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	<title>BiodynWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-08-13T23:08:42Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28278</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-08-01T19:07:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Brot und Wein&#039;&#039;&#039; - Dr. Georg Meißner und Martin von Mackensen in einem Dialog-Vortrag für namhafte Winzer und Top-Sommeliers aus der Spitzengastronomie im Rahmen der jährlichen biodynamischen Seminarveranstaltung auf dem Weingut Odinstal (organisiert vom Winzer Andreas Schumann).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=9s Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=116s Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=187s Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07] ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=378s Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18] ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=486s Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06] ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=692s Das Schossen und die Ähre 00:11:32] ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=815s Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1000s Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40] ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1245s Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45] ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1532s Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1756s Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1905s Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2028s Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2193s Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2390s Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2489s Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2634s Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2842s Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22] ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3021s Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3212s Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3464s Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch - du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen -, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet: Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3600s Kulturgeschichte der Gärung: Gekauter Reis in China 01:00:00] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen - wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3721s Der Persephone-Zyklus des Weines. Die soziale Plastik von Joseph Beuys 01:02:01] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt - was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen. Dann entsteht ein Bewegungsprozess und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann - und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu. Also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3893s Vom Alkohol zum Essig: Konzentration des Lebendigen 01:04:53] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen. Aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier - ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie. Ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht - was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4059s Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der - als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste. Aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4206s Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps. Und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit - und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4386s Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit - wir reden von Concru im Weinbau. Im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht - es tut mir ja auch leid -, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus. Und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch - das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen. Wie lang halten die ihre Platzstellung so? Und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann ... machen die schlaff und hängen da runter. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4594s Der Knackigkeitseffekt: Das Geheimnis des perfekten Lesezeitpunkts 01:16:34] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4752s Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4967s Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, steh mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert hat, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen - alles ist eine Frage der Zeit - die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh Scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da - das habe ich ja vorhin versucht zu erklären - da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig - das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit - da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5153s Gespräch: Pfropfung und die Frage des Gleichgewichts 01:25:53] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert. Sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage - ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin -, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild: Ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier. Hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch. Da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes. Da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht - wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen - für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäer-Reben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten - in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5414s Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Materielle reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung? Ja?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5510s Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass sozusagen plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren. Weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5749s Zum Abschluss: Der Boden braucht den Humus, die Gemeinschaft den Humor 01:35:49] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisierungsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ja, ja!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Das war&#039;s. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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[[Gärung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „[…] in diesem &#039;&#039;&#039;Gärungsprozess&#039;&#039;&#039; passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50]]&lt;br /&gt;
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[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „&#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039; heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039;. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35]]&lt;br /&gt;
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[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „[…] die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32]] &lt;br /&gt;
* […] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45]]  &lt;br /&gt;
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[[Stroh]]&lt;br /&gt;
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* „Was ist das &#039;&#039;&#039;Stroh&#039;&#039;&#039;? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
[[Verwesung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „[…] wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein &#039;&#039;&#039;Verwesungsprozess&#039;&#039;&#039;. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Weinbau]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=G%C3%A4rung&amp;diff=28277</id>
		<title>Gärung</title>
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		<updated>2026-08-01T19:06:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
{{Anthrowiki.at|Gärung}}&amp;lt;blockquote&amp;gt;„Als Gärung wurden ursprünglich alle beispielsweise durch Wallen, Gasbildung, Erwärmung und Zersetzung erkennbaren Veränderungen biotischer Stoffe bezeichnet, bei denen im Gegensatz zur Verwesung kein Fäulnisgeruch entsteht. Dass die Gärung nur in Abwesenheit von Sauerstoff, d. h. unter anaeroben Bedingungen, stattfindet, wurde erst später erkannt. Nach moderner Definition handelt es sich bei einer Gärung um den mikrobiellen Abbau organischer Stoffe zum Zweck der Energiegewinnung ohne Einbeziehung externer Elektronenakzeptoren wie Sauerstoff (O2) oder Nitrat (NO3−). Die gewonnene Energie wird in Form von ATP (Adenosintriphosphat) gespeichert, das aus Phosphatresten (Pi) und ADP (Adenosindiphosphat) aufgebaut wird.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Fehlgärung =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „Einarbeiten von Grünmassen verursachen &#039;&#039;&#039;Fehlgärungen&#039;&#039;&#039; […] der [[Boden]] fängt dann sogar an zu stinken … [[Schwefelwasserstoff]] bildet sich dann und es bilden sich bei Tonböden blaue Zonen … [[blaue Zonen]] sind Reduktionszonen […] mit der Gründüngung kann man unglaublich viel Fehler machen.&amp;quot; | [[Düngung - 7. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018#Fehlgärungen und blaue Zonen wegen falscher Gründüngung 00:31:06|Klett, M. Düngung, 7. Folge, 2018, 00:31:06]]&lt;br /&gt;
# „… wenn er zu nass ist, dann bildet sich dieser nasse Kern im [[Komposthaufen]], wo dann auch &#039;&#039;&#039;Fehlgärungen&#039;&#039;&#039; stattfinden. Also [[Mistkompost]] sachgemäß zu kompostieren, ist keine einfache Sache … Überhaupt sollte man den [[Dünger]] des Tierbestandes des Hofes möglichst immer mischen, soweit es nur irgend geht.&amp;quot; [[Düngung - 9. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018#Mistkompost sachgemäß kompostieren, keine einfache Sache 00:09:45|| Klett, M. Düngung, 9. Folge, 2018, 00:09:45]]&lt;br /&gt;
# „[…] in diesem &#039;&#039;&#039;Gärungsprozess&#039;&#039;&#039; passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Abbauprozess]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Stroh&amp;diff=28276</id>
		<title>Stroh</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Glossar */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „Was ist das &#039;&#039;&#039;Stroh&#039;&#039;&#039;? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Getreide&amp;diff=28275</id>
		<title>Getreide</title>
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		<updated>2026-08-01T19:02:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anthrowiki.at|Getreide}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„Als &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; (mhd. &#039;&#039;getregede&#039;&#039;, eigentlich „das [von der Erde] Getragene)“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [http://www.duden.de/rechtschreibung/Getreide &#039;&#039;Getreide&#039;&#039;] bei Duden online&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;&#039;Korn&#039;&#039;&#039; werden einerseits die meist einjährigen Pflanzen der Familie der [[w:Süßgräser|Süßgräser]] bezeichnet, die wegen ihrer Körnerfrüchte kultiviert werden, andererseits die geernteten Körnerfrüchte. Die Früchte dienen als Grundnahrungsmittel zur menschlichen Ernährung oder als Viehfutter, daneben auch als Rohstoff zur Herstellung von Genussmitteln und technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Getreidekörner bestehen aus stärke- und (in geringerem Umfang) auch eiweißhaltigen Mehlkörpern, dem fetthaltigen Keimling, der miteinander verwachsenen [[w:Samenschale|Samenschale]] und [[w:Fruchtwand|Fruchtwand]] sowie der zwischen Mehlkörper und Schale liegenden eiweißhaltigen [[w:Aleuronschciht|Aleuronschicht]]. Das enthaltene Eiweiß einiger Getreidegattungen ([[a:Weizen|Weizen]], [[w:Dinkel|Dinkel]], [[a:Roggen|Roggen]], [[a:Gerste|Gerste]], [[w:Triticale|Triticale]]) wird auch als Kleber oder [[w:Gluten|Gluten]] bezeichnet. Andere Gattungen sind glutenfrei.[[Datei:Weizenkorn.png|verweis=https://anthrowiki.at/Datei:Weizenkorn.png|mini|Aufbau eines Weizenkorns]]Für die meisten Verwendungen werden die Früchte nach der Reife durch Dreschen von den abgemähten Pflanzen abgetrennt, wobei bei einigen Sorten auch die mit der Schale verwachsenen [[w:Spelzen|Deck- und Vorspelzen]] noch am Korn verbleiben, bei wenigen urtümlichen Sorten auch Hüllspelzen und Bruchstücke der Ährenspindel. Bei den meisten Mehlsorten wird traditionell die Schale durch Mahlen, Schleifen oder andere Verfahren möglichst vollständig entfernt und als [[w:Kleie|Kleie]] getrennt verwertet, bei Vollkornmehl ist dies nicht der Fall. Um lagerfähige Produkte zu erhalten, muss auch der Keimling entfernt oder hitzebehandelt werden. Er kann zur Gewinnung von Getreidekeimöl genutzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Verzehr werden Getreidefrüchte bzw. ihre Mehlkörper hauptsächlich gemahlen und als Brot gebacken, als Brei gekocht oder zum Beispiel zu Nudeln weiterverarbeitet. Aus Getreidesorten mit geringem Kleberanteil lässt sich Brot nur als Fladenbrot herstellen. Die wichtigsten Getreidepflanzen für die menschliche Ernährung sind Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer und Gerste. Als Viehfutter genutzt werden vor allem Gerste, Hafer, Mais und Triticale.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Hauptgetreidegattungen und ihre Verbreitungsgebiete ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Barleyfield.jpg|verweis=https://anthrowiki.at/Datei:Barleyfield.jpg|mini|Gerstenfeld]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[a:Weizen|Weizen]] – (&#039;&#039;Triticum&#039;&#039;), Hauptgetreide in gemäßigten Zonen. Er ist außerdem die Getreidegattung mit den besten Backeigenschaften&lt;br /&gt;
** &#039;&#039;Einkornreihe&#039;&#039; – [[w:Diploidie|diploid]]&lt;br /&gt;
*** [[w:Einkorn|Einkorn]] – (&#039;&#039;T. monococcum&#039;&#039;) ist neben [[w:Emmer (Getreide)|Emmer]] (&#039;&#039;T. dicoccum&#039;&#039;) die älteste bekannte Weizenart, die bereits in der [[w:Jungsteinzeit|Jungsteinzeit]] kultiviert wurde&lt;br /&gt;
** &#039;&#039;Emmerreihe&#039;&#039; – [[w:Polyploidie|tetraploid]]&lt;br /&gt;
*** [[w:Emmer (Getreide)|Emmer]] (&#039;&#039;T. dicoccum&#039;&#039;), neben [[w:Einkorn|Einkorn]] die älteste bekannte Weizenart, wurde bereits in der [[w:Jungsteinzeit|Jungsteinzeit]] kultiviert.&lt;br /&gt;
*** [[w:Hartweizen|Hartweizen]] – (&#039;&#039;T. durum&#039;&#039;), Verwendung für Teigwaren, Hauptanbaugebiete sind Nordamerika und Südeuropa&lt;br /&gt;
*** [[w:Kamut|Kamut]] – (&#039;&#039;T. durum x polonicum&#039;&#039;), eine natürliche Hybride aus Hartweizen (&#039;&#039;Triticum durum&#039;&#039;) und &#039;&#039;Triticum polonicum&#039;&#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;E. Khlestkina, M. S. Röder, H. Grausgruber, A. Börner: [http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;amp;aid=928520 &#039;&#039;A DNA fingerprinting-based taxonomic allocation of Kamut wheat&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Plant Genetic Resources.&#039;&#039; 4, 2006, 172–180.&amp;lt;/ref&amp;gt; ursprünglich wahrscheinlich aus dem Gebiet des [[w:Fruchtbarer Halbmond|Fruchtbaren Halbmondes]] (heutige Türkei, Irak, Iran und Israel) stammend; Kamut ist sehr nährstoffreich und wird vorwiegend in Nordamerika und Südeuropa angebaut.&lt;br /&gt;
** &#039;&#039;Dinkelreihe&#039;&#039; – [[w:Polyploidie|hexaploid]]&lt;br /&gt;
*** [[w:Dinkel|Dinkel]] – (&#039;&#039;T. spelta&#039;&#039;), Anbau noch in Belgien, Frankreich, Deutschland (in Schwaben und Franken), Österreich sowie in der Schweiz&lt;br /&gt;
*** [[w:Weichweizen|Weichweizen]] – (&#039;&#039;T. aestivum&#039;&#039;), für Brot und andere Backwaren&lt;br /&gt;
* [[a:Roggen|Roggen]] – (&#039;&#039;Secale&#039;&#039;), bedeutsam in kalten Regionen und auf leichten, sauren und sandigen Böden; Brotgetreide und Viehfutter&lt;br /&gt;
* [[a:Gerste|Gerste]] – (&#039;&#039;Hordeum&#039;&#039;), folgt als weniger anspruchsvolle Frucht im Fruchtwechsel dem Weizen; Viehfutter – Braugerste (Sommergerste) zur Malzherstellung&lt;br /&gt;
* [[a:Hafer|Hafer]] – (&#039;&#039;Avena&#039;&#039;), auch das „europäische Urgetreide“ genannt, war früher Grundnahrungsmittel in Schottland (Haferflocken, &#039;&#039;porridge&#039;&#039;), heute weltweit als Viehfutter verbreitet&lt;br /&gt;
* [[a:Reis|Reis]] – (&#039;&#039;Oryza&#039;&#039;), Hauptgetreide in tropischen Zonen, Grundnahrungsmittel in Asien&lt;br /&gt;
* [[a:Mais|Mais]] – (&#039;&#039;Zea mays&#039;&#039;), Grundnahrungsmittel der Völker Nord- und Südamerikas und Afrikas, weltweit als Viehfutter verbreitet&lt;br /&gt;
* [[a:Hirse|Hirse]] – (&#039;&#039;Sorghum&#039;&#039;, &#039;&#039;Panicum&#039;&#039;, &#039;&#039;Pennisetum&#039;&#039; u.&amp;amp;nbsp;a.), eine Gruppe von ähnlichen Getreidegattungen, die große Bedeutung für die Ernährung in Asien und Afrika haben&lt;br /&gt;
** [[w:Rispenhirse|Rispenhirse]], Deutsche Hirse (&#039;&#039;Panicum miliaceum&#039;&#039;), heute in Nordchina und Zentralasien angebaut. Vor der Einführung der Kartoffel war sie in Süddeutschland Grundnahrungsmittel, besonders in der ärmeren Bevölkerung.&lt;br /&gt;
** [[w:Kuthihirse|Kutkihirse]] oder Kleine Hirse (&#039;&#039;Panicum sumatrense&#039;&#039;) ist eine sehr robustes und genügsames Getreide, es wird in Indien und Sri Lanka angebaut.&lt;br /&gt;
** [[w:Kolbenhirse|Kolbenhirse]], Italienische Hirse (&#039;&#039;Setaria italica&#039;&#039;), heute in der Volksrepublik China und Nordindien angebaut, zur Römerzeit auch in Norditalien.&lt;br /&gt;
** [[w:Sorhum|Sorghum]] (&#039;&#039;Sorghum bicolor&#039;&#039; und andere), Grundnahrungsmittel in Asien und Afrika, weltweit als Viehfutter verbreitet.&lt;br /&gt;
** [[w:Perlhirse|Perlhirse]] (&#039;&#039;Pennisetum glaucum&#039;&#039;) toleriert noch mehr Trockenheit als Sorghum und wächst auch auf salzhaltigen Böden. Sie wird in Afrika (Sahelzone, Namibia, Botswana, Tunesien) und in trockenen Gegenden Pakistans und Indiens angebaut, oft in Fruchtwechsel mit Sorghum. Auch als Viehfutter hat sie große Bedeutung.&lt;br /&gt;
** [[w:Fingerhirse|Fingerhirse]] (&#039;&#039;Eleusine coracana&#039;&#039;), Grundnahrungsmittel in Südindien, wo es für Reis zu trocken ist (das Landesinnere der Staaten Karnataka und Andhra Pradesh), und in Zentralafrika (Uganda, Kenia, Tansania, Sambia), wo es für Sorghum zu feucht ist.&lt;br /&gt;
** [[w:Teff|Teff]] (&#039;&#039;Eragrostis tef&#039;&#039;), Grundnahrungsmittel in Äthiopien, ansonsten wenig bekannt. Die kleinen Körner lassen sich besonders leicht transportieren.&lt;br /&gt;
** [[w:Foniohirse|Fonio]] (&#039;&#039;Digitaria exilis&#039;&#039;), Grundnahrungsmittel in einigen Regionen Westafrikas mit armen Böden, wie Ost-Senegal, West-Burkina Faso, Süd-Mali, Süd-Niger, Nordost-Nigeria.&lt;br /&gt;
** [[w:Kodohirse|Kodohirse]] (&#039;&#039;Paspalum scrobiculatum&#039;&#039; L.) ist ein sehr trockenheitsresitentes Getreide, das auch auf nährstoffarmen Böden wächst. Es wird in Indien, aber auch auf den Philippinen, in Indonesien, Vietnam, Thailand und in Westafrika angebaut.&lt;br /&gt;
** [[w:Japanhirse|Japanhirse]] (&#039;&#039;Echinochloa frumentacea&#039;&#039;) wird in Ägypten, Indien, Kaschmir und Sikkim angebaut und als Nahrungsmittel verwendet. In den USA, Afrika und Kanada wird es größtenteils als Futtermittel für Vieh und als Vogelfutter genutzt.&lt;br /&gt;
** [[w:Hühnerhirse|Hühnerhirse]] (&#039;&#039;Echinochloa crus-galli&#039;&#039;) wird in Russland als Viehfutter angebaut.&lt;br /&gt;
* [[w:Wasserreis|Wasserreis]] &#039;&#039;Wildreis&#039;&#039; (&#039;&#039;Zizania&#039;&#039;) wird in Nordamerika angebaut.&lt;br /&gt;
* [[w:Hiobsträne|Hiobsträne]] (&#039;&#039;Coix lacryma-jobi&#039;&#039;) wird in Südasien und Indien angebaut.&amp;lt;ref&amp;gt;Colin W. Wrigley, Harold Corke, Koushik Seetharaman, Jonathan Faubion: &#039;&#039;Encyclopedia of Food Grains.&#039;&#039; Volume One, Second Edition, Elsevier, 2016, ISBN 978-0-12-803537-5, S.&amp;amp;nbsp;184–189.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Dreigliederung der landschaftlichen Individualität =====&lt;br /&gt;
# „… das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist förmlich ein Bild der Dreigliederung der landschaftlichen Individualität …&amp;quot; [[Düngung - 10. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018#Das Getreide ist förmlich ein Bild der Dreigliederung der landschaftlichen Individualität 00:26:58|| Klett, M. Düngung, 10. Folge, 2018, 00:26:58]]&lt;br /&gt;
# „[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
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		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>Rebe</title>
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		<updated>2026-08-01T19:01:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „[…] die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32]]&lt;br /&gt;
# […] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>Rebe</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „[…] die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32]]&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &amp;quot;In der [[Landwirtschaft]] ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die [[Natur]] verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben &#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039;.&amp;quot; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
# „&#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039; heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>Leben</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
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{{Anthrowiki.at|Leben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;„&#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; (griech. ζωή zoé; lat. vita; hebr. חִיִּים Chajim) ist im allgemeinen Sprachgebrauch eine zusammenfassende Bezeichnung für jene nur unscharf zu beschreibenden Eigenschaften, durch die sich die Lebewesen von toter [[Materie]] unterscheiden. Eine allgemein anerkannte Definition, die der Fülle des Lebens gerecht würde, gibt es weder in der Philosophie, noch in den Wissenschaften oder Religionen. Charakteristisch für einen lebendigen Organismus ist, dass er sich durch seine [[Vitaliät]] (lat. vitalis „lebensfähig“) innerhalb gewisser Grenzen einer wechselnden Umwelt anzupassen vermag, ohne dadurch seine spezielle Eigenart zu verlieren, sich selbst beständig regeneriert und so gegen Verletzungen, Krankheit und Alter ankämpft, und durch Reproduktion längerfristig die Erhaltung der Art gewährleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesamtheit der irdischen Lebewesen bildet die [[Biosphäre]] (von griech. βίος bíos „Leben“ und σφαίρα sphaira „Kugel“) der Erde. Sie reicht von etwa 5 km unter der Erde bis ca. 60 km hinauf in die Erdatmosphäre und umfasst dabei auch den größten Teil der Hydrosphäre. Nach der Mitte der 1970erJahre von James Lovelock und Lynn Margulis entwickelten, aber umstrittenen [[Gaia-Hypothese]] bildet die Biosphäre in ihrer Ganzheit einen mit der Fähigkeit zur Selbstorganisation ausgestatteten lebendigen Organismus, der das Leben auf Erden stabilisiert und die Evolution komplexer Einzellebewesen fördert.“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== L. Düngen =====&lt;br /&gt;
# Also &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; düngt Leben. Das ist dieses Grundgesetz alles Pflanzlichen. [[Düngung - 5. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018#Leben düngt Leben 01:20:21|| Klett, M. Düngung, 5. Folge, 2018, 01:20:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== L. Rhythmus =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „[[Rudolf Steiner]] prägte sinngemäß die Aussage: &#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Rhythmus trägt das Leben&#039;&#039;&#039;&#039;. Also nicht [[Takt]]! Bei [[Rhythmus]] verbindet sich etwas Unsichtbares, Geistiges, mit etwas in der Erscheinung. Beispiel: Die Formung des [[Embryo]].&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Ursprüngliches L. =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett|Manfred]] lebte als Kind in Ostafrika am Kilimanjaro, 1933: &#039;Wenn man also nachts aus dem Haus getreten ist, dann leuchteten da irgendwo in der Dunkelheit die Augen eines Leoparden oder… - na, der Löwe war so ein bisschen weiter weg, … Man war noch so mittendrin, … in diesem &#039;&#039;&#039;ursprünglichsten&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; der Erde, wo der Mensch eigentlich nur eine sekundäre Rolle spielt und die Tierheit primär im Vordergrund stand.&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Geboren 1933 in Ostafrika am Kilimanjaro 0:01:13|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:01:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Wahre Zusammenhänge =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# „Beim Anschauen der einzelnen Pflanze gilt die Frage dem wahren (großen) &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039;, in welchem das (Pflanzen-) &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; in [[Wirklichkeit]] steht. Es sei auf den großen [[Zusammenhang]] von Kompaßnadel und Erdmagnetfeld verwiesen.&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
# „[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039;. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28270</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28270"/>
		<updated>2026-08-01T16:35:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Brot und Wein&#039;&#039;&#039; - Dr. Georg Meißner und Martin von Mackensen in einem Dialog-Vortrag für namhafte Winzer und Top-Sommeliers aus der Spitzengastronomie im Rahmen der jährlichen biodynamischen Seminarveranstaltung auf dem Weingut Odinstal (organisiert vom Winzer Andreas Schumann).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=9s Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=116s Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=187s Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07] ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=378s Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18] ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=486s Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06] ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=692s Das Schossen und die Ähre 00:11:32] ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=815s Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1000s Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40] ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1245s Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45] ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1532s Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1756s Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=1905s Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45]]   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2028s Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2193s Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2390s Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2489s Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2634s Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=2842s Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22] ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3021s Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3212s Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3464s Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch - du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen -, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet: Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verwesung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen.” [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gärung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] [[Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026#Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44|| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3600s Kulturgeschichte der Gärung: Gekauter Reis in China 01:00:00] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen - wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3721s Der Persephone-Zyklus des Weines. Die soziale Plastik von Joseph Beuys 01:02:01] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt - was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen. Dann entsteht ein Bewegungsprozess und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann - und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu. Also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=3893s Vom Alkohol zum Essig: Konzentration des Lebendigen 01:04:53] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen. Aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier - ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie. Ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht - was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4059s Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der - als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste. Aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4206s Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps. Und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit - und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4386s Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit - wir reden von Concru im Weinbau. Im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht - es tut mir ja auch leid -, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus. Und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch - das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen. Wie lang halten die ihre Platzstellung so? Und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann ... machen die schlaff und hängen da runter. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4594s Der Knackigkeitseffekt: Das Geheimnis des perfekten Lesezeitpunkts 01:16:34] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4752s Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=4967s Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, steh mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert hat, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen - alles ist eine Frage der Zeit - die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh Scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da - das habe ich ja vorhin versucht zu erklären - da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig - das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit - da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5153s Gespräch: Pfropfung und die Frage des Gleichgewichts 01:25:53] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert. Sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage - ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin -, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild: Ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier. Hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch. Da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes. Da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht - wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen - für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäer-Reben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten - in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5414s Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Materielle reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung? Ja?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5510s Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass sozusagen plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren. Weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c&amp;amp;t=5749s Zum Abschluss: Der Boden braucht den Humus, die Gemeinschaft den Humor 01:35:49] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisierungsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ja, ja!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Das war&#039;s. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28269</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-27T16:50:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch - du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen -, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet: Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verwesung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gärung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: Gekauter Reis in China 01:00:00 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen - wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus des Weines. Die soziale Plastik von Joseph Beuys 01:02:01 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt - was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen. Dann entsteht ein Bewegungsprozess und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann - und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu. Also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: Konzentration des Lebendigen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen. Aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier - ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie. Ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht - was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der - als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste. Aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps. Und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit - und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hier weiter 01:13:06 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit - wir reden von Concru im Weinbau. Im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht - es tut mir ja auch leid -, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus. Und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch - das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen. Wie lang halten die ihre Platzstellung so? Und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann ... machen die schlaff und hängen da runter. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Knackigkeitseffekt: Das Geheimnis des perfekten Lesezeitpunkts 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, steh mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert hat, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen - alles ist eine Frage der Zeit - die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh Scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da - das habe ich ja vorhin versucht zu erklären - da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig - das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit - da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und die Frage des Gleichgewichts 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert. Sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage - ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin -, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild: Ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier. Hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch. Da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes. Da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht - wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen - für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäer-Reben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten - in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Materielle reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung? Ja?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass sozusagen plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren. Weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zum Abschluss: Der Boden braucht den Humus, die Gemeinschaft den Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisierungsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ja, ja!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Das war&#039;s. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28268</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-27T16:14:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch - du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen -, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet: Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verwesung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gärung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: Gekauter Reis in China 01:00:00 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen - wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus des Weines. Die soziale Plastik von Joseph Beuys 01:02:01 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt - was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen. Dann entsteht ein Bewegungsprozess und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann - und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu. Also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: Konzentration des Lebendigen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen. Aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier - ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie. Ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht - was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der - als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste. Aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps. Und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit - und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hier weiter 01:13:06 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28267</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-27T09:25:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch - du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen -, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet: Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verwesung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön - verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gärung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell […] die Hefen […] auch die Bakterien […] da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft” […] | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:57:44&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: Gekauter Reis in China 01:00:00 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen - wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus des Weines. Die soziale Plastik von Joseph Beuys 01:02:01 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt - was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen. Dann entsteht ein Bewegungsprozess und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann - und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu. Also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: Konzentration des Lebendigen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen. Aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier - ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie. Ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht - was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der - als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste. Aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps. Und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit - und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 01:13:06&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>Verwesung</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: Die Seite wurde neu angelegt: „{{Artikel oben}} __TOC__ {{Anthrowiki.at|Verwesung}} &amp;lt;blockquote&amp;gt;„Die Verwesung umfasst eine Vielzahl von Prozessen, durch die organische Substanzen in Gegenwart von Sauerstoff, also unter aeroben Bedingungen, abgebaut werden. Anders als die Fäulnis, die unter anaeroben Bedingungen abläuft, entstehen bei der reinen Verwesung keine giftigen oder stinkenden Abbauprodukte, sondern hauptsächlich nur Wasser, Kohlendioxid und Harnstoff.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  == G…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
{{Anthrowiki.at|Verwesung}} &amp;lt;blockquote&amp;gt;„Die Verwesung umfasst eine Vielzahl von Prozessen, durch die organische Substanzen in Gegenwart von Sauerstoff, also unter aeroben Bedingungen, abgebaut werden. Anders als die Fäulnis, die unter anaeroben Bedingungen abläuft, entstehen bei der reinen Verwesung keine giftigen oder stinkenden Abbauprodukte, sondern hauptsächlich nur Wasser, Kohlendioxid und Harnstoff.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrescher erleichtern die Arbeit, geht aber auf Kosten der Qualität 00:50:21 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Massenproduktion und das Individuelle 00:53:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikumsfrage:&#039;&#039;&#039; Also du sagst, die alte Variante, wir schneiden, noch mal einlagern, gibt eine andere Qualität, wie der Mähdrescher, der holt und drischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Absolut! Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen - Wahnsinn! Wenn man das noch vor 100 Jahren - wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben ist ... und unsere Sorten - da ist natürlich eine gemeinsame Anpassung auch passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas - da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Ist das nicht geil? Es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:44 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28264</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-24T15:02:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Getreide]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.“ | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:51:03&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28263</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-24T14:59:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:20:45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Getreide&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist. | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist - viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance -, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August - das ist Ferragosto in Italien - wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt - der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind. Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Warum  guten Wein nur mit der Traube? Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch 00:47:22 ===&lt;br /&gt;
Die Rebe ist in der Lage ist, einen großen Teil ihrer Energie nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang - leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los - dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber - sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese - ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres - das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. [MvM.: Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht.] Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so - ich nehme jetzt mal Steiner -, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal: Da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:51:03&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28262</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28262"/>
		<updated>2026-07-24T13:21:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:20:45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] die Rebe […] ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:25:32  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rebe]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] „wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung   die &#039;&#039;&#039;Rebe&#039;&#039;&#039; ist zweigeschlechtlich”  | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:31:45   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Getreide&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[…] wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife. Das &#039;&#039;&#039;Getreide&#039;&#039;&#039; ist reif, wenn es tot ist. | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:39:50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel - hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich -, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das: Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Stroh]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:41:29   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase - als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:45:17&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:20:45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Moment des Blühens stirbt die Getreidepflanze bereits ab. Aufbau in der kalten Periode, Abbau im Frühsommer 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe [zeichnet]. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter grauehellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hättet ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann - fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. [zeichnet]Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung: Wässriges Sekret - Teigphase - Totreife. Im Gegensatz zum Wein ist das Getreide reif, wenn es tot ist 00:39:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:41:29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:29 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28258</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-23T14:35:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:20:45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polare Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich mach das … hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal - wir vermehren sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten [zeigt nach unten], und bau erstmal Substanz da auf im Stamm [hebt die Hände nach oben].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. [zeichnet an der Tafel] Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung - kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen. Und was man hier vielleicht auch verstehen kann - Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar? Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe lebt voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus im Jahreslauf. Im Januar geht der Saftstrom nach oben 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage - das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen - ich habe euch das vorhin erklärt -, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es „pleurer”, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus, so ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer - da schneiden wir meistens - eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen, Wollstadium und Austrieb 00:29:16 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum … Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht - Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit - deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen. Das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten. Und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum. Und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, [zeichnet] ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können - jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment -, und die Rebe ist zweigeschlechtlich. Und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt - ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar! Und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:48 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:36:33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Getreideblüte und das große Sterben 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter graue, hellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hätt ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann – fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung und die Totreife 00:39:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:30 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28257</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-22T20:26:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:46 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau, „élevé en fût de chêne” und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal, muss sie, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum oben drauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie - da müssen wir auch Physik sprechen - muss sie einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kultur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung.” | Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:16:40 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier weiter 00:20:45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:45 ===&lt;br /&gt;
Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polar Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal – wir verwenden sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten, und bau erstmal Substanz da auf im Stamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung – kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was man hier vielleicht auch verstehen kann – Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar. Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Jahreslauf der Rebe und das Bluten 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage – das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen – ich habe euch das vorhin erklärt –, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es pleurer, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus. So ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer – da schneiden wir meistens – eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen und Austrieb 00:29:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum. Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht, Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit – deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen, das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten, und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum, und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können – jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment –, und die Rebe ist zweigeschlechtlich, und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt – ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar, und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Getreideblüte und das große Sterben 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter graue, hellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hätt ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann – fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung und die Totreife 00:39:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:30 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Glossar von Elke Jurasszovich ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28256</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28256"/>
		<updated>2026-07-22T09:56:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot [zeichnet an der Tafel], damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht, zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines - äh, der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft 00:08:06 ===&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial - können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer wachsen, Spitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:32 ===&lt;br /&gt;
Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir - da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich - im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich - die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder „Schossen” wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So [zeichnet]. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt - haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai - ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe, eine Dyonisos-Pflanze, steht für unglaubliche Wuchskraft und Lebendigkeit. Dionysos ist in der griechischen Mythologie die Gottheit für das unzerstörbare Leben 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann - es ist bei der Rebe etwas anders. Oder wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Leben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„[…] in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe […] dann gibt es den anderen Begriff […] Bios […] da gibt es einen Anfang und ein Ende […] bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben […] das Leben als solches.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:13:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:40 ===&lt;br /&gt;
hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal Masse, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum obendrauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie – da müssen wir auch Physik sprechen – einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polar Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal – wir verwenden sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten, und bau erstmal Substanz da auf im Stamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung – kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was man hier vielleicht auch verstehen kann – Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar. Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Jahreslauf der Rebe und das Bluten 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage – das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen – ich habe euch das vorhin erklärt –, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es pleurer, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus. So ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer – da schneiden wir meistens – eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen und Austrieb 00:29:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum. Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht, Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit – deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen, das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten, und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum, und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können – jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment –, und die Rebe ist zweigeschlechtlich, und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt – ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar, und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Getreideblüte und das große Sterben 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter graue, hellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hätt ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann – fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung und die Totreife 00:39:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:30 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28255</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-21T16:03:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
hier weiter 16:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot, damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht. Zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines... der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung 00:08:28 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer Wachstumsspitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:31 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir... da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich... im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich... die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder Schossen wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt – haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai – ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe als mehrjährige Dionysos-Pflanze 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann – es ist bei der Rebe etwas anders. Wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:41 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal Masse, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum obendrauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie – da müssen wir auch Physik sprechen – einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polar Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal – wir verwenden sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten, und bau erstmal Substanz da auf im Stamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung – kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was man hier vielleicht auch verstehen kann – Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar. Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Jahreslauf der Rebe und das Bluten 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage – das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen – ich habe euch das vorhin erklärt –, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es pleurer, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus. So ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer – da schneiden wir meistens – eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen und Austrieb 00:29:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum. Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht, Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit – deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen, das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten, und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum, und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können – jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment –, und die Rebe ist zweigeschlechtlich, und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt – ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar, und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Getreideblüte und das große Sterben 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter graue, hellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hätt ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann – fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung und die Totreife 00:39:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:30 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Brot_und_Wein_-_ein_Vortrag_von_Georg_Meissner_und_Martin_von_Mackensen,_2026&amp;diff=28254</id>
		<title>Brot und Wein - ein Vortrag von Georg Meissner und Martin von Mackensen, 2026</title>
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		<updated>2026-07-21T16:01:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}[[Datei:Martin von Mackensen und Georg Meissner 2026-6-22.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=-bdCU0PbI1c|thumb|[[Georg Meissner|Dr. Georg Meißner]] und [[Martin von Mackensen|Martin von Mackensen]] bei einem Vortrag auf dem Weingut Odinstal mit dem Thema &amp;quot;Brot und Wein&amp;quot; am 22. Juni 2026 ]][[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription vom 22. Juni 2026 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Juli 2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| Mackensen M.v., Meissner G. Brot und Wein, 2026, 00:00:00   […]   …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorstellung der Vortragenden - es geht um das Thema Brot und Wein 00:00:09 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Herzlich willkommen! Mein Name ist Martin von Mackensen, und ich werde jetzt meinen Kollegen Georg Meissner vorstellen. Und er macht das hoffentlich anschließend mit mir auch. [Georg: Vielleicht]. Wir sprechen zu dem Thema Brot und Wein, haben das schon öfters gemacht, und in der Vorbereitung haben wir wieder ganz viele Stellen entdeckt, mit denen wir uns noch weiter und tiefer beschäftigen und beschäftigen wollen. Das wird auch nicht aufhören. Wahrscheinlich werden wir eines Tages sterben und werden sagen, oh, da könnte man immer noch weiter dran arbeiten. Das ist so groß. Diese zwei großen Menschheits-Kulturpflanzen, die stehen heute im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Meissner hat nach seiner Schule eine Weinbaulehre gemacht, hat dann Weinbau studiert und ist dann sehr viel international unterwegs gewesen, hat an verschiedenen großen Weingütern mit Biodynamik begonnen und hat dann in seiner Promotion in Geisenheim sich ausgiebig mit einem biodynamisch-organisch-konventionellen Weinbauversuch beschäftigt und ist dann aber wieder als Betriebsleiter in die Praxis gegangen und steht heute hier. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Danke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Martin von Mackensen, wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren. Als ich dann aus Südafrika zurückgekommen bin und meine Promotion in Geisenheim angefangen habe, war er beratend im Systemvergleich auch tätig und ist Leiter der Landbauschule Dottenfelderhof und hat sich viele, viele Jahre intensiv mit der Getreidepflanze beschäftigt - in Züchtung und Forschung und allem Pipapo. [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Vortrag im Wechselgespräch 00:01:56 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und jetzt wollen wir es wirklich heute, ausnahmsweise haben wir es so noch nie gemacht, wirklich im Wechsel machen, hin und her, weil wir glauben, dass in den einzelnen Aspekten, indem wir sie von diesen beiden Seiten aus beleuchten, etwas auftaucht, was man sonst nicht so gut mitkriegt. Und wir werden es so machen, dass ich jetzt starte mit dem Getreide, und dann wird Georg den – kann man gar nicht sagen gleichen Teil, aber den ähnlichen Teil – für den Wein machen, und dann wird es immer wieder hin und her gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt über diese beiden Pflanzen sprechen, werden wir immer wieder diese Erweiterung in die Kultur, in Bezug auf den Menschen, in Bezug auf die sich ständig wandelnde Welt haben, den werden wir immer wieder haben, diesen Aspekt. Aber wir werden trotzdem versuchen, sozusagen für Sie anhand von dem, was man sieht, was man erlebt, was man kennt, mit dem man eine Beziehung hat, weil man die Phänomene kennt - anhand von dem wollen wir eigentlich da tiefer reinleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typisch für die Getreidepflanze - zuerst wachsen Wurzeln nach unten 00:03:07 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und so würde ich mit Ihnen beginnen an dieser Stelle und würde sagen, was ist denn der Anfang von einer Getreidepflanze? Wie geht es denn los? Nehmen Sie sich innerlich mal – Sie dürfen auch gerne die Augen zumachen - ein Weizenkorn. Da haben Sie diese schöne Furche, da haben Sie, wenn es ein schönes, gutes Korn ist, so zwei dicke Popobacken, so richtig knackig, und auf der einen Seite diese ganz, ganz feine, zarte Behaarung. Und jetzt kommt das in die Erde, in die Feuchte - Sie können es auch zwischen Küchenpapier legen, ein bisschen dunkel -, und zwei, drei Tage später quillt es auf, und endlich ist dieses ganz, ganz Harte weich. Und dann passiert es. Das Weichwerden ist entscheidend. Es kann Jahrzehnte liegen, aber es muss weich werden, und das wird es nur durch Wasser. Ist doch spannend. Man muss einfach die Gesten wirklich ernst nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann passiert etwas, was ich Ihnen jetzt gleich auch ein bisschen hinzeichnen möchte, was für mich schon sehr, sehr typisch ist für diese Kulturpflanze_ Drei kleine Wurzeln nach unten. Nichts nach oben, nichts grün, nichts Trieb. Runter. Erstmal runter. Erstmal sich verbinden mit dem Boden in einem Tempo, wo kein Unkraut mithalten kann. Das ist auf dem Acker. Die Ackerkultur schlechthin, das Getreide, ob jetzt Roggen, Weizen, Gerste, müssen wir gar nicht so genau nehmen, erstmal sich verwurzeln mit dem Untergrund. Und das geht vom dritten, vierten Tag. Und so nach dem zwölften Tag kommt dann auch oben mal was raus. Und da ist das nach unten schon so zehn, zwanzig Zentimeter und kommt oben zwei Zentimeter hervor. Also diese Voreilung der Wurzeln. Das ist, glaube ich, was sehr, sehr Typisches. Und in aller Regel drei. Und in aller Regel schon mit diesem allerersten Würzelchen so ein wunderschöner, feiner Feinwurzelflaum da dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich zeichne das kurz. Für das Getreide ist es wesentlich zu wissen, dass man unten drunter eine Geologie hat. Einen Untergrund, der wirklich ein Gestein ist. Und das deute ich hier nur mit diesem Strich an. Und auf diesem Gestein haben wir möglicherweise eine erste Bodenbildung, die vielleicht eher so was Tonartiges ist. Einen Untergrundboden, einen zweiten Untergrundboden und dann den eigentlichen Mutterboden, der jetzt unten auch vielleicht etwas fester ist und der sich im Laufe des Jahres auch ändert. Zu Anfang ist er schön locker. Merken Sie sich das: Schön locker! Das kommt ganz nachher wieder, wenn wir am Teig dran sind. Hier ist der Boden schön locker. Schön Luft, schön noch ein bisschen Wärme, noch ein bisschen Wärme Es geht in den Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Getreide wächst in den Winter hinein 00:06:18 ===&lt;br /&gt;
hier weiter 16:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Eine ganz verrückte Sache. Unsere Kulturpflanze Nummer eins, von der wir am allermeisten leben, wächst in den Winter rein. Das klassische Getreide wird im Herbst ausgesät. Und diese drei Würzelchen und so weiter. Und wenn es da mal zwei Wochen Frost ist im November, dann macht es halt Pause. Es kann einfach weiter wachsen, sobald es so über vier Grad Bodentemperatur hat. Schön locker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist dann auch bald vorbei. Ich mache es rot, damit man es gut unterscheiden kann. Und wo wollen wir gerne hinsehen? Genau an diese Grenzschicht. Zwischen locker und fest. Das Erste sind diese drei Würzelchen, die da ganz schnell runtergehen. Und nach oben dann irgendwann so ein erstes kleines... der Landwirt sagt, spitzt. Es läuft auf. Es spitzt sich ein bisschen heraus. Und jetzt kommt der Winter. Und es wächst immer dann, wenn es kann. Und ob das im November, Dezember ist oder im Januar, Februar, ist eigentlich egal. Wir gucken so bis Ende Februar, bis der Winter vorbei ist. Und ob da drei Blätter geworden sind oder ob schon der nächste Schritt passiert ist, ist eigentlich auch egal. Eine unglaubliche Flexibilität. Immer so, wie die Bedingungen sind. Und wir müssen nichts tun. Das ist eigentlich saugenial. Säen, Unkraut ein bisschen weghalten. Und dann fünf, sechs Monate kannst du es einfach allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geht beim Wein überhaupt gar nicht. Nicht einen Tag im Grunde genommen. Die müssen sie immer in sich – was passiert da gerade, was muss ich tun? Getreide säen, loslassen, wird schon. Kommt nachher anders. Aber jetzt ist es so. An dieser Stelle ist es so. Ich muss jetzt ein bisschen aufs Tempo drücken, damit du auch wieder drankommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Wunder der Bestockung 00:08:28 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Dieser erste große Schritt, der eben schon im Dezember passieren kann, aber auch im Februar, der so unglaublich ist. Wir haben jetzt hier schon Wurzeln, die weit runtergehen. Und hier oben ein Blatt, zwei Blatt, drei Blatt. Und jetzt passiert eigentlich ein Weltwunder. Da ist so eine kleine Graspflanze mit diesen drei zarten Blättchen. Und auf einmal an der Seite das nächste. Drei kleine Blättchen bilden sich. Und da nochmal. Und wenn viel Platz ist und die Bedingung gut ist, nochmal. Der einzelne, dreiblättrige Pflanzenteil wird zum Büschel. Wird zur Dreifach-, Fünffachpflanze. Beim Roggen kann man zwölf haben. Bestockung. Unglaublich genial können alle Gräser, die vermultiplizieren sich vor unseren Augen, mitten in dieser vegetativen Situation. Die bilden nachher alle Halme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kommen immer mal nach so einem Vortrag: Ist das wirklich wahr, dass aus einem Korn mehrere Ähren kommen? Ja, es ist wirklich wahr. Das ist das Wunder der Bestockung. Ich schreibe es gleich noch dazu. Ein Überschuss an quellender, lebendiger Vervielfältigungskraft. So würde ich das vielleicht mal versuchen zu sagen. Und ich deute das jetzt hier nur so an. Und was dabei ganz, ganz wichtig ist, dass hier ganz neue, ganz fette Seitenwurzeln entstehen. Die fängt einfach nochmal an. Erst diese drei. Diese drei Blättchen. Und dann neue, so viel dicker. Die sind richtig botanisch. Das ist einfach eine andere Art von Wurzel. Und Nebentriebe. Und weiter geht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht es weiter. März. Der Acker wird jetzt so richtig zur Wiese. Überall sind diese Büschel. Und überall im Boden geht es jetzt richtig ab mit diesen schönen Kronenwurzeln. Denken Sie nicht, dass die alten da noch richtig viel aktiv sind. Wurzel heißt nicht, dass die da ist und funktioniert. Nie mehr so denken. Für keine Pflanze. Wurzel ist immer Wachstumsspitze. Und an dieser Spitze, da passiert das Weltwunder. Auf dem halben Millimeter, die wachsende Wurzelspitze, da wird etwas ausgesondert. Aus der ganzen Pflanze, was diesen Boden verändert. Und dieser Boden verändert wiederum diese Pflanzenspitze. Da schleudert die Pflanze aktiv Zellen raus und wächst denen hinterher. Das muss man sich mal vorstellen. In dem harten Boden. Das ist eigentlich Wurzel. Und das passiert hier massiv, massiv, massiv. Sie ernten nachher nur Getreide, wenn der Boden richtig gut durchwurzelt wird. Genau in dieser Zeit. März, April, Mai. Dann ist dann ziemlich schnell Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schossen und die Ähre 00:11:31 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also wir haben das Bestocken. Und dann haben wir... da ist das wie so eine Wiese. Sie fahren dann mit dem Fahrrad vorbei. Anfang April. Und Sie denken, war das eigentlich... im Winter war das doch braun. Da habe ich doch den Boden gesehen. Jetzt sieht man gar keinen Boden mehr. Und jetzt plötzlich... die Landwirte sagen dazu, es schießt. Schossen. Das Getreide schießt. Es geht so schnell, dass man von Schießen spricht, weil es ist wie ein Stauungseffekt. Es ist vorher lange am Boden und jetzt schießt es plötzlich hoch. Und dieses Schießen oder Schossen wäre eigentlich botanisch oder agronomisch der richtige Begriff. Und der geht wirklich so, dass das in null Komma nichts da hochgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir hatten gesagt, es sind drei. Und jetzt mache ich hier auch drei. So. Und während diesem ganz schnellen Hochgehen differenziert sich da unten aus einem halben Millimeter innen drin, im Halm, eine Ähre aus. Und die schießt noch schneller. Die überholt nämlich. Es wächst hoch und die Ähre überholt sich. Und deshalb kommt dann plötzlich, wenn es so hoch ist, da eine Ähre hervor. Ähren schieben. Die Ähre erscheint, und jetzt ist der Punkt, wo der Georg wieder drankommt, weil jetzt ist schon finito. Jetzt kommt demnächst die Blüte, und im Grunde genommen ist jetzt – haben wir schon Mai, ja, Mitte, Ende Mai – ist es eigentlich vorbei. Was dann noch kommt, erzähle ich gleich, wenn er seinen Teil gemacht hat. Ich male noch eine Ähre dahin, die ist noch grün, und deute sie an. Das kommt dann später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rebe als mehrjährige Dionysos-Pflanze 00:13:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Bevor ich da jetzt einsteigen kann – es ist bei der Rebe etwas anders. Wir haben es ja mit einer mehrjährigen Pflanze zu tun, und ich fange mal mit einem Bild an. Stellt euch vor, ihr habt hier so einen Trieb, das schauen wir uns nachher noch näher an. Und dann habt ihr an diesem Trieb einzelne Knospen. Und aus diesen Knospen treibt dann im Laufe des Jahres das aus. Das heißt, in dieser mehrjährigen Pflanze können wir vielleicht die Knospe vergleichen mit dem, was wir hier im Getreide haben. Vielleicht mal als erstes Bild. Also es ist auch botanisch, kann man sich das so vorstellen, dass jeder einzelne Trieb hier auch als einzelne Pflanze verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt mache ich hier mal so ein bisschen ein größeres Bild. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter in der Mehrjährigkeit. Es handelt sich hier ja um Dionysos. Eine Dionysos-Pflanze. Und da werden wir auch noch mehr drauf eingehen. Dionysos ist letztendlich die Gottheit in der griechischen Mythologie für das unzerstörbare Leben. Für das Leben als solches. Und das werden wir jetzt hier auch gemeinsam entwickeln. Die Rebe steht auch für die Pflanze mit der unglaublichen Wuchskraft, Lebendigkeit, steht eigentlich für das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der griechischen Mythologie gibt es zwei Begrifflichkeiten für Leben. Das eine ist das sogenannte Zoe. Kennt ihr vielleicht das Auto? Und dann gibt es den anderen Begriff. Das ist Bios. Und warum erzähle ich das? Weil Bios ist – da gibt es einen Anfang und ein Ende. Deswegen reden wir auch von der Biografie. Oder von Geburt und Tod. Also da gibt es ein Verhältnis vom Leben zum Tod. Und bei Zoe gibt es das nicht. Das könnte man auch als Seelenleben beschreiben. Das ist sozusagen das Leben als solches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder wir können es auch so beschreiben, wenn wir jetzt auf die Rebe schauen oder auf eine mehrjährige Pflanze, dass wir sozusagen hier die einzelnen Jahre haben. Also Mehrjährige, und sozusagen, dass der Einfluss des einen Jahres immer wieder einen Einfluss auf das andere Bios hat. Reinkarnation oder Mehrjährigkeit. Und wir reden hier auch nur – ich gebe es einfach mit als Reflexion –, wenn wir von der Wissenschaft des Lebendigen reden, reden wir meistens von der Biologie. Aber das Leben als solches ist eigentlich die Zoologie. Und da kommt ja dann gleich das Tier dazu, aber da gehe ich jetzt heute mal nicht drauf ein. Also dass man sich das klar macht, dieses Seelenleben, dieses Beseelte und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur, Natur und das Wesen der Rebe 00:16:41 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn wir jetzt auf die Kulturpflanze eingehen, was heißt eigentlich Kultur und Natur? Was heißt es, das natürliche Wesen der Rebe zu verstehen? Und was ist dann die Kulturtat, was macht dann der Mensch damit? Und der Kulturbegriff ist hier ja auch wichtig. Kultur heißt letztendlich ursprünglich, den Boden öffnen. Das heißt, ich nehme ein Stück Natur aus dem natürlichen Zusammenhang, öffne den Boden und übernehme jetzt als Mensch die Verantwortung. Ich trete ganz stark in Beziehung und muss die Verantwortung für dieses Stück Land übernehmen, um letztendlich dort für Entwicklung zu sorgen. Also ein wichtiger Begriff hier ist, in Beziehung treten, ein Verständnis für das Andere in seiner natürlichen Wesenheit zu entwickeln. Aber dann habe ich ja auch einen Willensimpuls, ich möchte etwas damit machen und sie in die Kultur führen oder vielleicht auch erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit werden wir auch enden. Wir haben den französischen Begriff Élevage, habt ihr ja vielleicht schon gehört. Das kann man für die Tierhaltung verwenden, aber auch für den Weinausbau und so weiter. Also: Ich erhebe dich, ich bringe dich auf eine andere Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was machen wir da? Deswegen muss ich jetzt hier einen Zwischenschritt machen. Wir als Winzer müssen uns vielleicht erstmal auch die Kulturpflanze oder die Naturpflanze anschauen, und die Rebe, wo wächst sie denn? Sie bildet auch erstmal Masse, egal wo sie ist. Sie ist meistens hier so. Odinstal ist kein schlechtes Beispiel. So in dem Bereich, wo Wald in Feld und Wiesen übergeht. Diese Randbereiche, dort wachsen diese Lianengewächse oftmals, und wo sie hier noch natürlich vorkommt, in unseren Gefilden, sind es die Rheinauen. Da finden wir sie noch als Wildpflanze. Und sie wächst also eher in einem schattigen Bereich. Um ans Licht zu kommen, muss sie erstmal ordentlich Substanz bilden. Muss da erstmal ordentlich hochwachsen. Sie muss sich erstmal an so einem Baum orientieren. Sie ist eine Liane, also Tarzan und so. Und muss also eigentlich als Pflanze baumartig sein. Sie will also da hochwachsen und sich dann am besten auf so einen Baum obendrauf legen. Sechs Meter? Nein, 15 Meter. Höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um das tun zu können, muss sie – da müssen wir auch Physik sprechen – einen richtigen Druck aufbauen können. Und eine Rebe innerlich kann bis zu 17 Bar Druck aufbauen. Also da geht es zur Sache. Das ist Grundlagenphysik. Wenn wir da so eine Flüssigkeit hochpumpen wollen, dann müssen wir Druck aufbauen. Das muss die Rebe eben auch können. Das heißt innerlich, was braucht sie dafür? Sie muss erstmal sich ganz, ganz stark mit dem Boden verbinden und da ganz tiefe Wurzeln bauen und bilden. Das ist auch ein erster Prozess, den du auch beschrieben hast. Als Naturpflanze, um dann letztendlich fähig zu sein, diese Wahnsinns-Substanz zu bilden und dann sich auf diesen Baum obendrauf zu legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache normalerweise hier immer eine Übung mit euch. Die, die mich kennen. Ich mache es euch jetzt mal vor. Ihr macht diese Geste, ich will da hoch, und dann lege ich mich so auf den Baum obendrauf. Ich komme sozusagen aus diesem innerlichen, samenhaften raus, bilde Substanz, und dann habe ich sozusagen diese Baumkrone und lege mich da obendrauf. Und das ist ihre Grundgeste. Wir reden dann, wenn wir pflanzenphysiologisch – sie will also nach oben. Das ist das, was sie immer macht. Der oberste Trieb, da geht immer die meiste Kraft und Lebenskraft der Rebe rein. Das nennen wir pflanzenphysiologisch apikale Dominanz. Wenn wir hier solche Begrifflichkeiten um uns schmeißen wollen. Also sie will da nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Kulturtat des Winzers: Erziehung der Rebe 00:20:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und was machen wir jetzt als Winzer? Wir haben festgestellt, sie wächst eigentlich in diesem beschatteten, waldigen Zusammenhang, oder so eine Rheinaue, auch schön viel Schatten, so urwaldmäßig. Und jetzt nehmen wir diese Pflanze als Mensch und bringen sie eigentlich ins polar Gegensätzliche. Wir holen sie aus dem Schatten und pflanzen sie am besten in die exponierten, sonnigen Lagen daraus. Und was wir jetzt als Zwischenschritt erstmal machen müssen, ist, sie erstmal in den Raum zu schaffen. Wir müssen ihr Wesenhaftes, ihr Urwesen verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es darum, als Mensch die Verantwortung zu übernehmen und sie so zu führen, dass sie auf der einen Seite ihr Wesen ausleben kann, dass sie Rebe sein kann, aber dass sie uns eben auch diese Trauben gibt, die wir von ihr wollen. Und wenn wir das Wesenhafte der Reben anschauen, das Naturwesen, wenn sie da oben auf dem Baum liegt, dann macht die gar nicht so viele Trauben, die Wildrebe. Das macht sie eigentlich erst dann, wenn sie so ein bisschen unter Druck gerät. Wenn sie merkt, ich muss jetzt eigentlich mal gucken, dass die Nachfahren sich da entwickeln. Und ich hole sie sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes von da oben runter auf die Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ich dann machen muss als Winzer, und das wird oft falsch gemacht, da drehe ich wirklich draußen in der Praxis auch durch, ich nenne es Vergewaltigung. Oftmals, wenn wir eine Junganlage haben, dann bringen wir diese armen Kinder viel zu früh in den Zwang, Frucht zu bilden, schon nach zwei, drei Jahren. Das ist ein Wahnsinn. Wer hier Winzer ist, bitte tut das nicht, wenn wir über die Resilienz der Pflanze sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worum es jetzt erstmal geht, ist, wir holen sie immer wieder runter. Und sie muss erstmal was bilden, das machen wir langsam. Also sie hat erstmal – wir verwenden sie auch heutzutage in erster Linie vegetativ, sie darf gar nicht Same sein, das wäre jetzt nochmal ein anderes Seminar. Aber jetzt stellt euch vor, hier kommt so ein Stängelchen, und sie bildet im ersten Jahr so ein paar Wurzeln. Und ich habe euch ja gesagt, sie will tiefe Wurzeln bilden. Und dann treibt sie da so ein bisschen aus. Und dann hole ich sie aber wieder mit einem Schnitt zurück. Und dann muss sie langsam, aber sicher mal ein bisschen dicker bauen. Und im dritten Jahr vielleicht noch ein bisschen dicker. Und vor allem muss hier was passieren. Also erstmal nach da unten, und bau erstmal Substanz da auf im Stamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann habe ich ja dieses Bild da hingemalt. Also jetzt stellt euch vor, ich male das jetzt mal ein bisschen größer. Jetzt entsteht hier langsam so was Stammartiges. Und dann kann ich vielleicht als Winzer – ich male das jetzt mal so ganz plastisch – hier mal anfangen, wenn wir jetzt an die Flachbogenerziehung gehen. Ich verwende hier schon ein Wort, Erziehung – kommt hier noch, ein pädagogischer Begriff. Verwenden wir tatsächlich bei der Rebe. Also erziehe ich mein Kind jetzt top-down und sage, du musst machen. Oder versuche ich das Kind so zu verstehen, welches Potenzial hat es und wie kann es seine Potenziale ausleben. Das sind unterschiedliche Herangehensweisen. Und welche Art von Erziehung ist eigentlich rebengemäß? Wäre nochmal ein Vortrag für sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist die Flachbogen-, ich mache es nur ganz schnell. Stellt euch vor, ich habe eigentlich diese Geste, und jetzt nimmt mich jemand, ich will da nach oben, jetzt nimmt mich jemand und biegt mich hier so rüber, und jetzt muss ich plötzlich so wachsen. Also ich werde nachher auf die Seite und muss den da machen, das können wir in der Gestik der Reben da draußen wunderbar sehen. Das stellt uns als Winzer vor Herausforderungen. Also sie will jetzt hier sozusagen dann entwickeln und dann hier ihre Triebe machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was man hier vielleicht auch verstehen kann – Steiner drückt es so aus, wenn wir das als den Boden haben, das sind Bildsprachen für mich, aber man kann das auch erklären, dann gibt er uns ein Bild und sagt, diesen Stamm an dem Baum, den könnt ihr verstehen wie eine aufgestülpte, nach oben aufgestülpte Erde. Also es ist im Grunde ein Stück Boden, was ich hier habe, und wenn ich das Bild botanisch mit euch teile, dann könnt ihr euch vorstellen, der Boden ist jetzt wie hier nach oben gehoben. Das ist nachvollziehbar. Und dann wächst hier ein Stückchen höher, je nachdem, wo ich die Erziehung hinlenke, wachsen dann die Pflanzen raus. Vielleicht mal als eine erste Gestik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Jahreslauf der Rebe und das Bluten 00:25:32 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommen wir jetzt in den Jahreslauf und auch in diese Mehrjährigkeit. Ich mache jetzt mal so schnell, das male ich immer mit so einer Welle hin. Und das ist jetzt einfach mal der Sonnenrhythmus, und dann sage ich, das hier ist der dunkelste Tag des Jahres, das nennen wir Weihnachten. Und das ist der hellste Tag des Jahres, da sind wir jetzt kurz davor. Oder den hatten wir gerade gestern. Und zwischendrin gibt es dann so Halbzeitfeste, das ist Frühlingsanfang und Herbstanfang. Und hier gibt es dann, das nennen wir Ostern, das nennen wir Weihnachten, Ostern, Johanni, und hier ist es dann der Herbstanfang, Michaelifest und so weiter und so fort. Wir könnten jetzt hier noch ein bisschen tiefer einsteigen, machen wir aber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will mit euch jetzt in dieses Pflanzenwachstum der Rebe einsteigen, und da ist die Rebe relativ spannend. Sie ist eine Pflanze, die voll und ganz mit dem Sonnenrhythmus lebt. Und wenn wir uns jetzt den Anfang des Jahres anschauen, wenn dann sozusagen die Tage – das Gegenteil von dem, was jetzt hier passiert, wir müssen es auch klar machen, kam heute Morgen gerade im Radio, dass erst so in zehn Tagen es wirklich wieder anfängt, dass die Tage kürzer werden. Das kann man sich auch alles erarbeiten, deswegen sind es hier auch so Wendepunkte und nicht einfach so ein Zickzack hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei der Rebe ist es auch so, so ab dem 6. Januar ungefähr, in der Januarzeit, geht es dann langsam los, dass sozusagen – ich habe euch das vorhin erklärt –, mit diesem Saftstrom, der nach oben geht, dass sie langsam, aber sicher Druck aufbaut. Wir Winzer wissen das, je später wir schneiden, also wenn wir dann in den März reinkommen, dann hat die so viel Druck aufgebaut, und ich schneide dann die Pflanze, dann haben wir da auch schöne Begrifflichkeiten, im Französischen heißt es pleurer, weinen, und im Deutschen bluten. Also ich schneide die Pflanze, und dann tropft da so was raus. So ein Pflanzensaft, der unglaublich toll ist, kann man auch für die Medizin verwenden, voller tollster Nährstoffe. Also wenn ich sie dann schneide, dann blutet sie, im wahrsten Sinne des Wortes, so nennen wir das auch, das können wir uns auch zunutze machen. Wenn es um Krankheiten geht, wenn das blutet, dann haben wir keine Infektion zum Beispiel. Wir müssen aber auch aufpassen, wenn es eine schwache Anlage ist und es blutet zu sehr, dann kann sie sich auch ein bisschen daran ausbluten, verbluten, ein bisschen schwächen. Also ich muss das dann auch als Winzer verstehen und lesen, wie kann ich mit ihr umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Bluten, dieses langsame Druckaufbauen, was über die länger werdenden Tage passiert. Und dann verändern wir Begrifflichkeiten, und wir können hier wirklich sagen, das ist ja das, was wir Winter nennen, diese Zeit hier zwischen Weihnachten und Frühlingsbeginn, da ist es für uns Winzer – da schneiden wir meistens – eine wunderschöne, meine Lieblingszeit, die Meditationszeit. Es gibt keine schönere Meditation als Reben zu schneiden und jeden Tag aufs Neue mit über mehreren Hundert Wesen in Beziehung zu treten und sie zu lesen und in das Verstehen einzusteigen und zu gucken, wie schneide ich das? Wie schaffe ich dir denn einen Raum? Wie möchtest du denn den Raum? Wie kann ich dich da lenken und führen? Es ist eine unglaublich tolle Zeit für jeden Winzer. Ich glaube, jeder Winzer, der hier ist, der kann das mitdenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Knospenschwellen und Austrieb 00:29:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da ist nicht viel los für uns Winzer, und dann kommt eine Zeit, die ist meistens so um Ostern herum. Ostern, da werden die Tage wieder länger. Es kommt aber auch noch der Vollmond dazu. Das kann man bei mehrjährigen Pflanzen dann wunderbar beobachten, wenn dann das sogenannte Knospenschwellen anfängt, dann merken wir, okay, dieser Druck, der da ist, da passiert jetzt was plötzlich mit den Knospen. Die werden größer, die werden richtig angespannt, und dann haben wir im Weinbau tatsächlich eine Begrifflichkeit, dann kommt irgendwann – gehen wir vom rein Pflanzlichen hin zum Tierischen –, kommt das Wollstadium. Dann entsteht so ein Flaum um diese Knospe, also ein tierischer oder ein seelischer Begriff, und dann kann das irgendwann explosionsartig passieren, das nennen wir dann Austrieb. Und das ist auch, ich verwende bewusst diese Wörter, weil wir haben es ja mit Dionysos-Pflanzen zu tun, mit der Triebigkeit, Triebhaftigkeit. Wir reden tatsächlich von Trieben hier. Das ist ja auch die Pflanze, wo es um diese Triebhaftigkeit geht, Alkohol, Weib, Wein und Gesang und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also das passiert dann ungefähr so um den Frühlingsanfang herum, passiert dann dieser Austrieb, und dann ist jetzt eigentlich die Zeit – deswegen ist es für die Winzer immer sehr schwierig um diese Zeit, sich freizunehmen, weil was passiert dann? Dann geht es irgendwann los, dass diese Triebe anfangen zu wachsen, das ist am Anfang noch relativ ruhig, da reden wir von Zweiblatt-, Dreiblatt-Stadium, und dann, das ist meistens so hier um die Mitte herum, das Fest zwischen Frühlingsanfang und Johanni nennen wir Pfingsten, und also in dieser Phase, ich sage jetzt mal so, um Pfingsten herum, ist es meistens so, dass uns das im wahrsten Sinne des Wortes als Winzer über den Kopf wächst. Ich kenne kein Weingut, auch wenn es noch so gut organisiert ist, das in dieser Zeit alles unter Kontrolle hat. Sie ist wahnsinnig dann voll im Triebwachstum, voll im vegetativen Wachstum, und das generelle Ding des Winzers ist, ich renne permanent hinterher da draußen und muss eigentlich versuchen, sie dann in die Art von Erziehungsform, wie ich sie jetzt gerade habe, zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Blüte: männliches und weibliches Prinzip 00:31:45 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und dann kommt da noch was. Dann kommt irgendwann, wenn wir so im Zweiblatt-Stadium sind, kommt die sogenannte Gescheinsbildung, ich male das jetzt einfach mal so hierhin. Und wir können – jetzt ist es gerade anders, wir hatten gerade den Moment –, und die Rebe ist zweigeschlechtlich, und ich stelle euch jetzt, mache jetzt ein bisschen Sexualkunde mit euch und stelle euch erstmal das männliche Prinzip bei der Rebe vor. Ich habe gesagt, sie bildet richtig Druck, und so ein Geschein, das steht wirklich so richtig nach oben. Die Blätter stehen nach oben, und dieses Geschein steht so nach oben. Und das kann ich wirklich beobachten, wie da der Druck immer stärker wird, und das ist für uns auch ganz wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte gerade auf der Herfahrt – ich bin aus Würzburg heute hier hergefahren mit einem Winzer-Kollegen, der mir gesagt hat, es ist ein großer Unterschied dieses Jahr zwischen der Mittelhaardt, wo wir sind, da ist die Rebblüte in zwei Tagen durchgegangen, wunderbar, und der Südpfalz, die haben leider die Kaltfront erwischt, und plötzlich ist die Blüte über zehn Tage gegangen. Und für uns Winzer, wehe, die Blüte geht über zehn Tage. Dann wird es schwierig da draußen, weil sie ist nicht nur männlich zu der Zeit. Die Blüte, was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist ganz wichtig, dass dieses Blütenkäppchen-Schießen, sagen wir, oder ich sage jetzt mal der Orgasmus, schnell läuft. Das ist ganz schnell passiert. Wehe, das dauert zu lange. Wehe, da kommt eine Kaltfront. Was ist sie? Sie ist gleichzeitig auch extrem weiblich, total offen, aufnahmefähig für sämtliche äußeren Bedingungen. Luft, Wärme, Feuchtigkeit, Zuneigung. Und wir wissen es, wenn die Blüte lange dauert und die Rebe nicht geschützt ist und da im offenen Zustand ist, dann ist sie empfänglich auch für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Drei Zeitströme treffen aufeinander 00:33:46 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber was sie eben auch macht um diesen Zeitpunkt, deswegen habe ich das hier auch hingemalt, was da auch passiert in diesem Vorblütebereich, ist die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird. Das, was wir jetzt dieses Jahr sehen, um diesen Zeitpunkt jetzt, das muss man sich klar machen, ist Abbild einer anderen Biografie. Ist Abbild dessen, was letztes Jahr um diese Zeit, also jetzt mal zwei, drei Wochen vorher, an Wetterbedingungen, an Umwelteinflussbedingungen präsent war. Je nachdem, wie die Wärme- und Wetter- und Lichtbedingungen und auch die Beziehung und das Vogelgezwitscher zum Menschen und so weiter, oder ob da ein Laubbläser durch die Anlage gefahren ist. Wir nennen das heute in der Naturwissenschaft epigenetische Faktoren, also Umwelteinflüsse. Egal, was da jetzt tätig war, hat einen enormen Einfluss auf die Veranlagung dessen, was nächstes Jahr sein wird, nämlich die schlafenden Augen und der Fruchtansatz des nächsten Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das, was ich jetzt heute sehe, ist das, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist. Da ist eine Veranlagung von Zweigeschein oder Dreigeschein. Das heißt, der Fruchtansatz hat eigentlich gar nichts mit diesem Jahr zu tun, sondern mit dem, was letztes Jahr war. Und das, was ich dann jetzt heute sehe, ist nur das, was die Zeit, also die Regenbedingungen, die Feuchtigkeit, das Licht und die Wärme des Frühjahrs mit der Veranlagung, mit dem Potenzial der Veranlagung des letzten Jahres gemacht hat. Und das, was jetzt passiert, ist ausschlaggebend auf das, was nächstes Jahr sein wird. Es treffen drei Zeitströme aufeinander. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein ganz entscheidender Moment im Pflanzenwachstum ist dieser Blühmoment, den male ich jetzt hier noch hin. Und ich greife ein bisschen vor, nur dass wir in der Sexualkunde bleiben, also dieses Blühen. Und es ist auch ein unglaublicher Duft, der da stattfindet. Geht mal durch diese Reblandschaften, wenn die blühen. Und was dann passiert mit dem Geschein, ist das männliche Prinzip. Wenn die Blüte vorbei ist, dann könnt ihr das wunderbar beobachten, wie das Geschein langsam den da macht. Und irgendwann da runterhängt. Und dann hängt sie halt nach unten, und dann findet, und das ist der nächste Schritt, da kommt jetzt aber erst der Martin, die sogenannte generative oder die Reifephase statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Getreideblüte und das große Sterben 00:36:33 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich muss hier noch eins hinmalen, was ich schon gesagt habe und noch nicht gemalt habe. Die Pflanze ist weiter hochgewachsen und blüht jetzt wirklich. Das ist unglaublich, was da eigentlich passiert. Und das kann eigentlich jeder sehen. Und man nimmt es eigentlich immer nicht wahr. Man nimmt es immer dann wahr, wenn es vorbei ist. Da hängen an den Grünen, die sind ja immer so schön auf Wechsel gebaut, diese kleinen Ährchen, da können ja bis zu fünf Körner drin sein. Deshalb ist es richtig, das so zu zeigen mit den Fingern. Und da hängen dann so kleine, zwei Millimeter graue, hellgrüne Fädchen runter. Dann ist die Blüte passiert. Völlig unscheinbar, kein Geruch, das Wetter ist scheißegal, da braucht kein Insekt kommen. Das geht alles von selber. Die Blüte spielt überhaupt keine Rolle. Als Vorgang irgendwie, dass die da jetzt bunt wird oder irgend so was. Gar nichts. Kein Aroma, kein ätherisches Öl, nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt – Bestandspflanze, ganz wichtig, wir kriegen erst eine Ahnung, wenn wir immer die im Zusammenhang sehen. Und jetzt passiert hier unten etwas Dramatisches. Es fängt an, abzusterben. Und zwar wirklich, echt. Mit dem Moment des Blühens geht das schon los, dass hier unten das so hell wird und letztendlich gelb, ocker. Ja. Und gleichzeitig ist oben erst Blüte. Und das passiert auch mit den Wurzeln. Ab Ende Mai Rückgang. Das hätt ihr nicht gedacht, oder? Die Pflanze, die baut ihren Pflanzenkörper in der kalten Periode auf, und wenn es richtig schön wird und man eigentlich so wachsen kann – fertig. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Es ist nicht auf einen Schlag fertig, aber es ist Rückbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was passiert, was wirklich passiert, ist super spannend. Das ist nämlich jetzt ein neuer, ganz neuer Prozess. Das, was hier gelb, braun, grau wird, das wird verwandelt. Das wird umgebaut. Das wird Stück für Stück nach oben umgelagert. Stück für Stück geht das hier hoch, und zum Schluss ist es dann so, ich mache nochmal einen. Ich male jetzt nur noch eine Pflanze hin, weil das, was wir jetzt verstehen wollen, das kriegt man hier an der einen wunderbar klar. Zum Schluss ist es so, dass das alles schon anfängt abzureifen und an jeder einzelnen Spelze, an jedem Korn ist schon ein Teil abgereift, und jetzt passiert der letzte kleine Umbau von dem Spelzenblatt in das Korn rein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Stufen der Kornfüllung und die Totreife 00:39:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Die Kornfüllung ab der Blüte geht über drei Stufen. Erst ist es ein Sekret. Die ganze Pflanze ist da. Sie denken jetzt, wenn Sie vor drei Wochen draußen waren, da ist doch Getreide. Da ist nichts von Getreide. Das ist einfach eine grüne, vegetative, riesige Pflanzenmasse. Jetzt fängt da innen drin langsam an, in dem Korn so eine Art Milch sich zu bilden. Sekret. Wässrig. Alles entsteht aus dem Wasser. Und dann gibt es eine zweite Phase. Da ist die hier schon zur Hälfte abgestorben oder umgewandelt, und das nennen wir Teigphase. Das kann man richtig so kneten. Da tropft es nicht mehr. Das muss man so schmieren. Und jetzt geht es, wenn da nur noch diese letzten Spelzenblätter grün sind, geht es immer mehr ins Feste, Feste, Feste, und wir sprechen von der Totreife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Getreide ist reif, wenn es tot ist. Stellen Sie sich das mal beim Wein vor. Völlig undenkbar. Der Wein ist eine völlig andere Welt. Hier passiert Entscheidendes von Mai bis Mitte Juli in dieses Sterben rein. Und das, was wir ernten, muss wirklich richtig knacketot sein. Jetzt geht das Ganze gar nicht. Schon spannend. Also ich wiederhole es nochmal. Es passiert eine Umwandlung. 