser Konferenz, die Zukunft muss heißen mittelfristig, Koexistenz von Biene und Milbe. Weil am Anfang hat man einmal im Jahr Ameisensäurebehandlung gemacht, dann hat man zweimal im Jahr Ameisensäurebehandlung gemacht, dann hat man zweimal Ameisensäure plus Oxalsäure im Winter gemacht. Jetzt machen wir zweimal Ameisensäure im Sommer, zweimal Oxalsäure im Winter. In der Schweiz haben sie angefangen, dreimal Ameisensäure zu geben im Sommer. Und das geht so fort. Und wenn ich sage, dreimal Ameisensäure, dann ist es ein halber Liter Ameisensäure pro Volk. Also man merkt, das kann man nicht beliebig steigern, weil die Weltproduktion an Ameisensäure ist dann bald zu klein.
Und jetzt möchte ich aber eben noch einen kurzen Blick werfen auf die Orte, wo Imker und Imkerinnen aufgehört haben zu behandeln. Das ist die Karte, die ich in diesem Buch gemacht habe. Das ist jetzt auch schon wieder älter, es gibt noch mehr. Und man kann sehen, eigentlich auf allen Kontinenten, zu der Zeit hat man noch gesagt, Australien hat keine Varroa. Aber es ist klar, Australien hat heute Varroa. Also geschuldet diesem globalen Königinnen- und Bienentraffik, den man da veranstaltet. Und eben in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen ist es aufgetaucht. Und die allermeisten, die hier sind, haben einfach gesagt, ich behandle nicht mehr. Also das nennen sie dann eine Darwinen-Blackbox, ich lasse es einfach laufen und dann schauen wir, wer überlebt. Und mit den Überlebenden baut man diese Völker auf und irgendwann hat man es. Und es hat viele Tränen gegeben. Ich habe einen Freund, der war Führer, der hat ein Buch geschrieben über sein Projekt, da kommen noch ein paar Zahlen. Und der hat im extremsten Jahr von seinen 20 Völkern 18 verloren. Und es ist traurig und es ist so viel Arbeit, das ganze Zeug aufzuräumen. Man muss einiges unternehmen und gleichzeitig, wenn man es geschafft hat, hat man so eine Riesenlast an Aufgaben und Hinschauen und Dinge unternehmen nicht. Es ist gleich wie bei jeder Krankheit. Gesund ist weniger Arbeit als krank.
Erfolgsbeispiele und Statistiken 00:46:10
Die Geschichte in Wales bei David Heaf, so hat er geheißen, oder heißt der Freund, die ist eben auch spannend. David hat aufgehört, 2009 oder so Milben zu behandeln und gegen die Milbe etwas zu unternehmen, weil er einfach keine Lust mehr hatte und hat gesagt, die Natur muss es richten. Und er hat dann bei Clive Hudson, das ist ein Bieneninspektor gefunden, der gedacht hat, gute Idee. Und der Bieneninspektor hat dann als Inspektor in der ganzen Region rumtelefoniert und wollte wissen, wer behandelt noch, wer behandelt nicht. Und da seht ihr ein paar Zahlen, die er dann zusammengestellt hat. Also, das Erste ist ein wahnsinniger Aufwand. Überall telefonierte, im ersten Jahr haben nur 14 überhaupt Auskunft gegeben. Und da waren insgesamt 71 Völker drin. Und von diesen 71 Völkern wurden 44 normal behandelt, wie man das gelernt hat in der Imker-Schule. Also ein Verlust von 27 Prozent. Und bei den Nichtbehandelten waren es 27 Kolonien, also wenig. Und Non-Treated Colonies waren nur 27. Und der Winterverlust war 11 Prozent. Also es war ein Ergebnis, Clive hat es dann publiziert. Und dann haben die Leute natürlich sofort gesagt, Moment, die Behandler verlieren 27 Prozent und die Nichtbehandelten verlieren 11 Prozent. Wieso noch behandeln? Und dann kann man eben sehen, dass die Zunahme von Imkern und Imkerinnen, die an der Umfrage mitgemacht haben, war eine große Zunahme. Und interessant ist, dass die Zahl der behandelten Kolonien viel weniger gestiegen ist als die Zahl von Imkern, die nicht mehr behandeln. Und wenn man das über alle Jahre rechnet, ist es so, dass hier im Durchschnitt 19 Prozent Winterverluste da waren, hier im Durchschnitt 13 Prozent. Und heute ist Wales und Schottland behandlungsfrei. Also das ist ein bisschen noch etwas zu der Frage, wie richtet man neue Dinge ein in der Welt. Einfach starten, darüber reden, mit Leuten reden und dann plötzlich, das sind natürlich jetzt nicht hunderttausende Imker betroffen, aber eine große Region hat angefangen, einfach auf diese Behandlung zu verzichten. Und etwas ähnliches läuft im Moment in Holland auch. Deutschland ist leider die Varroa-Milbe noch als Seuche bezeichnet, das heißt, gesetzlich ist es Behandlungspflicht. Und im Prinzip könnte, also ein Imker, der sagt, ich behandle nicht mehr, vom Gesetz her, dem könnten die Völker weggenommen werden, bla bla bla. Und das ist in allen anderen Ländern nicht mehr der Fall.
Gut. Und dann finde ich auch schön, also der Freund David ist ein bisschen ein Buchhalter. Das ist jetzt sein Bienenstand. Und ihr habt gesehen, er hat zwischen sechs und fünfzehn Völkern da gehabt und hat einfach sehr gut dokumentiert, wie viele Kolonien überlebt haben. Und der Verlust war gar nicht so dramatisch als 70 Prozent, das ist jetzt hier der Höchste. Und wiederum am Schluss bei 15 Prozent, wenn man das übersetzt auf Verhältnisse in der Schweiz und Deutschland, bedeutend geringer als was wir an Winterverlusten erleiden, hier die Imker, die allermeisten noch behandeln. Und das letzte Slide, und dann sind wir schon fertig, können wir noch ein bisschen plaudern. Sorry, dass es jetzt so schnell gegangen ist. Er hat auch geguckt, wie alt sind die Völker geworden. Und das hat er dann hier notiert, von 30 Monaten, 40, 60, 80, auch mal 51, also wenig. Aber der Durchschnitt, den die überlebenden Völker erreicht haben, waren 80 Monate. Das heißt, wenn man es umrechnet, sind es ungefähr 72,6, zwischen sechs und sieben Jahren. Also ungefähr die statistische Lebensdauer eines ewig lebenden Bienenvolkes. Das heißt, es ist ganz klar, dass es möglich ist, mit entsprechenden Maßnahmen die Koexistenz des Miteinanderlebens von Bienen und Milben zu erreichen.
Fragen und Antworten 00:51:51
Publikum: Das heißt, ich verstehe diese Pyramide. Das ist das Alter der Pyramiden, die einen Winter gesehen haben?
Johannes Wirz: Bitte?
Publikum: Ich verstehe das nicht. Also wenn du 80 Monate alt bist, dann hast du auch mehrere Monate Winter gesehen? Er will sagen, dass Kolonien, die den ersten Winter überlebt haben, dann so viele Monate gelebt haben. Also im ersten Winter sind die am anfälligsten im Leben?
Johannes Wirz: Ja, genau.
Publikum: Also man ist einmal überlebt?
Johannes Wirz: Und natürlich gibt es dann eben schon auch ein Volk, das hat den ersten Winter überlebt, aber ist im nächsten Sommer gestorben. 18 Monate, oder? Das gibt es dann schon auch. Aber insgesamt ist es sehr beeindruckend.
Publikum: Aber dann bilden die normalerweise Resistenzen nach dem ersten Winter? Also das schließt jetzt an das, was gerade gesagt wurde, bilden Resistenzen und verstehen die im nächsten Winter leichter?