80 Prozent von dem, was wir nachher ernten, ist zum Zeitpunkt der Blüte schon in der Pflanze und wird nur noch umgebaut. Das, was Sie als Brot jeden Tag essen, ist umgebaute grüne Pflanze, die aus dem Winter und Frühjahr gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die drei Ernten: Korn, Stroh und Wurzelmasse 00:41:30 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Und dieses Ende hier oben in dieses Korn hinein, das bedeutet jetzt, dass die ganze andere Pflanze entleert ist von Eiweiß, entleert ist von Stickstoff, grau, hellbraun geworden ist. Aber glauben Sie nicht, dass dieser Teil, dieses Skelett, bedeutungslos ist. Was ist das Stroh? Seit alters her die Grundlage für die Düngung. Der Kot der Tiere und das Stroh, das macht überhaupt, dass ich irgendwann wieder Getreide bauen kann. Das ist die zweite Ernte. Ich ernte das Korn und ich ernte das Stroh. Mit den Tieren zusammen ist das für den weiteren Fortgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist die dritte Ernte? Die ist nochmal so groß wie die beiden anderen. Das, was ich vorhin unten gesagt habe, was Sie nie sehen. Die Wurzelmasse. Die Wurzelmasse ist nachher so viel – hier habe ich gar keine gemalt, schrecklich –, ist so viel wie die ganze Pflanze. Hier ist sie schon abgestorben. Rein massenmäßig eins zu eins. Vergessen Sie das bitte nicht mehr. Dieses ist so viel wie das. Eins zu eins. Die ganze oberirdische Masse ist gerade mal so viel wie das, was im Boden gebildet wird. Und oben ist es auch nochmal eins zu eins, das Korn. Ungefähr so viel wie das Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, nur um Ihnen ein bisschen Zahlen zu geben, ich säe auf einem Quadratmeter 300 Körner. Ich habe 300 ährentragende, 400, 500 ährentragende Halme. In jeder von dieser schönen Ähre können 50, 60 Körner sein. Eins zu 50. Eine Ähre, 50 Körner. Und nachher habe ich da oben halbes Kilo Getreide, reines Getreide. Und jetzt muss ich den Georg wieder dranlassen, weil jetzt will ich daraus Brot machen. Aus dem halben Kilo Getreide, wie viel wird das? Fast ein ganzes Kilo. Das macht man sich nicht klar. Wenn man so ein 800-Gramm-Brot kauft, das ist Öko, das ist der Ökoertrag von einem ganzen Quadratmeter. Mehr braucht man gar nicht. Wie viel das eigentlich ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reservestoffrückverlagerung der Rebe 00:43:54 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, kurzer Schnitt. Wir machen hier schnell weiter, und dann braucht ihr eine Pause, mal zwei Minuten. Dann mache ich das kurz fertig, und dann machen wir wirklich eine schnelle Pause. Wir müssen auch gucken, dass wir hier durchkommen, aber wir kürzen auch vielleicht das eine oder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt dieses ganze vegetative Wachstum erarbeitet, dieses voll in die Substanz gehen, und dann diesen Blühprozess, und jetzt ist für uns Winzer eigentlich ganz wichtig, dass das Vegetative da draußen aufhört. Jetzt. Das ist das, was ihr da gerade seht. Gott sei Dank. Man sieht heutzutage mehr und mehr, dass die Winzer nicht zu früh anfangen mit dem sogenannten Gipfeln oder Laubschneiden. Das muss man auch verstehen. Wenn ich hier in dieser Phase, als ich hier vor 20 Jahren einen großen Betrieb geleitet habe, haben wir angefangen, das nach oben zu drehen. Da hat mich die ganze Pfalz für verrückt erklärt. Heutzutage ist das Verständnis Gott sei Dank da. Wenn ich hier reinschneide, sie ist ja eine apikale Dominanz, sie will nach oben. Was macht sie dann? Sie hat letztendlich sogenannte Geiztriebe, solche schlafenden Augen. Das heißt, sie bildet sofort noch mehr Substanz aus, weil sie kriegt ja die Alarmzeichen. Scheiße, ich werde hier abgeschnitten, ich kann nicht mehr nach oben. Also muss ich noch mehr Substanz bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in diesem Prozess bin, wenn ich jetzt das abwarte, diesen Blühprozess abwarte, und sie tatsächlich in der Balance ist – viele unserer Anlagen sind leider nicht in der Balance –, dann findet jetzt sozusagen eine ganz andere Phase statt. Jetzt kommt die Reservestoffrückverlagerung oder die sogenannte generative Phase. Jetzt nichts mehr mit Substanzbildung, jetzt die Substanz bitte rückverlagern, peu à peu, hier rein. Darum geht es jetzt. Ich bin die Mama und ich will mich um meine Kinder kümmern. Ein bisschen. Aber ich muss nicht nur mich um meine Kinder kümmern, ich muss auch mich um mich selber kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt diese Reservestoffrückverlagerung, diese Reifephase, und dann haben wir hier so um den 15. August, das ist Ferragosto in Italien, wir haben dann wie auch immer in dieser Juli-August-Phase irgendwann den sogenannten Reifebeginn, wo wir sehen, jetzt findet die Verfärbung statt, der findet leider immer früher statt. Als ich meine Weinbaulehre noch in der Pfalz gemacht habe, war es völlig normal, Riesling zu ernten, als keine Blätter mehr an den Reben dran waren. Das heißt, die vegetativen Prozesse waren abgeschlossen. Und diese Rückverlagerung hat auch in die Traube reingefunden. Das ist heute etwas anderes. Heute lesen wir Trauben meistens, und da draußen ist es noch richtig dunkelgrün. Noch nicht unbedingt in der Verfärbung, das muss man sich bitte auch klar machen. Wir gucken nicht nur Zucker an, also wir müssen uns an dem Zucker orientieren, und die Lese verschiebt sich immer früher, aber das sind andere Prozesse, wenn wir uns das im Ganzheitlichen anschauen, die vielleicht noch nicht so ganz durch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwei Reifeprozesse: Frucht und Holz 00:47:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Da müssen wir uns irgendwann auch die Rebsorten fragen, da will ich jetzt gar nicht drauf ein. Oder welche Erziehungsform habe ich, wie ist es mit Beschattung, wie kann ich dafür sorgen, dass diese Prozesse vielleicht nach hinten kommen usw. Aber Reifeveranlagungen, die dann hier um den Herbstanfang – leider immer früher, haben wir gesagt, Mitte August geht es bei vielen schon los – dann mit der Reife beginnen, und was mache ich dann? Die Trauben sind reif, aber die Reife ist ja nicht abgeschlossen. Die Frucht als solche ist reif, aber – sie ist ja eine mehrjährige Pflanze, sie hat eben keine Totreife. Sie hat ganz viel Lebenskraft und Lebensenergie in diese Beeren gesteckt, und jetzt muss sie mit dem Rest, was sie hat, schauen, dass sie sozusagen die Prozesse noch fertig führt, sprich die sogenannte Holzreife, ganz entscheidend. Und diese Holzreife, die geht wirklich in diese – ja, eigentlich bis Weihnachten hinein, in diese Ruhephase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts Schlimmeres – das rede ich auch wieder als Praktiker, es ist ja praktisch, man hat das Ernteteam da, und dann fängt man an mit dem Rebschnitt. Dann nehme ich ja auch viel, wenn ich zu früh anfange, viel dessen, was hier passieren kann. Holzreife, danke. Finde ich so eine coole Sache, haben wir nicht. Also zwei Reifeprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt kommen wir zu der Traube, und das will ich euch als Impuls mitgeben vor der Pause. Da ist dann Steiner, auch interessant, der das so beschreibt, und das schauen wir uns dann auch für den Gärprozess an, warum können wir eigentlich so guten Wein mit der Traube machen? Warum ist es anders als bei der Kirsche? Oder bei der Heidelbeere? Steiner beschreibt es so – ich nehme jetzt mal Steiner –, dass das, was die Pflanze an Energie, was wir hier gerade erlebt haben, voll und ganz in ihren Samenprozess gibt, damit diese Erneuerung stattfindet, ist bei der Rebe in solch einer Kraft und Vielfalt vorhanden, dass sie in der Lage ist, einen großen Teil davon nicht nur in den Samenprozess zu geben, sondern auch ins Fruchtfleisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dieses Unglaubliche an Lebenskraft, was wir da draußen sehen können. Und ich bin auch jetzt in zwei Wochen wieder in Portugal, da draußen ist jetzt braun, da ist nichts mehr grün in extrem heißen Regionen. Und dann gehe ich in die Weinberge, und es ist grün und es strotzt vor Lebendigkeit. Das ist eine Geste, die wir dort erleben können. Also diese unglaubliche Pflanze, die so verbunden ist und so im Leben steht, gibt jetzt dieses wahnsinnig Zuviel an Lebendigkeit auch noch ins Fruchtfleisch hinein. Damit schicke ich euch jetzt in die Pause. Bitte in fünf Minuten wieder hier sein. Einfach nur ein bisschen bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Keimruhe und die Wiederbelebung durch Wasser 00:50:22 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also mit meiner Kultur-Menschen-Beziehungspflanze sollte ich jetzt deutlich rübergekommen sein. Tod in Wärme, Licht und Trockenheit. Und es ist eigentlich ein Weltwunder, dass man die jahrelang irgendwo lagern kann, wirklich noch zehn, elf Prozent Feuchtigkeit drin. Die sind knackehart und wirklich tot. Und dann, wenn man die wieder ins Feuchtetuch keimt, das ist eigentlich verrückt. Es gibt ja Getreide, was sogar über mehrere Jahrhunderte gelagert werden konnte. Das ist immer ein Ausnahmefall, aber es geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Prozess. Pflanze und Leben und Wein, das wisst ihr auch, ist viel mehr Prozess als Substanz, als Stoff, als Materie. Und man kapiert immer nur was davon, wenn man sich auf den Prozess einlässt. Und dieser Prozess ist zu Ende gekommen, ist wirklich in die Härte, in die Festigkeit, in die Trockenheit, in die Wasserlosigkeit und auch in gewisser Weise in die Wärmelosigkeit gestorben. Ich gebe dir noch mal einen Streifen hier. Und mach du weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es eine sehr merkwürdige Sache, das ist eigentlich ein agronomisches Detail, aber ich finde es so sprechend. Ich erzähle es nur, dass ihr noch so ein Bild habt, was einem da helfen kann. Es gibt eine Keimruhe. Wenn ich das Getreide zwei Wochen nach der Ernte versuche, wieder zum Keimen zu bringen, keimt das nicht. Das muss wirklich durch so einen Prozess durchgehen, von Wochen, wo alles zur Ruhe kommt. Erst dann ist die enzymatische Aktivität möglich, dass es wieder neu starten kann. Ich finde das super spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und habt ihr euch mal überlegt, was eigentlich der Mähdrescher ist? Der mäht und der drischt gleichzeitig. Und das ist natürlich eine super geniale Erfindung, weil es uns das Leben leicht macht. Und wisst ihr, warum es Sommerferien gab? Oder gibt? Weil alle, aber auch wirklich alle, ernten gehen mussten. Und das ging über Wochen. Und das ging so, dass man das Getreide nicht hier getrennt hat und noch ausgedroschen hat, sondern dass man das Ganze viel früher, vier Wochen vorher geerntet hat und mindestens vier, sechs, acht Wochen länger, als wir es heute haben, zusammengelassen hat. Erstmal als Garben auf dem Acker stehen gelassen hat und dann eingebahnst hat. Und erst im Oktober, November runtergeholt hat und jetzt Korn und Stroh getrennt hat. Und dabei übrigens auch die Unkrautsamen auf dem Hof hatte und nicht auf dem Acker, wo sie wieder schön keimen können. Also es gibt vieles dazu zu erzählen. Ich will nur einfach dieses Bild klarkriegen. Dreschen ist was anderes als Mähen. Mähen heißt eigentlich, die ganze Pflanze holen, und das macht auch Sinn, dass die noch ein paar Wochen zusammen sind, obwohl da nur ganz feine Prozesse stattfinden für die Qualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mähdrusch, Masse und das Individuelle 00:53:35 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ich gehe weiter. Wir kommen jetzt zu dem nächsten Punkt, und das ist hinter der Entwicklung. Nur, dass man es einfach versteht. Wir sind halt so Massenkönige unserer Kultur. Mähdrusch ist geil. Einer kann in einer Stunde einen Hektar dreschen. Mähen und dreschen. Wahnsinn. Wenn man das noch vor 100 Jahren – wie viel dieser eine Hektar Menschen beschäftigt hat. Sowohl lange vor dem, wo wir heute mähen, als auch Monate später mit dem wieder runterholen und dreschen. Und da passiert halt noch was. Das ist nicht nur, weil es irgendwie anders nicht ging, sondern da passiert was, und vor allem hat man früher anfangen können, damit man später aufgehört hat. Nicht alles auf einen Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Kann das schmecken im Brot?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, das kann man auch schmecken. Da passiert was. Das zu beschreiben – es ist eine gemeinsame Anpassung, die passiert. Das ist schwierig. Aber ich will es einfach nur erwähnen, dass man sich mal so einen Moment auch Gedanken macht. Was passiert denn jetzt, wenn die Pflanze abgestorben ist? Jetzt kommt ein neuer Prozess. Und beim Wein, wisst ihr ja, und ihr werdet es jetzt auch gleich nochmal hören, alles bleibt natürlich in dem Feuchten, Zuckrigen, mit den entsprechenden Kühle und Wärme und so weiter, und es geht nach unten. Bei uns geht das auf den Speicher und ist tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was muss ich jetzt machen, damit ich irgendwas – da ist nicht mehr Nahrung draußen, so ist das keine Nahrung. Das war immer eine riesige Geschichte, das Mahlen, das war viel Energie, überall das Mühlenbauen, das Mühlenrecht und so weiter. Was muss ich machen? Ich muss Wasser dazu bringen. Ich mache wieder von vorne, ich mache eigentlich Keimung. Und enzymatisch passiert das auch. Es ist nicht geil, es ist wirklich so cool, diese Pflanze ist immer wieder raus aus dem Trockenen, Heißen, Toten in etwas Feuchtes, Kühles. Was für eine Temperatur brauche ich beim Brotmachen? Meine Menschentemperatur. Auch cool, oder? Das geht nicht bei zwei Grad plus und auch nicht bei 50 Grad, sondern irgendwo da, wo ich auch zu Hause bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Heranholen. Ich bin in Ostwestfalen gewesen, hat man dann nach dem Dreschen in so einem kleinen Dörfchen, hat man das Getreide für den Rest des Jahres auf dem Kirchenboden als ganze Gemeinschaft – darunter fand der Gottesdienst statt, darauf lag das Getreide, von dem man das Jahr über gelebt hat. Also diese Bilder einfach, dass man ein bisschen checkt, was passiert da eigentlich? Wir wissen, wenn wir einen Teig machen, passiert jetzt wieder, das Allgemeine wird sehr individuell, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit ganz bestimmten Mikroorganismen, die jetzt daran beteiligt sind. Und das ist wie bei euch auch mit dem Wein, mit irgendeiner Standardhefe wird es halt ein Standard-Industriebrot. Lässt sich gut in einer Backkette machen. Aber schmecken ist was anderes. Individuell ist was anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ich habe das hier nochmal hingeschrieben, Mehlkörper und Eiweiß, das hat sich hier gebildet. Und im Grunde genommen ist das das super Geniale am Weizen und am Dinkel und eben nicht an der Gerste, nicht am Hafer, dass man jetzt etwas mit dem Eiweiß hat, was diese Fähigkeit hat, wieder wie eine Pflanze zu wachsen und dann diese Luftblasen zu machen und dadurch eben dieses lockere, puffige, edle Brot entstehen kann. Und was müssen wir tun, damit dann wirklich Brot daraus wird? Das Ganze nochmal, wieder Hitze, wieder Ende. Das ist doch irre, wenn man sich das einmal klar macht, von Korn zu Brot, also vom fertigen Korn zum Brot ist eigentlich wie vom Saatgut zum Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Traube in den Keller: Verwesung und Gärung 00:57:38 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Wir haben oben und unten, wir haben gehört, wir lagern das Getreide im Speicher, und jetzt kommen wir zur Traube, die ernten wir also da oben voll in dieser Sommer-, Anfang-Herbst-Zeit, und was machen wir damit? Wir tragen sie jetzt nach unten, im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wird sie ins Kühle, Erdig-Wässrige in den Keller gebracht. Und dort findet auch – du hast mit dem Todes- und mit dem Sterbeprozess angefangen –, dort findet eigentlich, wenn wir ein Stück Obst auf den Boden fallen lassen, dann findet ein folgender Prozess statt, ein Verwesungsprozess. Da ist das deutsche Wort auch schön, verwesen. Das Wesen geht jetzt, löst sich von dem Physischen. Das wird in der Medizin auch gerne verwendet. Paracelsus, Spagyrik und wie sie alle heißen, anthroposophische Medizin. Das heißt, ich versuche sozusagen aus dem Stofflichen heraus, das ist das, was da passiert, in dem Verwesungsprozess. Das Stoffliche ist im Auflösen begriffen, und das Geistige, was da vielleicht auch drin ist, verflüchtigt sich oder kann sich verflüchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier kommt jetzt wieder eine Geste noch dazu, dass jetzt wieder das In-Beziehung-Treten hineinführt. In der Medizin, wenn es da um Pflanzenextrakte geht, in der Pharmazie, da muss ich gar nicht in die sogenannte Alternativ- oder Komplementärmedizin rein, dann weiß ich das. Ich brauche sozusagen diesen Auflösungsprozess, und jetzt kann ich den steuern. Jetzt kommt was anderes, das nennt sich Gärung. Und in diesem Gärungsprozess passieren jetzt Dinge, wie unglaublich viel Lebendiges von außen, mikrobiell. In unserem Fall sind es in erster Linie die Hefen, da gucken wir auch noch drauf. Aber es sind auch die Bakterien. Da ist eine unglaubliche Kraft, da ist nicht nur Zucker und so weiter, sondern da ist eine unglaubliche Kraft, dies jetzt zu führen. Kulturführung, in Beziehung treten, mit der Sache in Kommunikation gehen. Das ist dann die Aufgabe der Winzerin oder des Winzers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturgeschichte der Gärung: gekauter Reis 00:59:55 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich verwende jetzt bewusst erstmal den weiblichen Begriff, weil wenn wir in die Kulturgeschichte der Gärung hineingehen, 9000 Jahre vor Christus. Das ist das, was wir heute ungefähr wissen. Wir hören immer von Georgien, aber heute wissen wir, das war in China. Da ist das erste, wo die Traube höchstwahrscheinlich mit involviert war. Also China ist die Region, wo es die meisten Wildrebsorten gibt, 40. Und es gab das erste vergorene Getränk, was man heute kennt aus der Menschheitsgeschichte, ist eine Verbindung aus Reis, Honig und höchstwahrscheinlich Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man jetzt länger drauf schauen, warum bringe ich das Weibliche hier, weil der Reis, der kann nicht gären. Es war noch eine intensivere Verbindung zum Menschen, und das nicht nur in China, sondern in anderen Kulturen auch: damit die Stärke überhaupt gären kann, dass die aufgespalten wird und zu Zuckern umgewandelt wird, die vergoren werden können, hat man den Reis gekaut. Das waren in erster Linie Rituale, das waren Priesterinnen, das waren Frauen, die das gemacht haben, und man hat den gekaut, und durch die Enzyme des Kauens, dann hat man wieder ausgespuckt, wurden diese Stärke aufgespalten, und es sind Glukoseverbindungen entstanden, die dann vergärbar waren. Ich bringe das jetzt einfach nur nochmal, dass wir da in diese Kulturgeschichte auch reingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also diese Gärung, die dann stattfindet, und warum bringe ich das auch, weil hier durch diesen Gärprozess ja nochmal tatsächlich eine physische, enzymatisch-physische Verbindung mit dem Menschen – wir kennen das heute von Kaffeebohnen, die teilweise durch irgendwelche Tiere gehen und so weiter, habt ihr vielleicht auch schon gehört, wo es um diese Aufspaltung geht. Also diese intensive Verbindung Mensch und Pflanze auch im Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Persephone-Zyklus und die soziale Plastik 01:02:08 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und hier diese intensive Verbindung, wo wir jetzt – was passiert denn da? Wir ernten diese Trauben, wir tragen sie runter, ich mache auch einen kurzen Exkurs in die Mythologie, ich trage sie hinunter und hole sie sozusagen im Frühjahr wieder raus. Das ist das Bild des Persephone-Zyklus. Über Herbst, Winter geht sie hinunter zu Hades und kommt im Frühjahr, Sommer wieder raus, dann ist das, wenn draußen alles blüht und fruchtet, und über Herbst und Winter passieren eben die Lebensprozesse da unten, und wir bringen es darunter, da passiert das Lebendige, da passiert dieses Unglaubliche der Gärung. Und wir Winzer wissen das, wenn uns so ein Tank übergeht, das ist Zauberlehrling-mäßig, wenn das wirklich mal voll in der Gärung ist, und ich das nicht die ganze Zeit führen kann und kontrollieren kann, dann kann mir so ein Tank tatsächlich vor lauter Energie überschwappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wir da machen, ich bringe jetzt hier zwei Prozesslichkeiten in den Denkprozess. Wir könnten jetzt natürlich noch auf das Chemische der Gärung eingehen, machen wir aber nicht. Ich bringe hier zwei Bilder. Die soziale Plastik auch von Beuys finde ich hier immer schön, das ist Chaos, Bewegung und Form, und das können wir auch so nennen, dass wir hier Einzelbeeren bringen, die schmeißen wir sozusagen in einen Tank, bei Beuys in der sozialen Plastik sind es Einzelindividuen, dann entsteht ein Bewegungsprozess, und aus diesem Bewegungsprozess entsteht was Neues. Also hier sind Einzelbeeren, die dann in den Bewegungs- und Wärmeprozess kommen, in der alkoholischen Gärung entsteht ja Wärme, CO2, also aus dem einen wird plötzlich was Gemeinsames.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kann dann – und dazu braucht es in unserem Falle, in der Gärführung müssen wir gucken, dass es im Pilzlichen bleibt, oder im Hefebereich bleibt. Sicherlich, so ein paar Bakterien ist schön, da gibt es ja heute auch ein Workshop dazu, also was heißt dann eigentlich, wenn die Bakterien da auch tätig sind? Also es ist durch die Hilfe von der Mikrobiologie, die sich auf dieser Grundlage nicht nur von Zucker und irgendwelchen Stoffen, die da in der Traube sind, sondern von dieser Lebenskraft da weiterentwickeln kann, entsteht ein Gärprozess, ein Wärmeprozess, und dann entsteht was Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Alkohol zum Essig: das Dazwischen 01:04:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Aber dieses Neue hier, und das ist bei Beuys auch wichtig, das kann hier zurückgehen, aber in unserem Falle bei der Traube entsteht dann noch ein zweiter Prozess. Ihr stellt euch vor, hier sind wieder einzelne Punkte, und dann entsteht ein umgekehrter Prozess, das hat der Martin ja beim Getreide auch ein bisschen beschrieben, und dann entsteht hier – ist es eigentlich der ganze Prozess eigentlich komplett durch, wenn sozusagen aus dem Alkohol dann der Essig wird. Dann entsteht ein zweiter Prozess, der hier auf der bakteriellen Ebene stattfindet, und da findet noch mehr diese Konzentration statt, des Lebendigen, und dann habe ich was, am Ende ein hochstabiles Produkt, was eigentlich nicht mehr schlecht wird, was ich in eine Flasche füllen kann, und wahrscheinlich tausend Jahre im Mittelmeer versenken kann und wieder rausholen kann, und es strotzt immer noch vor Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnt ihr euch das vorstellen? Wenn dieser Prozess sauber und gut durchläuft, entsteht hier ein Endprodukt, was Repräsentant für das Leben schlechthin ist. Das geht bis in die Mythologie – ich mache euch jetzt keinen theologischen Vortrag, aber wenn wir im Christentum verankert sind, dann bekommt eben Christus am Kreuz den Schwamm gereicht mit dem Essig und macht noch mal kurz den da, kennt ihr ja, und dann ist es vollbracht. Da ist wirklich diese volle Lebenskraft, die wir da auch drinnen haben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind jetzt Bilder, die ich euch einfach auch mitgebe, aber es geht – was ich mit euch einfach machen will, ist dieser doppelte Umwandlungsprozess, und das, was wir dann Wein nennen, ist eigentlich das Dazwischen. Dieses Dazwischen, und wie ist dieses Dazwischen in seiner Lebendigkeit so zu führen, so zu erhalten, dass wir letztendlich diese Lebendigkeit zu uns nehmen können. Ohne dass es hierhin abdriftet und ohne dass es hier zurückdriftet. Ich sage jetzt mal einen Satz von Schwefel zum Beispiel. Ich gebe euch das jetzt einfach nur als Gedankengang in den größeren Dimensionen mit oder eben nicht. Und wie kann sich das in Balance halten? Wie kriege ich das hier ins Gleichgewicht? Als eine zentrale Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Brot als Leib: Bildung einer Ganzheit 01:07:39 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Wenn wir jetzt weitergehen und uns wirklich darauf einlassen, was ist jetzt eigentlich das Brot? Da haben wir ein merkwürdiges Phänomen, dass die Technologie oder das, was wir machen müssen, um ein Brot entstehen zu lassen, relativ kompliziert ist. Wir brauchen diese relativ große Menge Teig, die viel Hitze, und die muss aber so stark sein und nicht so hoch sein, dass es mir außen nicht verbrennt und innen drinnen gut wird. Es ist sofort aus diesen vielen kleinen Körnern ein Ganzes geworden, wo mir der – als Bäcker, wenn ich nur damit beschäftigt bin, dass das schöne Ganzheiten werden, und die sind innen anders als außen. Ich kriege eine richtig schöne duftende, gute Kruste, aber die darf nicht so sein, dass sie schwarz ist, und es darf aber auch nicht so sein, dass die Kruste nichts ist. Es ist innen ganz schön, und es darf auch nicht so sein, die Kruste ist knackig und innen ist es noch gar nicht durchgebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es kommt jetzt auf dieses Ganze an, und das ist ja das, was dann auch in der christlichen Mythologie so eine Riesenbedeutung bekommt. Der Leib des Brotes, die Ganzheit, es entsteht durch diesen Kulturakt Backen etwas echt Neues, nämlich eine Ganzheit, die diese tausend Körner gar nicht sind. Der Prozess Teig machen, haben wir schon gesagt, ist wieder neu ins Leben holen, das eigentlich todtrockene Getreide wird wieder ins Leben geholt, geht ab wie Schmitz&#039; Katze, kann nur wenige Stunden gehalten werden und muss wieder in die Hitze, aber der Aspekt ist jetzt Bilden einer Ganzheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist unsere große Kultur? Jetzt auch sozusagen schon im Sakralen, ich gehe jetzt über die Esskultur hinaus, ich breche das Brot. Gemeinschaftsbildung wird uns geschildert als, wir sind eine Gruppe, die sich von einem Brot ernährt, und das Brechen an die Einzelnen. Habt ihr diese Dimension? Ich glaube, ich brauche es nicht nochmal bringen, oder? Das ist deutlich. Das ist alles in dieser einfachen Graspflanze, die der Mensch da kultiviert hat, ist das alles drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Distillation und Zusammenführung von Brot und Wein 01:10:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich gehe mit der Medizin noch einen Schritt weiter. Wir haben also den Fäulnisprozess, den Verwitterungsprozess, wir haben den Gärprozess, wo wir sozusagen das begleiten können, wo wir das Stoffliche durch eine Führung trennen können und das Geistige oder das Lebendige versuchen, da drin zu erhalten. Und jetzt gibt es noch einen dritten Prozess, der auch gerne verwendet wird, ist dann die Distillation. Wir verwenden im Deutschen tatsächlich den Begriff des Weingeistes. Das ist dann wirklich die Essenz, die wir da auch nochmal aus dem Distillat herausdistillieren können. Wir haben sozusagen Auflösung, geführte Gärung, das Lebendige vielleicht durch die Unterstützung von Mikroorganismen nochmal deutlicher hervorheben oder multiplizieren, in ein Erfahrungsfeld bringen, in ein Aktionsfeld bringen, und dann kann ich das Ganze nochmal distillieren, und dann trenne ich wirklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist dann in der Medizin, was dann passiert, dann entsteht das Distillat, wo ich sozusagen diese Essenz oder dieses Geistige habe, oder im Schnaps, und was dann aber auch noch gerne gemacht wird, ist die Veraschung dessen, was da als physisches Etwas übrig bleibt. Und dann kann ich diese beiden auch wieder neu zusammenführen, und dann entsteht da draußen ein Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jetzt an Martin anschließe, ich breche den Leib oder das Brot, das Brot wird gebrochen, der Wein wird gereicht. Also diese Geste von unten nach oben, also wir haben sowohl auch beim Brechen des Brotes findet es meistens da oben statt, also da ist auch diese Gestik des Élevage oder des Zusammenführens, und es kann letztendlich dann bei Menschen auch passieren. Und Wein ist ja auch in der Mythologie nochmal als repräsentativ des Blutes, des Lebens oder des Rhythmischen letztendlich da auch zu verstehen. Also ich nehme sozusagen dieses hoffentlich in der Gärführung gut erhaltene, gut zusammengeführte Lebendige und führe das dann mit diesem Gut in der Prozesslichkeit – und beides sind ja auch Gärprozesse. Bei beiden sind letztendlich auch nochmal Prozesse, wo das Lebendige, Mikrobiom, Mikrobiologie und so weiter, die ganzen Hefen und so weiter stark aktiv sind. Die führe ich zusammen, und das sind zwei völlige Polaritäten. Wir haben die Polaritäten, dass wir es da runterbringen, das eine trocknet da oben, um die Lebendigkeit zu fördern, zu erhalten, das andere führen wir da unten. Das sind beides Kultur- und Führungsprozesse, die wir dann auch wieder zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lebendigkeit der Pflanze als Indikator 01:13:06 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und vielleicht für mich, jetzt um zu versuchen, ein bisschen in die Zusammenführung zu kommen, dann fange ich jetzt mal an, und dann können wir vielleicht auch nochmal auf gemeinsame Reflexionen gehen. Ich nehme euch jetzt nochmal mit in dieses Bild, was wir ausdrücken wollten, also dieser Beginn, das wir entwickelt haben, dass ich erstmal sozusagen diese Liane habe, die da diese Kraft, diese Substanzkraft aufbilden muss als Pflanze, die dann letztendlich, wenn ich die Kulturtat mache, ich in diesen Stamm führe oder diesen Stammaufbau, dass sie dieses Lebendige bilden kann, aber hier ganz entscheidend, dass sie sich verwurzeln kann, dass sie sich wirklich als Pflanze intensiv mit der Örtlichkeit – wir reden von Cru im Weinbau, im Getreide könnten wir das auch, aber im Weinbau ist es eigentlich nochmal krasser, wenn die da tatsächlich 10, 14 Meter runtergehen kann, so sie denn eine Europäerin ist. Die Amerikanerinnen können das leider gar nicht so gut. Also sie kann da sich voll mit der Örtlichkeit verbinden, und dann sozusagen, sie kann sich ja nicht bewegen, sie ist total an den Platz gebunden, wo sie steht, und kann sich dann letztendlich damit verbinden. Epigenetik haben wir auch entwickelt, wie wichtig das im Vorblütebereich ist, wie wichtig die Außenfaktoren sind auf diesen gesamten Wachstumsprozess der Rebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, ganz wichtig für mich zu verstehen, dieses Bild, was Steiner uns da gibt, dass sie wirklich dieses – und das ist nicht nur das Stoffliche, ihr merkt, ich rede relativ wenig über das Stoffliche gerade, sondern ich bleibe mit euch in dieser Lebenskräfteebene, was da in diese Traube hineingeht, und dann irgendwie geführt durch die Kulturtat des Menschen in den Gärprozess da hineingeführt werden muss. Und diese Lebendigkeit will ich nochmal untermauern, und da sind wir auch am Biodynamischen dran, dass in der biodynamischen Landwirtschaft der Umgang mit dem Lebendigen eine zentrale Rolle spielt, bis hin zu der Verwendung dieser biodynamischen Präparate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bringe euch einfach das Bild, und ihr könnt jetzt auch rausgehen und euch diese Weinberge mal anschauen, ihr seid jetzt alle hier voll in der Hitze gerade, und wenn ihr euch jetzt da vorstellt, ihr müsstet jetzt da, wo der François gerade steht – es tut mir ja auch leid –, da in der Hitze stehen, dann haltet ihr das vielleicht mal eine halbe Stunde, Stunde aus, und ihr seid heute Morgen vielleicht frisch aufgestanden, und jetzt steht ihr da in der Hitze, und irgendwann werdet ihr schlaffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schaut ihr euch – das ist für mich ein ganz wichtiger Indikator, wenn ich da raus in meine Rebanlagen gehe, inwieweit, wie lang sind denn meine Pflanzen fähig, präsent da draußen zu stehen, wie lang halten die ihre Platzstellung so, und das ist relativ normal im Weinbau, je nach Standort und je nach Rebsorte unterschiedlich, dass die irgendwann schlaff machen und da runterhängen. Das kann am Nachmittag passieren, es kann aber auch passieren, dass die echt lange hier durchhalten und so aktiv in der Landschaft stehen. Wenn ich aktiv und wach in der Landschaft stehe, bin ich ganz anders aufnahmefähig, als wenn ich so in der Landschaft stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Salat-Vergleich: stofflich gleich, lebendig verschieden 01:16:34 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und ich bringe immer gerne das Beispiel, stellt euch vor, ihr pflückt einen Salat frisch am Morgen in eurem Garten und macht damit zum Mittagessen einen Salat. Dann schmeckt der irgendwie knackig, ihr könnt euch das alle vorstellen, und jetzt nehme ich den gleichen Salat und lege den über Nacht in den Kühlschrank. Oder ich lege ihn mal eine halbe Stunde in die Sonne. Dann ist es stofflich, wenn ich da irgendeine chemische Analyse mit mache, höchstwahrscheinlich immer noch der gleiche Salat. Aber von der Lebenskräfteebene und von der Perzeption und von dem, was ich da wahrnehme und was ich zu mir nehme und was es mit mir innerlich, körperlich macht, ist es was völlig anderes. Stofflich ist es das Gleiche, aber auf der Lebenskräfteebene nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist das, was wir versuchen im Biodynamischen zu finden. Ich sage nicht, dass wir es immer finden, aber wir arbeiten damit. Und wir versuchen wirklich, daran zu bleiben, und für mich gibt es, wenn wir über den Lesezeitpunkt sprechen, dann sind es die drei Klassiker. Dann ist es Zucker, Säure, phenolische Reife. Das kennen wir alle irgendwie. Zucker ist in der heutigen Zeit meistens zu hoch, und Säure meistens zu niedrig. Und wir müssen irgendwie hinkriegen, dass wir die phenolische Reife da einigermaßen in Balance bringen. Das kennen wir, aber für mich ist eigentlich der entscheidende Faktor die Lebendigkeit, die Knackigkeit. Wenn ich in die Traube reinbeiße, knackt die noch. Und es ist bei einigen Rebsorten, Sauvignon Blanc oder wie sie auch alle heißen, ist es teilweise eine Sache von Stunden, Tagen, dass die so in der Landschaft stehen oder dann so hier runterhängen. Und es ist ein riesen – stofflich auch, pH, Gesamtsäure und so weiter. Es sind die gleichen Trauben, wenn die eine so steht und die andere hängt. Aber was damit im Tank passiert, ist was völlig anderes. Es ist ein völlig anderer Gärprozess, wenn ich die Schlaffies ernte, wenn ich die Überreifen ernte, als wenn ich die mit Lebendigkeit ernte. Ist das nachvollziehbar? Und da möchte ich mit euch ran und da versuchen ein bisschen zu arbeiten, da ein bisschen zu beobachten. Das heißt nicht, dass ich nicht teilweise Weinberge auch mal überreif werden lasse. Also bitte nicht falsch verstehen, aber es geht darum, da ein bisschen das in den Zusammenhang und Zusammenklang zu bringen und zu versuchen, diese Lebendigkeit als Ausdruck, als Realität dastehen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die beiden Spritzpräparate: Hornmist und Hornkiesel 01:19:12 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Jetzt gehe ich aus unserer gemeinsamen Verabredung raus. Ich hoffe, du verzeihst mir das. Das ist einfach so ein toller Moment, weil wir sind ja hier heute zusammen, ein bisschen Biodynamik zu verstehen. Weil man mit diesen beiden Menschheits-Kulturpflanzen und dem, was wir beschrieben haben, wunderbar ein Stück Ahnung verstehen kann, was wir da mit diesen beiden Spritzpräparaten machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hornmist ist hier bis hier. Das soll die Pflanze verbinden mit dem Boden und den Boden mit der Pflanze. Im Grunde genommen kann man sagen, alles, was von unten kommt. Und das darf man auch zwei- und drei- und viermal machen, je nachdem, wie die Pflanze dasteht. Und das kann man auch sehen. Und die Profis sehen das auch an der Art, wie die Pflanze gespannt ist von dem, was von unten kommt. Von dem, was sie ist aus ihrer Verbindung in diesem Jahr mit ihrer Genetik an diesem Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das zweite Spritzpräparat, dieses Hornkiesel, das wirkt vollkommen anders. Das ist was völlig anderes. Das macht diesen Prozess, der so geht, der die Pflanze verbindet mit dem, was da draußen ist, was Reife ist, was überhaupt nichts mehr mit Vitalität, mit der ersten Runde des Roh-Erzhaften, würde der Paracelsus sagen, von unten zu tun hat. Sondern das ist die zweite Dimension. Das ist eine Oktave höher. Das Ganze wird jetzt verwandelt und umgebaut und reift. Geht in einen eigenen inneren Prozess in Licht und Wärme und über Johanni hinaus. Bis jetzt war alles knackig, Vitalität bilden. Und das Eigentliche, dass es haltbar wird, dass die Schädlinge nicht so durch die Haut durchgehen und so weiter und so weiter. Das ist jetzt dieser Impuls, den wir stärken wollen, den wir sozusagen einen Kick geben wollen mit diesem Hornkiesel-Präparat, wo es ja in einer sehr, sehr hohen Verdünnung ein Mineral genommen wird, was ganz hier unten, weit unten unter der bodenfruchtbaren Zone ist, wo man wirklich ein kristallgewordenes Silikatgestein verarbeitet und so fein verarbeitet, dass es seine eigene Struktur verloren hat, und in diesem, was du beschrieben hast, von dem Prozess her, wie ein Medizinprozess jetzt übergeführt wird in Aktivität, in wässrige Aktivität, sodass ich es wirklich als Nebel, als dünnsten Schleier da auf die Pflanzen geben kann, und die messbar nach wenigen Tagen reagieren. Reagieren mit besserer Haut, besserer Reifung, sogar Ertragsrückgang. Wir können mit Hornkiesel 10 bis 12 Prozent Ertragsrückgang induzieren, weil es um Qualität, um Umbildung, um Haut, um Reifung geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich einfach noch ergänzen. Ich glaube, das kann man jetzt gerade in so einem Moment, angehängt an so was als Einführung – der eine oder andere hat das vielleicht noch gar nicht gehört –, hier gut mitnehmen. Jetzt könnte man eigentlich ins offene Gespräch übergehen, oder? Ich würde jetzt sozusagen den Teil hier so weit abschließen und gerne jetzt die Meldungen, Ergänzungen, Widersprüche und so weiter an uns beide versuchen zu integrieren. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Kristallisieren und Veredeln 01:22:47 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vor der Frage erstmal ein Riesendanke an euch beide. Das sind Megabilder, die ihr durchgereicht habt. Das war echt für mich megaschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Danke. Komm, stimm mal auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Du holst diesen grafischen Stein da unten, der sich kristallisiert, der kristalline Strukturen hat, wo verbesserst du ihn, und sprichst dann über 20 Prozent Rückgang im Westen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; 12 Prozent, ja, das kann passieren. Das kann sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Das heißt, da habe ich dann auch wieder dieses Kristallisieren, das Veredeln sozusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja, absolut. Landwirtschaft, Kultur, Lebensmittel ist nicht nur Masse, mehr Masse, noch mehr Masse. Sonst säßen wir ja hier auch nicht zusammen. Ich glaube, das ist hier jedem klar. Wenn wir nur das betrachten, dann sollten wir irgendwie gehen. Sondern es geht darüber hinaus. Und gleichzeitig ist darin aber was ganz Richtiges, dass Masse und Vitalität gefördert und gebildet wird. Die muss nur zur richtigen – alles ist eine Frage der Zeit – die muss zur richtigen Zeit entstehen. Und sie muss entstehen aus dem, was diese wachsende Wurzelspitze selber mit dem Boden veranstaltet. Und nicht, indem ich da eine Nährstofflösung hingebe und die Pflanze eigentlich statt Wasser diese Nährstoffe aufnimmt und dann übervoll ist damit, sodass eigentlich sie gar nicht anders kann, als das irgendwo hinzulagern, viel zu hohen Ammoniumgehalt und so weiter in ihren Pflanzensäften hat, und dann natürlich das gefundene Fressen für jedes Insekt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stickstoff kann man so gut verstehen, wie bekloppt wir eigentlich sind, dass wir erst das reinpumpen in die Pflanze, die kann nicht anders, und dann sehen wir, oh scheiße, da kommen ja Insekten, da kommen ja Pilze, die wird zu hoch und so weiter, jetzt müssen wir die nächsten Mittel nehmen. Das ist die Geschichte seit den 20er Jahren der allgemeinen Landwirtschaft. Und wir meinen immer noch, das sei irgendwie nötig und gut und schmeißen dann davon knapp 40 Prozent weg. Das ist doch unsere Situation heute, in Bezug auf das Getreide kann man das ganz klar so sagen. Aber ich bin abgeglitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Und wenn du das Kristalline, das Formhafte bringst, ich greife es nur auf, wenn wir jetzt Hornkiesel sprechen, im Weinbau, dann ist es im Vorblütebereich. Oder wenn man mich fragt, ich schaffe es nur einmal, es gibt natürlich verschiedenste Zeitpunkte auch, aber da – das habe ich ja vorhin versucht zu erklären – da treffe ich diese drei Zeitströme. Und da ist die Pflanze wirklich aufnahmefähig, das ist auch ein Teil meiner Doktorarbeit, da sehen wir dann im Folgejahr deutliche Auswirkungen auf die Traubenstruktur, auf ein geregelteres vegetatives Wachstum, weniger Geiztriebe und so weiter und so fort. Aber uns geht es ja darum, in den größeren Linien an dem Verständnis zu arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Pfropfung und Gleichgewicht 01:25:53 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Ich fand das da ganz interessant, dass du gesagt hast, dass die Amerikaner, also eher oberflächlich wurzeln, und die Europäer weiter nach unten gehen, also tiefgründiger. Aber das ist ja eigentlich eine Katastrophe, wenn wir eine amerikanische Unterlagsrebe haben und eine europäische drauf pfropfen, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Also ich wiederhole nochmal die Frage, und ich würde es jetzt gerne mit dem Wort ein bisschen anders, ich würde gerne die benennen, dass wir nicht immer sagen Amerikaner und Europäer, weil da wird so viel mit assoziiert, sondern dass wir erstmal ganz nüchtern auf zwei verschiedene Wildformen oder Ursprungsformen der Weinpflanze gucken. Da passiert im Kopf immer mehr, als man eigentlich will, und zwar ganz schnell. Darum geht es jetzt nicht, sondern wir wollen wirklich gucken, was machen wir eigentlich mit diesen Pfropfen und mit diesen Untergrundpflanzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ja, es ist nicht nur eine Katastrophe deswegen, sondern wir müssen uns auch klar machen, wir kreieren nicht unbedingt Gleichgewicht, und das ist für mich auch einer der Hauptgründe, warum wir im Weinbau so gute Ergebnisse haben können, weil wenn wir es mit den gepfropften Pflanzen zu tun haben und an diesem Bild dranbleiben, dass da deutlich mehr Substanzkraft vielleicht ist von der Unterlage – ich bleibe mal nicht bei der Amerikanerin –, dann ist es nicht im Gleichgewicht. Das heißt mein Leben lang, ich vergleiche mal, wenn ich dein Bein nehme und ich pfropfe meins auf deins, dann läufst du dein Leben lang schief und musst da irgendwie das ausbalancieren. Also da könnten wir jetzt stundenlang einsteigen, deswegen habe ich zu Lotte geschaut, wie lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht noch als ein größeres Bild, ich bin ja auch in Amerika immer mal wieder tätig, und wir haben jetzt gerade genauso wie hier, hier kommt auch der Wahnsinn auf uns zu mit einer amerikanischen Rebkrankheit, und dort auch, da gibt es Red Blotch Disease, heißt das, auch so eine kleine Zikade, die überträgt so ein Virus. Man reißt da gerade massiv Reben raus, und im Napa Valley, ich war letztes Jahr dort bei so einer gerodeten Fläche, das waren solche Stämme. Wie alt ist eine Rebe, wenn sie so dick ist? Was schätzt ihr? 80? 200? Hängt von der Rebsorte und dem geologischen Zusammenhang. Vulkanismus, Napa Valley, Geo-Äther bringe ich jetzt einfach mal auch als Bild – die waren keine 20 Jahre alt, aber haben so was an Substanz gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist ein Phänomen, was wir schon sehen können, auch in der Grundlage dieser Pflanze als solchen, das ist eine andere Plattform, da ist auch ein bisschen mehr Bums und so weiter, aber das ist einfach was anderes, da jetzt tiefer reinzugehen, würde den Seminarraum sprengen und eigentlich auch nicht das Thema, an dem wir eigentlich dran sein wollten mit euch, diese Frage, diese Verbindung von Brot und Wein und von oben und unten und von Tag und Nacht und wie man es auch alles nennen wollen. Ich will das jetzt gar nicht, wir können gerne in fünf Minuten noch tiefer einsteigen, aber das sprengt es hier alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann sich das auf ganz vielen Ebenen anschauen, und ja, wir müssen – für mich steht und fällt der Weinbau mit der Züchtung, und dass wir letztendlich den Weinbau auch wieder dahin kriegen, dass wir mit den Europäerreben, mit der Adaptionsfähigkeit, mit dem Bild, was ich hier auch mit Zoe und Bios gebracht habe, dass wir sozusagen standortbezogene Züchtung, dass wir Pflanzen haben, die letztendlich sich jetzt hier mit den neuen Gegebenheiten – in der Medizin einer der Hauptpunkte der momentanen Forschung ist, in Beziehung treten mit der Krankheit oder in Beziehung treten mit der Situation. Was heißt es denn, wenn ich Pflanzen habe da draußen, denen ich nicht zulasse, in Beziehung zu treten? Und das machen wir im Weinbau seit 150 Jahren. Also ihr merkt, ich werde da emotional, und da müssen wir auf ganz vielen Ebenen ansetzen. Vielleicht genug dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Beziehung statt isolierter Wirkstoff 01:30:14 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber was du sagst, ist ja genau, dass wir in Beziehung treten. Deswegen kann ich sagen, ich habe die Heilkräuterfrau, die nimmt aus drei Pflanzen ihren Zaubertrank, und dann kommt Bayer, einer macht die Analyse, holt sich die Wirkstoffe der drei Pflanzen, rührt sie zusammen, und ich habe nachher nicht so von der Qualität her, weil keine Beziehung drin liegt. Das ist eigentlich das, was du sagst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Georg:&#039;&#039;&#039; Ich habe nichts gegen das Physische, gegen das Stoffliche. Also die Erkenntnis des Stofflichen finde ich wichtig. Was wir ja jetzt gerade gemacht haben, ist, dass wir eher in das Erweiterte oder Ganzheitliche eingetreten sind. Das Stoffliche hat für mich eine Bedeutung. Und das ist vielleicht auch das Bild des Brotes als Leib, als Repräsentant des Stofflichen. Aber wir dürfen das Lebendige nicht vergessen. Und das auch in Beziehung bringen. Aber deswegen reagiere ich da so ein bisschen drauf. Für mich heißt rein stofflich denken nicht unbedingt Gift. Aber das kann so enden. Auf jeden Fall, wenn ich das einseitig betrachte, wenn ich nur da oben in die Esoterik oder in die Ganzheitlichkeit gehe, dann endet es irgendwo im Luftigen, und ich verliere die Erdung. Und wenn ich nur in das rein stoffliche Material reingehe, dann verliere ich die Beziehungsebene. Das ist auch ein versuchter Griff, inwieweit können wir diese Pflanzen in Beziehung bringen. Gibt es noch eine Frage oder Bemerkung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gespräch: Getreide und Wein in anderen Klimazonen 01:31:50 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Wir sprechen ja viel über Zyklen, insbesondere bei der Rebe, die temperaturabhängig sind, tageslängenabhängig, saisonabhängig, egal, die ganzen Verbindungen zu den jetzt christlichen Festen, früher vielleicht andere. Was passiert mit dem Ganzen in Gebieten, wo das nicht so eine Rolle spielt? Also, je mehr wir uns dem Äquator nähern, je mehr die Tageslänge gleich ist. Vielleicht auch Temperaturen in subtropischen Bereichen oder im Mikroklima da sehr konstant sind. Frage an beide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Bist du zuerst oder ich zuerst? Ich bin unerfahren. Ich kann einfach nur mit dem mediterranen Raum und dem nordeuropäischen Raum, das kann ich noch abschätzen, aber wirklich zu Tropen kann ich ganz wenig sagen, weil ich einfach nicht Erfahrung habe. Ich kann jetzt irgendwelche Wissenschaftsdaten liefern oder so, aber das bringt es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Vielleicht ganz praktisch dann wären dann zwei Weizenernten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Natürlich, das gibt es. Es gibt in vielen Ackerbaugebieten schon im Süden dann die Situation, dass man zwei Ernten hat. Das ist dann sofort die Frage nach dem Wasser. Und es ist dann auch ganz schnell die Frage, hält meine Fruchtbarkeit? Ich kann das ein paar Jahrzehnte machen, und dann habe ich plötzlich kein Humus mehr. In vielen mediterranen Gebieten bin ich jetzt schon auch bei dem, wie es bisher gelaufen ist, an der Stelle mit 0,4 oder 0,6 Prozent Humus. So tief muss ich pflügen, damit es überhaupt noch irgendwie wächst, dass ich eigentlich am Ende bin. Das ist ganz nah absehbar, dass plötzlich gar nichts mehr geht. Ich kenne das. Ich habe das ein paar Mal erlebt. Wenn es dann einfach nicht mehr wächst, wächst es dann einfach nicht mehr, weil das ist sozusagen wie Rekultivierung nach Steinbruch. Wenn der Humus einfach weg ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Aber bei ausreichender Pflege natürlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Na klar. Na klar. Und in den Tropen kommt es natürlich darauf an, dass ich jetzt mit Schichten arbeite. Da ist ja genug Wasser. Was ist die tropische Situation? Der Boden ist in der Luft. Deshalb ist es so schlimm, den Regenwald abzuholzen, weil ich den Boden mit wegnehme. Der kann sich nicht halten ohne den Wald, weil der im Wald ist. Darunter der Boden ist sauer und total humusfrei. Der ist eigentlich wirklich der Festhalter. Es gibt so einen Witz unter den Tropenbiologen, das Blatt aus der obersten Schicht ist, bis es runtergegangen ist durch die fünf Schichten, ist es schon verdaut. Das ist wahnsinnig schnell. Man muss gute Bilder haben, die passen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Norden, wenn Sie nach Schweden gehen, Mittelschweden, dann ist der Boden, alle Humusprozesse sind total still, ruhig. Es ist alles unten im Boden. Sie haben im Frühjahr größte Mühe, dass überhaupt mal richtig losgeht, dass die Wärme mal reinkommt, dass mal Umsetzung zustande kommt. 10 Prozent Humus, 20 Prozent Humus, aber es kommt nicht in Gang. In den Tropen haben Sie gar nichts im Boden. Es ist alles oben, und Sie müssen eigentlich bremsen, bremsen, bremsen. Das ist natürlich diese Stockwerkgeschichte super toll. Nahrungserzeugung in den Tropen ist immer die Frage, habe ich eine Beschattungskultur oben drüber, Halbschatten, was kann ich von der miternten und so weiter. Es wird sozusagen mehrstöckig, und deshalb ist das so bescheuert, wenn die Leute heute sagen, ja, ihr könnt ja die Welt nicht ernähren, weil ernähren werden wir sie sowieso an Orten, wo dieses begrenzte konventionelle System von Mitteleuropa und Nordamerika, wo das sowieso überhaupt gar nicht funktioniert. Kommen Sie mal mit Stickstoff in fünf Etagen oder mit irgendwelchen Sachen, das bringt überhaupt gar nichts. Die Probleme sind völlig andere. Und die muss man verstehen und entwickeln. Aber mit so einem Werkzeug wie der Biodynamik geht das. Das kann man machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schluss: Humus und Humor 01:35:49 ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Publikum:&#039;&#039;&#039; Eine letzte Präzisionsfrage. Das heißt, für das Getreide spielt es im Grunde genommen keine Rolle, wie die Tageslänge ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin:&#039;&#039;&#039; Das ist jetzt ein bisschen sehr, sehr stark vereinfacht. Es gibt Wintergetreide und Sommergetreide. Ich musste jetzt das knapp machen. Die Wintergetreide, die eben in den Winter hinein wachsen, die brauchen die Kälte, Vernalisation. Eine wahnsinnige Sache. Und die Sommergetreide haben das nicht mehr. Deshalb gehen die so wahnsinnig schnell. Ich säe das im März und ernte das auch im Juli. Der Sommerweizen geht genauso schnell. Hat immer 20, 30 Prozent weniger Ertrag, aber eine ganz spezielle Kleberstruktur und ist deshalb oft gut, um jetzt Croissants zu backen oder als Aufmischweizen dazuzutun oder so. Hilft das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Eindruck, ich würde noch gerne einen abschließenden Gedanken dazu entwickeln. Du bist bestimmt auch. Und dann machen wir Schluss. Ich wollte sagen, ich habe das nur einmal angedeutet beim Getreide. Es ist nicht nur das, was wir essen. Und es ist nicht nur die Qualität des Getreides oder so, sondern es ist mit dem Getreide die Möglichkeit, durch das Stroh, durch die Wurzelmasse, dauerhaft Bodenfruchtbarkeit regelrecht zu erzeugen, bei gleichzeitiger Versorgung von Menschen und Tieren. Und was Sie da vor sich haben, ist der Humusprozess. Und interessant ist, dass dieses Wort vom Wortstamm her ganz nah ist dem Humor. Und was ist der Humor? Der macht aus uns eine Gemeinschaft. Und was kann die Weinpflanze? Uns miteinander verbinden und in eine Stimmung bringen, wo wir diese Seite derselben Medaille benutzen. Herzlichen Dank. Das war&#039;s.&lt;br /&gt;
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== Glossar ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
[[Georg Meissner|| zurück zu Georg Meißner |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Georg Meissner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Maschinelle Rohtranskription]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Transkribiert von ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 0%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erscheinungsjahr 2025]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6592</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2025-01-01T19:05:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6s Begrüßung 00:00:06] ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=34s Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34] ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=427s Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld 00:07:07] ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=531s Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51] ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=912s Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12] ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1121s Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41] ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1596s Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1876s Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16] ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2161s Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2426s Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26] ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2884s Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04] ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=3305s Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05] ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=3873s Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33] ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4195s Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55] ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4466s Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4914s Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54] ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5088s Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5234s Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14] ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5390s Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5859s Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39] ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6300s Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00] ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6442s Flexibles Handeln in Kriegszeiten: Rudolf Steiner bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22] ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6690s Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30] ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6940s Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40] ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7442s Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02] ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7592s Was ist Anthroposophie? 02:06:32] ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7650s Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30] ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7851s Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51] ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=8077s Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37] ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=8344s Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04] ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin&#039;&#039;&#039; ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30]]&lt;br /&gt;
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BEHINDERUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit &#039;&#039;&#039;Behinderungen&#039;&#039;&#039; als seelenpflegebedürftige Menschen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:48:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH  DYNAMISCHE  LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen &#039;&#039;&#039;biodynamischen Höfen&#039;&#039;&#039; ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;D&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#D| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#E| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÉDOUARD SCHURÉ                &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem &#039;&#039;&#039;Édouard Schuré&#039;&#039;&#039;, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Und so entsteht die &#039;&#039;&#039;Eurythmie&#039;&#039;&#039; als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;F&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#F| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;G&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#G| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEIST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der &#039;&#039;&#039;geistigen&#039;&#039;&#039; Seite [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55]]    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische &#039;&#039;&#039;Geisteswissenschaft&#039;&#039;&#039; entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33]]   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOETHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser &#039;&#039;&#039;Goethe&#039;&#039;&#039;-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33]]   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;H&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#H| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;I&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#I| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenarbeit mit &#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039; […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;J&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#J| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;K&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#K| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Kräutersammler &#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039; … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#L| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;M&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#M| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MARIE STEINER/VON SIEVERS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Édouard Schuré&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039;&#039; ein Stück, was &#039;&#039;&#039;Marie von Sievers&#039;&#039;&#039;, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENDRAMA    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele&#039;&#039;&#039; in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;N&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#N| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;O&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#O| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]] &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:48:04]]&lt;br /&gt;
* … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039;, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55]]   &lt;br /&gt;
* Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [&#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039;] [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30]] &lt;br /&gt;
* Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#S| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Professor in der Universität … &#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039; … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftige&#039;&#039;&#039; Menschen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:48:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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* Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und &#039;&#039;&#039;Übersinnlichem&#039;&#039;&#039; [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33]]   &lt;br /&gt;
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* … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen &#039;&#039;&#039;Waldorfschulen&#039;&#039;&#039; [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]] &lt;br /&gt;
* Ein Unternehmer, Emil Mold, &#039;&#039;&#039;Waldorf&#039;&#039;&#039; Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEIHNACHTSSPIELE, OBERUFERER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;Weihnachtsspiele&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]] &lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bodenentwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar erstellt von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landbauschule Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seminare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6591</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6591"/>
		<updated>2025-01-01T18:28:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6s Begrüßung 00:00:06] ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=34s Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34] ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=427s Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld 00:07:07] ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=531s Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51] ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=912s Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12] ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1121s Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41] ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1596s Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=1876s Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16] ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2161s Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH    WEIHNACHTSSPIELE     … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01]]    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2426s Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26] ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=2884s Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04] ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER    BEHINDERUNG    SEELE   Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:48:04]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=3305s Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05] ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX      MYSTERIENDRAMA     … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=3873s Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33] ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33]]     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4195s Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55] ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIG     RUDOLF STEINER    … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55]]     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4466s Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=4914s Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54] ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5088s Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5234s Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14] ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENSPIELE    ÉDOUARD SCHURÉ                Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5390s Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=5859s Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39] ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6300s Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00] ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6442s Flexibles Handeln in Kriegszeiten: Rudolf Steiner bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22] ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6690s Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30] ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6940s Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40] ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     WALDORFSCHULE    Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40]]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7442s Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02] ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7592s Was ist Anthroposophie? 02:06:32] ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7650s Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30] ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN   ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition [[Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30|| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=7851s Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51] ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=8077s Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37] ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=8344s Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04] ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bodenentwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar erstellt von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landbauschule Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seminare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6590</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6590"/>
		<updated>2025-01-01T17:03:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=6s Begrüßung 00:00:06] ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=34s Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34] ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=427s Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld 00:07:07] ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q&amp;amp;t=531s Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51] ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH    WEIHNACHTSSPIELE     … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER    BEHINDERUNG    SEELE   Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX      … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIG     RUDOLF STEINER    … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENSPIELE    ÉDOUARD SCHURÉ                Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flexibles Handeln in Kriegszeiten: Rudolf Steiner bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     WALDORFSCHULE    Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN   ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bodenentwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar erstellt von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landbauschule Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seminare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6589</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6589"/>
		<updated>2025-01-01T16:46:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH    WEIHNACHTSSPIELE     … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER    BEHINDERUNG    SEELE   Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX      … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIG     RUDOLF STEINER    … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENSPIELE    ÉDOUARD SCHURÉ                Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flexibles Handeln in Kriegszeiten: Rudolf Steiner bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     WALDORFSCHULE    Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN   ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bodenentwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar erstellt von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landbauschule Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seminare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6588</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6588"/>
		<updated>2025-01-01T16:34:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was e */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH    WEIHNACHTSSPIELE     … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER    BEHINDERUNG    SEELE   Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX      … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIG     RUDOLF STEINER    … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENSPIELE    ÉDOUARD SCHURÉ                Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flexibles Handeln in Kriegszeiten: Rudolf Steiner bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
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Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
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Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
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Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
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Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     WALDORFSCHULE    Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
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=== Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN   ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
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== Glossar==&lt;br /&gt;
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----&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6587</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6587"/>
		<updated>2025-01-01T16:32:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH    WEIHNACHTSSPIELE     … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und &#039;&#039;&#039;für Steiner eine unglaublich wichtige Sache&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie &#039;&#039;&#039;ein Terminproblem.&#039;&#039;&#039; Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER    BEHINDERUNG    SEELE   Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOGUZKI, FELIX      … Kräutersammler Felix Koguzki … versorgt die Wiener Apotheken […] in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:55:05&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe kann Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelingt ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich &#039;&#039;&#039;in dem Übersinnlichen orientiert haben,&#039;&#039;&#039; war es mir ein wirkliches Problem, i&#039;&#039;&#039;m Sinnlichen mich zurechtzufinden&#039;&#039;&#039;. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie&#039;&#039;&#039; und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIG     RUDOLF STEINER    … es ist eine Zeitnotwendigkeit. Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine Erweiterung nach der geistigen Seite | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:09:55     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIENSPIELE    ÉDOUARD SCHURÉ                Mysterienspiele in München […] das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:27:14&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EURYTHMIE     Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst … Geführte, gefühlte Bewegung | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:29:50 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     KERNPUNKTE DER SOZIALEN FRAGE     Die Kernpunkte der Sozialen Frage [GA 23], die werden sein Bestseller [Rudolf Steiner] | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:51:30&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein &#039;&#039;&#039;Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser anthroposophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER     WALDORFSCHULE    Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart […] Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:55:40  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegman. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegman, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ITA WEGMAN   ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN   Zusammenarbeit mit Ita Wegman […] die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin. Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 02:07:30 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
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== Glossar==&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;A&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#A| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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----&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6586</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6586"/>
		<updated>2025-01-01T15:44:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH   … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegmann. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;A&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#A| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
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----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;B&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] |[[Die Apokalypse des Johannes - alle Vorträge von Wolfgang Peter#B| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6585</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6585"/>
		<updated>2025-01-01T15:43:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Im technischen Umfeld der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese &#039;&#039;&#039;Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle&#039;&#039;&#039;. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;problematisch&#039;&#039;&#039;, weil da &#039;&#039;&#039;kann man sich nicht verwurzeln&#039;&#039;&#039;. Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist man auch &#039;&#039;&#039;der Älteste&#039;&#039;&#039;. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt &#039;&#039;&#039;leidet an Einsamkeit&#039;&#039;&#039;. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei &#039;&#039;&#039;Dorfschullehrer&#039;&#039;&#039;, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss ist wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel &#039;&#039;&#039;Nachhilfeunterricht&#039;&#039;&#039; und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. &#039;&#039;&#039;Praktische Seelenkunde&#039;&#039;&#039; nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|&#039;&#039;&#039;Kritik der reinen Vernunft&#039;&#039;&#039;]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. &#039;&#039;&#039;Sowas liest er irgendwie zum Sport,&#039;&#039;&#039; das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, &#039;&#039;&#039;mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit&#039;&#039;&#039;. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|&#039;&#039;&#039;Karl Julius Schröer&#039;&#039;&#039;]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat. Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHRÖER, KARL JULIUS   WALDORFSCHULE   BIODYNAMISCH   … Professor in der Universität … Karl Julius Schröer … Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 00:36:01    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegmann. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6575</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-28T16:27:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT   ÜBERSINNLICH   Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem | von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 01:04:33     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegmann. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6574</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-28T16:24:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung vom Sinnlichen zum Übersinnlichen 01:04:33 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung von Übersinnlichem und Sinnlichem 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe &#039;&#039;&#039;das beschrieben, was einfach überall schon da war.&#039;&#039;&#039; Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur &#039;&#039;&#039;in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit&#039;&#039;&#039; gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit.&#039;&#039;&#039; Es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegmann. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6572</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-27T20:53:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Medizin ... 02:07:30 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung vom Sinnlichen zum Übersinnlichen 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war. Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit&#039;&#039;&#039;, es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zusammenarbeit mit Ita Wegmann. Anthroposophische Medizin als Erweiterung der Schulmedizin 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung. Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland und in Holland. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, [[A:Ita Wegman|&#039;&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;&#039;]]. Und sie kommt dann schlussendlich 1919, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, &#039;&#039;&#039;eine kleine Klinik in Arlesheim&#039;&#039;&#039;, direkt &#039;&#039;&#039;am Fuße des Goetheanums,&#039;&#039;&#039; also da ist man in fünf Minuten hingelaufen. Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage - die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen - der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich die anthroposophische Medizin [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Anthroposophische Medizin|Anthroposophische Medizin]]]: &#039;&#039;&#039;Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl&#039;&#039;&#039;, der Pharmazeut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so. Aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern. Über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett, Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau. Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, &#039;&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;&#039;. [&#039;&#039;Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, [[A:GA 27|GA 27]]] Ganz deutlich, die anthroposophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist &#039;&#039;&#039;eine Ergänzung&#039;&#039;&#039;, sie ist &#039;&#039;&#039;eine Erweiterung der Schulmedizin.&#039;&#039;&#039; Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden. Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuorientierung und  Erweiterung des Blickes auf die spirituellen Grundlagen der Landwirtschaft: Der Landwirtschaftliche Kursus in Koberwitz bei Breslau 1924  02:10:51 ===&lt;br /&gt;
Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere. Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent. Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser &#039;&#039;&#039;Dreigliederungsbewegung&#039;&#039;&#039;, aus dieser Ökonomiebewegung heraus &#039;&#039;&#039;ein Unternehmensverband&#039;&#039;&#039; gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, l&#039;&#039;&#039;andwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme&#039;&#039;&#039;. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch &#039;&#039;&#039;Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme&#039;&#039;&#039;. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist - er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich. Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein - ich sag mal - spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen. Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kayserlingk [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[w:Carl_Wilhelm_Graf_von_Keyserlingk|Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk]]), dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 [1924] ganz im Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht. Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen &#039;&#039;&#039;Landwirtschaftskurs&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)|Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kursus)]]] [[A:GA 327|GA 327]]. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner. Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs: Da war alles so ein bisschen eisern bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus. Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert. Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. &#039;&#039;&#039;Drei Monate später ist er so krank&#039;&#039;&#039;, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich sozusagen einer seiner letzten großen Reisen gewesen, &#039;&#039;&#039;diese Reise da nach Koberwitz,&#039;&#039;&#039; auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; bespricht. Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anthroposophie in der Praxis: Die Camphill-Gemeinschaft  02:14:37 ===&lt;br /&gt;
Dann kommt &#039;&#039;&#039;die große Weihnachtstagung&#039;&#039;&#039;, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab. Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und &#039;&#039;&#039;begründet&#039;&#039;&#039; diese Gesellschaft &#039;&#039;&#039;mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu&#039;&#039;&#039;. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 [1924] entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, &#039;&#039;&#039;nach Schottland und dort in Camphill&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Camphill-Gemeinschaft|&#039;&#039;&#039;Camphill-Gemeinschaft&#039;&#039;&#039;]]], diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von [[A:Karl König|&#039;&#039;&#039;Karl König&#039;&#039;&#039;]]. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen, die eben &#039;&#039;&#039;mit der Anthroposophie etwas Neues&#039;&#039;&#039; entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camphill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser &#039;&#039;&#039;Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft&#039;&#039;&#039;, dieses &amp;quot;wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig&amp;quot;. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen. Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte - und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war - spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal &#039;&#039;&#039;die biodynamischen Präparate&#039;&#039;&#039; durch die Heilpädagogik, durch die Camphill-Dorfgemeinschaften hingekommen. Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen.  Also in &#039;&#039;&#039;Südafrika&#039;&#039;&#039; kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Camphill-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte. Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. &#039;&#039;&#039;Die Notizen&#039;&#039;&#039;, es bleibt unglaublich rätselhaft, &#039;&#039;&#039;wie er das hingekriegt hat,&#039;&#039;&#039; in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte. &#039;&#039;&#039;Er war eben kein Theoretiker.&#039;&#039;&#039; Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht. Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das ist Steiner&#039;&#039;&#039;. Herzlichen Dank! [Applaus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ende des Vortrages - Fragen aus dem Publikum 02:19:04 ===&lt;br /&gt;
M.v.M.: Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schriften? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Anfang März 1925. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er ist Anfang März 1925 gestorben. Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett. Eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich. Das nennt sich &#039;&#039;&#039;Leitsatzbriefe.&#039;&#039;&#039; Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 26|GA 26]] Anthroposophische Leitsätze]. Es ist &#039;&#039;&#039;eine Einführung in die Anthroposophie&#039;&#039;&#039; für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da - jede Woche kam das in dieser Zeitschrift &amp;quot;Das Goetheanum&amp;quot; heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten. Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs. Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann behandeln lassen, oder hat er noch andere … ? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen. Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann, dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat - die habe ich jetzt gar nicht erzählt - daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig. Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant. Also er empfindet auch &#039;&#039;&#039;sein Krankenlager&#039;&#039;&#039;, so würde ich das heute sagen, &#039;&#039;&#039;als eine Arbeitsstation&#039;&#039;&#039;. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch. Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende. Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das … das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragender: Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: War Rudolf Steiner erleuchtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.:  Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht. Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so. Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast! Und es wird von Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt. Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte. Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat er denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, &#039;&#039;&#039;des umgekehrten Menschen und der Pflanze&#039;&#039;&#039;. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation. Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal. Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen. Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und der aus einer Logik heraus versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Hat Ihn der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr besteht, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese … wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M.v.M.: Ja, supergute Frage! Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt. Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen. Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen … Ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles darlegen ... wir glauben das alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor: &amp;quot;Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen!!&amp;quot; Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, sondern da, wo man ihm unterstellt, es würde um Weisheitslehren gehen. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich &#039;&#039;&#039;in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis&#039;&#039;&#039;. Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem, riesiges Problem, dass die Anthroposophie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird. Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. &#039;&#039;&#039;Die Lösung ist nicht Verwässerung&#039;&#039;&#039;. Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen. Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Anthroposophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung. Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben. Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht. Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt. Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren einfach, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November. Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist. Heute würde das gut durchkommen. Heute würden sie das alles akzeptieren, weil sie merken, es geht. Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6568</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-26T18:57:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung vom Sinnlichen zum Übersinnlichen 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war. Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit&#039;&#039;&#039;, es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber &#039;&#039;&#039;letztendlich doch kaum einen Einfluss&#039;&#039;&#039;. Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region. Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist &#039;&#039;&#039;in allen Gesellschaftskreisen unterwegs&#039;&#039;&#039;, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes. Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden. Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen. Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich &#039;&#039;&#039;wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung.&#039;&#039;&#039; Man packt alles in einen Topf. Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist. Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen. Es scheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart: Eine Schule, die aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist 01:55:40 ===&lt;br /&gt;
Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein U&#039;&#039;&#039;nternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart&#039;&#039;&#039;, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York. Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält&#039;&#039;&#039;, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten. Und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte. Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle. Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und &#039;&#039;&#039;das erste Mal&#039;&#039;&#039; überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass &#039;&#039;&#039;eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird&#039;&#039;&#039;. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen. Und Steiner erklärt das diesen Beamten, &#039;&#039;&#039;auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigliederung&#039;&#039;&#039;, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich &#039;&#039;&#039;aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird … auch bei Steiner spielen oft &#039;&#039;&#039;die Namen&#039;&#039;&#039; eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, &#039;&#039;&#039;Einheitliche Volks- und Höhere Schule.&#039;&#039;&#039; Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen. Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden. Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied. Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Auch wenn die Waldorfschule heute oft problematisch ist. Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck. Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional. Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was &#039;&#039;&#039;eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung&#039;&#039;&#039; überhaupt. Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen. Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist. Er fängt im September 19 [1919] an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht. Und manche hat man den Eindruck - da ist alles sehr gut dokumentiert - da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und &#039;&#039;&#039;macht Konferenzen&#039;&#039;&#039; und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist &#039;&#039;&#039;die Schulleitung&#039;&#039;&#039;, könnte man sagen. Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus: &#039;&#039;So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus.&#039;&#039; &#039;&#039;Das können wir hier nicht gebrauchen.&#039;&#039; Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert, ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem. Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich &#039;&#039;&#039;ohne Druck und ohne Sitzenbleiben&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;ohne Noten&#039;&#039;&#039; ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Waldorf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen. Die Schule ist dann nach wenigen Jahren … hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Waldorfschule ist das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt 02:04:02 ===&lt;br /&gt;
Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus &#039;&#039;&#039;einen Brief&#039;&#039;&#039; an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden. Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, &#039;&#039;&#039;eine Dachorganisation aller Waldorfschulen&#039;&#039;&#039;. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen. Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch &#039;&#039;&#039;das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&#039;&#039;&#039; Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist. Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie. Ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Was ist Anthroposophie? 02:06:32 ===&lt;br /&gt;
Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache. &#039;&#039;&#039;Was ist Anthroposophie?&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich.&#039;&#039; Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medizin ... 02:07:30 ===&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6567</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-25T20:45:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Ideen für eine eigene Bühne 01:29:50 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung vom Sinnlichen zum Übersinnlichen 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war. Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit&#039;&#039;&#039;, es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne. Trennung von den Theosophen. Die Eurythmie entsteht als eine neue Bewegungskunst 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar &#039;&#039;&#039;Architekten&#039;&#039;&#039; und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen Sie doch, ist doch super! Und die versuchen. Und die verhandeln mit der Stadt München. Und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht. Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da taucht ein Mitglied auf, das &#039;&#039;&#039;aus Basel ist, ein Zahnarzt&#039;&#039;&#039;, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben. Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und &#039;&#039;&#039;drei Monate später wird gebaut&#039;&#039;&#039;. Ein unglaubliches Tempo - zack, zack, zack, zack, es geht los. Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist - man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken, es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich &#039;&#039;&#039;die Welt der Architektur,&#039;&#039;&#039; die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift - die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem &#039;&#039;&#039;Konflikt,&#039;&#039;&#039; schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der &#039;&#039;&#039;theosophischen Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier &#039;&#039;&#039;keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen&#039;&#039;&#039;. Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. &#039;&#039;&#039;Anthropos und die Weisheit des Menschen&#039;&#039;&#039; liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen. Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Anthroposophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 [1912, 1913] eine ganze Menge von sogenannten &#039;&#039;&#039;esoterischen Stunden&#039;&#039;&#039;, Unterweisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen. 1910 erscheint das große Grundlagenwerk [[A:Die Geheimwissenschaft im Umriss|Die Geheimwissenschaft im Umriss]], wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst - &#039;&#039;&#039;das grundlegende Werk&#039;&#039;&#039; der ganzen anthroposophischen Welt und Menschen-Auffassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau kommt. Ja, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe. Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack, kommen ein paar neue noch dazu und so. Und so entsteht die [[A:Eurythmie|Eurythmie]] als eine wirklich &#039;&#039;&#039;neue Bewegungskunst,&#039;&#039;&#039; die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird: Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz Bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen &#039;&#039;&#039;Übungen mit Sprache&#039;&#039;&#039;. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen. Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die &#039;&#039;&#039;Ton-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die &#039;&#039;&#039;Heil-Eurythmie&#039;&#039;&#039; dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst. Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so. Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und &#039;&#039;&#039;wie er das wohl konnte&#039;&#039;&#039;, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg 01:37:39 ===&lt;br /&gt;
Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat. Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. &#039;&#039;&#039;Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg&#039;&#039;&#039; ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr - wie soll man sagen - an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter. Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu dem Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten. Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, &#039;&#039;&#039;um diese Katastrophe frühzeitig&#039;&#039;&#039; in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und &#039;&#039;&#039;alles zu tun&#039;&#039;&#039;, um die Menschen davon zu überzeugen, &#039;&#039;&#039;dass das keine Lösung ist&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut. Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der &#039;&#039;&#039;Franz Marc&#039;&#039;&#039; zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder - viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg. Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, d&#039;&#039;&#039;as ist eine riesige Katastrophe&#039;&#039;&#039;. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 [1918] und im Frühjahr 19 [1919] ist Steiner in der Lage, &#039;&#039;&#039;die Memoiren des Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039;, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen. Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die &#039;&#039;&#039;Friedensverhandlungen&#039;&#039;&#039; beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn erlebt hat - in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte - &#039;&#039;&#039;um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern&#039;&#039;&#039;. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919 - die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland - es ist wirklich eine üble Zeit. Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter. Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen. Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen. Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner! Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die &#039;&#039;&#039;Familie von diesem Helmut von Moltke&#039;&#039;&#039; mit. Und die &#039;&#039;&#039;verbieten&#039;&#039;&#039; der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat. Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat: Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten &#039;&#039;&#039;wie eine Umnachtung,&#039;&#039;&#039; wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten &#039;&#039;&#039;englischen Historiker Clark,&#039;&#039;&#039; dem Schlafwagenfahrer … Ja, egal [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Christopher Clark|Christopher Clark]], [[A:Die Schlafwandler (Sachbuch)|Die Schlafwandler (Sachbuch)]]]. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt. Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den &#039;&#039;&#039;Versailler Vertrag&#039;&#039;&#039; gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und … die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen. Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie &#039;&#039;&#039;opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag&#039;&#039;&#039; und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der 2. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus 01:45:00 ===&lt;br /&gt;
Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland. Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, &#039;&#039;&#039;sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie&#039;&#039;&#039; und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht. Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde, als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und &#039;&#039;&#039;Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter&#039;&#039;&#039;. Und es ist super klar - dann geht irgendwann das Licht wieder an - es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus. Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. &#039;&#039;&#039;Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht&#039;&#039;&#039;, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine wenig bekannte Seite von Rudolf Steiner: Flexibles Handeln, weil es die Situation erfordert. Er bricht alle meditativen Schulungen ab und bildet seine Community aus im Verbinden von Wunden, spricht mit ihnen über den Tod und darüber, was es geistig, spirituell bedeutet, wenn junge Menschen sterben 01:47:22 ===&lt;br /&gt;
Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese &#039;&#039;&#039;Kriegskatastrophe&#039;&#039;&#039; und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald. Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts. Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Einberufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt. Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der &#039;&#039;&#039;hält keine theosophischen Vorträge&#039;&#039;&#039; oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der &#039;&#039;&#039;macht einen Samariter-Kurs&#039;&#039;&#039;, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen. Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten. Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditativen Schulungen abbricht und der seine Community &#039;&#039;&#039;ausbildet im Verbinden von Wunden&#039;&#039;&#039;. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, &#039;&#039;&#039;was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben.&#039;&#039;&#039; Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung 1916, darum, für die deutsche Politik, &#039;&#039;&#039;für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen&#039;&#039;&#039;. Und zwar &#039;&#039;&#039;in Zürich, auf neutralem Boden&#039;&#039;&#039;. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein &amp;quot;Go&amp;quot; haben. Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher.  Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig. Wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat. Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen. Sondern Steiner, der auch g&#039;&#039;&#039;anz aktiv in das politische Geschehen eingreift&#039;&#039;&#039; und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sein Buch &amp;quot;Die Kernpunkte der sozialen Frage&amp;quot; wird zwar ein Bestseller, hat aber damals keinen Einfluss 01:51:30 ===&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu &#039;&#039;&#039;dieser Idee der Dreigliederung&#039;&#039;&#039; am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 18, 17, 18 [1918] darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von &#039;&#039;&#039;neuer Gesellschaftsordnung&#039;&#039;&#039;, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz &#039;&#039;&#039;hohen Respekt&#039;&#039;&#039; davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und … ja, ich weiß, vier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er schließt sich förmlich ein &#039;&#039;&#039;in Zürich&#039;&#039;&#039; in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, &#039;&#039;&#039;Die Kernpunkte der Sozialen Frage&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[S:GA 23|GA 23]]], die werden sein Bestseller. Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 01:53:11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6565</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-23T19:53:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile &#039;&#039;&#039;zwei Bücher&#039;&#039;&#039; geschrieben. Er hat einen &#039;&#039;&#039;Philosophie-Doktor&#039;&#039;&#039;. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding. Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw., ja, es kommt ein Brief. Und der geht so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Sehr geehrter Herr,&#039;&#039; schreibt Kürschner. &#039;&#039;&#039;Kürschner ist der Verleger&#039;&#039;&#039; dieser Goethe-Gesamtausgabe. &#039;&#039;Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt: Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters. Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren. Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit dem Kräutersammler Felix Koguzki: Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte (Rudolf Steiner) 00:55:05 ===&lt;br /&gt;
Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war - Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war. Nämlich die &#039;&#039;&#039;Bekanntschaft&#039;&#039;&#039; mit dem sogenannten Kräutersammler. [[A:Felix Koguzki|&#039;&#039;&#039;Felix Koguzki&#039;&#039;&#039;]] war ein &#039;&#039;&#039;Kräutersammler&#039;&#039;&#039; und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner, ein alter Mann. Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich … an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich. Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der &#039;&#039;&#039;versorgt die Wiener Apotheken&#039;&#039;&#039;. Man muss sich ja klarmachen, im 19. Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze &#039;&#039;&#039;moderne Medizin gibt es noch nicht&#039;&#039;&#039;, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten. Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen. Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und jetzt schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen, nach und nach. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal:  E&#039;&#039;&#039;r trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&#039;&#039;&#039; Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben. Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat &#039;&#039;&#039;ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur&#039;&#039;&#039;, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, &#039;&#039;&#039;was ist eigentlich Heilung&#039;&#039;&#039;? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter. Und wie werden die wirksam? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so. Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen. Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Koguzki besuchen darf. Das schildert er sehr genau. Er macht später auch &#039;&#039;&#039;eine Art Denkmal für diesen Mann&#039;&#039;&#039;, weil er in einem &#039;&#039;&#039;Mysteriendrama&#039;&#039;&#039; eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch. Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche &#039;&#039;&#039;Geistigkeit der Natur&#039;&#039;&#039;, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann. Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam. Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, &#039;&#039;&#039;der hat mir meinen Lehrer vermittelt.&#039;&#039;&#039; Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, &#039;&#039;&#039;die Ordnung&#039;&#039;&#039; in das, &#039;&#039;&#039;was man geistig wahrnimmt&#039;&#039;&#039;, zu bringen. Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, &#039;&#039;&#039;mein Meister.&#039;&#039;&#039; Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s. Und wenn man jemand seinen Meister nennt - das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person - dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Koguzki mit diesem Vermögen, &#039;&#039;&#039;in der Natur das Geistige wahrzunehmen&#039;&#039;&#039;, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte. Er &#039;&#039;&#039;spricht bis 1900&#039;&#039;&#039; überhaupt &#039;&#039;&#039;nicht von dieser Innenwelt.&#039;&#039;&#039; Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1896 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt. Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 2 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erst durch die Arbeit an der Goethe-Gesamtausgabe konnte Rudolf Steiner eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln. Über die Naturwissenschaft gelang ihm die Verbindung vom Sinnlichen zum Übersinnlichen 01:04:33 ===&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Rudolf Steiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch - und das formuliert er auch - in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht &#039;&#039;&#039;eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können&#039;&#039;&#039;, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte, ja wie voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass &#039;&#039;&#039;er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat,&#039;&#039;&#039; dass er ungefähr 25 Bücher, &#039;&#039;&#039;30 Bücher&#039;&#039;&#039;, je nachdem, wie weit man die ganzen &#039;&#039;&#039;vielen Aufsätze&#039;&#039;&#039; dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, &#039;&#039;&#039;ich habe eigentlich Zugänge geschaffen&#039;&#039;&#039;, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen - er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war - das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht. Derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein &#039;&#039;&#039;Haupt- Erreichnis&#039;&#039;&#039; und er wird dann später, ja die Leute,  … Sie sind ja ein ganz Großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht! Und so sagt er: Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war. Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe. Aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Erweiterung nach der geistigen Seite ist eine Zeitnotwendigkeit 01:09:55 ===&lt;br /&gt;
Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine &#039;&#039;&#039;Zeitnotwendigkeit&#039;&#039;&#039;, es ist notwendig in der Zeit etwas - und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt - eine &#039;&#039;&#039;Erweiterung nach der geistigen Seite&#039;&#039;&#039;. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil. Und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der &#039;&#039;&#039;Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule&#039;&#039;&#039; wird, der jede zwei Wochen eine &#039;&#039;&#039;Zeitschrift herausgeben&#039;&#039;&#039; muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen. Aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, &#039;&#039;&#039;wo willst du eigentlich hin?&#039;&#039;&#039; Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der [[A:Philosophie der Freiheit|Philosophie der Freiheit]], &#039;&#039;&#039;der Mensch ist da frei&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;wo er sich seines Denkens bedient&#039;&#039;&#039; und in seinem Denken sich selbst begründet. Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk. Und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor.  Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie|Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie]]] und schreibt von dem Ich und von dem &#039;&#039;&#039;Höheren Ich.&#039;&#039;&#039; Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der &#039;&#039;&#039;Arbeiterbildungsschule Unterricht&#039;&#039;&#039; gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben. Und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte. Aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ein Wandel vollzieht sich: Vorträge vor der Theosophischen Gesellschaft. Rudolf Steiner lässt das Geistige nun erstmals durch seine Darstellungen durchleuchten  01:14:26 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es am 23. September 1900 kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war. Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adeligem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern. Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so &#039;&#039;&#039;eine Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die sich jetzt &#039;&#039;&#039;mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte&#039;&#039;&#039;, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr &#039;&#039;&#039;an dem Indischen angelehnt&#039;&#039;&#039; war und die durch eine russische Theosophin halt  ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Helena Petrovna Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]]]. Und diese &#039;&#039;&#039;theosophische Gesellschaft&#039;&#039;&#039;, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische. Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung. Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit der weißen Livree, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um - ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den [[A:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsche]] rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapeé. Und Steiner hat ihn da besucht und &#039;&#039;&#039;hatte ein starkes Erlebnis&#039;&#039;&#039; von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, &#039;&#039;&#039;Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 5|GA 5]]] und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. &#039;&#039;&#039;Wer ist eigentlich Nietzsche&#039;&#039;&#039; und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei dieser adeligen &#039;&#039;&#039;Theosophischen Teegesellschaft eingeladen&#039;&#039;&#039;, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt. Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen. Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über &#039;&#039;&#039;Goethes geheime Offenbarung&#039;&#039;&#039;. Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, &#039;&#039;&#039;Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich&#039;&#039;&#039;. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen. Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat. Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der &#039;&#039;&#039;Graf und Gräfin von Brockdorf&#039;&#039;&#039; statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung. Und da kommt jetzt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen,&#039;&#039; [Goethes Märchen]&#039;&#039;, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist. Ein &#039;&#039;&#039;Norweger&#039;&#039;&#039;, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. [Kaj Skagen, &#039;&#039;&#039;Anarchist, Individualist, Mystiker: Rudolf Steiners frühe Berliner Jahre 1897-1902&#039;&#039;&#039;] Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin. Und der wird eben im Nachhinein deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beginn einer ausgedehnten Vortragstätigkeit 01:21:54 ===&lt;br /&gt;
Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen. Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Anthroposophie dann sehr bedeutsam werden, die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben. Es kommt wieder zu einer &#039;&#039;&#039;Zeitschriftbegründung&#039;&#039;&#039;. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren &#039;&#039;&#039;Generalsekretär&#039;&#039;&#039;. Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart. Er kommt da hin, da gibt es &#039;&#039;&#039;einen öffentlichen Vortrag&#039;&#039;&#039;, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten &#039;&#039;&#039;Zweigvortrag&#039;&#039;&#039;, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine &#039;&#039;&#039;Logenarbeit&#039;&#039;&#039;, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige. Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat. Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die &#039;&#039;&#039;mitstenografiert werden&#039;&#039;&#039; und als sogenannte &#039;&#039;&#039;Zyklen&#039;&#039;&#039; zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, &#039;&#039;&#039;die Theosophie&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:GA 9|GA 9]]]. Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entfremdung von den Theosophen: Eine Anwendung der Theosophie im praktischen Leben findet kein Interesse 01:24:48 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann. &#039;&#039;&#039;Und das wollen die nicht hören.&#039;&#039;&#039; Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich, an vielen Stellen. Er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht. Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; jetzt irgendwie langsam &#039;&#039;&#039;fruchtbar werden.&#039;&#039;&#039; Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei. Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, &#039;&#039;&#039;15.000 Mitglieder in Deutschland&#039;&#039;&#039;, irgendwie um &#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung. Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München &#039;&#039;&#039;Kandinsky&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Wassily Kandinsky|Wassily Kandinsky]]] Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Mysterienspiele in München in einem gemieteten Theatersaal 01:27:14 ===&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten &#039;&#039;&#039;Mysterienspiele in München&#039;&#039;&#039;. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe. Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem [[A:Édouard Schuré|Édouard Schuré]], ein Stück, was [[A:Marie von Sievers|Marie von Sievers]], eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber. Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt. Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben &#039;&#039;&#039;fünf solche Aufführungen&#039;&#039;&#039; hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen &#039;&#039;&#039;die Texte handgeschrieben&#039;&#039;&#039;, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind. Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ideen für eine eigene Bühne 01:29:50 ===&lt;br /&gt;
weiter ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6562</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-22T18:15:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt Rudolf Steiner die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter - sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen. Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen. Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut. Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die &#039;&#039;&#039;Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften&#039;&#039;&#039; zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch. Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien. Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterricht bei der Familie Specht: Einblicke in die Zusammenhänge von geistig-Seelischem und Körperlichem betrachtet Rudolf Steiner als reiche Quelle des Lernens 00:40:26 ===&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die &#039;&#039;&#039;Familie Specht&#039;&#039;&#039;. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine Neugeborenen- Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und … ja, die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher die Schwerhörigkeit, an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen. Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert. Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes: [Vielleicht können wir auch mal kurz lüften]&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, &#039;&#039;&#039;sondern ich habe was gelernt.&#039;&#039;&#039; &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-Seelischem und Körperlichem im Menschen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-Körperliche betrifft und das seelisch-Geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist. Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also, wie funktionieren wir, Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen, wie ist die Psychologie? &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist &#039;&#039;&#039;ein künstlerischer Prozess.&#039;&#039;&#039; Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen. Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt. Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen. Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium. Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war. In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter - und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner bezeichnet Menschen mit Behinderungen als seelenpflegebedürftige Menschen 00:48:04 ===&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den &#039;&#039;&#039;seelenpflegebedürftigen Menschen&#039;&#039;&#039; spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne. Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, &#039;&#039;&#039;das sind gesunde Menschen, wie wir&#039;&#039;&#039; auch. Da ist nur eine &#039;&#039;&#039;besondere Pflege erforderlich&#039;&#039;&#039;. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie … hätte ein merkwürdiges Menschenbild. Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du. Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Zuwendung&#039;&#039;&#039;, haben &#039;&#039;&#039;noch viel mehr Hilfe und Unterricht&#039;&#039;&#039; und Schule zu kriegen als alle anderen. Und ein Wegsperren, ein Weggucken, ein Ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten &#039;&#039;&#039;diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen&#039;&#039;&#039; in ihrem &#039;&#039;&#039;vorgeburtlichen Leben&#039;&#039;&#039;, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle &#039;&#039;&#039;möglichst viel Hochachtung&#039;&#039;&#039; vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, &#039;&#039;&#039;die ganz besonders Großes mitbringen&#039;&#039;&#039; und denen ganz besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen. Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus. Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel. Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei. Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht. Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
00:53:12 hier weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre. Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6561</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6561"/>
		<updated>2024-12-21T21:11:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt er die Bearbeitung Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt er die Bearbeitung von Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6560</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-21T21:08:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir. Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studium in Wien: Rudolf Steiner erwirbt sich an der Universität ein breites Universalwissen und schreibt Artikel 00:31:16 ===&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht. Und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art - ja, technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kants [[A:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] studieren und ein bisschen Fichte [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Johann Gottlieb Fichte|Johann Gottlieb Fichte]]] und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen? Ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz. Sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe - da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen. Also jemand, der sicher &#039;&#039;&#039;hochbegabt&#039;&#039;&#039; war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;er studiert&#039;&#039;&#039; dann ab dem Herbst 79 [1879] acht Semester &#039;&#039;&#039;Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik.&#039;&#039;&#039; Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann. Aber in der anderen Universität nimmt er noch an &#039;&#039;&#039;Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie&#039;&#039;&#039; teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben. Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt. Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas. Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In so einer Kulturhauptstadt wie Wien gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein &#039;&#039;&#039;Universallexikon&#039;&#039;&#039; produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind., jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und. Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas. Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste! Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job. Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben. Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus, und so. Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen. Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit. Beeindruckend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begegnung mit Karl Julius Schröer. Durch ihn übernimmt er die Bearbeitung Goethes Gesamtausgabe 00:36:01 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der - mit dem freundete sich an, [[A:Karl Julius Schröer|Karl Julius Schröer]], so ein 40, 50 Jahre Älterer, so eine Professoren-Ikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause. Und der hat so &#039;&#039;&#039;Forschungen&#039;&#039;&#039; gemacht über die Sprachinseln, die &#039;&#039;&#039;deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien&#039;&#039;&#039;. Hat dabei übrigens diese &#039;&#039;&#039;[[A:Weihnachtsspiele|Weihnachtsspiele]]&#039;&#039;&#039; gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten: &#039;&#039;&#039;Goethes Gesamtausgabe&#039;&#039;&#039;. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot. Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werther [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Die Leiden des jungen Werthers|Die Leiden des jungen Werthers]]] und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat. Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele &#039;&#039;&#039;Naturwissenschaften&#039;&#039;&#039; eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch - Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen. Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:38:18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6555</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-20T20:45:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Teil 1 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925. Und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn, eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt, eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser, eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine Kindheit in Armut. Technisches Miterleben der ersten dampfbetriebenen Eisenbahn 00:08:51 ===&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte. Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die &#039;&#039;&#039;Österreich-Ungarische Südbahn&#039;&#039;&#039; baut eine allererste Strecke &#039;&#039;&#039;von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer&#039;&#039;&#039;. Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1859 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher. Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevec heute in Kroatien, ne Entschuldigung in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es … Kroatien, Ungarn, Slowenien. Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster, im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land. Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, &#039;&#039;&#039;diese Eisenbahn ist die erste Technologie&#039;&#039;&#039;, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich &#039;&#039;&#039;der Strom,&#039;&#039;&#039; das &#039;&#039;&#039;Telegrafieren&#039;&#039;&#039; und eben diese gewaltige &#039;&#039;&#039;Dampfkraft&#039;&#039;&#039; mit der Kohle. Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh. Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenher rennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt. Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und genau da ist nun der Vater angestellt. Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann. Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste. Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit. Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen. Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden. Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an, der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei. Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste hellsichtige Erfahrung des Schauens hinter die Sinneswelt 00:15:12 ===&lt;br /&gt;
Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind. Er sitzt in dem Warteraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und &#039;&#039;&#039;er hat eine Erscheinung&#039;&#039;&#039;. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klarkriegt, wer das so ist. Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen: Sei still, du dummer Bub!&amp;quot; Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben &#039;&#039;&#039;hinter die Sinneswelt schaut,&#039;&#039;&#039; dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis. Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens - ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen. Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites: Schule, Dorfschule. Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten. Und die jetzt, einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Schüler findet in der Geometrie sein Glück. Er entdeckt in ihr einen Schauplatz geistiger Wesenheiten, der ihm ebenso gewiss war wie die sinnliche Welt 00:18:41 ===&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein &#039;&#039;&#039;Geometriebuch&#039;&#039;&#039;. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, [[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]], und in einem &#039;&#039;&#039;Vortrag, den er 1913 hält&#039;&#039;&#039; - und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen &amp;quot;Steiner über Steiner&amp;quot;, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen. Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu Folgendem:&amp;lt;blockquote&amp;gt;… &#039;&#039;dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen, nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;… dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume. Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&#039;&#039;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe: &#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst gelernt … kennengelernt habe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren. &#039;&#039;&#039;Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe&#039;&#039;&#039;. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben. Er hat das Glück, auf das &#039;&#039;&#039;Gymnasium&#039;&#039;&#039; zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das &#039;&#039;&#039;Abitur mit Auszeichnung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Durch den Nachhilfeunterricht erlebt er an den Bedürfnissen des Schülers eine Art innerer Reflexion darüber, was eigentlich geistig ist, was physisch-sinnlich ist und wie man das Geistige präzise fassen kann 00:26:36 ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt - ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch &amp;quot;[[A:Mein Lebensgang|Mein Lebensgang]]&amp;quot; ist:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel. Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahm. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt. Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen. Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hineinschlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist. Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das! - kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat. Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar! Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an. Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen. Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem mühsameren verstehen-Können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden. Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:30:33&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kanzkritik der reinen Vernunft studieren und ein bisschen Fichte und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen, ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz, sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe, da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also jemand, der sicher hochbegabt war. Und er studiert dann ab dem Herbst 79 acht Semester Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik. Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in der anderen Universität nimmt er noch an Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in so einer Kulturhauptstadt wie Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein Universallexikon produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind. Jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste. Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beeindruckend. Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der mit dem freundete sich an, Karl Julius Schröer, so ein 40, 50 Jahre älter, so eine Professorenikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der hat so Forschungen gemacht über die Sprachinseln, die deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien. Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet. Und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten. Goethes Gesamtausgabe. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werter und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch, Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte, sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6551</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-18T20:26:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch Rudolf Steiner und sein familiäres und kulturelles Umfeld  00:07:07 ===&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925 und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn. Eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt. Eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser. Eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die Österreich-Ungarische Südbahn baut eine allererste Strecke von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1959 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevik heute in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es Kroatien, Ungarn, Slowenien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, diese Eisenbahn ist die erste Technologie, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich der Strom, das Telegrafieren und eben diese gewaltige Dampfkraft mit der Kohle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenherrennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. Und genau da ist nun der Vater angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sitzt in dem Badraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und er hat eine Erscheinung. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klar kriegt, wer das so ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen, sei still, du dummer Burp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben hinter die Sinneswelt schaut, dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. Zweitens, ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites, Schule, Dorfschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten und die jetzt einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein Geometriebuch. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, Mein Lebensgang, und in einem Vortrag, den er 1913 hält, und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen, Steiner über Steine, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu folgendem, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz. Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das Glück, auf das Gymnasium zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das Abitur mit Auszeichnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt, ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch mein Lebensgang ist. Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahme. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen. Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hinein schlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das, kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar. Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem Mühsameren verstehen können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kanzkritik der reinen Vernunft studieren und ein bisschen Fichte und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen, ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz, sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe, da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also jemand, der sicher hochbegabt war. Und er studiert dann ab dem Herbst 79 acht Semester Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik. Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in der anderen Universität nimmt er noch an Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in so einer Kulturhauptstadt wie Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein Universallexikon produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind. Jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste. Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beeindruckend. Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der mit dem freundete sich an, Karl Julius Schröer, so ein 40, 50 Jahre älter, so eine Professorenikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der hat so Forschungen gemacht über die Sprachinseln, die deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien. Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet. Und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten. Goethes Gesamtausgabe. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werter und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch, Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte, sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6550</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-18T17:00:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst: Es kommt darauf an, &#039;&#039;&#039;Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit&#039;&#039;&#039;, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat - ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die &#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat&#039;&#039;&#039; - ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns &#039;&#039;&#039;zukunftsfähig wird&#039;&#039;&#039;. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen. Und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das Ideelle, Gedankliche, Allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen. Das ist mein Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem &#039;&#039;&#039;Elternhaus,&#039;&#039;&#039; wo das schon ein Thema war und ich habe durch &#039;&#039;&#039;meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys&#039;&#039;&#039; sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen natürlich, das ist superwichtig. Und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. &#039;&#039;&#039;Wer ist dieser Mensch?&#039;&#039;&#039; Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber &#039;&#039;&#039;seinen eigenen Zugang entwickeln kann&#039;&#039;&#039; und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, &#039;&#039;&#039;kritischen Umgang&#039;&#039;&#039; damit entwickeln kann. Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschrift:  Rudolf Steiner Biographie   00:07:07&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa. 1861 bis 1925 und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn. Eine Welt, die längst, längst verschwunden ist. Ein Staat ist schon fast falsch gesagt. Eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser. Eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen. Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend. Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist. Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die Österreich-Ungarische Südbahn baut eine allererste Strecke von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1959 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevik heute in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es Kroatien, Ungarn, Slowenien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, diese Eisenbahn ist die erste Technologie, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich der Strom, das Telegrafieren und eben diese gewaltige Dampfkraft mit der Kohle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenherrennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. Und genau da ist nun der Vater angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sitzt in dem Badraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und er hat eine Erscheinung. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klar kriegt, wer das so ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen, sei still, du dummer Burp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben hinter die Sinneswelt schaut, dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. Zweitens, ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites, Schule, Dorfschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten und die jetzt einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein Geometriebuch. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, Mein Lebensgang, und in einem Vortrag, den er 1913 hält, und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen, Steiner über Steine, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu folgendem, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz. Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das Glück, auf das Gymnasium zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das Abitur mit Auszeichnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt, ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch mein Lebensgang ist. Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahme. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen. Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hinein schlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das, kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar. Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem Mühsameren verstehen können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kanzkritik der reinen Vernunft studieren und ein bisschen Fichte und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen, ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz, sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe, da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also jemand, der sicher hochbegabt war. Und er studiert dann ab dem Herbst 79 acht Semester Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik. Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in der anderen Universität nimmt er noch an Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in so einer Kulturhauptstadt wie Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein Universallexikon produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind. Jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste. Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beeindruckend. Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der mit dem freundete sich an, Karl Julius Schröer, so ein 40, 50 Jahre älter, so eine Professorenikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der hat so Forschungen gemacht über die Sprachinseln, die deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien. Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet. Und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten. Goethes Gesamtausgabe. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werter und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch, Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte, sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Biografie_Rudolf_Steiner_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6549</id>
		<title>Biografie Rudolf Steiner - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
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		<updated>2024-12-17T18:08:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Biografie Rudolf Steiner, 2024 2024-11-25.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q|mini|Martin von Mackensen am 25. November 2024 am Dottenfelderhof [https://www.youtube.com/watch?v=jJxp7PlJ10Q hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages Biographie Rudolf Steiner, Martin von Mackensen, 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke J., Dezember 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| von Mackensen, M. Biographie Rudolf Steiner, 0:00:00    … […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrüßung 00:00:06 ===&lt;br /&gt;
Also ich hoffe ja, ich verspreche euch nicht zu viel, dass ihr am Ende dieses Kurses jetzt nochmal sitzt und hört, aber es ist ein schöner Ausflug, es wird Spaß machen, man kommt wirklich in eine andere Welt und mir liegt da ganz viel dran. Insofern ist es auch ein bisschen sich mal zurücklehnen und sozusagen diese ganze Perspektive genießen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner gesehen im Kontext seiner Zeit vor 100 Jahren - was kann das zur Lösung der heutigen Probleme beitragen? 00:00:34 ===&lt;br /&gt;
Worum geht es? Die Biografie Rudolf Steiners ist ein Thema, was in der Literatur sehr, sehr intensiv bearbeitet worden ist. Es gibt sehr viel Material, ich habe nur einen kleinen Teil hier mitgebracht. Das ist der Teil, den ich für die besten Sachen halte und wo ich das meiste von herhabe. Aber ich habe auch noch aus anderen Büchern und von Zeugen und so allerhand. Also die Quellen sind reichhaltig und man könnte sehr wohl sagen, warum machen wir hier, wo wir es doch so knapp haben mit der Zeit und so, warum machen wir in einem landwirtschaftlichen Kurs jetzt eine Biografie, die vor 100 Jahren zu Ende ging. Das ist doch vielleicht gar nicht so unbedingt nötig. Nein, ich glaube, dass es sehr, sehr nötig ist und sehr, sehr sinnvoll ist. Warum? Wir haben die &#039;&#039;&#039;Biodynamik&#039;&#039;&#039;, wir haben diese &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Landwirtschaft,&#039;&#039;&#039; wir haben die &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, wir haben die &#039;&#039;&#039;anthroposophische Medizin.&#039;&#039;&#039; Und wir haben die ganze Anthroposophie, als etwas, was ohne Rudolf Steiner undenkbar ist und was aber heute für unsere Fragen und unsere Probleme, vor allem Interessantes für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin fest davon überzeugt, deshalb mache ich das jetzt hier, dass wir mit den Quellen der Anthroposophie, mit dem, was da eigentlich mal entwickelt worden ist vor 100 Jahren, in der Lage sind, die &#039;&#039;&#039;Probleme&#039;&#039;&#039; zu lösen oder zu ihrer &#039;&#039;&#039;Lösung beizutragen&#039;&#039;&#039;, die in den nächsten 100 Jahren kommen. Also ich will deutlich sagen, da ist noch ganz viel Luft nach oben und Luft nach vorne. Und deshalb bringe ich das, weil ich eigentlich möchte, dass wir jetzt nach 100 Jahren auch &#039;&#039;&#039;in ein anderes Verhältnis zu Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039; kommen, nämlich eines, welches davon gekennzeichnet ist, dass wir ihn und diese Bildung dieser Idee, die Person, den Mensch, die Biografie und die Bildung der Ideen auf … in einem komplexen Prozess sehen können. Dass wir einerseits feststellen, an den Ideen ist etwas dran, was uns hilft, in die Zukunft zu kommen und auf der anderen Seite sind diese Ideen in dieser Ausformulierung, durch diese Persönlichkeit in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten gesellschaftlichen Konstellation entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter 00:03:20&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also noch mal ganz knapp zusammengefasst, es kommt darauf an, Steiner zukünftig im Kontext seiner Zeit, seiner Beziehungen, seiner Zuhörer, seiner Rezipienten zu verstehen, und gleichzeitig kommt es darauf an, die Anthroposophie, die Ideenwelt, die Steiner uns eigentlich zugänglich gemacht hat, ich sage absichtlich nicht die Steiners ist, sondern die Rudolf Steiner uns zugänglich gemacht hat, ja wie kann man sagen, so wahrzunehmen, so in eine Beziehung dazu zu kommen, dass sie auch in uns, durch uns zukunftsfähig wird. Sie wird nicht dadurch zukunftsfähig, wir werden damit nicht etwas lösen, weil wir daran glauben oder weil das so gedacht ist oder weil uns das irgendwelche Leute erzählt haben, sondern das wird dadurch interessant und wir werden dadurch in der Zukunft reicher, menschlicher, größer werden können, weiterkommen und die brennenden Probleme besser lösen können, weil wir in uns Interesse an diesen Ideen haben, entwickeln können. Es wird nur durch uns gehen und deshalb möchte ich, dass man sozusagen diesen Beitrag hört, der mir sehr am Herzen liegt, diese Person, diesen Mensch, diese Zeit, diese Situation kennenzulernen, um das menschlich-persönlich-zeitliche auf der einen Seite zu haben und das ideelle, gedankliche, allgemeine der Anthroposophie auf der anderen Seite eben dadurch vielleicht auch ein Stück weit freizuschälen, dadurch zugänglicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mein Motiv und mir ist es eben selber so gegangen, dass ich irgendwann gedacht habe, Moment mal, ich mache hier biodynamische Landwirtschaft und ich habe da mehr und mehr von der Anthroposophie kennengelernt vor 30, 35 Jahren und habe dann gedacht, was ist das eigentlich? Ich kam aus einem Elternhaus, wo das schon ein Thema war und ich habe durch meine Bekanntschaft mit dem Josef Beuys sehr früh sehr deutlich gemerkt, dass jemand, der voll in der Welt steht, der eine ganz andere Sprache spricht, sich explizit auf Steiner bezieht und ich musste mir das selber neu erschließen. Natürlich, das ist super wichtig und ich musste auch durch mich oder durch mein Studium an dieser Biografie eben diesen Schritt machen. Wer ist dieser Mensch? Wie ist es dazu gekommen? In welcher Zeit? In welchen Menschenzusammenhängen ist es passiert? Und was hat das jetzt eigentlich mit mir und mit der Zukunft zu tun? Und ich möchte gerne deshalb eben das hier bringen, damit man da einfach Bescheid weiß und sich selber seinen eigenen Zugang entwickeln kann und eben auch einen, wie man heutzutage sagt, kritischen Umgang damit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, kritisch meint jetzt nicht, also meint jetzt die Quellen. Wo kommt es her? Was ist da eigentlich drin mit in diesem Paket oder was gehört dazu? Kann ich mir darüber Klarheit verschaffen, aus welchen Quellen die Anthroposophie eigentlich entstanden ist und die biodynamische Landwirtschaft und so weiter? Und dazu soll das ein Beitrag sein. Ja, Rudolf Steiner ist geboren 1861 in Südostmitteleuropa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1861 bis 1925 und dieses Südostmitteleuropa meint eben im 19. Jahrhundert die K&amp;amp;K-Monarchie, die königlich-kaiserliche Monarchie Österreich-Ungarn. Eine Welt, die längst, längst verschwunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Staat ist schon fast falsch gesagt. Eine, ja, eine Welt ist vielleicht viel besser. Eine Welt, in der es eine Monarchie gab, aber gleichzeitig ein Vielvölkerwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wurde in vielen Städten, in vielen Gebieten Mitteleuropas wurden mehrere Sprachen gesprochen. Von Haus zu Haus waren ganz unterschiedliche Sprachen. Überall waren die Juden mit anwesend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also eine ganz andere Situation. In Österreich-Ungarn gab es Städte, in denen waren drei oder vier Sprachen da. Das ist nicht so, wie das heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wir können große Fragen daran haben, ob das, was seit dem Ersten Weltkrieg dann passiert ist, dass man diesen eigentlich Wahn oder Doktrinen oder, ja, dass man diesen Nationalstaat gebildet hat. Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Jedenfalls damals war das nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dieser Welt wird dieses Kind geboren. Und die Eltern sind ganz einfache und ganz arme Leute. Der Vater ist eigentlich so etwas wie Forst- und Jagdgehilfe und kann eigentlich da nicht mehr weitermachen, in dem Moment, wo er heiraten möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Mutter kommt auch aus ganz einfachen Verhältnissen. Und es tut sich plötzlich für den Vater auf etwas, was ganz bezeichnend ist jetzt für Rudolf Steiner, dass er zu der Eisenbahngesellschaft geht. Die Österreich-Ungarische Südbahn baut eine allererste Strecke von Wien nach Triest, also ans Mittelmeer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Strecke, dafür gibt es eine eigene Eisenbahngesellschaft, wird bereits Ende der 50er-Jahre geplant und, ich glaube, 1959 begonnen und dann in die 60er-Jahre hinein realisiert. Und da geht der Vater hin. Und zunächst als Stenograf und Nachrichtenübermittler und dann als Stationsvorsteher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das muss man sich, glaube ich, sehr gut vorstellen, weil das ist die Welt, in der dieses Kind groß wird. Ein Dörfchen Kraljevik heute in Slowenien. Und es ist sozusagen in diesem Dreieck Ungarn, Österreich, Slowenien und es Kroatien, Ungarn, Slowenien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das gehörte alles damals zu Österreich dazu. Und das Ganze ist auch wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Also so eine Ecke, wo ganz vieles sich mischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es ist eigentlich heute, es ist ein kleines Städtchen, aber es ist eigentlich ein größeres Dorf gewesen. Und selbst vor dem Bahnhof, der Hauptplatz, eine Straße, die nicht befestigt war. Kein Pflaster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Winter, im Herbst, im Frühling Schlamm. Unbefestigte Wege, immer dreckig, überall trägt man das rein. Man ist eigentlich wirklich auf dem Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da kommt jetzt eine Eisenbahn. Man hat eigentlich den Eindruck, diese Eisenbahn ist die erste Technologie, die sich in die Welt fräst, die sich sozusagen in die Welt hineinarbeitet. Und mit der Eisenbahn kommt die allermodernste Technik, nämlich der Strom, das Telegrafieren und eben diese gewaltige Dampfkraft mit der Kohle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und an jeder von diesen Stationen muss Kohle nachgeladen werden, muss Wasser nachgefüllt werden können. Und diese Eisenbahnen sind riesige, erschreckende, laute Kolosse, wo man gar nicht so ohne weiteres mit umgehen kann. Und die sind wahnsinnig schnell, in Klammern wahrscheinlich so zwischen 30 und 50 kmh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war schon sehr schnell. Bei den meisten ersten Eisenbahnen konnte man nebenherrennen. Eine Technologie, die es bis dahin nicht gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts die Menschen, wenn sie das das erste Mal gesehen haben, wirklich erschreckt sind und den Mund nicht mehr zugekriegt haben. Ist sowas möglich? Man sieht ja außen an so einer Lok sehr gut die Kraft, die da wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann kann man da reingucken und sieht in diesen Ofen rein diese Kohle und das Wasser, was oben als Dampf rauskommt und die Lautstärke, das Rumpeln dieser vielen Tonnen schweren Stahlkolosse auf den Schienen. Etwas sehr, sehr Beeindruckendes und eben eine ganz neue Welt. Und genau da ist nun der Vater angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Eisenbahn und diese Eisenbahngesellschaft spielt für Rudolf Steiner eine riesige Rolle. Einerseits muss er immer mit der Familie umziehen, weil der Vater versetzt wird, seine ganze Kindheit durch. Das längste sind, glaube ich, dreieinhalb Jahre, die er an einem Ort verbleiben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist schon wieder ein Umzug angesagt. Manchmal ist das auch weniger als ein Jahr. Das ist für ein Kind problematisch, weil da kann man sich nicht verwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kriegt man keine Freundschaften zu den sowieso schon entfernten Menschen des Dorfes, weil die ja bäuerliche Kinder sind. Und man selber kommt aus so einem komischen Bahnhof da raus. Und dann ist man auch der Älteste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächsten zwei Geschwister sind wesentlich jünger. Das ist eigentlich wie so eine Einzelkind-Situation. Und damit sieht man schon, dass dieses kleine Kind oder dieses Kind bis zum Schuleintritt leidet an Einsamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für den Vater war das so und für die Mutter, dass man so eine Station alleine betreuen musste. Da gab es sonst niemand. Und das hieß eben das Abfertigen von Zügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gingen mehrere Telegrafie-Geschichten voraus, bis der Zug kam. Und dann musste da eben nachgetankt werden. Da musste Kohlen reingeschippt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da mussten Güter abgeladen werden, eingeladen werden. Da mussten Fahrkarten verkauft werden und so weiter und so weiter. Und einmal in der Woche kam jemand mit diesem Zug an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der blieb für 24 Stunden. Und der ersetzte dann den Vater. Und dann war ein Tag, einmal 24 Stunden, dienstfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst musste man seinen Schlaf und alles, sein ganzes Leben nach dem Fahrplan richten. Gewerkschaft und sowas, das gab&#039;s da alles noch nicht. Ja und jetzt kommt es zu einem ersten sehr wesentlichen Erlebnis für dieses Kind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sitzt in dem Badraum, spielt oder träumt oder wie auch immer. Und er hat eine Erscheinung. Es erscheint ihm eine Frau, die er irgendwie kennt und doch nicht ganz richtig klar kriegt, wer das so ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwie eine bekannte ältere Frau, die ihn ganz dringend anfleht, ihm, ihr zu helfen. Und er weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Und er geht zu seinen Eltern und die sagen, sei still, du dummer Burp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sowas ist Quatsch. Was du da so siehst, da war niemand, fertig, aus. Und es dauert zwei Wochen und dann kommt die Meldung, die Schwester der Mutter hat sich umgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und für ihn ist völlig klar, das hat er wahrgenommen. Also ein erstes Erlebnis, das für dieses Kind, das was so für uns in unserem offiziellen Leben so ja eben nicht vorkommt oder als Quatsch und überflüssig angesehen wird, dass man eben hinter die Sinneswelt schaut, dass man Zusammenhänge mitkriegt, die man sozusagen mit dem Oberstübchen oder mit der einfachen Logik so nicht mehr klar kriegt. Das steht ganz am Anfang, vor dem Schuleintritt, dieses Erlebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist schon sehr bezeichnend. Dieses Kind, dieser junge Mensch scheint mehr mitzukriegen und kommt sofort damit in einen Konflikt mit seinem Umfeld. Zweitens, ich versuche jetzt bis 1900 so Etappen zu schildern, mehr so Fenster zu öffnen, oft vielleicht auch oder einiges vorzulesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach, in der zweiten Stunde heute Nachmittag, werde ich es ganz anders machen, da werde ich es mehr erzählen. Jetzt versuche ich ganz stark an einzelnen Erlebnissen zu bleiben, die vielleicht für sich sprechend sind und die unbekannt sind, die oft nicht so bekannt sind und die aber in meinem Dafürhalten ganz wichtig sind, um diese Persönlichkeit zu fassen. Ein zweites, Schule, Dorfschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir uns acht, zehn, zwölf Kinder vor, die unterschiedlichen Alters sind, vielleicht zwischen sieben und elf, zwölf, dreizehn und die fast alle irgendwie mehr oder weniger bäuerlichen, landwirtschaftlichen Hintergrund haben. Und ein, zwei Dorfschullehrer, die diese Kinder unterrichten und die jetzt einer von den beiden merkt, dieser Junge, dieser Rudolf, dem kann man eigentlich gar nichts beibringen, der weiß das alles schon. Der ist scheinbar sehr helle und kriegt das irgendwie so schnell mit oder hat das schon von irgendwoher, dass er stinkgelangweilt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ein guter Lehrer, der jetzt kein Autoritätsproblem hat oder der seinen Stoff nicht kennt oder so, der wirklich bei den Schülern ist, dem tut das weh, wenn er ein Kind nicht fördern kann. Und dieser Lehrer aber, in diesem Sinne ein guter Lehrer, er macht nämlich folgendes, er erlaubt dem jungen kleinen Bub da im Nachbarzimmer, in seinem Vorbereitungszimmer bei den Büchern, sich eins aussuchen zu dürfen. Und das sind nicht die Bücher für die Schüler, das sind die Bücher für die Lehrer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und unter den Büchern für den Lehrer findet er ein Geometriebuch. Und jetzt schreibt er uns, 30, 40 Jahre später, in seiner nicht zu Ende gekommenen Autobiografie, Mein Lebensgang, und in einem Vortrag, den er 1913 hält, und auch ansonsten an anderen Stellen gibt es auch schon einiges Originalquellen, Steiner über Steine, schreibt er uns dazu. Und mir geht es jetzt darum, vielleicht gar nicht alles super wortgetreu darzustellen, sondern so ein paar Pinselstriche zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu diesem kommt jetzt Folgendes. Da schreibt er nun später dazu, dass er mit diesem Geometriebuch, was er da ausleihen durfte, kommt er zu folgendem, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könne, ohne Eindrücke der äußeren Sinne. Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raum. Aber ebenso, wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistig Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein Wissen, das scheinbar von dem Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihm ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie. Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig. Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Gefühl fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Soll ich es nochmal lesen, das Ganze? Ist es verständlich gewesen? Ihr dürft gerne sagen nochmal, weil das ist ja Steiners Sprache, die man nicht so schnell knackt, dass man seelisch in der Ausbildung rein innerlich angeschauter Formen leben könnte, ohne Eindrücke der äußeren Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gereichte mir zur höchsten Befriedigung. Geometrie machen. Ich sagte mir, die Gegenstände und Vorgänge, welche die Sinne wahrnehmen, sind im Raume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ebenso wie dieser Raum außer dem Menschen ist, so befindet sich im Inneren eine Art Seelenraum, der der Schauplatz geistiger Wesenheiten und Vorgänge ist. In den Gedanken konnte ich nicht etwas sehen wie Bilder, die sich der Mensch von den Dingen macht, sondern Offenbarungen einer geistigen Welt auf diesem Seelenschauplatz. Als ein Wissen, das scheinbar von den Menschen selbst erzeugt wird, das aber trotzdem eine von ihnen ganz unabhängige Bedeutung hat, erschien mir die Geometrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir als Kind natürlich nicht deutlich, aber ich fühlte, so wie die Geometrie muss man das Wissen von der geistigen Welt in sich tragen. Denn die Wirklichkeit der geistigen Welt war mir so gewiss wie die der Sinnlichen. Ich hatte aber eine Art Rechtfertigung dieser Annahme nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wollte mir sagen können, das Erlebnis von der geistigen Welt ist ebenso wenig eine Täuschung wie das von der Sinnenwelt. Bei der Geometrie sagte ich mir, hier darf man etwas wissen, was nur die Seele selbst durch ihre eigene Kraft erlebt. In diesem Gefühle fand ich die Rechtfertigung von der geistigen Welt, die ich erlebte, ebenso zu sprechen wie von der Sinnlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser letzte Satz ist ein bisschen später, der ist auch ein bisschen anderer Zusammenhang, aber da macht er dasselbe. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennengelernt habe. Ein Mensch, der auf seine Biografie zurückschaut, und diesen Moment vielleicht als neun, zehn, elfjähriges Kind gelangweilt im Schulunterricht ausleihen dürfen, das Lehrbuch der Geometrie zu Hause und in der Schule, das Nachdenken, Nachzeichnen, Mitberechnen und dieses Einsteigen in die Welt, in die Vorstellungen, in die Gedankenbildungen, die hinter und in diesen geometrischen mathematischen Formen liegt und das dann so kommentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß, dass ich an der Geometrie zuerst das Glück kennengelernt habe. Das heißt, dieses Glück, etwas ist wirklich, wirklich greifbar, klar, glasklar, wahr und nachvollziehbar für jeden Menschen, obwohl es nicht sinnlich ist. Ein geistiges Erlebnis und vielleicht wird jetzt auch ein bisschen deutlich, warum wir hier Geometrie gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das Glück, auf das Gymnasium zu kommen. Es spielt dabei eine Rolle dieser Lehrer. Er hat das große Glück, dass er ein Stipendium schon fürs Gymnasium bekommt durch diese Eisenbahngesellschaft, bei der der Vater eben ist, und er macht das Abitur mit Auszeichnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt etwas, was ich auch gerne wieder im Original vorlesen würde als Zitat. Steiner macht während seiner Schulzeit und während seines Studiums und später viel Nachhilfeunterricht und darüber spricht er folgendermaßen und schreibt, ich weiß bei diesem Zitat nicht ganz genau, ob es aus seinem Vortrag ist oder ob es aus seinem Buch mein Lebensgang ist. Ich verdanke diesem Nachhilfeunterricht sehr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem ich den aufgenommenen Unterrichtsstoff an andere weiterzugeben hatte, erwachte ich gewissermaßen für ihn. Denn ich kann nicht anders sagen, als dass ich die Kenntnisse, die mir selbst von der Schule übermittelt wurden, wie in einem Lebenstrauma aufnahme. Wach war ich in dem, was ich mir selbst errang oder was ich von einem geistigen Wohltäter erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem, was ich so in einen vollbewussten Seelenzustand hereinnahm, unterschied sich beträchtlich, was wie traumbildhaft als Schulunterricht an mir vorüberging. Für die Umbildung dieses halbwach Aufgenommenen sorgte nun die Tatsache, dass ich meine Kenntnisse in der Nachhilfestunden beleben musste. Andererseits war ich dadurch genötigt, mich in einem frühen Lebensalter mit praktischer Seelenkunde zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lernte die Schwierigkeiten der menschlichen Seelenentwicklung an meinen Schülern kennen. Also Nachhilfeunterricht, um selber die Sache anders, besser, tiefer zu verstehen und Nachhilfeunterricht, an dem ich wie in den anderen hinein schlüpfe. Das kennt vielleicht der ein oder andere von euch, wie das bei anderen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei sich selber kennt man es ganz gewiss. Wie ist dieses Gefühl, wenn man plötzlich etwas versteht in der Mathe oder wenn man etwas, einen Zusammenhang bilden kann im Geschichtsunterricht oder oder oder. Man kann in dem Moment, wo man es plötzlich geschnallt hat, wo man plötzlich, ah natürlich, so ist das, kann man gar nicht mehr verstehen, dass man es mal nicht verstanden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt ihr das? Das schlägt so in einen ein. Ja klar. Dieses, ich möchte es nennen, Evidenzerlebnis, das spricht er hier an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste durch den Nachhilfeunterricht in die Art, wie der andere tickt, so rein, dass ich im richtigen Moment, ja jetzt musst du noch, jetzt bring doch das dazu und dann hast du es. Also diese Gedankenbewegungen, die man ganz individuell im 1 zu 1 machen muss, wenn man jemandem etwas beibringt, was der einfach noch nicht kennt. Und wenn der intellektuell langsamer ist, kann man das viel besser genießen oder kann man das viel besser nachvollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo hängt es, was brauche ich, wie geht das? Das wird hier angesprochen. Praktische Seelenkunde nennt er das. Am anderen, an seinem Mühsameren verstehen können, sich selber klar werden über das, wie habe ich es eigentlich verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder noch mal anders gesagt, auf die Seele schauen und dabei erleben, was passiert eigentlich seelisch-geistig, wenn ich mich andocke an eine Wirklichkeit, die da draußen ist. Der Satz des Tales oder nicht irgendwas, Geometrie, Mathematik oder so, das ist nicht in mir. Das meint man ja dann, jetzt hat man es verstanden, jetzt ist es in mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eigentlich hat man sich nur angedockt an etwas, was es schon gegeben hat, bevor es überhaupt Menschen gab und was es noch geben wird, wenn die Erde ganz andere Zustände erreicht hat. Kommt ihr mit? Ganz wichtiger Punkt. Dieser junge Mensch erlebt durch die Nachhilfe am anderen eine Art innerer Reflexion zu dem, was ist eigentlich geistig und was ist eigentlich physisch-sinnlich und wie kann man das Geistige präzise fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, er kommt in eine begnadete Situation, die genießt er auch sehr als 19-Jähriger, mit der Schule fertig zu sein, studieren zu dürfen, weil wieder diese Eisenbahngesellschaft ihm das ermöglicht und die Aussicht, in Wien leben zu können, in Wien studieren zu können und diese Stadt und dieses Kulturleben genießen zu können. Und er muss hinnehmen, dass die Eisenbahngesellschaft ihm nur ein Brotstudium finanzieren möchte, das heißt eine Art technische Universität, ein Ingenieursstudium. Aber das macht ihm nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er tut schon bevor dem ersten Semester zwischen Schule und Uni eben mal gerade Kanzkritik der reinen Vernunft studieren und ein bisschen Fichte und so Sachen, wo wir nach einem Satz sagen, müssen wir das jetzt lesen, ich verstehe gar nichts. Dann liest man den Satz nochmal oder den Absatz und nochmal und nochmal, dann schreibt man sich den irgendwie ab und macht sich Notizen und nach zwei Stunden glaubt man, man hat was verstanden von dem einen Absatz, sowas liest er irgendwie zum Sport, das kann der einfach. Wahnsinnig gescheit, wahnsinnig beweglich, wahnsinnig schnell, wahnsinnig gute Auffassungsgabe, da kommen wir einfach schlichtweg nicht mit, muss man ganz ehrlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also jemand, der sicher hochbegabt war. Und er studiert dann ab dem Herbst 79 acht Semester Mathematik, Chemie, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Geologie und Maschinenbautechnik. Er muss auf sein Lieblingsfach darstellende Geometrie verzichten, weil das in der anderen Uni stattfindet, zu einer Zeit, wo er nicht kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in der anderen Universität nimmt er noch an Vorlesungen über Literatur, Geschichte und Philosophie teil. Da sagen wir, Moment mal, wie geht denn das? Und der Mann hat kaum Geld, das Stipendium reicht so eher zum Sterben als zum Leben. Eigentlich muss er immer noch zwischendurch jobben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das macht er auch. Und was macht er da? Er schreibt Artikel. Worüber? Was halt gerade irgendwo ein paar Heller bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Zeit kommt es auf, dass Lexika geschrieben werden. Das kennt ihr gar nicht mehr. Heute hat man Wikipedia nicht oder sowas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber früher gab es also den Brockhaus, 20-bändig, so ein riesiges Lexikon und so. Und das fing da an in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in so einer Kulturhauptstadt wie Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gab es da also mehrere Verleger, die jetzt ein Universallexikon produzierten. Und das auch dann in der nächsten und nächsten Auflage. Das muss man alle 10, 12 Jahre komplett überarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da braucht man eine riesige Menge von Autoren, die zu jedem Gebiet Fachmann sind. Jeweils. Da gibt es also den Mineralogen und den Chemiker und den Ingenieur für Brückenbautechnik und, und, und, und.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jeder schreibt eben zu seinem Teil da sein kleines Artikelchen. Und der Steiner, Rudolf Steiner, ist kein Spezialist. Der ist nicht fertig studiert für Mineralogie oder Chemie oder so etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er schreibt für diese Bereiche. Und schreibt ganz offensichtlich so, dass die Verleger sagen, okay, bitte das nächste. Und wenn das nicht reicht als Job, dann gibt es noch einen zweiten Job.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist, sich in eine Parlamentsdiskussion, in eine Parlamentssitzung knallen und mitschreiben. Und dann anschließend zwei Stunden und die ganze Diskussion von dreieinhalb Stunden in einen kleinen Artikel zusammenfassen. Mit möglichst vielen Originalzitaten derer, die da gesprochen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtig, richtig anstrengend. Wir machen sowas heute, indem wir da unser Handy mitlaufen lassen. Und dann tun wir uns das vielleicht nochmal in Text übertragen und gucken uns das so an und streichen uns was raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es da heute viel einfacher. Der schreibt einfach Steno mit, wenn da gesprochen wird. Und dann bastelt der daraus einen Artikel und der soll am nächsten Morgen in der Zeitung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dazu hat er dann vielleicht ein, zwei Stunden Zeit, dann muss der in Druck. Weil das alles viel länger dauerte damals. Also, es ist einem rätselhaft, wie dieser Mensch, wie konnte der mit dieser Intelligenz ausgestattet sein? Mit dieser schnellen Auffassungsgabe, mit dieser unglaublichen Formulierungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beeindruckend. Und jetzt kommt es, mit dem 21-Jährigen kommt es dazu, dass der Professor in der Universität, wo er eigentlich nur Gast ist, über deutsche Geschichte und deutsche Literatur, der mit dem freundete sich an, Karl Julius Schröer, so ein 40, 50 Jahre älter, so eine Professorenikone. Und der lädt ihn sogar mal ein zu sich nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der hat so Forschungen gemacht über die Sprachinseln, die deutschen Sprachinseln in Ungarn und Rumänien. Hat dabei übrigens diese Weihnachtsspiele gefunden dort, die Steiner dann später bearbeitet. Und die heute noch auf manchen biodynamischen Höfen ja auch gespielt werden und an manchen Waldorfschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Karl Julius Schröer ist beauftragt wieder von einem großen Verlag und muss eine ganze Gruppe von Wissenschaftlern anleiten. Goethes Gesamtausgabe. Goethe ist jetzt 40, 50 Jahre tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man möchte gerne sozusagen alles, was Goethe gemacht hat, herausgeben. Damit man das anständig lesen kann, mit allen Notizen, mit allen Entwürfen, eine kritische Gesamtausgabe. Eine Ausgabe, in der man verfolgen kann, wie sich die Ideen umgebildet haben, wie seine Romane, wie sein Faust, wie sein Werter und so weiter, wie sich das entwickelt hat und wie er so das gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist das große Problem, dass bei Goethe relativ viele Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Natürlich, das war noch der Anfang der Naturwissenschaften, da waren Naturwissenschaften noch überschaubarer. Aber dennoch, Goethe hat sich unglaublich viel Zeit in seinem Leben genommen, mit Meteorologie, mit Farbenlehre, mit Botanik, mit Zoologie, mit Mineralogie, mit Geologie auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe hatte 30.000 Gesteinsproben, die er selber gesammelt hatte, sein ganzes Leben. Beschriftet hatte, wusste, wo die herkamen, konnte die zu Hause aus ihren Kisten holen, miteinander vergleichen, um irgendwie mal langsam klarzukriegen, wie entsteht eigentlich Gestein. Das war alles unbekannt damals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieser Professor, Carl Julius Schroer, bekommt die Aufgabe von diesem Verlag, die Autoren zu suchen, die eben diese Ausgabe machen. Er selber macht natürlich auch einen wesentlichen Teil. Und jetzt kommen diese naturwissenschaftlichen Schriften, wo Goethe nur einen Teil, oft nur kleine Teile von dem, was er gemacht hat, veröffentlicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles war auf Zetteln und Entwürfen und so weiter. Sehr unterschiedliche Themen behandelt. Wer könnte das jetzt bearbeiten? Der kommt wirklich auf die verrückte Idee, diesen Studenten, den 21-jährigen Studenten vorzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wahrscheinlich 60-jährige Literaturpapst schlägt den Studenten vor, eine sehr merkwürdige Sache. Vielleicht auch einfach, weil er Literat war und nicht viele Naturwissenschaftler kannte, wie auch immer. Und Steiner muss einen Vorentwurf machen, muss ein bisschen skizzieren, muss ein erstes Kapitelchen schreiben, macht das innerhalb von sechs Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird dieses Kapitelchen weitergereicht. Und jetzt sind auch Naturwissenschaftler, die das lesen und die kommen zu dem Schluss, der soll das machen. Das ist vernünftig, das ist gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kriegt dieser Student die Aufgabe, die Gesamtherausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften zu machen von Goethe. Und das ist eine riesenumfangreiche Sache und schlussendlich ist es für ihn auch ein Fluch. Es ist ein Segen und es ist ein Fluch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist nämlich 15 Jahre damit beschäftigt. Es ist überhaupt nicht so, dass er das mal eben schnell macht. Er merkt nach Jahren, das geht gar nicht in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss nach Weimar, er muss das vor Ort machen, da wo das ganze Goethe- und Schillerarchiv ist, wo die ganzen Materialien sind. Er muss da unheimlich viel Klein-Kleinarbeit machen und das nervt ihn dann irgendwann auch sehr. Aber es ist eine ganz wichtige Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ein neues Bild, was noch zu Wien gehört und das ist jetzt die Familie Specht. Familie Specht ist eine jüdische Familie, der Vater ist Händler, Baumwollhändler und die sind sehr wohlhabend und die Mutter hat vier Söhne und von diesen Söhnen ist der dritte, glaube ich erst, der ist schwer krank. Wahrscheinlich hat er eine neugeborene Meningitis gehabt, eine Hirnhautentzündung, ein sogenanntes Wasserkopfkind, ein Kind, was einen riesigen Schädel hat und ganz geistig zurückgeblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Krankheit, die wird um die Geburt herum, meistens kurz nach der Geburt, eben durch eine Hirnhautentzündung verursacht und beim Heilen dieser und die Reaktion des Körpers auf diesen Entzündungsprozess ist eine übermäßige Bildung des Hirnwassers, des Liquors und da der Kleinkindschädel noch offen ist, nicht völlig geschlossen ist und der Druck dieses Liquors besteht als Heilungsfunktion, dehnt sich bei die Schädelbildung. Deshalb haben die diese großen Köpfe, das muss erstmal noch gar nichts heißen. Oft geht aber eben leider auch damit einher, die Schwerhörigkeit an verschiedensten Nerven, Sinnesorganen gibt es eben Schädigungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieses Kind wird dem Steiner vorgestellt und diese Frau kommt auf die Idee zu sagen, wollen Sie nicht unser Hausmeister werden? Also ein reiches, bürgerliches Familienleben und die Frage, können Sie sich nicht um dieses Kind kümmern? Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen. Und damals war es ja so, dass solche Kinder groß werden durften und dann irgendwo ihr Dasein fristen mussten in irgendwelchen Anstalten oder so als Dorftrottel so mitgehen durften. Man hat eigentlich ganz wenig gewusst und gekonnt und man hat es eben so akzeptiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kriegt, macht das, nimmt diese Stelle und ist sehr glücklich darüber und formuliert uns Folgendes. Vielleicht können wir auch mal kurz lüften. Diese Erziehungsaufgabe wurde für mich eine reiche Quelle des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fängt das an, schon spannend. Er sagt nicht, ich musste dem Kind etwas lernen, sondern ich habe was gelernt. Es eröffnete sich mir durch die Lehrpraxis, die ich anzuwenden hatte, ein Einblick in den Zusammenhang zwischen geistig-seelischem und körperlichem im Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es eröffnete sich mir etwas, was das physisch-körperliche betrifft und das seelisch-geistige. Wie ist das eigentlich miteinander verbunden? Ich übersetze, ich wiederhole. Da, wo es uns eigentlich nicht auftaucht, weil es so harmonisch und gesund ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo es förderungsbedürftig ist, merke ich auf einmal, was nötig ist, wie es geht. Da machte ich mein eigentliches Studium in Psychologie und Physiologie durch. Also, wie funktionieren wir Physiologie? Und wie ist die Seele beschaffen, indem sie sich dem Geistigen versucht, den Inhalten, dem seelischen Leben zu öffnen? Wie ist die Psychologie? Ich wurde gewahr, wie Erziehung und Unterricht zu einer Kunst werden müssen, die in wirklicher Menschenerkenntnis ihre Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein junger Mann, 25, betreut ein schwer entwicklungsverzögertes Kind und kommt auf den Eindruck, das ist ein künstlerischer Prozess. Hier ist etwas gefragt, was ich jeden Moment neu schöpfen muss, wo ich voll anwesend sein muss, wo ich mich selber reflektieren muss, wo ich was lerne, viel mehr noch vielleicht als das Kind. Ein ökonomisches Prinzip hatte ich sorgfältig durchzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich musste mich oft für eine halbe Unterrichtsstunde zwei Stunden lang vorbereiten, um den Unterrichtsstoff so zu gestalten, dass ich dann in der geringsten Zeit und mit der möglichst wenigen Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte ein Höchstmaß der Leistungsfähigkeit des Knabens erreichen konnte. Der junge Mann stellt fest, dieses vier, fünf, sechs, siebenjährige Kind, dem kann man etwas beibringen. Man muss sich aber sehr geschickt darauf vorbereiten, wie man es macht, dass man spielerisch an es herankommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Vorbereitung, wie man das gut in Bilder bringt, wie man das gut macht, das braucht viel Überlegung und viel Hinwendung und die ist viel länger als die eigentliche Unterrichtsstunde. Man würde ja normalerweise sagen, jemand, der so intelligent ist, der muss sich doch darauf nicht vorbereiten. Das ganze Gegenteil ist der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann sagt uns, ich musste mich darauf intensiv vorbereiten und ich habe aber in diesem Lernen und in diesem Vorgehen eigentlich das vom Menschen gelernt, was ich später unbedingt gebraucht habe. Ich will gar nicht noch mehr von den Zitaten dazu lesen, sondern ich will einfach die Sache kurz, sozusagen dieses Fenster dann auch gleich wieder schließen. Der Junge schafft es, in die Schule zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kann doch so viel nachholen, dass er eigentlich als Kind mehr oder weniger beschulbar gilt. Und Steiner bleibt dran. Und das Kind kommt ins Gymnasium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner braucht eigentlich nichts mehr machen. Das Kind macht Abitur und das Kind wird Mediziner, wird Arzt. Eine Biografie, die völlig unvorgesehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gesellschaft gab es das damals nicht. Hydrocephalus-Kinder konnten eigentlich nicht zur Schule gehen, geschweige denn, dass sie ins Gymnasium gehen konnten, geschweige denn, dass sie studieren und dann noch Medizin und dann auch noch Arzt werden. Der Mann stirbt im Ersten Weltkrieg als Sanitäter und für Steiner eine unglaublich wichtige Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man sieht hier, ich mache jetzt einen ganz großen Bogen an das Ende des Vortrags heute Nachmittag, warum er von den seelenpflegebedürftigen Menschen spricht und nicht von Behinderten. Steiner wird gefragt, ganz am Ende seines Lebens, von jungen Leuten in eurem Alter, wir wollen hier gerne in Jena eine Schule machen, eine Einrichtung, ein Heim für solche Kinder, wie dieser einer war. Und Steiner sagt, ja klar, unterstütze ich euch gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt nach Dornach, ich mache euch eine Einweisung dafür, worum es da geht. Macht 14 Vorträge, die sogenannte heilpädagogische Kurs. Und ganz wesentlich ist, das sind gesunde Menschen wie wir auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist nur eine besondere Pflege erforderlich. Seelenpflegebedürftig, nicht behindert. Allein das zu kapieren, erklärt ganz viel von dem, was man Steiner oft ja zum Vorwurf macht, er sei irgendwie, hätte ein merkwürdiges Menschenbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil, er ist weit seiner Zeit voraus. Er sieht sehr klar, auch der Mensch, der mit größeren Widerständen zu tun hat, der größere Probleme überwinden muss, ist genauso ein Mensch, hat genauso Menschenrechte wie ich und du.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz modern für diese Zeit. Er eckt damit auch an. Aber er zieht das knallhart durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist auch 1924, kurz vor seinem Tod, der Meinung, sogar im Gegenteil, diese Kinder haben noch viel mehr Zuwendung, haben noch viel mehr Hilfe und Unterricht und Schule zu kriegen als alle anderen. Und einen wegsperren, einen weggucken, einen ignorieren, einen vor sich hin vergammeln lassen, ist sozusagen das Allerverwerflichste, was man machen kann. Ja, er spricht dann sogar in seiner geistigen Ausdrucksweise von dem Karma, von dem Schicksal und sagt, ihm kommt es so, als hätten diese Kinder, als hätten diese Menschen sich eine besondere Aufgabe vorgenommen in ihrem vorgeburtlichen Leben, um etwas wie für die Allgemeinheit, für die Menschheit im Ganzen zu erarbeiten, zu erringen, zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man solle möglichst viel Hochachtung vor diesen hohen Persönlichkeiten haben, die sich da verkörpern. Also er sagt nicht nur Gleichheit, sondern Achtung, liebe Freunde, uns geht es so ganz gut, aber wir haben nicht gecheckt, wenn man so etwas wie Reinkarnation und Karma überhaupt denken kann, dass möglicherweise gerade in diesen Persönlichkeiten sich Menschen einen Weg zur Erde gesucht haben, die ganz Besonders Großes mitbringen und denen ganz Besonders Großes eigentlich zu verdanken ist, die eine große Bedeutung haben. Darüber könnte man lange sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir ist das gar nicht möglich. Ich würde da ziemlich schnell die Sprache verlieren, weil mich das sehr berührt. Meine Mutter ist Heilpädagogin gewesen aus diesem Impuls heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kenne viele solche Kinder. Ich bin mit solchen Menschen auch groß geworden. Und ich muss sagen, ich verdanke denen unglaublich viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte einfach nur behaupten zum Abschluss von diesem Fenster, unsere Menschheit, unsere Gesellschaft, unsere sozialen Zusammenhänge, unser Leben überhaupt wird unglaublich bereichert, vermenschlicht genau durch diese. Und wenn wir das nicht schnallen, sind wir eigentlich auf einem ganz schön üblen Trip. Und wir sind im großen Stil dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir treiben diese Kinder heute alle ab. Die allermeisten werden abgetrieben, weil man das früh erkennen kann mit der modernen Medizin. Und die Frage, was das eigentlich bedeutet für unsere Gesellschaft, die stellen wir uns gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich möchte nur meine persönliche Betroffenheit und meine persönliche Beziehung und meine persönliche Emotion zu diesem Thema doch auch zum Ausdruck bringen an dieser Stelle. Wir springen ungefähr zehn Jahre weiter in die 90er Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der intellektuelle Steiner hat mittlerweile zwei Bücher geschrieben. Er hat einen Philosophie-Doktor. Er sitzt da immer noch in Weimar an diesem blöden Goethe-Ding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nervt ihn tierisch. Er macht alles Mögliche nebenbei, was irgendwie interessanter ist. Und es kommt ein Brief bzw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ja, es kommt ein Brief. Und der geht so. Sehr geehrter Herr, schreibt Kirchner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirchner ist der Verleger dieser Goethe-Gesamtausgabe. Sie werden wohl unschwer erraten, was mir heute wieder die Feder in die Hand zwingt. Zwei Jahre sind es in der nächsten Zeit, dass ich auf meine wiederholten Mahnungen das erste Telegramm von Ihnen erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manuskript folgt bestimmt Sonnabend. Es sind seither 87 Wochen vergangen und mindestens 4 ganz gleichlautende Telegramme auf meine Mahnungen an mich gekommen. Von dem letzten Band der naturwissenschaftlichen Schriften, aber noch kein einziges Blattmanuskript.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mann hat irgendwie ein Terminproblem. Und das ist typisch für diesen Mann. Das gibt es öfters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der macht und will und tut ganz, ganz viel, ist wahnsinnig gescheit und kriegt echt auch was auf die Reihe, aber kriegt auch manches nicht auf die Reihe. Hat auch wirklich ein Problem mit der Zeit. Das schafft er dann irgendwann in späteren Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich würde mal sagen, so ungefähr bis 1900 ist das ein Thema. Wie kann ich mich überhaupt selbst so organisieren, dass es schaffbar wird? Ich muss eine ganz, ganz wichtige Sache noch nachschieben, die in der Weimarer Zeit war. Entschuldigung, die in der Wiener Zeit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich die Bekanntschaft mit dem sogenannten Kräutersammler. Felix Krogutzki war ein Kräutersammler und der war wahrscheinlich so 40 Jahre ungefähr älter als Steiner. Ein alter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner sieht den als ganz junger Kerl, 22, 25, im Zug. Er darf Zug fahren, weil er diese Eisenbahngesellschaft als Stipendiengeber hatte und hatte da ein billiges, also ein stark verbilligtes Ticket, mit dem er immer rausfahren konnte zu den Eltern und aufs Land und so. Und da sieht er diesen Mann, der stumm sprach, der hält sich, an den ranzukommen ist ganz schwierig, mit dem ins Gespräch zu kommen ist fast unmöglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber er sieht, dass der morgens mit so einem riesigen Rucksack mit Kräutern in die Stadt fährt. Und dieser Kräutersammler ist eben wirklich ein professioneller Kräutersammler in einem kleinen Mittelgebirge südöstlich von Wien und der versorgt die Wiener Apotheken. Man muss sich ja klarmachen, im 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhundert gab es noch nicht ein einziges allopathisches Mittel. Die ganze moderne Medizin gibt es noch nicht, aber es gibt eine Großstadt mit Apotheken. Und die Apotheker waren selber Pharmazeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sieht man ja manchmal noch in alten Apotheken, dass irgendwie so Mörser noch so stehen und dass das noch so ein bisschen dekoriert ist. Früher konnte, im 19. Jahrhundert, konnte der Apotheker aus den gelieferten Kräutern alle möglichen Zubereitungen und Medizin machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dieser Kräutersammler, der muss schon auch Qualität bringen. Sonst bezieht man es bei jemand anderem. So viel vielleicht für das Äußere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich wieder vorlesen, weil ich eigentlich finde das wichtig, dass man das auch im Original hat und nicht nur in meiner Schilderung. Also er ist da mehrfach gefahren und irgendwie interessiert ihn dieser Mann, aber er kommt nicht so richtig ran. Und dann irgendwann gelingt es doch, mit ihm ein bisschen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schreibt er, man musste gewissermaßen erst seinen geistigen Dialekt lernen. Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nochmal, er trug auf seinem Rücken das Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte. Also, das ist der Steiner in eurem Alter. Der sitzt mit jemandem im Zug und spricht mit ihm und trifft ihn immer wieder und kommt viel später zu solchen Formulierungen, aber die wird er schon auch so erlebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch kann etwas sagen, eben fast nicht. Der hat ein Erlebnis von einem geistigen Zusammenhang dieser Natur, aus der dieses Kraut jetzt sozusagen wie eine Kondensation ist, wie ein Herausfallen ist. Kommt ihr mit? Man kann sich ja lange fragen, was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? Und man kann sich lange fragen, was ist eigentlich Heilung? Und wie docke ich da an? Und wie kommen eigentlich die Kräfte der Zerstörung oder des Kranken, des Pathologischen, und wie kommen die Kräfte der Gesundung in mich? Und wie komme ich da dran? Und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie werden die wirksam? Und hier erlebt ein junger Mensch, da ist ein alter Kerl, der ist da irgendwie so unterwegs und sucht die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt am Tageslauf und so weiter. Dann trocknet er die auf eine bestimmte Weise und so. Und dann wickelt er die da so ein und verkauft die da so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und darin hat er ein Erlebnis von diesen Kräften, die da wirksam werden. Sonst geht das gar nicht. Also das kann man sich ja so vorstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das als 25-Jähriger bei einem anderen in der S-Bahn zu erleben, das ist natürlich schon eine Leistung. Und den auch noch zum Sprechen zu bringen. Und es kommt dann dazu, dass er diesen Felix Krokutzki besuchen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das schildert er sehr genau. Er macht später auch eine Art Denkmal für diesen Mann, weil er in einem Mysteriendrama eine Figur erfindet, die dem ganz ähnlich ist. Das schreibt er auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er darf den besuchen und möchte eigentlich mehr davon. Er möchte irgendwie an diese unglaubliche Geistigkeit der Natur, die dieser Mann in sich erleben kann, da möchte er irgendwie drankommen. Und das gelingt nur ganz, ganz partiell und anfänglich, weil dieser Mann das selber gar nicht formulieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sondern der erlebt das einfach und arbeitet damit. Aber dieser Mann schickt den jungen Studenten zu einem anderen. Und das ist für Steiner ganz, ganz bedeutsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und über diese Person schweigt er sich völlig aus. Den besucht er zwei, dreimal und sagt uns nur, der hat mir meinen Lehrer vermittelt. Und das war ein Mensch, der konnte mir helfen, die Ordnung in das, was man geistig wahrnimmt, zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Struktur, dass man darüber so greifen kann, dass man darüber sprechen kann und dass es eine Logik bekommt. Und er sagt nur, mein Meister. Und er sagt, vielleicht zwei oder dreimal hat er den getroffen und das war&#039;s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man jemand seinen Meister nennt, das macht er nur einmal, nämlich bei dieser Person, dann hat das eine bestimmte Qualität. Und wenn das jemand ist, der ganz offensichtlich weit über unser Wahrnehmungsvermögen hinaus Wahrnehmungen hat, dann hat das noch eine größere Bedeutung. Also ganz offensichtlich ist dieser Felix Krogutzki mit diesem Vermögen, in der Natur des Geistige wahrzunehmen, für ihn eben wie eine Schlüsselfigur, dass er noch zu etwas kam, was für ihn und seine vielen Wahrnehmungen, die er hatte, irgendwie eine Ordnung, irgendwie ein besseres Umgehen ermöglichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er spricht bis 1900 überhaupt nicht von dieser Innenwelt. Und wie er dazu kommt und was das eigentlich dann ausgelöst hat und wie diese Situation dann in Berlin ist, das würde ich dann gerne nachher besprechen. Es ist äußerlich einfach so, dass er von ungefähr 1890 bis 1996 ist er in Weimar, immer noch mit dieser Goethe-Geschichte beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man kann sagen, ab 1897 Berlin. Und diese Situation, wie das eigentlich da um die Jahrhundertwende in Berlin war und was er da erlebt hat und wie das da eigentlich dann dazu kam, dass er sozusagen plötzlich darüber sprechen und schreiben konnte, was da eigentlich für ihn die Anthroposophie dann wurde, oder so hat er es ja dann viel später erst genannt, das möchte ich dann gerne nachher um halb drei fortsetzen. Herzlichen Dank bis hierher des Zuhörens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns in der ersten Einheit beschäftigt mit dem Odersteiner bis 1900, der unglaublich Begabte, der Suchende, der Philosoph, derjenige, der mehrere Gesamtausgaben gemacht hat von anderen Literaten und Philosophen, demjenigen, der sich an dieser Goethe-Arbeit, man könnte sagen, abgearbeitet hat, der daran sich wirklich abgemüht hat und gleichzeitig dadurch, und das formuliert er auch, in gewisser Weise mit dem Übersinnlichen, mit dem Geistigen eben durch den Goethe, wie gebremst wurde, wie systematisiert wurde, wie immer wieder neu in diese Verhältnismäßigkeit zwischen Sinnlichem und Übersinnlichem gekommen ist. Er sagt selber später dann, ich hätte ohne die Arbeit an und mit dieser Goethe-Geschichte nicht eine systematische Geisteswissenschaft entwickeln können, weil der Goethe mich eigentlich immer wieder auf die Frage hin orientiert hat, wie ist die Entsprechung von Sinnlichem und Übersinnlichem, wie ist eigentlich in dem, was man übersinnlich wahrnimmt, wie ist das verbunden mit dem Sinnlichen. Und ich kürze das jetzt ein bisschen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagt dann letztendlich, durch das vorher sich in dem Übersinnlichen orientiert haben, war es mir ein wirkliches Problem, im Sinnlichen mich zurechtzufinden. Also man hat den Eindruck, er will und muss sich mit Naturwissenschaft und mit Erkenntnistheorie und mit Systematik auseinandersetzen, damit er diesen Weg systematisch und ordentlich geht. Und das hat dann 10, 15, 20 Jahre später eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich will jetzt anders vorgehen in diesem zweiten Teil und möchte voranstellen etwas, was sehr wichtig ist. Steiner, von dem wir wissen, dass er 6000 Vorträge in seinem Leben gehalten hat, dass er ungefähr 25 Bücher, 30 Bücher, je nachdem, wie weit man die ganzen vielen Aufsätze dazu zählt, produziert hat. Der unglaublich fleißig war, der immer wieder Neues entdeckt hat, der aber von sich selber sagt, ist nicht meine Entdeckung, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin nicht ich, sondern ich habe eigentlich formuliert, ich habe eigentlich systematisiert, ich habe eigentlich Zugänge geschaffen, ich habe eigentlich das, was man übersinnlich seit Jahrtausenden weiß und kennt und wie in Untergrundströmungen, er würde vielleicht sagen, wie in Geheimschulen bekannt war, das habe ich sozusagen erstens mal systematisiert und zweitens mal öffentlich gemacht. Ich glaube, man versteht nichts bei Steiner, wenn man nicht dieses Grundmotiv sieht, derjenige, dem die Weisheitslehren erschließbar sind, demjenigen, der, ob es die indischen, die fernöstlichen, die christlichen, die theosophischen Weisheitslehren sind, das kann der sich erschließen, da kann der mit umgehen, das hat der vor sich und der schafft es jetzt, uns das in eine nachdenkbare, in eine logische, in eine bearbeitbare Struktur zu bringen. Das ist, glaube ich, sein Hauptziel und auch sein Haupterreichnis und er wird dann später, ja die Leute, sie sind ja ein ganz großer und sie haben sich ja uns die ganze Geisteswissenschaft, die ganze Welt des Unsichtbaren zugänglich gemacht und so sagt er, Vorsicht, ich habe das beschrieben, was einfach überall schon da war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind ganz wenige wirklich neue Ideen und wir haben gearbeitet über die Idee der Dreigliederung, von der er dann in dem Moment sagt, ja das ist nun wirklich eine, die ich entdeckt habe, die es natürlich schon vorher gab, aber die ich so vielleicht das erste Mal formuliert habe, aber vieles, vieles andere gibt es eigentlich schon und ich habe es nur in eine Art moderne Sprache und Denkbarkeit gebracht, Logik gebracht, in der man es heute verstehen kann. Und immer wieder weist er bei solchen Situationen von sich weg und sagt, es ist eine Zeitnotwendigkeit, es ist notwendig in der Zeit etwas und jetzt benutze ich ein Wort, was typisch ist für Rudolf Steiner, was ganz am Ende seines Lebens kommt, eine Erweiterung nach der geistigen Seite. Hinter dem sinnlich Sichtbaren, hinter dem physisch sinnlich Sichtbaren, das zu finden, das zu suchen, das damit umzugehen, was bildend, was gestaltend, was wirksam ist, in dem sinnlich Sichtbaren, diese Erweiterung, die ist sein eigentliches Motiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das vielleicht so als Überschrift für diesen zweiten Teil und wir sehen ihn um 1897, 98, 99 in Berlin und wir sehen einen Philosophen, wir sehen einen Anarchisten, wir sehen einen Sozialisten, wir sehen einen Menschen, der arm ist, der eine Witwe geheiratet hat, die vier Kinder hat, um die er sich mitkümmert. Wir sehen einen Menschen, der Lehrer ist, plötzlich der Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule wird, der jede zwei Wochen eine Zeitschrift herausgeben muss, mühsames Geschäft. Man hat als jemand, der eine Zeitschrift herausgibt und dann noch ein offizielles Blatt der deutschen Bühnen und Schauspielhäuser, diese Zeitschrift herauszugeben, bedeutet, alle zwei Wochen muss da was zusammen sein, das muss veröffentlicht werden und wenn die Autoren einen wieder mal hängen gelassen haben, muss man selber sich irgendwas aus der Feder saugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich glaube, nach vier Jahren gibt er das endlich ab und ist so froh drum, das los zu sein, diese Qual, dass er immer sich damit, viele Zeit, er macht das eigentlich sehr gerne, er ist absolut up to date, diese Zeitschrift muss sozusagen ständig das Neueste von der Kunst, von dem Schauspiel, vom Theater, von der Oper, von den Romanen, das muss diese Zeitschrift bringen, aber es ist mühsam und es ist sehr mühsam als Herausgeber, wenn man nur wenige Autoren hat und die Autoren einen hängen lassen und man eigentlich Tag und Nacht kämpft dafür, dass in zwei Wochen schon wieder die nächste Ausgabe da sein muss. Und wir sehen einen Menschen, der eigentlich sucht, der eigentlich, wo man sich fragen kann, was willst du eigentlich, wo willst du eigentlich hin? Diese Frage haben sich manche von den Biografen gestellt und sie sind immer wieder zu dem Punkt gekommen, ja, vielleicht wollte er eigentlich einen Lehrstuhl für Philosophie haben, aber ich glaube das gar nicht. Er hat eine Promotion gemacht in Philosophie, er hat diese wunderbare Schrift der Philosophie der Freiheit, der Mensch ist da frei, wo er sich seines Denkens bedient und in seinem Denken sich selbst begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also auch ein höchst individualismusmäßiges Grundwerk und er sucht, so kommt es mir jedenfalls vor. Er hat diese massive Anbindung an Goethe und er schreibt 1999 schon einen Aufsatz über Goethes geheime Offenbarung und schreibt von dem Ich und von dem Höheren Ich. Und da hätte man schon auch hellhörig werden können, es ist aber niemand hellhörig geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben ging so weiter, er hat bestimmt dreimal die Woche abends in der Arbeiterbildungsschule Unterricht gemacht, eine wunderbare Sache, ein paar von diesen Unterrichten sind mitgeschrieben, und diejenige, die das gemacht hat, die hat das später in Text gebracht, das ist sehr, sehr lesenswert, über Geschichte, aber er hat da unterrichtet über alles mögliche. Und jetzt kommt es am 23. September 1900, kommt es dazu, dass er eingeladen wird in einer Gesellschaft, in der er überhaupt noch nicht unterwegs war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar sind es Menschen, die in so ein bisschen adlichem, erlauchten, sehr gutbürgerlichen, wohlhabenden Zusammenhängen leben und die da in Berlin so ihren Sitz haben, so ein ordentliches, man würde sagen Halbschloss. Also schon wirklich Residenz. Diese meisten von denen hatten auch noch große Ländereien irgendwo im Osten und waren dann im Sommer auf ihren Gütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Herbst zog man dann wieder nach Berlin und lebte den Winter über in der Stadt und so. Also ein Kreis von Menschen, die waren schon in der Zeit, die interessierten sich schon sehr für moderne Kunst, für fremde Sprachen, für die Kultur überhaupt, für die Dichtung, für die Musik, fürs Schauspiel. Und die pflegten so eine Gesellschaft, die sich jetzt mit Theosophie und übersinnlichen Tatsachen beschäftigte, aber auf eine ganz anachronistische Art, kann man eigentlich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf eine Art, die sehr an dem Indischen angelehnt war und die durch eine russische Theosophin ihre Prägung bekommen hatte, Blavatsky. Und diese theosophische Gesellschaft, die gab es in Deutschland gar nicht. Das war eine indisch-englische Geschichte, amerikanische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in Deutschland gab es nur eine Sektion, eine Abteilung, kann man sagen. Es gab keine eigenständige Landesgesellschaft. Und die hatten eben in Berlin dieses, ich möchte mal sagen, Teekränzchen, diese Nachmittags-, Spätnachmittagsveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann so ein bisschen darüber auch lästern sprechen, weil meine Urgroßmutter zu genau diesen Kreisen gehörte. Da fuhr dann nachmittags zwischen dem Flügel und der Sitzgruppe, fuhr dann der Diener mit dem weißen Livret, Handschuhe und dem weißen Tuch da herein und brachte die Früchte, so zur Unterhaltung. Und dort ließ man also Dichter und Literaten und Künstler auftreten, um ja schon in guter Weise einfach an der Kultur teilzunehmen, um up to date zu sein, um sich mit solchen Sachen zu beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun wurde Steiner da eingeladen und zwar aus einem ganz merkwürdigen Anlass. Es war nämlich so, dass er sich in den Weimarer Jahren mit der Witwe, späteren Witwe, also mit der, ne Entschuldigung, mit der Schwester, mit der Schwester von Friedrich Nietzsche beschäftigt hatte und dadurch auch einmal wirklich noch an den Friedrich Nietzsche rankam, kurz vor seinem Ableben. Da war er eben schon ganz umnachtet, wie man so sagt, also er war ganz unansprechbar und lag nur noch auf so einem Kanapé.