Johannes Wirz: In der Natur ist es so, dass Schwärme, die in eine Höhle einziehen, der Schwarm muss eine neue Höhle suchen, von diesen Völkern überleben 80% den ersten Winter nicht. Weil die müssen Wabenwerk bauen, Vorräte anlegen und so weiter und so weiter. Und von den Völkern, die den Bäumen zurückbleiben, überleben 80% den ersten Winter. Oder den zweiten Winter, also den Winter, so muss man sagen. Und ich habe das selber immer wieder gesehen. Ich hatte jetzt in diesem Nichtbehandlungsprojekt Völker, da waren manchmal im Frühling nur noch so eine Hand voll. Also man sagt, ein Wunder, dass sie überhaupt überlebt haben. Und es ist ein bisschen wie nach einer schweren Erkältung, man geht durch diesen Krisenmoment und plötzlich ist eine Vitalität da, die man sich fast nicht vorstellen kann. Also riesen Völker und ich bin jetzt gespannt, ich habe ein paar Völker, die gehen dritten, vierten und eines sogar in den fünften Winter. Ob ich im nächsten Frühjahr dann auch noch ganz zufrieden bin. Aber meistens ist so ein erster Krisenmoment, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Und es ist natürlich so, dass wenn man behandelt, das gleiche ist natürlich mit diesen vielen Antibiotika-Behandlungen bei Tieren und bei Menschen, man kann gar nicht herausfinden, wer potenziell die Möglichkeit hat, mit einem bestimmten Krankheitskeim oder in dem Fall mit der Milbe umzugehen. Und erst wenn man nicht mehr behandelt, kann man solche Fragen stellen und in eine entsprechende Richtung gehen. Und das so aufzugleichen, das da im Krimi machen, ist eine große Herausforderung, aber es wäre ein wichtiger Schritt. Also weg von diesen Säuren, die immer Nebenwirkungen haben. Es gibt natürlich auch noch immer Bayer-Produkte, die angewendet werden, weil Bayer will Geld verdienen. Wenn man davon wegkommen könnte, wäre es nicht nur kostenmäßig, sondern auch gesundheitsmäßig für Tiere und Menschen, wäre es eigentlich optimal.
Publikum: Ich habe eine ganz andere Frage, von welchen Faktoren hängt die Bestäubungsleistung einer Biene ab?
Johannes Wirz: Was ist genau die Frage?
Publikum: Die Bestäubungsleistung einer Biene, wie viel die bestäubt eigentlich. Wer oder was kann es beeinflussen, ob sie jetzt viel oder wenig bestäubt? Oder gibt es da überhaupt Einflussfaktoren? Oder ist die quasi im Laufe eines Bienenlebens ähnlich vergleichbar?
Johannes Wirz: Nein, in Bezug auf die einzelnen Bienen kann ich nichts sagen. Aber es gibt Völker, die bringen viel Honig, und es gibt Völker, die bringen wenig Honig. Und was das beeinflusst? Genetik. Also man kann durch Zuchtzüchter, die auf Leistung züchten, hat man ja gemacht, und wahrscheinlich schon eben auch so wie bei den Kühen Hochleistungstiere hervorgebracht. Aber jede gesunde Biene fliegt, wenn sie Sammelbiene ist, und das Wetter gut ist, dann den ganzen Tag hin und her, hin und her.
Publikum: Sonst noch? Wie man Bienen züchtet. Also, wenn du anfangen möchtest mit Bienen, oder wie die Königinnen gezüchtet werden. Wieso ganz generell? Wir haben gerade gesagt, durch Zucht.
Johannes Wirz: Aha. Also, das Erste, was man in der Zucht macht, ist von einer guten Königin, aber wo man denkt, die ist gut, Arbeiterinnen, Larven zu entnehmen und so in künstliche Königinnenzellen zu stecken. Also man muss sich das so vorstellen, Larven, heißt man nimmt Larven heraus mit einem Löffelchen, und dann hat man so einen Oberträger, und da diese Bekannten, die sind dann aus Plastik, damit man sie wieder gut verwenden kann, hängt man also 200 solcher Spielnäpfchen rein, und in jeder ist eine Larve. Also, dann bringt man die in ein Volk, wo keine Königin drin ist. Und das Volk will sofort eine neue Königin machen und baut alle diese Spielnäpfchen zu Königinnenzellen auf, und dann sind da die großen Larven drin. Hast du das verstanden? Also man nimmt künstliche Larven aus dem guten Volk und zwingt ein anderes Volk, diese Larven aufzuziehen. Und dann kommen die, je nachdem, es gibt dann Imker, die wollen unbegattete Königinnen, also jungfräuliche Königinnen, dann werden die im Briefumschlag verschickt, und dann, die meisten wollen aber begattete, dann geht man mit diesen jungen Königinnen, so in kleinen Völkern, auf sogenannte Belegstellen, das heißt Orte, also in Holland ist es meistens eine Insel, wo einfach nur ein paar ausgewählte Völker, die dann Drohnenvölker sind, leben, bringt man die jungen Königinnen dorthin, sie gehen dort auf den Begattungsflug, werden begattet, dann wird geprüft, ob sie schön Eier legen, und dann kommen die auch wiederum per Post, verschickt man die dann in der ganzen Welt. Und der Imker, der die bestellt, hat dann natürlich die Aufgabe in seinen Völkern, die Königin, die drin ist, rauszunehmen, heißt dann so salopp abdrücken, und einer jungen, neuen Königin, die er eben gekauft hat, eine Zuchtkönigin zuzusetzen. Und dann lebt diese Königin im Volk, und innerhalb von plus, minus 30, 40 Tagen sind alle Bienen, die doch von der vorigen Königin waren, weg, und die junge Königin beginnt dann mit ihren eigenen Töchtern das Volk weiter aufzubauen. Genau. Und dann gibt es die künstliche Besamung, wo man dann zusammen von einem einzigen Drohnen Männchen, eine Königin besamt, und dann von dort aus wieder eine neue Königin zieht. Und man meint, man könnte einen Züchtungsfortschritt schneller machen, wenn man es so gezielt anpaart, als wenn dann 5 oder 6 oder 10 Drohnen eine Königin begatten. Und die durchschnittliche Zahl von Männchen, mit denen sich eine Königin verpaart, ist so um die 15 bis 20.