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner hat ihn da besucht und hatte ein starkes Erlebnis von dieser Persönlichkeit und hat eben auch dann eine Schrift verfasst, Nietzsche ein Kämpfer gegen seine Zeit und hat versucht, eigentlich das Motiv bei Nietzsche zu suchen. Wer ist eigentlich Nietzsche und was hat Nietzsche eigentlich zu bedeuten? Und zu diesem Thema wird er jetzt bei diesen Adeligen Theosophischen Teegesellschaft eingeladen, da im September 1900 und die sind begeistert. Die finden es cool, was er da so vorbringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und am Ende dieses Vortrags kommen sie zu ihm und sagen, können Sie nicht nächste Woche wieder? Und er sagt, ja, er ist immer scharf da drauf, weil er bettelarm ist. Und zu was soll ich denn sprechen? Was wollen Sie denn? Nietzsche haben wir jetzt abgegrast, so ungefähr. Und dann sagen die nur, ja, was Sie wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann überlegt er sich das. Und dann spricht er am 29. am Michaelitag 1900 vor dieser Gesellschaft und spricht über Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Widerspruch, was Geheimes kann sich nicht offenbaren. Also das ist ja schon merkwürdig. Und Goethe nennt das selber so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe eben schon darauf hingewiesen, indem ich gesagt habe, ja, Goethe spricht da in geheimnisvollen Bildern und Steiner übersetzt die mit dem höheren Ich. Und diese Theosophen merken auf einmal, da gibt es eine Welt. Und da gibt es einen Mann, der kann uns da was zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ganz unglaublich. Und er selber formuliert das jetzt folgendermaßen. Das möchte ich gerne nochmal im Original vorlesen, dieses Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es zwar eigentlich auswendig, aber ich will dann doch nicht ins Holpern kommen. Also die Gesellschaft fand im Salon der Graf und Gräfin von Brockdorf statt. Und dieses Thema, was er da sich eben dann selber wählt, Goethes geheime Offenbarung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in diesem Vortrag wurde ich in Anknüpfung an das Märchen, Goethes Märchen, ganz esoterisch. Es war ein wichtiges Erlebnis für mich, in Worten, die aus der Geistwelt herausgeprägt waren, sprechen zu können. Nachdem ich bisher in meiner Berliner Zeit durch die Verhältnisse gezwungen war, das Geistige nur durch meine Darstellungen durchleuchten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet das als einen Punkt, der jetzt für ihn ganz wesentlich war. Und die empfinden das auch so. Und ich möchte ausdrücklich hinweisen auf dieses Buch, was erst ein paar Jahre alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Norweger, ein toller Autor, ein Literat, glaube ich. Anarchist, Individualist, Mystiker, Rudolf Steiners frühen Berliner Jahre, 1897 bis 1902. Der versucht zu fassen, was ist da eigentlich passiert? Wie geht es eigentlich, dass dieser Mann einen solchen Wandel vollzogen hat? Und er weist eigentlich wunderschön nach, da ist eine Kontinuität, da ist eine Logik, da ist ein Sinn drin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der wird eben im Nachhinein deutlich. Er sucht jetzt mit diesen zunächst sehr elitären und sehr eingeengten Gruppen, also mit dieser speziellen Gruppe sucht er jetzt eine kontinuierliche, konzentrierte, schnell und intensiv fortschreitende Arbeit. Er spricht dort wöchentlich und schon ein halbes Jahr später fasst er diese Vorträge in einem Buch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und diese deutsche Sektion wird größer und größer. Und es tauchen jetzt vor allem Frauen auf, die für die ganze Entwicklung der Androsophie dann sehr bedeutsam werden. Die ihn bitten, da weiterzumachen und die ihre komplette Arbeitskraft da zur Verfügung stellen und das vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt wieder zu einer Zeitschriftbegründung. Er hat jetzt wieder eine Zeitschrift an der Backe, aber eben jetzt mit seinen Inhalten, nicht für die deutschen Bühnen, sondern für die theosophische Gesellschaft. Er wird deren Generalsekretär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt in eine Lebenssituation nach zwei, drei Jahren schon, wo er eigentlich ganz viel unterwegs ist. Er ist eigentlich hauptsächlich nicht nur in Deutschland, sondern man kann sagen in Mitteleuropa, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Norditalien, Schweiz, Österreich, überall im, man könnte sagen, deutschsprachigen Raum unterwegs. Und so ein Typisches, so ein Setting war ungefähr so, das ist irgendwie eine Stadt, sagen wir mal Leipzig oder Kassel oder Düsseldorf oder Stuttgart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt da hin, da gibt es einen öffentlichen Vortrag, da mietet man einen großen Saal an. Dann gibt es einen sogenannten Zweigvortrag, der jeweils für den Zweig der theosophischen Gesellschaft dann war. Dann gibt es möglicherweise eine Logenarbeit, das hieß eine intime meditative Übungseinheit für wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann gab es vielleicht noch einen zweiten Zweigvortrag und dann reiste er wieder ab. Und viele von diesen Vorträgen reihen sich hintereinander. Die kann man eigentlich gar nicht so ganz gut verstehen, wenn man die nicht hintereinander hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die sind aber dann in zwei oder drei Städten gehalten. Und so kommt es dann auch sehr schnell dazu, dass die mitstenografiert werden und als sogenannte Zyklen zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Er schreibt ein zweites, ein drittes Buch, es kommt zu diesem Grundlagenwerk, die Theosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davon haben ja manche ein paar Seiten mitgekriegt, 1905. Und jetzt ändert sich die Situation schon dahin, dass man eigentlich das Gefühl hat, er versucht seinen Zuhörern zu sagen, hey, mit dieser Geisteswissenschaft kann man etwas im praktischen Leben machen. Das ist nicht nur für ein schönes Leben und für ein gutes meditatives Erfahren der eigenen geistigen Individualität oder großer Weltzusammenhänge, sondern man kann in der Welt manches einfach wesentlich besser machen, wenn man aus dieser Quelle schöpfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das wollen die nicht hören. Ganz deutlich. Mir ist das ganz deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An vielen Stellen, er spricht über die Erziehung des Kindes 1905, einen wunderbaren Vortrag und mehrfach und sicher auch nicht alles dokumentiert. Passieren tut daraufhin gar nichts. Das interessiert die eigentlich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind immer wieder Ärzte und Ärztinnen, er macht medizinische Andeutungen. Das interessiert die gar nicht, dass man damit irgendwie einen Bezug zur Medizin hätte, der einen vielleicht da auch tiefer und weiter und größer therapieren lässt. Gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat eigentlich den Eindruck dann in dieser zweiten Phase, ich sag mal ungefähr von 1905, 1907 bis dann 1909, 10, 11, er sucht eigentlich überall, wie könnte die Anthroposophie jetzt irgendwie langsam fruchtbar werden. Es heißt da noch Theosophie und es ist noch auch schon sehr stark von diesem Kreis dominiert, der da den Anfang gemacht hat. Aber es sind jetzt auch schon viele andere Menschen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine wirklich eingetragene Gesellschaft, da wird man Mitglied. Es sind, ich glaube, 15.000 Mitglieder in Deutschland, irgendwie um 1907 oder so. Also das ist wirklich angewachsen, es hat eine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Kulturschaffenden, die Maler, die Bildhauer, die Literaten, die Lyriker, die hören sich das an. Steiner ist interessant, also das ist die Zeit, in der in München Kandinsky Steiner hört und so weiter. Aber es passiert ganz, ganz wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es gibt dann ein erstes Moment, was sehr wichtig ist für die weitere Entwicklung. Und das sind die sogenannten Mysterienspiele in München. Und es beginnt mit einem Stück, man sollte vielleicht gar nicht an Theaterstück denken, sondern man sollte eigentlich an eine beispielhafte Erzählung über wiederholte Erdenleben und esoterische Zusammenhänge oder schicksalsmäßige Zusammenhänge von einer Menschengruppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowas wird da dann eigentlich geschildert. Und da gibt es eine Vorentwicklung, das ist das erste Mal, das ist noch gar nicht von ihm, sondern das ist von einem französischen, elsässischen Esoteriker, einem Edouard Chouret, ein Stück, was Marie von Sievers, eine der engsten Mitarbeiterinnen, übersetzt, was da in München aufgeführt wird. Und dann sind das die Mitglieder der Gesellschaft, das sind keine Schauspieler, sondern das sind die Leute selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Saal wird selber dekoriert mit so Tüchern, kriegt da so einen bestimmten Ausdruck. Dann kommen solche Siegel dazu, so goldene Formen und so weiter und so weiter. Und dann wird da geübt und zum Schluss im August wird das eben aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es geht eine ganze Woche immer wieder und dazwischen sind immer Vorträge von ihm und so. Also das ist wie so ein Sommer-Event, so ein Sommer-Festspiel oder so dieser Gesellschaft. Und das Theater ist gemietet in den Sommerferien, das Theater hat Ferien, man mietet dieses Theater während den Ferien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schlussendlich sind es dann eben fünf solche Aufführungen hintereinander, jedes Jahr eine weitere. Die nächsten Stücke sind dann eben von ihm selber geschrieben. Das muss man sich so vorstellen, er kommt morgens zu den Proben mit den nächsten Szenen für die Leute und verteilt denen die Texte handgeschrieben, die wahrscheinlich in der Nacht vorher entstanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann üben die und dann am nächsten Morgen geht es weiter. Und irgendwie nach zwei, drei Wochen ist das Stück zusammen und die verschiedenen Szenen hintereinander und dann wird es aufgeführt. Und das nächste Jahr kommt das nächste Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen plötzlich ein paar Architekten und ein paar andere Mitglieder und sagen, ja, also schön und gut diese Sommerspiele, aber das reicht doch eigentlich nicht. Können wir nicht so eine Bühne wirklich selber haben? Sollten wir nicht was bauen, wo die theosophischen deutschen Festspiele, Mysterienspiele, wo die eine Heimat haben? Und Steiner, ja klar, machen sie doch, ist doch super. Und die versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die verhandeln mit der Stadt München und die haben schon ein Grundstück, das ist so richtig, da gibt es Pläne von, das ist so richtig riesige Sache, das sind vier, fünf, sechs so Wohnblöcke, die sozusagen so ein Areal, wo man da, also eine Bühne mit einem Saal und das ist eine runde Bühne, ein größerer, runder Saal, so zwei Halbkreise oder drei Viertelkreise. Da gibt es Räume für Farbtherapie, da gibt es alles Mögliche. Und schlussendlich wollen die Stadtväter in München doch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese komischen Theosophen, das wollen sie nicht haben. Das wird erst 1913, 12, 13 so richtig klar. Und da taucht ein Mitglied auf, das aus Basel ist, ein Zahnarzt, und der sagt ja, also wenn es an einem Grundstück mangelt, ich habe da noch so ein Grundstück bei Basel, das ist so eine Apfelwiese, die würde ich gerne dafür hergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner fährt sozusagen übermorgen dahin, guckt sich das an, läuft da drei Tage durch alle, durch die ganze Landschaft, durch alle Höhlen in Arlesheim und so weiter und stellt fest, das ist eigentlich super. Und ich glaube, drei Wochen später ist die Baugenehmigung, der Bauantrag bei der Behörde und drei Monate später wird gebaut. Ein unglaubliches Tempo, zack, zack, zack, zack, es geht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Und es ist schon interessant, dass ein Bau einer Gemeinschaft ist. Man kann hier das vielleicht nachher auch, könnt ihr euch das hier angucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein wunderbares Heftchen, wo nicht die Anthroposophen, sondern eigentlich die Welt der Architektur, die hat sich dieses Themas, eine Architekturzeitschrift, die hat einmal das Schwerpunktthema Bauen und Gemeinschaft. Und die entdecken eigentlich, die Anthroposophen haben da eigentlich vor dem Ersten Weltkrieg der Bau der Gemeinschaft. Und da sind diese zwei Kuppeln zu sehen und diese ganzen Menschen auf dem Gerüst, viele, viele von diesen theosophischen Mitgliedern, die da anfangen zu bauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt es zu dem Konflikt, schon lange gibt es einen Konflikt, aber jetzt kommt es zur Eskalation, kann man sagen, mit der theosophischen Gesellschaft, die sollen jetzt also bestimmte Lehren vertreten werden. Und Steiner hat schon 1901 gesagt, wenn ich da Generalsekretär werde, nur unter der Bedingung, dass ich das lehre, was ich für richtig halte. Ich werde mich hier keiner irgendwie gearteten Doktrin beugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als das immer enger und schwieriger wurde und eigentlich er jetzt bestimmte indischen Weisheitslehren, die die neue Weltvorsitzende dazu verkündete, die jetzt da auch sozusagen predigen sollte und so, dann wurde das immer schwieriger und irgendwann kam es zur Trennung. Und er sagt dann, ja, wir begründen jetzt eine Gesellschaft, die geht vom Menschen aus. Anthropos und die Weisheit des Menschen liegt da im Namen drin und die kann man jetzt einfach synonym nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was ich vorher mit Theosophie benannt habe, das kann man jetzt mit Androsophie benennen und damit ist auch eine gewisse Kontinuität da. Er entwickelt schon vor dem Ersten Weltkrieg 12, 13 eine ganze Menge von sogenannten esoterischen Stunden unter Weisungen, wie jetzt durch das eigene Üben jeder Mensch in die Fähigkeit kommt, das auch wahrzunehmen, was sozusagen der Blick in die geistige Welt ist. Und er ist fortgesetzt weiter damit beschäftigt, Vorträge zu halten und auch Schriften zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1910 erscheint das große Grundlagenwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss, wo er sozusagen nochmal die Theosophie und die Frage der Welt, überhaupt der Weltentstehung zusammenfasst. Das grundlegende Werk der ganzen anthroposophischen Welt und Menschenauffassung. Vorher schon auch in dieser ersten Zeit um diese Begründung des ersten Baus in Dornach kommt es dazu, dass eine Frau, ihre Tochter, die ist glaube ich 16 oder 17, die möchte so gerne so ein Tanzballett machen und ob es da nicht was Besseres gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr käme das Ballett so steif vor. Und Steiner sagt, na klar, schicken Sie die mal zu mir, wir können doch mal was entwickeln, wir können doch mal was ausprobieren. Und zack kommen ein paar neue noch dazu und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so entsteht die Eurythmie als eine wirklich neue Bewegungskunst, die völlig aus dem Bedarf heraus von Menschen entwickelt wird und immer an den konkreten Fragen weiterentwickelt wird. Geführte, gefühlte Bewegung. Also von innen heraus geführt, aber empfunden, ein bestimmtes, nicht irgendwas gefühlt, sondern jeweils etwas ganz bestimmtes und aber alles in Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Tanz, eine Bewegungskunst. Und das fängt eben an mit ganz einfachen Übungen und mit Sprache. Er spricht dann oft davon, dass die Eurythmie eigentlich die äußere Erscheinung dessen ist, was hier in uns passiert, wenn wir sprechen, wenn wir sozusagen die Luft bewegen mit unseren Sprachorganen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dasjenige würde auch sozusagen äußerlich durch den ganzen menschlichen Körper dargestellt werden, wenn man Eurythmie macht. Und dann später kommt die Ton-Eurythmie dazu und ganz viel später kommt noch ziemlich zu seinem Ende hin die Heil-Eurythmie dazu. Und so ist diese ganze Bewegungskunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind, glaube ich, insgesamt 5000 Skizzen gibt es, wo Eurythmistinnen dann zu ihm kommen und sagen, ja, also können Sie mir zu dem und dem Gedicht eine Form, eine Laufform auf der Bühne machen. Und dann liest er das Gedicht und während er liest und so, dann entsteht eine Form. Und dann erklärt er, wie die Ton-Eurythmie geht und so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann macht er zu vielen, vielen Musikstücken solche Formen. Und es ist schon sehr erstaunlich, wenn man mit Leuten spricht, die sich 20 Jahre mit Eurythmie beschäftigt haben und mit diesen Formen und selber auch solche Formen entwickeln und so, wie die die interpretieren, was der wohl da erlebt hat und wie er das wohl konnte, das dann einfach so zack mal hin aufs Papier zu bringen und dann haben die damit geübt. Ja, jetzt muss ich ein Kapitel anklingen lassen, was ja sehr dramatisch ist für unsere Zeit und bis heute große, große Nachwirkungen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt sprechen über den Ersten Weltkrieg. Steiners Rolle im Ersten Weltkrieg ist sehr wichtig. Ohne diese Rolle zu verstehen, kann man ihn eigentlich nicht verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da ist es jetzt so, dass er ja als Österreicher, hauptsächlich in Deutschland lebend und dann in der Schweiz auch tätig, eigentlich einen ziemlichen Überblick hat. Und es ist so, dass es in Österreich Mitglieder gab, der jetzt schon anthroposophischen Bewegung, die sehr, wie soll man sagen, an dem Machthebel nahe dran waren. Da gab es also einen Bruder von jemandem, der im Kabinett war, also der Minister war und so weiter und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es also einen gewissen Kontakt auch zu den Machthabern und zu den Kaiser und so. Und in Deutschland war das genauso. Da gab es also Leute, die aus dem Adel stammten und die jetzt beim Militär in hoher Stellung waren und die bei dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle spielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die stehen nun interessanterweise in Kontakt zu Rudolf Steiner. Einige wenige. Und dabei wird deutlich, dass Steiner alles versucht, um diese Katastrophe frühzeitig in seinen Vorträgen zu kennzeichnen und alles zu tun, um die Menschen davon zu überzeugen, dass das keine Lösung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt muss man sich ganz klar machen, die damalige Zeit 1914, Sommer 1914, ist überhaupt nicht so, dass die Menschen im Großen und Ganzen kapieren, was eigentlich so ein Weltkrieg bedeutet. Die haben natürlich keine Idee, dass das jetzt ein Weltkrieg wird, aber sie haben eben die Idee, dass es eine kriegerische Auseinandersetzung insbesondere mit Frankreich geben würde. Und die finden das großenteils eigentlich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also man muss sich vorstellen, so ein toller Künstler wie der Franz Marc zum Beispiel, den ich nach wie vor sehr schätze, der diese wunderbaren Tiergestalten malt. Oder, oder, oder, oder viele, viele Intellektuelle, viele Künstler, die halten das für eine gute Sache. Die ziehen mit in den Krieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner gehört zu den wenigen, die von vornherein sehr klar sagen, nein, das ist eine riesige Katastrophe. Und jetzt springe ich kurz an das Ende des Ersten Weltkriegs, und zwar wirklich nach dem Ende. Der endet ja bekanntlich im November 18 und im Frühjahr 19 ist Steiner in der Lage, die Memoiren des Helmut von Moltke, einer der Generäle des Ersten Weltkriegs auf der deutschen Seite, diese Memoiren zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau ist nämlich Mitglied der Gesellschaft, der anthroposophischen Gesellschaft, und er hat mehrere Gespräche mit diesem Helmut von Moltke, dem Jüngeren, geführt und ist ganz sicher der Überzeugung, dass es wichtig ist, jetzt wo der Krieg zu Ende ist und wo die Friedensverhandlungen beginnen, deutlich zu machen, was Helmut von Moltke im Frühling 1914, sozusagen in den letzten Tagen und Wochen vor dem Kriegsbeginn, erlebt hat, in Berlin im Zusammenhang mit Wilhelm II., dem Kaiser, und den Depeschen, die man zwischen Wien und London und St. Petersburg hin und her schickte, um diesen Krieg möglicherweise noch zu verhindern. Und Steiner will das unbedingt veröffentlichen. Und man fragt sich, warum? Warum willst du jetzt in so einer Katastrophenzeit, 1919, die Menschen sterben noch an Hunger in Deutschland? Es ist wirklich eine üble Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Nachkriegszeit. Man hat Deutschland zum Besiegten gemacht und es hat natürlich auch diesen Krieg nicht gewonnen. Man kann lange darüber streiten, ob er nur unentschieden ist, verloren ist und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das interessiert mich jetzt alles gar nicht. Sondern diese Frustration in Deutschland, dieser Niedergang. Der Kaiser ist weg und jetzt soll da also eine Demokratie kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und viele sind von vornherein gegen diese Demokratie und so weiter und so weiter. Die Armut. Und da ist es jetzt diesem Mann wichtig, die Situation von 1914 darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht es erstmal nicht. Er schreibt ein kleines Vorwort. Und dann wird es nicht möglich, dieses Buch zu veröffentlichen, weil Anthroposophen in die Druckerei in Stuttgart gehen und sagen, habt ihr schon gesehen? Das Neueste vom Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein Buch zum Ersten Weltkrieg, zum Ausbruch und so. Und das kriegt die Familie von diesem Helmut von Moltke mit. Und die verbieten der Witwe, dass sie die Genehmigung für diese Memoiren, für diese Tagebuchaufzeichnung freigegeben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so muss dieses Buch eingestampft werden und steht nicht, es wird nicht veröffentlicht. Und zwei Jahre später versteht man, was Steiner da geschrieben hat und was er da gemeint hat. Dass es wichtig ist zu klären, dass hier eine Situation vorlag am Anfang des Ersten Weltkriegs, wo an vielen, in vielen Orten wie eine Umnachtung, wie eine Schlafwagengesellschaft, wie eine völlige Illusion bei den Entscheidern, bei den politisch Mächtigen, bei den Herrschaftshäusern vorlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt, hundert Jahre später, haben die Historiker das aufgearbeitet und es ist so ein Buch erschienen, wie von dem berühmten englischen Historiker Clark, dem Schlafwagenfahrer. Ja, egal. Also Clark, der darüber schreibt und es eigentlich genau das alles beschreibt, was Steiner schon sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hat hundert Jahre daran rumgemacht, hat hundert Jahre gesagt, nein, die Deutschen haben die allein Schuld, nein, die Deutschen sind an allem Schuld und so weiter, hat den Versailler Vertrag gemacht, der mit irrsinnigen Repressionen für Deutschland endete und die Schlafwandler. Und Steiner sagt, ja, Vorsicht, der Krieg ist verheerend von Anfang an, aber indem wir jetzt Deutschland zum Alleinschuldigen erklären, wird es nicht besser. Und wenn man dann die weitere Geschichte nur wenige Jahre verfolgt, dann ist von 1919 bis 1924, 1925 der Weg gerade mal fünf, sechs Jahre und dann haben wir die Braunen in Deutschland, die Fuß fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wodurch fassen sie Fuß? Indem sie sagen, Deutschland ist nicht allein schuldig am Krieg, Deutschland ist kein Verlierer des Krieges, sie opponieren gegen diesen Versailler Friedensvertrag und Steiner hat ihnen eigentlich das Argument aus der Hand schlagen wollen und das war ihm nicht möglich. Ich springe nochmal ein Stück weiter und komme dann wieder zurück. 1922 München, Steiner wird gemietet von einer Konzertagentur, ist jetzt falsch ausgedrückt, aber eine Konzertagentur organisiert eine Tournee Steiners durch Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist en vogue, man will Steiner hören, man kann mit Steiner große Säle füllen und Steiner macht eigentlich sehr trockene, sehr abstrakte Vorträge über das Wesen der Anthroposophie und da sitzen dann manchmal 2.000, 3.000 Leute. Und in München geschieht während diesem Vortrag ein Anschlag der Braunen, der Nazis. Und die kappen die Elektrik und wollen danach eine sogenannte Saalschlacht veranstalten oder was auch immer veranstalten, wissen wir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner kommt nur raus, weil er eine kleine Gruppe von jungen Anthroposophen hatte, die vorne saßen und die auf ihn aufpassten, weil es bekannt war, dass es in Deutschland schwierig werden würde mit den Nazis. Und die hatten etwas übersehen, die hatten nämlich übersehen, dass die Saalbeleuchtung nicht mit dem Rednerpult gekoppelt war. Und an dem Rednerpult leuchtete immer noch eine kleine Lampe, während der ganze Saal mitten im Vortrag dunkel gemacht wurde als Attentatsversuch oder Beginn eines Attentats.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Lampe leuchtete und Steiner spricht seinen Vortrag völlig ruhig weiter. Und es ist super klar, dann geht irgendwann das Licht wieder an, es ist super klar, danach wird irgendwas passieren. Und jetzt springen diese jungen Leute von vorne auf und führen ihn nach hinten zu einem Notausgang raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt danach nur, das war die letzte Möglichkeit, in Deutschland öffentlich zu sprechen. Diese Herren können sowas wie Anthroposophie nicht, das wird keine Möglichkeit mehr sein, darüber zu sprechen. Also das möchte ich auch deutlich sagen, diese kleine Szene, weil da auch immer wieder gerade im Internet wirklicher Blödsinn kursiert, dass Steiner irgendeine Art von Nähe, Sympathie oder sonst irgendwas zu den Nazis hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe zurück auf 1914-15, es kommt diese Kriegskatastrophe und jetzt muss man sich das wirklich gut vorstellen. Da sitzt man in Basel auf diesem Hügel da bei Dornach und sieht rüber in das Rheintal und sieht das Elsass und den Schwarzwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sieht im Elsass oben auf den Kuppen, auf den Höhen die sogenannte Maginot-Linie. Das ist die Linie, an der jahrelang junge Franzosen, junge Deutsche zu Tode gekommen sind, in großen Mengen, wegen einem wirklich völlig verrückten Krieg. Und dieses Feuer sieht man von dem Bau der Gemeinschaft aus nachts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dahin kriegen die Mitglieder, die da arbeiten, ihre Eingerufung. An diesem Bau sind, glaube ich, 14 Nationen beteiligt. Da kriegen die Leute ihren Brief hingeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind jetzt bitte in drei Tagen dort und dort zur Einberufung. Und in dieser Zeit, was macht der Steiner? Der hält keine theosophischen Vorträge oder Meditationsanweisungen, sondern der ist ein Praktiker, der macht einen Samariter-Kurs, der lernt den Leuten, wie verbinde ich eine Wunde. Das sind Sachen, die man nicht weiß von Steiner und die sind mir wichtig zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner ist ein Mensch, der wirklich in seiner Zeit ist und der ganz konkret ist. Diese Momente, wo er aus eigenem Ungefragt, aus eigenem Handeln etwas in die Hand nimmt, die sind ganz besonders typisch, die muss man immer aufsuchen, wenn man ihn studiert. Weil meistens ist er tätig, wenn Menschen ihn fragen oder bitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier eben, das möchte ich deutlich betonen, Steiner, der alle meditative Schulungen abbricht und der seine Community ausbildet im Verbinden von Wunden. Steiner, der über den Tod spricht und der darüber spricht, was es bedeutet, wenn junge Menschen sterben. Geistig gesehen, spirituell gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, der sich zurückzieht und diese Katastrophe eigentlich spürt. Und der zu Ergebnissen kommt, die doch sehr erstaunlich sind. Er bewirbt sich bei der deutschen Heeresleitung, der obersten Heeresleitung, 1916, darum, für die deutsche Politik, für das deutsche Kaiserreich, ein Vermittlungsbüro eröffnen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zwar in Zürich, auf neutralem Boden. Um mit den Gegnern verhandeln zu können. Er möchte eine Friedensinitiative starten und er möchte die selber starten, aber er möchte den Segen des deutschen Kaiserreiches, was eigentlich bedeutungslos geworden war, es war nur noch das Militär bedeutsam, das Militär hat eigentlich alles gemacht, von denen möchte er sozusagen ein Go haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegt er nicht. Ja, er sei ja Österreicher. Steiner, der mit den Menschen spricht, die dann in den letzten Kriegsmonaten und nach dem Krieg in Verantwortung kommen, ganz merkwürdig, wieso weiß er, dass der Prinz Max von Baden, dass der Kühlmann Kanzler wird und so, dass in dieser Übergangszeit in die Weimarer Republik hinein Leute von Bedeutung werden, mit denen er vorher gesprochen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also Steiner, der gar nicht fassbar ist, so richtig. Der ist nicht nur Anthroposoph und Begründer von einer Reformpädagogik und von vielen esoterischen und spirituellen Themen, sondern Steiner, der auch ganz aktiv in das politische Geschehen eingreift und wirklich was will. Und das missglückt eigentlich im großen Ganzen alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt 1917 zu dieser Idee der Dreigliederung am Seelischen, findet das im Physischen und bei den Pflanzen und bei den Tieren wieder und so weiter und kommt dann 1817, 18 darauf, dass das auch eine Bedeutung hat für eine zukünftige Gesellschaft. Und jetzt ist er unterwegs in der Schweiz und sagt auch der Community seiner ganzen Gesellschaft, wir müssen hier in der Schweiz diese Art von neuer Gesellschaftsordnung, die nach der Kriegskatastrophe hoffentlich Gewicht und Bedeutung und Gehör bekommt, die müssen wir erstmal in der Schweiz bekannt machen, weil wir sind jetzt hier Gäste, wir dürfen hier sein. Also er hat einen ganz hohen Respekt davor, dass die anthroposophische Bewegung da in der Schweiz sein darf und er fährt vier Orte ab, ich glaube Winterthur, Zürich, Bern und Wasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich weiß, vier. Und er schließt sich förmlich ein in Zürich in einem Hotel und schreibt innerhalb von zehn Tagen diese Vorträge zu einem Buch um. Und dieses Buch, die Kernpunkte der sozialen Frage, die werden sein Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die werden zu seinen Lebzeiten 80.000 Mal verkauft. Die lesen die Leute auch wirklich dieses Buch, auch die Entscheider lesen das. Wenige Monate nach dem Erscheinen, 1919, wird dieses Buch wirklich gelesen, hat aber letztendlich doch kaum einen Einfluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er sagt auch seiner Community, es ist alles schön und gut, was wir hier machen, aber es kann sein, dass wir hier auch abbrechen müssen und uns vollkommen in die gesellschaftspolitische, in die gesellschaftskulturelle, in die gesellschaftsrechtliche, in diese gesellschaftsökonomische Bewegungen und Prozesse hineinstellen müssen, um für eine bessere Ordnung, für eine bessere Sozial-, eine bessere Gesellschaftsstruktur zu kämpfen nach diesem Deutschen Kaiserreich, was uns in diese Kriegskatastrophe geführt hat. Und so kommt es, dass er nach diesen Vorträgen im April, Mai 1919, nach dem Ende des Krieges in Baden-Württemberg erscheint. Da sind die aktivsten Freunde, die aktivsten Anthroposophen in dieser Hinsicht, die das am ehesten für möglich halten in ihrer Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist er unterwegs und spricht also mit den Vorständen von großen Firmen, mit den Ministern, mit riesigen Versammlungen von Arbeitern in Robert-Bosch-Werken oder bei Daimler-Benz oder, oder, oder. Er ist in allen Gesellschaftskreisen unterwegs, zum Teil mehrfach am Tag und versucht den Leuten klarzumachen, wir müssen anders vorgehen. Es braucht etwas anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapital wird falsch verstanden. Bildung wird falsch verstanden. Recht wird falsch verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen eine Struktur schaffen, wo die Fragen der Bildung einen anderen Arbeitsmodus bekommen als die Fragen vom Recht. Und nochmal anders müssen wir vorgehen, wenn es um ökonomische Fragen geht. Und das sieht in ein paar Wochen so aus, als könnte das Bedeutung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt einige wesentliche Entscheider in der Zeit, die sagen, da ist doch was dran, das müssen wir irgendwie, vielleicht müssen wir das irgendwie umsetzen oder versuchen oder so. Und dann im Juni kippt es und es kommt eigentlich wieder zur Fortsetzung der alten Ordnung. Man packt alles in einen Topf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht Demokratie nur als Parlamentarismus. Eine direkte Demokratie wird eigentlich ausgeschlossen. Man macht eine Ökonomie, die, ja, ganz fremdbestimmt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht ein Rechtssystem, was, ja, auch seine Grenzen, also, ja, ich will es vielleicht gar nicht weiter ausführen, es scheitert. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt und das ist ein Unternehmer. Ein Unternehmer, Emil Mold, Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, Zigarren und Zigaretten, ziemlich edel, Ableger in New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der ist schon 1917, zwei Jahre vorher, unterwegs in der Schweiz, in Zürich, um Tabakhandel zu machen für seine Firma. Und der ist schon viele Jahre bekannt mit Rudolf Steiner und Mitglied dieser androsophischen Bewegung. Und der ist auf dem Rückweg 1917, wo der Krieg so richtig am Höhepunkt ist und fährt durch Basel und stoppt und sagt, ich gehe doch einmal da nach Dornach und gucke mal, was der Steiner so macht und kommt da in die Werkstatt, in die Schreinerei, in der Steiner die meisten Vorträge seines Lebens gehalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mann, der die Vorträge in der Werkstatt hält, das ist auch ein Bild, was typisch ist für Steiner. Der ein tolles Vortragsgebäude zweimal in seinem Leben bauen lässt, aber eigentlich seine meisten Vorträge zwischen Holzbearbeitungsmaschinen hält. Ein wunderbarer Raum, die Schreinerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort spricht Steiner und hinten kommt der Emil Mold rein und in dem Moment spricht Steiner über die Kriegskatastrophe und die Zukunft. Er sagt, es wird alles darauf ankommen, dass wir nach dem Krieg neue Schulen, eine neue Art der Pädagogik entwickeln. Und Emil Mold fährt wieder und der Krieg geht weiter und Steiner ist in Dornach und jetzt kommt zwei Jahre später die Situation, er geht wie so ein guter Chef durch seine Firma und spricht so mit seinen besten Leuten und da ist ein Mitarbeiter und der sagt, mir geht es gar nicht gut, mein Kind kann nicht auf die Schule gehen, auf die ich gerne das Kind geben möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da macht es bei dem Emil Mold Klick, wir sind doch jetzt nach dem Krieg und der Steiner hat doch was gesagt, nach dem Krieg kommt alles auf Schule drauf an. Ich frage den mal, ob der nicht sich hier für meine Arbeit eine Schule ausdenkt. Und er geht zum Steiner und der Steiner sagt, ja, eine Bedingung Herr Mold, Sie kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit dieser Schule, gut, aber diese Schule kann nicht nur für Ihre Mitarbeiter sein, die ist für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kümmere mich um die Genehmigung. Steiner geht auf das Ministerium und das erste Mal überhaupt auf der ganzen Welt geschieht es, dass eine Schule in freier Trägerschaft möglich wird. Vorher gab es nur staatliche oder kirchliche Schulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner erklärt das diesen Beamten, auch im Kontext seiner ganzen Kampagne für Dreigelehrung, das war genau die Zeit, ist er so bekannt, dass man ihm das zubilligt, dass man ihm das zutraut. Dass man sagt, ja, das kann es doch eigentlich auch geben. Schule, die nicht so funktioniert, wie irgendwelche Ministerialbeamten sich das ausgedacht haben, sondern Schule, die ganz offensichtlich aus den Entwicklungsgesetzen des Kindes konzipiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er darf das begründen und es wird auch bei Steiner spielen oft die Namen eine große Rolle. Es wird auch klar, wie die heißt, Einheitliche Volks- und Höherschule. Ist für alle und die geht durch und die Leute können am Ende Abitur machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht irgendwie Segment, das ist typisch für Steiner, nicht bestimmte Klassen und auch keine Unterscheidung von Jungs und Mädchen. War damals noch ganz normal. Die Jungs müssen stricken und die Mädchen dürfen schmieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Frage. Natürlich das jeweils andere Geschlecht auch. Kein Unterschied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz wichtig. Und keine Noten, kein Druck. Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann Pädagogik machen mit Angst und man kann Pädagogik mit Liebe machen. Wir haben uns für das Zweite entschieden. Auch wenn die Weihnachtsschule heute oft problematisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ihre Quelle. Das muss man wissen. Keine Noten, kein Druck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns entschieden, eine Pädagogik zu machen, die aus der Liebe zu dem Kind ihre Quelle hat. Ja, ich will da nicht tiefer drauf eingehen, weil ich das auch im Moment gar nicht könnte. Rein emotional.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch ein Drama, was aus der Waldorfpädagogik geworden ist. Es ist an vielen Stellen sehr flach geworden und es ist an vielen Stellen das, was da eigentlich der Impuls ist, noch mal wieder ganz neu zu heben. Dennoch ist die Schule etwas, was eine riesige Bedeutung hat für die pädagogische Entwicklung überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Ist leider nie untersucht worden. Es gibt kaum ein Buch dazu, wo man wirklich mal systematisch untersucht hat über fünf, sechs Jahrzehnte, was hat eigentlich Waldorfpädagogik bedeutet als Impulsgeber für das allgemeine Schulwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn da ist ganz viel geleistet worden und da ist ganz viel passiert. Diese Waldorfschule, die sich dann da begründet, blüht sofort auf. Steiner, das ist seine Sache, die er am meisten, man könnte sagen, betreut, wo er am meisten anwesend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fängt im September 19 an mit zwölf Lehrern, die er schult, zwei Wochen, sehr intensiv, und dann fangen die an. Und diese Lehrer sind jung und manche von ihnen werden auch schnell wieder entlassen. Die schaffen es irgendwie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manche hat man den Eindruck, da ist alles sehr gut dokumentiert. Da gibt es dann Stunden, wo man denkt, also was da so steht und was man so liest und was man so da wissen kann, muss es da ziemlich chaotisch zugegangen sein. Und Steiner empfiehlt dann, er ist alle zwei Wochen bei diesen Lehrern und geht mit in die Schule und geht mit in den Unterricht und so und macht Konferenzen und bleibt diesen Lehrern sozusagen treu, ist die Schulleitung, könnte man sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann sagt er einfach nur, nee, nee, das ist gar nicht schlimm, dass es da immer so laut ist in dem und dem Unterricht. Man sollte einfach nur von innen so lange zuschließen, dass der Lärm nicht so ins Schulhaus rausflutet. Und ein anderer fliegt einfach raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie Sie das hier machen, ist das purer Materialismus. Das können wir hier nicht gebrauchen. Sehr interessant, also sehr spannend, wie er diese Leitung macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dekliniert das durch. Das ist wirklich unglaublich bis heute, obwohl sich ja die kindliche Entwicklung vollkommen verändert hat, obwohl sich die Physiologie, die seelische Entwicklung verändert. Ist dieser Lehrplan, gerade die unteren Klassen, mit dem wird man noch viele Jahrzehnte, wenn nicht noch ein, zwei Jahrhunderte ziemlichen Erfolg haben, wie man eigentlich die kindliche Entwicklung und die Beziehung zur Welt so komponiert, so zusammenbringt, dass es zum Teil genau das ist, was in den Kindern lebt, das wird in der Geschichte erzählt, an dem sind sie dran und zum Teil genau das Gegenteil, dass sie konfrontiert sind mit etwas ganz anderem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein unglaubliches Programm, gerade diese ersten acht Jahre, wie man das hinkriegt, wirklich ohne Druck und ohne Sitzenbleiben und ohne Noten ein Schulsystem aufzubauen, was am Ende sogar ziemlich erfolgreich ist. Und es gibt heute Vorträge auch von Nicht-Weilauf-Leuten, die sagen, warum ist die denn eigentlich so erfolgreich? Irgendwie müssten wir doch mal das Geheimnis dieser Pädagogik knacken. Was machen die eigentlich besser? Also es hat bis heute eine große Bedeutung, vor allem eben für die Schulentwicklung im Allgemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist dann nach wenigen Jahren, hat auch eine Oberstufe, entwickelt sich einfach prächtig. Und am Anfang des Jahres 1925, wenige Wochen vor seinem Tod, schreibt Rudolf Steiner vom Krankenbett aus einen Brief an diese Lehrer. Und da schreibt er am Ende dieses Briefes einen Satz, es geht in dem Brief eigentlich darum, dass er sagt, es darf nicht dazu kommen, dass die weiteren Waldorfschulen, die schon zum Teil begonnen hatten, dass die von irgendeinem, wie soll ich sagen, fremden, also sachfremden Menschen geleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es braucht so etwas wie ein Verbund, ein Verband, eine Dachorganisation aller Waldorfschulen. Und das können eigentlich wieder nur Lehrer sein, Waldorflehrer. Und da ihr, liebe Stuttgarter Lehrer, nun mal die Ersten seid, muss ich das in eure Hände legen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr müsst euch da drum kümmern. Ich bin absolut dagegen, dass das irgendwie von irgendwelchen Funktionären gemacht wird. Das ist eigentlich der Inhalt dieses Briefes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zum Schluss endet er mit diesen Zeilen, dass er schreibt, ja, für ihn hat es eine große Bedeutung und so. Die Waldorfschule ist zwar ein Kind der Sorge für ihn, es hat ihn fünf Jahre intensiv beschäftigt, aber gleichzeitig ist sie auch das Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt. Die Waldorfschule ist ein Kind der Sorge, aber sie ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Anthroposophie in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der letzte Brief, den er an dieses Kollegium schreibt. Sehr bedeutsam für mich, dieses Zitat. Die Waldorfpädagogik ist eine Reformpädagogik, ist eine ganz andere Pädagogik, die bis ins ganz Konkrete runtergebrochen ist und die man jeden Tag neu erfinden muss, die überhaupt nicht eine Rezeptpädagogik ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie ist gespeist aus einem Menschenbild, was nicht bei DNA, bei Zufall und Genetik aufhört. Und draußen in der Welt nur Materialismus erkennt, sondern eben ein Kind der Anthroposophie, ein Wahrzeichen, dass diese Anthroposophie auch fruchtbar ist, auch etwas zum Wohle der Menschheit beitragen kann. Und damit sind wir eigentlich im Zentrum der ganzen Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist Anthroposophie? Anthroposophie ist eine Wissenschaft, ist ein Erkenntnisweg, der den Mensch und alles außerhalb des Menschen, die Welt bis ins Weltall hinaus so anschaut, dass immer die Frage danach ist, was ist hier eigentlich für eine Zukunft, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft, für eine Humanisierung der Medizin, für eine Fortdauer der lebendigen Erde und so weiter hilfreich. Das ist eigentlich das Prinzip der Anthroposophie, darum geht es eigentlich. Und das wird für mich eben so deutlich an diesem Zitat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, ich müsste jetzt noch ein paar Minuten brauchen, insbesondere für die Landwirtschaft und für die Medizin. Bei der Landwirtschaft ist es, ja, ich mache vielleicht erst die Medizin. Bei der Medizin ist es so, dass schon 1902, ganz am Anfang dieser Berliner Zeit, diese ersten Vorträge, taucht eine junge Holländerin auf, 20-jährig, die hat sowas wie so eine Heilgymnastikausbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie möchte mitarbeiten, aber sie möchte sozusagen als Medizinerin mitarbeiten. Und sie fragt den Steiner, wie mache ich das, ich kann eigentlich gar nicht Arzt werden in Deutschland, in den Holländern. Dann sagt er, ganz klar, gehen Sie nach Zürich, da kann man auch als Frau Ärztin werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen Sie das, sammeln Sie Erfahrung, das wird schon. Und sie macht das, sie ist eine willensstarke Persönlichkeit, Ita Wegmann, und sie kommt dann schlussendlich 1917, 18, 17, 18, 19 landet sie in Dornach wieder an. Und dann baut Steiner ihr eigentlich, kann man schon so sagen, ein kleines Kliniksanatorium, eine kleine Klinik in Arlesheim, direkt am Fuße des Götheanums, also da ist man in fünf Minuten hingelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er arbeitet intensiv mit ihr zusammen. Ein Chemiker, der nach Dornach gekommen war, um die Pflanzenfarben zu entwickeln für die Malerei in diesem Saal, der muss in seiner Garage, die meisten Geschichten auf der Welt entstehen in Garagen, der muss in seinem kleinen Labor die Medikamente herstellen. Diese drei, denen verdanken wir eigentlich der androbesophischen Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Wegmann, Oskar Schmiedl, der Pharmazeut. Natürlich waren es nicht alles nur Pharmazie und natürlich waren es nicht alles nur Ita Wegmann und dieses Institut und so, aber da ist eigentlich der Drive, die Kraft, der Kern, über 500 einzelne nachgewiesene Krankenbesuche am Bett Steiner und Wegmann und andere Ärzte noch. Diese Situation, wir gucken wirklich genau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft ist nicht irgendwo irgendeine hellsichtige Eingebung haben, wie jetzt hier zu therapieren ist, sondern präzise, genaue Diagnostik. Da kommt das mit der Erweiterung, das große, wichtige Grundlagenwerk, was die beiden da noch ganz am Ende seines letzten Lebensjahres hinkriegen, Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst. Ganz deutlich, die androbesophische Medizin ist in keiner Weise eine Alternativmedizin, sondern sie ist eine Ergänzung, sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mediziner hat zunächst wirklich die Schulmedizin zu kennen und zu können und dann kann er auch diese Seite noch dazu nehmen. Also eine sehr klare Definition und ein großer, großer Erfolg. Viele, viele Dinge, die heute in der Medizin im Allgemeinen gemacht werden, sind dort das erste Mal entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das will ich jetzt gar nicht weiter ausführen. Ich schwenke zur Landwirtschaft. Bei der Landwirtschaft ist die Situation ganz, ganz andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind wieder eher diese alten, konservativen Gesellschaftsgruppen, die Steiner immer wieder drängen. Können wir nicht auch zur Landwirtschaft was von ihnen hören? Wir haben gewisse Probleme. Und er, das ist schwierig, man merkt irgendwie an seiner Reaktion, er sieht das irgendwie nicht, er hält sich für nicht kompetent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die kommen über zwei, drei Jahre immer wieder und er hat immer wieder Auseinandersetzungen oder Erfahrungen, ganz konkret mit Landwirtschaft, dadurch, dass es aus dieser Dreigliederungsbewegung, aus dieser Ökonomiebewegung heraus ein Unternehmensverband gibt. Der hat sich in Stuttgart begründet und zu diesem Unternehmensverband gehören nun auch ein paar Güter, landwirtschaftliche Güter, und auf denen gibt es Probleme. Und zu diesen Problemen wird er hinzugezogen, eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das sind zum Teil auch Düngungsprobleme, Tiergesundheitsprobleme. Und jetzt hat man den Eindruck, indem er da konkret involviert ist, er ist da zum Beispiel mit einem Tierarzt unterwegs und behandelt große Tier-, Rinderherden gegen die Maul- und Klauenseuche mit einem von ihm extra entwickelten Medikament. Und das ist auch ziemlich erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder er hat es mit Düngungsproblemen, Kalimangelstandorten zu tun. Und man hat den Eindruck, dadurch, dass er merkt, das geht irgendwie, er kriegt da irgendwie das gecheckt, was da eigentlich passiert, seine Ratschläge funktionieren, sein spiritueller, großer, erweiterter Blick auf den Lebenszusammenhang dieser Kultur, Natur, Landwirtschaft funktioniert. Das gibt ihm den Mut überhaupt, daran zu denken, diesen Kurs doch zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es kommt eigentlich nur zustande, weil der Karl Graf von Kaiserling, dieser Adelige, auf dessen Hut es dann schlussendlich passiert, der 24 im ganzen Osten, da in Schlesien, der hat einen Neffen. Und dieser Neffe ist nach dem Schulabschluss so ein bisschen unorientiert. Der weiß nicht so genau, wo es weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da sagt der Onkel, du fährst da nach Dornach, und du bleibst da einfach so lange bei dem Steiner, bis der einen Termin rausgerückt hat für diesen Landwirtschaftskurs. Und das dauert Wochen. Du gehst immer mal wieder hin und sagst, Steiner, wann ist es denn nun? Und der imponiert dem Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt er dann auch nach dem Landwirtschaftskurs. Da war alles so ein bisschen Eisen bei diesem Graf. Wenn man das Wasser auftrete, kam so ein bisschen braune, rostige, eisenhaltige Wasser raus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ganze Regiment war sehr so, wie das so früh in der Landwirtschaft war. Und so war auch schon der Neffe in Dornach, der wollte was. Das hat ihn irgendwie imponiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonst wäre dieser Kurs gar nicht mehr zustande gekommen. Drei Monate später ist er so krank, dass er nicht mehr reisen kann und dass er auch nicht mehr Vorträge halten kann. Also es ist wirklich einer seiner letzten großen Reisen gewesen, diese Reise nach Kobowitz, auf dessen Rückweg er in Jena vorbeifährt und mit diesen jungen Männern diese Heilpädagogik bespricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch interessant, dass wir da eigentlich wie Partner sind oder wie Kollegen sind, ganz anders als wie die Medizin und wie die Waldorfpädagogik. Die sind viel früher begründet. Dann kommt die große Weihnachtstagung, 23-24, wo Steiner merkt, diese ganze anthroposophische Gesellschaft schafft sich förmlich selber ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er muss persönlich die Verantwortung übernehmen und begründet diese Gesellschaft mit einem esoterischen, spirituellen Kern neu. Und jetzt kommt es eben noch zur Landwirtschaft und zur Heilpädagogik. Das ist schon sehr interessant, dass diese beiden Bewegungen eben da 24 entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schon zehn Jahre später haben wir in Deutschland den Nationalsozialismus und jenen jungen jüdischen Kinderarzt, der emigriert ist, Österreicher, nach Wien und dann nach Nordengland, nach Schottland und dort in Camp Hill diese erste Community begründet für heilpädagogische, für seelenpflegebedürftige Kinder und das mit Landwirtschaft verknüpft. Das ist eine Gründung von Karl König. Und ich möchte den hier zum Schluss als eine Überleitung, als eine Figur benennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eben mit der Androsophie etwas Neues entwickelt hat. Und man kann schon sagen, überall auf der Welt, wo man eine Camp Hill-Einrichtung nicht begründen darf, wo es nicht möglich ist, eine solche Dorfgemeinschaft zu begründen, hat man es mit einem Regime zu tun, wo man eigentlich sagen muss, das ist schon eine Diktatur. Kann man ganz sicher zum Maßstab machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Impuls der brüderlichen Dorfgemeinschaft, dieses wir sind eigentlich, wir helfen uns eigentlich gegenseitig. Die sogenannten Behinderten, die Landwirtschaft, die Werkstätten, ein spirituelles, religiöses Leben, das ist schon ein unglaublicher Impuls. Heute ist das sicher schwierig, weil man die Menschen gar nicht mehr findet, die in dieser Weise in einer Art Familie mit den heilpädagogischen Leuten zusammenleben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat auch seine Schattenseiten, ganz sicher. Aber in der Geschichte, und wir haben es hier zunächst mal zu tun mit einer Darstellung dessen, was war, spielt es schon eine große Rolle, dass eben schon bereits während der Nazizeit, während des Zweiten Weltkriegs diese Geburt gelungen ist. Und wir eigentlich heute auch sagen müssen, in vielen Ländern der Welt sind das erste Mal die biodynamischen Präparate durch die Heilpädagogik, durch die Kempel-Dorfgemeinschaften hingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von da aus haben sie ihren Ausgang genommen. Also in Südafrika kann man das ganz sicher sagen, die tollen biodynamischen Beine, die es heute in Südafrika gibt, die wären da heute nicht, wenn es nicht schon lange diese Kempel-Gemeinschaften da gegeben hätte, aus denen das langsam die Biodynamik heraus sich entwickelt hat. Ja, ich möchte an der Stelle eigentlich die Sache beenden und möchte darum um Entschuldigung bitten, dass ich natürlich jetzt gerade in diesem zweiten Teil die letzten zehn Jahre von Steiner nur so aphoristische Striche machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eigentlich unverstehbar, wie er das alles zusammenbringt, wie er arbeitet. Ich hatte ja das große Glück, vor kurzem diesen Landwirtschaftskurs nochmal mit vier anderen Kollegen neu herausgeben zu können und dabei auch seine Bibliothek, seine Arbeitsweise genauer kennenzulernen. Die Notizen, es bleibt unglaublich rätselhaft, wie er das hingekriegt hat, in welcher Geschwindigkeit er gearbeitet hat und wie stark er doch immer dabei selber Hand anlegen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war eben kein Theoretiker. Das ist, glaube ich, auch sehr wichtig für uns gerade auch, auch bei diesen Präparaten. Er hat selber in Dornach ein halbes Jahr vorher das erste Hornmist gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat das mit zwei, drei Leutchen da im Vergraben und so, er hat das selber ausprobiert, um das wahrzunehmen. Es ist kein Theoretiker, der sich irgendwas Spirituelles ausdenkt oder irgendwoher fühlt oder irgendwie so herbeiholt aus einer geistigen Welt, sondern der hat diese Einsicht und der probiert es im Konkreten und prüft. Das ist Steiner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzlichen Dank. Applaus Jetzt hätten wir noch ein paar Minuten für Fragen. Bitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es aus seinem letzten Jahr, hat er gespürt, dass er gestorben ist? Und gibt es darüber auch Schritte? Hat er Vorträge gehalten oder irgendwas geschrieben in der Zeit? Und woran ist er gestorben? Welche Zeit? Ich habe es noch nicht verstanden. Anfang März 1925. Er ist Anfang März 1925 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März, Entschuldigung. Und deine Frage ist jetzt? Ob er in dem Monat März noch mal was geschrieben hat. Ja, er hat immer noch weiter geschrieben im Krankenbett eine Sache, die besonders schön ist und besonders spannend und besonders modern eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt sich Leitsatzbriefe. Und da schreibt er immer einen kleinen Aufsatz und den fasst er noch mal wie zusammen in drei Leitsätzen. Und dieses kleine Büchlein ist extrem lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Einführung in die Anthroposophie für sich noch mal. Und das hat er immer so gemacht, dass er da jede Woche kam das in dieser Zeitschrift des Goethe-Anon heraus. Und das war wirklich so gemacht, dass dann nach seinem Tod, ich glaube noch drei oder vier Wochen, die schon geschriebenen Aufsätze noch gedruckt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bis zum letzten Moment relativ arbeitsam und fleißig. Und gleichzeitig auch wirklich schwerstkrank. Und wahrscheinlich, ich würde sagen, wenn ich das richtig interpretiere, ein Prostatakrebs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich aber nicht. Ich bin kein Mediziner. Das ist das, was ich dazu sagen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß man, ob er sich vermutlich mal von Ita Wegmann gehandelt hat? Ita Wegmann ist quasi da hingezogen, wo er dann leben wollte. Und es war aber noch mindestens ein zweiter Arzt mit dabei. Ja, so viel kann ich sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also es ist interessant, dass er dann, wo er merkt, er wird so kraftlos, dass er nicht mehr arbeiten kann im Sinne von Auftritt und Vortrag und so, sondern nur noch eigentlich im Bett sein kann. Dass er nicht in seiner Wohnung am Dornacher Hügel im Haus bleibt, sondern dass er sich neben diesem Atelier, neben dieser Schreinerei ein Hochatelier, ein Atelier, in dem er an den plastischen Arbeiten, die er gemacht hat, die habe ich jetzt gar nicht erzählt, daneben lässt er sich einrichten. Bett, Ofen, Waschbecken, so fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er möchte in dieser Arbeitsatmosphäre sein. Er möchte nicht in diesem Privatbereich sein. Das ist interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also er empfindet auch sein Krankenlager, so würde ich das heute sagen, als eine Arbeitsstation. Und das ist auch so. Er arbeitet da extrem effektiv und viel noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir verdanken dieser Zeit eben diesem ganzen Teil dieser wunderbaren Leitsatzbriefe, die nochmal in einer ganz neuen und einfacheren und klareren Weise viel knapper und deutlicher die Anthroposophie formulieren und die man nur jedem Landwirt und Gärtner empfehlen kann, weil als Landwirt und Gärtner, wenn man da abends anfängt, Steiner zu lesen, dann dauert es 10 Minuten und man schläft ein. Und mit diesen Leitsatzbriefen hat man in 10 Minuten schon viel aufgenommen. Die sind einfach so komprimiert, dass das wirklich eine sehr empfehlenswerte Literatur ist, wenn man sich in die Anthroposophie einarbeiten will, von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ändern sich in ihrem Stil. Zunächst ist das, das brauche ich jetzt gar nicht einführen, ich will es einfach so sagen. Danke schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War Dieter Steiner erleuchtet? Ja, das ist natürlich ein Begriff, mit dem ich wenig anfangen kann, weil, was heißt jetzt erleuchtet? Man meint damit das Bewusstsein, glaube ich so, ich vermute, dass man damit meint, ich nehme jetzt mal an, dass ich sozusagen die Weisheit erlebe. Und da kann man Ja oder Nein sagen. Er war natürlich erstaunlich weitsichtig und hat erstaunliche Dinge hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gelehrt. Und gleichzeitig war er eben auch ein Mensch von hier und jetzt. Und was man ganz deutlich an dieser Stelle sagen muss, Steiner hat ganz viel vorgebracht, wo man heute sagen würde, in unserer heutigen Wissenschaftskultur, die war damals eben noch nicht so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment, du hast nicht nachgewiesen, wo du es her hast. Und es wird Steiner nie behauptet, dass er nicht unglaublich viel von anderen hat. Er hat es nur nicht jeweils benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann jedenfalls im Landwirtschaftskurs sagen, das ist so viel, so viel Quellen, dass es auch richtig mühsam wäre. Also es ist wirklich so, dass Steiner nicht in diesem Sinne ein Erleuchteter ist, der sozusagen blind durch die Welt geht und alles von oben holt und alles so raushaut. Sondern Steiner ist wirklich jemand, der die geheimen, die Untergrundströmungen der Kultur seit, ja, ich würde mal sagen, über 2000 Jahren, seit den alten Griechen, sehr, sehr gut kannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich auf Sachen beziehen konnte, wo selbst Fachleute aus dem jeweiligen Gebiet sagen, Moment mal, wo hat denn das jetzt her? Und dann 50 Jahre später merkt man, ah, da steht es. Also typisches Beispiel in der Landwirtschaft ist die Lehre, ich glaube, die Petra Kühne wird das hier auch vorgebracht haben, des umgekehrten Menschen und der Pflanze. Die Wirksamkeit der Wurzel auf die Kopforganisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, ob sie das gebracht hat. Das ist nicht Steiner. Das gibt es schon viermal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das springt schon alter Grieche hervor, ein Lateiner, ein Weisheitslehrer aus der Schule von Chartre und schlussendlich sogar der Darwin. Die Anthroposophen, in ihrer leider oft nicht so ganz toll gebildeten Art und Weise, die halten das jetzt für eine Erfindung von Steiner. Aber das ist das Problem der Anthroposophen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Steiner behauptet nicht, dass das auf seinem Mist gewachsen ist. Also das sind schon auch spannende Punkte. Und das sagt Steiner sehr klar, ich habe ganz wenig neu erfunden, sondern ich bin jemand, der verbindet und versucht zu erzählen und darzustellen und klarzumachen und Impulse zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat Ihnen der Punkt beschäftigt, dass die Gefahr bestimmt, dass aus dem, was er gesagt hat, eine neue Art von Glauben entstehen könnte? Und wenn ja, was ich vermute, weil das ja eigentlich sehr verwoben ist in der Kritik, weil da so zentrale Sachen sind, die er versucht hat zu machen, damit diese gefamiliert wird. Und was würdest du sagen, also welche Relevanz hat das jetzt zur Zukunft? Ja, super gute Frage. Ich antworte mit einem Witz, Steiner war viel humorvoller, als man ihn kolportiert, als man ihn heute darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere behaupten vieles andere. Steiner geht in den letzten Jahren den Hügel in Dornach hoch, ein wunderbares Gebäude, eine wunderbare Gestaltung der Landschaft, ein Kiesweg, ein Schotterweg. Und derjenige, der mit ihm läuft und mit ihm spricht, dem sagt er plötzlich, Moment, stopp, bleiben Sie mal stehen, ich muss mir hier gerade mal den kleinen Stein aus der Sandale rausholen, sonst humpelt halb Dornach morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder Steiner in einer Versammlung unter den Anthroposophen, ja, Herr Dr. Steiner, wir sind Ihnen so dankbar, dass Sie das jetzt alles dar... Wir glauben, dass alles, was Sie... Da fährt er aus der Haut, das kommt ganz selten vor. Sie sollen nichts glauben, Sie sollen verstehen. Es passiert bei Steiner ganz selten, dass er explodiert, aber da passiert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das ist doch interessant, dass es nicht an irgendeiner anderen Ecke passiert, aber an der Anthroposophie. Sie müssen selber denken. Ich gebe Ihnen nur Richtungen oder Ideen oder Gesichtspunkte oder Argumente oder will mit Ihnen eigentlich in eine Diskussion treten und nicht in ein Glaubensverhältnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also dagegen wendet er sich immer wieder und schon zu seinen Lebzeiten gibt es dafür genügend Grund. Und bis heute ist das ein Riesenproblem. Wie dogmatisch, wie so ein bisschen Religionsersatz gehandhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt muss ich aber dazu etwas sagen, was mir sehr wichtig ist, Euch zu sagen, als vielleicht einen Teil der nächsten Generationen. Achtung! Dadurch, dass man identifiziert, die Gefahr ist, dass man das sozusagen dogmatisiert. Die Lösung ist nicht Verwässerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht die Lösung, sondern die wirkliche Auseinandersetzung. Das ist die Lösung. Und diese Frage der Dogmatisierung muss eigentlich dazu führen, der Selbstprüfung, sich das voll da rein zu knallen und wirklich zu sagen, ich will das für mich klarkriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will das prüfen, ich lese, ich höre, ich spreche, ich erlebe, ich fühle, ich meditiere und so weiter. Indem man sagt, eins unter vielen und so, kommt man dem Problem nicht näher. Die Androsophie ist schon auch eine Wahnsinnsherausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss man schon auch sagen. Das ist anstrengend. Aber man ist ja, glaube ich, auch nicht auf der Welt, um es besonders bequem zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist man jedenfalls in dieser Ecke der Welt nicht gut aufgehoben. Gut, dann haben wir es hier an dieser Stelle. Ich freue mich auf heute Abend um halb acht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie gesagt, macht euch keinen Stress. Es geht darum, die Leute, die hier arbeiten und leben, dass die auch von euch irgendwas mitkriegen. Und dass da was zurückkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die machen mehr, als ihr denkt, dass das hier so möglich ist. Und ich bin denen auch sehr dankbar, dass wir das hier so machen können. Ich habe vor vielen Jahren, als die Frage aus Süddeutschland und Norddeutschland kam, gesagt, okay, dann machen wir noch einen Januarkurs im November.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe das nicht mit allen ordentlich besprochen. Ich habe es einfach gemacht. Und wenn ich gefragt hätte, ich weiß nicht, ob es so durchgekommen wäre, wie es jetzt heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor dem Hintergrund, einfach mal ein bisschen die Leute, die das hier tragen und ermöglichen, dass das hier geht, mit denen ein bisschen was Schönes zu machen. Darum muss es eigentlich gehen, in meinen Augen, wenn ich euch einen Tipp geben darf. Aber ihr dürft machen, wozu ihr lustig seid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen schönen Abend. Einen schönen Abend.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=MitTun_bei_biodyn.wiki&amp;diff=6539</id>
		<title>MitTun bei biodyn.wiki</title>
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		<updated>2024-12-03T18:37:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Menschen in der Landwirtschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:MitTun bei biodyn.wiki.jpg|thumb|400px|Bei Interesse bitte kontaktiere François [https://blog.anthro.world/impressum/kontakt-formular/ per diesem Kontaktformular].]]&lt;br /&gt;
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+++ Stand 26. Nov 2024 +++&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend bekommst du einen Überblick welche Vorträge gemacht sind, und welche noch offen/ unbearbeitet sind. Diese Liste ist in Entstehung. Wenn etwas für dich &amp;quot;dabei&amp;quot; sein sollte- bitte melden.&lt;br /&gt;
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=== Manfred Klett ===&lt;br /&gt;
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|5&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 5. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2017&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|6&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 6. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2017&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 7. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|8&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 8. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2017&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|9&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 9. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2017&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|10&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 10. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2017&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|11&lt;br /&gt;
|[[Geologie - 11. Folge mit Manfred Klett und Gunter Gebhard, 2017|Geologie]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla|Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
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|&lt;br /&gt;
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|[[:Kategorie:Transkribiert von Margherita Ehart|Margherita Ehart]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018|Bodenentwicklung im Jahresl.]] &lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Margherita Ehart|Margherita Ehart]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
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|[[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 3. Folge von Manfred Klett, 2018|Bodenentwicklung im Jahresl.]] &lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Margherita Ehart|Margherita Ehart]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|[[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 4. Folge von Manfred Klett, 2018|Bodenentwicklung im Jahresl.]] &lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Margherita Ehart|Margherita Ehart]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|[[Betriebsorganismus und Düngung - 1. Folge von Manfred Klett, 2018|Betriebsorganismus u. Düngung]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 75%|75%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Betriebsorganismus und Düngung - 2. Folge von Manfred Klett, 2018|Betriebsorganismus u. Düngung]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|[[Betriebsorganismus und Düngung - 3. Folge von Manfred Klett, 2018|Betriebsorganismus u. Düngung]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|[[Betriebsorganismus und Düngung - 4. Folge von Manfred Klett, 2018|Betriebsorganismus u. Düngung]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
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|[[Hof als Organismus - 1. Folge von Manfred Klett, 2018|Hof als Organismus]] &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Hof als Organismus - 2. Folge von Manfred Klett, 2018|Hof als Organismus]] &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|[[Hof als Organismus - 3. Folge von Manfred Klett, 2018|Hof als Organismus]] &lt;br /&gt;
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|2018&lt;br /&gt;
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|2018&lt;br /&gt;
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|[[Hof als Organismus - 9. Folge von Manfred Klett, 2018|Hof als Organismus]] &lt;br /&gt;
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|2018&lt;br /&gt;
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|[[Düngung - 6. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018|Vortragszyklus Düngung]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Damian Bellè|Damian Bellè]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
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|7&lt;br /&gt;
|[[Düngung - 7. Vortrag von Manfred Klett, Vortragsreihe 2018|Vortragszyklus Düngung]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Damian Bellè|Damian Bellè]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett - Feier zur Buchveröffentlichung: Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst, 2021|Feier zur Buchveröffentlichung ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2023&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Die Dreigliederung des Menschen - ein Vortrag von Manfred Klett, 2023|Die Dreigliederung d. Menschen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024|Videobotschaft anlässlich der ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martin von Mackensen ===&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
!Jahr&lt;br /&gt;
!Autor&lt;br /&gt;
!Folge&lt;br /&gt;
!Artikel&lt;br /&gt;
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!Glossar&lt;br /&gt;
!Transkript&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018|Entstehung des Boden]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[aw:Biografie_Rudolf_Steiner_-_Ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen_am_17._Januar_2019|Biografie Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic|Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic|Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[https://www.youtube.com/watch?v=hVtUZClMBoY Der Landwirtschaftlicher Kurs ...]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
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|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 1. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 2. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 3. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 4. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|5&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 5. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|6&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 6. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 7. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
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|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 8. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
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|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 9. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|10&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 10. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|11&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 11. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|12&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 12. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|13&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 13. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|14&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 14. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|15&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 15. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|16&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 16. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|17&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 17. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|18&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 18. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2019&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|19&lt;br /&gt;
|[[Grundkurs biodynamische Landwirtschaft - 19. Folge von Martin von Mackensen, 2021|Grundkurs biodynamische ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2020&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[https://www.youtube.com/watch?v=i3Wae44MG7A Hof als Organismus]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|[https://www.youtube.com/watch?v=D12OU4Ybg6M Biodynamische Pflanzenzüchtung]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[https://www.youtube.com/watch?v=5Ux-_aFbiMM Biodynamische Pflanzenzüchtung]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|[https://www.youtube.com/watch?v=8mefXi91V-k Biodynamische Pflanzenzüchtung]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|[[Landwirtschaft im geschichtlichen Werden - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2021|Landwirtschaft im geschichtl.]] &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Landwirtschaft im geschichtlichen Werden - 2. Vortrag von Martin von Mackensen, 2021|Landwirtschaft im geschichtl.]] &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|2&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 2. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 3. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 4. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|5&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 5. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|6&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 6. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 7. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|8&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 8. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|9&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 9. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|10&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 10. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|11&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 11. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2022&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|12&lt;br /&gt;
|[[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 12. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022|Gesichtspunkte aus dem ...]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2023&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Das Prinzip Mitte ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2023&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Was ist ... Neue Gentechnik&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2023&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Göbekli Tepe&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Einblicke in den Dottenfelderhof&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Wintertagung Demeter ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Öko Weinbau ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der Landwirtschaftliche Kurs ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|LIEBE ZUR ERDE&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der Landwirtschaftlicher Kurs ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Rinder als Klimaproblem - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024|Rinder als Klimaproblem]] &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024|Die Verwirklichung des Willens ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic|Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic|Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 75%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2024&lt;br /&gt;
|[[Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Biografie Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic|Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 0%|0%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Menschen in der Landwirtschaft ===&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
!Jahr&lt;br /&gt;
!Artikel&lt;br /&gt;
!Bearbeiter&lt;br /&gt;
!Glossar&lt;br /&gt;
!Transkript&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Flavio - Menschen in der Landwirtschaft, 2018|Flavio - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 75%|75%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018|Alberto - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Pico und Florian - Menschen in der Landwirtschaft, 2018|Pico und Florian - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 75%|75%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2018&lt;br /&gt;
|[[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018|Moritz - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021|Stefan - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 25%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021|Therese - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 100%|100%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Geert Iserbyt - Les gens dans l&#039;agriculture, 2021|Geert Iserbyt - Les gens ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 75%|75%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|[[Maeve - Menschen in der Landwirtschaft, 2021|Maeve - Menschen in ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 25%|25%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2023&lt;br /&gt;
|[[Mia und Florian - Menschen in der Landwirtschaft, 2023|Mia und Florian - Menschen ...]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden|offen]]&lt;br /&gt;
|[[:Kategorie:Transkriptionsstufe 25%|25%]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer hat was transkribiert? ==&lt;br /&gt;
+++ Stand 26. November 2024 +++&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz herzlichen Dank an die Menschen, die hier Video- und Audio-Vorträge verschriftlicht haben. Hier bekommst du einen Einblick, wer welche Transkription gemacht hat. Noch sind die Namen nicht mit allen transkribierten Werken verknüpft, das nachgeholt wir in Kürze nach. Wenn du dich ebenfalls mit engagieren möchtest, auf der Seite [[MitTun bei biodyn.wiki|«MitTun» bei biodyn.wiki]] bekommst du einen Einblick in laufende und künftige Projekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Annamarie Laske|Transkribiert von Annamarie Laske]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Christian Frings|Transkribiert von Christian Frings]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Damian Bellè]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovic]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von François Hagdorn|Transkribiert von François Hagdorn]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Hans-Martin Aurich|Transkribiert von Hans-Martin Aurich]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Margherita Ehart|Transkribiert von Margherita Ehart]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Stefan Sylla]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Sibylle Roland|Transkribiert von Sibylle Roland]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Transkribiert von Unbekannt|Transkribiert von Unbekannt]]&lt;br /&gt;
* Bitte melden, falls wir euch übersehen haben ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Richtlinien für die einheitliche Textbearbeitung ==&lt;br /&gt;
bitte siehe nach bei [https://anthro.world/MitTun_bei_Anthro.World#Richtlinien_f%C3%BCr_die_einheitliche_Textbearbeitung MitTun im Anthro.World]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzbeispiele nach dem heutigen Stand der Dinge, 2. Nov 2024 ==&lt;br /&gt;
Beispiele für vollständige Transkriptionen mitsamt Glossaren auf biodny.wiki&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024|Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch]]&lt;br /&gt;
# [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022]]&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017|Manfred Klett - Biografie als Film]]&lt;br /&gt;
# [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018|Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner]]&lt;br /&gt;
# [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023]]&lt;br /&gt;
# [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vorgenannten Transkriptionen und Glossare fließen in das [[Gesamtglossar des biodyn.wiki|Gesamtglossar mit ein]] (im Aufbau).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar muss noch erstellt werden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 75%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 50%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 25%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 0%]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_des_biodyn.wiki&amp;diff=6538</id>
		<title>Gesamtglossar des biodyn.wiki</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_des_biodyn.wiki&amp;diff=6538"/>
		<updated>2024-12-03T18:35:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In dieses Gesamtglossar fließen die einzelnen Glossare aus Filmen und Vorträgen ein. Bisher sind folgende Werke berücksichtigt: Stand 20. Oktober 2024&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024]]&lt;br /&gt;
# [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022]]&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017]]&lt;br /&gt;
# [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023]]&lt;br /&gt;
# [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#top|Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024]]&lt;br /&gt;
Hier wird man neben lexikarischen landwirtschaftlichen Fachbegriffe auch Begriffe finden, welche den Wesenskern der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise beleuchten können. +++ Gerne kannst du bei der Glossararbeit [[MitTun bei biodyn.wiki|mitTun]] +++&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;A&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|A}}&amp;lt;big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÄQUILIBRIUM, KIESEL UND KALK&lt;br /&gt;
*… die Welt von &#039;&#039;&#039;Kalk und Kiesel&#039;&#039;&#039;. … ein labiles Gleichgewicht, … müssen uns eigentlich immer wieder unsere Böden angucken … könnte jetzt den ganzen Tag nur darüber sprechen, welche Maßnahmen, welche Möglichkeiten gibt es, um an diesem Gleichgewicht mit dem Mineralischen, mit dem Lebendigen, mit den Tieren, mit den Präparaten, daran ein bisschen zu arbeiten. … [im] biodynamischen Zusammenhang immer auch die Frage des &#039;&#039;&#039;Äquilibriums&#039;&#039;&#039; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Frage des Äquilibrium 0:33:01|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:33:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÄQUILIBRIUM, DRINNEN BEHALTEN - RAUS GEBEN&lt;br /&gt;
*… spezifisch biodynamisch … für jeden Hof neu zu findende Verhältnis zwischen drinnen behalten, Futter werden … und … verkaufbar raus. … wie viel verlässt den Betrieb und wie viel bleibt in dem Betrieb und wird … verwandelt, veredelt … und spielt eine große Rolle in Bezug auf die Düngung [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Dritter Aspekt: Verhältnis von drinnen behalten oder raus geben 0:08:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:08:54]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE&lt;br /&gt;
* Als Manfred Klett in den 50er Jahren zum Dottenfelderhof kam, lernte er auch die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; kennen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:12]]&lt;br /&gt;
* … ich bin eigentlich auf die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; gestoßen durch den Josef Beuys, den ich kennenlernte mit 15 […] Ich wusste von seiner Kunst nichts und ich lernte ihn als Mensch kennen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, BEWAHRHEITUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich lese oft &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; … versuche Beispiele im Leben zu finden … ich bin nicht ein Mensch, der etwas liest und denkt, das ist wahr … ich muss dann genauer nachprüfen, ob das so ist [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 9 - Welche Rolle spielt für dich die Anthroposophie in der Landwirtschaft? 0:09:18|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:09:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, WAHRHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [hier am Dottenfelderhof] … Auch über die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; oder andere anthroposophische Themen wird uns hier nahegebracht. Und auch da merke ich, da steckt so viel &#039;&#039;&#039;Wahrheit&#039;&#039;&#039; drin [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Anthroposophie - da steckt Wahrheit drin 0:23:22|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:22]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, ZUGANG&lt;br /&gt;
* Durch Ernst Becker, Graf Bothmer und Schaumann auf dem Dottenfelderhof fand Manfred Klett seinen &#039;&#039;&#039;Zugang&#039;&#039;&#039; zur &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039;: &amp;quot;… da ging mir also hier eine Welt auf, also ich hab&#039; gedacht, jetzt kann einen eigentlich nichts mehr halten. Das ist der Weg, auf dem man, im Grunde genommen, jedes Problem in Zukunft lösen kann.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mein Zugang zur Anthroposophie. Der Lesekreis 0:31:56|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:31:56]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEITEN I.S. VON ARBEITSMORAL&lt;br /&gt;
* Die Phase von 1946 bis 1957 war die letzte Blütezeit der abendländischen christlichen Landbaukultur, geprägt von kleinen, gemischten Betrieben und handwerklicher Landwirtschaft. Auf dem Dottenfelderhof gab es viele Flüchtlinge aus dem Osten. Manfred Klett: &amp;quot;Die waren handwerklich noch durch und durch präsent. Und die konnten &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039;! Das waren dann nicht 8-Stunden-Tage, sondern wenn mal Not am Mann war, dann hat man halt, bis es dunkel war, gearbeitet&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, NEUE SOZIALFORM&lt;br /&gt;
* Die biologisch-dynamischen Wirtschaftweise verlangt die Vielheit der diversifizierten Arbeitsbereiche zu bewältigen. Als Ideal wollte man die Lohnarbeit abschaffen und durch die Betriebsgemeinschaft als &#039;&#039;&#039;neue Sozialform&#039;&#039;&#039; ersetzen. Damit die Menschen aus den Erfordernissen der Aufgabenstellung &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, DURCHARBEITEN TAG UND NACHT&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Diese Kämpfe, diese Auseinandersetzungen und diese Armut, Geldknappheit, …&amp;quot; dennoch war es für Manfred Klett auf dem Dottenfelderhof &amp;quot;die schönste Zeit meines Lebens! Wochenende gab es nicht. Es wurde &#039;&#039;&#039;durchgearbeitet&#039;&#039;&#039;. Wochen durch, durch. Monate durch, Jahre durch - und vielfach &#039;&#039;&#039;Tag und Nacht&#039;&#039;&#039;. Man fragt sich manchmal, wann man überhaupt geschlafen hat&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, SINNVOLL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… da ist was, das habe ich vielleicht mein Leben lang gesucht … Und das hat mich letztlich dann auch in die Landwirtschaft geführt … da kann man eine Arbeit tun … da kann man ein Leben führen, das man ununterbrochen mit &#039;&#039;&#039;sinnvoller Arbeit&#039;&#039;&#039; füllt [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Mein Weg in die Landwirtschaft 0:03:06|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:03:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEITSBEREICHE, VIELFALT&lt;br /&gt;
* Die biologische-dynamische Wirtschaftsweise verlangt nach einer Diversifizierung der &#039;&#039;&#039;vielfältigen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Arbeitsbereiche&#039;&#039;&#039; wie Viehhaltung, Ackerbau, Gartenbau, Obstbau, Wiesenwirtschaft, Weidewirtschaft, Heckenbau und Gewässerwirtschaft, um die gesamte Landschaft abzubilden [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
ARZT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … der behandelnde &#039;&#039;&#039;Arzt&#039;&#039;&#039;, der Handelnde, der mit der Hand tätige Arzt, das ist eigentlich der Arzt […] mitnehmen, in einer Augenhöhenbeziehung [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Handlungswille des Arztes in guter Kommunikation mit den Therapeuten. Mediziner und Patient auf Augenhöhe durch Heiler-Wille 01:12:01|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:12:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ATHANOR&lt;br /&gt;
* … der ganze Verdauungstrakt … ist wie ein &#039;&#039;&#039;Athanor&#039;&#039;&#039;, ein alchimistischer Ofen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der Verdauungstrakt als alchemistischer Ofen 0:24:38|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:24:38]]&lt;br /&gt;
ATMOSPHÄRE [POSITIVE], SELBSTERKENNTNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer bin ich eigentlich? Warum bin ich hier? Was mache ich hier eigentlich? Was will ich wirklich so im Kern? … Und das braucht einfach einen Fokus. … Und in dieser Umgebung [mit gleichgesinnten Menschen am Dottenfelderhof] ist dieser Fokus sehr begünstigt [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Fragen zur Selbsterkenntnis 0:30:32|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:30:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;B&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|B}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;B&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÄUERLICHE KULTUR&lt;br /&gt;
* Noch in den 1950er Jahren konnte Manfred Klett auf dem Dottenfelderhof etwas erleben, was als Blüte der mittelalterlichen &#039;&#039;&#039;bäuerlichen Kultur&#039;&#039;&#039; bezeichnet werden kann | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:12]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BECKER, ERNST&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ernst Becker&#039;&#039;&#039;, ein visionärer Landwirt, hatte am Krieg teilgenommen und war schwer verwundet. Er entschied sich, Landwirtschaft zu studieren, nachdem er erkannte, dass weder Philosophie noch Atomphysik die Grundlagen für die menschliche Erkenntnis bieten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Das Triumvirat Becker, Bothmer und Schaumann ringt um die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise 0:29:02|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:29:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEGABUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER ORGANISMUS&lt;br /&gt;
*… je nachdem, welches Gestein im Untergrund ansteht … jeder Standort hat seine eigenen Böden … das schafft … die sogenannte … &#039;&#039;&#039;Begabung&#039;&#039;&#039; des &#039;&#039;&#039;landwirtschaftlichen Organismus&#039;&#039;&#039; … je nachdem, welches Gestein … zur Bodenentwicklung beigetragen hat [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Begabung des landwirtschaftlichen Organismus 0:14:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:14:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEGEISTERUNG&lt;br /&gt;
* Die Zeit des Lesekreises und das Studium der Anthroposophie (ca. im Jahr 1956) waren für Manfred Klett eine &#039;&#039;&#039;begeisterungsvolle&#039;&#039;&#039; Zeit, in der er den Weg sah, auf dem man jedes Problem in Zukunft lösen könnte [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mein Zugang zur Anthroposophie. Der Lesekreis 0:31:56|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:31:56]]&lt;br /&gt;
* Ich hatte keinerlei Bezug zur Welt um mich herum … Da gab es Geschichte mit tausend Jahreszahlen und irgendwelchen bedeutenden Personen, aber nie in &#039;&#039;&#039;begeisternder&#039;&#039;&#039; Art um mich herangeführt … ich habe sehr lange gebraucht, um zu merken, wie interessant die Welt eigentlich ist … habe ich plötzlich an einem Menschen gemerkt, dass man Dinge tun kann, weil man sie sinnvoll findet [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#In der Schule fehlte mir der Bezug zur Welt 0:00:33|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BETRIEBSGEMEINSCHAFT&lt;br /&gt;
* Nach 12 Jahren Aufbauarbeit gelang es der &#039;&#039;&#039;Betriebsgemeinschaft&#039;&#039;&#039; den Dottenfelderhof schuldenfrei zu machen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:58]]&lt;br /&gt;
* 1969 wurde am Dottenfelderhof eine neue Sozialform namens &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Betriebsgemeinschaft&#039;&#039;&#039;&amp;quot; entwickelt, um nicht mehr mit Lohnarbeitskräften zu arbeiten. Ideal war die selbstbestimmte Mitarbeit aus Motivation und Überzeugung an der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BERNHARD VON CLAIRVAUX&lt;br /&gt;
* Ein berühmter Spruch eines ihrer [Zisterzienser] großen Führer, &#039;&#039;&#039;Bernhard von Clairvaux&#039;&#039;&#039; [im Zusammenhang mit Bodenfruchtbarkeit]: &amp;quot;Ihr werdet größere Wunder erleben auf dem Felsen als aus den Büchern der Christenheit. Ihr werdet sehen, wie aus dem Felsen Öl und Honig zu gewinnen ist.&amp;quot; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEWEIS VERSUS GEWISSHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich brauche nicht zu &#039;&#039;&#039;beweisen&#039;&#039;&#039;, dass meine Arbeit gut gemacht wird. Ich arbeite, weil ich das liebe! Und wenn ich &#039;&#039;&#039;weiß&#039;&#039;&#039;, dass es richtig ist, dann tue ichs [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Trailer 0:00:00|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BILDENDES PRINZIP&lt;br /&gt;
*… ich merke also, da drückt sich etwas aus in dieser Pflanze … sie will etwas zeigen, sie will etwas offenbaren … wir können es noch lange nicht verstehen, was da als &#039;&#039;&#039;bildendes Prinzip&#039;&#039;&#039; im Löwenzahn wirksam ist. Also wenn man sich konzentriert auf einen Gedanken und das ist eine Übung, die verlangt Wille, da müssen Sie den Willen ins Denken schicken, sonst passiert nichts [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE WIRTSCHAFTSWEISE, BEGINN&lt;br /&gt;
*… Da fängt … die &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Wirtschaftsweise&#039;&#039;&#039; an, dass man sich mal solchen Gedanken [z.B. dass im Winterprozess die Erde ein Denken hat] hingibt. Dass man sich versucht, wirklich mal erkennend, fühlend, wollend, so in die Natur zusammen hineinfühlt, dass man das erlebt, was da draußen ist und was korrespondiert zum eigenen menschlichen Innern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise 0:26:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:26:41]]&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE LANDWIRTSCHAFT, ZUKUNFTSPOTENTIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… dass der Ansatz der &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamischen Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; da einen sehr interessanten und … zentralen Beitrag leisten kann … wie wir mit der Erde in &#039;&#039;&#039;Zukunft&#039;&#039;&#039; umgehen wollen … dass wir in irgendeiner Form auch schaffen, diese krasse Abtrennung von der Natur … in eine tiefere Beziehung transformieren [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Mein Beitrag für die Zukunftsgestaltung 0:31:48|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:31:48]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN ABSCHLEPPEN&lt;br /&gt;
* [Bodenbearbeitungsmöglichkeit im Frühjahr zur Pflege der Krümelstruktur] … gibt es einen Bodenbearbeitungs-Vorgang … das ist sogenannte &#039;&#039;&#039;Abschleppen&#039;&#039;&#039; … hat man das Strauchwerk über die Äcker gezogen … ebnet dadurch den Acker ein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen des Bodens 0:40:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:40:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN ABSCHLEPPEN MIT PFERD&lt;br /&gt;
*… das klassische Zugelement war immer schon … das &#039;&#039;&#039;Pferd&#039;&#039;&#039; gewesen … Mit dem Pferd kann man eben &#039;&#039;&#039;abschleppen&#039;&#039;&#039; … mit dem Pferdehuf … 14 Tage früher auf den Acker … Aber das Pferd hinterlässt dann mit seinen vier Hufen … Druckspuren in den Äckern … diese Druckspuren … werden mikrobiell … bei einem aktiven Boden … zurückgebildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, BEATMUNG&lt;br /&gt;
* [der Abbauch der Bodenfruchtbarkeit zugunsten des Pflanzenwachstum muss vom Landwirt aktiv unterstützt werden]. Jeder Regen im Frühjahr löst aus, dass eine leise Verschlemmung der obersten Kruste entsteht … muss ich deswegen den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; offenhalten im Frühjahr … den Abbau unterstützen … durch die Frühjahrs-Bodenbearbeitung … das Hauptinstrument ist der Striegel … dazu dienen … die Kruste oben zu brechen … dass das schwere Kohlendioxid … aus den Bodenporen heraus gesaugt wird … andererseits Sauerstoff in den Boden reinkommt … dass der Boden entlüften kann, was eigentlich vergiftend wirkt … und umgekehrt Sauerstoff einatmen kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, BRÜCKEN VON KRÜMEL ZU KRÜMEL&lt;br /&gt;
* [Frühjahresprozess] … dass hier plötzlich &#039;&#039;&#039;Brücken&#039;&#039;&#039; entstehen, &#039;&#039;&#039;von Krümel zu Krümel&#039;&#039;&#039; … Bakterienkolonien, die sich binnen kürzester Frist ausbilden … Und hinterlassen … eine Pore …. diese Pore ist dann ausgekleidet mit diesen amorphen Substanzen wie Kieselsäure… und Aluminium-Hydroxid, so hier außen rum. Und diese Pore ist lufterfüllt und wenn es regnet auch mal kurz wassererfüllt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, FRÜHJAHRSPROZESS, ERDE, WASSER, LUFT UND WÄRME&lt;br /&gt;
* [Krümelverbindungen mit Frostgare] … Es entstehen Bedingungen, wo sich jetzt &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;Wasser&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; durchdringen … Das ist der &#039;&#039;&#039;Frühjahrsprozess&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, FRÜHJAHRESPROZESS&lt;br /&gt;
*… ein unendlich geheimnisvoller Prozess, der da unter der Erde sich abspielt … ein Abbauprozess des Humus [ein Verwitterungsvorgang durch Ausscheidung von Säuren durch Mikroben. Folglich Freisetzung von Stickstoff, Phosphorsäure usw.]  … das ist ein Verlust [von Humus] und zwar ein beträchtlicher Verlust … es wird ein Gewinn, weil das sich sofort umsetzt in die Entwicklung der Pflanze über der Erde … der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; verliert an Humusgehalt … wenn das nicht funktioniert … dann kann man mehr Humus verlieren, als man gewonnen hat [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, ATMUNG&lt;br /&gt;
*… den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; offenhalten im Frühjahr … die Kruste brechen … das Hauptinstrument ist der Striegel … die leichte Egge … die Hacke bei den Hackfrüchten oder im Feldgemüsebau … Instrumente, die dazu dienen … die Kruste oben zu brechen … dass das schwere Kohlendioxid … aus den Bodenporen heraus gesaugt wird … Sauerstoff in den Boden reinkommt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, GEDULD&lt;br /&gt;
*… da muss man &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;, Geduld, Geduld üben und genauestens beobachten … Es ist jedes Frühjahr eine Verführung … dass man zu früh … Entschlüsse fasst und dann raus fährt und will schon die Saat in den Boden bringen … da muss man Geduld … üben [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ruhe im Winter - Geduld im Frühjahr 0:33:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:33:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, MOTOREN VIBRATION&lt;br /&gt;
*… diese Antriebstechnik durch den Kolben Rhythmus … erzeugt Schwingungen und durch diese Schwingungen wird diese Verschmierung bzw. die Verdichtung in den Böden noch einmal verstärkt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, NETSTRIEGEL&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Netzstriegel&#039;&#039;&#039; … ist unübertroffen … das ist einfach ein Netz von Metall … an jedem Kreuzungspunkt … ein senkrechter Zinken, etwas beweglich gestaltet, nicht steif wie bei der Egge … kann sich jeder Bodenunebenheit angliedern … das beste Instrument vom Striegeln … sehr früh … über die Kruste fahren … [damit] die Möhren die Kraft haben, den Boden, die Bodenkruste zu durchstoßen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Netzstriegel - Striegelbearbeitung - Hautbearbeitung 1:25:37|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:25:37]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, NACHTEIL KREISELEGGE MIT SÄMASCHINE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kreiselegge&#039;&#039;&#039; kombiniere mit der &#039;&#039;&#039;Sämaschine&#039;&#039;&#039;, das ist eine reine Katastrophe … das zu kombinieren erzeugt Unkrautwuchs … die Kreiselegge … trocknet den Boden aus. Aber das bedeutet, dass ich noch mal ein … ein Keimbett für die Unkräuter [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:44:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, PFERD&lt;br /&gt;
* [Da der Schlepper den Winter/Frühjahesboden verdichten würde, aber die Einebnung der Einebnung nicht warten kann, da das Unkraut aufgehen soll] Also eigentlich bräuchten wir im &#039;&#039;&#039;Übergang vom Winter zum Frühjahr&#039;&#039;&#039; bräuchten wir das &#039;&#039;&#039;Pferd&#039;&#039;&#039;, um rechtzeitig genug draußen zu sein, … mit einer schönen, einfachen Schlepper, die man sich selber bauen kann und ebnet das Feld ein und regt, wenn es schon eingeebnet ist, dann rührt man es ein klein wenig auf, zwei Zentimeter, drei Zentimeter und schon wächst das Unkraut [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, SCHLUPF&lt;br /&gt;
*… der Schlepperreifen … im Drehen fährt der Schlepper immer ein Stückchen weiter … da entsteht der sogenannte &#039;&#039;&#039;Schlupf&#039;&#039;&#039; … Das ist die Vorwärtsbewegung, gegen den Widerstand … der Reifen schlüpft ein klein wenig durch und erzeugt dann ganz feine Schleif-/ beziehungsweise er verschmiert den Acker [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, SOLENBILDUNG&lt;br /&gt;
*… der Reifen schlüpft ein klein wenig durch und erzeugt dann ganz feine Schleif-/beziehungsweise er verschmiert den Acker … Wenn er zu feucht ist, gibt es Schmierspuren. Man nennt es dann später … eine sogenannte &#039;&#039;&#039;Solenbildung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, PFLUGSOLE&lt;br /&gt;
*… Man nennt es dann später also eine sogenannte Solenbildung … Die &#039;&#039;&#039;Pflugsohle&#039;&#039;&#039; ist schlepperverursacht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ERNÄHRUNG DURCH WURZELNAUSSCHEIDUNGEN&lt;br /&gt;
*… durch diese &#039;&#039;&#039;Wurzelausscheidungen&#039;&#039;&#039; … ernährt die Pflanze den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … Es ist genau umgekehrt, als man es heute denkt, in der Pflanzen&#039;&#039;&#039;ernährung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Pflanze ernährt den Boden 1:09:38|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:09:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ERWÄRMUNG IM FRÜHJAHR&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … wird nur warm dadurch, dass die Luft in ihn eindringt … der Sandboden zieht die Luft sehr schnell ein, weil viel von dem Bodenwasser abdrainiert nach unten … im Sandboden … geht das sehr viel schneller … im Tonboden … bleibt so lange kalt, als das Wasser im Boden ist … das Wasser hat … eine enorm hohe Wärmekapazität … es braucht sehr viel Sonnenwärme, ehe sich das Wasser um ein Grad Celsius erwärmt hat … im Tonboden &#039;&#039;&#039;erwärmt&#039;&#039;&#039; es sich einfach nicht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG IM JAHRESLAUF&lt;br /&gt;
* [Die] Bodenentwicklung … geht ja parallel dem Pflanzenwachstum … man kann die gar nicht unabhängig denken von dem, was … im Verlaufe des Vegetationsjahres entwickelt an Pflanzennatur … Entwicklung heißt ja immer, in der Zeit denken … was sind die besonderen Winterprozesse, was sind die Frühjahrsprozesse im Boden, die Sommer-, die Herbstprozesse … die begleiten wir ja, durch Bodenbearbeitung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:00:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, RHYTHMISCHER PROZESS&lt;br /&gt;
*… die kolloidalen Substanzen … sind wasseraufnahmefähig und immer wieder Wasser abgeben können … Es ist wie ein &#039;&#039;&#039;rhythmischer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Prozess&#039;&#039;&#039; … wenn es trocken wird, geben die Wasser ab … wenn es feucht wird, nehmen sie es wieder auf … Das atmet quasi in diesen Poren, diese Hydrathüllen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Förderung der Unkrautkeimung und der Lebendverbauung 0:41:47|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:41:47]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN VERDICHTUNG&lt;br /&gt;
*… Wenn man zu früh drauffährt [z.B. wenn man den krümeligen &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; abschleppen möchte - auch um das Unkraut gezielt aufgehen zu lassen, bevor die Saat eingebracht wird]. Die [&#039;&#039;&#039;Verdichtungen&#039;&#039;&#039;] bilden sich nicht mehr zurück. Auch mikrobiell findet da nichts mehr statt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIODYNAMISCHE LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* …die Pflanzen…oder die Elementarwelt um die Pflanzen herum so…stimulieren, dass die Pflanzen…in die Fähigkeit kommen, mehr von diesem Kosmischen aufzunehmen und…mehr Lebenskräfte aufzunehmen und aus sich heraus zu wachsen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Biologisch-dynamische Landwirtschaft 0:09:41|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:09:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE&lt;br /&gt;
* Manfred Klett gibt im Rahmen seiner Videobotschaft an die niederländischen Biodynamiker Einblicke in seine &#039;&#039;&#039;Biografie&#039;&#039;&#039; um herzuleiten, wie es zum schreiben seines Buchs &amp;quot;Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst&amp;quot; gekommen war | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Einblicke in meine Biografie 0:01:39|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE, AUFLEUCHTEN BEI DEN ZUHÖRERN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett schlägt vor aus der eigenen &#039;&#039;&#039;Biografie&#039;&#039;&#039; zu erzählen und stellt in den Raum, dass dadurch &#039;&#039;&#039;bei den Zuhörern&#039;&#039;&#039; etwas aus der eigenen Biografie &#039;&#039;&#039;aufleuchten&#039;&#039;&#039; kann [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Einleitende Worte 0:00:27|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:00:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE, ROTER FADEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Da gibt&#039;s einen inneren &#039;&#039;&#039;Roten Faden&#039;&#039;&#039;, der ist absolut konsistent. Und dieser Rote Faden bin ICH. … Und so empfinde ich ja eigentlich auch meinen eigenen Werdegang … Dass alle Widerstände, … alle Leiderfahrungen, … , das musste, musste so sein, dass man überhaupt aufwacht zu dem, was Sache ist, was die Aufgabe ist, die man im Leben zu erfüllen hat.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE BEWEGUNG, ZENTRUM&lt;br /&gt;
* Manfred Klett entschied sich 1956 seine Lehre auf dem Dottenfelderhof zu absolvieren. Der Dottenfelderhof sollte sich zu einem &#039;&#039;&#039;Zentrum&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamischen Bewegung&#039;&#039;&#039; in Deutschland entwickeln [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Winter 1956: Erste Begegnung Ernst Becker auf dem Dottenfelderhof 0:26:49|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:26:49]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN&lt;br /&gt;
* Der Umgang mit dem Boden, dem Organ, ist im Zentrum der Landwirtschaft überhaupt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
* Und jetzt ist die Frage, was spielen sich eigentlich für Prozesse ab, dass es möglich ist, dass an dieser Grenze zwischen dem Wässrigen und Festen der Erde, der Elemente des Erdigen, Festen und des Wässrigen und Luft und Wärme, an dieser Grenze, wo die sich alle berühren, der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; entsteht? [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ALTERUNG&lt;br /&gt;
*… eine Verwitterungsstufe … führt zu einem Altwerden des Bodens … Diese juvenilen Standorte … werden durch die Verwitterung älter … Stoffe werden frei … Ton-Bildung findet statt … basische Bestandteile wie Calcium und Magnesium und Kalium … werden ausgewaschen … der Boden entwickelt sich … und zeigt eine stärkere Horizontierung … das ist das &#039;&#039;&#039;Altwerden des Bodens&#039;&#039;&#039; … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENFRUCHTBARKEITSENTWICKLUNG&lt;br /&gt;
*… ein Herzstück von &#039;&#039;&#039;Bodenfruchtbarkeitsentwicklung&#039;&#039;&#039; [Weil es die Seele, weil es die innere Zuwendung des Tieres braucht dafür] … was man gar nicht groß genug schätzen kann … Wir können das auch nicht mit der tollsten Maschine [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, HAUT&lt;br /&gt;
* .. eine hauchdünne &#039;&#039;&#039;Haut&#039;&#039;&#039; über die Erde, wo alles heraussprießt … eigentlich so gut wie ein Nichts … Nach unten setzt sich dann sofort das Gestein fort … Nach oben ist eine Riesenatmosphäre … Aber da ist nur eine &#039;&#039;&#039;Haut&#039;&#039;&#039; dazwischen und die nennen wir &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, DEGRADATION&lt;br /&gt;
* Der Boden degradiert … Er wird alt … Diese Schichten … sind … Auswaschungsschichten … stärker verarmt … Verwitterung so weit fortgeschritten … vieles an basischen Stoffen wie Kalk und Magnesium und Natrium, also Natrium ist ja ziemlich uninteressant, aber Kalium, …  nicht mehr verfügen [Beispiel Waldböden] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Kultivierung der Böden - warum? 0:19:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:19:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, JUVENIL&lt;br /&gt;
*… juveniler Boden … heißt also jung, noch sozusagen verwitterungsfrisch und voll eben belebt [warum man einen Boden nicht der Natur (Naturschutzgebiete o.ä.) überlassen sollte. Weil juvenile Böden (aktive) Ackerbauböden sind, nicht Waldböden u.ä.] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Kultivierung der Böden - warum? 0:19:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:19:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, HORIZONTIERUNG&lt;br /&gt;
*… das hat jetzt zu einer bestimmten Horizontierung unserer &#039;&#039;&#039;Böden&#039;&#039;&#039; geführt … wenn Sie … den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; aufgraben … je nachdem, welchen Horizont man jetzt durchstößt … der Boden ist von oben nach unten verwittert … man rechnet heute zum &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; alles das, was verwittert ist … darunter ist das anstehende Gestein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN-PROFIL&lt;br /&gt;
*… wenn Sie dann so ein Loch graben … und … reinsteigen können in die Grube … Da können Sie … das &#039;&#039;&#039;Profil&#039;&#039;&#039; mal betrachten … dass da verschiedene Horizontierungen festzustellen sind … je stärker diese Schichten hervortreten, desto älter ist der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … je weniger diese Horizontierungen sind, desto jünger … desto fruchtbarer ist er [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Festellung verschiedener Horizontierungen 0:18:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:18:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG, AUSGANGSPUNKT&lt;br /&gt;
*… das ist der &#039;&#039;&#039;Ausgangspunkt&#039;&#039;&#039; der ganzen &#039;&#039;&#039;Bodenentwicklung&#039;&#039;&#039; … seit den letzten Eiszeiten … die große Eisbedeckung in Europa … das Eis hat sich zurückgezogen … und dadurch begann die Bodenentwicklung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG VON JAHR ZU JAHR&lt;br /&gt;
* Was jetzt hier und jetzt aktuell möglich ist an &#039;&#039;&#039;Bodenentwicklung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;von Jahr zu Jahr&#039;&#039;&#039; … nimmt einen Anfang im Winter und setzt sich fort über das Frühjahr, dann über den Sommer zum Herbst hin … dann stirbt etwas und was Neues entwickelt sich im nächsten Jahr … das muss man kennen … die Prozesse, die sich im Jahreslauf abspielen … und wie wir sie durch Bearbeitung des Bodens [fördern, hemmen und] steuern können [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenentwicklung von Jahr zu Jahr 0:35:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:35:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, A-HORIZONT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;A-Horizont&#039;&#039;&#039; … ist … die oberste Auflage, die fruchtbare, meistens also Humus [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, A-C-HORIZONT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;A-C-Horizont&#039;&#039;&#039; … [wenn] nur der A-Horizont ausgebildet und der C-Horizont, dazwischen ist nichts … das ist meistens auf Kalkstandorten der Fall [dann spricht man von einem Rendzina]… da bildet sich ein sehr schöner Mull-Humus-Horizont … aber nur so flachgründig. [man spricht von Ranker] … wenn da oben mehr Kieseliges ist … stark Quarz … saures Material, was schwer verwittert … dann bildet sich ein Ranker … das ist auch ein A-C-Boden … eine sehr junge, sehr langsame, gehemmte Verwitterung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#A-C-Böden: Rendzina, Ranker 0:23:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:23:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, B-HORIZONT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;B-Horizonte&#039;&#039;&#039; … bezeichnen die Verlehmungshorizonte, also wo Tonbildung, fortschreitende Tonbildung stattfindet … man kann sie ganz stark differenzieren [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, C-HORIZONT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;C-Horizonte&#039;&#039;&#039; … der C-Horizont … das unverwitterte Gestein … die Kalklösungsfront … die Grenze zu einem Untergrund … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENTYPEN&lt;br /&gt;
*… je nachdem, welches Gestein im Untergrund ansteht, sind die Böden verschieden. Auf einem Granit entsteht ein anderer Boden, aus einer Granit-Verwitterung ein anderer Boden als Basalt-Verwitterung … auf Lockergestein wie Löss oder sonstigen Kieselablagerungen oder … Schiefergesteinen … . Also jeder Standort hat seine eigenen Böden. Der Dottenfelderhof hat mindestens sechs, sieben &#039;&#039;&#039;verschiedene Bodentypen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Begabung des landwirtschaftlichen Organismus 0:14:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, UR-PERSISCHE-KULTUR&lt;br /&gt;
*… Seit der &#039;&#039;&#039;ur-persischen Kultur&#039;&#039;&#039;, so im achten vorchristlichen Jahrtausend, gibt es &#039;&#039;&#039;Bodenbearbeitung&#039;&#039;&#039; … Da hat man angefangen, eben den Boden zu ritzen, noch nicht zu pflügen, … Meistens waren es sogar Holzpflüge [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRAUNERDE&lt;br /&gt;
* die Rendzina [A-C-Horizont mit hohem Kalkvorkommen] entwickelt sich zu Para-Braunerde … und hier zu &#039;&#039;&#039;Braunerde&#039;&#039;&#039; … entsteht ein A-B-C-Horizont … der Bt-Horizont … das ist also der Tonhorizont [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;C&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|C}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;C&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Steiner an dieser Stelle kosmische Ernährung nennt […] veränderte, verwandelte Substanz, die durch den &#039;&#039;&#039;Christusimpuls&#039;&#039;&#039; wirklich real sich verändert hat. Und das passiert in Ihnen alltäglich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:49:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRONOBIOLOGIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Chronobiologie&#039;&#039;&#039;, Anfänge waren in den 1960er, -70er Jahren, ist eine eigene wissenschaftlicher Disziplin innerhalb der Biologie. Untersucht werden Rhythmen bei Mensch, Tier, Pflanze und Boden und erforscht werden Vorkommen und Zusammenhänge [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
COMPUTERARBEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ja und das war auch in Laos … zum ersten Mal wieder das Gefühl hatte, ich will mehr mit Erde zu tun haben. Ich will wieder mehr draußen sein, weil … ich auch beruflich einfach sehr, sehr viel vor dem &#039;&#039;&#039;Computer&#039;&#039;&#039; saß [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Rückkehr zur Gärtnerei 0:04:50|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:04:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;D&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|D}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;D&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN&lt;br /&gt;
*… wenn man denkt, wirklich denkt … &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; bedeutet, dass man sich von innen, durch innere Anstrengung was aussprechen lässt, im Gedanken … Dass der Gewicht hat … dass der ein wesenhaftes Gebilde ist, mit dem ich da umgehe … man muss sich anstrengen, um einen Gedanken … so denkt, dass man sich mit diesem Inhalt des Gedankens innerlich verbindet, dass er zum Erlebnis wird [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
*… die Form der Pflanzen, … das stärkt das &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. Die Formen der Tiere, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
*&#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; an. Das ist die neue Qualität des Willens&#039;&#039; [Joseph Beuys] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, DIGITALE WELT&lt;br /&gt;
*… das &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; verschwindet immer mehr aus der Welt … Je &#039;&#039;&#039;digitaler&#039;&#039;&#039; die &#039;&#039;&#039;Welt&#039;&#039;&#039; wird, desto mehr verschwindet das menschliche Denken … Heute delegiert man alles an den Computer … Man möchte sich von außen die Sachen sagen lassen, gar nicht mehr von innen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN (GEDANKLICHES), GESETZESCHARAKTER&lt;br /&gt;
*… alles &#039;&#039;&#039;Gedankliche&#039;&#039;&#039; hat diesen &#039;&#039;&#039;Gesetzescharakter&#039;&#039;&#039; … Es ist wesenhaft … Es ist nicht nur ein Nomen … Zum Beispiel … das Gesetz des Pythagoras … Man lebte früher intuitiv in diesen Gesetzen, in diesen Gedanken drin … es muss wirklich zum inneren Erlebnis werden … dass Gedanken gelebt, erlebt werden können [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Alles Gedankliche hat Gesetzescharakter 0:19:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:19:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN IM TUN&lt;br /&gt;
*… andere mögen anderer Auffassung sein … wenn es um die Bodenbearbeitung geht. Es ist eigentlich, ich würde mal sagen, mehr ein Herumirren als ein wirklich sicheres Handhaben … Jeder hat so seine eigenen Theorien. Er geht aber nicht auf die Prozesse ein…. Gerade der Landwirt, der muss &#039;&#039;&#039;denken&#039;&#039;&#039; lernen in der Arbeit … im &#039;&#039;&#039;Tun&#039;&#039;&#039; selber muss er ganz wach sein … und dann kommt man mit ganz einfachen Maschinen auch hin [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Denken lernen im Tun 0:58:23|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:58:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN (GEDANKEN), INHALT WIRD ERLEBNIS&lt;br /&gt;
*… man muss sich anstrengen, um einen &#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; … so zu denken, dass man sich mit diesem &#039;&#039;&#039;Inhalt&#039;&#039;&#039; des Gedankens innerlich verbindet, dass er zum &#039;&#039;&#039;Erlebnis&#039;&#039;&#039; wird [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, KRISTALLBILDUNG&lt;br /&gt;
*… das Eigenartige ist … dass die Epiphyse sich mit Kriställchen füllt, feinen organischen Kriställchen … wenn man denkt … es findet also bei jeder Gedankenbildung ein &#039;&#039;&#039;Kristallisationsvorgang&#039;&#039;&#039; statt … Und wenn die Gedanken in Vergessenheit geraten … dann löst sich das im Gehirnwasser wieder auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke - Kriställchen im Gehirn 0:22:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:22:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, LEBENSPROZESSE ZURÜCKDRÄNGEN&lt;br /&gt;
*… [Kontext: Winterprozess] [wenn ich mit meinem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; etwas verstehen will] da muss ich erst mal zur Ruhe kommen, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der Winterszeit. Ich muss selber in mir einen Zustand herstellen, dass ich mich wirklich konzentrieren kann auf einen bestimmten Sachverhalt, den ich jetzt durchschauen will, durchdenken will. … ich muss die &#039;&#039;&#039;Lebensprozesse&#039;&#039;&#039; in mir &#039;&#039;&#039;zurückdrängen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, WILLEN INS DENKEN SCHICKEN&lt;br /&gt;
*… wenn man sich konzentriert auf einen Gedanken … das ist eine Übung, die verlangt Wille … da müssen Sie den &#039;&#039;&#039;Willen&#039;&#039;&#039; ins &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;schicken&#039;&#039;&#039;, sonst passiert nichts … Sonst irrlichterlieren die Gedanken irgendwie durch die Gegend … Sie müssen den festhalten … Sie müssen sich wirklich konzentrieren … das ist quasi eine Übung, die man selber machen muss als Mensch, wenn man sich tiefer mit einer Sache verbinden will [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, RÄUMLICH UND ZEITLICH&lt;br /&gt;
* Bei der Betrachtung des richtigen Lebenszusammenhangs spielt es eine große Rolle, dass wir nicht nur &#039;&#039;&#039;räumlich&#039;&#039;&#039; (z.B. Beziehung der Kompaßnadel zum Erdmagnetfeld), sondern auch &#039;&#039;&#039;zeitlich&#039;&#039;&#039; (die Welt von heute ist anders als vor 1.000 Jahren) denken [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIENST, SICH FÜR ETWAS IN DEN DIENST STELLEN&lt;br /&gt;
* Die Beobachtung, dass ehemals blühende Kulturen am Chabur in Syrien zu Wüsten wurden, inspirierte Manfred Klett schleunigst nach Europa zurück zu kehren, und Landwirt zu werden. Um der Gefahr der Wüstenbildung in Europa entgegenzuwirken [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mitarbeit bei Ausgrabungen. Wüste in blühende Kulturen wandeln- mein Motiv für die Landwirtschaft 0:22:09|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:22:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DORNACH&lt;br /&gt;
* Nach 20 Jahren Aufbauarbeit am Dottenfelderhof folgte Manfred Klett dem Ruf ans [[a:Goetheanum|Goetheanum]] nach &#039;&#039;&#039;Dornach&#039;&#039;&#039; und trat dort die Stelle als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion an | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Meine Tätigkeit als Sektionsleiter der Landwirtschaft in Dornach 0:05:03|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:05:03]]&lt;br /&gt;
DURCHHALTEN, AUSBILDUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich bin im zweiten Lehrjahr, habe schon zwei Jahre geschafft und muss noch zwei Jahre &#039;&#039;&#039;durchhalten&#039;&#039;&#039;. Das klingt bescheuert, aber es ist keine leichte Zeit [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Ausbildung und der Weg zur Verwirklichung 0:01:28|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:01:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGER&lt;br /&gt;
*… Futter wird … ziemlich schnell zu Dünger … Der Mist entsteht täglich, brauchen tue ich den ein oder zweimal im Jahr. … Alles mit dem Düngen hängt zusammen mit einer Kulturmaßnahme des Erhaltens, des Pflegens, des Lagerns … diese Kulturtat, den täglich anfallenden Mist zu &#039;&#039;&#039;Dünger&#039;&#039;&#039; zu machen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Vierter Aspekt: Düngerpflege 0:10:41|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:10:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG&lt;br /&gt;
* Aus dem Organismusgedanken wird im 2. Teil des Buches von Manfred Klett gegenübergestellt der Humus als &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; (von der Natur produziert) und der Dünger von den Tieren | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Teil 2 des Buches 0:14:28|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:14:28]]&lt;br /&gt;
* Die zweite Komponente der &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; (neben dem Humus und dem Dünger von den Tieren) aus dem Geist des Menschen, sind die biologisch-dynamischen Präparate | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die geistige Komponente der Düngung: Die Präparate 0:15:35|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:15:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG MIT STICKSTOFF&lt;br /&gt;
*… Durch die Stickstoffdüngung … wird gerade dieser Prozess [die selbstgesteuerte Eigenernährung der Pflanze] gehemmt … der Aufbau dessen, dass sich hier um die Wurzeln herum eine Rhizosphäre entwickelt von Symbiosen … die Mikroben des Bodens … werden … heranziehen an die Wurzel … von der Wurzel ernährt … die bauen … den Humus ab … ätzen die Mineralien an … Stickstoff … freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG, HISTORIE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; ist das Allerjüngste … in vorchristlichen Zeiten … die großen Hochkulturen … gedüngt, aber mit Wasser … durch die Überschwemmungen und durch die Sedimentation … Aber eine &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; in dem Sinne, wie wir es verstehen … das ist erst eine Entwicklung … auf die Kelten zurückgeht … die Kelten waren die Ersten, die angefangen hatten, mit Tonen zu düngen … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Düngung 0:05:28|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:05:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGERVERSUCH&lt;br /&gt;
*… in England einen Versuch … im 19. Jahrhundert angelegt … ewiger Roggenbau … hat man nach 20 Jahren noch den Unterschied dieser Parzellen gesehen … in der Bodenstruktur ein Unterschied … unglaublich lange Nachwirkung dieser seelischen Tätigkeit des Tieres | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:46:06&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|E}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;E&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EGGEN-STRICH&lt;br /&gt;
*… die nächste Maßnahme [nach dem Auflaufenlassen der ersten Unkrautkeimung in weißen Fäden] wäre jetzt dann im Frühjahr, dass er einen &#039;&#039;&#039;Eggen-Strich&#039;&#039;&#039; über den Acker zieht … mit der Krümelwalze … ich halte dieses Gerät immer noch für das Allerbeste für die biologisch-dynamische Landwirtschaft … nicht tiefer als drei Zentimeter … dahinter läuft die Krümelwalze und drückt ein bisschen an … dann lässt man das noch mal ein bisschen ruhen … und dann kommt die Sämaschine [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Eggen-Strich mit Krümelwalze - danach die Sämaschine 0:53:57|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:53:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ELEMENTARKRÄFTE&lt;br /&gt;
* Die Elementarwelt sind die Kräfte, die…das Wachstum überhaupt ermöglichen, nicht nur in den Pflanzen, sondern auch im Menschen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Abnahme der Vitalkräfte 0:17:23|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:17:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNG DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
*… die Zisterzienser … waren Motoren … der &#039;&#039;&#039;Entwicklung&#039;&#039;&#039; der Landwirtschaft … indem sie unfruchtbare Standorte [innerhalb weniger Jahrzehnte] fruchtbar gemacht haben … [und] … die restlichen umgebenden Kultur darauf geschaut hat und ihre Innovationen in Bezug auf die Landwirtschaft abgekupfert hat [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNG EINES STANDORTS&lt;br /&gt;
* [Für die Weiter&#039;&#039;&#039;entwicklung eines Standortes&#039;&#039;&#039; braucht es …] … die Seele … des Tieres … ein Wesen total im Hier und Jetzt [welches sich] mit dem, was an Kräften war, als diese Pflanzen gewachsen sind und mit dem, was als Kräften möglich ist, die es seinem Verdauungsgut mit aufprägt für die Zukunft. Dieses innere Anschauen von dem, was man da eigentlich verdaut und dem ein Stempel, eine Prägung aufzudrücken, was es braucht, damit der Standort sich weiterentwickelt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNGSGEDANKE&lt;br /&gt;
* Für Manfred Klett ist der &#039;&#039;&#039;Entwicklungsgedanke&#039;&#039;&#039; das wichtigste in der Landwirtschaft, weil der Mensch als einziges Wesen fähig ist, sich aus sich heraus zu entwickeln. Hingegen Pflanzen oder Tiere vermögen dessen nicht - deren Naturreiche sind abgeschlossen, fertig | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Der Entwicklungsgedanke 0:08:34|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:08:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNGSRICHTSCHNUR&lt;br /&gt;
* Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise kann als eine Fortsetzung der &#039;&#039;&#039;Entwicklungsrichtschnur&#039;&#039;&#039; für die Kulturpflanzen und die Haustierheit begriffen werden | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise als Fortsetzung der Kulturentwicklung begreifen 0:12:38|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:12:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EPIPHYSE, DENKEN&lt;br /&gt;
*… das Eigenartige ist, dass man beobachtet hat, dass die &#039;&#039;&#039;Epiphyse&#039;&#039;&#039; sich mit Kriställchen füllt … wenn man denkt … es findet also bei jeder &#039;&#039;&#039;Gedankenbildung&#039;&#039;&#039; ein Kristallisationsvorgang statt … Bei der Epiphyse hat man … bis zum heutigen Tag gerätselt, was da sich eigentlich abspielt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke - Kriställchen im Gehirn 0:22:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:22:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERDE, EIGENBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
*… Im Winter … denkt sich die &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; selber … Die Erde entwickelt sozusagen eine Art &#039;&#039;&#039;Eigenbewusstsein&#039;&#039;&#039; während der Winterszeit. … Und das lässt … erleben, wenn man sich mal dem exponiert, … Dann dämmert einem das, dass da ein Verwandtschafts-Gefühl entsteht zwischen dem eigenen Menschsein und dem, was sich da makrokosmisch, sich um einen herum ausbreitet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERDE, KORRESPONDENZ MIT STERNENHIMMEL&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Sternenhimmel&#039;&#039;&#039; [in eiskalten Winternächten] … tritt mit der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; in eine Beziehung … das Gefühl … dass da eine Relation ist … dass das nicht irgendwo da oben ist und hier unten ist die Erde … sondern dass das irgendwie in einer &#039;&#039;&#039;Korrespondenz&#039;&#039;&#039; steht … dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERFAHRUNGEN, KINDER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stell dir vor, als &#039;&#039;&#039;Kinder&#039;&#039;&#039; wärt ihr in eine Schule gegangen, in der ihr einem Esel das alte Winterfell rausbürsten dürftet … Solche &#039;&#039;&#039;Erfahrungen&#039;&#039;&#039; muss man eigentlich machen … dass man einfach mit der Welt zu tun hat, sie anfasst und mit ihr arbeitet und dadurch lernt man sie kennen … und dadurch wird man der Welt gerecht [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Kinder müssen praktische Erfahrungen machen 0:04:03|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:04:03]]&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie &#039;&#039;&#039;ernähren&#039;&#039;&#039; wir überhaupt so, dass Willensimpulse wirksam werden können in den Menschen? Dass Nahrung nicht dafür sorgt, dass der Wille immer mehr verschüttet wird? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft und Wille: Wie ernähren wir uns, damit Willensimpulse im Menschen wirksam werden können? 00:39:26|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:39:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNGSSTROM, ALTER&lt;br /&gt;
* Im alten Ernährungsstrom, also unsere Form der jetzigen Ernährung, wird die Nahrung im Verdauungstrakt Stück für Stück &amp;quot;chaotisiert&amp;quot; und am Ende als reine geistige Kraft aufgenommen. Diese Kraft zieht dann kosmische Kräfte an und die ernähren dann den Ätherleib und der den physischen Leib [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Alter Ernährungsstrom 0:23:35|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:23:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNGSSTROM, NEUER&lt;br /&gt;
* = Lichternährung [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Zwischen altem und neuem Ernährungsstrom - die Lichtwurzel 0:28:56|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:28:56]]&lt;br /&gt;
ERWARTUNG, EGOISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ein schlechter Aspekt [gemeint ist eine falsche Erwartung] davon ist: &amp;quot;Ich muss in die Landwirtschaft gehen, weil das gesund ist.&amp;quot; … was [richtiger ist]: die Pflanzen mit der Erwartung [pflegen], dass die Pflanzen gut wachsen. Aber nicht mit der &#039;&#039;&#039;Erwartung&#039;&#039;&#039;, mir wird es dann besser gehen [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 2 - Mit welchen Erwartungen sollte man in die Landwirtschaft gehen? 0:02:31|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:02:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;F&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|F}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;F&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUCHTE&lt;br /&gt;
* Das Leben braucht die Polarität von Wärme und &#039;&#039;&#039;Feuchte&#039;&#039;&#039;. Als Quelle des tiefen Verständnisses dieser Einflussfaktoren ist die Biodynamik und die geisteswissenschaftliche Anthroposophie hilfreich [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Feuchtemäßiges, Wärmemäßiges 0:33:40|| Mackensen, M Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUER, GEISTIGES&lt;br /&gt;
* Gemeint ist das geistige &#039;&#039;&#039;Feuer&#039;&#039;&#039; im Menschen, welches nach Ansicht von Manfred Klett bei der Verrichtung der täglichen (biodynamischen) Arbeit mit Begeisterung, entzündet werden kann | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendigkeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUER FANGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Da saß abends noch der Werklehrer … und überlegt sich: Wie bringt er das den Kindern so nahe, dass sie &#039;&#039;&#039;Feuer fangen&#039;&#039;&#039; können für ihr kleines Handwerk [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Engagement und Hingabe der Lehrer 0:02:28|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:02:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORM WERDEN&lt;br /&gt;
* [Kristallisation und Winterprozess] … alles die Tendenz hat, noch mehr &#039;&#039;&#039;Form&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; als vorher … bis ins innerste Kristallgefüge … die ganze Mineralnatur der Erde tendiert … sich durchzuformen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMGESTALT, PFLANZEN&lt;br /&gt;
* [Winterprozess] … was eigentlich wintertypisch ist … beim Winterweizen … dass die Blättchen … platt an die Erde legen, wie ein Stern … rosettenartig angeordnet … platt an die Erde gedrückt … das Wachstum kommt vollkommen zu Ende … die sternförmigen, rosettenartigen Bildungen … wie wenn das ein Abbild wäre des gestirnten Himmels über der Erde … diese &#039;&#039;&#039;Formgestaltung&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE&lt;br /&gt;
* [Aus koloiden, amorphen, gestaltloser Masse entstehen wieder hexagonale Strukturen] … da findet etwas statt, was man … geisteswissenschaftlich … ergründen kann … die Kräfte, die kristallbildend sind … &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; … die ihren Ursprung haben … im Fixstern-Umkreis … die auf der Erde diese Formen, diese Kristallformen entstehen lassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Phänomen der Formkräfte: amorph wird wieder kristallin 1:00:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE, EINSTRAHLENDE&lt;br /&gt;
*… die eigentliche Qualitätsbildung [der Pflanze] wird im Winter veranlagt durch die &#039;&#039;&#039;einstrahlenden&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE, RÜCKSCHAU UND VORAUSSCHAU&lt;br /&gt;
* [Das sich selber Denken der Erde in der tief Winterzeit] … diese &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039;, in Verbindung mit dem, was da jetzt die Erde in quasi &#039;&#039;&#039;Rückschau&#039;&#039;&#039; auf das vergangene Jahr und in &#039;&#039;&#039;Vorausschau&#039;&#039;&#039; auf das kommende Jahr … was da sozusagen sich prozessual in der Erde abspielt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FREIHEIT&lt;br /&gt;
* Nach Ansicht von Manfred Klett ist der Sinn der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, dass sich der Mensch in &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; bei seiner Arbeit zur Grundlage macht, die Welt um ihn herum (Pflanze, Tiere) mit zu entwickeln. Nicht nur sich selbst | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Der Entwicklungsgedanke 0:08:34|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:08:34]]&lt;br /&gt;
FREIHEIT, SEIN LEBEN GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Auf der Reise sah ich zum ersten Mal Menschen, die aus ihrer &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; heraus ihr &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;gestaltet&#039;&#039;&#039; haben. Dabei habe ich gemerkt, was mich anspricht … ich wollte das, was ich gesammelt hatte, mitnehmen und schauen, was ich daraus machen kann [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Erfahrungen auf Reisen 0:03:27|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:03:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRÜHLINGSPROZESS&lt;br /&gt;
*… die Tage werden wieder länger … die Sonne gewinnt mehr an Kraft … der blanke Boden draußen … taut der Boden auf … es fangen an, die obersten Poren ihr Wasser zu entlassen … die warme Luft dringt in den Boden langsam ein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn des Frühlingsprozesses 0:28:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:28:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FROSTGARE&lt;br /&gt;
* [Die &#039;&#039;&#039;Frostgare&#039;&#039;&#039;] … Wasser dringt [im Winter] in den Boden ein, dann friert es und sprengt den Boden auseinander … der Boden gefriert … ein rein mechanischer Frost-Sprengungsprozess … Volumenvergrößerung des Wassers, das zu Eis wird … der verschmierte Boden wird in eine krümelige Struktur umgewandelt … eine &#039;&#039;&#039;Frostgare&#039;&#039;&#039; bringt beste Voraussetzungen für eine gute Bodenentwicklung im Jahreslauf … allerdings ist sie sehr instabil und kann schnell durch Regen verschlemmen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FROSTKRÜMEL&lt;br /&gt;
* [Winterprozess im Boden] … durch die Frostsprengung entstehen &#039;&#039;&#039;Frostkrümel&#039;&#039;&#039; … der verschmierte Boden wird in einzelne, polyedrische Krümelstrukturen aufgesprengt … diese Frostkrümel sind mechanisch erzeugt durch die Volumenvergrößerung des gefrierenden Wassers … sie hinterlassen eine krümelige Struktur im Boden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRUCHTFOLGE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Fruchtfolge&#039;&#039;&#039; … ist eigentlich sehr viel später erst entstanden, … keltischen Ursprungs … Die Dreifelderwirtschaft … haben die Kelten schon angefangen, … eine Art Fruchtfolge so systematisch zu entwickeln und zu handhaben [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Fruchtfolge 0:04:46|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:04:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;G&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|G}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;G&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEBET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit &#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; zu tun hat | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039;, überhaupt die religiöse Zuwendung, hat immer eine ganz starke Willenskomponente und eine Willensschulung | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir sind Menschen einer Gedankenschule, wir sind Menschen einer &#039;&#039;&#039;Gedankenkultur&#039;&#039;&#039; und unser Wille ist in aller Regel tief unten in einem sehr unbewussten Bereich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille und unsere Kultur 00:07:40|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:07:40]]&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039; in der Abstraktion speist sich immer aus der Vergangenheit [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das Gedankenleben in der Abstraktion speist sich immer aus der Vergangenheit 00:23:12|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:23:12]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDULD&lt;br /&gt;
* In der Entwicklung des Dottenfelderhofs hat es sehr zähe Phasen gegeben. Daher war es wichtig, seinen eigenen Ideen zu vertrauen. Man muss treu und unverbrüchlich zu seinen Ideen stehen und &amp;quot;uns wurde die &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039; aufgezwungen. Wir waren natürlich auch ungeduldig, klar, und wir konnten manchmal nicht mehr so richtig warten.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
GEGENSTROM-PRINZIP&lt;br /&gt;
*… durch diesen Abbauvorgang [Mikroben scheiden Säuren aus, welche den Humus abbauen und N und P pflanzenverfügbar machen] - da wird … Stickstoff zum Salz, da entstehen Nitrate, die sind löslich in Bodenwasser, [und] Phosphorsäure, wird zum Salz, wird löslich im Wasser PO4, und so weiter … also durch den Abbauprozess entstehen eigentlich Salze … diese Salze werden jetzt … von diesen Wurzelhaaren aufgenommen … dass die Wurzelhaare einerseits etwas ausscheiden … andererseits das Ergebnis des Abbaus hier, die Bodensalze aufnimmt über dieselben Wurzelhaare, im &#039;&#039;&#039;Gegenstrom-Prinzip&#039;&#039;&#039; … Ausscheidung, Einscheidung … In allem Lebendigen … herrscht … die Gleichzeitigkeit … in den Wurzelhaaren … einerseits Ausscheidung, andererseits Einscheidung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Anbringung - Horn-Mist-Präparat 1:19:05|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEIST &lt;br /&gt;
* Wenn ich mich darauf [sich innerlich verbinden mit dem was in einem bestimmten Gedanken drin ist] konzentriere … merke ich, dass ich mich mehr verbinde mit etwas, was man Geist nennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGER AUFBRUCH&lt;br /&gt;
* Die Nachkriegszeit an der Waldorfschule in Stuttgart Uhlandshöhe war geprägt von einem unendlichen &#039;&#039;&#039;geistigen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Aufbruch&#039;&#039;&#039;. Das Zusammenleben von Schülern und Lehrern war geladen mit Initiativkraft und Vorwärtsdrang [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Zeit des geistigen Aufbruchs- Sehnsucht nach dem Ausland 0:11:46|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:11:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGES ARBEITEN&lt;br /&gt;
* Indem sich die Kursteilnehmer Fragen notieren (sollen) und über sie nachdenken, arbeitet nicht nur das Tagesbewusstsein, sondern auch tiefere &#039;&#039;&#039;geistige&#039;&#039;&#039; Prozesse [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Didaktisches- Reflektiert eure Fragen 0:36:04|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:36:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE WAFFEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Heute glaubt man, Widerstände dadurch brechen zu können, dass man Krieg führt, … Das ist keine Methode der Zukunft mehr, … einzig … &#039;&#039;&#039;Geistige&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Waffen&#039;&#039;&#039; brechen jeden Widerstand. … Man muss treu zu dem stehen, was man als richtig und wahr - nicht nur richtig, sondern auch wahr - für sich selbst erkannt hat - und dazu stehen … und immerfort mit Geduld warten, warten, warten, warten&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELDSEGEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett hat innerlich die Überzeugung, dass der unerwartete &#039;&#039;&#039;Geldsegen&#039;&#039;&#039; in den 1970er Jahren durch einen Spender für den Bau des neuen Kuhstalls am Dottenfelderhof mit der eigenen selbstlosen Schenkung zu tun hatte: &amp;quot;Die Dinge gehen ganz anders im Leben, als man sich normalerweise denkt&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Ein unerwarteter Geldsegen- Bau des Kuhstall 1:17:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:17:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEMEINSAMES ERD- UND PFLANZENWACHSTUM&lt;br /&gt;
* [Zitat von Rudolf Steiner aus dem Landwirtschaftlichen Kurs] … Boden entsteht aus den Pflanzen … ich kann die Pflanze nicht denken ohne den Boden und ich kann den Boden nicht denken ohne die Pflanze … ein &#039;&#039;&#039;gemeinsames Erd- und Pflanzenwachstum&#039;&#039;&#039; … als würde die Erde wachsen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden entsteht aus Pflanzen 0:22:20|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:22:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEMEINSCHAFT, NEUE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Neue Gemeinschaften&#039;&#039;&#039; entstehen aus einem geistig realen Motiv: &amp;quot;Die Gemeinschaft ist ein Resultat von etwas, es ist nicht der Ausgangspunkt. Die neue Sozialität und Gemeinschaft entstehen nicht aus idealistischen Empfindungen, sondern sind ein Resultat geistiger Übereinstimmung und gemeinsamer Ziele&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Gestalten eines Organismus aus einem geistigen Quell 0:52:23|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:52:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENERATION&lt;br /&gt;
* Die Motivation für das Schreiben des Buchs &amp;quot;[[Manfred Klett, Buch: Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst|Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst]]&amp;quot; durch Manfred Klett war auch, dass künftige Generationen sehen können, wie die &#039;&#039;&#039;dritte Generation&#039;&#039;&#039; der Biodynamiker nach dem [[GA 327|Landwirtschaftlichen Kurs]] gedacht hat, und wie sie den Inhalt des Kurses versucht hat zu erfassen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die Anfänge des Buches mit 87 Jahren: Das eigene Herzensanliegen noch mal vors Bewusstsein stellen 0:07:01|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:07:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESANG&lt;br /&gt;
*… Räume [der Zisterzienser] … besonders für das Singen geeignet … in Form des Gesanges, der Musik, die Kraft gibt … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHENK&lt;br /&gt;
* Solange ich das (&#039;&#039;Geschenk nur&#039;&#039;) mit dem physischen Leib…aufnehme, habe ich…das Gefühl, ich muss was zurückgeben, solange…hast du das Geschenk nicht wirklich angenommen. Erst wenn du…annehmen kannst, ohne das Gefühl haben zu müssen,… weil du spürst, das ist was Höheres, das ist nur durch den (&#039;&#039;Anderen&#039;&#039;) gekommen. …das fällt von innen ab, dieser Egoismus, ich müsste das wieder selber ausgleichen können [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Bedeutung der neuen Ernährungsform 0:46:54|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:46:54]]&lt;br /&gt;
GESCHENK, SEINEN ORT FINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es ist ein riesiges &#039;&#039;&#039;Geschenk&#039;&#039;&#039;, so einen &#039;&#039;&#039;Ort&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;gefunden&#039;&#039;&#039; zu haben [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Das eigene Zuhause aufbauen 0:11:24|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:11:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Zu gestalten, Oberfläche zu gestalten, Erde zu gestalten, diesen wunderschönen Planeten und Räume zu schaffen, wo man sich selbst und auch unserer Erde wieder begegnen kann … das ist total faszinierend [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Begegnungen und Gestalten in der Natur 0:10:45|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:10:45]]&lt;br /&gt;
GESTALTEN, ICH WILL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ich will gestalten&#039;&#039;&#039;. Wir Menschen haben die gestalterische Kraft, uns einzubringen [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Die gestaltende Kraft des Menschen 0:23:04|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEOGRAFIESTUDIUM, MENSCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es geht ja in Geografie eigentlich darum, ein ganzheitliches Verständnis von der Erde zu bekommen, mit allem, was dazugehört … Also der Natursphäre, aber eben auch der &#039;&#039;&#039;Menschensphäre&#039;&#039;&#039; … Das &#039;&#039;&#039;[Geografie] Studium&#039;&#039;&#039; war unheimlich interessant … Aber trotzdem hat mir immer etwas Bestimmtes gefehlt … [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Begegnung mit der Anthroposophie 0:06:43|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:06:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEWISSHEIT, INNERE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich brauche nicht zu beweisen, dass meine Arbeit gut gemacht wird. Ich arbeite, weil ich das liebe! Und wenn ich &#039;&#039;&#039;weiß&#039;&#039;&#039;, dass es richtig ist, dann tue ichs [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Trailer 0:00:00|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOETHEANUM, GEISTIG SPIRITUELLE BEDEUTUNG&lt;br /&gt;
* Bevor Manfred Klett 1987 für die nächsten 14 Jahre seine neue Aufgabe als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum übernahm, suchte er Antworten für sich hinsichtlich der Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der &#039;&#039;&#039;geistig spirituellen Bedeutung&#039;&#039;&#039; des &#039;&#039;&#039;Goetheanums&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#1987- der Ruf aus Dornach 1:22:10|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:22:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUNDSÄULEN DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Düngung sind die &#039;&#039;&#039;Grundsäulen&#039;&#039;&#039; der Landwirtschaft | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Teil 2 des Buches 0:14:28|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:14:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUNDSÄULEN VON GARTENBAU UND LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* In Bezug auf die ackerbauliche und gartenbauliche Erzeugung haben wir drei &#039;&#039;&#039;Grundsäulen&#039;&#039;&#039;: Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;H&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|H}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;H&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILPÄDAGOGIK/ANTHROPOSOPHISCHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Warum ist Waldorfpädagogik, warum ist &#039;&#039;&#039;anthroposophische Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; eine Willenserziehung? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HILFE IM ENTSCHEIDENDEN MOMENT&lt;br /&gt;
* Trotz der extremen Herausforderungen und der schlechten Ausgangsbedingungen kam &#039;&#039;&#039;im entscheidenden Moment&#039;&#039;&#039; immer wieder &#039;&#039;&#039;Hilfe&#039;&#039;&#039;, die uns ermöglichte, den Dottenfelderhof aufzubauen und weiterzuführen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HINWENDUNG&lt;br /&gt;
*… überhaupt das &#039;&#039;&#039;Hinwenden&#039;&#039;&#039; [an und für sich] … das Tätigsein mit diesem Ganzen … was den ganzen Organismus … zusammenhält [ist Ausdruck einer Pflege] [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Wiederholung der Beziehungszusammenhänge von Mineral - Licht, Boden - Pflanze, Tier - Zusammenhang mit der Landschaft 0:47:32|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:47:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HORIZONTIERUNG&lt;br /&gt;
*… das hat jetzt zu einer bestimmten &#039;&#039;&#039;Horizontierung&#039;&#039;&#039; unserer Böden geführt … wenn Sie … den Boden aufgraben … je nachdem, welchen Horizont man jetzt durchstößt … der Boden ist von oben nach unten verwittert … man rechnet heute zum Boden alles das, was verwittert ist … darunter ist das anstehende Gestein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HORN-MIST-PRÄPARAT, ZEITPUNKT AUSBRINGUNG&lt;br /&gt;
*… vor der Saat oder direkt nach der Saat, das ist der ideale &#039;&#039;&#039;Zeitpunkt&#039;&#039;&#039; … das &#039;&#039;&#039;Horn-Mist-Präparat&#039;&#039;&#039; … [was sich] im Boden sich abspielt, … das ist nicht nur ein Substanzgeschehen, wie man heute denkt im Materialismus, das ist ein Kräftegeschehen, Lebenskräfte, astralische, also Bildekräfte insgesamt, die jetzt hier wirksam sind. Die Formkräfte des Winters sind an all dem beteiligt. Also es ist ein Substanz-Kräfte-Geschehen, was sich da vollzieht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Anbringung - Horn-Mist-Präparat 1:19:05|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:05]]&lt;br /&gt;
HUMOR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des &#039;&#039;&#039;Humors&#039;&#039;&#039;  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUS, FRÜHJAHRSPROZESS&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Frühjahrsprozess&#039;&#039;&#039; … ein Abbauprozess … des &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039;. Der Boden verliert an Humusgehalt … ein beträchtlicher Verlust. Aber er wird ein Gewinn … in die Entwicklung der Pflanze über der Erde. Das wirkt dann ertragsbildend [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUS, PFLANZENERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
* Vorher hat sie [die Pflanze im Stadium der Keimwurzel und des Spross] den Samen gehabt, den Mehlkörper. … Und dann irgendwann kommt aber der Moment, wo diese Quelle erschöpft ist. Und jetzt muss sie etwas finden, was eigentlich dem verwandt ist, diesem Mehlkörper. Und das muss sie im Boden offensichtlich finden. Und das ist der &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039; … an den Humus muss jetzt die Pflanze herankommen … die Pflanze … muss sich quasi dieser Bakterien und dieser Mikroben … bedienen, dass die aktiv werden und den Humus aufschließen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Humus 1:04:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:04:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUSGEHALT VORTÄUSCHEN&lt;br /&gt;
* In unserem Winter sind unsere Böden … mausetot. … Alles biologische Geschehen ist … zur Ruhe gekommen. … Böden dunkel … das täuscht … &#039;&#039;&#039;Humusgehalt&#039;&#039;&#039; vor … im Grunde genommen nichts anderes als die Wassersättigung der Böden … die sind bis oben hin voll mit Wasser … sobald Luft in den Boden kommt, wird der Boden hell [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - vollkommene Ruhe 0:38:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:38:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUNGERLÖCHER&lt;br /&gt;
* Man konnte in der Nachkriegszeit zwar wieder atmen, weil man die Last des Dritten Reiches abgeworfen hatte. Aber &amp;quot;wir haben gehungert, gehungert, gehungert&amp;quot; Es war die große Hungerperiode. Wir hatten überall Löcher in den Beinen, sogenannte &#039;&#039;&#039;Hungerlöcher&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Kriegsende nach Stuttgart Uhlandshöhe- meine Hoch-Zeit an der Waldorfschule 0:09:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:09:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;I&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|I}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;I&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir mit dem ungeschulten Bewusstsein als Alltags-Ich erleben und uns dadurch von der Welt abgesondert fühlen, ist nur dieses Spiegelbild des wahren &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039; [Spiegelvortrag von Rudolf Steiner, GA 35] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
* … das &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039; lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Iches und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IDEE AN WIRKLICHKEIT PRÜFEN&lt;br /&gt;
* Eigene &#039;&#039;&#039;Ideen&#039;&#039;&#039; können manchmal auch Dogmen sein. Manfred Klett empfiehlt die eigenen Ideen an der &#039;&#039;&#039;Wirklichkeit&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;prüfen&#039;&#039;&#039; und sie lebendig im Bewusstsein zu behalten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIE&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Industrie&#039;&#039;&#039; herrscht das mechanistische Prinzip. Hingegen in der Landwirtschaft der lebendige Organismus von Beseeltem | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendigkeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIELLE LANDWIRTSCHAFT, ÜBERGÄNGE&lt;br /&gt;
* Mit dem Aufkommen der Herbizide in den 1960er Jahren begann der Übergang von der kleinbäuerlichen zur &#039;&#039;&#039;industriellen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039;. So konnte sich der Ein-Mann-Betrieb entwickeln [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTELLIGENZ&lt;br /&gt;
*… da ist eine unglaubliche Intelligenz [bei den Tieren] … aber ganz in seiner spezifischen Situation … [die Tiere bilden] … im Boden den Zusammenhang von oben und unten … deshalb brauchen wir Hecken, damit jedes Getreide auch wirklich bespielt ist von Gesang [der Schwalben] [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Wiederholung der Beziehungszusammenhänge von Mineral - Licht, Boden - Pflanze, Tier - Zusammenhang mit der Landschaft 0:47:32|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:47:32]]&lt;br /&gt;
INTUITION TRAINIEREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [die Landwirte sollten mehr die eigene] Empfindungen trainieren … am Anfang … mit dem Kopf arbeiten … jetzt habe ich das Glück, dass ich diese Empfindung &#039;&#039;&#039;trainieren&#039;&#039;&#039; kann … man nennt das &#039;&#039;&#039;Intuition&#039;&#039;&#039; [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 10 - Wie sieht für dich die Landwirtschaft der Zukunft aus? 0:10:24|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:10:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IDEE AN WIRKLICHKEIT PRÜFEN&lt;br /&gt;
* Eigene &#039;&#039;&#039;Ideen&#039;&#039;&#039; können manchmal auch Dogmen sein. Manfred Klett empfiehlt die eigenen Ideen an der &#039;&#039;&#039;Wirklichkeit&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;prüfen&#039;&#039;&#039; und sie lebendig im Bewusstsein zu behalten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIE&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Industrie&#039;&#039;&#039; herrscht das mechanistische Prinzip. Hingegen in der Landwirtschaft der lebendige Organismus von Beseeltem | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebend&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;J&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|J}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;J&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JOSEF BEUYS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des Willens&#039;&#039; [&#039;&#039;&#039;Joseph Beuys&#039;&#039;&#039;] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
* … ich bin eigentlich auf die Anthroposophie gestoßen durch den &#039;&#039;&#039;Josef Beuys&#039;&#039;&#039;, den ich kennenlernte mit 15 […] Ich wusste von seiner Kunst nichts und ich lernte ihn als Mensch kennen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;K&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|K}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;K&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALIUM, EIGENVERSORGUNG DER PFLANZE&lt;br /&gt;
*… die Tonmineralien enthalten im Wesentlichen das &#039;&#039;&#039;Kalium&#039;&#039;&#039; … Austauschvorgänge stattfinden zwischen den Wurzelhaaren und an den Oberflächen der Tonteilchen … auf diese Weise kann die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; selbsttätig … sich mit Kalium &#039;&#039;&#039;versorgen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK&lt;br /&gt;
*… zum Beispiel bei Basel … Kalk, in die Kalkalpen … dunkel, schwarz, flach Rendzina. … immer trocken, immer ist das Wasser weg, das ist Kalk. So einem Rendzinerstandort Kompost düngen, … selber blöd … Mistfresserboden [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK, ENTKALKUNG PRÜFEN&lt;br /&gt;
*… einen Meter tief graben … mit der Salzsäure … prüfen, ob da eine Reaktion zu sehen ist … wenn nichts passiert, … ist es ein Zeichen dafür, dass der Boden &#039;&#039;&#039;entkalkt&#039;&#039;&#039; ist [oder] … sobald es anfängt zu brausen … bildet sich nämlich ein Kalziumbikarbonat. Dann setzt sich das &#039;&#039;&#039;CaCO&amp;lt;sub&amp;gt;3&amp;lt;/sub&amp;gt;&#039;&#039;&#039; um in Kalziumbikarbonat und es entsteht Kohlensäure [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK, WASSER&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Beim Kalk ist aller immer Wasser&amp;quot;. &#039;&#039;&#039;Kalk&#039;&#039;&#039; ist ständig im Wandel, von knallhart bis weich, und er interagiert stark mit Wasser [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KATHARSIS&lt;br /&gt;
*… bisher … wenn der Mensch sich dem Geistigen genähert hat, hat er immer das Gefühl bekommen: Ich bin … nicht reif oder nicht rein genug. … er ist … einen Weg der Katharsis gegangen, … manchmal der Selbstkasteiung … er hat das Gefühl gehabt, er müsste sich reinigen. Wenn man das heute machen würde, würde man nur sein Ego und seinen Hochmut stärken … Das geht heute anders. Und zwar: Ich muss das Gute und Schöne im anderen entdecken. Und das stärkt … die eigenen Seelenkräfte [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Wandel der spirituellen Entwicklung 0:48:25|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:48:25]]&lt;br /&gt;
KARRIERE, UNWORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Du [François] hast jetzt gerade das Wort &#039;&#039;&#039;Karriere&#039;&#039;&#039; benutzt … ein bisschen so ein &#039;&#039;&#039;Unwort&#039;&#039;&#039;, Karriere machen … ich will meine Fähigkeiten ausbilden und weiterentwickeln … die mich dazu befähigen, noch in einen intensiveren Austausch mit Landschaft, mit Natur, mit der Erde und auch mit Tieren, aber natürlich auch mit Menschen zu treten [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Karriere in einem neuen Licht 0:28:41|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:28:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEIMWURZEL&lt;br /&gt;
*… Jetzt keimt dieser Same und sendet jetzt als Allererstes die &#039;&#039;&#039;Keimwurzel&#039;&#039;&#039; … in die Tiefe … die Pflanze verwurzelt sich … Und solange sie noch ganz im Anfang dieses Keimlingstadiums ist, ähnlich wie die Unkräuter, dann kann ich so eine Pflanze auch wieder ganz leicht aus dem Boden rausziehen. Da ist kein Widerstand, … dieser Widerstand entsteht erst, wenn jetzt hier also verstärkt Seitenwurzeln sich ausbilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Entwicklung der Saat - Wurzel, Spross, Keimblatt 0:59:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:59:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIESEL (WELT)&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kieselwelt&#039;&#039;&#039;, da ist das Wasser zu Hause, da wachsen die Bäume richtig kräftig groß und hoch … eher immer ein bisschen schattig … Man muss auch mal was wirklich wegschneiden der Bäume … für Drainagen, für Entwässerung sorgen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kieselwelt 0:35:46|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:35:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIESEL, SECHSECKSTRUKTUR&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kieselgestein&#039;&#039;&#039; ist stabil und wasserunlöslich. Er hat die Sechseckstruktur, eine Grundkraft des Lebendigen, siehe den Bau der Bienenwaben [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir &#039;&#039;&#039;Kinder&#039;&#039;&#039; so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer Willenskraft haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt Rhythmus eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOMPOSTPRÄPARATE&lt;br /&gt;
*… jetzt kommen da ganz gezielt diese biologisch-dynamischen &#039;&#039;&#039;Kompostpräparate&#039;&#039;&#039; zum Einsatz … Also diese fünfte Stufe … noch in einer &#039;&#039;&#039;anderen Dimension&#039;&#039;&#039;, … darauf einwirken mit den biologisch-dynamischen Kompostpräparaten [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Fünfter Aspekt: Die biologisch-dynamischen Kompostpräparate 0:12:36|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:12:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOLOIDE, PFLANZENWACHSTUM&lt;br /&gt;
*… &#039;&#039;&#039;Koloide&#039;&#039;&#039; … entstehen … dadurch, dass der Ton verwittert … Aluminiumhydroxid und Kieselsäure … diese Koloide sind von unendlicher Bedeutung für unser &#039;&#039;&#039;Pflanzenwachstum&#039;&#039;&#039; … sie halten sich im Boden … kleiden die inneren Hohlräume des Bodens aus … das mögen die Wurzeln am allerliebsten … dort finden sie die Stoffe, die sie … zum Aufbau ihrer eigenen Pflanzengestalt brauchen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Koloide und ihre Bedeutung für das Pflanzenwachstum 0:58:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:58:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOLOIDE, VERWITTERUNGSPROZESS&lt;br /&gt;
* [&#039;&#039;&#039;Verwitterungsprozess&#039;&#039;&#039; von Tonmineralien] … &#039;&#039;&#039;Koloide&#039;&#039;&#039; … sind keine kristallinen Substanzen … sie sind, wie man es nennt, amorph … Amorph heißt gestaltlos … ein Koloid ist ein … wasserreicher Zustand … zwischen der echten Lösung … und … dem festen kristallinen Zustand … es ist wabbelig … wenn Sie einen guten Pudding … essen, dann essen Sie eigentlich Koloide [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Tonmineralien zerfallen zu Koloiden 0:56:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:56:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
*… die Kraft … die sie [Zisterzienser] … aus dem Stein und dem Licht … gewonnen haben … die Kraft gibt, aus der heraus sie gearbeitet haben … was strahlt in dem Gebäude … was für eine Kraft kann man da empfangen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
KRAFT, GESTALTUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich will &#039;&#039;&#039;gestalten&#039;&#039;&#039;. Wir Menschen haben die gestalterische Kraft, uns einzubringen. […] Immer wieder merke ich, dass ich diese Gestaltungsaufgabe annehmen will. Das erfüllt mich und gibt mir &#039;&#039;&#039;Kraft&#039;&#039;&#039; [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Die gestaltende Kraft des Menschen 0:23:04|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT, TANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Ja, ich bin hier und ich lebe und ich kann was tun&#039; … einen schönen Garten gestalten, leckeres Essen dann auch zu verkaufen … und Leben und Gemeinschaft damit fördern [ … ] man schafft auf einmal wieder einen Ort … wo man einfach essen kann und wieder &#039;&#039;&#039;Kraft tanken&#039;&#039;&#039; kann, um weiterzuleben. Darum geht es! … es geht um&#039;s Leben [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Räume schaffen für die Begegnung mit sich selbst, Mensch und Tier 0:06:41|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:06:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE&lt;br /&gt;
* [Für die Weiterentwicklung eines Standortes braucht es …] … die Seele … des Tieres … geht es darum, dass ein Wesen total im Hier und Jetzt lebt und sich die ganze Zeit damit auseinandersetzt. Mit dem, was an &#039;&#039;&#039;Kräften&#039;&#039;&#039; war, als diese Pflanzen gewachsen sind und mit dem, was als Kräften möglich ist, die es seinem Verdauungsgut mit aufprägt für die Zukunft. Dieses innere Anschauen von dem, was man da eigentlich verdaut und dem ein Stempel, eine Prägung aufzudrücken, was es braucht, damit der Standort sich weiterentwickelt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE BEWAHREN&lt;br /&gt;
*… die Formkräfte … werden hauptsächlich im Winter empfangen von der Erde und müssen dann bewahrt werden für das spätere Pflanzenwachstum … die &#039;&#039;&#039;Bewahrung&#039;&#039;&#039; dieser &#039;&#039;&#039;Kräfte&#039;&#039;&#039; … ist vor allen Dingen die Aufgabe der Tonmineralien [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE, FORMEN DER KRÄFTE&lt;br /&gt;
*… das Grundprinzip des Winters heißt Kristallisation … Und was heißt Kristallisation? Es heißt Formung. Das sind &#039;&#039;&#039;Formen der Kräfte&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE, NICHT MESSBARE&lt;br /&gt;
* [Einstrahlenden Umkreiskräfte des Fixsternhimmels] … &#039;&#039;&#039;Kräfte&#039;&#039;&#039; … die außerräumlich, außerzeitlich … also in dem Sinne keine Kräfte sind, die man jetzt &#039;&#039;&#039;messen&#039;&#039;&#039; kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KREISELEGGE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kreiselegge&#039;&#039;&#039; kombiniere mit der Sämaschine, das ist eine reine Katastrophe … die Kreiselegge … trocknet den Boden aus … bedeutet, dass ich noch mal ein Samenbett schaffe für die Unkräuter [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:44:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLBLÄTTCHEN&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Bewahrung dieser Kräfte&#039;&#039;&#039; [einstrahlende Umkreiskräfte des Fixsternhimmels], … ist … &#039;&#039;&#039;Aufgabe der Tonmineralien&#039;&#039;&#039;. Der Ton im Boden, der sich dann auch stärker durchformt. Wir haben von den &#039;&#039;&#039;sekundären Tonmineralien&#039;&#039;&#039; gesprochen. … ein &#039;&#039;&#039;Kristallblättchen&#039;&#039;&#039;, ganz fein, mikroskopisch klein … entsteht … aus dem amorphen Zustand … bildet diese hexagonalen Strukturen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALL-HIMMEL&lt;br /&gt;
*… die alten Griechen … sprachen vom Fixstern-Himmel als dem &#039;&#039;&#039;Kristall-Himmel&#039;&#039;&#039; … von dem Formkräfte hereinwirken … die auf der Erde … Kristallformen [auf zuvor gestaltlose koloidale Strukturen] entstehen lassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Phänomen der Formkräfte: amorph wird wieder kristallin 1:00:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLISATION&lt;br /&gt;
*… das Grundprinzip des Winters heißt &#039;&#039;&#039;Kristallisation&#039;&#039;&#039; … Und was heißt Kristallisation? Es heißt Formung … die ganze Mineralnatur der Erde tendiert noch mehr, sich durchzuformen bis ins innerste Kristallgefüge … kristallbildende Kräfte … im kristallisierenden Wasser, in den kristallisierenden Schneeflocken … das hexagonale Prinzip … setzt sich fort im Boden, in dem ganzen Kristallgefüge … diese Formkräfte brauchen wir … das ganze Jahr hindurch [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLISATIONSPROZESS&lt;br /&gt;
*… ein &#039;&#039;&#039;Kristallisationsprozess&#039;&#039;&#039; … durch Verwitterung entstehen Mineralkristalle … wie Quarz, Feldspat und Glimmer … diese verwittern zu Tonmineralien … Tonmineralien haben eine hexagonale Form … der Kristallisationsprozess erzeugt winzige, hauchdünne Plättchen … diese kristallinen Strukturen sind geordnet und dünn, oft nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundmineralien verwittern zu Tonmineralien 0:53:17|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:53:17]]&lt;br /&gt;
KUH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der &#039;&#039;&#039;Kühe&#039;&#039;&#039;? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die Natur verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben &#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURBODEN&lt;br /&gt;
*… der Mensch … bewegt … den Boden, den Boden öffnet, Luft und Licht in den Boden holt, und das stört, zerstört, wegschafft, was da ist und … sorgt … dass etwas ganz Bestimmtes dort wächst. … der Boden, mit dem wir es heute zu tun haben, mit dem wir Kultur machen, das ist ein &#039;&#039;&#039;Kulturboden&#039;&#039;&#039; … auch wenn wir uns bemühen, den … nur flach zu bearbeiten … ist es trotzdem ein Kulturboden … [um] durch Fruchtfolge, durch alles Mögliche, eine tiefe und schnelle Durchwurzelung hinzubekommen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Zweiter Aspekt: Kulturprozess 0:04:45|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:04:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURLANDSCHAFT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kulturlandschaften&#039;&#039;&#039; können auch Wüste werden. Das hatte Manfred Klett tief geprägt, als er bei seiner Expedition in jungen Jahren in Syrien auf eine alte Ruinenlandschaft traf | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Erschreckend: Kulturlandschaften können Wüsten werden 0:01:39|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURPFLANZEN&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kulturpflanzen&#039;&#039;&#039; stammen aus Urzeiten, noch vor aller Ackerbaukultur. Es sind keine neuen Schöpfungen. Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise gibt den Menschen die Möglichkeit zur Fortsetzung der Entwicklungsrichtschnur | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise als Fortsetzung der Kulturentwicklung begreifen 0:12:38|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:12:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|L}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;L&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDBAUSCHULE DOTTENFELDERHOF&lt;br /&gt;
* Nach 20 jähriger Tätigkeit als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach kehrte Manfred Klett zurück zum Dottenfelderhof und betätigte sich dort als Lehrer an der [[Landbauschule Dottenfelderhof|&#039;&#039;&#039;Landbauschule Dottenfelderhof&#039;&#039;&#039;]] | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Mit 76 Jahren Einsichten an der Landbauschule vom Dottenfelderhof weiter geben 0:06:00|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:06:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDBAUSCHULE DOTTENFELDERHOF, HÖHEPUNKT DER AUSBILDUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Die &#039;&#039;&#039;Landbauschule Dottenfelderhof&#039;&#039;&#039;] ist einer der &#039;&#039;&#039;Höhepunkte&#039;&#039;&#039; in der Ausbildung … ein sehr starker Fokus … geistigen Aspekte der biologisch-dynamischen Landwirtschaft … [und weil ich hier] Menschen treffe, die ich schon lange irgendwie gedanklich gerne getroffen hätte [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Erfahrungen an der Landbauschule 0:18:20|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:18:20]]&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die Natur verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben Kultur [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT DOTTENFELDERHOF, GRÜNDUNG&lt;br /&gt;
* Menschen aus dem Umkreis vom Dottenfelderhof konnten sich durch eine Einlage von 3000 DM beteiligen und so ein Anrecht auf ein Stück Grund und Boden realisieren. Auf diese Weise wollte man der GLS Treuhand Teile des zinslosen Darlehen an die Landbauschule, zurück zahlen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Unaufhörlicher Druck auf den Dottenfelderhof; 1979 Die Denkschrift; 19,5ha Landkauf 1:10:57|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:10:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT, DIALOG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… jetzt bin ich eingeladen worden, ein kleines Interview zu halten und habe das auch einfach mal angenommen … Denn ja, so vielfältig wie &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; halt nun mal ist, gehört das auch gerade dazu, im &#039;&#039;&#039;Dialog&#039;&#039;&#039; zu sein [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Einleitung 0:00:39|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:00:39]]&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT, SCHULE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich wünsche mir … dass [es] in der &#039;&#039;&#039;Schule&#039;&#039;&#039; schon die Möglichkeit gibt, Bauer zu sein … Man hat nie über &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; gesprochen … Wenn es etwas in der Schule nicht gibt, dann denken die Schüler nicht darüber nach, ob sie so was sein möchten [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 6 - Wie kann der Nachwuchs für die Landwirtschaft gefördert werden? 0:06:28|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:06:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDIG, TON&lt;br /&gt;
* Der Ton ist schon wie auf der Grenze zum Leben. Er &#039;&#039;&#039;quillt&#039;&#039;&#039; und er &#039;&#039;&#039;schrumpft&#039;&#039;&#039;. Das kann kein Stein. Das ist eigentlich schon eine leichte Lebensfunktion … Übergang aus dem Mineralischen zum Lebendigen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der Kalk geht, der Ton kommt 0:36:43|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:36:43]]&lt;br /&gt;
LEBENDIGKEIT VERSUS SCHEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Rudolf Steiner spricht darüber … du kannst am Strand gehen und einen Sonnenuntergang … sehen … aber … wichtiger wäre, wenn du in einem Misthaufen Regenwürmer findest … weil das da ist wirkliches &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; … das andere ist nur ein Bild von etwas Schönem [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 3 - Wie wird der Mensch nach Aussage von Rudolf Steiner geprägt? 0:03:46|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:03:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDVERBAUUNG&lt;br /&gt;
*… plötzlich zusammenhängen … frostgaren Krümel … dass hier plötzlich Brücken entstehen, von Krümel zu Krümel … Bakterienkolonien, die sich binnen kürzester Frist ausbilden und hier jetzt diese Krümel zusammenbinden … ausgekleidet mit … amorphen Substanzen wie Kieselsäure … Aluminium-Hydroxid … Erde, Wasser, Luft und Wärme durchdringen … stabilisieren sich jetzt die Krümelstruktur … Diese Struktur ist unzerstörbar durch das Jahr … Diesen Prozess nennt man … &#039;&#039;&#039;Lebendverbauung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDVERBAUUNG DES BODENS&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Lebendverbauung des Bodens&#039;&#039;&#039; … ein Prozess, der nach der Frostgare einsetzt … wenn der Boden durch Wärme und Trockenheit stabilisiert wird … die Krümelstruktur des Bodens wird belebt und verfestigt … dies geschieht im Übergang vom Winter zum Frühjahr [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, RHYTHMUS TRÄGT DAS LEBEN&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner prägte sinngemäß die Aussage: &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Rhythmus trägt das Leben&#039;&#039;&#039;&amp;quot;. Also nicht Takt! Bei Rhythmus verbindet sich etwas Unsichtbares, Geistiges, mit etwas in der Erscheinung. Beispiel: Die Formung des Embryo [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, URSPÜNGLICHES&lt;br /&gt;
* Manfred lebte als Kind in Ostafrika am Kilimanjaro, 1933: &amp;quot;Wenn man also nachts aus dem Haus getreten ist, dann leuchteten da irgendwo in der Dunkelheit die Augen eines Leoparden oder… - na, der Löwe war so ein bisschen weiter weg, … Man war noch so mittendrin, … in diesem &#039;&#039;&#039;ursprünglichsten&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; der Erde, wo der Mensch eigentlich nur eine sekundäre Rolle spielt und die Tierheit primär im Vordergrund stand [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Geboren 1933 in Ostafrika am Kilimanjaro 0:01:13|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:01:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, WAHRE ZUSAMMENHÄNGE&lt;br /&gt;
* Beim Anschauen der einzelnen Pflanze gilt die Frage dem wahren (großen) &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039;, in welchem das (Pflanzen-) &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; in Wirklichkeit steht. Es sei auf den großen Zusammenhang von Kompaßnadel und Erdmagnetfeld verwiesen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSGRUNDLAGE, DIE NEUE&lt;br /&gt;
*… diese neue Lebensgrundlage ist … nicht mehr der physische Leib wie bisher, sondern … mehr und mehr der Ätherleib … wo unser Bewusstsein sich mit verbindet, aber eben im physischen Leib … Religiöse Empfindungen … eine bestimmte Atmosphäre … bestimmte Stimmung … wo … diese neuen Herzenskräfte, dieses Gleiche spüren. Und das ist die Nahrung [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Die neue Lebensgrundlage 0:49:46|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:49:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSLAUF, STRÄNGE LAUFEN ZUSAMMEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ja, ich habe natürlich auch gerade so aufgrund meines etwas quirligen, serpentinenartigen &#039;&#039;&#039;Lebenslaufes&#039;&#039;&#039; immer wieder so die Gedanken, ob es denn immer so weitergeht? [ … ] Auf der anderen Seite [&#039;&#039;&#039;laufen&#039;&#039;&#039;] jetzt gerade … viele &#039;&#039;&#039;Stränge&#039;&#039;&#039; [&#039;&#039;&#039;zusammen&#039;&#039;&#039;] [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Zukunftsperspektiven 0:16:36|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:16:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSLAUF, WERTSCHÄTZUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hier [am Dottenfelderhof] fühlt man sich mit so einem &#039;&#039;&#039;Lebenslauf&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wertgeschätzt&#039;&#039;&#039; … wenn ich mich jetzt irgendwo beim Großkonzern bewerben würde, dann würden wahrscheinlich lauter Fragezeichen auftauchen. … Ein ganz anderer Fokus, ein ganz anderer Blick auf die Wirklichkeit … Sachen, die jetzt aus so einer mainstream-materialistischen Perspektive als unwichtig oder komisch oder vielleicht sogar als Verfehlung angesehen werden könnten, hier plötzlich ganz ganz wertvoll werden [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Wertschätzung und Perspektivwechsel 0:20:52|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:52]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSPROZESSE ZURÜCKDRÄNGEN ZUM DENKEN&lt;br /&gt;
*… [Kontext: Winterprozess] [wenn ich mit meinem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; etwas verstehen will] da muss ich erst mal zur Ruhe kommen, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der Winterszeit. Ich muss selber in mir einen Zustand herstellen, dass ich mich wirklich konzentrieren kann auf einen bestimmten Sachverhalt, den ich jetzt durchschauen will, durchdenken will. … ich muss die &#039;&#039;&#039;Lebensprozesse&#039;&#039;&#039; in mir &#039;&#039;&#039;zurückdrängen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDIGES, GLEICHZEITIGKEIT&lt;br /&gt;
* Also wir haben den seltsamen Prozess, der sich fast widerspricht, dass die Wurzelhaare einerseits etwas ausscheiden, aus ihrem eigenen Assimilatstrom und andererseits das Ergebnis des Abbaus hier, die Bodensalze aufnimmt über dieselben Wurzelhaare, im Gegenstrom-Prinzip. … in allem &#039;&#039;&#039;Lebendigen&#039;&#039;&#039; herrscht … die &#039;&#039;&#039;Gleichzeitigkeit&#039;&#039;&#039; … Dass etwas in Gleichzeitigkeit gegenläufig geschehen kann. Und das findet in den Wurzelhaaren statt. Einerseits Ausscheidung, andererseits Einscheidung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Alles Gedankliche hat Gesetzescharakter 0:19:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:51]]&lt;br /&gt;
LEHREN, WAS WIRD GEBRAUCHT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich sehe, dass [Lehren] &#039;&#039;&#039;Lernen&#039;&#039;&#039; unabhängig sein muss, wo du bist und mit wem du bist … wenn du etwas dem Menschen beibringen möchtest. … entscheiden, vor Ort und in dem Moment: &amp;quot;Was &#039;&#039;&#039;brauchen&#039;&#039;&#039; die?&amp;quot; [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 5 - Was ist dein Idealbild von Lehre und Ausbildung? 0:05:30|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:05:30]]&lt;br /&gt;
LEHRER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim &#039;&#039;&#039;Lehrer&#039;&#039;&#039; reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
* Steiner empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den Tieren […] Und jetzt ist die Aufgabe des &#039;&#039;&#039;Lehrers&#039;&#039;&#039;, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHT&lt;br /&gt;
*… wenn Boden entsteht, woraus entsteht er denn eigentlich? Aus dem Mineral, aus dem Stein … ganz am Anfang … ist Boden Stein und &#039;&#039;&#039;Licht&#039;&#039;&#039; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden ist Stein und Licht 0:14:52|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:14:52]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHTÄTHER&lt;br /&gt;
* Lichtäther sind himmlische, kosmische Kräfte, die uns stets umgeben [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Kosmische Kräfte 0:05:17|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:05:17]]&lt;br /&gt;
* Lichtäther ist Geist [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Lichtäther und Lebenskräfte 0:06:49|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:06:49]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHTWURZEL, BESONDERHEIT&lt;br /&gt;
* Die Lichtwurzel nimmt mehr Lichtäther auf, als sie zum Wachstum benötigt [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Besonderheit der Lichtwurzel 0:10:18|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:10:18]]&lt;br /&gt;
* Jede Lichtwurzel hat eine eigene Pflanzendeva [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Parallele zum Bien 0:10:47|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:10:47]]&lt;br /&gt;
* Die Lichtwurzel hat einen Lichtleib / Astralleib [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Astralleib der Lichtwurzel 0:12:39|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:12:39]]&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;M&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|M}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;M&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MAGNETFELD, ERDE&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Magentfeld&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; ist ein Beispiel dafür, dass etwas vorhanden ist und z.B. auf eine Kompassnadel wirkt. Man erkennt diesen Zusammenhang aber erst, wenn man die Dinge (Kompaßnadel/ Erdmagnetfeld) im richtigen, großen Kontext erkennt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Den wahren Zusammenhang von Boden, Pflanzen und Tiere erkennen 0:00:29|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:00:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MÄHEN MIT DER SENSE&lt;br /&gt;
* Auf dem Dottenfelderhof arbeiteten viele Flüchtlinge aus dem Osten (bis ca. 1957), die sich bestens auf die Landwirtschaft verstanden haben. Manfred Klett: &amp;quot;Also das &#039;&#039;&#039;Mähen mit der Sense&#039;&#039;&#039; habe ich von einer Frau gelernt aus dem Sudetenland. Die konnte mähen, das war ein Bild für die Götter, das anzusehen, wie die gemäht hat.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MATERIALISMUS, ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner postuliert, dass zur Überwindung des Materialismus die Kartoffel als Hauptnahrungsmittel durch die Lichtwurzel (Dioscorea batatas) abgelöst werden muss [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der Auftrag Rudolf Steiners 0:01:57|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:01:57]]&lt;br /&gt;
MEDITATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Steiner endet in diesem Vortrag […] Wie eigentlich das &#039;&#039;&#039;meditative&#039;&#039;&#039; Leben so entwickelt werden kann, dass man das Denken, das Fühlen und das Wollen stärkt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das meditative Leben als Befeuerung und Zugang zur Geistigkeit 01:19:31|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:19:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MERGELN&lt;br /&gt;
*… im Mittelalter hat man &amp;quot;gemergelt&amp;quot;, also mit Kalktonen … eine gezielte Düngung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Düngung 0:05:28|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:05:28]]&lt;br /&gt;
MENSCH, GESTALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Welt steckt voller Bedürfnisse … es ist die größte Befriedigung … wenn man den Bedürfnissen der ganz unmittelbar einen umgebenden Welt nachgeht … dass wir &#039;&#039;&#039;Menschen&#039;&#039;&#039; eben eigentlich &#039;&#039;&#039;Gestalter&#039;&#039;&#039; sind. Und alles, was ich draußen mache, wenn ich es mit inhaltlicher Anteilnahme tue, wirkt das auch auf mein Denken [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Bedürfnisse der umgebenden Welt und der Mensch als Gestalter 0:05:06|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:05:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCH WIRD ZUR GRUNDLAGE GEMACHT&lt;br /&gt;
*… der Mensch wird zur Grundlage gemacht … Wir müssen alle diese &#039;&#039;&#039;Prozesse in uns&#039;&#039;&#039; aufsuchen, um die &#039;&#039;&#039;Prozesse im Makrokosmos&#039;&#039;&#039;, in der Natur draußen entdecken, um eine &#039;&#039;&#039;Verwandtschaft&#039;&#039;&#039; zu entdecken zwischen &#039;&#039;&#039;Mensch und Natur&#039;&#039;&#039;. Also so gesehen, wenn man das mal versucht, auch sich innerlich zur Empfindung zu bringen, muss man sagen, im Winter, wenn es kalt wird, wenn diese Kristallisationsprozesse stattfinden, denkt sich die Erde selber [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MICHAEL HALL&lt;br /&gt;
* Nach dem Krieg wurde Manfred Klett Austauschschüler in England und verbrachte ein Jahr an der Waldorfschule &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Michael Hall&#039;&#039;&#039;&amp;quot; in Südengland, wo er viele Freunde gewann [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Zeit des geistigen Aufbruchs- Sehnsucht nach dem Ausland 0:11:46|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:11:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MIKROBEN, ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
* Aus ihrer eigenen Aktivität &#039;&#039;&#039;ernährt&#039;&#039;&#039; die Pflanze nämlich die Mikrobentätigkeit um die Wurzel herum und dadurch entstehen die sogenannten Symbiosen … ein Zusammenleben von Pflanze und Bakterien und &#039;&#039;&#039;Mikroben&#039;&#039;&#039; … bis hin zu Pilzen … die die Pflanze mit Wasser und Mineralstoffen versorgen … steuert jetzt die Pflanze über die Wurzelausscheidung die ganze Bodenaktivität um die Wurzel herum [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MIKROBEN, HUMUS&lt;br /&gt;
*… die Pflanze … muss sich quasi dieser Bakterien und dieser &#039;&#039;&#039;Mikroben&#039;&#039;&#039; … bedienen, dass die aktiv werden und den &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039; aufschließen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Humus 1:04:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:04:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISSION&lt;br /&gt;
* In der biologisch-dynamische Landwirtschaft liegt im Kern ein hoher Anspruch. Den muss man sich immer wieder neu bewusst machen, er muss in der alltäglichen Arbeit anwesend sein. Begeisterung führt den Menschen sich voll in die &#039;&#039;&#039;Mission&#039;&#039;&#039; des biologisch-dynamischen hineinzustellen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendikeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISSION, MEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Meine&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Mission&#039;&#039;&#039; ist die Wahrhaftigkeit, mit der Wahrheit zu sein. Wenn ich Menschen sehe, die etwas tun, das sie erfüllt, spüre ich das. Das ist, warum ich hier bin [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Meine Mission ist die Wahrhaftigkeit 0:20:43|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISTFRESSERBODEN&lt;br /&gt;
*… auf einem Rendzinerstandort … von den Alten wunderbar &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Mistfresserboden&#039;&#039;&#039;&amp;quot; genannt … Da große Mengen Mist oder Kompost hinzubringen, ist totaler Quatsch. Hat gar keinen Sinn [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOTIV&lt;br /&gt;
* Arbeiten in Augenhöhe: Wenn jeder sein &#039;&#039;&#039;Motiv&#039;&#039;&#039; in den Dienst der &#039;&#039;&#039;Motive&#039;&#039;&#039; der anderen stellt. Um so eine Gemeinschaft entehen zu lassen, die die Universalität der biologisch-dynamische in die Tat zumzusetzen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
MOTIVATION, TÄTIGKEIT IN DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich sehe, … &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; wird immer gebraucht. Also, jeder muss essen. Und wenn es in meiner Hand ist Gemüse zu erzeugen, das gesund … für den Boden als auch für den Menschen ist. … großes &#039;&#039;&#039;Lebensmotiv&#039;&#039;&#039;. Einfach den Boden … zu lieben, […] den Boden unterstützen in seiner Entwicklung und auch die Menschheit. Und das ist der Grund, warum ich in der Landwirtschaft bin [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 1 - Warum bist du in der Landwirtschaft tätig? 0:01:21|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:01:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYKORRHIZA&lt;br /&gt;
*… Myko heißt Pilz auf Griechisch und Rhiza heißt die Wurzel, also die Pilzwurzel … &#039;&#039;&#039;Mykorrhiza&#039;&#039;&#039; … bezeichnet eine Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen … die Pilze holen aus den Pflanzenwurzeln das Eiweiß und alle Lebensstoffe heraus und versorgen die Pflanze selbst mit Wasser … diese Symbiose mit den sogenannten Mykorrhizen ist essenziell für die Gesundheit der Pflanze … und spielt eine zentrale Rolle im Austausch von Nährstoffen zwischen Pflanze und Boden … ein unendlich geheimnisvoller Prozess … Das ist ein Grund für das Baumsterben gewesen und ist es noch, dass die Pflanzen vertrocknen, weil diese Symbiose mit den sogenannten Mykorrhizen, Pilzhyphen nicht mehr funktioniert [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;N&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|N}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;N&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NAHRHAFTIGKEIT&lt;br /&gt;
* Manche Pflanzen &amp;quot;schenken&amp;quot; mehr, als sie für die eigene Reproduktion benötigen. Rudolf Steiner spricht daher von &#039;&#039;&#039;Nahrhaftigkeit&#039;&#039;&#039;. Nicht zuletzt nähren die Pflanzen den Boden auch für andere Pflanzen, denn Boden entsteht durch Verrottung von Pflanzen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NAHRUNGSQUALITÄT, FORMKRÄFTE DES WINTERS&lt;br /&gt;
* Die Formkräfte des Winters sind maßgebend für die Nahrungsqualität, für die Durchformung des Eiweißes, der Kohlenhydrate, auch der Fette und Öle. Die eigentliche Qualitätsbildung wird im Winter veranlagt durch die einstrahlenden Formkräfte [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
NÄHRENDE MOMENTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt Idylle, … aber auch Stress und Konflikte. [ … ] Es gibt aber auch die Momente, in denen man mit sich, der Pflanze und der Arbeit im Einklang ist. Diese &#039;&#039;&#039;nährenden Momente&#039;&#039;&#039; sind wichtig [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Hofsuche und die Herausforderungen der Landwirtschaft 0:13:28|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:13:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATIONALSOZIALISMUS&lt;br /&gt;
* Manfred Klett erlebte 1944 an seiner Schule Salem am Bodensee hautnah den Geist, den Ungeist des &#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;. Auch wenn es sehr negativ war, so ist Manfred dennoch dankbar für diese Erfahrung, den Ungeist zu erleben, wo man &amp;quot;als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
NATUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die &#039;&#039;&#039;Natur&#039;&#039;&#039; verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben Kultur [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATUR LESEN&lt;br /&gt;
*… man muss sozusagen in der &#039;&#039;&#039;Natur lesen&#039;&#039;&#039; lernen, auch seine Böden … Lesen lernen, was waren da für Vorgänge in den Zeiten, die Jahrtausende, die vorausgegangen sind … Das ist schon ungeheuer wichtig [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Verwitterungskurve bei Kalk- bzw. Basenüberschuss 0:33:20|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:33:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATURPROZESS&lt;br /&gt;
* Eine Pflanze wächst, … fällt herunter … und dann … wird … zu Humus und dann wächst wieder etwas Neues. Dass da … Nahrung entsteht, … ist … im Naturprozess … nicht vorgesehen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Erster Aspekt: Naturprozess 0:03:09|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:03:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NOMINALISMUS&lt;br /&gt;
*… heute haben wir … diese Auffassung, das sind alles Nomen … es ist ein Nominalismus eigentlich … Wir brauchen Namen für das … Wir nennen das sogar mit lateinischen Namen, dass das auch jeder versteht in der Welt … Aber da fängt es erst an [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;O&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|O}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;O&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISCHES, NATÜRLICHKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Und dabei zu merken, dass dieses &#039;&#039;&#039;Organische&#039;&#039;&#039;, mit dem wir uns ja doch tagtäglich befassen, weder eckig noch ganz rund ist, weder perfekt noch unperfekt, irgendwie auf so eine ganz komische Art und Weise &#039;&#039;&#039;natürlich&#039;&#039;&#039; [ … ] Das finde ich unglaublich schön … , und deswegen bin ich ein bisschen angetan von der Landwirtschaft [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Die Faszination des Organischen 0:03:35|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:03:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine zentrale Frage in der Landwirtschaft ist die geeignete Ausgestaltung eines lebendigen &#039;&#039;&#039;Organismus&#039;&#039;&#039;. Manfred Klett bemüht sich daher in seinem Buch den Entwicklungsgedanken in der täglichen Praxis und Arbeit anwesend und wirksam sein zu lassen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendikeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISMUSGEDANKE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett charkaterisiert den &#039;&#039;&#039;Organismusgedanken&#039;&#039;&#039; auf Basis der [[a:Menschenkunde|Menschenkunde]] von [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]. Auf Basis des Entwicklungsgedankens, mit Menschen- und Selbsterkenntnis formt sich ein Bild für die Gestaltung des Beziehungsverhältnis zwischen Tier, Pflanze und Boden: So entsteht der Organismus um uns durch unsere Arbeit | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#So arbeiten, dass um uns herum ein Organismus entstehen kann 0:11:51|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:11:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;P&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|P}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;P&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADIES&lt;br /&gt;
* Manfred Klett erlebte seine Kindheit in Afrika als &#039;&#039;&#039;paradiesisch&#039;&#039;&#039;, absolut paradiesisch - aber sie mussten nach relativ kurzer Dauer alles zurücklassen und nach Deutschland flüchten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#1940 mit dem letzten Schiff zurück nach Deutschland 0:04:58|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:04:58]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PERSÖNLICHES VERHÄLTNIS&lt;br /&gt;
*… Sie müssen … ein &#039;&#039;&#039;persönliches Verhältnis&#039;&#039;&#039; … insbesondere zu dem Prozess … der Kompostierung, wo daraus Dünger, wo daraus Bodenfruchtbarkeit wird … Das wird nur etwas, wenn Sie sich dem zuwenden … immer mehr entwickeln … dass es Freude macht … insbesondere … des Düngerwerdens, des Fruchtbarwerdens [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der persönliche Verhältnis: Zuwendung und Beschenkung 0:51:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:51:54]]&lt;br /&gt;
PFLANZEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Form der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039;, … das stärkt das Denken. Die Formen der Tiere, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, BEDÜRFNIS NACH WACHSTUM&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; will wachsen, wachsen, wachsen, wachsen … aus diesem &#039;&#039;&#039;Bedürfnis&#039;&#039;&#039; heraus steuert jetzt die Pflanze über die Wurzelausscheidung die ganze Bodenaktivität um die Wurzel herum … die physiologischen Prozesse laufen ab nach den Bedürfnissen des Wachstums [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, ERNÄHRUNG VON UNTEN&lt;br /&gt;
*… sie [die grünen Blätter] würde natürlich bald absterben, wenn da nicht irgendwo &#039;&#039;&#039;von unten&#039;&#039;&#039; Wasser, also Feuchtigkeit, Wasser und Mineralstoffe … diesen ganzen Prozess unterstützen würden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, FORMGESTALT&lt;br /&gt;
* [Winterprozess] … was eigentlich wintertypisch ist … beim Winterweizen … dass die Blättchen … platt an die Erde legen, wie ein Stern … rosettenartig angeordnet … platt an die Erde gedrückt … das Wachstum kommt vollkommen zu Ende … die sternförmigen, rosettenartigen Bildungen … wie wenn das ein Abbild wäre des gestirnten Himmels über der Erde … diese &#039;&#039;&#039;Formgestaltung&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, FRÜHJAHRSPROZESS&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039;, was muss sie im &#039;&#039;&#039;Frühjahr&#039;&#039;&#039; machen? Sie muss mit der Erde sich verbinden. Sie muss eins werden mit der Erde [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, GESTALTBILDUNG WÄRME&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; ist … in Bezug auf ihre Wurzel mit der Erde eins, ungetrennt … In der Luft und der &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; bildet sich ihre &#039;&#039;&#039;Gestalt&#039;&#039;&#039; aus … Oberirdisch ist die Pflanze voneinander getrennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, QUALITÄTSBILDUNG&lt;br /&gt;
*… die eigentliche &#039;&#039;&#039;Qualitätsbildung&#039;&#039;&#039; [der &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039;] wird im Winter veranlagt … durch die einstrahlenden Formkräfte … die Formkräfte des Winters sind maßgebend für die Nahrungsqualität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, WACHSTUM AUS VERGANGENHEIT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wächst&#039;&#039;&#039; … aus was wächst eigentlich überhaupt die Pflanze? … die Grundlage geschaffen, dass überhaupt die Pflanze keimen kann … der Mehlkörper, der Samenmehlkörper … der enthält alles dasjenige, was die Pflanze braucht, um keimen zu können … das holt sie aus sich selbst heraus, &#039;&#039;&#039;aus&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Vergangenheit&#039;&#039;&#039;, Veranlagt im vergangenen Jahr. … sowohl die Keimwurzel … als auch dieser Keimling … ernährt sich selber, indem sie keimt und diese Keimwurzel ausbildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Samenmehlkörper 1:02:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:02:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZENWACHSTUM, SONNENLICHT&lt;br /&gt;
*… [Pflanzenstadium nach der Keimung] dass jetzt diese Verbindung mit der Erde in dieser Weise stattfinden kann … da synthetisiert sie [die Pflanze] am &#039;&#039;&#039;Sonnenlicht&#039;&#039;&#039; … Die Sonne ist jetzt maßgebend, dass alles weitergeht … Synthetisiert sich im Sonnenlicht über das Blatt, über das Chlorophyll … Die Pflanze ernährt sich … durch die Assimilate an der Sonne in den grünen Blättern … fließen … herunter in die Wurzeln. Und dann fängt nämlich die Pflanze an, sich selbst zu ernähren. So muss man auch an die Sache denken. Die Pflanze ernährt sich schon über die Keimung selber. Und dann ernährt sie sich weiter durch die Assimilate an der Sonne in den grünen Blättern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PHANTASIE DER NATUR&lt;br /&gt;
* [Kontext ist die Frostgare im Winter] … die &#039;&#039;&#039;Phantasie der Natur&#039;&#039;&#039; ist grenzenlos … Jede Schneeflocke, jeder Eiskristall, der vom Himmel fällt, ist einzigartig … ein und dasselbe hexagonale Kristallisationsprinzip, aber jede Form ist anders … die Natur zeigt eine unbeschreibliche Schönheit und Vielfalt in der Gestaltung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PHOSPHORSÄURE, SELBSTVERSORGUNG PFLANZE&lt;br /&gt;