Publikum: In ihrem Leben?
Johannes Wirz: Sie geht nur einmal auf den Hochzeitsflug. Als junge Königin, wenn das Wetter nicht gut ist, muss sie dreimal fliegen, bis sie diesen 10 oder 20 Königinnen Thronen begegnet hat. Das macht sie nur einmal. Und dann lebt sie eben und legt in ihrem Leben, wenn sie 5 Jahre alt wird, etwa eine Million Eier. Und dann so viel Sperma hat sie meistens auf Vorrat.
Publikum: Beim Begattungsflug fragt man sich, hat die nicht einen Bien, der fliegt? Oder soll irgendwo an einem Baum?
Johannes Wirz: Nein.
Publikum: Und wie ist es, wenn man keinen Bien hat, sondern nur eine Königin fliegt?
Johannes Wirz: Die Königin fliegt in dieser Wolke mit Hunderten bis Tausenden von Drohnen hinein und die Paarung findet in der Luft statt. Und wenn sie erfolgreich ist...
Publikum: Darf man sie dann anfangen?
Johannes Wirz: Ja. Also man hat gemessen in der Schweiz, mit Drohnen kann man jetzt alles machen, wie hoch die sind. Begattung ist irgendwie 90 Meter über dem Boden. Also die Königin geht in die Wolken, fliegt noch hoch, bevor es überhaupt zur Verpaarung kommt. Und dann stürzt das Pärchen ab, die Königin startet wieder, der Zweite kommt, stürzt das Pärchen ab, wieder der Dritte kommt und so wiederholt sich das mehrmals.
Publikum: Dann gibt es eine neue Königin, die altert sich aus, der Spermavorrat, und irgendwann stürzt sie ja auch. Bevor sie stürzt, hat sie dann wieder eine neue Königin. Oder steht das auch, dass sie manchmal stürzt und dann schon keine neue mehr da ist und wieder eine neue Königin los ist?
Johannes Wirz: Na... Also wenn es natürlich läuft, ist immer am Schluss eine junge Königin noch in der Kiste. Aber ich habe es auch schon erlebt, dass ich als Imker eine Königin kaputt gemacht habe, in einer Zeit, in der es keine Brut gab. Und dann ist das Volk gestorben.
Publikum: Okay, weil es dann normalerweise...
Johannes Wirz: Genau, also der Normalfall, wenn ich als Imker eine Königin quetsche, ist, dass viel Brut in der Kiste ist und die Bienen wissen genau, welche der Larven sie noch umstellen können auf Königin. Also es ist auch echt genial. Aber wenn die eben ein gewisses Alter haben, also wenn sie älter sind als drei Tage, können sie sie nicht mehr umstellen. Haben wir. Zumindest... Plötzlich habe ich manchmal so eine Panik, komme ich durch und dann ein Schnellzug und dann eben auch nicht pünktlich. Aber wir brauchen das nicht noch zu verlängern, wenn es keine Fragen mehr gibt. Immer ein bisschen viel Info, aber auch Passion. Außer zumindest bei mir.
Publikum: Ich habe mal gehört, dass das Bienenvolk, was Sie ja auch darüber gesprochen haben, das ist ein Organismus, das eigentlich nur für Bienen benannt wurde. Und wir haben von der Tanzen in der Kommunikation gesprochen. Gibt es irgendwie Erkenntnisse oder Ideen, wie sich weiter oder ansonsten die Kommunikation organisiert? Also wie wissen die das, dass sie jetzt Bienenloch haben, dann den, dann den, dann den, dass alles so ineinander fliegt?