*… Die Phosphorsäure holt sie [die Pflanze] im Wesentlichen aus dem Humus. Durch den Humusabbau werden … die sogenannten Phosphor-Nukleotide, das sind die Kerneiweiße der Zellen … durch den mikrobiellen Abbau wird diese &#039;&#039;&#039;Phosphorsäure&#039;&#039;&#039; frei und die &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; nehmen sie auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, OBERSONNIGE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Obersonnige Planeten&#039;&#039;&#039; wie Mars, Jupiter und Saturn haben Rhythmen, die länger als ein Jahr sind [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Die Stellung der Planeten: Obersonnige, untersonnige 0:24:14|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, UNTERSONNIGE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Untersonnige Planeten&#039;&#039;&#039; wie Merkur, Venus und der Mond haben Rhythmen, die kürzer als ein Jahr sind [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Die Stellung der Planeten: Obersonnige, untersonnige 0:24:14|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, WIRKUNG&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Planeten&#039;&#039;&#039; reicht bis zu den Fixsternen und beeinflusst den Lebenszusammenhang hier auf der Erde. &amp;quot;Von den Fixsternen kommt etwas auf den konkreten Lebenszusammenhang hier vor meiner Nase&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wirkungen von Planten 0:20:45|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:20:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PODSOL&lt;br /&gt;
* .. der sogenannte &#039;&#039;&#039;Podsol&#039;&#039;&#039; … das ist das Ende vom Lied … eine starke Horizontierung … Bleichzone unter der Humusauflage … der Ton und der Humus verlagern sich in den Untergrund [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
POLARITÄT&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft Probleme in den richtigen &#039;&#039;&#039;Polaritäten&#039;&#039;&#039;, in den richtigen Zusammenhängen anzuschauen. Dazu gehört die Polarität von Kalk und Kiesel [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Polarität von Kalkigem und Kieseligem 0:24:00|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:00]]&lt;br /&gt;
PRÄPARATE, GEISTIGE SEITE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Landbauschule [vom Dottenfelderhof] sehr, sehr viel gelernt. … das hat mir […] geholfen, um die Präparate tief zu verstehen. Dann … die geistige Seite … die muss man eher denken [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 4 - Wie sind deine Erinnerungen an deine Zeit als Landbauschüler am Dottenfelderhof? 0:04:50|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:04:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PROFIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Es geht nicht darum] immer mehr &#039;&#039;&#039;Profite&#039;&#039;&#039; herauszuschlagen, immer mehr Geld mit irgendetwas zu verdienen, immer noch mehr Produktivität zu erzeugen … , sondern wo es eigentlich darum geht, mit der Erde zu arbeiten [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Motivation und Zukunftsvision 0:24:10|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:24:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PSEUDOGLEY&lt;br /&gt;
* [auf Sandböden verwittern die Böden schneller als z.B. auf Basalt-Untergrund. Aus Braunerde entsteht …] ein schreckliches Zeug, der sogenannte &#039;&#039;&#039;Pseudogley&#039;&#039;&#039; … eine starke Horizontierung zeigt … der Ton verlagert sich in den Untergrund … Durch die Niederschläge, durch die Verwitterung wandert dann der Ton in den Untergrund, zum Teil auch der Humus. Und das setzt sich fort bis zum Podsol [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;Q&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|Q}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Q&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|R}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;R&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RANKER&lt;br /&gt;
*… der Ranker … Lahm, wenig Mineralien … es geht alles langsam, es ist nicht sehr tiefgründig … wenn es mal länger trocken ist, ist es dann doch auch schnell wieder zu Ende [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kiesel - Ranker: Braunerde 0:32:02|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:32:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RAUM PROZESS&lt;br /&gt;
*… Die Zusammenführung [z.B. dass ich die Kreiselegge kombiniere mit der Sämaschine] heißt ein &#039;&#039;&#039;Raum Prozess&#039;&#039;&#039;. Im Augenblick muss es schon stimmen. Und sich auseinander zu ziehen, heißt, den Zeitprozess zu dehnen [z.B. Die Sämaschine nicht mit der Scheibenegge kombinieren, sondern erst Abschleppen, damit das Unkraut kommt, und zeitversetzt die Sämschine] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
RAUM, SICH SELBST BEGEGNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir sind dann ein bisschen in die Verbindung gegangen, nicht nur in die Verbindung mit dem Tier … sondern man geht dann auch in Verbindung mit &#039;&#039;&#039;sich selbst&#039;&#039;&#039; … das schätze ich sehr an der Landwirtschaft und diesen &#039;&#039;&#039;Räumen&#039;&#039;&#039;, die aufgemacht werden … Räumen, wo man so vielem &#039;&#039;&#039;begegnen&#039;&#039;&#039; kann: dem Leben und dem Tod [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Räume schaffen für die Begegnung mit sich selbst, Mensch und Tier 0:06:41|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:06:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REALITÄT&lt;br /&gt;
*… dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität … die kann man jedenfalls gedanklich erahnen … Man kann es aber fühlen, sich vergegenwärtigen, wenn man sich mal so nachts an einem solchen, an solchen Verhältnissen sich exponiert [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RENDZINER&lt;br /&gt;
*… auf dem Kalk … entsteht als erstes … flach Rendzina … wie so ein Gartenboden, aber ganz flach und immer trocken … das ist der Kalk, der Kalkboden [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHIZOSPHÄRE&lt;br /&gt;
*… eine &#039;&#039;&#039;Rhizosphäre&#039;&#039;&#039; entwickelt … um die Wurzeln herum … eine Rhizosphäre von Symbiosen … Mikroben des Bodens, die da auch diese Lebendverbauung verursachen … heranziehen an die Wurzel, von der Wurzel ernährt werden … ätzen die Mineralien an durch die Säuren … mikrobieller Abbau … im direkten Umkreis der Wurzeln [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMEN, MIT DEN RHYTHMEN ARBEITEN&lt;br /&gt;
* Unser Tun und Gestalten kann mit den &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039; des Lebens &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039; oder dagegen. Erfolgreiches Arbeiten mit den Rhythmen erfordert deren Kenntnis und ein gutes Verhältnis zu ihnen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Schnelle und langsame Rhythmen 0:09:07|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:09:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMEN, SCHNELLE UND LANGSAME&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039; können sehr &#039;&#039;&#039;schnell&#039;&#039;&#039; oder sehr &#039;&#039;&#039;langsam&#039;&#039;&#039; sein. Monatsrhythmen stehen im Zusammenhang mit monatlichen Mondrhythmen. In der Medizin weiß man, dass tiefe Erholung Wochenlang dauert. Hingegen Sonnenrhythmen sind Jahresrhythmen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Schnelle und langsame Rhythmen 0:09:07|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:09:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS&lt;br /&gt;
* Neben Zeit und Raum spielen verschiedene andere Dinge eine Rolle in der Landwirtschaft. Das nennen wir nicht Takt, sondern &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; - eine geheimnisvolle Sache von enormer Bedeutung für die lebendige Welt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir Kinder so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer Willenskraft haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS DES BODENS&lt;br /&gt;
*… Wachstum, Leben ist immer &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039;, ist immer ein Prozess … der Urrhythmus … der Jahresrhythmus … wenn man nicht den Jahresrhythmus und dieses Leben &#039;&#039;&#039;des Bodens&#039;&#039;&#039; zusammen anschaut, wird man nie nirgends irgendwas kapieren | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:25:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS IM MENSCHEN&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;rhythmische&#039;&#039;&#039; Geschehen im &#039;&#039;&#039;Menschen&#039;&#039;&#039;, Atmen, Herzschlag, Durchwärmung und Puls, kann bewusst wahrgenommen werden [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie kann ich auf die mich umgebenden Rhythmen aufmerksam werden? 0:06:27|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:06:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS, OFFENBARUNG&lt;br /&gt;
* In jedem &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;offenbart&#039;&#039;&#039; sich etwas Unsichtbares, das im Sichtbaren wirkt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; an dieser Stelle kosmische Ernährung nennt […] veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christusimpuls wirklich real sich verändert hat. Und das passiert in Ihnen alltäglich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:49:02]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den Tieren […] Und jetzt ist die Aufgabe des Lehrers, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
* … &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; endet in diesem Vortrag […] Wie eigentlich das meditative Leben so entwickelt werden kann, dass man das Denken, das Fühlen und das Wollen stärkt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das meditative Leben als Befeuerung und Zugang zur Geistigkeit 01:19:31|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:19:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER, RESONANZ MIT MIR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Also da hat irgendwie ganz viel &#039;&#039;&#039;mit mir resoniert&#039;&#039;&#039;, was ich so nie erwartet hätte … dass da in den Schriften von [Rudolf] &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; irgendwie so viele Sachen gesagt wurden, die mir schon lange wichtig waren, die ich aber so in der Form noch nie gehört hatte … Und dass da vor allem … sehr viel auch über das gesprochen wurde, was man halt nicht sieht … so das Gegenteil von dieser sehr materialistischen Wissenschaft [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Vertiefung in die Anthroposophie 0:10:14|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:10:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RÖMISCH-GRIECHISCHE KULTUR, BODENBEARBEITUNG&lt;br /&gt;
* [auf die Ur-Persische Kultur: Boden ritzen folgte der] wendende Pflug … in der &#039;&#039;&#039;römisch-griechischen Kultur&#039;&#039;&#039; … in Gallien. Also Caesar beschreibt … wie er in Gallien den zweischarigen Pflug antrifft. Und da war er völlig perplex [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|S}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;S&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SÄMASCHINE&lt;br /&gt;
*… es ist wirklich eine fabelhafte Konstruktion, so eine &#039;&#039;&#039;Sämaschine&#039;&#039;&#039; … die macht das viel besser als die Handsaat … die Handsaat streut ja … während diese Sämaschine legt das Saatgut absolut exakt ab, dosiert … die Saatgutmenge … ab, dass hier beim Sävorgang der Säschar hier eine leise Verdichtung erzeugt … in der Saatgut-Rille … und auf diese verdichtete Zone wird die Saat abgelegt … der Nachstreicher … deckt das wieder zu … durch die Verdichtung wird kapillar Wasser angezogen von unten … dadurch quillt der Same schneller, nimmt Wasser auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Eggen-Strich mit Krümelwalze - danach die Sämaschine 0:53:57|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:53:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SAMENKORN ERNÄHRT DIE PFLANZE&lt;br /&gt;
*… das Samenmehlkörper … enthält alles dasjenige, was die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; braucht, um keimen zu können … das holt sie aus sich selbst heraus … sowohl die Keimwurzel … als auch dieser Keimling … wird zunächst mal nur aus dem &#039;&#039;&#039;Samenkorn&#039;&#039;&#039; ernährt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Samenmehlkörper 1:02:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:02:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SANDBODEN&lt;br /&gt;
* Sie müssen sich jetzt vorstellen, sobald der Boden auch nur ein bisschen warm wird, und er wird nur warm dadurch, dass die Luft in ihn eindringt … der &#039;&#039;&#039;Sandboden&#039;&#039;&#039; zieht [vor allem im Frühjahresprozess] die Luft sehr schnell ein, weil viel von dem Bodenwasser abdrainiert nach unten. Oder auch bei Sonneneinstrahlung schneller verdunstet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
SALEM AM BODENSEE&lt;br /&gt;
* Manfred Klett besuchte mit 11 Jahren (1944) die freie Privatschule &#039;&#039;&#039;Salem am Bodensee&#039;&#039;&#039; (gegründet Anfang der 30er Jahre). Die Schule wurde kurz zuvor zur SS-Schule umfunktioniert, und die alten Lehrer wurden entlassen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSAL, DANKBARKEIT&lt;br /&gt;
* Trotz der schrecklichen Erfahrungen mit dem Ungeist der Nazis, welcher &amp;quot;… durchgängig von morgens bis abends, durch die Nacht hindurch, man möchte sagen eine Zeit des Ungeistes, also wo man als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot;, war Manfred Klett seinem &#039;&#039;&#039;Schicksal dankbar&#039;&#039;&#039;, das erlebt zu haben [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSALSWENDE&lt;br /&gt;
* Der Beinbruch beim Fußballspiel im Jahr 1954 markierte eine bedeutende &#039;&#039;&#039;Schicksalswende&#039;&#039;&#039; für Manfred Klett, die er als klare Botschaft und Führung durch einen schicksalhaften Engel empfand. Es war der glücklichste Moment in seinem Leben [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Schicksalswende 1954, ich war 21 und brach mir das Bein 0:17:30|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:17:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Schicksalswendungen&#039;&#039;&#039; des Menschen in dieser Epoche sind nicht mehr so geradlinig wie früher. Man wird nicht mehr in eine Dorfschaft oder ein Handwerk hineingeboren, wo der Lebensweg vorgezeichnet ist. Heute landet man oft ganz woanders, unabhängig von der eigenen Ausbildung [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Geboren 1933 in Ostafrika am Kilimanjaro 0:01:13|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:01:13]]&lt;br /&gt;
SCHWALBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der Wiederkäuer im Tierreich? Die Vögel. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die &#039;&#039;&#039;Schwalben&#039;&#039;&#039;, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEDIMENTATION&lt;br /&gt;
* Durch die Eiszeiten … hat sich eine &#039;&#039;&#039;Sedimentation&#039;&#039;&#039; ergeben … aus Rohstoffen der Bodenbildung … eine äolische Sedimentation, also aus der Luft über die Winde verfrachtet … vollkommen mineralisch, tot … Und jetzt fängt dann eben an, durch die Erwärmung des Klimas, durch das Zusammenwirken von Erde, Wasser, Luft und Wärme fängt das an zu verwittern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Sedimentation und Verwitterung 0:11:06|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:11:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEHNSUCHT, VERWURZELUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es ging auch darum, sich mit dem Boden zu verbinden, den Kontakt zur Erde zu finden, weil ich merkte, dass mir das fehlte. Diese große &#039;&#039;&#039;Sehnsucht&#039;&#039;&#039; nach &#039;&#039;&#039;Verwurzelung&#039;&#039;&#039; [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Verbundenheit mit der Natur 0:07:39|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:07:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEEFAHRT, CHRISTLICH&lt;br /&gt;
* Nach dem Abitur fuhr Manfred Klett als Schiffsjunge auf einem Bananendampfer zur See und erlebte die letzten Momente der traditionellen &#039;&#039;&#039;christlichen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Seefahrt&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Orientierung nach dem Abitur, 2 Semester Studium Bauingenieurwesen 0:13:07|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:13:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
* [Für die Weiterentwicklung eines Standortes braucht …] es die Seele … die innere Zuwendung des Tieres … ein Wesen total im Hier und Jetzt | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34&lt;br /&gt;
* … die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation als Grundlage für ein &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039;, das ist anders. Mit anderen Worten, nochmal, das Tier lebt in der Sinnesbeziehung zur Welt und die Welt dringt in es ein [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation beim Tier als Grundlage für ein Seelenleben ist anders als beim Menschen 00:42:10|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:42:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTLOSIGKEIT, SCHENKEN&lt;br /&gt;
* Wahre Hilfe und Unterstützung kommen erst, wenn man selbstlos zu seinen Zielen steht und nicht an sich selbst denkt, sondern an die Aufgabenstellung und Zielsetzung. Die Großspende für den Bau des neuen Kuhstalls kam in dem Moment, als die Gesellschafter der Betriebsgemeinschaft ihr gesamtes Kapital herzuschenken [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Ein unerwarteter Geldsegen- Bau des Kuhstall 1:17:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:17:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SICHTWEISE, ENG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [der Lehrer] … der mich eigentlich aus einer so engen Sicht und aus so einer klitzekleinen Streichholzschachtel, in der ich bis dahin lebte, herausgeholfen hat … sondern einfach durch seine Art … Das war er als Mensch und wie er in seinem Leben stand [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Mein inspirierender Gartenbaulehrer 0:01:30|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:01:30]]&lt;br /&gt;
SINNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die &#039;&#039;&#039;Sinneswelt&#039;&#039;&#039; der Kühe? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
* Die saubere, präzise, besonnene, in der Zeit mitgehende &#039;&#039;&#039;Sinneswahrnehmung&#039;&#039;&#039; ist schon Willensaktivität [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sinneswahrnehmung ist Wille. Der Wille wird, indem ich mit ihm tätig bin 01:00:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:00:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SINN DER PFLANZEN&lt;br /&gt;
* Der tiefste Sinn der Pflanzen ist es, die Mutter Erde immer lebendig zu halten, indem sie Licht aufnehmen und in den Boden hineintragen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Wesenhafter Prozess der Lichtaufnahme 1:15:57|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 01:15:57]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE&lt;br /&gt;
*… die Pflanze ist … wie hervorgebracht von der Aktualität des Lichtes, der &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; … die Sonne lockt eigentlich die Pflanzen hervor … Ohne Boden kann die &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; noch so schön scheinen … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden entsteht aus Pflanzen 0:22:20|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:22:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE, PFLANZLICHES LEBEN&lt;br /&gt;
* Das eigentliche des pflanzlichen &#039;&#039;&#039;Lebens&#039;&#039;&#039; ist die &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOZIALE FRAGE&lt;br /&gt;
* Mit &#039;&#039;&#039;sozialer Frage&#039;&#039;&#039; ist das Zusammenwirken von Menschen in der Landwirtschaft gemeint. Eine neue Sozialform, neue Sozialität ist notwendig, um den Organismusgedanken verwirklichen zu können. Das Zusammenarbeiten auf Augenhöhe wird auf dem [[Dottenfelderhof]] mit der [[Betriebsgemeinschaft Dottenfelderhof|Betriebsgemeinschaft]] versucht zu verwirklichen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOZIALFORM, NEUE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Neue Sozialform&#039;&#039;&#039; für den Dottenfelderhof. Abschaffung der Lohnarbeit mit dem Ideal, dass selbstbestimmte Mitarbeiter aus der biologisch-dynamischen Wirtschaftweise (selbst) heraus arbeiten. Es erfolgte (1969) die Gründung der &amp;quot;Betriebsgemeinschaft&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
SPIEGELBILD&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir mit dem ungeschulten Bewusstsein als Alltags-Ich erleben und uns dadurch von der Welt abgesondert fühlen, ist nur dieses &#039;&#039;&#039;Spiegelbild&#039;&#039;&#039; des wahren Ich [Spiegelvortrag von Rudolf Steiner, GA 35] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STADTLEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich kam dann nach Dresden, eine große &#039;&#039;&#039;Stadt&#039;&#039;&#039;, in der ich drei oder vier Jahre lebte. Irgendwann merkte ich, dass ich dort nicht &#039;&#039;&#039;leben&#039;&#039;&#039; konnte. Es war kein Lebensraum, nur toter Asphalt, Lärm, Dreck, ständige Bewegung und Überreizung [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Leben in der Stadt 0:04:38|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:04:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STERN, STERNENGESETZE&lt;br /&gt;
* Aufgrund der jetzt &#039;&#039;&#039;einstrahlenden Umkreiskräfte des Fixsternhimmels&#039;&#039;&#039;, die eben keine Zeit-Raum-Kräfte sind, die nicht in Zeit und Raum wirken, sondern die &#039;&#039;&#039;außerräumlich, außerzeitlich&#039;&#039;&#039;, also in dem Sinne keine Kräfte sind, die man jetzt messen kann. Die kann man physikalisch nicht messen. … nur den Effekt sehen, wie jetzt diese kristallbildenden Kräfte im kristallisierenden Wasser, in den kristallisierenden Schneeflocken nach &#039;&#039;&#039;Sternengesetzen&#039;&#039;&#039;, das heißt nach dem &#039;&#039;&#039;hexagonalen Prinzip&#039;&#039;&#039; sich durchgestalten, durchformen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STERNENHIMMEL UND ERDE IN KORRESPONDENZ&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Sternenhimmel&#039;&#039;&#039; [in eiskalten Winternächten] … tritt mit der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; in eine Beziehung … das Gefühl … dass da eine Relation ist … dass das nicht irgendwo da oben ist und hier unten ist die Erde … sondern dass das irgendwie in einer &#039;&#039;&#039;Korrespondenz&#039;&#039;&#039; steht … dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STICKSTOFF&lt;br /&gt;
*… durch die Stickstoffdüngung … wird gerade dieser Prozess [der von der Pflanze selbst gesteuerte Vorgang der Eigenernährung] gehemmt, der Aufbau dessen, dass sich hier um die Wurzeln herum eine Rhizosphäre entwickelt von Symbiosen … die Mikroben des Bodens … bauen jetzt um die Wurzel herum den Humus ab … sie ätzen die Mineralien an durch die Säuren … ein biologischer Verwitterungsvorgang findet direkt um die Wurzeln herum statt … &#039;&#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;&#039;, Phosphorsäure und solche Sachen, die werden durch den mikrobiellen Abbau aus dem Humus freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STICKSTOFF-ÜBERHANG&lt;br /&gt;
* [Winterprozess des Bodens] … ein Zwang, den ich ausübe, mit diesem &#039;&#039;&#039;Stickstoff-Überhang&#039;&#039;&#039; … es ist zu viel Stickstoff vorhanden … die Pflanzen werden gedrängt, immer noch weiter zu wachsen, obwohl die äußeren Bedingungen es eigentlich gar nicht wirklich zulassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Wachstumsruhe oder Wachstumszwang 0:02:51|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:02:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STILLSTAND&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;… es, darf es keinen &#039;&#039;&#039;Stillstand&#039;&#039;&#039; geben. Bloß nie stillstehen, … das Ziel bin ICH SELBST. Das lebt in MIR, ganz objektiv, und lebt sich dann nach außen hin nur subjektiv dar als der Manfred Klett, der hier hockt.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STOLPERSTEINE&lt;br /&gt;
* Was man geworden ist im Leben, verdankt man anderen Menschen, durch Begegnungen, durch &#039;&#039;&#039;Stolpersteine&#039;&#039;&#039;:  &amp;quot;Die größten Stolpersteine sind die größten Förderer der eigenen Entwicklung.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRIEGEL, BODENATMUNG&lt;br /&gt;
*… das Hauptinstrument ist der &#039;&#039;&#039;Striegel&#039;&#039;&#039;. Die leichte Egge, wenn es nicht mehr so gut geht. Oder dann die Hacke bei den Hackfrüchten oder im Feldgemüsebau … das sind alles nur Instrumente, die dazu dienen, zwei Zentimeter, drei Zentimeter höchstens die Kruste oben zu brechen … dass der Boden so gebrochen ist, dass das schwere Kohlendioxid durch den über den Acker streichenden Wind aus den Bodenporen herausgesaugt wird und andererseits Sauerstoff in den Boden reinkommt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
*… das allerwichtigste Instrument ist der &#039;&#039;&#039;Striegel&#039;&#039;&#039; … der Netzstriegel … ist unübertroffen … kann sich jeder Bodenunebenheit angliedern … das beste Instrument … den Boden, die Bodenkruste zu durchstoßen … die Striegelarbeit … immer auch ein bisschen Unkraut dabei erwischt … früher ist eine Hautbearbeitung … wie wenn man die Kühe striegelt … so striegelt man jetzt den Acker und bricht die Kruste … das regt den Stickstoff-Freisetzungsprozess durch Abbau im Boden an, die mikrobielle Aktivität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Netzstriegel - Striegelbearbeitung - Hautbearbeitung 1:25:37|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:25:37]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SYMPATHIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter &#039;&#039;&#039;Sympathie&#039;&#039;&#039; […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;T&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|T}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;T&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TAKT&lt;br /&gt;
* Rhythmen sind nicht gleichmäßig wie ein &#039;&#039;&#039;Takt&#039;&#039;&#039;, sondern schwingen und klingen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Ein taktartiger Rhythmus kann auf eine ernsthafte Krankheit hinweisen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus ist nicht Takt 0:15:55|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:15:55]] &lt;br /&gt;
TIER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation als Grundlage für ein Seelenleben, das ist anders. Mit anderen Worten, nochmal, das &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039; lebt in der Sinnesbeziehung zur Welt und die Welt dringt in es ein [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation beim Tier als Grundlage für ein Seelenleben ist anders als beim Menschen 00:42:10|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:42:10]]&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039; richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der Kühe? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
* … die Form der Pflanzen, … das stärkt das Denken. Die Formen der &#039;&#039;&#039;Tiere&#039;&#039;&#039;, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
* Steiner empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den &#039;&#039;&#039;Tieren&#039;&#039;&#039; […] Und jetzt ist die Aufgabe des Lehrers, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TON&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; ist ja nun etwas ganz, ganz Besonderes … in einer primären Bodenbildung … gibt es keinen &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; … Der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; entsteht … in den Böden … wenn der Kalk plötzlich nicht mehr die Oberhand hat … der pH-Wert muss ein bisschen runtergehen, … dann kann die Tonentstehung einsetzen … Der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; ist schon wie auf der Grenze zum Leben … er quillt und er schrumpft … Übergang aus dem Mineralischen zum Lebendigen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der Kalk geht, der Ton kommt 0:36:43|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:36:43]]&lt;br /&gt;
TONBODEN, KALTER BODEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im &#039;&#039;&#039;Tonboden&#039;&#039;&#039;, den man auch in der Sprache der Landwirtschaft einen &#039;&#039;&#039;kalten Boden&#039;&#039;&#039; nennt … der schwere Boden, der Tonboden braucht sehr lange … er bleibt so lange kalt, als das Wasser im Boden ist … Weil er in den Poren das Wasser hat - das sind sehr feine Poren - das Wasser festhält, kapillar festhält. Das verdunstet nicht so leicht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TON ENTSTEHUNG&lt;br /&gt;
* durch Verwitterung [von Felsspat, Glimmer u.ä.] &#039;&#039;&#039;entsteht&#039;&#039;&#039; durch die Verwitterung &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039;, Tonmineralien … der Ton schafft neben dem Humus eigentlich die Fruchtbarkeit unserer Böden [es entsteht ein BT-Horizont] … Das ist also der Tonhorizont [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
TONMINERALIEN, ABBAU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… keine Grenze mehr ist, zwischen der lebendigen Wurzelsubstanz, der Wurzelhaare. Das ist meistens sehr, sehr zartes Eiweiß. Die wächst … mit diesen Humusteilchen oder Tonteilchen, was da so ist im Boden, wächst das zusammen, dass da keine Grenze mehr ist … Und da scheiden jetzt diese Wurzeln auch die Säuren aus … die Säuren, die sorgen jetzt dafür, dass jetzt in diesen Tonteilchen … die &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;abgebaut&#039;&#039;&#039; werden. Denn die Tonmineralien enthalten im Wesentlichen das Kalium … auf diese Weise kann die Pflanze selbsttätig … sich mit Kalium versorgen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TONMINERALIEN, SEKUNDÄRE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Der Winterpozess ist ein Form-Bildungsprozess]. Sodass man davon ausgehen muss …, dass gerade diese koloidalen Substanzen, die durch die Verwitterung frei werden, wie ein Endprodukt der Verwitterung sind, … im Winter, jetzt wieder umschlagen und neue Kristallformen bilden, &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; bilden, en miniature, … die sogenannten &#039;&#039;&#039;sekundären Tonmineralien&#039;&#039;&#039; bilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Formbildungsprozess 1:01:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:01:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TONMIERALIEN, VERWITTERUNGSPROZESS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Verwitterungsprozess&#039;&#039;&#039; bleibt nicht bei der Tonbildung stehen … &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; verwittern weiter und zerfallen in Aluminium-Hydroxid oder Kieselsäure … dieser Zerfallsprozess führt von kristallinen Substanzen zu amorphen, gestaltlosen Koloiden … Koloide sind keine festen kristallinen Strukturen mehr, sondern stellen einen Zustand zwischen fester Form und vollständiger Auflösung dar [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Tonmineralien zerfallen zu Koloiden 0:56:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:56:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;U&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|U}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;U&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNGEIST&lt;br /&gt;
* Manfred erlebte 1944 die Nazis in seiner Schule Salem am Bodensee. Mit und durch die Nazis herrschte ein &#039;&#039;&#039;Ungeist&#039;&#039;&#039;: &amp;quot;… es war durchgängig von morgens bis abends, durch die Nacht hindurch, man möchte sagen eine Zeit des Ungeistes, also wo man als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUT, FÄDIGES STADIUM&lt;br /&gt;
* [Frühjahr] … und diese erste Generation von Unkraut müssen wir haben … dann kann erst die Saat erfolgen nach 14 Tagen … man muss in der Zeit mit den Prozessen mitgehen, … indem man auf den Acker geht … diese Bewegung macht … dass er sich auch hinkniet … dann sieht er, dass unterm Boden lauter weiße Fäden sind … diese weißen Fäden ist das aufgelaufene &#039;&#039;&#039;Unkraut&#039;&#039;&#039; … was noch nicht den Boden durchstoßen hat … alle Unkrautbekämpfung ist dann am erfolgreichsten, wenn ich die Unkräuter in diesem &#039;&#039;&#039;fädigen Stadium&#039;&#039;&#039; erwische … da haben sie nämlich meistens noch keine Wurzelhaare ausgebildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erste Generation Unkraut 0:52:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:52:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUTBEKÄMPFUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Frühjahr] … alle &#039;&#039;&#039;Unkrautbekämpfung&#039;&#039;&#039; ist dann am erfolgreichsten, wenn ich die Unkräuter in diesem fädigen Stadium erwische … da haben sie nämlich meistens noch keine Wurzelhaare ausgebildet … da senkt sich nur die Wurzel in die Tiefe … aber noch nicht die ganz feinen Härchen, womit sie sich dann mit der Wurzel verbindet … und wenn sie mal mit der Erde verbunden ist über die Wurzelhaare … da kann ich sie nicht mehr rausreißen … dann holt sie der Striegel nicht mehr raus [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erste Generation Unkraut 0:52:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:52:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUTKEIMUNG, FÖRDERUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich sorge dafür, dass jetzt das Unkraut gleichmäßig in dieser verebneten Fläche [druch das Abschleppen im Frühjahr] keimen kann … kommt schön Luft rein, kommt schön Wärme rein … die Unkräuter … fangen jetzt an zu keimen … wir müssen diesen &#039;&#039;&#039;Keimvorgang&#039;&#039;&#039; der Unkräuter … &#039;&#039;&#039;anregen&#039;&#039;&#039; … gleichzeitig fördern wir damit diese Lebendverbauung … die Frostgare … wird gleichmäßig verteilt … gleichmäßige Oberfläche, die locker ist … und dann kann diese Lebendverbauung wirklich den Boden strukturmäßig stabilisieren [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Förderung der Unkrautkeimung und der Lebendverbauung 0:41:47|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:41:47]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNIVERSALITÄT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Handeln aus einer Gemeinschaft heraus, in welcher jeder sein (Handlungs-)Motiv in den Dienst des Moivs der anderen stellt, und darau ein Guss wird um die &#039;&#039;&#039;Universalität&#039;&#039;&#039; des biodynamischen Landbau in die Tat zuzusetzen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Unkräuter, Beikräuter sind immer Heilpflanzen für den Boden, die die Natur natürlich in einer Üppigkeit hervorbringen muss, was aber nicht notwendig so sein muss. Man sollte von jeder Spezies ein paar Exemplare stehen lassen, dann kommt von der geistigen Welt nicht dieser Impuls, sofort nachwachsen zu müssen  [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Umgang mit Unkraut 1:40:20|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 01:40:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNVERBRÜCHLICHKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;quot;… wenn man zu seiner Idee steht und &#039;&#039;&#039;unverbrüchlich&#039;&#039;&#039; das, was man für richtig und wahr hält, auch wirklich tut. Dann kommen einem plötzlich von außen Konstellationen zu, die einem helfen, das Problem zu lösen.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URRHYTHMUS&lt;br /&gt;
*… der Urrhythmus … der einfachste, verständlichste Rhythmus, der Jahresrhythmus … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Rhythmus des Bodens: Frühjahr - geben, Herbst - bekommen 0:25:35|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:25:35]]&lt;br /&gt;
UR-PERSISCHE-KULTUR, BODENBEARBEITUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Seit der &#039;&#039;&#039;ur-persischen Kultur&#039;&#039;&#039;, so im achten vorchristlichen Jahrtausend, gibt es &#039;&#039;&#039;Bodenbearbeitung&#039;&#039;&#039; … Da hat man angefangen, eben den Boden zu ritzen, noch nicht zu pflügen, … Meistens waren es sogar Holzpflüge [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;V&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|V}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;V&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VENUSKRÄFTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hüllen bildende Kräfte [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der menschliche Körper als Mikrokosmos 0:25:30|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:25:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERSTEHEN, ZUSAMMENHANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Um wirklich zu verstehen, warum eine Kompassnadel fortwährend auf Norden ausgerichtet ist, muss man die Funktion der magenetischen Nadel im richtigen großen &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;verstehen&#039;&#039;&#039;. Das ist nur ein Beispiel, wenn man die wahren Zusammenhänge von Böden, Pflanzen und Tieren verstehen will [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Den wahren Zusammenhang von Boden, Pflanzen und Tiere erkennen 0:00:29|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:00:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERSTEHEN, NATUR-KULTUR ZUSAMMENHANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oft ist es sinnvoll, vom Menschen und seinen Rhythmen auszugehen, um die &#039;&#039;&#039;Natur-Kultur Zusammenhänge&#039;&#039;&#039; im Pflanzen-, Boden- und Tierleben zu &#039;&#039;&#039;verstehen&#039;&#039;&#039; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie kann ich auf die mich umgebenden Rhythmen aufmerksam werden? 0:06:27|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:06:27]]&lt;br /&gt;
VERTRAUEN, EIGENEN IDEEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett betont die Wichtigkeit, seinen &#039;&#039;&#039;eigenen Ideen&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;vertrauen&#039;&#039;&#039;, sie lebendig im Bewusstsein zu halten und sie ständig an der Wirklichkeit und den äußeren Widerständen zu prüfen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRAUEN, KREDIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zum herausragensten Ereignis im Leben des ehem. Chef der Commerzbank gehört die Erfahrung, dass ein unbesicherter Kredit wichtig und richtig war, und dass ein &#039;&#039;&#039;Kredit&#039;&#039;&#039; heißt: &#039;&#039;&#039;Vertrauen&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Kein Geld und schlechte Perspektiven 0:59:26|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:59:26]]&lt;br /&gt;
VERWITTERUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Gestein &#039;&#039;&#039;verwittert&#039;&#039;&#039; … durch Wasser-, durch Luft- und durch Wärme-Einwirkung … löst sich dieser Kristallverband und dann beginnt die &#039;&#039;&#039;Verwitterung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn der Verwitterung 0:15:58|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:15:58]]&lt;br /&gt;
VÖGEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der Wiederkäuer im Tierreich? Die &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die Schwalben, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;W&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|W}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;W&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WACHSTUM, SCHNELLES UND LANGSAMES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lebensbetrachtung in der Biodynamik: Unterschiedliche &#039;&#039;&#039;Wachstumsrhythmen&#039;&#039;&#039;. Einjährige Pflanzen wachsen &#039;&#039;&#039;schnell&#039;&#039;&#039; und reproduzieren sich häufig. Hingegen Bäume und mehrjährige Pflanzen wachsen &#039;&#039;&#039;langsamer&#039;&#039;&#039;, aber gehen ins Holz [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
WAFFEN, GEISTIGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Heute glaubt man, Widerstände dadurch brechen zu können, dass man Krieg führt, … Das ist keine Methode der Zukunft mehr, … einzig … &#039;&#039;&#039;Geistige&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Waffen&#039;&#039;&#039; brechen jeden Widerstand. … Man muss treu zu dem stehen, was man als richtig und wahr - nicht nur richtig, sondern auch wahr - für sich selbst erkannt hat - und dazu stehen … und immerfort mit Geduld warten, warten, warten, warten&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAHRHAFTIGKEIT, SPÜREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Meine Mission ist die &#039;&#039;&#039;Wahrhaftigkeit&#039;&#039;&#039;, mit der Wahrheit zu sein [ … ]. Wenn ich Menschen sehe, die etwas tun, das sie erfüllt, &#039;&#039;&#039;spüre&#039;&#039;&#039; ich das [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Meine Mission ist die Wahrhaftigkeit 0:20:43|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:43]]&lt;br /&gt;
WALDORFPÄDAGOGIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Warum ist &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, warum ist anthroposophische Heilpädagogik eine Willenserziehung? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WALDORFSCHULE STUTTGART UHLANDSHÖHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach dem Krieg besuchte Manfred Klett die wiedereröffnete &#039;&#039;&#039;Waldorfschule in Stuttgart Uhlandshöhe&#039;&#039;&#039;, die als Ur-Schule bekannt ist. Die Schule war während des Krieges zerbombt worden, und die Schüler mussten in den Pausen Schutt aufräumen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Kriegsende nach Stuttgart Uhlandshöhe- meine Hoch-Zeit an der Waldorfschule 0:09:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:09:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WANDEL, REPRODUKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alle Pflanzen haben die Fähigkeit zur &#039;&#039;&#039;Reproduktion&#039;&#039;&#039;, sie bilden Samen. Von Generation zu Generation erfolgt jedoch ein &#039;&#039;&#039;Wandel&#039;&#039;&#039; und Erneuerung. Wird Wandel ggf. duch Pflanzen mit bewirkt? Hinweis auf das Buch von [[Andreas Suchantke]] [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WÄRME, LEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles Leben braucht &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;, braucht &amp;quot;wärmemäßiges&amp;quot; und &amp;quot;feuchtemäßiges&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Feuchtemäßiges, Wärmemäßiges 0:33:40|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:40]]&lt;br /&gt;
WAWILOW-ZENTREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… wenn man anfängt so zu gucken, wie wurde Landwirtschaft erfunden, dann … kommt man … in diese &#039;&#039;&#039;Wawilow-Zentren&#039;&#039;&#039; und landet im fruchtbaren Halbmond … wie konnte die Menschheit das Getreide aus den Gräsern hervorbringen oder die Ölpflanzen … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Zweiter Aspekt: Kulturprozess 0:04:45|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:04:45]]&lt;br /&gt;
WEIDE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der Kühe? Natürlich die &#039;&#039;&#039;Weide&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIEDERKÄUER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der &#039;&#039;&#039;Wiederkäuer&#039;&#039;&#039; im Tierreich? Die Vögel. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die Schwalben, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIDERSTAND BRECHEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;…möchte ich Ihnen ans Herz legen, dass es wirklich so ist: Wenn man seinen eigenen Ideen vertraut - und nicht nur jetzt die irgendwo stilisiert zu einem Dogma - sondern dass man immerfort diese lebendig erhält im Bewusstsein und treu zu dieser Idee bleibt und die ständig prüft an der Wirklichkeit, an den Widerständen, die einem von außen entgegenkommen, dann ist eine solche Idee… - ich möchte sagen, die &#039;&#039;&#039;bricht&#039;&#039;&#039; jeden &#039;&#039;&#039;Widerstand&#039;&#039;&#039;!&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
WILLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist eigentlich etwas, was zu kultivieren ist. Es lebt irgendwie im Untergrund in uns und ist uns mitgegeben und gleichzeitig ist es etwas, was wir ganz schwer fassen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wochenspruch der Michaeli-Zeit 00:05:29|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:05:29]]&lt;br /&gt;
* Wir sind Menschen einer Gedankenschule, wir sind Menschen einer Gedankenkultur und unser &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist in aller Regel tief unten in einem sehr unbewussten Bereich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille und unsere Kultur 00:07:40|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:07:40]]&lt;br /&gt;
* … der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist etwas, wo Zuwendung, wo Hingabe, wo Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille ist etwas, wo Zuwendung, Hingabe, Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt 00:16:50|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:16:50]]&lt;br /&gt;
* Wie ernähren wir überhaupt so, dass &#039;&#039;&#039;Willensimpulse&#039;&#039;&#039; wirksam werden können in den Menschen? Dass Nahrung nicht dafür sorgt, dass der Wille immer mehr verschüttet wird [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft und Wille: Wie ernähren wir uns, damit Willensimpulse im Menschen wirksam werden können? 00:39:26|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:39:26]]&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir Kinder so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer &#039;&#039;&#039;Willenskraft&#039;&#039;&#039; haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt Rhythmus eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die &#039;&#039;&#039;Willensentwicklung&#039;&#039;&#039; beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
* Die saubere, präzise, besonnene, in der Zeit mitgehende Sinneswahrnehmung ist schon &#039;&#039;&#039;Willensaktivität&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sinneswahrnehmung ist Wille. Der Wille wird, indem ich mit ihm tätig bin 01:00:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:00:13]]&lt;br /&gt;
* … die Form der Pflanzen, … das stärkt das Denken. Die Formen der Tiere, das stärkt den &#039;&#039;&#039;Willen&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* Gebet, überhaupt die religiöse Zuwendung, hat immer eine ganz starke &#039;&#039;&#039;Willenskomponente&#039;&#039;&#039; und eine Willensschulung | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des &#039;&#039;&#039;Willens&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; [Joseph Beuys] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WILLENSKRAFT, NOTWENDIGKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Tatsache hat es mir einfach geholfen, … Sachen einfach zu tun, wenn es … wenn es notwendig ist. […] Ich glaube, dieses Motiv [Handeln aus Notwendigkeit] wird … jugendliche Leute … helfen [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 7 - Landwirtschaft ist anstrengend! Wie überwindest du dich zu solcher Arbeit? 0:07:33|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Winterszeit [Winterzeit fängt im Nov. an, und hat gem. Rudolf Steiner ihren Höhepunkt Mitte Jan. bis Mitte Feb.] … kristallbildenden Kräfte … am allerstärksten wirksam … das ist der eigentliche &#039;&#039;&#039;Winterprozess&#039;&#039;&#039; … ein Form-Bildungsprozess … im Winter schwingt es zurück und kristallisiert wieder … Frostsprengung … Re-Kristallisation der Tonmineralien … eine naturhafte Bodenbearbeitung … die Natur bearbeitet sich selbst … um einen fruchtbaren Boden für das kommende Jahr zu bilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Formbildungsprozess 1:01:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:01:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERERLEBNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im Winter … denkt sich die Erde selber … das ist ein Wintererlebnis … Jeder Denkakt ist ein &#039;&#039;&#039;Wintererlebnis&#039;&#039;&#039; … der Winterprozess … äußerlich … ein Todesprozess, aber innerlich wird die Erde ungeheuer geistig [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERKRÄFTE, ZUR RUHE KOMMEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das äußere Leben ist verschwunden … diese &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; werden wirksam … und da findet ein Prozess statt … wenn man denkt … ich muss erst mal &#039;&#039;&#039;zur Ruhe kommen&#039;&#039;&#039;, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der &#039;&#039;&#039;Winterszeit&#039;&#039;&#039; … ich muss innerlich irgendwie zur Ruhe kommen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, AUFGABE DES MENSCHEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Ergebnis dieses &#039;&#039;&#039;Winterprozesses&#039;&#039;&#039;, wo die Natur sich selber bearbeitet … da haben wir nichts zu suchen draußen … [aber] wir haben sehr wohl was zu suchen draußen, indem wir über einen Acker gehen im Winter … und schauen uns … diese Stimmungen … an … Das gehört zum Landwirt-sein allemal dazu [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn des Frühlingsprozesses 0:28:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:28:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, RUHEZUSTAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Einzige, was dann noch wächst während des &#039;&#039;&#039;Winters&#039;&#039;&#039; … alles andere ist tot … also ist abgestorben und im &#039;&#039;&#039;Ruhezustand&#039;&#039;&#039; … die Wurzelspitzen der tiefgehenden Saugwurzeln der Wintergetreide … wachsen ganz, ganz langsam noch [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, VERBORGENHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Boden] … der &#039;&#039;&#039;Winterprozess&#039;&#039;&#039; ist ein sehr &#039;&#039;&#039;verborgener&#039;&#039;&#039; … weil … eigentlich da nicht mehr viel äußerlich passiert … die Pflanzen sind abgestorben im Herbst … ein äußeres Leben ist da kaum noch zu konstatieren … im Winter hört das Wachstum auf … aber … bei dieser milden Witterung … sieht man immer, dass die Blätter die Tendenz haben, sich ein bisschen zu stellen … ein Zwang … durch den Stickstoff-Überhang [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Wachstumsruhe oder Wachstumszwang 0:02:51|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:02:51]]&lt;br /&gt;
WISSEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … unsere &#039;&#039;&#039;Wissenskultur&#039;&#039;&#039; ist auf dem besten Wege, entmenschlicht zu werden … diese große Gefahr der Vereinzelung und der Verabstrahierung … schlussendlich das Leben gar nicht mehr selber erreichen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wochenspruch als Sinnbild für das Ergreifen des Willens und als Quelle für das eigentlich Menschliche. Entmenschlichung durch reine Wissenskultur 00:13:09|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:13:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZELN, ABBAUPROZESSE&lt;br /&gt;
*… Mikroben des Bodens … gruppieren sich um die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; … von der Wurzel ernährt … bauen jetzt um die Wurzel herab den Humus ab … ätzen die Mineralien an durch die Säuren … ein biologischer Verwitterungsvorgang findet direkt um die Wurzeln herum statt … der PH-Wert wird erniedrigt … der Humus wird angegriffen … Stickstoff, Phosphorsäure und solche Stoffe werden durch den mikrobiellen &#039;&#039;&#039;Abbau&#039;&#039;&#039; aus dem Humus freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, ATMUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;atmet&#039;&#039;&#039; wie Mensch und Tier … die Wurzel kann nur wachsen, wenn sie O2, Sauerstoff, hat … CO2 im Boden … wirkt nämlich wie ein Gift … schwerer als Luft … möchte immer im Boden unten bleiben … ich deswegen den Boden offenhalten im Frühjahr, so lange es nur irgend geht … dass der Boden entlüften kann [und er] Sauerstoff einatmen kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, AUSSCHEIDUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… über diese Wurzelhaare scheiden jetzt die Wurzeln … die sogenannten &#039;&#039;&#039;Wurzelausscheidungen&#039;&#039;&#039; aus … Eiweißbruchstücke, niedermolekulare Eiweiße, dann Zucker oder Kohlehydrate … Fermente … Säuren, organische Säuren … die Pflanzen sind eigentlich ein Eimer ohne Boden … durch diese Wurzelausscheidungen … ernährt die Pflanze den Boden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Pflanze ernährt den Boden 1:09:38|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:09:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL ZU WURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Und diese Wurzelhaare wachsen mit dem Erdreich zusammen. Die wachsen mit der Mineralität der Erde zusammen. Die bilden eine Einheit…. durch Mykkhorizen, das ist eine Pilzsymbiose von Wurzel zu Wurzel … Ein ganzer Wald ist irgendwie unterirdisch über das Wurzelwerk miteinander verbunden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZELHAARE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… sobald sich hier diese feinen &#039;&#039;&#039;Wurzelhärchen&#039;&#039;&#039; herausbilden, immer hier oben an den Wurzelspitzen, dann ist die Pflanze verhakt … das ist auch ein Problem … der Unkrautbekämpfung … Sobald die Pflanze ergrünt, kommen diese Wurzelhaare …  Die verwachsen jetzt mit dem Erdreich. Und dadurch bekommt die Pflanze überhaupt erst richtig Halt. Also hier bilden sich jetzt aus überall diese Wurzelhaare. Zunächst die ganze Länge der Wurzel, zuletzt nur noch am Ende, an der Wurzelspitze, diese Wurzelhaare [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ausbildung der Wurzelhaare 1:01:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:01:13]]&lt;br /&gt;
WURZELHAARE WACHSEN MIT ERDE ZUSAMMEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… diese Wurzelhaare … bilden ganz feine Ausstülpungen … einen halben Millimeter lang, … Diese &#039;&#039;&#039;Wurzelhaare&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wachsen&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;&#039;Erdreich&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zusammen&#039;&#039;&#039;. Die wachsen mit der Mineralität der Erde zusammen. Die bilden eine Einheit. Die Pflanze ist in Bezug auf ihre Wurzel mit der Erde eins, ungetrennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Diese sogenannten Assimilate [durch Synthese im Sonnenlicht in den Blättern entstanden], die sich hier oben in der grünenden Pflanze bilden, die fließen jetzt zum Teil herunter in die &#039;&#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039;&#039;. Und dann fängt nämlich die Pflanze an, sich selbst zu &#039;&#039;&#039;ernähren&#039;&#039;&#039; … rinnen diese Assimilate in den Blättern durch die Stängel, durch die Wurzel hindurch herunter bis an die Wurzelspitzen. Und ernähren die Wurzeln in ihrem Wachstum [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, KRONWURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kronwurzeln&#039;&#039;&#039; … die wachsen erst im Frühjahr. Aber die Saugwurzeln … die wachsen ganz, ganz langsam noch [während des Winters in die Tiefe] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, NERVEN-SINNES-POL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… der Gesamtumfang dessen, was sich … [bei der Wurzel]  in Gleichzeitigkeit abspielt, das ist … ähnlich wie im Menschen, wenn er fühlt, wenn er denkt. Da finden auch alle möglichen prozessualen Vorgänge im Gehirn oder sonst im Nervensystem … statt. Und das Ergebnis nehmen sie wahr, indem sie Gedanken haben, Gefühle haben und Willensimpulse freisetzen können. Und dieses ganze Geschehen hier unter dem Boden ist … so ähnlich wie im menschlichen Haupt, … auch ständiger Abbau stattfinden muss im Gehirn, dass wir Gedanken haben. Und die Pflanze hat keine Gedanken, aber die wächst. Es ist ein Wachstumsprozess, der da ausgelöst wird … die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; ist eigentlich der &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Pol&#039;&#039;&#039; der Pflanze [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzel als Nerven-Sinnes-Pol der Pflanze 1:21:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:21:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, SAUGWURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Einzige, was dann noch wächst während des Winters … das sind die Wurzelspitzen der tiefgehenden &#039;&#039;&#039;Saugwurzeln&#039;&#039;&#039; der Wintergetreide … sie wachsen ganz, ganz langsam noch … aber sie wachsen in die Tiefe … in Richtung Erdmittelpunkt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WÜSTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus ehemaligen Kulturlandschaften kann auch &#039;&#039;&#039;Wüste&#039;&#039;&#039; werden. Das hatte Manfred Klett auf seiner Expedition im Nordosten Syriens tief geprägt [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ZAUBERN&lt;br /&gt;
* Der Boden ist das Organ was alles das hervorbringt und &#039;&#039;&#039;hervorzaubert&#039;&#039;&#039;, was nur irdendwie die Existenz vom Menschenund Tier erfmöglicht auf Erden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZEITPUNKT, RICHTIGER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Grundgesetz alles Acker- und Pflanzenbaus, Gartenbaus, nämlich zum &#039;&#039;&#039;richtigen Zeitpunkt&#039;&#039;&#039; das Richtige richtig zu tun … Ich muss mich in den Zeitprozess stellen … das Abschleppen eine ganz große Bedeutung … nicht so früh mit den Schleppern auf den Acker … im Untergrund hat man ganz starke Verdichtungen, die sich das ganze Jahr nicht mehr zurückbilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZISTERZIENSER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Zisterzienser&#039;&#039;&#039; … hatten … die Fähigkeit, … langfristige Fruchtbarkeit zu entwickeln an den Orten, wo sie eigentlich von Natur aus gar nicht ist … die schlechten Standorte fruchtbar gemacht haben … Ihre besondere Kulturleistung besteht … darin, dass sie ihre Kraft für diese übermenschliche Arbeit … aus dem Stein und dem Licht … gewonnen haben [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZUWENDUNG UND BESCHENKUNG &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die Zuwendung ist … in der Natur wirksam … Wenn ich einem gegenüber mich zuwende in einer Positivität … dann passiert da was … &#039;&#039;&#039;Zuwendung und Beschenkung&#039;&#039;&#039; … man plötzlich weiß, wo es drauf ankommt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der persönliche Verhältnis: Zuwendung und Beschenkung 0:51:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:51:54]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;0-9&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|0-9}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;0-9&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4 ELEMENTE, GETRENNT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Winterprozess der Erde] … die &#039;&#039;&#039;vier Elemente&#039;&#039;&#039; … das Erdige, das Wässrige, die Luft, das Gasförmige und die Wärme … treten auseinander … der Boden wird ein physischer Körper … anorganisch, tot … die Elemente von Luft und Wärme … sondern sich … es wird kalt … die Natur wird rein physisch, rein anorganisch, rein tot … die Elemente sich voneinander sondern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterphänomen - Trennung der 4 Elemente 0:40:07|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:40:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEXAGONALES KRISTALLISATIONSPRINZIP&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Frostgare] … das &#039;&#039;&#039;hexagonale Kristallisationsprinzip&#039;&#039;&#039; … bei der Bildung von Eiskristallen … jede Schneeflocke und jeder Eiskristall folgt diesem Prinzip … doch jede Form ist einzigartig und anders gestaltet … ein Grundmuster, das unendliche Vielfalt hervorbringt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 GRAD, UNKRAUTWACHSTUM &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im frühesten Frühjahr … wenn der Boden sich oberflächlich … erwärmt hat [Mitte Februar] … Erst bei &#039;&#039;&#039;neun Grad&#039;&#039;&#039; fangen überhaupt dann die &#039;&#039;&#039;Unkrautsamen&#039;&#039;&#039; an, zu keimen … der Boden dunkel durch die Wassersättigung … Jetzt im Frühjahr wird er plötzlich hell … dass Luft und Wärme in den Boden reinkommen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ruhe im Winter - Geduld im Frühjahr 0:33:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:33:33]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gesamtglossar des biodyn.wiki]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Die_Verwirklichung_des_Willens_in_Landwirtschaft,_P%C3%A4dagogik_und_Medizin_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6537</id>
		<title>Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Die_Verwirklichung_des_Willens_in_Landwirtschaft,_P%C3%A4dagogik_und_Medizin_-_ein_Vortrag_von_Martin_von_Mackensen,_2024&amp;diff=6537"/>
		<updated>2024-12-03T18:35:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Glossar */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Martin von Mackensen Andreashof am Bodensee 4. Oktober 2024.jpg|verweis=https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g|thumb|Martin von Mackensen am 28. August 2024 im Rudolf Steiner Haus Frankfurt am Main [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g hier klicken um zum Video zu gelangen]]]&lt;br /&gt;
[[Martin von Mackensen|| zurück zu Martin von Mackensen |]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription des Vortrages vom 4. Oktober 2024 ==&lt;br /&gt;
von Elke, November 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=41s Begrüßung und Einleitung durch Jakob Kraul 00:00:41] ===&lt;br /&gt;
Ja, sehr verehrte liebe Anwesende, herzlich willkommen hier in der Runde! Ich möchte zwei Worte noch kurz verlieren über den Zusammenhang, was wir hier heute und jetzt das Wochenende über hier vorhaben. Wir treffen uns hier in kleiner Runde, diesmal mit 15 Menschen aus den drei Bereichen Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin und schauen nach den Schnittstellen und Synergien aus diesen drei Bereichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die zentrale Frage, die uns beschäftigt ist, was ist denn unser Beitrag aus Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin zur Gesundheit der Erde und auch der Gesundheit der Menschen. Und wir hatten ein erstes Treffen, das hier im April stattfand mit 30 Menschen. Diesmal sind wir ein bisschen kleiner, es ist eine kleinere Runde mit ungefähr 15 Menschen und arbeiten dann so ein bisschen auch hin auf eine Tagung, die im Frühjahr des nächsten Jahres im April 2025 dann stattfinden soll, zu dem Karin Michael zugesagt hat und &#039;&#039;&#039;Jasmin Peschke&#039;&#039;&#039; dieses Buch geschrieben hat &#039;&#039;&amp;quot;Vom Acker auf den Teller&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da arbeiten wir noch mal weiter an der Thematik und wenden uns mehr noch zu nach der Frage der Ernährung. Also was ernährt die Erde, was ernährt die Menschen? Und - uns freut es sehr, dass [[A:Martin von Mackensen|&#039;&#039;&#039;Martin von Mackensen&#039;&#039;&#039;]] zugesagt hat, diesen Auftakt mit uns jetzt hier zu begehen, zu diesem Wochenende. Und wir fanden es doch adäquat, wenn der Martin schon anreist, vom &#039;&#039;&#039;[[Dottenfelderhof]]&#039;&#039;&#039; in der Nähe von Frankfurt, dass wir den Kreis einmal öffnen und ganz herzlich den Umkreis auch dazu einladen. Und so freut es mich sehr, wie zahlreich jetzt die Menschen aus verschiedenen Höfen, verschiedenen Betrieben, aus verschiedenen Zusammenhängen den Weg hierher gefunden haben. Und möchte auch noch kurz sagen, dass wir hier ein besonderes Ambiente im Moment haben, durch den Fionn, der für die Kunst hier verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=163s Künstlerische und technische Aspekte des Programms der Veranstaltung 00:02:43] ===&lt;br /&gt;
Da gibt es auch eine Vernissage dann nächste Woche. Natürlich auch dazu ganz herzlich willkommen! Fionn ist sogar hier, was mich außerordentlich freut. Das ist wirklich ganz besonders, dass der Fionn auch mit seiner lieben Frau Anita hierher gekommen ist, der so ein bisschen auch für dieses künstlerische Ambiente des heutigen Abends sorgt. Ihr habt wahrscheinlich gesehen, wir haben Kameras aufgebaut. François ist mitgereist, aus Frankfurt hierher, der den Vortrag aufnehmen wird. Und zusätzlich gibt es ein paar Menschen, die jetzt leider nicht anreisen konnten hierher, die der Technik, der modernen Technik geschuldet, jetzt online mit dabei sein können über Zoom. Insofern ist es eine kleine Auftaktveranstaltung, die sowohl aufgenommen wird, als auch in die Ferne ausgestrahlt werden kann jetzt durch die Technik. Und wenn es für Sie irgendwie schwierig ist, dann sagen Sie gerne Bescheid. Ich glaube, so richtig was ändern können wir jetzt dann nicht mehr (Gelächter). Aber ganz herzlich willkommen, lieber Martin, und - the stage is yours (Applaus)!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=243s Begrüßung durch Martin von Mackensen 00:04:03] ===&lt;br /&gt;
Ja, einen wunderschönen guten Abend! Herzlichen Dank für die Einladung! Und ich muss schon sagen, es ist ein Herzensthema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als eine Studentin im Frühjahr zu mir kam, die hierher kommen wollte zu dem besagten Treffen im Frühjahr, hat sie mich gefragt, was kann man da, worum geht es da eigentlich? Und manchmal ist es ja so, dass einem irgendwas in den Kopf schießt. Und ich habe gesagt, ja, es ist die Frage des Willens. &#039;&#039;&#039;Was uns verbindet, ist die Frage des Willens&#039;&#039;&#039;. Und dann war das auch schon relativ schnell wieder vorbei, dieses Gespräch. Sie reiste ja hin, sie hat mir ein bisschen erzählt. Und ich hatte die Arbeit. Nicht sie. Ich dachte, sie würde sich jetzt damit beschäftigen und würde hier ein Referat machen. Und stattdessen hat mich dieses Thema unheimlich weiter beschäftigt. Und ich bin ihr sehr, sehr dankbar, dass sie mir diese Frage gestellt hat. Und vielleicht ist es für euch heute Abend auch etwas, wovon ihr etwas mitnehmen könnt. Ich möchte mich an dieser Stelle in ihrer Abwesenheit - sie kann heute Abend nicht - ganz herzlich bei ihr bedanken. Und Johanna Schmitz ist dieser Vortrag gewidmet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, die Frage des Willens. &#039;&#039;&#039;Was ist der Wille?&#039;&#039;&#039; Und ich möchte anfangen an der Stelle, wo wir stehen &#039;&#039;&#039;im Jahreslauf&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=329s Der Wochenspruch der Michaeli-Zeit 00:05:29] ===&lt;br /&gt;
Und ich möchte einfach den &#039;&#039;&#039;Wochenspruch der Michaelizeit&#039;&#039;&#039; an den Anfang stellen. Dieser wunderbare Spruch. Und ich lese ihn und ich spreche dann ein bisschen darüber und viele werden ihn kennen. Und je mehr man diese Sprüche kennt, desto mehr ist man ja eigentlich oft schon mit einer Zeile gut bedient. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Natur, dein mütterliches Sein,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage es in meinem Willenswesen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und meines Willens Feuermacht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sie stählet meines Geistes Triebe,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daß sie gebären Selbstgefühl&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;zu tragen mich in mir.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(M.v.M. liest es zweimal)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, was wird da angesprochen? Das führt uns direkt in das Zentrum, in die Frage, &#039;&#039;&#039;was ist die Natur des Willens&#039;&#039;&#039;, was ist die &#039;&#039;&#039;Natur des Menschen&#039;&#039;&#039;, was ist das &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039;? Und was hat das alles zu tun mit unserer kulturellen Tätigkeit an den aufwachsenden Menschen, mit den aufwachsenden Menschen in der Pädagogik? Was hat das zu tun mit unserer Arbeit an und mit der Kulturnatur da draußen? Und was hat das zu tun mit unserer Arbeit für die Gesundung des Menschen? Und wenn man das überschreiben möchte, dann muss man eigentlich sprechen von etwas, wo man sagen kann, der Wille ist eigentlich etwas, was zu kultivieren ist. Es lebt irgendwie im Untergrund in uns und ist uns mitgegeben und gleichzeitig ist es etwas, was wir ganz schwer fassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=460s Der Wille und unsere Kultur 00:07:40] ===&lt;br /&gt;
Wir sind Menschen einer Gedankenschule, wir sind Menschen einer &#039;&#039;&#039;Gedankenkultur&#039;&#039;&#039; und unser &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist in aller Regel tief unten in einem &#039;&#039;&#039;sehr unbewussten Bereich&#039;&#039;&#039;. Und ihn zu fördern, ihn zu harmonisieren, ihn überhaupt im Bewusstsein zu haben, wann ist er tätig, wie kriege ich ihn eigentlich in Tätigkeit, wie kriege ich ihn eigentlich zum Motor meiner eigenen Organisation und meiner Tätigkeit in der Welt? Das ist die große Frage, der ich ein bisschen nachgehen möchte. Und ich will einen kurzen Überblick geben, wie ich vorgehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte dieses Thema nochmal anfänglich etwas vertiefen &#039;&#039;&#039;aus dem Wochenspruch&#039;&#039;&#039;. Ich möchte dann auf die Bedeutung des Ich hinweisen oder daran etwas weiterarbeiten, &#039;&#039;&#039;was das Ich und der Wille gemeinsam haben&#039;&#039;&#039; und was ihre Gegensätze sind und so weiter. Und dann möchte ich kommen zu Themen, die sich daran anschließen aus der &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039;, weitergehen zu Themen, die mit der &#039;&#039;&#039;Pädagogik&#039;&#039;&#039; zu tun haben. Und dann möchte ich einen biografischen Einschub machen und zum Schluss ein paar wenige Gesichtspunkte zur Medizin bringen, um die Sache dann abzurunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=553s Die Bedeutung des Stählens als Symbol der Härte 00:09:13] ===&lt;br /&gt;
Ja, zurück zu diesem Wochenspruch: Das mütterliche Sein und das Tragen. Ich habe es und ich trage es in mir und es ist &#039;&#039;&#039;wirksam&#039;&#039;&#039;. Und dann kommt diese Situation in dem Spruch, wo es darum geht, dass gesprochen wird von dem Stählen. Was ist der Stahl? Der Stahl ist das Eisen. Und das Eisen hat seit Menschengedenken, seit aller Ewigkeit zu tun mit unserem Willen. Und das Eisen wird verbunden mit dem &#039;&#039;&#039;Kohlenstoff&#039;&#039;&#039;. Und dann haben wir den Stahl. Ich weiß nicht, ob jedem das so ganz klar ist. Alles, was unsere Kultur ausmacht in Bezug auf die Festigkeit und auf das, was wir als Werkzeug benutzen, hängt sehr häufig mit dem Stahl zusammen. Und &#039;&#039;&#039;der Stahl ist das Eisen&#039;&#039;&#039;, was mit feiner, sehr genauer, sehr kunstvoller Art und Weise &#039;&#039;&#039;mit dem Kohlenstoff verbunden wird.&#039;&#039;&#039; Zunächst wird aus dem Erz, aus dem Berg - aus dem Rasen in Urzeiten, Raseneisen - wird das Eisen gewonnen aus dem Erz. Und in einem zweiten Schritt wird sehr wohldosiert ein wenig Kohlenstoff dazugetan und jetzt erhält man die Härte, die Stählung des Stahls.  Auf diesen Punkt wird hier hingewiesen. Das überliest man gerne oder macht man sich nicht gut klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und &#039;&#039;&#039;was bedeutet der Kohlenstoff&#039;&#039;&#039; in der Welt? Auch das ist ein tiefes, großes Thema in der ganzen Anthroposophie. Zunächst tritt uns der Kohlenstoff in der Welt entgegen als dasjenige, was das Gegenteil ist. Von dem schönen grünen Blatt, von der ständigen Neuentfaltung, von dem wunderbaren Grün Sein der Welt. Der Kohlenstoff, der Stamm, das Verholzende, das Strukturbildende, das was hier, ihr seht es überall, was so tot werden kann aus dem Leben wie sonst nichts anderes, das ist das Pendant, das ist die zweite Seite des Eiweißprozesses. Das erste in der Pflanze ist die Entfaltung, das sich dem Licht Hingeben, das Licht sozusagen in Substanz verwandeln zu Wurzeln, die Grundlage für Bodenbildung zu schaffen und dann in einem zweiten Schritt Stamm, Stängel, Holz. Und diese Substanz hat die Eigenschaft, dass sie eigentlich immer der Erde, in die Erde, ja, wie soll man sagen, sich hineinbegibt. Ich will das absichtlich neutral formulieren. Und wenn jetzt der Mensch in diesem Prozess des Eisens Spuren - wirklich 0,1,   0,2 Prozent Kohlenstoff, das ist schon ein harter Stahl. Und bei 0,4 ist er so spröde, dass er bricht. Aber sehr, sehr hart. Und dieses Element, was da jetzt eigentlich in der Erde zur Ruhe gekommen ist, wie hinein verschwunden ist in der Erde, in den Tiefen der Geologie, das holt der Mensch heraus in Form von der Kohle, verbindet es mit dem Eisen und hat den Stahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=789s Der Wochenspruch als Sinnbild für das Ergreifen des Willens und als Quelle für das eigentlich Menschliche. Entmenschlichung durch reine Wissenskultur 00:13:09] ===&lt;br /&gt;
Und das wird hier bei Rudolf Steiner in diesem Wochenspruch zum Sinnbild gebracht, gemacht für dieses Motiv: &#039;&#039;&#039;Ich kann meinen Willen doch ergreifen&#039;&#039;&#039;. Ich kann dieses Ruhende in der mütterlichen, natürlichen Seite meiner Organisation, das kann ich erheben, das kann ich ergreifen, das kann ich durchdringen und das kann ich &#039;&#039;&#039;als Quelle benutzen für das eigentlich Menschliche&#039;&#039;&#039;, wo ich ganz zum Schluss wieder drauf kommen möchte, das Hinschenken, das Für-den-Anderen, das Für-die-Welt-Tätig-Sein. Ich möchte sagen, das alles ist in diesem kleinen Wort &#039;&#039;&amp;quot;stählet&amp;quot;&#039;&#039; drinnen und vielleicht kann man das mitnehmen, wenn man in Zukunft wieder mit diesem Michaeli-Spruch zu tun hat.  So viel vielleicht zu diesem ersten Einstieg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt möchte ich etwas als Zweites vorbringen, was zu tun hat mit der &#039;&#039;&#039;Natur des Willens.&#039;&#039;&#039; Und da müssen wir schon kritisch in unsere Kultur schauen, weil wir ja doch heute vielfach die Meinung haben, unsere Kultur eigentlich diese Meinung hat, es würde im Wesentlichen darum gehen, Wissen anzuhäufen. Ja, mit dem Wissen neue Wege zu gehen im Denken und Wissen geschickt anzuwenden, möglicherweise sogar direkt auf anderes Wissen. Und in dieser Art des Denkens eigentlich immer weiter und immer größer zu werden und dabei nicht zu merken, dass diese große Gefahr der Abstraktion und des Verlustes der Wirklichkeit und der Menschlichkeit droht. Ich sage es ein bisschen krasser, unsere &#039;&#039;&#039;Wissenskultur&#039;&#039;&#039; ist auf dem besten Wege, &#039;&#039;&#039;entmenschlicht zu werden.&#039;&#039;&#039; Und das ist ein großer Grund, warum überhaupt dieses Treffen, glaube ich, hier stattfindet, weil Menschen und insbesondere junge Menschen merken, das kann so nicht weitergehen. Und auch in dem, wie heute Waldorfpädagogik gemacht wird, in dem, wie heute biodynamische Landwirtschaft gemacht wird, auch in dem, wie heute anthroposophische Medizin gemacht wird, ist diese Gefahr, ist diese große &#039;&#039;&#039;Gefahr der Vereinzelung und der Verabstrahierung&#039;&#039;&#039; und des Verlierens in einem Wissen, in einem Jonglieren mit Gedankeninhalten und Ketten, die immer kraftloser werden und schlussendlich das Leben gar nicht mehr selber erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann weiß man unglaublich viel und plötzlich kommt man als junger Lehrer an die Frage, &#039;&#039;&#039;wie erreiche ich denn eigentlich den Willen meiner Kinder?&#039;&#039;&#039; Und dann steht man da und weiß eigentlich gar nichts, weil man dazu gar nicht ausgebildet ist, weil diese Kultur davon keine Ahnung hat. Unsere heutige westliche Kultur ist sozusagen in Bezug auf den Willen so schlafend, wie er in uns ist. Das ist ein großes, großes Problem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1010s Der Wille ist etwas, wo Zuwendung, Hingabe, Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt 00:16:50] ===&lt;br /&gt;
Und wir sehen bei [[A:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]] in all diesen drei Bereichen eine besondere Betonung dieses Elementes und die möchte ich ein bisschen herausarbeiten. Und da kann man jetzt sagen, der Wille ist etwas, wo Zuwendung, wo Hingabe, wo Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt. Das ist ein Wort, was wir heute nicht mehr so häufig benutzen, was aber eigentlich wunderbar ist. Es wird sozusagen ausgelebt. Wille ist die ausgelebte, ist die geronnene Form von Sympathie, von Zuwendung, von Verbunden Sein, von Drinnen Sein in einem bestimmten Prozess. Und jetzt erwächst in mir &#039;&#039;&#039;das Bedürfnis, handelnd einzugreifen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will es nochmal beschreiben aus einem ganz elementaren Beispiel aus der Landwirtschaft. Und da ist es jetzt sozusagen archaisch, kann man sagen, wie die Landwirtschaft überhaupt in Bezug auf den Menschen sozusagen ganz rein, ganz elementar, ganz archaisch ist. Stellen Sie sich innerlich auf einen &#039;&#039;&#039;Futtertisch&#039;&#039;&#039;. Haben Sie rechts vielleicht die Jungtiere, die Rinder und links die Milchkühe. Und vielleicht haben Sie vor sich jetzt, nicht so wie im Herbst, wo man da vielleicht grünes Futter auf dem Futtertisch hat, was vielleicht schwer ist, sondern schönes, leichtes, duftendes Wiesenheu. Und Sie merken, wie diese Tiere schon gefressen hatten und es ihnen gut geht, aber sie durchaus noch mehr fressen wollen. Und das Futter liegt da und es fehlt sozusagen dieser halbe, dreiviertel Meter, dass es zu den Tieren hinkommt. Und Sie stehen da mit der Gabel und Sie füttern. Und Sie tun das bedächtig, ruhig, aber dennoch irgendwie träumen Sie nicht. Sie sind voll da und Sie wollen das ordentlich und gut machen und dann kommt die nächste Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt schließen Sie vielleicht einen Moment die Augen, versetzen Sie sich wirklich in diese Arbeit. Also da ist eine Gabel, da ist ein Futtertisch, da sind diese Tiere, da ist dieses duftende Heu und Sie wollen das jetzt in guter Weise den Tieren vorlegen, zuführen, ihnen zukommen lassen. Und Sie haben das schon oft gemacht und es geht Ihnen leicht von der Hand und Sie gehen da durch und das hat von außen, wenn man das sieht, denkt man fast, der tanzt diesen Futtertisch ab, oder die. Dieser Mensch &#039;&#039;&#039;ist da ganz mit verbunden&#039;&#039;&#039; und es geht flott und zügig und jede Bewegung ist irgendwie rund und es ist wunderschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1178s Im Tätigsein sind wir mittels des gedankengetragenen Ichs in dem, wie es werden soll, wie es gut ist 00:19:38] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt frage ich Sie, wo sind Sie, wenn Sie das tun? Wo sind Sie mit Ihrem Bewusstsein, mit Ihrer Gedankenkraft in diesem Moment? &#039;&#039;&#039;In dem Tätigsein&#039;&#039;&#039;, in dem, dass &#039;&#039;&#039;der Wille in Ihnen wirksam geworden ist&#039;&#039;&#039; und Sie handeln. Sie handeln mit Ihren Muskeln, mit Ihren durchbluteten, durch Ihr Blut sozusagen beseelt bekräftigten Muskeln. Wo sind Sie mit Ihrem Bewusstsein? Sind Sie mit dem Bewusstsein in Ihren Händen, wie die so schön diesen Griff anfassen? Oder sind Sie mit Ihrem Bewusstsein da vorne in den Spitzen dieser Gabel? Oder sind Sie mit Ihrem Bewusstsein vielleicht da, wo Sie möglichst nicht reinstechen wollen, nämlich in das Maul der Kuh? Oder sind Sie mit Ihrem Bewusstsein da, wo Sie vielleicht für die nächste Kuh schon gucken, wie Sie das so hinschieben? Da ist ein bisschen weniger und da ist ein bisschen mehr und Sie verteilen das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, wenn Sie das richtig schön machen, wenn Sie das so machen, dass wir am Rand stehen und denken, wow, der kann das, dieser Mensch! Dann sind Sie &#039;&#039;&#039;mit Ihrem Bewusstsein an dem, wie es werden soll&#039;&#039;&#039;, wie es gut ist. Und das haben Sie nicht ausdekliniert und gezeichnet und gewogen und so vor sich, sondern das ergibt sich, indem Sie es tun. Sie sind mit Ihrem Bewusstsein in dem, wie es werden soll. Ja, nicht nur soll, sondern wie es gut ist. Sie sind eigentlich schon in etwas, was noch gar nicht da ist. Und damit haben Sie ein Stück, glaube ich, schon verstanden von dem, was eigentlich Ihren Willen ausmacht. Sie sind &#039;&#039;&#039;mittels Ihres gedankengetragenen Ichs&#039;&#039;&#039; in dem, wie es werden soll, wie es gut ist. Und da drinnen sind Sie so drin, dass Sie im Handeln wissen, wie der nächste Griff ist. Und diese Griffe gehen wie in einem guten Musikstück, Takt für Takt ineinander. Und Sie haben fünf Minuten, sind da einmal durch und gehen weiter und machen Ihre nächste Arbeit. Und wir stehen am Rand und sagen, oh, der kann das oder die kann das! Das hat einfach Stil. Das ist einfach zwischen den Tieren und diesen Menschen. Und kennen Sie solche Situationen, wo man irgendjemandem zuguckt, gerade bei einer ganz routinierten Arbeit oder jemand, der schält ein Gemüse. Und das gibt solche wunderschönen Spiralen. Und der spricht dabei noch. Da wird nicht Routine gemacht, sondern &#039;&#039;&#039;der ist ganz verbunden damit&#039;&#039;&#039;. Und trotzdem ist es etwas, wo man genau sieht, der hat eigentlich schon diesen Kohlrabi vor sich, wie er geschält ist. Der Wille ist die geronnene Sympathie, ist die verdichtete Form des drinnen Seins, des zugewandt Seins, in dem, wie es werden soll. Weil noch ist ja nichts passiert. Der Wille ist die Fähigkeit, dass es passiert. Dass ich es tue, ist noch nicht ausgemacht. Der Wille ist die Möglichkeit, dass es geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1392s Das Gedankenleben in der Abstraktion speist sich immer aus der Vergangenheit 00:23:12] ===&lt;br /&gt;
Und er ist damit deutlich zu kennzeichnen als das Gegenüber des abstrakten gedanklichen Durchdringens eines Vorgangs. Sie wissen das auch ganz genau und es ist auch, glaube ich, sofort klar. Mit unserem Gedankenleben ist es ganz schwierig, in dem zu sein, wie es werden soll. Mit unserem &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039; sind wir immer in dem, wie wir wissen, &#039;&#039;&#039;wie es sozusagen mal war&#039;&#039;&#039;. Und die Fortsetzung von dem, wie es war und wie es mal erforscht worden ist und wie man das denken kann, das führt dazu, dass wir jetzt so und so und so und so denken und dann zu irgendwelchen Thesen kommen und irgendwelchen Vorstellungen, wie es eigentlich sein müsste und so weiter. Wir sind sozusagen mit dem Gedankenleben in der Abstraktion &#039;&#039;&#039;immer in der Vergangenheit&#039;&#039;&#039;. Das speist sich aus Vergangenheit. Und das, was Zukunft ist, entsteht durch etwas, was wie ein Mysterium ist, wie ein Geheimnis ist, wie etwas... Manchmal lernt man Menschen kennen, die sind immer schon drinnen, wo andere noch lange drüber sprechen. Da wird lange diskutiert und dann guckt man um die Ecke, der macht das schon,  oder sie macht das schon. Und wo ist jetzt eigentlich der Impuls hergekommen, dass das bei der schon losgegangen ist? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1474s Ich bin der, der durch meinen Willen, durch mein Tätigsein, durch mein verbunden-Sein mit der Welt langsam wird 00:24:34] ===&lt;br /&gt;
Sie kennen das vielleicht, Menschen, auch gerade junge Menschen zwischen 20 und 30, die plötzlich diesen Moment haben, &#039;&#039;&#039;das ist mein Weg&#039;&#039;&#039;. Und jetzt passieren Dinge, mit denen man gar nicht rechnen konnte. Plötzlich findet man den richtigen Kontakt, findet in den richtigen Arbeitszusammenhang und dann ist man ein halbes Jahr später wieder da und dann dort. Und plötzlich ist das erreicht, was da irgendwie sich vorgenommen wurde.  Also da ist die Verbindung stark zu dem, wie es für mich werden soll. Und für mich gibt es eigentlich gar nicht, sondern &#039;&#039;&#039;ich bin der, der durch meinen Willen&#039;&#039;&#039;, durch mein Tätigsein, durch mein verbunden-Sein mit der Welt &#039;&#039;&#039;langsam wird&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine Illusion, sich vorzustellen biografisch, man steht da und entscheidet, so will ich die nächsten fünf Jahre meine Biografie machen. Das ist Quatsch. Erstens, weil das nicht so passiert und zweitens, weil ich sowieso ein ganz anderer werde. Verständlich? Das ist dieses Bild mit dem Fluss und dem Wasser. &#039;&#039;&#039;Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss,&#039;&#039;&#039; das ist ja klar. Das Wasser ist ein anderes. &#039;&#039;&#039;Aber auch ich bin ein anderer!&#039;&#039;&#039; Das vergisst man immer. Man vergisst sich immer selber, dass man eigentlich derjenige ist, der durch das wird, wie es gerade wird. Ich bin nicht ein Maschinenwesen, was festlegt, so und so sind meine nächsten Schritte, sondern diese Schritte machen mich zu mir. Ich werde durch das, wie die Welt mir ein Schicksal bestellt. Jetzt sage ich es schon fast mit Steiner-Worten. Das ist verständlich, dieser Moment ist super wichtig, der kommt viel zu kurz in unserer Kultur. &#039;&#039;&#039;Wir haben keinen Schicksalsbegriff&#039;&#039;&#039;, weil wir nicht verstehen, wie die Welt in uns wirksam ist und uns zu uns macht und dadurch neu macht und dadurch zukunftsfähig macht und dadurch verwandelt. Wir haben, glaube ich, dieses Gegenüber von Gedanke und Wille. Das reicht dazu, ich glaube, es ist deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1605s Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45] ===&lt;br /&gt;
Ich komme jetzt zu einem vielleicht gedanklich anspruchsvollen Teil. Wenn ich sage, der Wille entsteht dadurch, dass ich mich verbinde mit dem, was notwendig ist, dann kann man das sehr äußerlich und sehr sinnlich und sehr sachlich sehen. Und das stimmt natürlich auch, bei unserem Futtertisch-Beispiel ganz klar. Wir müssen das aber wesentlich erweitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich komme zu dem berühmten [[A:Bologna-Vortrag|Bologna-Vortrag]] von 1911. [[A:Rudolf Steiner|&#039;&#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039;&#039;]] setzt alles daran, in der &#039;&#039;&#039;Weltorganisation der Philosophen&#039;&#039;&#039; vortragen zu dürfen. Es ist ganz schwierig, es gelingt ihm fast nicht. Im letzten Moment, ein Jahr verzögert, kommt es doch zustande. Man muss wissen, dieser Kongress, diese Weltorganisation der Philosophie, war vor 100 Jahren noch was ganz anderes. Da gehörte die Mathematik noch dazu. Interessant! Es ist nicht Geisteswissenschaft, sozusagen wie man das heute bezeichnet, sondern das war die Basis. Das war sozusagen das Wissen, wie man zu Wissen kommen kann. Und in diesem Kongress darf er vortragen. Und ich glaube, es muss ihm klar gewesen sein, dass keiner ihn verstanden hat. Aber es war ihm wichtig, vorzutragen, weil dieser &#039;&#039;&#039;Vortrag&#039;&#039;&#039; wurde in dem &#039;&#039;&#039;Vortragsband dieses Kongresses dokumentiert.&#039;&#039;&#039; Und das war, glaube ich, sein Ziel. Er wollte, dass er in diesen Kongressband kommt. Und das kann ich gut verstehen, weil diese Idee, die er vorbringt, eigentlich Philosophen lange beschäftigen muss, bis sie merken, das ist ja wirklich revolutionär! Das ist wirklich was Neues, das ist wirklich etwas anderes! Er stellt sehr ordentlich und sehr sachlich, fast abstrakt, fast wie von außen, den Weg des [[A:Schulungsweg|anthroposophischen Schulungswegs]] vor und kommt dann zu dem eigentlichen Punkt, das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Iches und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift. Nochmal mit anderen Worten. Wenn ich wirklich mit dem innerlich agiere, was mein Zentrum ist, was mein innerster Kern ist, und fassen will, was dieses, man könnte auch sagen, größere Ich ist, dann werde ich mir darüber gewiss, dank dieses anthroposophischen Weges, dass dieses Ich nicht in mir lebt, sondern dass seine Wirklichkeit, seine Tätigkeit, seine Wahrheit, seine &#039;&#039;&#039;Aktivität&#039;&#039;&#039; dann da ist, &#039;&#039;&#039;wenn ich mich in dem Draußen erlebe.&#039;&#039;&#039; Ob das der andere Mensch ist, ob das die Natur ist, ob das ein Gedankenzusammenhang ist, alles das, was nicht ich bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist klar, wer das nicht kennt und sich damit nicht abgemüht hat, der wird jetzt sagen, jetzt spinnt der wirklich. Ich zitiere nur Rudolf Steiner und versuche ihn so gut, wie es mir möglich ist, im Moment für euch zusammenzufassen. Es ist ein harter Brocken und gleichzeitig ist es &#039;&#039;&#039;vielleicht der zentralste Punkt der Anthroposophie&#039;&#039;&#039;. Und alles, was dann kommt bis 1925, ist eigentlich eine Verwandlung, ist eigentlich eine Weiterführung, ist eine Konkretisierung von genau diesem, man könnte sagen, geistigen Sachverhalt, von dieser geistigen Tatsache. Es ist bei Steiner vorher vielfach aufgetaucht, man hat das nur nicht so gelesen oder hat das nicht so klar vor sich. Wenn Sie zum Beispiel in der Theosophie schauen, dann haben Sie diese wunderbare Formulierung, &#039;&#039;&#039;das Ich erhält Wesen und Bedeutung&#039;&#039;&#039;. Jetzt denkt man, ah - jetzt kommt&#039;s, jetzt kommt die Definition. Endlich ist klar, das Ich erhält Wesen und Bedeutung von dem, womit es sich verbindet. Das braucht nichts für sich, um zu sein von außen, sondern &#039;&#039;&#039;das ist durch sich selbst&#039;&#039;&#039;. Und es ist nur dadurch da, dass etwas Verbindung entsteht. Ob das zu einem geistigen Zusammenhang, zu einem natürlichen, zu einem menschlichen, zu einem welchen auch immer, das ist überhaupt nicht das Thema. Sondern das verbunden-Sein und das Sich-Darin-Erleben in dem verbunden-Sein, mit dem, womit man eben was sich innen wieder spiegelt. Deshalb sagen manche Leute auch zu diesem Bologna-Vortrag, &#039;&#039;&#039;der Spiegel-Vortrag&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein zentraler, vielleicht der zentralste Punkt. Und wenn Sie dann die ganze anthroposophische Esoterik anschauen, gibt es viele Punkte, an denen man sagen könnte, die gipfeln darin, dass &#039;&#039;&#039;diese Verbundenheit&#039;&#039;&#039; mit dem, &#039;&#039;&#039;worin ich meditativ drinnen bin&#039;&#039;&#039;, dass die das eigentlich Tragende ist. Ich bin in dem Inhalt, in dem, womit ich mich verbinde. Vielleicht als Zitat, damit man es für die Notizen mitnehmen kann: &#039;&#039;&#039;Ich bin in dem Baum&#039;&#039;&#039;, um den ich mich kümmere, den ich betrachte, an dem ich mich erfreue, den ich vielleicht eines Tages früher vor langer Zeit gepflanzt habe, den ich vielleicht eines Tages fälle. Ich bin in dem Baum. So viel vielleicht zu diesem Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=1988s Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08] ===&lt;br /&gt;
Was hat das jetzt mit unserer Frage nach dem Willen zu tun? Wenn ich jetzt auf mein Berufsfeld schaue und auf die Landwirtschaft schaue, dann ist es so, dass ich, &#039;&#039;&#039;indem ich tätig bin, einen Zusammenhang verwandle&#039;&#039;&#039;. Und in diesem Zusammenhang, in dem Verwandeln &#039;&#039;&#039;von Natur zu Kulturnatur&#039;&#039;&#039;, wird mir immer wieder deutlich: Da habe ich schon mal, da hat der Kollege schon mal, da hat vor 10 Jahren, da hat vor 100 Jahren, da hat vor 10.000 Jahren. Dann ist zu Ende. In der Landwirtschaft ist es ganz einfach, man hat nur 10.000 Jahre. Ja, das ist ganz einfach. Bei der Pädagogik ist das anders, oder bei der Medizin. In der Landwirtschaft ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die Natur verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben Kultur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allerfrühsten haben das vor ungefähr 10.000 Jahren getan. Wir können auch 11.000 sagen, und wenn wir auf den Hund gucken, können wir auch noch eine Ausnahme machen, können sagen, ja, vielleicht vor 20.000 Jahren. Die Jahre spielen jetzt auch nicht die entscheidende Rolle. Ich will nur sagen, es ist vollständig, ganz und gar dieser Verwandlungsprozess, der die Landwirtschaft ausmacht. Und wenn ich mit meiner kleinen Existenz auf meinem kleinen Acker oder Gemüsefeld oder in meinem Stall oder auf meiner Weide oder in meinem Wald jetzt tätig bin, dann bin ich immer in diesem Strom. Aber &#039;&#039;&#039;der Strom nützt mir&#039;&#039;&#039; nichts, &#039;&#039;&#039;gar nichts zum Tätigsein&#039;&#039;&#039;. Sondern &#039;&#039;&#039;was mich tätig sein lässt,&#039;&#039;&#039; ist das, &#039;&#039;&#039;wie es werden soll,&#039;&#039;&#039; wie auf dem Futtertisch. Wie die Kühe heißen, ist schön und welche Rasse das ist und wie wertvoll die sind und wie toll das heute ist und so. Das spielt allenfalls eine Rolle dafür, dass sie halbwegs beieinander sind, dass sie sich gut fühlen, dass sie gut arbeiten können. Aber eigentlich entscheidend ist da auf dem Futtertisch, dass die Kühe gefüttert werden, so wie das jetzt in ihnen als Bild lebt, dass sich das realisiert. Das muss man sich sehr genau überlegen. &#039;&#039;&#039;Der Wille ist nichts, was nach einem Plan funktioniert.&#039;&#039;&#039; Das muss man allen Computerfreunden auch immer wieder deutlich sagen. Der Computer ist ganz toll, aber er hat nichts damit zu tun, dass er unseren Willen eigentlich ermöglicht. Das ist nicht der Fall. Der kommt aus ganz anderen Ecken, sage ich mal, des Menschen und der geistigen Welt als die Welt der Information.  Also in diesem verbunden-Sein entsteht eine Verwandlung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=2165s Rhythmus im Tun in der Medizin und in der Landwirtschaft. Der Weg der Zuwendung zur außermenschlichen Kulturnatur 00:36:05] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt merke ich etwas, jetzt spüre ich, jetzt muss ich natürlich, wie &#039;&#039;&#039;die Welt der Medizin,&#039;&#039;&#039; wo man sagt, eine lernende Gesellschaft, die &#039;&#039;&#039;schneller lernt als eine Generation&#039;&#039;&#039;. Das ist doch unglaublich. Es begeistert mich immer wieder, dass die Mediziner wirklich das schaffen, während ihrer ganzen beruflichen Tätigkeit immer weiter zu lernen. Da hat man nicht diesen furchtbaren 30-, 35-, 40-Jahre-Rhythmus, bis sich irgendwas mal ändert. Da wären wir heute nicht in der Medizin, die wir heute haben. Unglaublich! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muss natürlich in der Landwirtschaft auch eine Rolle spielen. Spielt es auch? Ist längst nicht so viel, leider. Also, worum geht es? Ich muss mich korrigieren. Ich bin sofort, schon auf der Hälfte merke ich, das reicht gar nicht, was ich da reihe. Ich muss weniger, das passt nicht. Also man ist sofort da drinnen, wie es besser werden soll. Und wo kommt das her? Was ist das? Ich fühle. Ich kann gar nicht tätig sein, nur aus dem Tätigsein, sondern &#039;&#039;&#039;ich durchdringe ständig&#039;&#039;&#039;, ob ich das will oder nicht, das, was ich tue, &#039;&#039;&#039;mit Gefühl.&#039;&#039;&#039; Wie so eine, das Eigentliche. Wie die Substanz, die das farbig macht, die das fleischig macht, die das überhaupt zur Substanz macht, was da seelisch passiert. Dass ich das da irgendwie tue, ist das eine, aber dass es schön ist, dass es eine Proportion hat, dass es eine Zeit hat, &#039;&#039;&#039;dass es einen Rhythmus hat.&#039;&#039;&#039; Ich komme da nicht raus nach 5 Minuten, völlig außer Atem, weil ich viel zu schnell gemacht habe. Ich mache auch nicht so langsam, dass ich eine halbe Stunde brauche, dass jeder sagt, hat der gar nichts zu tun? Muss der nirgendwo hin? Tut der den ganzen Tag nur nachfüttern? Es hat seinen Rhythmus. Der eine macht das ein bisschen schneller, der andere langsamer usw. Es hat seinen Atem, sein Einatmen und sein Ausatmen. Indem ich es tue, befühle ich es bewusst oder unbewusst ständig. Jetzt kommt eigentlich erst der Moment, wo ich es bedenke. &#039;&#039;&#039;Wie könnte ich es besser machen?&#039;&#039;&#039; Mein Gerät ist kaputt. Wie repariere ich das? Kommen Sie mit? Das ist der Weg in der Zuwendung zu der außermenschlichen Kulturnatur. Außermenschlichen Natur, wir sagen auch zu uns Natur und zur Kulturnatur da draußen. Es ist immer dieser Weg. Erst tun, vorsichtig, tastend, fühlend, denkend, besinnend, korrigierend, wieder rein usw. Darf ich das so stehen lassen, zum nächsten Punkt gehen? Ich glaube, es ist deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=2366s Landwirtschaft und Wille: Wie ernähren wir uns, damit Willensimpulse im Menschen wirksam werden können? 00:39:26] ===&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt ein Stück weiter gehen und uns fragen, was hat &#039;&#039;&#039;die Willenssituation&#039;&#039;&#039; in unserer Kultur heute mit der &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; zu tun? Dann kommen wir an eine sehr schwierige Ecke der biodynamischen Landwirtschaft und der Anthroposophie überhaupt und auch der Frage, was ist auf dem Teller?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nämlich diese Äußerung, die Rudolf Steiner gemacht hat zu dem Ehrenfried Pfeiffer, der ihn frägt als junger Kerl, warum passiert eigentlich so wenig bei den Anthroposophen? Warum kommen die eigentlich so schwer voran? Also ich sage es vielleicht mal positiver. Wenige Monate später spielte Rudolf Steiner in Arnheim bei einer der letzten Vorträge mit dem ganz neu erfundenen Reißverschluss an so einem Tabakbeutel. Und macht das so hin und her und sieht, wie diese Zähne da ineinandergreifen und dieses kleine Gerät, was diese Zähne so miteinander verbindet. Und dann guckt jemand und denkt, warum spielt er dann so? Und dann guckt er so und sagt: &amp;quot;Schade, dass das kein Anthroposoph erfunden hat.&amp;quot; Wie genial ist das, eine - zwei Linien miteinander zu verbinden und wieder zu lösen, ständig. Sie wissen das, heute baut man das, benutzt man das in der Bauindustrie und so weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist wirklich eine geniale, eine geile Erfindung. Und warum kommen die Anthroposophen so wenig da drauf? Das ist eigentlich die Frage. Ich tue das ein bisschen jetzt um, damit es nicht so negativ ist. Und da kommt diese Antwort, die mich seit vielen Jahren beschäftigt. &#039;&#039;&#039;Das ist eine Ernährungsfrage&#039;&#039;&#039;. Wie ernährt sich der Mensch und &#039;&#039;&#039;was steht als Ernährung überhaupt zur Verfügung&#039;&#039;&#039;? So verstehe ich das. Ich löse mich da von Steiner jetzt wieder und sage, wir haben die unglaublich große Herausforderung in der Landwirtschaft mit der Frage der Ernährung, mit der Frage der Medizin. Wie ernähren wir überhaupt so, dass Willensimpulse wirksam werden können in den Menschen? Dass &#039;&#039;&#039;Nahrung&#039;&#039;&#039; nicht dafür sorgt, dass &#039;&#039;&#039;der Wille immer mehr verschüttet wird?&#039;&#039;&#039; Das ist nämlich unsere heutige Kultur. Ganz vieles von unserer Ernährung ist so, dass es eigentlich dazu beiträgt, dass wir &#039;&#039;&#039;willensschwächer&#039;&#039;&#039; und willensschwächer werden. Und dazu muss man ziemlich tief einsteigen und ich mute Ihnen das jetzt als nächstes Kapitel zu. Ich hoffe, also wer es gar nicht aushält, muss einfach den Raum verlassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=2530s Die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation beim Tier als Grundlage für ein Seelenleben ist anders als beim Menschen 00:42:10] ===&lt;br /&gt;
Es ist Landwirtschaftskurs pur, es ist wirklich biodynamische Grundlage und es ist vielleicht die Ecke, die wir am aller wenigsten bearbeiten, die am aller schwierigsten ist und die aber gleichzeitig aus genau diesem Kontext, den ich versucht habe darzustellen, so wichtig. Steiner macht in dem Landwirtschaftskurs deutlich: Es gibt &#039;&#039;&#039;ein Vorderes und ein Hinteres beim Tier&#039;&#039;&#039; (zeichnet an die Tafel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er spricht bei dem Tier davon, dass dieses Vordere und Hintere in seiner Differenzierung so ist, dass es hier um den Sinnesprozess geht und um den Nervenprozess und dass es hier natürlich um den Stoffwechsel geht und um die Tätigkeit der Gliedmaßen. Und dann ganz gegen seine sonstigen Darstellungen kommt das mittlere nicht. Jeder hat wahrscheinlich dort erwartet, jetzt kommt wieder unsere schöne Dreigliederung und da kommt die rhythmische Organisation in der Mitte. Und stattdessen kommen wunderschöne, ich finde sie wunderbar, so zarte Striche, grüne Striche, ich kann es gar nicht so gut, die das miteinander verbinden. Und er spricht wahrscheinlich, während er das zeichnet und sagt: &#039;&#039;&amp;quot;Ja in der Mitte, da durchdringt sich das mehr im Tier.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt darf man nicht denken, es gäbe keine &#039;&#039;&#039;rhythmische Organisation beim Tier&#039;&#039;&#039;, das wäre ein ganz großer, fataler Fehler. So ist es ja nicht. Sondern die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation als Grundlage für ein Seelenleben, das &#039;&#039;&#039;ist anders&#039;&#039;&#039;. Mit anderen Worten, nochmal, das Tier lebt in der Sinnesbeziehung zur Welt und die Welt dringt in es ein. Und es lebt in der Gliedmaßen- und Stoffwechseltätigkeit. Und das dazwischen wird ganz stark von diesen Seiten beeinflusst und das wird auf der einen Seite mehr, dient die rhythmische Organisation mehr der Sinnestätigkeit und auf der anderen Seite mehr dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als bei uns. Und dadurch ist diese besondere Konstellation, diese besondere, wie kann man sagen - eben &#039;&#039;&#039;die tierische Art und Weise des Seins&#039;&#039;&#039; gegeben. Die ja von uns nicht tiefer oder höher zu beurteilen ist, sondern anders. Wir können all das nicht, was die Tiere können. All das können wir nicht. Und gleichzeitig können sie auch vieles nicht, was wir können. Und eigentlich liegt sozusagen das Zusammenkommen, das Zusammentreffen, das Zusammenarbeiten, das Zusammensein wie in der Luft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=2714s Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14] ===&lt;br /&gt;