Johannes Wirz: Ich weiß es nicht. Also das Verhalten hat sich irgendwie gebildet, das weiß niemand wie. Und man darf aber auch sagen, dass sehr oft junge Bienen, die noch nicht viel Erfahrung haben, von den älteren Schwestern begleitet werden, auf ihrem ersten oder zweiten oder dritten Sammelflug. Aber wie der Tanz entstanden ist, das ist echt ein Wunder, das ist ein Insekt. Sie sprechen sogar von Symbolsprache, weil sie eine Erfahrung oder eine Wahrnehmung im horizontalen Bereich transformieren, umsetzen in eine Mitteilung im vertikalen Bereich. Und Hornissen und Wespen kennen natürlich das Verhalten nicht, das ist eine Spezialität der Honigbienen. Aber jetzt weiß ich nicht, ob ich die Frage richtig verstanden habe.
Publikum: Tanzen die vertikal oder horizontal?
Johannes Wirz: Nein, die tanzen auf der Wabe, vertikal.
Publikum: Die so schwingt, das hattest du gesagt.
Johannes Wirz: Genau, aber die schwingt auch vertikal. Bei uns in der Disco ist es horizontal.
Publikum: Und tanzen die nicht auch schon auf dem Flugbrett manchmal?
Johannes Wirz: Nein, ich habe es noch nie gesehen. Es wäre ja auch sinnlos, an einem Ort zu tanzen, wo es kein Publikum gibt. Naja. Stimmt, ich tanze manchmal auch alleine in der Stube.
Publikum: Jetzt war es bei dir noch. Wir ernten ja bei den Bienen den Honig, aber die Bienen brauchen den Honig als Wintervorrat. Und ich habe mich nur gefragt, weil ich Bienen ja auch sehr schön finde, ich würde mir auch Bienen halten, aber gar nicht als Priorität für Honig ernte, sondern einfach, dass sie da sind. Und das liebt Tanzen schon und möglicherweise würde mich dann auch interessieren, ein kleines bisschen Honig abzufangen, ein kleines bisschen Honig hat ja auch medizinische Eigenschaften, wie zum Beispiel Honigkonsumenten. Ich habe mich jetzt losgefragt, wie kann man Bienenhaltung, also wie macht man das, ohne dass es so sehr aggressiv ausgelegt ist, sondern halt einfach so?
Johannes Wirz: Das können wir auch machen, vielleicht wird es am Ende einfacher. Klar. Kein Problem, aber du wirst, also, als ich angefangen habe, machst du irgendein Buch auf, damals gab es ja unseres noch nicht, und da steht wenigstens, die Material- und Sachkosten müssten über den Honig gedeckt werden. Und dann denkt man immer, ich habe ja kaum Honig, ich habe das Gefühl, ich bin ein schlechter Imker. Und dann habe ich mal gedacht, meine Geschwister gehen jedes Jahr in die Hochalpen, mit einem Bergführer vier, fünf Tage Berge besteigen, und am Ende fragt keiner, was hast du verdient? Dann hat man ein paar Tausend ausgegeben für dieses Hobby, und dann habe ich gemerkt, es ist völlig wieder da drinnen, dem Dings folgen wenigstens die Materialkosten müssen gedeckt werden. Und man kann selbstverständlich auch mal ein bisschen was drauflegen. Und in Sachen Honig ist es aber schon so bei uns, dass es Jahre gibt, da kommt kein Gramm Honig raus, und es geht immer noch Zucker rein. Weil die Tracht-Situation, die Blüten-Situation, schwierig ist. Landwirtschaft, wir haben natürlich Kirschen, das ist ein Kirschenanbaugebiet, fantastisch eigentlich, Löwenzahn, Ahorn, Berg von Spitzahorn, ist auch eine schöne Quelle. Raps gibt es nicht bei uns, dann kommt die Linde, und dann ist es vorbei.
Publikum: Ja, bei uns gibt es nicht so viel, aber die gibt es auch, die trägt auch bei, aber nur in einem engen Fenster.
Johannes Wirz: Und natürlich, wenn man das alles sehen lässt, dann hat das Volk genug für den Winter. Also es kann gelingen, aber es muss nicht. Es kann gelingen, die Bienen einfach so zu halten, kein Honig, und dann geht es, aber unter Umständen, ich weiß ja nicht, wo du zu Hause bist, kann es sein, dass du dann trotzdem noch wieder etwas zufüttern musst, selbst wenn du nichts entnimmst.
Publikum: Nein, weil es zu wenig hat, wir haben ja viele blühende Magerwiesen, aber die Menge, Pollen ist gut, Blütenstaub ist gut, aber Nektar, da braucht es richtig Masse, um diese vielen Kilogramm reinzuholen. Ja?
Publikum: Ich höre immer mal wieder bei gewissen Pflanzen, ja, es ist wertvoll für Insekten, oder es sieht zwar schön aus, aber hat eigentlich nicht so einen besonderen Wert. Woran macht man das fest, wie wertvoll eine Pflanze für den Imker ist, oder für die Bienen, um Honig zu produzieren, und Pollen zu bekommen, Nektar zu bekommen?
Johannes Wirz: Nein, nein, also Internet, du sagst Bienenpflanzen, dann bekommst du vom deutschen Imkerbund, oder weiß Gott wem, eine Liste mit allen Blütenpflanzen, die haben einen Nektarwert, da geht man glaube ich 1 bis 6 an, und einen Pollenwert, und dort kannst du lesen, welches gute Bienenpflanzen sind, und welche Pflanzen von den Bienen nicht beflogen werden.
Publikum: Und du sagst, dass der die Bestimmung findet, wenn wir Nektar sammeln, aber wir brauchen den Pollen, um Honig zu machen, dann würde man da...
Johannes Wirz: Nein, nein, Pollen brauchen sie, um die Jungen zu füttern, und Nektar brauchen sie, um sich zu verproviantieren, um die Jungen die Brut zu pflegen, und im Winter brauchen die Bienen, die leben nur auf Honig.
Publikum: Gibt es gar keine Möglichkeit, so einen Imkerbund zu schaffen, dass die da werden, dass sie genug Pollen und Nektar haben?
Johannes Wirz: Doch. Also wenn du die Landwirtschaften von den 50er Jahren anschauen würdest, kleinräumig, strukturiert, viel Handarbeit, und weil es eben so noch die Riesenmaschinen gab, die Bauern haben nicht alle am selben Zeitpunkt gemäht, das gab es ja alles schon, und wir hatten in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts auch viel mehr Bienenvölker als heute. Also man könnte umbauen. Aber diese Initiativen, Bienen auf Höfe, das wurde sogar mal von Demeter gefordert, das klappt nicht. Weil es heißt, du musst als Landwirt irgendetwas, was du produzierst, aufgeben, um Wiese zu blüten zu schaffen. Aber möglich wäre es.
Publikum: Ja, man würde wahrscheinlich einfach Blühfläche einnehmen. Aber wenn man eben wie die Landwirtschaft gerade politisch sagen würde, Blühflächen sind gleich viel wert wie Weizen, dann würden die Bauern anfangen, Blühflächen zu machen.
Publikum: Aber angenommen, man würde auch sehr schnell planen müssen, also das wäre ja dann, wenn man sonst gar nicht anders nützt, also ich meine, wenn man da ein bisschen umdenken würde, die gehen ja, also Bienen gehen ja auch viel dann an so Wandberufs, oder? Also so ein Treppenstand.
Johannes Wirz: Ja, ich, ja, im Wald ist Brombeer, Himbeere, wir haben Pollenerösen gemacht, das Wichtigste, Weißklee ist natürlich wichtig, und im Obstbaugebiet ist es klar, die Obstbäume und Löwenzahn. Aber das könnte man alles rausfinden, man könnte auf alle Fälle umbauen, und Efeu ist eine wichtige Pflanze für Bienen, die klettert, Wilder Wein auch, aber dann kenne ich nicht mehr viele andere, die man noch verwenden könnte.
Publikum: Danke. Also ich habe jetzt so in meinem Kopf, viele Bienen sind super, gibt es aber auch sowas wie, dass wenn man zu viele Sperma hat, dass die Bienen eine Konkurrenz zu viel spielen, wenn die zu nah aneinander sind?
Johannes Wirz: Das könnte ich so nicht sagen. Es ist so, in der Natur sind sie weit weg voneinander. Und auf dem Bienenstand, also bei mir sind sie jetzt nicht Kasten an Kasten, aber sind sie halt viel viel enger. Aber wenn sie gut versorgt sind, also selber genug finden, dann lassen sie sich gegenseitig in Ruhe. Es gibt keine Keilerei oder so, aber es gibt immer welche, die rumfliegen gucken, wo gibt es ein Schwächling, das schon. Und dann ist es brutal. Also die Räuberei ist dann brutal.