Also zurück zu dieser Sache. Er macht jetzt, das ist ja glaube ich für jeden noch leicht zu verstehen, er sagt ja, wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, &#039;&#039;&#039;was zu tun hat mit der Sinneswelt&#039;&#039;&#039;. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der Kühe? Natürlich die Weide. Und die Weide besteht eben gerade nicht nur aus Futter, so blöd ist die Kuh nicht. Die Weide besteht aus Licht. Die Weide besteht aus &#039;&#039;&#039;Weite oder Enge&#039;&#039;&#039;. Und vielleicht auch ganz lecker da drüben noch eine Haselnuss. Und die Weide besteht aus &#039;&#039;&#039;Geruch&#039;&#039;&#039;. Und die Weide besteht aus &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; und Kühle und Wind. Und wer lebt in der Luft? Der eigentliche Partner der Kuh aller Wiederkäuers - das können Sie auf der ganzen Welt sehen. Wer ist der &#039;&#039;&#039;Partner der Wiederkäuer&#039;&#039;&#039; im Tierreich? &#039;&#039;&#039;Die Vögel.&#039;&#039;&#039; Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt &#039;&#039;&#039;die Schwalben&#039;&#039;&#039;, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen. Aber die meisten Vögel, wenn Sie so auf der Welt herumschauen, die sind bei den Wiederkäuern draußen. Also die Weide ist sozusagen... das alles sei jetzt in diesem Wort Weide. Ich kann jetzt hier, wir machen ja nicht Landwirtschaft, sondern wir haben ja ein anderes Thema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also &#039;&#039;&#039;die Sinneswelt, das sei Ernährung.&#039;&#039;&#039; Nicht das Heu oder das Futter da draußen oder das Gras, sondern der Bezug zur Welt. Und das Zweite, was für das Vordere seine eine große Bedeutung hat, ist das, was wirklich Substanz ist und wirklich bis in das Gehirn, bis in die Sinnesorgane abgelagert werden muss und da sozusagen die Aktivität ermöglicht. Und das sei alles das, was von der Pflanze, von der Wurzel stammt. Also &#039;&#039;&#039;die Wurzel&#039;&#039;&#039; als dasjenige, was eigentlich Transporteur oder Repräsentant oder am pursten das bringt, was den vorderen Teil des Tieres, &#039;&#039;&#039;die Sinnesnerventätigkeit unterstützt&#039;&#039;&#039;. Und ganz dazu im Gegensatz hinten, da wird jetzt gesagt, was wir brauchen, ist die Auseinandersetzung mit der Welt der Schwerkraft und mit der Welt überhaupt. Also auch die chemischen Kräfte, alles das, was man hat, wenn man verdaut, alles das, was zu tun hat mit dem sich Erheben, mit der Schwerkraft zurechtkommen und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das Zweite, das sei jetzt etwas, was zu tun hat &#039;&#039;&#039;mit dem Stängel&#039;&#039;&#039; oder demjenigen, was an der Pflanze so macht ... (&#039;&#039;zeichnet&#039;&#039;) nach oben geht und sich vielleicht auch noch abschließt in dem nach oben gehen. Und da wird jetzt gesagt, ja, das ist &#039;&#039;&#039;die kosmische Substanz&#039;&#039;&#039;, die braucht das Tier auch noch. Und ich wundere mich, dass danach von den Landwirten keiner gesagt hat, Herr Steiner, wir verstehen nichts von kosmischer Substanz. Können Sie das bitte nochmal etwas genauer ausführen? Hat leider keiner gefragt. Aber Steiner steigt in den Zug, fährt nach Hause, nach Dornach und erzählt der Dornacher Community, was war dieses &#039;&#039;&#039;Koberwitz&#039;&#039;&#039; [&amp;lt;nowiki/&amp;gt;[[A:Kobierzyce|Kobierzyce]]] eigentlich vor 100 Jahren. Und auf einmal erzählt es ein bisschen die Stimmung und wie alles so war. Und auf einmal setzt er in diesem Vortrag fort. Erzählt einfach weiter. Und wenn man das paar Mal liest und paar Mal in Zusammenhang bringt, merkt man, der wird kapiert haben, der wird gespürt haben, der wird gemerkt haben, da fehlt noch was.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=2942s Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02] ===&lt;br /&gt;
Nämlich genau diese Frage, &#039;&#039;&#039;was ist diese kosmische Ernährung&#039;&#039;&#039;? Was ist das eigentlich? Eine kosmische Substanz, die da ernährt werden soll. Und die ist diejenige, die auch bei uns eine riesige Rolle spielt &#039;&#039;&#039;für die Entfaltung des Willens&#039;&#039;&#039;. Sonst würde ich das ja jetzt nicht vorbringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fasse es nochmal zusammen. In der menschlichen Ernährung, in der tierischen Ernährung, spielt die Seite, wo es darum geht, dass wir etwas wie ursprünglich ausfüllen, etwas wie grundsätzlich anlegen durch Ernährung, was wir nicht sehen, sondern was sekundär von dieser Seite sichtbar gemacht wird, eine riesige Rolle. Und diese Ernährungsweise, die Steiner an dieser Stelle kosmische Ernährung nennt, an anderen Stellen ein bisschen anders - Sie werden jetzt erschrecken, die kennen Sie im Wesentlichen &#039;&#039;&#039;vom Altar:&#039;&#039;&#039; Transsubstanziierte Substanz, &#039;&#039;&#039;veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christusimpuls wirklich real sich verändert hat&#039;&#039;&#039;. Und das passiert in Ihnen alltäglich. Das spielt für alles Leben von den höheren Säugetieren und Menschen eine Riesenrolle. Und wir sehen das nicht. Und deshalb können wir damit so schlecht umgehen. Und können nicht mit einer Skala messen, ist es besser oder ist es 7 oder ist es 8. Das können wir nicht, weil es etwas ist, was man ganz anders verstehen muss. Und wie man dazu hinkommt, da braucht man einige Tage. Das werde ich Ihnen jetzt nicht noch obendrauf servieren. Und ich habe ja gesagt, es ist eh schon ein Exkurs. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3062s Wie muss zukünftige Ernährung sein, dass die Willensnatur die Grundlage für das Ich, das die Welt und den anderen Menschen ergreifen kann, sich ausdehnen kann über sich hinaus? 00:51:02] ===&lt;br /&gt;
Aber wenn diese Gruppe jetzt weiterarbeitet, ist das die entscheidende Frage. Wie muss eigentlich Ernährung in der Zukunft so sein, dass die Willensnatur die Grundlage für das Ich, was die Welt ergreifen kann, den anderen Menschen ergreifen kann, was sich ausdehnen kann über sich hinaus? Wie muss die Grundlage dafür durch die Ernährung möglichst gut sein? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind &#039;&#039;&#039;große Forschungsfragen&#039;&#039;&#039;, die nicht mit der Waage und mit der Analyse zu lösen sind. Sondern das, was ich jetzt wiegen und analysieren kann, ist Ausdruck davon, wenn ich auf dieser Seite bin. Das ist also erkenntnistheoretisch eine schwierige Sache. Da kann man nicht sofort mit irgendwelchen Versuchen anfangen und sagen, jetzt habe ich es doch. Ich muss jetzt hier aufhören und das in diese Gruppe geben. Ich bin heilfroh, dass es diese Gruppe gibt. Und ich hoffe sehr darauf, dass da im Laufe der nächsten Jahre Fortschritte gerade in dieser Frage gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3126s Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird für die Anthroposophie immer wichtiger werden 00:52:06] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt sage ich was kurz in Klammern. Warum bin ich hier oder warum hat mich...  begeistert mich diese Gruppe? Weil ich glaube, dass wir heute in der Gesellschaft mit den Fragen, die eigentlich an uns herangestellt werden, nur dann weiterkommen, wenn wir &#039;&#039;&#039;zusammenarbeiten, interdisziplinär&#039;&#039;&#039; in der Anthroposophie. Wir können als Landwirt gar nicht mehr alleine die Sache wirklich rüberbringen, wirklich gut machen. Und dasselbe ist in der Medizin der Fall, dasselbe ist in der Pädagogik der Fall. Wir werden eine ganz neue Dimension an Wirksamkeit in der Gesellschaft erreichen, wenn wir wirklich zusammenarbeiten. Das wird im Prinzip von uns erwartet im Moment. Deshalb bin ich hier, weil mich das wirklich reizt und weil ich aus eigener Erfahrung jetzt weiß, das ist etwas sehr, sehr Fruchtbares. Das war die Bemerkung in Klammern. Und jetzt gehe ich weiter. Wir sind damit mitten in der Medizin. Wir haben ein Ernährungsthema. Und ich möchte jetzt zur Pädagogik kommen und einige ganz wichtige Grundsätze bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZUSAMMENARBEIT    ANTHROPOSOPHIE    … ich glaube, dass wir heute in der Gesellschaft mit den Fragen, die eigentlich an uns herangestellt werden, nur dann weiterkommen, wenn wir zusammenarbeiten, interdisziplinär in der Anthroposophie | von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:52:06    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3205s Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25] ===&lt;br /&gt;
Warum ist &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, warum ist anthroposophische &#039;&#039;&#039;Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; eine Willenserziehung? Warum steht das da im Mittelpunkt? Der Mensch ist heute in der Lage, sich gut selber zu bilden in Bezug auf das Gedankenleben. Und dieses selber wird heute immer mehr in Frage gestellt, weil es durchaus viele Geräte gibt, die einem da sehr hilfreich sein können, Schrägstrich das Ganze übernehmen können. Ich will gar nicht jetzt in eine Diskussion über &#039;&#039;&#039;künstliche Intelligenz&#039;&#039;&#039; oder sowas reinkommen. Sie glauben gar nicht, wie das die aktuellen Schulen vollkommen verwandelt! Ich habe gerade heute Vormittag ein Gespräch darüber geführt mit Lehrern. Schon in einer achten Klasse werden ihnen Aufsätze serviert, die gar nicht von den Schülern kommen. Das erkennen sie aber gar nicht! Und so weiter und so weiter. Also es geht darum, wie können wir Kinder so fördern, dass sie &#039;&#039;&#039;Freude an der Entwicklung ihres Willens&#039;&#039;&#039;, ihrer &#039;&#039;&#039;Willenskraft&#039;&#039;&#039; haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; eine riesige, riesige Rolle. Hier spielt eine riesige Rolle, dass etwas, was scheinbar nicht verstehbar ist, was scheinbar irgendwie gar nicht intellektuell zerbröselbar ist, immer wieder gemacht wird. Also man kann sich ja wundern, dass nicht sozusagen Kinderschutz schon auf die Idee gekommen ist, um zu sagen, dass man da Zeugnissprüche jede Woche vorbringen muss. Das ist eigentlich kinderfeindlich. Die lernen doch da gar nichts mehr dran. Dass die da jede Woche nach vorne kommen müssen und denselben Spruch erzählen müssen. Manche von ihnen haben das wahrscheinlich in ihrem Leben selber erlebt. Also da könnte man sozusagen mit unserem intellektuellen Bewusstsein aus der Gesellschaft sagen, das ist doch eigentlich ziemlicher Quatsch. Warum macht man das? Das könnte man doch lassen. Und jetzt kann man sagen, vielleicht ist das das Allerwichtigste an diesem Schultag. Dass das Kind wieder in etwas hineinkommt, was sich wiederholt. Dass es jetzt Donnerstag ist. Dass es irgendwie mal aufwacht, heute ist Donnerstag, und ich stehe da vorne und das wird einfach gesprochen. Und der Inhalt ist oft, ja, ich kenne das aus eigenen familiären Erlebnissen, wie sich die Lehrer einen abbrechen, um den richtigen Zeugnisspruch zu finden. Aber der Inhalt ist oft gar nicht entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Kind da vorne steht und diese vier Zeilen sprechen kann. Und dass das auch wirklich passiert und dass das jetzt in einer Hülle, jetzt komme ich zu etwas sehr Wesentlichem - &#039;&#039;&#039;von Sympathie&#039;&#039;&#039; passiert. Ganz, ganz, ganz tolle Anregung, weil man kann über &#039;&#039;&#039;Willensentwicklung bei einem Kind&#039;&#039;&#039; lange reden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3385s Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25] ===&lt;br /&gt;
Man muss vor allem über die &#039;&#039;&#039;Willensentwicklung beim Lehrer&#039;&#039;&#039; reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, &#039;&#039;&#039;das Kind zu umgeben&#039;&#039;&#039; mit einer Hülle &#039;&#039;&#039;von permanenter Sympathie&#039;&#039;&#039;. Sind wir wieder bei der Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkt ihr das? Antipathie, Sympathie. Die Willen-Seite ist immer die Sympathiefrage. Und die Willenserziehung der Waldorfpädagogik beruht im Wesentlichen darauf, dass das Kind in einer Hülle, in einer Umgebung, es gibt ein ...., ich habe mir das rausgeschrieben, Entschuldigung, Umgebung, glaube ich. Ja, den Schüler mit Sympathie umgeben. Originalzitat. Ich finde das so cool. Also wie so eine, ja, den ständig in dem drinnen halten können. Natürlich muss ich auch mal sagen, das war jetzt nichts und das muss man nochmal machen oder probier es doch wieder anders oder, oder, oder, jetzt musst du einfach mal still sein oder so. Aber da muss ich immer die Frage stellen, wie könnte ich es denn besser machen? Wie könnte ich es denn anders machen? Was habe ich denn dazu beizutragen, dass es vielleicht besser gelingt als Lehrer? Das heißt, die Willenserziehung der Waldorfpädagogik ist vor allem eine Frage des, &#039;&#039;&#039;wie geht der Lehrer mit sich selber um&#039;&#039;&#039;? Wie kann der Lehrer eine Hülle, etwas erzeugen, was im besten Fall ja so ist, dass man es so... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kenne Leute, die haben noch nie was mit Waldorfschule, mit nichts Derartigem zu tun gehabt, die kommen in so eine Schule rein und sagen: &#039;&#039;&#039;Hier riecht es so gut&#039;&#039;&#039;. Dann haut das hin. Die merken, irgendwas ist hier so anders, dass es bis in diese ganz feine Substanz, das Geruch ist ja Substanz, bis dahin wirksam wirkt. Hier riecht es so gut. Hier ist irgendwie &#039;&#039;&#039;eine Arbeitsstimmung, die anders ist&#039;&#039;&#039; als an einer anderen Schule. Dann ist es gelungen. Man kann jetzt nicht, man sollte jetzt nicht losgehen und sagen, man muss irgendeinen Spray erfinden, Waldorfspray oder so. Das meine ich nicht. Sondern ich wollte das nur sagen, darin kann sich das äußern bis dahin, dass sozusagen die ganze Schule etwas ist &#039;&#039;&#039;wie eine Glocke der Sympathie und der Bemühung und des Humors.&#039;&#039;&#039; Das ist natürlich ein großes Problem. In den Waldorfschulen fehlt vielfach der Humor massiv. Also ich könnte jetzt viele Beispiele erzählen. Ich könnte auch Schleichwerbung machen. Ich hoffe ja immer, dass die Firma Stockmar auch mal uns entdeckt. Und was macht die Firma Stockmar mit ihren Wachsstiften? Ihr kennt das doch, so ein Filzstift, da muss man nur so, da läuft diese Chemiesoße so raus. Und bei dem Wachsstift muss man jetzt wirklich selber. Und so geht die ganze Waldorfgeschichte los. Also ja, es ist verständlich, überall, und die sind immer noch zu weich, man müsste eigentlich Stockmar sagen, ihr müsst auch mal ein bisschen langsam härtere und schwierigere, dass man kämpfen muss, ob man die Farbe dahin kriegt oder ob das Blatt zerreißt. Da kann man cholerische Kinder wunderbar dran erkennen. Da reißt dreimal das Blatt, bis das fertig ist. Rrrrrrr - und das ist eigentlich gut! Und überhaupt lieber malen und dann vielleicht lieber noch zeichnen, bevor man schreibt. Also diese Kette malen, zeichnen, schreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt aufpassen, wir sind hier nicht in einem Lehrerseminar, und ich sollte auf die Zeit, wie viel habe ich denn noch? Ich sehe da gar nichts. Das ist halb, halb. Und wie lange darf ich noch? Ich muss jetzt irgendwie kürzen oder alles? Alles. Und jetzt kommt etwas wieder schwer Verständliches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3613s Sinneswahrnehmung ist Wille. Der Wille wird,  indem ich mit ihm tätig bin 01:00:13] ===&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmung ist Wille. Ich habe vorhin über die Abstraktion unseres Denkens gesprochen. Jetzt könnte man schnell in den Fehler verfallen, dass man meint, das Sinneswahrnehmen sei genauso. Ist es nicht. Die saubere, präzise, besonnene, in der Zeit mitgehende &#039;&#039;&#039;Sinneswahrnehmung ist schon Willensaktivität&#039;&#039;&#039;. Das wird Ihnen sofort klar, wenn Sie das dritte Mal jeden Tag ... haben Sie sich vorgenommen, diese Tulpe anzugucken, und schon am dritten Tag ist Ihnen klar, eigentlich habe ich was anderes vor, diese Scheiß-Tulpe! Was das für eine Bemühung ist, wirklich genau hinzugucken. Und noch viel schlimmer ist der Bleistift. Der Bleistift kann ja für einen selber ein Quäl-Instrument sein, wenn man sagt, ich bin so ein Sanguiniker, ich brauche den Bleistift, um genau zu gucken. Und das kann einen schon auch ganz schön quälen, wenn man immer wieder zeichnen muss. Also daran wird einem das deutlich, dieses da draußen sein, in dem Formkontext einer Erscheinung, ist schon dieser Zugriff. Und indem ich das kann und übe, wird es leichter. Und damit sind wir in einem ganz zentralen Punkt. Der Wille ist nicht, und den Willen kann man nicht beschreiben, sondern &#039;&#039;&#039;der Wille wird ständig&#039;&#039;&#039;. Und indem ich ihn anspanne, &#039;&#039;&#039;indem ich mit ihm tätig bin,&#039;&#039;&#039; geht es auch leichter. Das kennt jeder, der etwas tut oder der das ein bisschen reflektiert. Indem ich mich überwinde und es tue, sage ich danach, ach, morgen wieder. Und vorher ist es ein Riesenberg. Also geht mir jedenfalls so. Wenn mir jetzt keiner derselben Meinung ist, dann ist es nur meine Meinung. Aber ich glaube schon, dass das der ein oder andere schon mal erlebt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3733s Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13] ===&lt;br /&gt;
Also bei der Waldorfpädagogik kommt es zu einem wunderbaren kleinen Ecke, die mir das jetzt auch wieder verbindet. Deshalb nehme ich die, die mit der Sinneswahrnehmung zu tun hat, die ganz unbekannt ist. &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; empfiehlt den Lehrern &#039;&#039;&#039;die Tierkunde und das Umgehen mit den Tieren&#039;&#039;&#039;. Und ich bin sicher, auch das Umgehen mit den Tieren im wirklichen Tun, so zu machen, dass sie darin so einen Kontakt haben mit den Tieren, dass sie bis in die Formen hinein die Tiere verinnerlichen. Also sagen wir mal, denken wir uns mal so eine dritte Klasse und eine kleine Schafherde. Und da werden auch mal die Kinder umgerannt. Und das kann ja auch ziemlich wild sein. Und dann hängt sich jemand in der Wolle und das Schaf blökt und so weiter. Das ist alles, wo man heute sagen würde, Tierschutz kommt jetzt gleich. Das geht gar nicht. Aber das genau ist, glaube ich, das, was er vor sich hat. Die Auseinandersetzung und das Mitleben dieser Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt ist die Aufgabe des Lehrers, so weit zu kommen, dass die Formen deutlich werden, dass die Formen gehalten werden können, dass die Formen verinnerlicht sind, &#039;&#039;&#039;dass man die Formen nachzeichnen kann&#039;&#039;&#039; und so weiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3810s Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt sagt er ja, wenn sie mit den Formen bei den Tieren so weit sind, dass die Kinder da gut drin sind, &#039;&#039;&#039;dann stärkt das ihren Willen&#039;&#039;&#039;. Ist doch spannend. Nicht &#039;&#039;&#039;die Form der Pflanzen&#039;&#039;&#039;, die werden durch das Denken, &#039;&#039;&#039;das stärkt das Denken&#039;&#039;&#039;. Die Formen der Tiere, das stärkt den Willen. Und die Form der Tiere ist ja eine große Anstrengung, ist ja gar nicht einfach. Kommen Sie mit? Also ich schaue auf das Zugreifen durch den Willen in der Pädagogik. Ich schaue auf die Welt draußen. Mit dem Morgenspruch der Waldorfpädagogik, ich schaue in die Welt. Wunderbar! Und ich schaue auf die Tiere und ich schaue auf die Pflanzen. Und bei den Pflanzen ist das eine solch wunderbare Ordnung und eine solche Offenbarung einer Kraft, die ich eigentlich fürs Denken brauche. Und die ich auch benutze fürs Denken. Und das ist Rudolf Steiners größte Entdeckung, kann man sagen, dass &#039;&#039;&#039;die umgewandelte Wachstumskraft zur Denkkraft wird&#039;&#039;&#039;. Dem bin ich gegenüber durch &#039;&#039;&#039;die Pflanze&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039; ist das ganz anders. Das Tier hat diese Qualität, etwas dazu leben, etwas zu sein, nicht zu werden, wie wir. Sondern es ist für sich alles das. Und wenn ich es schaffe, so mit ihm verbunden zu sein, dass die Form in mir lebendig ist, &#039;&#039;&#039;stärkt es meine Willenszeit&#039;&#039;&#039;. Ist doch interessant, oder? Das kennen die meisten Pädagogen gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=3908s Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08] ===&lt;br /&gt;
Ja, und jetzt kommen wir zu einer Ecke, die viele heutzutage sehr ungern hören, aber die doch genannt werden muss. Und das ist die religiöse. &#039;&#039;&#039;Was ist das Gebet?&#039;&#039;&#039; Wo ist überhaupt der Übergang von einem &#039;&#039;&#039;Morgenspruch&#039;&#039;&#039; in einer Klasse zu einem Gebet? Gibt es da überhaupt einen Übergang? Ist das Gebet nicht nur noch die individualisierte Form davon? Und so weiter und so weiter. Wir könnten darüber einen eigenen Abend oder eine ganze Woche machen. Und wir würden zu dem Ergebnis kommen, dass ganz wesentlich dabei ist, &#039;&#039;&#039;der Moment, dass ich das für mich will und tue&#039;&#039;&#039;. Und eigentlich sind die Kulturen, die eine Gebetskultur haben, dadurch zu erkennen auf der Welt, dass es &#039;&#039;&#039;Willenskulturen&#039;&#039;&#039; sind. Ich habe es jetzt ganz kurz gemacht. Der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; wird &#039;&#039;&#039;gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat.&#039;&#039;&#039; Da geht es nämlich nicht um den Inhalt. Da kann man ja auch sagen, das weiß ich jetzt, dass wir uns bei der Erde bedanken wollen für das Essen oder so. Das kenne ich jetzt irgendwie, das haben wir schon ein paar Jahre gehört. Das brauchen wir jetzt eigentlich nicht mehr hören, oder, oder... Sondern es geht um einen &#039;&#039;&#039;Besinnungsmoment&#039;&#039;&#039;, wo ich mich gerade erinnere, befestige, versichere, daran aufwecke, ich will da doch ein Bewusstsein haben einer Dankbarkeit, oder, oder, oder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will deutlich machen, es geht nicht um den Inhalt, sondern um die Tat. Es geht auch um den Inhalt. Aber &#039;&#039;&#039;die Tat ist das Entscheidende&#039;&#039;&#039;, weil die braucht &#039;&#039;&#039;Willen.&#039;&#039;&#039; Und dieser Wille, den ich nur frei aufbringe beim Kind, jetzt beim Tischgebet, das sind Übergangsformen. Aber das wirkliche Gebet kann ich ja nur selber machen, alleine für mich. Das ist etwas, was unglaubliche Willenskräfte weckt. Und da gibt es natürlich Übergänge in den &#039;&#039;&#039;Kulturen&#039;&#039;&#039;, wo das dann doch eine &#039;&#039;&#039;Gemeinschaftsverpflichtung&#039;&#039;&#039; ist und so weiter. Und da kann man dann lange Studien machen, wie diese Kulturen anders sind. Ich will das jetzt gar nicht vertiefen, sondern ich muss das hier bei diesem Thema sehr deutlich berühren.  &#039;&#039;&#039;Gebet, überhaupt die religiöse Zuwendung, hat immer eine ganz starke Willenskomponente und eine Willensschulung.&#039;&#039;&#039; Überhaupt ist der Wille immer dadurch geschult, dass er in Anwendung kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4063s Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43] ===&lt;br /&gt;
Ja, ich habe gesagt, ich möchte jetzt einen biografischen Einschub machen. Und das ist eine kleine Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche wissen das vielleicht auch schon. Ich bin ja zwar in einem anthroposophischen Elternhaus geboren und so. Aber ich bin eigentlich auf die Anthroposophie gestoßen durch den [[A:Josef Beuys|&#039;&#039;&#039;Josef Beuys&#039;&#039;&#039;]], den ich kennenlernte mit 15, weil mich jemand gebeten hatte aus der damaligen DDR, mir den als Menschen anzugucken. Ich wusste von seiner Kunst nichts und ich lernte ihn als Mensch kennen. Und habe dann vier Jahre mit [[A:Josef Beuys|Josef Beuys]] vieles gemacht und vor allem Bäume gepflanzt. Und unter anderem war bei dieser Baumpflanzaktion, wo es darum ging, die Kunst so zu verwandeln, dass sie tätig wird in der Welt für das, was notwendig ist. Also wieder eine &#039;&#039;&#039;Willensfrage&#039;&#039;&#039;. Da war plötzlich klar, das lässt sich gar nicht mehr finanzieren, das muss man abbrechen. Und selbst Beuys, der viele Kunstwerke verkauft hatte und er auch bekanntlich teuer verkauft hatte, war pleite sozusagen, konnte nichts mehr dazu beitragen. Und da tauchte ein Mensch auf, der eine Zarenkrone, &#039;&#039;&#039;eine Kopie einer Zarenkrone in Gold verkaufen&#039;&#039;&#039; wollte, damit diese Baumpflanzaktion weiterfinanziert wird. Und Beuys hat gesagt, ja, die werden wir einschmelzen, das müssen Sie schon wissen. Wir verkaufen nicht diese Krone, sondern wir werden daraus was Neues machen. Und dem hat dieser Mensch zugestimmt und dann wurde diese Krone umgeschmolzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Beuys hatte ein Hasen- und ein Sonnensymbol vorgefertigt. Und da rein wurde dieses in eine Form und so ... das wurde flüssig auf den Steinen, die zu den Bäumen dazukamen, vor dem Museum wurde diese Aktion gemacht. Und dann waren diese beiden - das war so ein Osterhase, so ein DDR-Osterhase in purem Gold und so ein wunderschönes Sonnensymbol mit so einem Ring drumherum, so einem Halbring. Und die waren beide noch richtig rotglühend. Ich war dabei als junger Mensch und die waren so an der Zange. Und der Beuys trug die dann rein in dieses Museum und da war vorbereitet in dem Eingangsbereich des Museums so ein kleiner, rausgeschlagener Kasten, kann man sagen, aus dem Gemäuer. Da kam so eine Stahlarmierung drumherum mit einem Panzerglas. Das war sehr viel wert, war viel Gold. Und die Edelsteine unten drumherum, die von dieser Krone, waren wie so ein Nest. Und jetzt kramte der Beuys in seinen Taschen und holte einen kleinen Aufkleber heraus und da stand etwas drauf und den klebte er da drunter. Und auf diesem &#039;&#039;&#039;Spruch&#039;&#039;&#039; stand Folgendes, und ich sag das jetzt zweimal, dass man es auch mitschreiben kann, wenn man es möchte. Es sind nur zwei Zeilen:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des Willens.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Die Geschichte ging so weiter, dass die Documenta dann wenige Wochen später zumachte und jetzt musste dieser Hase mit dem Sonnensymbol usw. verkauft werden. Und das war gar nicht so ganz einfach, weil das Geld wurde dringend gebraucht, um Bäume zu pflanzen. Und dann trat jemand auf aus Stuttgart, der es dann schlussendlich auch gekauft hat, sein ganzes Vermögen - das war eine ganz verrückte Sache. Der wollte unbedingt, dass das möglich wird. Das steht ja heute in der Staatsgalerie da in Stuttgart. Und dann kam es auch sehr schnell da ins Museum. Und jetzt war da aber nicht mehr dieser Spruch, und dann habe ich den Beuys drauf aufmerksam gemacht und habe gesagt, muss man das nicht wieder dahin machen? Nein, das ist so selbstverständlich, das weiß jetzt jeder. Das braucht man nicht mehr dahin kleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, das wollte ich einfach noch als persönliche Situation erzählen, die für mich sehr prägend war. Diese Beziehung zu Joseph Beuys und dieses Verständnisses, &#039;&#039;&#039;dass es alles auf den Willen ankommt&#039;&#039;&#039;. Wir werden nur überleben, wir werden nur eine neue Pädagogik, wir werden nur eine andere Art der Medizin, wir werden nur eine bessere Art des Umgangs mit unserer Naturgrundlage hinkriegen, &#039;&#039;&#039;wenn wir auf unseren Willen schauen&#039;&#039;&#039;. Das ist ja die eigentliche Aussage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4321s Der Handlungswille des Arztes in guter Kommunikation mit den Therapeuten. Mediziner und Patient auf Augenhöhe durch Heiler-Wille 01:12:01] ===&lt;br /&gt;
Ja, und jetzt möchte ich noch ein paar Bemerkungen … und die Mediziner nehmen mir das bitte nicht übel, dass ich jetzt da eigentlich die kürzeste Zeit drauf verwende, zur &#039;&#039;&#039;Medizin&#039;&#039;&#039; bringen. Es ist ja, das habe ich ja schon angedeutet, das Allerentscheidendste, dass der Mediziner sich mit dem Patienten so verbindet, dass er will, dass der heilt. &#039;&#039;&#039;Der Heiler-Wille&#039;&#039;&#039; - das ist das Zentrum der anthroposophischen Medizin, kann man doch sagen, oder? Also, sonst könnten wir doch einen guten Computer haben, der sagt dann auch, was jetzt bei der Apotheke abzuholen ist, oder das vielleicht so anliefert, demnächst mit irgendeiner Drohne oder so. Das könnten ja alles, das können die besser, diese modernen Computer. Da bräuchte es keinen Menschen, wenn wir sagen, es kommt darauf an, dass der jetzt dieses oder jenes Mittel bekommt, auch dieses oder jene Globuli. Sondern es geht um &#039;&#039;&#039;eine Beziehung&#039;&#039;&#039;, die so ist, dass der Arzt das ausdehnt, was er normalerweise sozusagen hat, auf diesen Patienten. Und darin sieht man auch die unglaubliche Belastung und die Größe und die Gefahr dieser ganzen Tätigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommt dieses wunderschöne Wort, &#039;&#039;&#039;der behandelnde Arzt&#039;&#039;&#039;, der Handelnde, der mit der Hand tätige Arzt, das ist eigentlich der Arzt. Und oftmals verschiebt er das dahin, wo die sind, die dann handeln, &#039;&#039;&#039;die Therapeuten&#039;&#039;&#039;. Die Handelnden sind oft nicht die Ärzte. Und insofern ist es wunderbar und richtig, dass wir in der anthroposophischen Medizin sagen, nee, nee, wir machen keine Ärztetagung und Therapeutentagung. Sondern &#039;&#039;&#039;wir sehen das natürlich zusammen als eine Ganzheit&#039;&#039;&#039;. Und es kommt sehr darauf an, dass dieser Handlungswille des Arztes in guter Kommunikation ist mit dem Heileurythmisten oder der Heileurythmistin und so weiter und so weiter. Also der handelnde Arzt als derjenige, der in sich hereingenommen hat, das, was eigentlich die Diagnose und die Therapie jetzt da vonnöten ist, und aus diesem Hereinnehmen in eine besondere Verwandlungsform übergehend jetzt sagen kann: So, und ich nehme dich mit, Patient. Ich tue nicht brr, du kriegst das, und dann ist gut. Sondern heben, mitnehmen, &#039;&#039;&#039;in einer Augenhöhenbeziehung&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4497s Heilung und Meditation - Ende des Vortrages 01:14:57] ===&lt;br /&gt;
Und jetzt kommen wir zu dem riesigen Schatz der meditativen Hilfen, die mindestens so wichtig sind wie die äußeren und inneren Anwendungen, die der anthroposophischen Medizin zur Verfügung stehen für die spezielle Krankheitssituation. Und ich möchte eigentlich damit auch schließen, dass ich eine von diesen &#039;&#039;&#039;Meditationen&#039;&#039;&#039; hier in den Raum stelle, um dann die Möglichkeit zu geben, dass wir noch ein bisschen im Gespräch sind:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Sieghafter Geist,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;durchflamme die Ohnmacht zaghafter Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verbrenne die Ich-Sucht, entzünde das Mitleid&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;dass Selbstlosigkeit, der Lebensstrom der Menschheit,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wallt als Quelle der geistigen Wiedergeburt.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Herzlichen Dank! (Applaus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4585s Diskussion und Austausch mit dem Publikum 01:16:25] ===&lt;br /&gt;
Martin: Widersprüche. Wer ist unzufrieden? Wer möchte sagen, so gar nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Publikum: Ich finde es prima, dass Sie sozusagen den Eingangsspruch, den Sie gesagt haben, es ist eine Ernährungsfrage, in so vielfältiger Weise dargestellt haben. Also müssten wir jetzt eigentlich sagen, was ist denn Ernährung? Welcher Fächer drückt sich auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Ein unglaublicher Fächer, ja. Ja, danke. Danke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Publikum: Am Anfang ging es darum, dass ... oder so habe ich es verstanden, dass das Denken, das abstrakte Denken, auf die Vergangenheit gerichtet und da habe ich mich gefragt, ja was ist denn mit den Ideen ... [akustisch schwer verständlich].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Na klar! Das war ja auch sehr provokant. Absolut gut, richtig! Kann nicht alles sein. Und da muss man natürlich differenzieren. Und mit dem Denken hat man ja auf der anderen Seite eine unglaubliche Möglichkeit, anzudocken an eine Welt der Gedanklichkeit, der Ideen. Und das hat gerieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4682s Denken als Verbindung zum Kosmischen 01:18:02] ===&lt;br /&gt;
Moment mal, ich habe aber doch durch das Denken eine Beziehung zu etwas, was eigentlich wie ein Leitstern ist. Und man könnte sagen, das Kosmische. Das Denken ist sozusagen die Brücke, die Antenne, die Verbindung zu einer Welt, in der die Gedankenklarheit da ist und wo es Dinge gibt, die vielleicht noch gar niemand je gedacht hat, aber die schon da sind. Und man könnte sagen, die Willenstätigkeit ist die Verbindung in ein absolutes Chaos, in eine Welt der Möglichkeiten, in eine Welt, wo ich gefragt bin. Also so könnte man es vielleicht besser sagen. Ist es jetzt nicht mehr so anstößig. Ich kann diesen Anstoß vollkommen nachvollziehen und das ist auch lückenhaft gewesen von mir. Kann man es so akzeptieren? [Bemerkung aus dem Publikum, akustisch nicht verständlich]. Und das ist natürlich ganz, ganz wichtig und das ist die Quelle unseres Menschseins. Dass wir eine geistige Gründung haben, aber sie macht uns noch nicht handlungsfähig. Und manchmal sind diese Ideen so wunderbar, dass sie befeuern. Und dann ist dieser Übergang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4771s Das meditative Leben als Befeuerung und Zugang zur Geistigkeit 01:19:31] ===&lt;br /&gt;
Und dann hat man etwas, was ich heute noch gar nicht angesprochen habe, dass der Wille auch aus dem Denken zu dem denkenden, befeuernden Erleben der Kraft der Idee wirklich greift, wirklich ergriffen wird. Das ist ein anderer Weg und der ist natürlich sehr wichtig und sehr gut und gar nicht irgendwie ... will ich gar nicht bewerten. Und Steiner endet in diesem Vortrag, auf den ich mich jetzt relativ viel bezogen habe, den habe ich gar nicht genannt. Und das ist eine [[S:GA-152#11|Gesamtausgabe 152]], der erste Vortrag. Sehr lesenswert, auch nur das hinterste ... der letzte Teil, da braucht man gar nicht so lange. Wie eigentlich das &#039;&#039;&#039;meditative Leben&#039;&#039;&#039; so entwickelt werden kann, dass man das &#039;&#039;&#039;Denken, das Fühlen und das Wollen stärkt&#039;&#039;&#039;. Wunderbar in diesem Vortrag. Und da endet er damit, dass es eben um diese &#039;&#039;&#039;Befeuerung&#039;&#039;&#039; geht. Wie eigentlich ein Zugang zur Welt, ein Zugang zur Geistigkeit uns befeuern kann, dass wir etwas verändern in der Welt und am anderen Menschen. Danke nochmal für die Frage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=4853s Tierzüchtung arbeitet immer auf etwas hin, was es heute noch nicht gibt 01:20:53] ===&lt;br /&gt;
Publikum: Ja, ich wollte mich jetzt in dem Fall bei dir bedanken. Ich bin selber Tierzüchterin und habe im Grunde einen Vortrag zum Thema Tierzucht für mich gehalten. In meiner Wahrnehmung war es auf jeden Fall so. Weil uns kommt als Tierzüchter - und ich spreche jetzt nicht, also ich unterscheide zwischen Haltung und Züchtung, ja. Den meisten ist nicht klar, dass es Unterschiede gibt. Aber wir jetzt von Seiten der Züchtung, du weißt es ja sehr gut, arbeiten ja im Grunde immer nach vorne. Wir arbeiten immer zu etwas hin, was es heute noch nicht gibt. Und es ist ganz schwer für viele zu verstehen, wie das überhaupt funktioniert. Und es ist ganz interessant für mich, dass du das jetzt mit dieser Willensfrage zusammengebracht hast und auch mit der Frage der Sympathie. Weil warum es funktioniert, dass so eine Idee sozusagen ins Leben kommen kann, hängt ganz oft damit zusammen, dass man Menschen dafür begeistern kann. Also dass sich sozusagen  jemand wie mit anstecken lässt, der das Ziel gar nicht sieht, was du selbst als Züchter aber sehen musst. Und dann aber auch mal wieder dieser Konflikt, dass man dann ja gesagt bekommt, ja aber woher willst du denn eigentlich wissen, dass das der richtige Weg ist. Und dann muss man sagen, ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass ich sozusagen dann, wenn es soweit ist, derjenige sein werde, der es dann weiß, was zu tun ist. Und von daher, ich bin ganz inspiriert und sehr begeistert von diesem schönen Vortrag!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Danke, danke, gerne! Also jemand zu dienen, der so eine wichtige Arbeit macht, ist mir ein großes Vergnügen. Ich muss jetzt aufpassen, dass mir jetzt nicht die Tränen kommen. Also Sie haben jetzt gehört, was der Züchterblick ist, das hat sie beschrieben. Es ist ein Blick, der kein Blick ist, sondern &#039;&#039;&#039;in dem Blick ist Wille. Und zwar Zukunftswille.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Gestaltungswille&#039;&#039;&#039; in einen Bereich hinein, wo wir normalerweise gar nicht an Gestaltung denken, sondern höchstens an Erhaltung. Haltung. Ich habe das jetzt nur mal mit anderen Worten zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War ein ganz toller Beitrag, den man auch auf die &#039;&#039;&#039;Pflanzenzüchtung&#039;&#039;&#039; ausdehnen kann, wo man natürlich dann fragen muss, was macht den Unterschied und so weiter. Ja, ist vielleicht jetzt hier auch für diese Gruppe sehr wichtig, dass in Bezug auf die Landwirtschaft diese Züchtungsfrage ganz, ganz wichtig ist. Und ich bin sehr dankbar, dass sie in diesem Bereich tätig ist, weil da sind wir sehr unterbelichtet. Bei der Pflanzenzüchtung haben wir einiges zustande gebracht. Und &#039;&#039;&#039;bei der Tierzüchtung ist noch vieles zu erreichen&#039;&#039;&#039;. Und die Zeit drängt unglaublich. Ich will jetzt gar nichts Schreckliches noch hier zum Ende bringen. Ich sage einfach nur, die Zeit drängt wahnsinnig, dass wir da noch viel mehr solche Initiativen und solche Tätigkeiten in den Höfen entwickeln müssen. Bitte, der Nächste! Es war noch jemand, der sich gemeldet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=5021s Denken als bewusster Willensakt 01:23:41] ===&lt;br /&gt;
Publikum: Ja. Ich möchte eine Lanze brechen für das Denken. Man kann nicht wirklich denken, ohne dass man es will. Und das ist etwas, das echte Denken ist eigentlich genau das, was die Inga gesagt hat. Es ist Trassen Legen zu einem unbekannten Punkt. Und das, was wir normalerweise als Denken nennen, ist eigentlich nur ein Kombinieren von schon Gedachtem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Das kann KI mittlerweile genauso gut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Publikum: Aber das echte Denken fehlt uns hinten und vorne. Damit will ich mich auch bedanken für diesen Vortrag und alles, was ich durchdacht habe. Das ist Arbeit, wie gesagt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Ja, Danke schön! Ja dann …&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=5085s Abschlussworte Martin und Jakob 01:24:45] ===&lt;br /&gt;
Jakob: Ja, lieber Martin ganz, herzlichen Dank. Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass der Teil der Mediziner so kurz kam. Aber vielleicht dürfen wir Dich einfach nochmal einladen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Ja, klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, sehr schön. Also, dann können wir den Abend auch beschließen, mit der Aussicht, dass es vielleicht eines Tages eine Fortsetzung dazu gibt. Und dann wünschen wir einen ganz, ganz guten Nachhauseweg. Und ich bin ein bisschen auch neidisch über diese ganzen Studenten im Umkreis von Martin, der ja mit dem David Martin zusammen diese Initiative und auch wirklich dieses Grundjahr, dieses [[Landbauschule Dottenfelderhof|landwirtschaftlich-medizinische Grundjahr]] am [[Dottenfelderhof]] in der Kooperation mit der Uni Witten-Herdecke ins Leben gerufen hat. Also diese Menschen, die dann ein Jahr mit ihm und [Prof. Dr.] David Martin zusammen studieren können. Ich glaube, es macht ein bisschen Zukunftshoffnung, dass da doch die Landwirtschaft und die Medizin vielleicht wenigstens partiell auf dem richtigen Weg oder vielleicht gut eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben jetzt gleich am Ausgang ein kleines Körbchen. Können Sie nach eigenem Ermessen vielleicht noch einen kleinen Obolus hinterlassen. Und dann wünschen wir Dir einen schönen Abend, eine gute Zeit hier am Bodensee und dann einen guten Nachhauseweg allen, die jetzt hierher gekommen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.youtube.com/watch?v=M84zzxmHB_g&amp;amp;t=5158s Meditationsspruch von Rudolf Steiner 01:25:58] ===&lt;br /&gt;
Martin: Sollte ich nochmal zum Schluss &#039;&#039;&#039;diesen Spruch sprechen&#039;&#039;&#039;, den ich nur einmal gesprochen habe? Wollen Sie das nochmal hören?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jakob: Eine Sache noch. Wir setzen dann morgen in dieser kleinen Tagung fort mit dem Michael Hertel, der auch heute Abend schon da ist. Wer jetzt ganz spontan irgendwie - ich bin jetzt mal so frei - dazustoßen möchte für diese Einheit. Herzlich willkommen! Oder Michael, ist es in Deinem Sinne? Sehr schön. Um 10 Uhr morgen Vormittag hier in diesen Räumlichkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin: Ein ganz außergewöhnlicher Meditationsspruch und der eben auch ganz viel zu tun hat mit der &#039;&#039;&#039;Qualität der Selbstlosigkeit eben als Lebensstrom der Menschheit&#039;&#039;&#039;:&amp;lt;blockquote&amp;gt;&#039;&#039;Sieghafter Geist,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;durchflamme die Ohnmacht zaghafter Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verbrenne die Ich-Sucht, entzünde das Mitleid,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;dass Selbstlosigkeit, der Lebensstrom der Menschheit,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wallt als Quelle der geistigen Wiedergeburt.&#039;&#039; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;Einen guten Nachhauseweg!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;A&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#A| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|A}}&amp;lt;big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … ich bin eigentlich auf die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; gestoßen durch den Josef Beuys, den ich kennenlernte mit 15 […] Ich wusste von seiner Kunst nichts und ich lernte ihn als Mensch kennen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARZT   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … der behandelnde &#039;&#039;&#039;Arzt&#039;&#039;&#039;, der Handelnde, der mit der Hand tätige Arzt, das ist eigentlich der Arzt […] mitnehmen, in einer Augenhöhenbeziehung [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Handlungswille des Arztes in guter Kommunikation mit den Therapeuten. Mediziner und Patient auf Augenhöhe durch Heiler-Wille 01:12:01|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:12:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;B&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#B| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|B}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;B&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;C&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#C| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|C}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;C&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUS   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Steiner an dieser Stelle kosmische Ernährung nennt […] veränderte, verwandelte Substanz, die durch den &#039;&#039;&#039;Christusimpuls&#039;&#039;&#039; wirklich real sich verändert hat. Und das passiert in Ihnen alltäglich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:49:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;D&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#D| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
DENKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Form der Pflanzen, … das stärkt das &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. Die Formen der Tiere, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; an. Das ist die neue Qualität des Willens&#039;&#039; [Joseph Beuys] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#E| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNG   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie &#039;&#039;&#039;ernähren&#039;&#039;&#039; wir überhaupt so, dass Willensimpulse wirksam werden können in den Menschen? Dass Nahrung nicht dafür sorgt, dass der Wille immer mehr verschüttet wird? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft und Wille: Wie ernähren wir uns, damit Willensimpulse im Menschen wirksam werden können? 00:39:26|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:39:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
GEBET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit &#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039; zu tun hat | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;&#039;, überhaupt die religiöse Zuwendung, hat immer eine ganz starke Willenskomponente und eine Willensschulung | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir sind Menschen einer Gedankenschule, wir sind Menschen einer &#039;&#039;&#039;Gedankenkultur&#039;&#039;&#039; und unser Wille ist in aller Regel tief unten in einem sehr unbewussten Bereich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille und unsere Kultur 00:07:40|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:07:40]]&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039; in der Abstraktion speist sich immer aus der Vergangenheit [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das Gedankenleben in der Abstraktion speist sich immer aus der Vergangenheit 00:23:12|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:23:12]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;H&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#H| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|H}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;H&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEILPÄDAGOGIK/ANTHROPOSOPHISCHE         &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Warum ist Waldorfpädagogik, warum ist &#039;&#039;&#039;anthroposophische Heilpädagogik&#039;&#039;&#039; eine Willenserziehung? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMOR    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des &#039;&#039;&#039;Humors&#039;&#039;&#039;  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ICH    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir mit dem ungeschulten Bewusstsein als Alltags-Ich erleben und uns dadurch von der Welt abgesondert fühlen, ist nur dieses Spiegelbild des wahren &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039; [Spiegelvortrag von Rudolf Steiner, GA 35] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
* … das &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039; lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Iches und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;J&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#J| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
JOSEF BEUYS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des Willens&#039;&#039; [&#039;&#039;&#039;Joseph Beuys&#039;&#039;&#039;] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
* … ich bin eigentlich auf die Anthroposophie gestoßen durch den &#039;&#039;&#039;Josef Beuys&#039;&#039;&#039;, den ich kennenlernte mit 15 […] Ich wusste von seiner Kunst nichts und ich lernte ihn als Mensch kennen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;K&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#K| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|K}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;K&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir &#039;&#039;&#039;Kinder&#039;&#039;&#039; so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer Willenskraft haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt Rhythmus eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das &#039;&#039;&#039;Kind&#039;&#039;&#039; zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOSMISCHE ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Steiner an dieser Stelle &#039;&#039;&#039;kosmische Ernährung&#039;&#039;&#039; nennt […] veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christusimpuls wirklich real sich verändert hat. Und das passiert in Ihnen alltäglich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:49:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KUH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der &#039;&#039;&#039;Kühe&#039;&#039;&#039;? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die Natur verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben &#039;&#039;&#039;Kultur&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die Natur verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben Kultur [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEHRER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim &#039;&#039;&#039;Lehrer&#039;&#039;&#039; reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
* Steiner empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den Tieren […] Und jetzt ist die Aufgabe des &#039;&#039;&#039;Lehrers&#039;&#039;&#039;, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;M&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#M| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|M}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;M&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MEDITATION   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … Steiner endet in diesem Vortrag […] Wie eigentlich das &#039;&#039;&#039;meditative&#039;&#039;&#039; Leben so entwickelt werden kann, dass man das Denken, das Fühlen und das Wollen stärkt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das meditative Leben als Befeuerung und Zugang zur Geistigkeit 01:19:31|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:19:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;N&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#N| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
NATUR   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft ist das eigentlich ganz einfach. Diejenigen, die das begonnen haben, die plötzlich gemerkt haben, sie können mit ihren Händen die &#039;&#039;&#039;Natur&#039;&#039;&#039; verwandeln und zu etwas machen, was wie eine Heraussetzung aus dem Menschen ist. Eben Kultur [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft ist immer im Strom eines Verwandlungsprozesses. Aber was mich tätig sein lässt, ist das, wie es werden soll 00:33:08|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:33:08]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;O&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#O| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
PFLANZEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Form der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039;, … das stärkt das Denken. Die Formen der Tiere, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
RHYTHMUS&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir Kinder so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer Willenskraft haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; an dieser Stelle kosmische Ernährung nennt […] veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christusimpuls wirklich real sich verändert hat. Und das passiert in Ihnen alltäglich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Kosmische Ernährung spielt für den Menschen eine große Rolle für die Entfaltung des Willens: Das ist veränderte, verwandelte Substanz, die durch den Christus-Impuls real sich verändert hat 00:49:02|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:49:02]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den Tieren […] Und jetzt ist die Aufgabe des Lehrers, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
* … &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; endet in diesem Vortrag […] Wie eigentlich das meditative Leben so entwickelt werden kann, dass man das Denken, das Fühlen und das Wollen stärkt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Das meditative Leben als Befeuerung und Zugang zur Geistigkeit 01:19:31|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:19:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
SCHWALBEN    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der Wiederkäuer im Tierreich? Die Vögel. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die &#039;&#039;&#039;Schwalben&#039;&#039;&#039;, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation als Grundlage für ein &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039;, das ist anders. Mit anderen Worten, nochmal, das Tier lebt in der Sinnesbeziehung zur Welt und die Welt dringt in es ein [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation beim Tier als Grundlage für ein Seelenleben ist anders als beim Menschen 00:42:10|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:42:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SINNE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die &#039;&#039;&#039;Sinneswelt&#039;&#039;&#039; der Kühe? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
* Die saubere, präzise, besonnene, in der Zeit mitgehende &#039;&#039;&#039;Sinneswahrnehmung&#039;&#039;&#039; ist schon Willensaktivität [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sinneswahrnehmung ist Wille. Der Wille wird, indem ich mit ihm tätig bin 01:00:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:00:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPIEGELBILD&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir mit dem ungeschulten Bewusstsein als Alltags-Ich erleben und uns dadurch von der Welt abgesondert fühlen, ist nur dieses &#039;&#039;&#039;Spiegelbild&#039;&#039;&#039; des wahren Ich [Spiegelvortrag von Rudolf Steiner, GA 35] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Rudolf Steiners Bologna-Vortrag: Das Ich lebt nicht in uns, sondern wir erleben eine Spiegelung des Ichs und es lebt eigentlich in der geistigen Außenwelt, in der, die es ergreift 00:26:45|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:26:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SYMPATHIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die Willensentwicklung beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter &#039;&#039;&#039;Sympathie&#039;&#039;&#039; […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;T&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#T| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;{{Anker|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
TIER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation als Grundlage für ein Seelenleben, das ist anders. Mit anderen Worten, nochmal, das &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039; lebt in der Sinnesbeziehung zur Welt und die Welt dringt in es ein [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Eigenständigkeit der rhythmischen Organisation beim Tier als Grundlage für ein Seelenleben ist anders als beim Menschen 00:42:10|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:42:10]]&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das &#039;&#039;&#039;Tier&#039;&#039;&#039; richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der Kühe? Natürlich die Weide [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
* … die Form der Pflanzen, … das stärkt das Denken. Die Formen der &#039;&#039;&#039;Tiere&#039;&#039;&#039;, das stärkt den Willen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
* Steiner empfiehlt den Lehrern die Tierkunde und das Umgehen mit den &#039;&#039;&#039;Tieren&#039;&#039;&#039; […] Und jetzt ist die Aufgabe des Lehrers, so weit zu kommen … dass man die Formen nachzeichnen kann [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Tierkunde und das Nachzeichnen der Formen stärken die Willensentwicklung 01:02:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:02:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
VÖGEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der Wiederkäuer im Tierreich? Die &#039;&#039;&#039;Vögel&#039;&#039;&#039;. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die Schwalben, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;W&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] | [[Gesamtglossar des biodyn.wiki#W| Gesamtglossar]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{Anker|W}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;W&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WALDORFPÄDAGOGIK   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Warum ist &#039;&#039;&#039;Waldorfpädagogik&#039;&#039;&#039;, warum ist anthroposophische Heilpädagogik eine Willenserziehung? [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WEIDE   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … wenn Sie jetzt das Tier richtig füttern wollen, dann brauchen Sie hier etwas, was zu tun hat mit der Sinneswelt. Und was ist das Allerwichtigste für die Sinneswelt der Kühe? Natürlich die &#039;&#039;&#039;Weide&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIEDERKÄUER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer ist der Partner der &#039;&#039;&#039;Wiederkäuer&#039;&#039;&#039; im Tierreich? Die Vögel. Und manche Vögel, deshalb brauchen wir auch unbedingt die Schwalben, sind bereit auch bis in den Stall mitzugehen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die eigentliche Ernährung des Tieres hat zu tun mit der Sinneswelt und der kosmischen Substanz 00:45:14|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:45:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WILLE  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist eigentlich etwas, was zu kultivieren ist. Es lebt irgendwie im Untergrund in uns und ist uns mitgegeben und gleichzeitig ist es etwas, was wir ganz schwer fassen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wochenspruch der Michaeli-Zeit 00:05:29|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:05:29]]&lt;br /&gt;
* Wir sind Menschen einer Gedankenschule, wir sind Menschen einer Gedankenkultur und unser &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist in aller Regel tief unten in einem sehr unbewussten Bereich [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille und unsere Kultur 00:07:40|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:07:40]]&lt;br /&gt;
* … der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; ist etwas, wo Zuwendung, wo Hingabe, wo Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille ist etwas, wo Zuwendung, Hingabe, Sympathie, wo Verbundenheit sich dar lebt 00:16:50|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:16:50]]&lt;br /&gt;
* Wie ernähren wir überhaupt so, dass &#039;&#039;&#039;Willensimpulse&#039;&#039;&#039; wirksam werden können in den Menschen? Dass Nahrung nicht dafür sorgt, dass der Wille immer mehr verschüttet wird [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Landwirtschaft und Wille: Wie ernähren wir uns, damit Willensimpulse im Menschen wirksam werden können? 00:39:26|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:39:26]]&lt;br /&gt;
* … es geht darum, wie können wir Kinder so fördern, dass sie Freude an der Entwicklung ihres Willens, ihrer &#039;&#039;&#039;Willenskraft&#039;&#039;&#039; haben […] Und ich habe das vorhin schon für die außermenschliche Natur gesagt, hier spielt Rhythmus eine riesige, riesige Rolle [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Förderung der Freude an der Entwicklung der Willenskraft durch Waldorfpädagogik. Das Prinzip der Wiederholung im Schulalltag 00:53:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:53:25]]&lt;br /&gt;
* Man muss vor allem über die &#039;&#039;&#039;Willensentwicklung&#039;&#039;&#039; beim Lehrer reden. Und die fängt damit an, dass der Lehrer sich bemüht, das Kind zu umgeben mit einer Hülle von permanenter Sympathie […] und des Humors  [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Die Rolle des Lehrers in der Willensentwicklung: Die Willens-Seite ist immer die Sympathiefrage 0:56:25|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 0:56:25]]&lt;br /&gt;
* Die saubere, präzise, besonnene, in der Zeit mitgehende Sinneswahrnehmung ist schon &#039;&#039;&#039;Willensaktivität&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Sinneswahrnehmung ist Wille. Der Wille wird, indem ich mit ihm tätig bin 01:00:13|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:00:13]]&lt;br /&gt;
* … die Form der Pflanzen, … das stärkt das Denken. Die Formen der Tiere, das stärkt den &#039;&#039;&#039;Willen&#039;&#039;&#039; [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Waldorfpädagogik: Das Schauen auf die Tiere stärkt den Willen, das Schauen auf die Pflanzen stärkt die Denkkraft 01:03:30|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:03:30]]&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Wille&#039;&#039;&#039; wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* Gebet, überhaupt die religiöse Zuwendung, hat immer eine ganz starke &#039;&#039;&#039;Willenskomponente&#039;&#039;&#039; und eine Willensschulung | [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wille wird gestärkt durch alles, was mit Gebet zu tun hat 01:05:08|von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:05:08]]&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des &#039;&#039;&#039;Willens&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; [Joseph Beuys] [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Biografischer Einschub: Josepf Beuys und die Zarenkrone 01:07:43|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 01:07:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WISSEN   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* … unsere &#039;&#039;&#039;Wissenskultur&#039;&#039;&#039; ist auf dem besten Wege, entmenschlicht zu werden … diese große Gefahr der Vereinzelung und der Verabstrahierung … schlussendlich das Leben gar nicht mehr selber erreichen [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#Der Wochenspruch als Sinnbild für das Ergreifen des Willens und als Quelle für das eigentlich Menschliche. Entmenschlichung durch reine Wissenskultur 00:13:09|| von Mackensen, M. Die Verwirklichung des Willens, 00:13:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:biologisch-dynamisch]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bodenentwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 327]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kühe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rinder]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Klima]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landbauschule Dottenfelderhof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landwirtschaftlicher Kurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Martin von Mackensen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seminare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkribiert von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar von Elke Jurasszovich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transkriptionsstufe 100%]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Video]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wille]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://biodyn.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_des_biodyn.wiki&amp;diff=6536</id>
		<title>Gesamtglossar des biodyn.wiki</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodyn.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_des_biodyn.wiki&amp;diff=6536"/>
		<updated>2024-12-03T15:01:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In dieses Gesamtglossar fließen die einzelnen Glossare aus Filmen und Vorträgen ein. Bisher sind folgende Werke berücksichtigt: Stand 20. Oktober 2024&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024]]&lt;br /&gt;
# [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022]]&lt;br /&gt;
# [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017]]&lt;br /&gt;
# [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023]]&lt;br /&gt;
# [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021]]&lt;br /&gt;
# [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018]]&lt;br /&gt;
# [[Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024#top|Die Verwirklichung des Willens in Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2024]]&lt;br /&gt;
Hier wird man neben lexikarischen landwirtschaftlichen Fachbegriffe auch Begriffe finden, welche den Wesenskern der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise beleuchten können. +++ Gerne kannst du bei der Glossararbeit [[MitTun bei biodyn.wiki|mitTun]] +++&lt;br /&gt;
----&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;A&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|A}}&amp;lt;big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÄQUILIBRIUM, KIESEL UND KALK&lt;br /&gt;
*… die Welt von &#039;&#039;&#039;Kalk und Kiesel&#039;&#039;&#039;. … ein labiles Gleichgewicht, … müssen uns eigentlich immer wieder unsere Böden angucken … könnte jetzt den ganzen Tag nur darüber sprechen, welche Maßnahmen, welche Möglichkeiten gibt es, um an diesem Gleichgewicht mit dem Mineralischen, mit dem Lebendigen, mit den Tieren, mit den Präparaten, daran ein bisschen zu arbeiten. … [im] biodynamischen Zusammenhang immer auch die Frage des &#039;&#039;&#039;Äquilibriums&#039;&#039;&#039; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Frage des Äquilibrium 0:33:01|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:33:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ÄQUILIBRIUM, DRINNEN BEHALTEN - RAUS GEBEN&lt;br /&gt;
*… spezifisch biodynamisch … für jeden Hof neu zu findende Verhältnis zwischen drinnen behalten, Futter werden … und … verkaufbar raus. … wie viel verlässt den Betrieb und wie viel bleibt in dem Betrieb und wird … verwandelt, veredelt … und spielt eine große Rolle in Bezug auf die Düngung [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Dritter Aspekt: Verhältnis von drinnen behalten oder raus geben 0:08:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:08:54]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE&lt;br /&gt;
* Als Manfred Klett in den 50er Jahren zum Dottenfelderhof kam, lernte er auch die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; kennen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:12]]&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, BEWAHRHEITUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich lese oft &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; … versuche Beispiele im Leben zu finden … ich bin nicht ein Mensch, der etwas liest und denkt, das ist wahr … ich muss dann genauer nachprüfen, ob das so ist [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 9 - Welche Rolle spielt für dich die Anthroposophie in der Landwirtschaft? 0:09:18|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:09:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, WAHRHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [hier am Dottenfelderhof] … Auch über die &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039; oder andere anthroposophische Themen wird uns hier nahegebracht. Und auch da merke ich, da steckt so viel &#039;&#039;&#039;Wahrheit&#039;&#039;&#039; drin [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Anthroposophie - da steckt Wahrheit drin 0:23:22|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:22]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE, ZUGANG&lt;br /&gt;
* Durch Ernst Becker, Graf Bothmer und Schaumann auf dem Dottenfelderhof fand Manfred Klett seinen &#039;&#039;&#039;Zugang&#039;&#039;&#039; zur &#039;&#039;&#039;Anthroposophie&#039;&#039;&#039;: &amp;quot;… da ging mir also hier eine Welt auf, also ich hab&#039; gedacht, jetzt kann einen eigentlich nichts mehr halten. Das ist der Weg, auf dem man, im Grunde genommen, jedes Problem in Zukunft lösen kann.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mein Zugang zur Anthroposophie. Der Lesekreis 0:31:56|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:31:56]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEITEN I.S. VON ARBEITSMORAL&lt;br /&gt;
* Die Phase von 1946 bis 1957 war die letzte Blütezeit der abendländischen christlichen Landbaukultur, geprägt von kleinen, gemischten Betrieben und handwerklicher Landwirtschaft. Auf dem Dottenfelderhof gab es viele Flüchtlinge aus dem Osten. Manfred Klett: &amp;quot;Die waren handwerklich noch durch und durch präsent. Und die konnten &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039;! Das waren dann nicht 8-Stunden-Tage, sondern wenn mal Not am Mann war, dann hat man halt, bis es dunkel war, gearbeitet&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, NEUE SOZIALFORM&lt;br /&gt;
* Die biologisch-dynamischen Wirtschaftweise verlangt die Vielheit der diversifizierten Arbeitsbereiche zu bewältigen. Als Ideal wollte man die Lohnarbeit abschaffen und durch die Betriebsgemeinschaft als &#039;&#039;&#039;neue Sozialform&#039;&#039;&#039; ersetzen. Damit die Menschen aus den Erfordernissen der Aufgabenstellung &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, DURCHARBEITEN TAG UND NACHT&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Diese Kämpfe, diese Auseinandersetzungen und diese Armut, Geldknappheit, …&amp;quot; dennoch war es für Manfred Klett auf dem Dottenfelderhof &amp;quot;die schönste Zeit meines Lebens! Wochenende gab es nicht. Es wurde &#039;&#039;&#039;durchgearbeitet&#039;&#039;&#039;. Wochen durch, durch. Monate durch, Jahre durch - und vielfach &#039;&#039;&#039;Tag und Nacht&#039;&#039;&#039;. Man fragt sich manchmal, wann man überhaupt geschlafen hat&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEIT, SINNVOLL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… da ist was, das habe ich vielleicht mein Leben lang gesucht … Und das hat mich letztlich dann auch in die Landwirtschaft geführt … da kann man eine Arbeit tun … da kann man ein Leben führen, das man ununterbrochen mit &#039;&#039;&#039;sinnvoller Arbeit&#039;&#039;&#039; füllt [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Mein Weg in die Landwirtschaft 0:03:06|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:03:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ARBEITSBEREICHE, VIELFALT&lt;br /&gt;
* Die biologische-dynamische Wirtschaftsweise verlangt nach einer Diversifizierung der &#039;&#039;&#039;vielfältigen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Arbeitsbereiche&#039;&#039;&#039; wie Viehhaltung, Ackerbau, Gartenbau, Obstbau, Wiesenwirtschaft, Weidewirtschaft, Heckenbau und Gewässerwirtschaft, um die gesamte Landschaft abzubilden [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ATHANOR&lt;br /&gt;
* … der ganze Verdauungstrakt … ist wie ein &#039;&#039;&#039;Athanor&#039;&#039;&#039;, ein alchimistischer Ofen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der Verdauungstrakt als alchemistischer Ofen 0:24:38|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:24:38]]&lt;br /&gt;
ATMOSPHÄRE [POSITIVE], SELBSTERKENNTNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wer bin ich eigentlich? Warum bin ich hier? Was mache ich hier eigentlich? Was will ich wirklich so im Kern? … Und das braucht einfach einen Fokus. … Und in dieser Umgebung [mit gleichgesinnten Menschen am Dottenfelderhof] ist dieser Fokus sehr begünstigt [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Fragen zur Selbsterkenntnis 0:30:32|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:30:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;B&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|B}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;B&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BÄUERLICHE KULTUR&lt;br /&gt;
* Noch in den 1950er Jahren konnte Manfred Klett auf dem Dottenfelderhof etwas erleben, was als Blüte der mittelalterlichen &#039;&#039;&#039;bäuerlichen Kultur&#039;&#039;&#039; bezeichnet werden kann | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:12]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BECKER, ERNST&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ernst Becker&#039;&#039;&#039;, ein visionärer Landwirt, hatte am Krieg teilgenommen und war schwer verwundet. Er entschied sich, Landwirtschaft zu studieren, nachdem er erkannte, dass weder Philosophie noch Atomphysik die Grundlagen für die menschliche Erkenntnis bieten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Das Triumvirat Becker, Bothmer und Schaumann ringt um die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise 0:29:02|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:29:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEGABUNG LANDWIRTSCHAFTLICHER ORGANISMUS&lt;br /&gt;
*… je nachdem, welches Gestein im Untergrund ansteht … jeder Standort hat seine eigenen Böden … das schafft … die sogenannte … &#039;&#039;&#039;Begabung&#039;&#039;&#039; des &#039;&#039;&#039;landwirtschaftlichen Organismus&#039;&#039;&#039; … je nachdem, welches Gestein … zur Bodenentwicklung beigetragen hat [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Begabung des landwirtschaftlichen Organismus 0:14:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:14:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEGEISTERUNG&lt;br /&gt;
* Die Zeit des Lesekreises und das Studium der Anthroposophie (ca. im Jahr 1956) waren für Manfred Klett eine &#039;&#039;&#039;begeisterungsvolle&#039;&#039;&#039; Zeit, in der er den Weg sah, auf dem man jedes Problem in Zukunft lösen könnte [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mein Zugang zur Anthroposophie. Der Lesekreis 0:31:56|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:31:56]]&lt;br /&gt;
* Ich hatte keinerlei Bezug zur Welt um mich herum … Da gab es Geschichte mit tausend Jahreszahlen und irgendwelchen bedeutenden Personen, aber nie in &#039;&#039;&#039;begeisternder&#039;&#039;&#039; Art um mich herangeführt … ich habe sehr lange gebraucht, um zu merken, wie interessant die Welt eigentlich ist … habe ich plötzlich an einem Menschen gemerkt, dass man Dinge tun kann, weil man sie sinnvoll findet [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#In der Schule fehlte mir der Bezug zur Welt 0:00:33|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BETRIEBSGEMEINSCHAFT&lt;br /&gt;
* Nach 12 Jahren Aufbauarbeit gelang es der &#039;&#039;&#039;Betriebsgemeinschaft&#039;&#039;&#039; den Dottenfelderhof schuldenfrei zu machen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Das Schicksal führte mich zum Dottenfelderhof 0:03:12|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:03:58]]&lt;br /&gt;
* 1969 wurde am Dottenfelderhof eine neue Sozialform namens &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Betriebsgemeinschaft&#039;&#039;&#039;&amp;quot; entwickelt, um nicht mehr mit Lohnarbeitskräften zu arbeiten. Ideal war die selbstbestimmte Mitarbeit aus Motivation und Überzeugung an der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BERNHARD VON CLAIRVAUX&lt;br /&gt;
* Ein berühmter Spruch eines ihrer [Zisterzienser] großen Führer, &#039;&#039;&#039;Bernhard von Clairvaux&#039;&#039;&#039; [im Zusammenhang mit Bodenfruchtbarkeit]: &amp;quot;Ihr werdet größere Wunder erleben auf dem Felsen als aus den Büchern der Christenheit. Ihr werdet sehen, wie aus dem Felsen Öl und Honig zu gewinnen ist.&amp;quot; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEWEIS VERSUS GEWISSHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich brauche nicht zu &#039;&#039;&#039;beweisen&#039;&#039;&#039;, dass meine Arbeit gut gemacht wird. Ich arbeite, weil ich das liebe! Und wenn ich &#039;&#039;&#039;weiß&#039;&#039;&#039;, dass es richtig ist, dann tue ichs [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Trailer 0:00:00|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BILDENDES PRINZIP&lt;br /&gt;
*… ich merke also, da drückt sich etwas aus in dieser Pflanze … sie will etwas zeigen, sie will etwas offenbaren … wir können es noch lange nicht verstehen, was da als &#039;&#039;&#039;bildendes Prinzip&#039;&#039;&#039; im Löwenzahn wirksam ist. Also wenn man sich konzentriert auf einen Gedanken und das ist eine Übung, die verlangt Wille, da müssen Sie den Willen ins Denken schicken, sonst passiert nichts [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE WIRTSCHAFTSWEISE, BEGINN&lt;br /&gt;
*… Da fängt … die &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamische Wirtschaftsweise&#039;&#039;&#039; an, dass man sich mal solchen Gedanken [z.B. dass im Winterprozess die Erde ein Denken hat] hingibt. Dass man sich versucht, wirklich mal erkennend, fühlend, wollend, so in die Natur zusammen hineinfühlt, dass man das erlebt, was da draußen ist und was korrespondiert zum eigenen menschlichen Innern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise 0:26:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:26:41]]&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE LANDWIRTSCHAFT, ZUKUNFTSPOTENTIAL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… dass der Ansatz der &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamischen Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; da einen sehr interessanten und … zentralen Beitrag leisten kann … wie wir mit der Erde in &#039;&#039;&#039;Zukunft&#039;&#039;&#039; umgehen wollen … dass wir in irgendeiner Form auch schaffen, diese krasse Abtrennung von der Natur … in eine tiefere Beziehung transformieren [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Mein Beitrag für die Zukunftsgestaltung 0:31:48|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:31:48]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN ABSCHLEPPEN&lt;br /&gt;
* [Bodenbearbeitungsmöglichkeit im Frühjahr zur Pflege der Krümelstruktur] … gibt es einen Bodenbearbeitungs-Vorgang … das ist sogenannte &#039;&#039;&#039;Abschleppen&#039;&#039;&#039; … hat man das Strauchwerk über die Äcker gezogen … ebnet dadurch den Acker ein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen des Bodens 0:40:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:40:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN ABSCHLEPPEN MIT PFERD&lt;br /&gt;
*… das klassische Zugelement war immer schon … das &#039;&#039;&#039;Pferd&#039;&#039;&#039; gewesen … Mit dem Pferd kann man eben &#039;&#039;&#039;abschleppen&#039;&#039;&#039; … mit dem Pferdehuf … 14 Tage früher auf den Acker … Aber das Pferd hinterlässt dann mit seinen vier Hufen … Druckspuren in den Äckern … diese Druckspuren … werden mikrobiell … bei einem aktiven Boden … zurückgebildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, BEATMUNG&lt;br /&gt;
* [der Abbauch der Bodenfruchtbarkeit zugunsten des Pflanzenwachstum muss vom Landwirt aktiv unterstützt werden]. Jeder Regen im Frühjahr löst aus, dass eine leise Verschlemmung der obersten Kruste entsteht … muss ich deswegen den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; offenhalten im Frühjahr … den Abbau unterstützen … durch die Frühjahrs-Bodenbearbeitung … das Hauptinstrument ist der Striegel … dazu dienen … die Kruste oben zu brechen … dass das schwere Kohlendioxid … aus den Bodenporen heraus gesaugt wird … andererseits Sauerstoff in den Boden reinkommt … dass der Boden entlüften kann, was eigentlich vergiftend wirkt … und umgekehrt Sauerstoff einatmen kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, BRÜCKEN VON KRÜMEL ZU KRÜMEL&lt;br /&gt;
* [Frühjahresprozess] … dass hier plötzlich &#039;&#039;&#039;Brücken&#039;&#039;&#039; entstehen, &#039;&#039;&#039;von Krümel zu Krümel&#039;&#039;&#039; … Bakterienkolonien, die sich binnen kürzester Frist ausbilden … Und hinterlassen … eine Pore …. diese Pore ist dann ausgekleidet mit diesen amorphen Substanzen wie Kieselsäure… und Aluminium-Hydroxid, so hier außen rum. Und diese Pore ist lufterfüllt und wenn es regnet auch mal kurz wassererfüllt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, FRÜHJAHRSPROZESS, ERDE, WASSER, LUFT UND WÄRME&lt;br /&gt;
* [Krümelverbindungen mit Frostgare] … Es entstehen Bedingungen, wo sich jetzt &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;Wasser&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; durchdringen … Das ist der &#039;&#039;&#039;Frühjahrsprozess&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, FRÜHJAHRESPROZESS&lt;br /&gt;
*… ein unendlich geheimnisvoller Prozess, der da unter der Erde sich abspielt … ein Abbauprozess des Humus [ein Verwitterungsvorgang durch Ausscheidung von Säuren durch Mikroben. Folglich Freisetzung von Stickstoff, Phosphorsäure usw.]  … das ist ein Verlust [von Humus] und zwar ein beträchtlicher Verlust … es wird ein Gewinn, weil das sich sofort umsetzt in die Entwicklung der Pflanze über der Erde … der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; verliert an Humusgehalt … wenn das nicht funktioniert … dann kann man mehr Humus verlieren, als man gewonnen hat [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, ATMUNG&lt;br /&gt;
*… den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; offenhalten im Frühjahr … die Kruste brechen … das Hauptinstrument ist der Striegel … die leichte Egge … die Hacke bei den Hackfrüchten oder im Feldgemüsebau … Instrumente, die dazu dienen … die Kruste oben zu brechen … dass das schwere Kohlendioxid … aus den Bodenporen heraus gesaugt wird … Sauerstoff in den Boden reinkommt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, GEDULD&lt;br /&gt;
*… da muss man &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;, Geduld, Geduld üben und genauestens beobachten … Es ist jedes Frühjahr eine Verführung … dass man zu früh … Entschlüsse fasst und dann raus fährt und will schon die Saat in den Boden bringen … da muss man Geduld … üben [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ruhe im Winter - Geduld im Frühjahr 0:33:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:33:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, MOTOREN VIBRATION&lt;br /&gt;
*… diese Antriebstechnik durch den Kolben Rhythmus … erzeugt Schwingungen und durch diese Schwingungen wird diese Verschmierung bzw. die Verdichtung in den Böden noch einmal verstärkt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, NETSTRIEGEL&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Netzstriegel&#039;&#039;&#039; … ist unübertroffen … das ist einfach ein Netz von Metall … an jedem Kreuzungspunkt … ein senkrechter Zinken, etwas beweglich gestaltet, nicht steif wie bei der Egge … kann sich jeder Bodenunebenheit angliedern … das beste Instrument vom Striegeln … sehr früh … über die Kruste fahren … [damit] die Möhren die Kraft haben, den Boden, die Bodenkruste zu durchstoßen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Netzstriegel - Striegelbearbeitung - Hautbearbeitung 1:25:37|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:25:37]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, NACHTEIL KREISELEGGE MIT SÄMASCHINE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kreiselegge&#039;&#039;&#039; kombiniere mit der &#039;&#039;&#039;Sämaschine&#039;&#039;&#039;, das ist eine reine Katastrophe … das zu kombinieren erzeugt Unkrautwuchs … die Kreiselegge … trocknet den Boden aus. Aber das bedeutet, dass ich noch mal ein … ein Keimbett für die Unkräuter [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:44:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, PFERD&lt;br /&gt;
* [Da der Schlepper den Winter/Frühjahesboden verdichten würde, aber die Einebnung der Einebnung nicht warten kann, da das Unkraut aufgehen soll] Also eigentlich bräuchten wir im &#039;&#039;&#039;Übergang vom Winter zum Frühjahr&#039;&#039;&#039; bräuchten wir das &#039;&#039;&#039;Pferd&#039;&#039;&#039;, um rechtzeitig genug draußen zu sein, … mit einer schönen, einfachen Schlepper, die man sich selber bauen kann und ebnet das Feld ein und regt, wenn es schon eingeebnet ist, dann rührt man es ein klein wenig auf, zwei Zentimeter, drei Zentimeter und schon wächst das Unkraut [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, SCHLUPF&lt;br /&gt;
*… der Schlepperreifen … im Drehen fährt der Schlepper immer ein Stückchen weiter … da entsteht der sogenannte &#039;&#039;&#039;Schlupf&#039;&#039;&#039; … Das ist die Vorwärtsbewegung, gegen den Widerstand … der Reifen schlüpft ein klein wenig durch und erzeugt dann ganz feine Schleif-/ beziehungsweise er verschmiert den Acker [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, SOLENBILDUNG&lt;br /&gt;
*… der Reifen schlüpft ein klein wenig durch und erzeugt dann ganz feine Schleif-/beziehungsweise er verschmiert den Acker … Wenn er zu feucht ist, gibt es Schmierspuren. Man nennt es dann später … eine sogenannte &#039;&#039;&#039;Solenbildung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, PFLUGSOLE&lt;br /&gt;
*… Man nennt es dann später also eine sogenannte Solenbildung … Die &#039;&#039;&#039;Pflugsohle&#039;&#039;&#039; ist schlepperverursacht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Abschleppen - Pferd und Schlepper 0:48:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:48:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ERNÄHRUNG DURCH WURZELNAUSSCHEIDUNGEN&lt;br /&gt;
*… durch diese &#039;&#039;&#039;Wurzelausscheidungen&#039;&#039;&#039; … ernährt die Pflanze den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … Es ist genau umgekehrt, als man es heute denkt, in der Pflanzen&#039;&#039;&#039;ernährung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Pflanze ernährt den Boden 1:09:38|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:09:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ERWÄRMUNG IM FRÜHJAHR&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … wird nur warm dadurch, dass die Luft in ihn eindringt … der Sandboden zieht die Luft sehr schnell ein, weil viel von dem Bodenwasser abdrainiert nach unten … im Sandboden … geht das sehr viel schneller … im Tonboden … bleibt so lange kalt, als das Wasser im Boden ist … das Wasser hat … eine enorm hohe Wärmekapazität … es braucht sehr viel Sonnenwärme, ehe sich das Wasser um ein Grad Celsius erwärmt hat … im Tonboden &#039;&#039;&#039;erwärmt&#039;&#039;&#039; es sich einfach nicht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG IM JAHRESLAUF&lt;br /&gt;
* [Die] Bodenentwicklung … geht ja parallel dem Pflanzenwachstum … man kann die gar nicht unabhängig denken von dem, was … im Verlaufe des Vegetationsjahres entwickelt an Pflanzennatur … Entwicklung heißt ja immer, in der Zeit denken … was sind die besonderen Winterprozesse, was sind die Frühjahrsprozesse im Boden, die Sommer-, die Herbstprozesse … die begleiten wir ja, durch Bodenbearbeitung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:00:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, RHYTHMISCHER PROZESS&lt;br /&gt;
*… die kolloidalen Substanzen … sind wasseraufnahmefähig und immer wieder Wasser abgeben können … Es ist wie ein &#039;&#039;&#039;rhythmischer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Prozess&#039;&#039;&#039; … wenn es trocken wird, geben die Wasser ab … wenn es feucht wird, nehmen sie es wieder auf … Das atmet quasi in diesen Poren, diese Hydrathüllen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Förderung der Unkrautkeimung und der Lebendverbauung 0:41:47|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:41:47]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN VERDICHTUNG&lt;br /&gt;
*… Wenn man zu früh drauffährt [z.B. wenn man den krümeligen &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; abschleppen möchte - auch um das Unkraut gezielt aufgehen zu lassen, bevor die Saat eingebracht wird]. Die [&#039;&#039;&#039;Verdichtungen&#039;&#039;&#039;] bilden sich nicht mehr zurück. Auch mikrobiell findet da nichts mehr statt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIODYNAMISCHE LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* …die Pflanzen…oder die Elementarwelt um die Pflanzen herum so…stimulieren, dass die Pflanzen…in die Fähigkeit kommen, mehr von diesem Kosmischen aufzunehmen und…mehr Lebenskräfte aufzunehmen und aus sich heraus zu wachsen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Biologisch-dynamische Landwirtschaft 0:09:41|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:09:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE&lt;br /&gt;
* Manfred Klett gibt im Rahmen seiner Videobotschaft an die niederländischen Biodynamiker Einblicke in seine &#039;&#039;&#039;Biografie&#039;&#039;&#039; um herzuleiten, wie es zum schreiben seines Buchs &amp;quot;Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst&amp;quot; gekommen war | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Einblicke in meine Biografie 0:01:39|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE, AUFLEUCHTEN BEI DEN ZUHÖRERN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett schlägt vor aus der eigenen &#039;&#039;&#039;Biografie&#039;&#039;&#039; zu erzählen und stellt in den Raum, dass dadurch &#039;&#039;&#039;bei den Zuhörern&#039;&#039;&#039; etwas aus der eigenen Biografie &#039;&#039;&#039;aufleuchten&#039;&#039;&#039; kann [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Einleitende Worte 0:00:27|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:00:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOGRAFIE, ROTER FADEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Da gibt&#039;s einen inneren &#039;&#039;&#039;Roten Faden&#039;&#039;&#039;, der ist absolut konsistent. Und dieser Rote Faden bin ICH. … Und so empfinde ich ja eigentlich auch meinen eigenen Werdegang … Dass alle Widerstände, … alle Leiderfahrungen, … , das musste, musste so sein, dass man überhaupt aufwacht zu dem, was Sache ist, was die Aufgabe ist, die man im Leben zu erfüllen hat.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BIOLOGISCH-DYNAMISCHE BEWEGUNG, ZENTRUM&lt;br /&gt;
* Manfred Klett entschied sich 1956 seine Lehre auf dem Dottenfelderhof zu absolvieren. Der Dottenfelderhof sollte sich zu einem &#039;&#039;&#039;Zentrum&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;biologisch-dynamischen Bewegung&#039;&#039;&#039; in Deutschland entwickeln [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Winter 1956: Erste Begegnung Ernst Becker auf dem Dottenfelderhof 0:26:49|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:26:49]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN&lt;br /&gt;
* Der Umgang mit dem Boden, dem Organ, ist im Zentrum der Landwirtschaft überhaupt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
* Und jetzt ist die Frage, was spielen sich eigentlich für Prozesse ab, dass es möglich ist, dass an dieser Grenze zwischen dem Wässrigen und Festen der Erde, der Elemente des Erdigen, Festen und des Wässrigen und Luft und Wärme, an dieser Grenze, wo die sich alle berühren, der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; entsteht? [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, ALTERUNG&lt;br /&gt;
*… eine Verwitterungsstufe … führt zu einem Altwerden des Bodens … Diese juvenilen Standorte … werden durch die Verwitterung älter … Stoffe werden frei … Ton-Bildung findet statt … basische Bestandteile wie Calcium und Magnesium und Kalium … werden ausgewaschen … der Boden entwickelt sich … und zeigt eine stärkere Horizontierung … das ist das &#039;&#039;&#039;Altwerden des Bodens&#039;&#039;&#039; … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENFRUCHTBARKEITSENTWICKLUNG&lt;br /&gt;
*… ein Herzstück von &#039;&#039;&#039;Bodenfruchtbarkeitsentwicklung&#039;&#039;&#039; [Weil es die Seele, weil es die innere Zuwendung des Tieres braucht dafür] … was man gar nicht groß genug schätzen kann … Wir können das auch nicht mit der tollsten Maschine [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, HAUT&lt;br /&gt;
* .. eine hauchdünne &#039;&#039;&#039;Haut&#039;&#039;&#039; über die Erde, wo alles heraussprießt … eigentlich so gut wie ein Nichts … Nach unten setzt sich dann sofort das Gestein fort … Nach oben ist eine Riesenatmosphäre … Aber da ist nur eine &#039;&#039;&#039;Haut&#039;&#039;&#039; dazwischen und die nennen wir &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, DEGRADATION&lt;br /&gt;
* Der Boden degradiert … Er wird alt … Diese Schichten … sind … Auswaschungsschichten … stärker verarmt … Verwitterung so weit fortgeschritten … vieles an basischen Stoffen wie Kalk und Magnesium und Natrium, also Natrium ist ja ziemlich uninteressant, aber Kalium, …  nicht mehr verfügen [Beispiel Waldböden] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Kultivierung der Böden - warum? 0:19:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:19:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, JUVENIL&lt;br /&gt;
*… juveniler Boden … heißt also jung, noch sozusagen verwitterungsfrisch und voll eben belebt [warum man einen Boden nicht der Natur (Naturschutzgebiete o.ä.) überlassen sollte. Weil juvenile Böden (aktive) Ackerbauböden sind, nicht Waldböden u.ä.] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Kultivierung der Böden - warum? 0:19:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:19:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN, HORIZONTIERUNG&lt;br /&gt;
*… das hat jetzt zu einer bestimmten Horizontierung unserer &#039;&#039;&#039;Böden&#039;&#039;&#039; geführt … wenn Sie … den &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; aufgraben … je nachdem, welchen Horizont man jetzt durchstößt … der Boden ist von oben nach unten verwittert … man rechnet heute zum &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; alles das, was verwittert ist … darunter ist das anstehende Gestein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODEN-PROFIL&lt;br /&gt;
*… wenn Sie dann so ein Loch graben … und … reinsteigen können in die Grube … Da können Sie … das &#039;&#039;&#039;Profil&#039;&#039;&#039; mal betrachten … dass da verschiedene Horizontierungen festzustellen sind … je stärker diese Schichten hervortreten, desto älter ist der &#039;&#039;&#039;Boden&#039;&#039;&#039; … je weniger diese Horizontierungen sind, desto jünger … desto fruchtbarer ist er [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Festellung verschiedener Horizontierungen 0:18:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:18:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG, AUSGANGSPUNKT&lt;br /&gt;
*… das ist der &#039;&#039;&#039;Ausgangspunkt&#039;&#039;&#039; der ganzen &#039;&#039;&#039;Bodenentwicklung&#039;&#039;&#039; … seit den letzten Eiszeiten … die große Eisbedeckung in Europa … das Eis hat sich zurückgezogen … und dadurch begann die Bodenentwicklung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Entstehung des Bodens 0:08:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:08:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENENTWICKLUNG VON JAHR ZU JAHR&lt;br /&gt;
* Was jetzt hier und jetzt aktuell möglich ist an &#039;&#039;&#039;Bodenentwicklung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;von Jahr zu Jahr&#039;&#039;&#039; … nimmt einen Anfang im Winter und setzt sich fort über das Frühjahr, dann über den Sommer zum Herbst hin … dann stirbt etwas und was Neues entwickelt sich im nächsten Jahr … das muss man kennen … die Prozesse, die sich im Jahreslauf abspielen … und wie wir sie durch Bearbeitung des Bodens [fördern, hemmen und] steuern können [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenentwicklung von Jahr zu Jahr 0:35:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:35:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, A-HORIZONT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;A-Horizont&#039;&#039;&#039; … ist … die oberste Auflage, die fruchtbare, meistens also Humus [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, A-C-HORIZONT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;A-C-Horizont&#039;&#039;&#039; … [wenn] nur der A-Horizont ausgebildet und der C-Horizont, dazwischen ist nichts … das ist meistens auf Kalkstandorten der Fall [dann spricht man von einem Rendzina]… da bildet sich ein sehr schöner Mull-Humus-Horizont … aber nur so flachgründig. [man spricht von Ranker] … wenn da oben mehr Kieseliges ist … stark Quarz … saures Material, was schwer verwittert … dann bildet sich ein Ranker … das ist auch ein A-C-Boden … eine sehr junge, sehr langsame, gehemmte Verwitterung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#A-C-Böden: Rendzina, Ranker 0:23:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:23:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, B-HORIZONT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;B-Horizonte&#039;&#039;&#039; … bezeichnen die Verlehmungshorizonte, also wo Tonbildung, fortschreitende Tonbildung stattfindet … man kann sie ganz stark differenzieren [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENSYSTEMATIK, C-HORIZONT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;C-Horizonte&#039;&#039;&#039; … der C-Horizont … das unverwitterte Gestein … die Kalklösungsfront … die Grenze zu einem Untergrund … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodensystematik - Bodentypen: A-, B- und C-Horizont 0:22:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:22:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENTYPEN&lt;br /&gt;
*… je nachdem, welches Gestein im Untergrund ansteht, sind die Böden verschieden. Auf einem Granit entsteht ein anderer Boden, aus einer Granit-Verwitterung ein anderer Boden als Basalt-Verwitterung … auf Lockergestein wie Löss oder sonstigen Kieselablagerungen oder … Schiefergesteinen … . Also jeder Standort hat seine eigenen Böden. Der Dottenfelderhof hat mindestens sechs, sieben &#039;&#039;&#039;verschiedene Bodentypen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Begabung des landwirtschaftlichen Organismus 0:14:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BODENBEARBEITUNG, UR-PERSISCHE-KULTUR&lt;br /&gt;
*… Seit der &#039;&#039;&#039;ur-persischen Kultur&#039;&#039;&#039;, so im achten vorchristlichen Jahrtausend, gibt es &#039;&#039;&#039;Bodenbearbeitung&#039;&#039;&#039; … Da hat man angefangen, eben den Boden zu ritzen, noch nicht zu pflügen, … Meistens waren es sogar Holzpflüge [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BRAUNERDE&lt;br /&gt;
* die Rendzina [A-C-Horizont mit hohem Kalkvorkommen] entwickelt sich zu Para-Braunerde … und hier zu &#039;&#039;&#039;Braunerde&#039;&#039;&#039; … entsteht ein A-B-C-Horizont … der Bt-Horizont … das ist also der Tonhorizont [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;C&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|C}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;C&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRONOBIOLOGIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Chronobiologie&#039;&#039;&#039;, Anfänge waren in den 1960er, -70er Jahren, ist eine eigene wissenschaftlicher Disziplin innerhalb der Biologie. Untersucht werden Rhythmen bei Mensch, Tier, Pflanze und Boden und erforscht werden Vorkommen und Zusammenhänge [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
COMPUTERARBEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ja und das war auch in Laos … zum ersten Mal wieder das Gefühl hatte, ich will mehr mit Erde zu tun haben. Ich will wieder mehr draußen sein, weil … ich auch beruflich einfach sehr, sehr viel vor dem &#039;&#039;&#039;Computer&#039;&#039;&#039; saß [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Rückkehr zur Gärtnerei 0:04:50|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:04:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;D&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|D}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;D&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN&lt;br /&gt;
*… wenn man denkt, wirklich denkt … &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; bedeutet, dass man sich von innen, durch innere Anstrengung was aussprechen lässt, im Gedanken … Dass der Gewicht hat … dass der ein wesenhaftes Gebilde ist, mit dem ich da umgehe … man muss sich anstrengen, um einen Gedanken … so denkt, dass man sich mit diesem Inhalt des Gedankens innerlich verbindet, dass er zum Erlebnis wird [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, DIGITALE WELT&lt;br /&gt;
*… das &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; verschwindet immer mehr aus der Welt … Je &#039;&#039;&#039;digitaler&#039;&#039;&#039; die &#039;&#039;&#039;Welt&#039;&#039;&#039; wird, desto mehr verschwindet das menschliche Denken … Heute delegiert man alles an den Computer … Man möchte sich von außen die Sachen sagen lassen, gar nicht mehr von innen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN (GEDANKLICHES), GESETZESCHARAKTER&lt;br /&gt;
*… alles &#039;&#039;&#039;Gedankliche&#039;&#039;&#039; hat diesen &#039;&#039;&#039;Gesetzescharakter&#039;&#039;&#039; … Es ist wesenhaft … Es ist nicht nur ein Nomen … Zum Beispiel … das Gesetz des Pythagoras … Man lebte früher intuitiv in diesen Gesetzen, in diesen Gedanken drin … es muss wirklich zum inneren Erlebnis werden … dass Gedanken gelebt, erlebt werden können [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Alles Gedankliche hat Gesetzescharakter 0:19:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:19:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN IM TUN&lt;br /&gt;
*… andere mögen anderer Auffassung sein … wenn es um die Bodenbearbeitung geht. Es ist eigentlich, ich würde mal sagen, mehr ein Herumirren als ein wirklich sicheres Handhaben … Jeder hat so seine eigenen Theorien. Er geht aber nicht auf die Prozesse ein…. Gerade der Landwirt, der muss &#039;&#039;&#039;denken&#039;&#039;&#039; lernen in der Arbeit … im &#039;&#039;&#039;Tun&#039;&#039;&#039; selber muss er ganz wach sein … und dann kommt man mit ganz einfachen Maschinen auch hin [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Denken lernen im Tun 0:58:23|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:58:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN (GEDANKEN), INHALT WIRD ERLEBNIS&lt;br /&gt;