Publikum: Ich bin großer Freund der Magerwiesen, oder in der Theorie des ungedüngten Grünlandes, einfach durch die vermehrte Artenvielfalt, durch den Erdkräuterwachstum und den Blütenreichtum. Also hat ja auch ganz große botanische Nutzen. Und ich frage mich, ob du weißt, ob du auch keinen Weg in die Landwirtschaft damit rumkannst, um zu sagen, wie wertvoll das für die Bienen ist, wenn man diese Unendlichkeit lässt.
Johannes Wirz: Genau, das wären zum Beispiel ganz wichtige Maßnahmen. Wir haben ein Landwirtschaftsforschungsinstitut, das tut Gräser veredeln, damit der Eiweißgehalt und so weiter alles höher ist als früher. Und die sind aber dann, damit sie gut wachsen, angewiesen auf Düngung. Aber selbstverständlich, die schönsten Wiesen, die wir haben, sind entstanden nicht einfach ohne Bewirtschaftung, sondern durch eine sehr, im Rückblick muss man sagen, weisheitsvolle, sorgfältige Bewirtschaftung. Die Magerwiesen bei uns im Jura sind alles Weiden und sind bestimmte Typen von Wiesen, die gemäht werden.
Publikum: Was meinst du, wenn man jetzt sagt, dass man mehr Blüten braucht für die Bienen, dass man damit viele Blüten sät, oder dass man mehr darauf investiert, mehr Sträucher zu pflanzen? Dass man das quasi nicht horizontalflächig hat, sondern halt auch mehr vertikal. Weil ich stelle mir vor, dass man dann nachhaltig auf engerem Raum mehr Blüten haben könnte.
Johannes Wirz: Ich glaube, alles was man macht, ist gut. Aber ihr müsst wissen, ein Bienenvolk befliegt eine Fläche von 30 bis 40 Quadratkilometern. Also das sind unendliche Mengen an Blumen, die da besucht werden. Aber jeder kleine Beitrag zur Verbesserung ist natürlich top. Und Gartenkräuter, also alles was man braucht fürs Essen, sind fantastische Bienenpflanzen. Thymian, Rosmarin, was es da alles gibt.
Publikum: Ich hätte noch eine Frage. Kannst du noch was zum Waldhonig sagen? Weil der unterscheidet sich ja ein bisschen von dem normalen Blütenhonig, der hat ja auch andere Ursprünge.
Johannes Wirz: Der Waldhonig ist ein sogenannter Blatthonig. Er entsteht ja, weil irgendwo Läuse sind, die Blattsäfte saugen und dann nehmen die ja nur Eiweiße raus und deponieren zuckerhaltigen Saft. Und von daher ist es also wirklich eine andere Substanz als der Nektar, der in der Blüte gebildet ist. Und rein, wie soll ich sagen, chemisch ist es so, dass im Blatthonig viel mehr Mineralstoffe sind. Und das misst man heute elektrochemisch und gibt dann an Werte in Mikrosiemens, Blütenhonig ist immer sehr tief und Blatthonig ist höher. Und für die Völker ist es so, dass die auf reinem Waldhonig nicht überwintern können. Und zwar nicht, weil der Honig nicht bekömmlich ist, aber weil er die Verdauungsorgane extrem belastet. Und das heißt, die müssen dann alle zwei Wochen mindestens raus und wenn es dann im Winter mal eine Periode gibt von vier Wochen, wo sie nicht raus können, fangen sie an, in der Kiste ihr Geschäft zu verrichten und wenn dann die Waben verkackt sind, ist es das Ende. Und das finde ich aber eben auch spannend, Bienenwaldtiere, wie haben die das gemacht? Und wenn man so eine Baumhöhle anschaut, dann muss man sich vorstellen, am Ende des Bienenjahres sitzt das Volk unten und oben sind die Vorräte. Und dann frisst es sich langsam durch die Vorräte. Die ersten Vorräte, die es natürlich bekommt, sind die Waldhonige, Blatthonige und es geht sozusagen rückwärts aufs Jahr hoch und zuoberst ist der Blütenhonig. Und darum hat es so gut funktioniert. Okay, bis zum nächsten Mal.