*… man muss sich anstrengen, um einen &#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; … so zu denken, dass man sich mit diesem &#039;&#039;&#039;Inhalt&#039;&#039;&#039; des Gedankens innerlich verbindet, dass er zum &#039;&#039;&#039;Erlebnis&#039;&#039;&#039; wird [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke wird Erlebnis 0:18:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:18:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, KRISTALLBILDUNG&lt;br /&gt;
*… das Eigenartige ist … dass die Epiphyse sich mit Kriställchen füllt, feinen organischen Kriställchen … wenn man denkt … es findet also bei jeder Gedankenbildung ein &#039;&#039;&#039;Kristallisationsvorgang&#039;&#039;&#039; statt … Und wenn die Gedanken in Vergessenheit geraten … dann löst sich das im Gehirnwasser wieder auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke - Kriställchen im Gehirn 0:22:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:22:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, LEBENSPROZESSE ZURÜCKDRÄNGEN&lt;br /&gt;
*… [Kontext: Winterprozess] [wenn ich mit meinem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; etwas verstehen will] da muss ich erst mal zur Ruhe kommen, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der Winterszeit. Ich muss selber in mir einen Zustand herstellen, dass ich mich wirklich konzentrieren kann auf einen bestimmten Sachverhalt, den ich jetzt durchschauen will, durchdenken will. … ich muss die &#039;&#039;&#039;Lebensprozesse&#039;&#039;&#039; in mir &#039;&#039;&#039;zurückdrängen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, WILLEN INS DENKEN SCHICKEN&lt;br /&gt;
*… wenn man sich konzentriert auf einen Gedanken … das ist eine Übung, die verlangt Wille … da müssen Sie den &#039;&#039;&#039;Willen&#039;&#039;&#039; ins &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;schicken&#039;&#039;&#039;, sonst passiert nichts … Sonst irrlichterlieren die Gedanken irgendwie durch die Gegend … Sie müssen den festhalten … Sie müssen sich wirklich konzentrieren … das ist quasi eine Übung, die man selber machen muss als Mensch, wenn man sich tiefer mit einer Sache verbinden will [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DENKEN, RÄUMLICH UND ZEITLICH&lt;br /&gt;
* Bei der Betrachtung des richtigen Lebenszusammenhangs spielt es eine große Rolle, dass wir nicht nur &#039;&#039;&#039;räumlich&#039;&#039;&#039; (z.B. Beziehung der Kompaßnadel zum Erdmagnetfeld), sondern auch &#039;&#039;&#039;zeitlich&#039;&#039;&#039; (die Welt von heute ist anders als vor 1.000 Jahren) denken [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DIENST, SICH FÜR ETWAS IN DEN DIENST STELLEN&lt;br /&gt;
* Die Beobachtung, dass ehemals blühende Kulturen am Chabur in Syrien zu Wüsten wurden, inspirierte Manfred Klett schleunigst nach Europa zurück zu kehren, und Landwirt zu werden. Um der Gefahr der Wüstenbildung in Europa entgegenzuwirken [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Mitarbeit bei Ausgrabungen. Wüste in blühende Kulturen wandeln- mein Motiv für die Landwirtschaft 0:22:09|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:22:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DORNACH&lt;br /&gt;
* Nach 20 Jahren Aufbauarbeit am Dottenfelderhof folgte Manfred Klett dem Ruf ans [[a:Goetheanum|Goetheanum]] nach &#039;&#039;&#039;Dornach&#039;&#039;&#039; und trat dort die Stelle als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion an | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Meine Tätigkeit als Sektionsleiter der Landwirtschaft in Dornach 0:05:03|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:05:03]]&lt;br /&gt;
DURCHHALTEN, AUSBILDUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich bin im zweiten Lehrjahr, habe schon zwei Jahre geschafft und muss noch zwei Jahre &#039;&#039;&#039;durchhalten&#039;&#039;&#039;. Das klingt bescheuert, aber es ist keine leichte Zeit [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Ausbildung und der Weg zur Verwirklichung 0:01:28|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:01:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGER&lt;br /&gt;
*… Futter wird … ziemlich schnell zu Dünger … Der Mist entsteht täglich, brauchen tue ich den ein oder zweimal im Jahr. … Alles mit dem Düngen hängt zusammen mit einer Kulturmaßnahme des Erhaltens, des Pflegens, des Lagerns … diese Kulturtat, den täglich anfallenden Mist zu &#039;&#039;&#039;Dünger&#039;&#039;&#039; zu machen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Vierter Aspekt: Düngerpflege 0:10:41|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:10:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG&lt;br /&gt;
* Aus dem Organismusgedanken wird im 2. Teil des Buches von Manfred Klett gegenübergestellt der Humus als &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; (von der Natur produziert) und der Dünger von den Tieren | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Teil 2 des Buches 0:14:28|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:14:28]]&lt;br /&gt;
* Die zweite Komponente der &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; (neben dem Humus und dem Dünger von den Tieren) aus dem Geist des Menschen, sind die biologisch-dynamischen Präparate | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die geistige Komponente der Düngung: Die Präparate 0:15:35|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:15:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG MIT STICKSTOFF&lt;br /&gt;
*… Durch die Stickstoffdüngung … wird gerade dieser Prozess [die selbstgesteuerte Eigenernährung der Pflanze] gehemmt … der Aufbau dessen, dass sich hier um die Wurzeln herum eine Rhizosphäre entwickelt von Symbiosen … die Mikroben des Bodens … werden … heranziehen an die Wurzel … von der Wurzel ernährt … die bauen … den Humus ab … ätzen die Mineralien an … Stickstoff … freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGUNG, HISTORIE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; ist das Allerjüngste … in vorchristlichen Zeiten … die großen Hochkulturen … gedüngt, aber mit Wasser … durch die Überschwemmungen und durch die Sedimentation … Aber eine &#039;&#039;&#039;Düngung&#039;&#039;&#039; in dem Sinne, wie wir es verstehen … das ist erst eine Entwicklung … auf die Kelten zurückgeht … die Kelten waren die Ersten, die angefangen hatten, mit Tonen zu düngen … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Düngung 0:05:28|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:05:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DÜNGERVERSUCH&lt;br /&gt;
*… in England einen Versuch … im 19. Jahrhundert angelegt … ewiger Roggenbau … hat man nach 20 Jahren noch den Unterschied dieser Parzellen gesehen … in der Bodenstruktur ein Unterschied … unglaublich lange Nachwirkung dieser seelischen Tätigkeit des Tieres | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:46:06&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|E}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;E&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EGGEN-STRICH&lt;br /&gt;
*… die nächste Maßnahme [nach dem Auflaufenlassen der ersten Unkrautkeimung in weißen Fäden] wäre jetzt dann im Frühjahr, dass er einen &#039;&#039;&#039;Eggen-Strich&#039;&#039;&#039; über den Acker zieht … mit der Krümelwalze … ich halte dieses Gerät immer noch für das Allerbeste für die biologisch-dynamische Landwirtschaft … nicht tiefer als drei Zentimeter … dahinter läuft die Krümelwalze und drückt ein bisschen an … dann lässt man das noch mal ein bisschen ruhen … und dann kommt die Sämaschine [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Eggen-Strich mit Krümelwalze - danach die Sämaschine 0:53:57|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:53:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ELEMENTARKRÄFTE&lt;br /&gt;
* Die Elementarwelt sind die Kräfte, die…das Wachstum überhaupt ermöglichen, nicht nur in den Pflanzen, sondern auch im Menschen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Abnahme der Vitalkräfte 0:17:23|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:17:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNG DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
*… die Zisterzienser … waren Motoren … der &#039;&#039;&#039;Entwicklung&#039;&#039;&#039; der Landwirtschaft … indem sie unfruchtbare Standorte [innerhalb weniger Jahrzehnte] fruchtbar gemacht haben … [und] … die restlichen umgebenden Kultur darauf geschaut hat und ihre Innovationen in Bezug auf die Landwirtschaft abgekupfert hat [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNG EINES STANDORTS&lt;br /&gt;
* [Für die Weiter&#039;&#039;&#039;entwicklung eines Standortes&#039;&#039;&#039; braucht es …] … die Seele … des Tieres … ein Wesen total im Hier und Jetzt [welches sich] mit dem, was an Kräften war, als diese Pflanzen gewachsen sind und mit dem, was als Kräften möglich ist, die es seinem Verdauungsgut mit aufprägt für die Zukunft. Dieses innere Anschauen von dem, was man da eigentlich verdaut und dem ein Stempel, eine Prägung aufzudrücken, was es braucht, damit der Standort sich weiterentwickelt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNGSGEDANKE&lt;br /&gt;
* Für Manfred Klett ist der &#039;&#039;&#039;Entwicklungsgedanke&#039;&#039;&#039; das wichtigste in der Landwirtschaft, weil der Mensch als einziges Wesen fähig ist, sich aus sich heraus zu entwickeln. Hingegen Pflanzen oder Tiere vermögen dessen nicht - deren Naturreiche sind abgeschlossen, fertig | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Der Entwicklungsgedanke 0:08:34|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:08:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ENTWICKLUNGSRICHTSCHNUR&lt;br /&gt;
* Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise kann als eine Fortsetzung der &#039;&#039;&#039;Entwicklungsrichtschnur&#039;&#039;&#039; für die Kulturpflanzen und die Haustierheit begriffen werden | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise als Fortsetzung der Kulturentwicklung begreifen 0:12:38|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:12:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EPIPHYSE, DENKEN&lt;br /&gt;
*… das Eigenartige ist, dass man beobachtet hat, dass die &#039;&#039;&#039;Epiphyse&#039;&#039;&#039; sich mit Kriställchen füllt … wenn man denkt … es findet also bei jeder &#039;&#039;&#039;Gedankenbildung&#039;&#039;&#039; ein Kristallisationsvorgang statt … Bei der Epiphyse hat man … bis zum heutigen Tag gerätselt, was da sich eigentlich abspielt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Gedanke - Kriställchen im Gehirn 0:22:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:22:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERDE, EIGENBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
*… Im Winter … denkt sich die &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; selber … Die Erde entwickelt sozusagen eine Art &#039;&#039;&#039;Eigenbewusstsein&#039;&#039;&#039; während der Winterszeit. … Und das lässt … erleben, wenn man sich mal dem exponiert, … Dann dämmert einem das, dass da ein Verwandtschafts-Gefühl entsteht zwischen dem eigenen Menschsein und dem, was sich da makrokosmisch, sich um einen herum ausbreitet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERDE, KORRESPONDENZ MIT STERNENHIMMEL&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Sternenhimmel&#039;&#039;&#039; [in eiskalten Winternächten] … tritt mit der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; in eine Beziehung … das Gefühl … dass da eine Relation ist … dass das nicht irgendwo da oben ist und hier unten ist die Erde … sondern dass das irgendwie in einer &#039;&#039;&#039;Korrespondenz&#039;&#039;&#039; steht … dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERFAHRUNGEN, KINDER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stell dir vor, als &#039;&#039;&#039;Kinder&#039;&#039;&#039; wärt ihr in eine Schule gegangen, in der ihr einem Esel das alte Winterfell rausbürsten dürftet … Solche &#039;&#039;&#039;Erfahrungen&#039;&#039;&#039; muss man eigentlich machen … dass man einfach mit der Welt zu tun hat, sie anfasst und mit ihr arbeitet und dadurch lernt man sie kennen … und dadurch wird man der Welt gerecht [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Kinder müssen praktische Erfahrungen machen 0:04:03|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:04:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNGSSTROM, ALTER&lt;br /&gt;
* Im alten Ernährungsstrom, also unsere Form der jetzigen Ernährung, wird die Nahrung im Verdauungstrakt Stück für Stück &amp;quot;chaotisiert&amp;quot; und am Ende als reine geistige Kraft aufgenommen. Diese Kraft zieht dann kosmische Kräfte an und die ernähren dann den Ätherleib und der den physischen Leib [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Alter Ernährungsstrom 0:23:35|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:23:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERNÄHRUNGSSTROM, NEUER&lt;br /&gt;
* = Lichternährung [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Zwischen altem und neuem Ernährungsstrom - die Lichtwurzel 0:28:56|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:28:56]]&lt;br /&gt;
ERWARTUNG, EGOISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ein schlechter Aspekt [gemeint ist eine falsche Erwartung] davon ist: &amp;quot;Ich muss in die Landwirtschaft gehen, weil das gesund ist.&amp;quot; … was [richtiger ist]: die Pflanzen mit der Erwartung [pflegen], dass die Pflanzen gut wachsen. Aber nicht mit der &#039;&#039;&#039;Erwartung&#039;&#039;&#039;, mir wird es dann besser gehen [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 2 - Mit welchen Erwartungen sollte man in die Landwirtschaft gehen? 0:02:31|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:02:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;F&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|F}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;F&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUCHTE&lt;br /&gt;
* Das Leben braucht die Polarität von Wärme und &#039;&#039;&#039;Feuchte&#039;&#039;&#039;. Als Quelle des tiefen Verständnisses dieser Einflussfaktoren ist die Biodynamik und die geisteswissenschaftliche Anthroposophie hilfreich [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Feuchtemäßiges, Wärmemäßiges 0:33:40|| Mackensen, M Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUER, GEISTIGES&lt;br /&gt;
* Gemeint ist das geistige &#039;&#039;&#039;Feuer&#039;&#039;&#039; im Menschen, welches nach Ansicht von Manfred Klett bei der Verrichtung der täglichen (biodynamischen) Arbeit mit Begeisterung, entzündet werden kann | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendigkeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FEUER FANGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Da saß abends noch der Werklehrer … und überlegt sich: Wie bringt er das den Kindern so nahe, dass sie &#039;&#039;&#039;Feuer fangen&#039;&#039;&#039; können für ihr kleines Handwerk [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Engagement und Hingabe der Lehrer 0:02:28|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:02:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORM WERDEN&lt;br /&gt;
* [Kristallisation und Winterprozess] … alles die Tendenz hat, noch mehr &#039;&#039;&#039;Form&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; als vorher … bis ins innerste Kristallgefüge … die ganze Mineralnatur der Erde tendiert … sich durchzuformen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMGESTALT, PFLANZEN&lt;br /&gt;
* [Winterprozess] … was eigentlich wintertypisch ist … beim Winterweizen … dass die Blättchen … platt an die Erde legen, wie ein Stern … rosettenartig angeordnet … platt an die Erde gedrückt … das Wachstum kommt vollkommen zu Ende … die sternförmigen, rosettenartigen Bildungen … wie wenn das ein Abbild wäre des gestirnten Himmels über der Erde … diese &#039;&#039;&#039;Formgestaltung&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; … [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE&lt;br /&gt;
* [Aus koloiden, amorphen, gestaltloser Masse entstehen wieder hexagonale Strukturen] … da findet etwas statt, was man … geisteswissenschaftlich … ergründen kann … die Kräfte, die kristallbildend sind … &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; … die ihren Ursprung haben … im Fixstern-Umkreis … die auf der Erde diese Formen, diese Kristallformen entstehen lassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Phänomen der Formkräfte: amorph wird wieder kristallin 1:00:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE, EINSTRAHLENDE&lt;br /&gt;
*… die eigentliche Qualitätsbildung [der Pflanze] wird im Winter veranlagt durch die &#039;&#039;&#039;einstrahlenden&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FORMKRÄFTE, RÜCKSCHAU UND VORAUSSCHAU&lt;br /&gt;
* [Das sich selber Denken der Erde in der tief Winterzeit] … diese &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039;, in Verbindung mit dem, was da jetzt die Erde in quasi &#039;&#039;&#039;Rückschau&#039;&#039;&#039; auf das vergangene Jahr und in &#039;&#039;&#039;Vorausschau&#039;&#039;&#039; auf das kommende Jahr … was da sozusagen sich prozessual in der Erde abspielt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FREIHEIT&lt;br /&gt;
* Nach Ansicht von Manfred Klett ist der Sinn der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, dass sich der Mensch in &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; bei seiner Arbeit zur Grundlage macht, die Welt um ihn herum (Pflanze, Tiere) mit zu entwickeln. Nicht nur sich selbst | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Der Entwicklungsgedanke 0:08:34|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:08:34]]&lt;br /&gt;
FREIHEIT, SEIN LEBEN GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Auf der Reise sah ich zum ersten Mal Menschen, die aus ihrer &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; heraus ihr &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;gestaltet&#039;&#039;&#039; haben. Dabei habe ich gemerkt, was mich anspricht … ich wollte das, was ich gesammelt hatte, mitnehmen und schauen, was ich daraus machen kann [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Erfahrungen auf Reisen 0:03:27|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:03:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRÜHLINGSPROZESS&lt;br /&gt;
*… die Tage werden wieder länger … die Sonne gewinnt mehr an Kraft … der blanke Boden draußen … taut der Boden auf … es fangen an, die obersten Poren ihr Wasser zu entlassen … die warme Luft dringt in den Boden langsam ein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn des Frühlingsprozesses 0:28:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:28:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FROSTGARE&lt;br /&gt;
* [Die &#039;&#039;&#039;Frostgare&#039;&#039;&#039;] … Wasser dringt [im Winter] in den Boden ein, dann friert es und sprengt den Boden auseinander … der Boden gefriert … ein rein mechanischer Frost-Sprengungsprozess … Volumenvergrößerung des Wassers, das zu Eis wird … der verschmierte Boden wird in eine krümelige Struktur umgewandelt … eine &#039;&#039;&#039;Frostgare&#039;&#039;&#039; bringt beste Voraussetzungen für eine gute Bodenentwicklung im Jahreslauf … allerdings ist sie sehr instabil und kann schnell durch Regen verschlemmen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FROSTKRÜMEL&lt;br /&gt;
* [Winterprozess im Boden] … durch die Frostsprengung entstehen &#039;&#039;&#039;Frostkrümel&#039;&#039;&#039; … der verschmierte Boden wird in einzelne, polyedrische Krümelstrukturen aufgesprengt … diese Frostkrümel sind mechanisch erzeugt durch die Volumenvergrößerung des gefrierenden Wassers … sie hinterlassen eine krümelige Struktur im Boden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FRUCHTFOLGE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Fruchtfolge&#039;&#039;&#039; … ist eigentlich sehr viel später erst entstanden, … keltischen Ursprungs … Die Dreifelderwirtschaft … haben die Kelten schon angefangen, … eine Art Fruchtfolge so systematisch zu entwickeln und zu handhaben [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Fruchtfolge 0:04:46|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:04:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;G&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|G}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;G&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEGENSTROM-PRINZIP &lt;br /&gt;
*… durch diesen Abbauvorgang [Mikroben scheiden Säuren aus, welche den Humus abbauen und N und P pflanzenverfügbar machen] - da wird … Stickstoff zum Salz, da entstehen Nitrate, die sind löslich in Bodenwasser, [und] Phosphorsäure, wird zum Salz, wird löslich im Wasser PO4, und so weiter … also durch den Abbauprozess entstehen eigentlich Salze … diese Salze werden jetzt … von diesen Wurzelhaaren aufgenommen … dass die Wurzelhaare einerseits etwas ausscheiden … andererseits das Ergebnis des Abbaus hier, die Bodensalze aufnimmt über dieselben Wurzelhaare, im &#039;&#039;&#039;Gegenstrom-Prinzip&#039;&#039;&#039; … Ausscheidung, Einscheidung … In allem Lebendigen … herrscht … die Gleichzeitigkeit … in den Wurzelhaaren … einerseits Ausscheidung, andererseits Einscheidung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Anbringung - Horn-Mist-Präparat 1:19:05|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDULD&lt;br /&gt;
* In der Entwicklung des Dottenfelderhofs hat es sehr zähe Phasen gegeben. Daher war es wichtig, seinen eigenen Ideen zu vertrauen. Man muss treu und unverbrüchlich zu seinen Ideen stehen und &amp;quot;uns wurde die &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039; aufgezwungen. Wir waren natürlich auch ungeduldig, klar, und wir konnten manchmal nicht mehr so richtig warten.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEIST &lt;br /&gt;
* Wenn ich mich darauf [sich innerlich verbinden mit dem was in einem bestimmten Gedanken drin ist] konzentriere … merke ich, dass ich mich mehr verbinde mit etwas, was man Geist nennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGER AUFBRUCH&lt;br /&gt;
* Die Nachkriegszeit an der Waldorfschule in Stuttgart Uhlandshöhe war geprägt von einem unendlichen &#039;&#039;&#039;geistigen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Aufbruch&#039;&#039;&#039;. Das Zusammenleben von Schülern und Lehrern war geladen mit Initiativkraft und Vorwärtsdrang [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Zeit des geistigen Aufbruchs- Sehnsucht nach dem Ausland 0:11:46|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:11:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGES ARBEITEN&lt;br /&gt;
* Indem sich die Kursteilnehmer Fragen notieren (sollen) und über sie nachdenken, arbeitet nicht nur das Tagesbewusstsein, sondern auch tiefere &#039;&#039;&#039;geistige&#039;&#039;&#039; Prozesse [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Didaktisches- Reflektiert eure Fragen 0:36:04|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:36:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE WAFFEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Heute glaubt man, Widerstände dadurch brechen zu können, dass man Krieg führt, … Das ist keine Methode der Zukunft mehr, … einzig … &#039;&#039;&#039;Geistige&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Waffen&#039;&#039;&#039; brechen jeden Widerstand. … Man muss treu zu dem stehen, was man als richtig und wahr - nicht nur richtig, sondern auch wahr - für sich selbst erkannt hat - und dazu stehen … und immerfort mit Geduld warten, warten, warten, warten&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELDSEGEN&lt;br /&gt;
* Manfred Klett hat innerlich die Überzeugung, dass der unerwartete &#039;&#039;&#039;Geldsegen&#039;&#039;&#039; in den 1970er Jahren durch einen Spender für den Bau des neuen Kuhstalls am Dottenfelderhof mit der eigenen selbstlosen Schenkung zu tun hatte: &amp;quot;Die Dinge gehen ganz anders im Leben, als man sich normalerweise denkt&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Ein unerwarteter Geldsegen- Bau des Kuhstall 1:17:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:17:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEMEINSAMES ERD- UND PFLANZENWACHSTUM&lt;br /&gt;
* [Zitat von Rudolf Steiner aus dem Landwirtschaftlichen Kurs] … Boden entsteht aus den Pflanzen … ich kann die Pflanze nicht denken ohne den Boden und ich kann den Boden nicht denken ohne die Pflanze … ein &#039;&#039;&#039;gemeinsames Erd- und Pflanzenwachstum&#039;&#039;&#039; … als würde die Erde wachsen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden entsteht aus Pflanzen 0:22:20|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:22:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEMEINSCHAFT, NEUE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Neue Gemeinschaften&#039;&#039;&#039; entstehen aus einem geistig realen Motiv: &amp;quot;Die Gemeinschaft ist ein Resultat von etwas, es ist nicht der Ausgangspunkt. Die neue Sozialität und Gemeinschaft entstehen nicht aus idealistischen Empfindungen, sondern sind ein Resultat geistiger Übereinstimmung und gemeinsamer Ziele&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Gestalten eines Organismus aus einem geistigen Quell 0:52:23|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:52:23]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENERATION&lt;br /&gt;
* Die Motivation für das Schreiben des Buchs &amp;quot;[[Manfred Klett, Buch: Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst|Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst]]&amp;quot; durch Manfred Klett war auch, dass künftige Generationen sehen können, wie die &#039;&#039;&#039;dritte Generation&#039;&#039;&#039; der Biodynamiker nach dem [[GA 327|Landwirtschaftlichen Kurs]] gedacht hat, und wie sie den Inhalt des Kurses versucht hat zu erfassen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die Anfänge des Buches mit 87 Jahren: Das eigene Herzensanliegen noch mal vors Bewusstsein stellen 0:07:01|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:07:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESANG&lt;br /&gt;
*… Räume [der Zisterzienser] … besonders für das Singen geeignet … in Form des Gesanges, der Musik, die Kraft gibt … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESCHENK&lt;br /&gt;
* Solange ich das (&#039;&#039;Geschenk nur&#039;&#039;) mit dem physischen Leib…aufnehme, habe ich…das Gefühl, ich muss was zurückgeben, solange…hast du das Geschenk nicht wirklich angenommen. Erst wenn du…annehmen kannst, ohne das Gefühl haben zu müssen,… weil du spürst, das ist was Höheres, das ist nur durch den (&#039;&#039;Anderen&#039;&#039;) gekommen. …das fällt von innen ab, dieser Egoismus, ich müsste das wieder selber ausgleichen können [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Bedeutung der neuen Ernährungsform 0:46:54|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:46:54]]&lt;br /&gt;
GESCHENK, SEINEN ORT FINDEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es ist ein riesiges &#039;&#039;&#039;Geschenk&#039;&#039;&#039;, so einen &#039;&#039;&#039;Ort&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;gefunden&#039;&#039;&#039; zu haben [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Das eigene Zuhause aufbauen 0:11:24|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:11:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESTALTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Zu gestalten, Oberfläche zu gestalten, Erde zu gestalten, diesen wunderschönen Planeten und Räume zu schaffen, wo man sich selbst und auch unserer Erde wieder begegnen kann … das ist total faszinierend [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Begegnungen und Gestalten in der Natur 0:10:45|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:10:45]]&lt;br /&gt;
GESTALTEN, ICH WILL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ich will gestalten&#039;&#039;&#039;. Wir Menschen haben die gestalterische Kraft, uns einzubringen [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Die gestaltende Kraft des Menschen 0:23:04|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEOGRAFIESTUDIUM, MENSCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es geht ja in Geografie eigentlich darum, ein ganzheitliches Verständnis von der Erde zu bekommen, mit allem, was dazugehört … Also der Natursphäre, aber eben auch der &#039;&#039;&#039;Menschensphäre&#039;&#039;&#039; … Das &#039;&#039;&#039;[Geografie] Studium&#039;&#039;&#039; war unheimlich interessant … Aber trotzdem hat mir immer etwas Bestimmtes gefehlt … [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Begegnung mit der Anthroposophie 0:06:43|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:06:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEWISSHEIT, INNERE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich brauche nicht zu beweisen, dass meine Arbeit gut gemacht wird. Ich arbeite, weil ich das liebe! Und wenn ich &#039;&#039;&#039;weiß&#039;&#039;&#039;, dass es richtig ist, dann tue ichs [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Trailer 0:00:00|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOETHEANUM, GEISTIG SPIRITUELLE BEDEUTUNG&lt;br /&gt;
* Bevor Manfred Klett 1987 für die nächsten 14 Jahre seine neue Aufgabe als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum übernahm, suchte er Antworten für sich hinsichtlich der Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der &#039;&#039;&#039;geistig spirituellen Bedeutung&#039;&#039;&#039; des &#039;&#039;&#039;Goetheanums&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#1987- der Ruf aus Dornach 1:22:10|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:22:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUNDSÄULEN DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Düngung sind die &#039;&#039;&#039;Grundsäulen&#039;&#039;&#039; der Landwirtschaft | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Teil 2 des Buches 0:14:28|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:14:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUNDSÄULEN VON GARTENBAU UND LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
* In Bezug auf die ackerbauliche und gartenbauliche Erzeugung haben wir drei &#039;&#039;&#039;Grundsäulen&#039;&#039;&#039;: Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;H&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|H}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;H&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HILFE IM ENTSCHEIDENDEN MOMENT&lt;br /&gt;
* Trotz der extremen Herausforderungen und der schlechten Ausgangsbedingungen kam &#039;&#039;&#039;im entscheidenden Moment&#039;&#039;&#039; immer wieder &#039;&#039;&#039;Hilfe&#039;&#039;&#039;, die uns ermöglichte, den Dottenfelderhof aufzubauen und weiterzuführen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HINWENDUNG&lt;br /&gt;
*… überhaupt das &#039;&#039;&#039;Hinwenden&#039;&#039;&#039; [an und für sich] … das Tätigsein mit diesem Ganzen … was den ganzen Organismus … zusammenhält [ist Ausdruck einer Pflege] [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Wiederholung der Beziehungszusammenhänge von Mineral - Licht, Boden - Pflanze, Tier - Zusammenhang mit der Landschaft 0:47:32|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:47:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HORIZONTIERUNG&lt;br /&gt;
*… das hat jetzt zu einer bestimmten &#039;&#039;&#039;Horizontierung&#039;&#039;&#039; unserer Böden geführt … wenn Sie … den Boden aufgraben … je nachdem, welchen Horizont man jetzt durchstößt … der Boden ist von oben nach unten verwittert … man rechnet heute zum Boden alles das, was verwittert ist … darunter ist das anstehende Gestein [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HORN-MIST-PRÄPARAT, ZEITPUNKT AUSBRINGUNG&lt;br /&gt;
*… vor der Saat oder direkt nach der Saat, das ist der ideale &#039;&#039;&#039;Zeitpunkt&#039;&#039;&#039; … das &#039;&#039;&#039;Horn-Mist-Präparat&#039;&#039;&#039; … [was sich] im Boden sich abspielt, … das ist nicht nur ein Substanzgeschehen, wie man heute denkt im Materialismus, das ist ein Kräftegeschehen, Lebenskräfte, astralische, also Bildekräfte insgesamt, die jetzt hier wirksam sind. Die Formkräfte des Winters sind an all dem beteiligt. Also es ist ein Substanz-Kräfte-Geschehen, was sich da vollzieht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Anbringung - Horn-Mist-Präparat 1:19:05|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:05]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUS, FRÜHJAHRSPROZESS&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Frühjahrsprozess&#039;&#039;&#039; … ein Abbauprozess … des &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039;. Der Boden verliert an Humusgehalt … ein beträchtlicher Verlust. Aber er wird ein Gewinn … in die Entwicklung der Pflanze über der Erde. Das wirkt dann ertragsbildend [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUS, PFLANZENERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
* Vorher hat sie [die Pflanze im Stadium der Keimwurzel und des Spross] den Samen gehabt, den Mehlkörper. … Und dann irgendwann kommt aber der Moment, wo diese Quelle erschöpft ist. Und jetzt muss sie etwas finden, was eigentlich dem verwandt ist, diesem Mehlkörper. Und das muss sie im Boden offensichtlich finden. Und das ist der &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039; … an den Humus muss jetzt die Pflanze herankommen … die Pflanze … muss sich quasi dieser Bakterien und dieser Mikroben … bedienen, dass die aktiv werden und den Humus aufschließen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Humus 1:04:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:04:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUMUSGEHALT VORTÄUSCHEN&lt;br /&gt;
* In unserem Winter sind unsere Böden … mausetot. … Alles biologische Geschehen ist … zur Ruhe gekommen. … Böden dunkel … das täuscht … &#039;&#039;&#039;Humusgehalt&#039;&#039;&#039; vor … im Grunde genommen nichts anderes als die Wassersättigung der Böden … die sind bis oben hin voll mit Wasser … sobald Luft in den Boden kommt, wird der Boden hell [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - vollkommene Ruhe 0:38:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:38:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HUNGERLÖCHER&lt;br /&gt;
* Man konnte in der Nachkriegszeit zwar wieder atmen, weil man die Last des Dritten Reiches abgeworfen hatte. Aber &amp;quot;wir haben gehungert, gehungert, gehungert&amp;quot; Es war die große Hungerperiode. Wir hatten überall Löcher in den Beinen, sogenannte &#039;&#039;&#039;Hungerlöcher&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Kriegsende nach Stuttgart Uhlandshöhe- meine Hoch-Zeit an der Waldorfschule 0:09:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:09:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;I&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|I}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;I&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IDEE AN WIRKLICHKEIT PRÜFEN&lt;br /&gt;
* Eigene &#039;&#039;&#039;Ideen&#039;&#039;&#039; können manchmal auch Dogmen sein. Manfred Klett empfiehlt die eigenen Ideen an der &#039;&#039;&#039;Wirklichkeit&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;prüfen&#039;&#039;&#039; und sie lebendig im Bewusstsein zu behalten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIE&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Industrie&#039;&#039;&#039; herrscht das mechanistische Prinzip. Hingegen in der Landwirtschaft der lebendige Organismus von Beseeltem | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendigkeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIELLE LANDWIRTSCHAFT, ÜBERGÄNGE&lt;br /&gt;
* Mit dem Aufkommen der Herbizide in den 1960er Jahren begann der Übergang von der kleinbäuerlichen zur &#039;&#039;&#039;industriellen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039;. So konnte sich der Ein-Mann-Betrieb entwickeln [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INTELLIGENZ&lt;br /&gt;
*… da ist eine unglaubliche Intelligenz [bei den Tieren] … aber ganz in seiner spezifischen Situation … [die Tiere bilden] … im Boden den Zusammenhang von oben und unten … deshalb brauchen wir Hecken, damit jedes Getreide auch wirklich bespielt ist von Gesang [der Schwalben] [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Wiederholung der Beziehungszusammenhänge von Mineral - Licht, Boden - Pflanze, Tier - Zusammenhang mit der Landschaft 0:47:32|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:47:32]]&lt;br /&gt;
INTUITION TRAINIEREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [die Landwirte sollten mehr die eigene] Empfindungen trainieren … am Anfang … mit dem Kopf arbeiten … jetzt habe ich das Glück, dass ich diese Empfindung &#039;&#039;&#039;trainieren&#039;&#039;&#039; kann … man nennt das &#039;&#039;&#039;Intuition&#039;&#039;&#039; [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 10 - Wie sieht für dich die Landwirtschaft der Zukunft aus? 0:10:24|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:10:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IDEE AN WIRKLICHKEIT PRÜFEN&lt;br /&gt;
* Eigene &#039;&#039;&#039;Ideen&#039;&#039;&#039; können manchmal auch Dogmen sein. Manfred Klett empfiehlt die eigenen Ideen an der &#039;&#039;&#039;Wirklichkeit&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;prüfen&#039;&#039;&#039; und sie lebendig im Bewusstsein zu behalten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
INDUSTRIE&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;Industrie&#039;&#039;&#039; herrscht das mechanistische Prinzip. Hingegen in der Landwirtschaft der lebendige Organismus von Beseeltem | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebend&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;J&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|J}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;J&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Anker|K}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;K&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALIUM, EIGENVERSORGUNG DER PFLANZE&lt;br /&gt;
*… die Tonmineralien enthalten im Wesentlichen das &#039;&#039;&#039;Kalium&#039;&#039;&#039; … Austauschvorgänge stattfinden zwischen den Wurzelhaaren und an den Oberflächen der Tonteilchen … auf diese Weise kann die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; selbsttätig … sich mit Kalium &#039;&#039;&#039;versorgen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK&lt;br /&gt;
*… zum Beispiel bei Basel … Kalk, in die Kalkalpen … dunkel, schwarz, flach Rendzina. … immer trocken, immer ist das Wasser weg, das ist Kalk. So einem Rendzinerstandort Kompost düngen, … selber blöd … Mistfresserboden [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK, ENTKALKUNG PRÜFEN&lt;br /&gt;
*… einen Meter tief graben … mit der Salzsäure … prüfen, ob da eine Reaktion zu sehen ist … wenn nichts passiert, … ist es ein Zeichen dafür, dass der Boden &#039;&#039;&#039;entkalkt&#039;&#039;&#039; ist [oder] … sobald es anfängt zu brausen … bildet sich nämlich ein Kalziumbikarbonat. Dann setzt sich das &#039;&#039;&#039;CaCO&amp;lt;sub&amp;gt;3&amp;lt;/sub&amp;gt;&#039;&#039;&#039; um in Kalziumbikarbonat und es entsteht Kohlensäure [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Horizontierung und Verwitterung 0:12:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:12:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KALK, WASSER&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Beim Kalk ist aller immer Wasser&amp;quot;. &#039;&#039;&#039;Kalk&#039;&#039;&#039; ist ständig im Wandel, von knallhart bis weich, und er interagiert stark mit Wasser [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KATHARSIS&lt;br /&gt;
*… bisher … wenn der Mensch sich dem Geistigen genähert hat, hat er immer das Gefühl bekommen: Ich bin … nicht reif oder nicht rein genug. … er ist … einen Weg der Katharsis gegangen, … manchmal der Selbstkasteiung … er hat das Gefühl gehabt, er müsste sich reinigen. Wenn man das heute machen würde, würde man nur sein Ego und seinen Hochmut stärken … Das geht heute anders. Und zwar: Ich muss das Gute und Schöne im anderen entdecken. Und das stärkt … die eigenen Seelenkräfte [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Wandel der spirituellen Entwicklung 0:48:25|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:48:25]]&lt;br /&gt;
KARRIERE, UNWORT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Du [François] hast jetzt gerade das Wort &#039;&#039;&#039;Karriere&#039;&#039;&#039; benutzt … ein bisschen so ein &#039;&#039;&#039;Unwort&#039;&#039;&#039;, Karriere machen … ich will meine Fähigkeiten ausbilden und weiterentwickeln … die mich dazu befähigen, noch in einen intensiveren Austausch mit Landschaft, mit Natur, mit der Erde und auch mit Tieren, aber natürlich auch mit Menschen zu treten [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Karriere in einem neuen Licht 0:28:41|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:28:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KEIMWURZEL&lt;br /&gt;
*… Jetzt keimt dieser Same und sendet jetzt als Allererstes die &#039;&#039;&#039;Keimwurzel&#039;&#039;&#039; … in die Tiefe … die Pflanze verwurzelt sich … Und solange sie noch ganz im Anfang dieses Keimlingstadiums ist, ähnlich wie die Unkräuter, dann kann ich so eine Pflanze auch wieder ganz leicht aus dem Boden rausziehen. Da ist kein Widerstand, … dieser Widerstand entsteht erst, wenn jetzt hier also verstärkt Seitenwurzeln sich ausbilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Entwicklung der Saat - Wurzel, Spross, Keimblatt 0:59:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:59:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIESEL (WELT)&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kieselwelt&#039;&#039;&#039;, da ist das Wasser zu Hause, da wachsen die Bäume richtig kräftig groß und hoch … eher immer ein bisschen schattig … Man muss auch mal was wirklich wegschneiden der Bäume … für Drainagen, für Entwässerung sorgen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kieselwelt 0:35:46|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:35:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIESEL, SECHSECKSTRUKTUR&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kieselgestein&#039;&#039;&#039; ist stabil und wasserunlöslich. Er hat die Sechseckstruktur, eine Grundkraft des Lebendigen, siehe den Bau der Bienenwaben [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOMPOSTPRÄPARATE&lt;br /&gt;
*… jetzt kommen da ganz gezielt diese biologisch-dynamischen &#039;&#039;&#039;Kompostpräparate&#039;&#039;&#039; zum Einsatz … Also diese fünfte Stufe … noch in einer &#039;&#039;&#039;anderen Dimension&#039;&#039;&#039;, … darauf einwirken mit den biologisch-dynamischen Kompostpräparaten [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Fünfter Aspekt: Die biologisch-dynamischen Kompostpräparate 0:12:36|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:12:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOLOIDE, PFLANZENWACHSTUM&lt;br /&gt;
*… &#039;&#039;&#039;Koloide&#039;&#039;&#039; … entstehen … dadurch, dass der Ton verwittert … Aluminiumhydroxid und Kieselsäure … diese Koloide sind von unendlicher Bedeutung für unser &#039;&#039;&#039;Pflanzenwachstum&#039;&#039;&#039; … sie halten sich im Boden … kleiden die inneren Hohlräume des Bodens aus … das mögen die Wurzeln am allerliebsten … dort finden sie die Stoffe, die sie … zum Aufbau ihrer eigenen Pflanzengestalt brauchen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Koloide und ihre Bedeutung für das Pflanzenwachstum 0:58:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:58:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KOLOIDE, VERWITTERUNGSPROZESS&lt;br /&gt;
* [&#039;&#039;&#039;Verwitterungsprozess&#039;&#039;&#039; von Tonmineralien] … &#039;&#039;&#039;Koloide&#039;&#039;&#039; … sind keine kristallinen Substanzen … sie sind, wie man es nennt, amorph … Amorph heißt gestaltlos … ein Koloid ist ein … wasserreicher Zustand … zwischen der echten Lösung … und … dem festen kristallinen Zustand … es ist wabbelig … wenn Sie einen guten Pudding … essen, dann essen Sie eigentlich Koloide [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Tonmineralien zerfallen zu Koloiden 0:56:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:56:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
*… die Kraft … die sie [Zisterzienser] … aus dem Stein und dem Licht … gewonnen haben … die Kraft gibt, aus der heraus sie gearbeitet haben … was strahlt in dem Gebäude … was für eine Kraft kann man da empfangen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
KRAFT, GESTALTUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich will &#039;&#039;&#039;gestalten&#039;&#039;&#039;. Wir Menschen haben die gestalterische Kraft, uns einzubringen. […] Immer wieder merke ich, dass ich diese Gestaltungsaufgabe annehmen will. Das erfüllt mich und gibt mir &#039;&#039;&#039;Kraft&#039;&#039;&#039; [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Die gestaltende Kraft des Menschen 0:23:04|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:23:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT, TANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Ja, ich bin hier und ich lebe und ich kann was tun&#039; … einen schönen Garten gestalten, leckeres Essen dann auch zu verkaufen … und Leben und Gemeinschaft damit fördern [ … ] man schafft auf einmal wieder einen Ort … wo man einfach essen kann und wieder &#039;&#039;&#039;Kraft tanken&#039;&#039;&#039; kann, um weiterzuleben. Darum geht es! … es geht um&#039;s Leben [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Räume schaffen für die Begegnung mit sich selbst, Mensch und Tier 0:06:41|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:06:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE&lt;br /&gt;
* [Für die Weiterentwicklung eines Standortes braucht es …] … die Seele … des Tieres … geht es darum, dass ein Wesen total im Hier und Jetzt lebt und sich die ganze Zeit damit auseinandersetzt. Mit dem, was an &#039;&#039;&#039;Kräften&#039;&#039;&#039; war, als diese Pflanzen gewachsen sind und mit dem, was als Kräften möglich ist, die es seinem Verdauungsgut mit aufprägt für die Zukunft. Dieses innere Anschauen von dem, was man da eigentlich verdaut und dem ein Stempel, eine Prägung aufzudrücken, was es braucht, damit der Standort sich weiterentwickelt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Für die Weiterentwicklung eines Standorts: Es braucht die Zuwendung des Tieres 0:41:34|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE BEWAHREN&lt;br /&gt;
*… die Formkräfte … werden hauptsächlich im Winter empfangen von der Erde und müssen dann bewahrt werden für das spätere Pflanzenwachstum … die &#039;&#039;&#039;Bewahrung&#039;&#039;&#039; dieser &#039;&#039;&#039;Kräfte&#039;&#039;&#039; … ist vor allen Dingen die Aufgabe der Tonmineralien [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE, FORMEN DER KRÄFTE&lt;br /&gt;
*… das Grundprinzip des Winters heißt Kristallisation … Und was heißt Kristallisation? Es heißt Formung. Das sind &#039;&#039;&#039;Formen der Kräfte&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRÄFTE, NICHT MESSBARE&lt;br /&gt;
* [Einstrahlenden Umkreiskräfte des Fixsternhimmels] … &#039;&#039;&#039;Kräfte&#039;&#039;&#039; … die außerräumlich, außerzeitlich … also in dem Sinne keine Kräfte sind, die man jetzt &#039;&#039;&#039;messen&#039;&#039;&#039; kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KREISELEGGE&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kreiselegge&#039;&#039;&#039; kombiniere mit der Sämaschine, das ist eine reine Katastrophe … die Kreiselegge … trocknet den Boden aus … bedeutet, dass ich noch mal ein Samenbett schaffe für die Unkräuter [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Kombinierte Arbeitsgänge - Kreiselegge und Sämaschine 0:44:44|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:44:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLBLÄTTCHEN&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Bewahrung dieser Kräfte&#039;&#039;&#039; [einstrahlende Umkreiskräfte des Fixsternhimmels], … ist … &#039;&#039;&#039;Aufgabe der Tonmineralien&#039;&#039;&#039;. Der Ton im Boden, der sich dann auch stärker durchformt. Wir haben von den &#039;&#039;&#039;sekundären Tonmineralien&#039;&#039;&#039; gesprochen. … ein &#039;&#039;&#039;Kristallblättchen&#039;&#039;&#039;, ganz fein, mikroskopisch klein … entsteht … aus dem amorphen Zustand … bildet diese hexagonalen Strukturen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALL-HIMMEL&lt;br /&gt;
*… die alten Griechen … sprachen vom Fixstern-Himmel als dem &#039;&#039;&#039;Kristall-Himmel&#039;&#039;&#039; … von dem Formkräfte hereinwirken … die auf der Erde … Kristallformen [auf zuvor gestaltlose koloidale Strukturen] entstehen lassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Phänomen der Formkräfte: amorph wird wieder kristallin 1:00:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:00:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLISATION&lt;br /&gt;
*… das Grundprinzip des Winters heißt &#039;&#039;&#039;Kristallisation&#039;&#039;&#039; … Und was heißt Kristallisation? Es heißt Formung … die ganze Mineralnatur der Erde tendiert noch mehr, sich durchzuformen bis ins innerste Kristallgefüge … kristallbildende Kräfte … im kristallisierenden Wasser, in den kristallisierenden Schneeflocken … das hexagonale Prinzip … setzt sich fort im Boden, in dem ganzen Kristallgefüge … diese Formkräfte brauchen wir … das ganze Jahr hindurch [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRISTALLISATIONSPROZESS&lt;br /&gt;
*… ein &#039;&#039;&#039;Kristallisationsprozess&#039;&#039;&#039; … durch Verwitterung entstehen Mineralkristalle … wie Quarz, Feldspat und Glimmer … diese verwittern zu Tonmineralien … Tonmineralien haben eine hexagonale Form … der Kristallisationsprozess erzeugt winzige, hauchdünne Plättchen … diese kristallinen Strukturen sind geordnet und dünn, oft nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundmineralien verwittern zu Tonmineralien 0:53:17|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:53:17]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURBODEN&lt;br /&gt;
*… der Mensch … bewegt … den Boden, den Boden öffnet, Luft und Licht in den Boden holt, und das stört, zerstört, wegschafft, was da ist und … sorgt … dass etwas ganz Bestimmtes dort wächst. … der Boden, mit dem wir es heute zu tun haben, mit dem wir Kultur machen, das ist ein &#039;&#039;&#039;Kulturboden&#039;&#039;&#039; … auch wenn wir uns bemühen, den … nur flach zu bearbeiten … ist es trotzdem ein Kulturboden … [um] durch Fruchtfolge, durch alles Mögliche, eine tiefe und schnelle Durchwurzelung hinzubekommen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Zweiter Aspekt: Kulturprozess 0:04:45|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:04:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURLANDSCHAFT&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kulturlandschaften&#039;&#039;&#039; können auch Wüste werden. Das hatte Manfred Klett tief geprägt, als er bei seiner Expedition in jungen Jahren in Syrien auf eine alte Ruinenlandschaft traf | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Erschreckend: Kulturlandschaften können Wüsten werden 0:01:39|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTURPFLANZEN&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kulturpflanzen&#039;&#039;&#039; stammen aus Urzeiten, noch vor aller Ackerbaukultur. Es sind keine neuen Schöpfungen. Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise gibt den Menschen die Möglichkeit zur Fortsetzung der Entwicklungsrichtschnur | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise als Fortsetzung der Kulturentwicklung begreifen 0:12:38|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:12:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;L&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|L}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;L&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDBAUSCHULE DOTTENFELDERHOF&lt;br /&gt;
* Nach 20 jähriger Tätigkeit als Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach kehrte Manfred Klett zurück zum Dottenfelderhof und betätigte sich dort als Lehrer an der [[Landbauschule Dottenfelderhof|&#039;&#039;&#039;Landbauschule Dottenfelderhof&#039;&#039;&#039;]] | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Mit 76 Jahren Einsichten an der Landbauschule vom Dottenfelderhof weiter geben 0:06:00|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:06:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDBAUSCHULE DOTTENFELDERHOF, HÖHEPUNKT DER AUSBILDUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Die &#039;&#039;&#039;Landbauschule Dottenfelderhof&#039;&#039;&#039;] ist einer der &#039;&#039;&#039;Höhepunkte&#039;&#039;&#039; in der Ausbildung … ein sehr starker Fokus … geistigen Aspekte der biologisch-dynamischen Landwirtschaft … [und weil ich hier] Menschen treffe, die ich schon lange irgendwie gedanklich gerne getroffen hätte [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Erfahrungen an der Landbauschule 0:18:20|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:18:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT DOTTENFELDERHOF, GRÜNDUNG&lt;br /&gt;
* Menschen aus dem Umkreis vom Dottenfelderhof konnten sich durch eine Einlage von 3000 DM beteiligen und so ein Anrecht auf ein Stück Grund und Boden realisieren. Auf diese Weise wollte man der GLS Treuhand Teile des zinslosen Darlehen an die Landbauschule, zurück zahlen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Unaufhörlicher Druck auf den Dottenfelderhof; 1979 Die Denkschrift; 19,5ha Landkauf 1:10:57|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:10:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT, DIALOG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… jetzt bin ich eingeladen worden, ein kleines Interview zu halten und habe das auch einfach mal angenommen … Denn ja, so vielfältig wie &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; halt nun mal ist, gehört das auch gerade dazu, im &#039;&#039;&#039;Dialog&#039;&#039;&#039; zu sein [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Einleitung 0:00:39|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:00:39]]&lt;br /&gt;
LANDWIRTSCHAFT, SCHULE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich wünsche mir … dass [es] in der &#039;&#039;&#039;Schule&#039;&#039;&#039; schon die Möglichkeit gibt, Bauer zu sein … Man hat nie über &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; gesprochen … Wenn es etwas in der Schule nicht gibt, dann denken die Schüler nicht darüber nach, ob sie so was sein möchten [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 6 - Wie kann der Nachwuchs für die Landwirtschaft gefördert werden? 0:06:28|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:06:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDIG, TON&lt;br /&gt;
* Der Ton ist schon wie auf der Grenze zum Leben. Er &#039;&#039;&#039;quillt&#039;&#039;&#039; und er &#039;&#039;&#039;schrumpft&#039;&#039;&#039;. Das kann kein Stein. Das ist eigentlich schon eine leichte Lebensfunktion … Übergang aus dem Mineralischen zum Lebendigen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der Kalk geht, der Ton kommt 0:36:43|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:36:43]]&lt;br /&gt;
LEBENDIGKEIT VERSUS SCHEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Rudolf Steiner spricht darüber … du kannst am Strand gehen und einen Sonnenuntergang … sehen … aber … wichtiger wäre, wenn du in einem Misthaufen Regenwürmer findest … weil das da ist wirkliches &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; … das andere ist nur ein Bild von etwas Schönem [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 3 - Wie wird der Mensch nach Aussage von Rudolf Steiner geprägt? 0:03:46|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:03:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDVERBAUUNG&lt;br /&gt;
*… plötzlich zusammenhängen … frostgaren Krümel … dass hier plötzlich Brücken entstehen, von Krümel zu Krümel … Bakterienkolonien, die sich binnen kürzester Frist ausbilden und hier jetzt diese Krümel zusammenbinden … ausgekleidet mit … amorphen Substanzen wie Kieselsäure … Aluminium-Hydroxid … Erde, Wasser, Luft und Wärme durchdringen … stabilisieren sich jetzt die Krümelstruktur … Diese Struktur ist unzerstörbar durch das Jahr … Diesen Prozess nennt man … &#039;&#039;&#039;Lebendverbauung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Elemente durchdringen sich - Lebendverbauung 0:36:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:36:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDVERBAUUNG DES BODENS&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Lebendverbauung des Bodens&#039;&#039;&#039; … ein Prozess, der nach der Frostgare einsetzt … wenn der Boden durch Wärme und Trockenheit stabilisiert wird … die Krümelstruktur des Bodens wird belebt und verfestigt … dies geschieht im Übergang vom Winter zum Frühjahr [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, RHYTHMUS TRÄGT DAS LEBEN&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner prägte sinngemäß die Aussage: &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Rhythmus trägt das Leben&#039;&#039;&#039;&amp;quot;. Also nicht Takt! Bei Rhythmus verbindet sich etwas Unsichtbares, Geistiges, mit etwas in der Erscheinung. Beispiel: Die Formung des Embryo [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, URSPÜNGLICHES&lt;br /&gt;
* Manfred lebte als Kind in Ostafrika am Kilimanjaro, 1933: &amp;quot;Wenn man also nachts aus dem Haus getreten ist, dann leuchteten da irgendwo in der Dunkelheit die Augen eines Leoparden oder… - na, der Löwe war so ein bisschen weiter weg, … Man war noch so mittendrin, … in diesem &#039;&#039;&#039;ursprünglichsten&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; der Erde, wo der Mensch eigentlich nur eine sekundäre Rolle spielt und die Tierheit primär im Vordergrund stand [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Geboren 1933 in Ostafrika am Kilimanjaro 0:01:13|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:01:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBEN, WAHRE ZUSAMMENHÄNGE&lt;br /&gt;
* Beim Anschauen der einzelnen Pflanze gilt die Frage dem wahren (großen) &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039;, in welchem das (Pflanzen-) &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; in Wirklichkeit steht. Es sei auf den großen Zusammenhang von Kompaßnadel und Erdmagnetfeld verwiesen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSGRUNDLAGE, DIE NEUE&lt;br /&gt;
*… diese neue Lebensgrundlage ist … nicht mehr der physische Leib wie bisher, sondern … mehr und mehr der Ätherleib … wo unser Bewusstsein sich mit verbindet, aber eben im physischen Leib … Religiöse Empfindungen … eine bestimmte Atmosphäre … bestimmte Stimmung … wo … diese neuen Herzenskräfte, dieses Gleiche spüren. Und das ist die Nahrung [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Die neue Lebensgrundlage 0:49:46|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:49:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSLAUF, STRÄNGE LAUFEN ZUSAMMEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ja, ich habe natürlich auch gerade so aufgrund meines etwas quirligen, serpentinenartigen &#039;&#039;&#039;Lebenslaufes&#039;&#039;&#039; immer wieder so die Gedanken, ob es denn immer so weitergeht? [ … ] Auf der anderen Seite [&#039;&#039;&#039;laufen&#039;&#039;&#039;] jetzt gerade … viele &#039;&#039;&#039;Stränge&#039;&#039;&#039; [&#039;&#039;&#039;zusammen&#039;&#039;&#039;] [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Zukunftsperspektiven 0:16:36|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:16:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSLAUF, WERTSCHÄTZUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hier [am Dottenfelderhof] fühlt man sich mit so einem &#039;&#039;&#039;Lebenslauf&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wertgeschätzt&#039;&#039;&#039; … wenn ich mich jetzt irgendwo beim Großkonzern bewerben würde, dann würden wahrscheinlich lauter Fragezeichen auftauchen. … Ein ganz anderer Fokus, ein ganz anderer Blick auf die Wirklichkeit … Sachen, die jetzt aus so einer mainstream-materialistischen Perspektive als unwichtig oder komisch oder vielleicht sogar als Verfehlung angesehen werden könnten, hier plötzlich ganz ganz wertvoll werden [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Wertschätzung und Perspektivwechsel 0:20:52|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:52]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENSPROZESSE ZURÜCKDRÄNGEN ZUM DENKEN&lt;br /&gt;
*… [Kontext: Winterprozess] [wenn ich mit meinem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; etwas verstehen will] da muss ich erst mal zur Ruhe kommen, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der Winterszeit. Ich muss selber in mir einen Zustand herstellen, dass ich mich wirklich konzentrieren kann auf einen bestimmten Sachverhalt, den ich jetzt durchschauen will, durchdenken will. … ich muss die &#039;&#039;&#039;Lebensprozesse&#039;&#039;&#039; in mir &#039;&#039;&#039;zurückdrängen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LEBENDIGES, GLEICHZEITIGKEIT&lt;br /&gt;
* Also wir haben den seltsamen Prozess, der sich fast widerspricht, dass die Wurzelhaare einerseits etwas ausscheiden, aus ihrem eigenen Assimilatstrom und andererseits das Ergebnis des Abbaus hier, die Bodensalze aufnimmt über dieselben Wurzelhaare, im Gegenstrom-Prinzip. … in allem &#039;&#039;&#039;Lebendigen&#039;&#039;&#039; herrscht … die &#039;&#039;&#039;Gleichzeitigkeit&#039;&#039;&#039; … Dass etwas in Gleichzeitigkeit gegenläufig geschehen kann. Und das findet in den Wurzelhaaren statt. Einerseits Ausscheidung, andererseits Einscheidung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Alles Gedankliche hat Gesetzescharakter 0:19:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:19:51]]&lt;br /&gt;
LEHREN, WAS WIRD GEBRAUCHT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich sehe, dass [Lehren] &#039;&#039;&#039;Lernen&#039;&#039;&#039; unabhängig sein muss, wo du bist und mit wem du bist … wenn du etwas dem Menschen beibringen möchtest. … entscheiden, vor Ort und in dem Moment: &amp;quot;Was &#039;&#039;&#039;brauchen&#039;&#039;&#039; die?&amp;quot; [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 5 - Was ist dein Idealbild von Lehre und Ausbildung? 0:05:30|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:05:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHT&lt;br /&gt;
*… wenn Boden entsteht, woraus entsteht er denn eigentlich? Aus dem Mineral, aus dem Stein … ganz am Anfang … ist Boden Stein und &#039;&#039;&#039;Licht&#039;&#039;&#039; [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden ist Stein und Licht 0:14:52|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:14:52]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHTÄTHER&lt;br /&gt;
* Lichtäther sind himmlische, kosmische Kräfte, die uns stets umgeben [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Kosmische Kräfte 0:05:17|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:05:17]]&lt;br /&gt;
* Lichtäther ist Geist [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Lichtäther und Lebenskräfte 0:06:49|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:06:49]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LICHTWURZEL, BESONDERHEIT&lt;br /&gt;
* Die Lichtwurzel nimmt mehr Lichtäther auf, als sie zum Wachstum benötigt [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Besonderheit der Lichtwurzel 0:10:18|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:10:18]]&lt;br /&gt;
* Jede Lichtwurzel hat eine eigene Pflanzendeva [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Parallele zum Bien 0:10:47|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:10:47]]&lt;br /&gt;
* Die Lichtwurzel hat einen Lichtleib / Astralleib [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Astralleib der Lichtwurzel 0:12:39|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:12:39]]&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;M&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|M}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;M&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MAGNETFELD, ERDE&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Magentfeld&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; ist ein Beispiel dafür, dass etwas vorhanden ist und z.B. auf eine Kompassnadel wirkt. Man erkennt diesen Zusammenhang aber erst, wenn man die Dinge (Kompaßnadel/ Erdmagnetfeld) im richtigen, großen Kontext erkennt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Den wahren Zusammenhang von Boden, Pflanzen und Tiere erkennen 0:00:29|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:00:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MÄHEN MIT DER SENSE&lt;br /&gt;
* Auf dem Dottenfelderhof arbeiteten viele Flüchtlinge aus dem Osten (bis ca. 1957), die sich bestens auf die Landwirtschaft verstanden haben. Manfred Klett: &amp;quot;Also das &#039;&#039;&#039;Mähen mit der Sense&#039;&#039;&#039; habe ich von einer Frau gelernt aus dem Sudetenland. Die konnte mähen, das war ein Bild für die Götter, das anzusehen, wie die gemäht hat.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Die letzten Spuren der abendländischen christlichen Landbaukultur 0:39:53|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:39:53]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MATERIALISMUS, ÜBERWINDEN&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner postuliert, dass zur Überwindung des Materialismus die Kartoffel als Hauptnahrungsmittel durch die Lichtwurzel (Dioscorea batatas) abgelöst werden muss [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der Auftrag Rudolf Steiners 0:01:57|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:01:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MERGELN&lt;br /&gt;
*… im Mittelalter hat man &amp;quot;gemergelt&amp;quot;, also mit Kalktonen … eine gezielte Düngung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Düngung 0:05:28|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:05:28]]&lt;br /&gt;
MENSCH, GESTALTER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Welt steckt voller Bedürfnisse … es ist die größte Befriedigung … wenn man den Bedürfnissen der ganz unmittelbar einen umgebenden Welt nachgeht … dass wir &#039;&#039;&#039;Menschen&#039;&#039;&#039; eben eigentlich &#039;&#039;&#039;Gestalter&#039;&#039;&#039; sind. Und alles, was ich draußen mache, wenn ich es mit inhaltlicher Anteilnahme tue, wirkt das auch auf mein Denken [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Bedürfnisse der umgebenden Welt und der Mensch als Gestalter 0:05:06|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:05:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCH WIRD ZUR GRUNDLAGE GEMACHT&lt;br /&gt;
*… der Mensch wird zur Grundlage gemacht … Wir müssen alle diese &#039;&#039;&#039;Prozesse in uns&#039;&#039;&#039; aufsuchen, um die &#039;&#039;&#039;Prozesse im Makrokosmos&#039;&#039;&#039;, in der Natur draußen entdecken, um eine &#039;&#039;&#039;Verwandtschaft&#039;&#039;&#039; zu entdecken zwischen &#039;&#039;&#039;Mensch und Natur&#039;&#039;&#039;. Also so gesehen, wenn man das mal versucht, auch sich innerlich zur Empfindung zu bringen, muss man sagen, im Winter, wenn es kalt wird, wenn diese Kristallisationsprozesse stattfinden, denkt sich die Erde selber [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MICHAEL HALL&lt;br /&gt;
* Nach dem Krieg wurde Manfred Klett Austauschschüler in England und verbrachte ein Jahr an der Waldorfschule &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Michael Hall&#039;&#039;&#039;&amp;quot; in Südengland, wo er viele Freunde gewann [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Zeit des geistigen Aufbruchs- Sehnsucht nach dem Ausland 0:11:46|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:11:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MIKROBEN, ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
* Aus ihrer eigenen Aktivität &#039;&#039;&#039;ernährt&#039;&#039;&#039; die Pflanze nämlich die Mikrobentätigkeit um die Wurzel herum und dadurch entstehen die sogenannten Symbiosen … ein Zusammenleben von Pflanze und Bakterien und &#039;&#039;&#039;Mikroben&#039;&#039;&#039; … bis hin zu Pilzen … die die Pflanze mit Wasser und Mineralstoffen versorgen … steuert jetzt die Pflanze über die Wurzelausscheidung die ganze Bodenaktivität um die Wurzel herum [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MIKROBEN, HUMUS&lt;br /&gt;
*… die Pflanze … muss sich quasi dieser Bakterien und dieser &#039;&#039;&#039;Mikroben&#039;&#039;&#039; … bedienen, dass die aktiv werden und den &#039;&#039;&#039;Humus&#039;&#039;&#039; aufschließen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Humus 1:04:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:04:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISSION&lt;br /&gt;
* In der biologisch-dynamische Landwirtschaft liegt im Kern ein hoher Anspruch. Den muss man sich immer wieder neu bewusst machen, er muss in der alltäglichen Arbeit anwesend sein. Begeisterung führt den Menschen sich voll in die &#039;&#039;&#039;Mission&#039;&#039;&#039; des biologisch-dynamischen hineinzustellen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendikeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISSION, MEINE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Meine&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Mission&#039;&#039;&#039; ist die Wahrhaftigkeit, mit der Wahrheit zu sein. Wenn ich Menschen sehe, die etwas tun, das sie erfüllt, spüre ich das. Das ist, warum ich hier bin [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Meine Mission ist die Wahrhaftigkeit 0:20:43|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MISTFRESSERBODEN&lt;br /&gt;
*… auf einem Rendzinerstandort … von den Alten wunderbar &amp;quot;&#039;&#039;&#039;Mistfresserboden&#039;&#039;&#039;&amp;quot; genannt … Da große Mengen Mist oder Kompost hinzubringen, ist totaler Quatsch. Hat gar keinen Sinn [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOTIV&lt;br /&gt;
* Arbeiten in Augenhöhe: Wenn jeder sein &#039;&#039;&#039;Motiv&#039;&#039;&#039; in den Dienst der &#039;&#039;&#039;Motive&#039;&#039;&#039; der anderen stellt. Um so eine Gemeinschaft entehen zu lassen, die die Universalität der biologisch-dynamische in die Tat zumzusetzen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
MOTIVATION, TÄTIGKEIT IN DER LANDWIRTSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich sehe, … &#039;&#039;&#039;Landwirtschaft&#039;&#039;&#039; wird immer gebraucht. Also, jeder muss essen. Und wenn es in meiner Hand ist Gemüse zu erzeugen, das gesund … für den Boden als auch für den Menschen ist. … großes &#039;&#039;&#039;Lebensmotiv&#039;&#039;&#039;. Einfach den Boden … zu lieben, […] den Boden unterstützen in seiner Entwicklung und auch die Menschheit. Und das ist der Grund, warum ich in der Landwirtschaft bin [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 1 - Warum bist du in der Landwirtschaft tätig? 0:01:21|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:01:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYKORRHIZA&lt;br /&gt;
*… Myko heißt Pilz auf Griechisch und Rhiza heißt die Wurzel, also die Pilzwurzel … &#039;&#039;&#039;Mykorrhiza&#039;&#039;&#039; … bezeichnet eine Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen … die Pilze holen aus den Pflanzenwurzeln das Eiweiß und alle Lebensstoffe heraus und versorgen die Pflanze selbst mit Wasser … diese Symbiose mit den sogenannten Mykorrhizen ist essenziell für die Gesundheit der Pflanze … und spielt eine zentrale Rolle im Austausch von Nährstoffen zwischen Pflanze und Boden … ein unendlich geheimnisvoller Prozess … Das ist ein Grund für das Baumsterben gewesen und ist es noch, dass die Pflanzen vertrocknen, weil diese Symbiose mit den sogenannten Mykorrhizen, Pilzhyphen nicht mehr funktioniert [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;N&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]]&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|N}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;N&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NAHRHAFTIGKEIT&lt;br /&gt;
* Manche Pflanzen &amp;quot;schenken&amp;quot; mehr, als sie für die eigene Reproduktion benötigen. Rudolf Steiner spricht daher von &#039;&#039;&#039;Nahrhaftigkeit&#039;&#039;&#039;. Nicht zuletzt nähren die Pflanzen den Boden auch für andere Pflanzen, denn Boden entsteht durch Verrottung von Pflanzen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NAHRUNGSQUALITÄT, FORMKRÄFTE DES WINTERS&lt;br /&gt;
* Die Formkräfte des Winters sind maßgebend für die Nahrungsqualität, für die Durchformung des Eiweißes, der Kohlenhydrate, auch der Fette und Öle. Die eigentliche Qualitätsbildung wird im Winter veranlagt durch die einstrahlenden Formkräfte [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
NÄHRENDE MOMENTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt Idylle, … aber auch Stress und Konflikte. [ … ] Es gibt aber auch die Momente, in denen man mit sich, der Pflanze und der Arbeit im Einklang ist. Diese &#039;&#039;&#039;nährenden Momente&#039;&#039;&#039; sind wichtig [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Hofsuche und die Herausforderungen der Landwirtschaft 0:13:28|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:13:28]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATIONALSOZIALISMUS&lt;br /&gt;
* Manfred Klett erlebte 1944 an seiner Schule Salem am Bodensee hautnah den Geist, den Ungeist des &#039;&#039;&#039;Nationalsozialismus&#039;&#039;&#039;. Auch wenn es sehr negativ war, so ist Manfred dennoch dankbar für diese Erfahrung, den Ungeist zu erleben, wo man &amp;quot;als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATUR LESEN&lt;br /&gt;
*… man muss sozusagen in der &#039;&#039;&#039;Natur lesen&#039;&#039;&#039; lernen, auch seine Böden … Lesen lernen, was waren da für Vorgänge in den Zeiten, die Jahrtausende, die vorausgegangen sind … Das ist schon ungeheuer wichtig [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Verwitterungskurve bei Kalk- bzw. Basenüberschuss 0:33:20|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:33:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NATURPROZESS&lt;br /&gt;
* Eine Pflanze wächst, … fällt herunter … und dann … wird … zu Humus und dann wächst wieder etwas Neues. Dass da … Nahrung entsteht, … ist … im Naturprozess … nicht vorgesehen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Erster Aspekt: Naturprozess 0:03:09|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:03:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NOMINALISMUS&lt;br /&gt;
*… heute haben wir … diese Auffassung, das sind alles Nomen … es ist ein Nominalismus eigentlich … Wir brauchen Namen für das … Wir nennen das sogar mit lateinischen Namen, dass das auch jeder versteht in der Welt … Aber da fängt es erst an [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Konzentration der Gedanken - Wille im Denken 0:16:30|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:16:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;O&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|O}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;O&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISCHES, NATÜRLICHKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Und dabei zu merken, dass dieses &#039;&#039;&#039;Organische&#039;&#039;&#039;, mit dem wir uns ja doch tagtäglich befassen, weder eckig noch ganz rund ist, weder perfekt noch unperfekt, irgendwie auf so eine ganz komische Art und Weise &#039;&#039;&#039;natürlich&#039;&#039;&#039; [ … ] Das finde ich unglaublich schön … , und deswegen bin ich ein bisschen angetan von der Landwirtschaft [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Die Faszination des Organischen 0:03:35|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:03:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine zentrale Frage in der Landwirtschaft ist die geeignete Ausgestaltung eines lebendigen &#039;&#039;&#039;Organismus&#039;&#039;&#039;. Manfred Klett bemüht sich daher in seinem Buch den Entwicklungsgedanken in der täglichen Praxis und Arbeit anwesend und wirksam sein zu lassen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Lebendikeit und die Organismusfrage - im Gegensatz zum Mechanismus der Industrie 0:10:09|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:10:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ORGANISMUSGEDANKE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett charkaterisiert den &#039;&#039;&#039;Organismusgedanken&#039;&#039;&#039; auf Basis der [[a:Menschenkunde|Menschenkunde]] von [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]. Auf Basis des Entwicklungsgedankens, mit Menschen- und Selbsterkenntnis formt sich ein Bild für die Gestaltung des Beziehungsverhältnis zwischen Tier, Pflanze und Boden: So entsteht der Organismus um uns durch unsere Arbeit | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#So arbeiten, dass um uns herum ein Organismus entstehen kann 0:11:51|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:11:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;P&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|P}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;P&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADIES&lt;br /&gt;
* Manfred Klett erlebte seine Kindheit in Afrika als &#039;&#039;&#039;paradiesisch&#039;&#039;&#039;, absolut paradiesisch - aber sie mussten nach relativ kurzer Dauer alles zurücklassen und nach Deutschland flüchten [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#1940 mit dem letzten Schiff zurück nach Deutschland 0:04:58|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:04:58]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PERSÖNLICHES VERHÄLTNIS&lt;br /&gt;
*… Sie müssen … ein &#039;&#039;&#039;persönliches Verhältnis&#039;&#039;&#039; … insbesondere zu dem Prozess … der Kompostierung, wo daraus Dünger, wo daraus Bodenfruchtbarkeit wird … Das wird nur etwas, wenn Sie sich dem zuwenden … immer mehr entwickeln … dass es Freude macht … insbesondere … des Düngerwerdens, des Fruchtbarwerdens [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der persönliche Verhältnis: Zuwendung und Beschenkung 0:51:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:51:54]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, BEDÜRFNIS NACH WACHSTUM&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; will wachsen, wachsen, wachsen, wachsen … aus diesem &#039;&#039;&#039;Bedürfnis&#039;&#039;&#039; heraus steuert jetzt die Pflanze über die Wurzelausscheidung die ganze Bodenaktivität um die Wurzel herum … die physiologischen Prozesse laufen ab nach den Bedürfnissen des Wachstums [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, ERNÄHRUNG VON UNTEN&lt;br /&gt;
*… sie [die grünen Blätter] würde natürlich bald absterben, wenn da nicht irgendwo &#039;&#039;&#039;von unten&#039;&#039;&#039; Wasser, also Feuchtigkeit, Wasser und Mineralstoffe … diesen ganzen Prozess unterstützen würden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, FORMGESTALT&lt;br /&gt;
* [Winterprozess] … was eigentlich wintertypisch ist … beim Winterweizen … dass die Blättchen … platt an die Erde legen, wie ein Stern … rosettenartig angeordnet … platt an die Erde gedrückt … das Wachstum kommt vollkommen zu Ende … die sternförmigen, rosettenartigen Bildungen … wie wenn das ein Abbild wäre des gestirnten Himmels über der Erde … diese &#039;&#039;&#039;Formgestaltung&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, FRÜHJAHRSPROZESS&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039;, was muss sie im &#039;&#039;&#039;Frühjahr&#039;&#039;&#039; machen? Sie muss mit der Erde sich verbinden. Sie muss eins werden mit der Erde [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, GESTALTBILDUNG WÄRME&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; ist … in Bezug auf ihre Wurzel mit der Erde eins, ungetrennt … In der Luft und der &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; bildet sich ihre &#039;&#039;&#039;Gestalt&#039;&#039;&#039; aus … Oberirdisch ist die Pflanze voneinander getrennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, QUALITÄTSBILDUNG&lt;br /&gt;
*… die eigentliche &#039;&#039;&#039;Qualitätsbildung&#039;&#039;&#039; [der &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039;] wird im Winter veranlagt … durch die einstrahlenden Formkräfte … die Formkräfte des Winters sind maßgebend für die Nahrungsqualität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Formkräfte des Winters - Nahrungsqualität 0:09:02|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:09:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZE, WACHSTUM AUS VERGANGENHEIT&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wächst&#039;&#039;&#039; … aus was wächst eigentlich überhaupt die Pflanze? … die Grundlage geschaffen, dass überhaupt die Pflanze keimen kann … der Mehlkörper, der Samenmehlkörper … der enthält alles dasjenige, was die Pflanze braucht, um keimen zu können … das holt sie aus sich selbst heraus, &#039;&#039;&#039;aus&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Vergangenheit&#039;&#039;&#039;, Veranlagt im vergangenen Jahr. … sowohl die Keimwurzel … als auch dieser Keimling … ernährt sich selber, indem sie keimt und diese Keimwurzel ausbildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Samenmehlkörper 1:02:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:02:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PFLANZENWACHSTUM, SONNENLICHT&lt;br /&gt;
*… [Pflanzenstadium nach der Keimung] dass jetzt diese Verbindung mit der Erde in dieser Weise stattfinden kann … da synthetisiert sie [die Pflanze] am &#039;&#039;&#039;Sonnenlicht&#039;&#039;&#039; … Die Sonne ist jetzt maßgebend, dass alles weitergeht … Synthetisiert sich im Sonnenlicht über das Blatt, über das Chlorophyll … Die Pflanze ernährt sich … durch die Assimilate an der Sonne in den grünen Blättern … fließen … herunter in die Wurzeln. Und dann fängt nämlich die Pflanze an, sich selbst zu ernähren. So muss man auch an die Sache denken. Die Pflanze ernährt sich schon über die Keimung selber. Und dann ernährt sie sich weiter durch die Assimilate an der Sonne in den grünen Blättern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PHANTASIE DER NATUR&lt;br /&gt;
* [Kontext ist die Frostgare im Winter] … die &#039;&#039;&#039;Phantasie der Natur&#039;&#039;&#039; ist grenzenlos … Jede Schneeflocke, jeder Eiskristall, der vom Himmel fällt, ist einzigartig … ein und dasselbe hexagonale Kristallisationsprinzip, aber jede Form ist anders … die Natur zeigt eine unbeschreibliche Schönheit und Vielfalt in der Gestaltung [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PHOSPHORSÄURE, SELBSTVERSORGUNG PFLANZE&lt;br /&gt;
*… Die Phosphorsäure holt sie [die Pflanze] im Wesentlichen aus dem Humus. Durch den Humusabbau werden … die sogenannten Phosphor-Nukleotide, das sind die Kerneiweiße der Zellen … durch den mikrobiellen Abbau wird diese &#039;&#039;&#039;Phosphorsäure&#039;&#039;&#039; frei und die &#039;&#039;&#039;Pflanzen&#039;&#039;&#039; nehmen sie auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, OBERSONNIGE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Obersonnige Planeten&#039;&#039;&#039; wie Mars, Jupiter und Saturn haben Rhythmen, die länger als ein Jahr sind [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Die Stellung der Planeten: Obersonnige, untersonnige 0:24:14|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, UNTERSONNIGE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Untersonnige Planeten&#039;&#039;&#039; wie Merkur, Venus und der Mond haben Rhythmen, die kürzer als ein Jahr sind [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Die Stellung der Planeten: Obersonnige, untersonnige 0:24:14|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PLANETEN, WIRKUNG&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit&#039;&#039;&#039; der &#039;&#039;&#039;Planeten&#039;&#039;&#039; reicht bis zu den Fixsternen und beeinflusst den Lebenszusammenhang hier auf der Erde. &amp;quot;Von den Fixsternen kommt etwas auf den konkreten Lebenszusammenhang hier vor meiner Nase&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wirkungen von Planten 0:20:45|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:20:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PODSOL&lt;br /&gt;
* .. der sogenannte &#039;&#039;&#039;Podsol&#039;&#039;&#039; … das ist das Ende vom Lied … eine starke Horizontierung … Bleichzone unter der Humusauflage … der Ton und der Humus verlagern sich in den Untergrund [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
POLARITÄT&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft Probleme in den richtigen &#039;&#039;&#039;Polaritäten&#039;&#039;&#039;, in den richtigen Zusammenhängen anzuschauen. Dazu gehört die Polarität von Kalk und Kiesel [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Polarität von Kalkigem und Kieseligem 0:24:00|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:24:00]]&lt;br /&gt;
PRÄPARATE, GEISTIGE SEITE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Landbauschule [vom Dottenfelderhof] sehr, sehr viel gelernt. … das hat mir […] geholfen, um die Präparate tief zu verstehen. Dann … die geistige Seite … die muss man eher denken [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 4 - Wie sind deine Erinnerungen an deine Zeit als Landbauschüler am Dottenfelderhof? 0:04:50|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:04:50]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PROFIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Es geht nicht darum] immer mehr &#039;&#039;&#039;Profite&#039;&#039;&#039; herauszuschlagen, immer mehr Geld mit irgendetwas zu verdienen, immer noch mehr Produktivität zu erzeugen … , sondern wo es eigentlich darum geht, mit der Erde zu arbeiten [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Motivation und Zukunftsvision 0:24:10|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:24:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PSEUDOGLEY&lt;br /&gt;
* [auf Sandböden verwittern die Böden schneller als z.B. auf Basalt-Untergrund. Aus Braunerde entsteht …] ein schreckliches Zeug, der sogenannte &#039;&#039;&#039;Pseudogley&#039;&#039;&#039; … eine starke Horizontierung zeigt … der Ton verlagert sich in den Untergrund … Durch die Niederschläge, durch die Verwitterung wandert dann der Ton in den Untergrund, zum Teil auch der Humus. Und das setzt sich fort bis zum Podsol [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;Q&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|Q}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;Q&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;R&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|R}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;R&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RANKER&lt;br /&gt;
*… der Ranker … Lahm, wenig Mineralien … es geht alles langsam, es ist nicht sehr tiefgründig … wenn es mal länger trocken ist, ist es dann doch auch schnell wieder zu Ende [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kiesel - Ranker: Braunerde 0:32:02|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:32:02]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RAUM PROZESS&lt;br /&gt;
*… Die Zusammenführung [z.B. dass ich die Kreiselegge kombiniere mit der Sämaschine] heißt ein &#039;&#039;&#039;Raum Prozess&#039;&#039;&#039;. Im Augenblick muss es schon stimmen. Und sich auseinander zu ziehen, heißt, den Zeitprozess zu dehnen [z.B. Die Sämaschine nicht mit der Scheibenegge kombinieren, sondern erst Abschleppen, damit das Unkraut kommt, und zeitversetzt die Sämschine] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
RAUM, SICH SELBST BEGEGNEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir sind dann ein bisschen in die Verbindung gegangen, nicht nur in die Verbindung mit dem Tier … sondern man geht dann auch in Verbindung mit &#039;&#039;&#039;sich selbst&#039;&#039;&#039; … das schätze ich sehr an der Landwirtschaft und diesen &#039;&#039;&#039;Räumen&#039;&#039;&#039;, die aufgemacht werden … Räumen, wo man so vielem &#039;&#039;&#039;begegnen&#039;&#039;&#039; kann: dem Leben und dem Tod [[Jan Peter - Menschen in der Landwirtschaft, 2023#Räume schaffen für die Begegnung mit sich selbst, Mensch und Tier 0:06:41|| Jan Peter, Menschen in der Landwirtschaft, 2023, 00:06:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
REALITÄT&lt;br /&gt;
*… dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität … die kann man jedenfalls gedanklich erahnen … Man kann es aber fühlen, sich vergegenwärtigen, wenn man sich mal so nachts an einem solchen, an solchen Verhältnissen sich exponiert [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RENDZINER&lt;br /&gt;
*… auf dem Kalk … entsteht als erstes … flach Rendzina … wie so ein Gartenboden, aber ganz flach und immer trocken … das ist der Kalk, der Kalkboden [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Kalk - Redzina: Knapp an Wasser, schwarzer Boden 0:29:11|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:29:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHIZOSPHÄRE&lt;br /&gt;
*… eine &#039;&#039;&#039;Rhizosphäre&#039;&#039;&#039; entwickelt … um die Wurzeln herum … eine Rhizosphäre von Symbiosen … Mikroben des Bodens, die da auch diese Lebendverbauung verursachen … heranziehen an die Wurzel, von der Wurzel ernährt werden … ätzen die Mineralien an durch die Säuren … mikrobieller Abbau … im direkten Umkreis der Wurzeln [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMEN, MIT DEN RHYTHMEN ARBEITEN&lt;br /&gt;
* Unser Tun und Gestalten kann mit den &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039; des Lebens &#039;&#039;&#039;arbeiten&#039;&#039;&#039; oder dagegen. Erfolgreiches Arbeiten mit den Rhythmen erfordert deren Kenntnis und ein gutes Verhältnis zu ihnen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Schnelle und langsame Rhythmen 0:09:07|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:09:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMEN, SCHNELLE UND LANGSAME&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039; können sehr &#039;&#039;&#039;schnell&#039;&#039;&#039; oder sehr &#039;&#039;&#039;langsam&#039;&#039;&#039; sein. Monatsrhythmen stehen im Zusammenhang mit monatlichen Mondrhythmen. In der Medizin weiß man, dass tiefe Erholung Wochenlang dauert. Hingegen Sonnenrhythmen sind Jahresrhythmen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Schnelle und langsame Rhythmen 0:09:07|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:09:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS&lt;br /&gt;
* Neben Zeit und Raum spielen verschiedene andere Dinge eine Rolle in der Landwirtschaft. Das nennen wir nicht Takt, sondern &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; - eine geheimnisvolle Sache von enormer Bedeutung für die lebendige Welt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie groß sind die Zusammenhänge des Lebens wirklich? 0:03:21|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:03:21]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS DES BODENS&lt;br /&gt;
*… Wachstum, Leben ist immer &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039;, ist immer ein Prozess … der Urrhythmus … der Jahresrhythmus … wenn man nicht den Jahresrhythmus und dieses Leben &#039;&#039;&#039;des Bodens&#039;&#039;&#039; zusammen anschaut, wird man nie nirgends irgendwas kapieren | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:25:35&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS IM MENSCHEN&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;rhythmische&#039;&#039;&#039; Geschehen im &#039;&#039;&#039;Menschen&#039;&#039;&#039;, Atmen, Herzschlag, Durchwärmung und Puls, kann bewusst wahrgenommen werden [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie kann ich auf die mich umgebenden Rhythmen aufmerksam werden? 0:06:27|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:06:27]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RHYTHMUS, OFFENBARUNG&lt;br /&gt;
* In jedem &#039;&#039;&#039;Rhythmus&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;offenbart&#039;&#039;&#039; sich etwas Unsichtbares, das im Sichtbaren wirkt [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Natur und Herkunft der Rhythmen 0:12:43|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:12:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RUDOLF STEINER, RESONANZ MIT MIR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Also da hat irgendwie ganz viel &#039;&#039;&#039;mit mir resoniert&#039;&#039;&#039;, was ich so nie erwartet hätte … dass da in den Schriften von [Rudolf] &#039;&#039;&#039;Steiner&#039;&#039;&#039; irgendwie so viele Sachen gesagt wurden, die mir schon lange wichtig waren, die ich aber so in der Form noch nie gehört hatte … Und dass da vor allem … sehr viel auch über das gesprochen wurde, was man halt nicht sieht … so das Gegenteil von dieser sehr materialistischen Wissenschaft [[Stefan - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Vertiefung in die Anthroposophie 0:10:14|| Stefan, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:10:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RÖMISCH-GRIECHISCHE KULTUR, BODENBEARBEITUNG&lt;br /&gt;
* [auf die Ur-Persische Kultur: Boden ritzen folgte der] wendende Pflug … in der &#039;&#039;&#039;römisch-griechischen Kultur&#039;&#039;&#039; … in Gallien. Also Caesar beschreibt … wie er in Gallien den zweischarigen Pflug antrifft. Und da war er völlig perplex [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|&amp;lt;u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;S&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/u&amp;gt;]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|S}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;S&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SÄMASCHINE&lt;br /&gt;
*… es ist wirklich eine fabelhafte Konstruktion, so eine &#039;&#039;&#039;Sämaschine&#039;&#039;&#039; … die macht das viel besser als die Handsaat … die Handsaat streut ja … während diese Sämaschine legt das Saatgut absolut exakt ab, dosiert … die Saatgutmenge … ab, dass hier beim Sävorgang der Säschar hier eine leise Verdichtung erzeugt … in der Saatgut-Rille … und auf diese verdichtete Zone wird die Saat abgelegt … der Nachstreicher … deckt das wieder zu … durch die Verdichtung wird kapillar Wasser angezogen von unten … dadurch quillt der Same schneller, nimmt Wasser auf [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Eggen-Strich mit Krümelwalze - danach die Sämaschine 0:53:57|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:53:57]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SAMENKORN ERNÄHRT DIE PFLANZE&lt;br /&gt;
*… das Samenmehlkörper … enthält alles dasjenige, was die &#039;&#039;&#039;Pflanze&#039;&#039;&#039; braucht, um keimen zu können … das holt sie aus sich selbst heraus … sowohl die Keimwurzel … als auch dieser Keimling … wird zunächst mal nur aus dem &#039;&#039;&#039;Samenkorn&#039;&#039;&#039; ernährt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Samenmehlkörper 1:02:36|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:02:36]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SANDBODEN&lt;br /&gt;
* Sie müssen sich jetzt vorstellen, sobald der Boden auch nur ein bisschen warm wird, und er wird nur warm dadurch, dass die Luft in ihn eindringt … der &#039;&#039;&#039;Sandboden&#039;&#039;&#039; zieht [vor allem im Frühjahresprozess] die Luft sehr schnell ein, weil viel von dem Bodenwasser abdrainiert nach unten. Oder auch bei Sonneneinstrahlung schneller verdunstet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
SALEM AM BODENSEE&lt;br /&gt;
* Manfred Klett besuchte mit 11 Jahren (1944) die freie Privatschule &#039;&#039;&#039;Salem am Bodensee&#039;&#039;&#039; (gegründet Anfang der 30er Jahre). Die Schule wurde kurz zuvor zur SS-Schule umfunktioniert, und die alten Lehrer wurden entlassen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSAL, DANKBARKEIT&lt;br /&gt;
* Trotz der schrecklichen Erfahrungen mit dem Ungeist der Nazis, welcher &amp;quot;… durchgängig von morgens bis abends, durch die Nacht hindurch, man möchte sagen eine Zeit des Ungeistes, also wo man als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot;, war Manfred Klett seinem &#039;&#039;&#039;Schicksal dankbar&#039;&#039;&#039;, das erlebt zu haben [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSALSWENDE&lt;br /&gt;
* Der Beinbruch beim Fußballspiel im Jahr 1954 markierte eine bedeutende &#039;&#039;&#039;Schicksalswende&#039;&#039;&#039; für Manfred Klett, die er als klare Botschaft und Führung durch einen schicksalhaften Engel empfand. Es war der glücklichste Moment in seinem Leben [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Schicksalswende 1954, ich war 21 und brach mir das Bein 0:17:30|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:17:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Schicksalswendungen&#039;&#039;&#039; des Menschen in dieser Epoche sind nicht mehr so geradlinig wie früher. Man wird nicht mehr in eine Dorfschaft oder ein Handwerk hineingeboren, wo der Lebensweg vorgezeichnet ist. Heute landet man oft ganz woanders, unabhängig von der eigenen Ausbildung [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Geboren 1933 in Ostafrika am Kilimanjaro 0:01:13|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:01:13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEDIMENTATION&lt;br /&gt;
* Durch die Eiszeiten … hat sich eine &#039;&#039;&#039;Sedimentation&#039;&#039;&#039; ergeben … aus Rohstoffen der Bodenbildung … eine äolische Sedimentation, also aus der Luft über die Winde verfrachtet … vollkommen mineralisch, tot … Und jetzt fängt dann eben an, durch die Erwärmung des Klimas, durch das Zusammenwirken von Erde, Wasser, Luft und Wärme fängt das an zu verwittern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Sedimentation und Verwitterung 0:11:06|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:11:06]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEHNSUCHT, VERWURZELUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es ging auch darum, sich mit dem Boden zu verbinden, den Kontakt zur Erde zu finden, weil ich merkte, dass mir das fehlte. Diese große &#039;&#039;&#039;Sehnsucht&#039;&#039;&#039; nach &#039;&#039;&#039;Verwurzelung&#039;&#039;&#039; [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Verbundenheit mit der Natur 0:07:39|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:07:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEEFAHRT, CHRISTLICH&lt;br /&gt;
* Nach dem Abitur fuhr Manfred Klett als Schiffsjunge auf einem Bananendampfer zur See und erlebte die letzten Momente der traditionellen &#039;&#039;&#039;christlichen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Seefahrt&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Orientierung nach dem Abitur, 2 Semester Studium Bauingenieurwesen 0:13:07|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:13:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
* [Für die Weiterentwicklung eines Standortes braucht …] es die Seele … die innere Zuwendung des Tieres … ein Wesen total im Hier und Jetzt | Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:41:34&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTLOSIGKEIT, SCHENKEN&lt;br /&gt;
* Wahre Hilfe und Unterstützung kommen erst, wenn man selbstlos zu seinen Zielen steht und nicht an sich selbst denkt, sondern an die Aufgabenstellung und Zielsetzung. Die Großspende für den Bau des neuen Kuhstalls kam in dem Moment, als die Gesellschafter der Betriebsgemeinschaft ihr gesamtes Kapital herzuschenken [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Ein unerwarteter Geldsegen- Bau des Kuhstall 1:17:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:17:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SICHTWEISE, ENG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [der Lehrer] … der mich eigentlich aus einer so engen Sicht und aus so einer klitzekleinen Streichholzschachtel, in der ich bis dahin lebte, herausgeholfen hat … sondern einfach durch seine Art … Das war er als Mensch und wie er in seinem Leben stand [[Moritz - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Mein inspirierender Gartenbaulehrer 0:01:30|| Moritz, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:01:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SINN DER PFLANZEN&lt;br /&gt;
* Der tiefste Sinn der Pflanzen ist es, die Mutter Erde immer lebendig zu halten, indem sie Licht aufnehmen und in den Boden hineintragen [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Wesenhafter Prozess der Lichtaufnahme 1:15:57|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 01:15:57]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE&lt;br /&gt;
*… die Pflanze ist … wie hervorgebracht von der Aktualität des Lichtes, der &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; … die Sonne lockt eigentlich die Pflanzen hervor … Ohne Boden kann die &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; noch so schön scheinen … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Boden entsteht aus Pflanzen 0:22:20|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:22:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE, PFLANZLICHES LEBEN&lt;br /&gt;
* Das eigentliche des pflanzlichen &#039;&#039;&#039;Lebens&#039;&#039;&#039; ist die &#039;&#039;&#039;Sonne&#039;&#039;&#039; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Sonne, Kiesel, Kalk 0:30:01|| Mackensen, M Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:30:01]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOZIALE FRAGE&lt;br /&gt;
* Mit &#039;&#039;&#039;sozialer Frage&#039;&#039;&#039; ist das Zusammenwirken von Menschen in der Landwirtschaft gemeint. Eine neue Sozialform, neue Sozialität ist notwendig, um den Organismusgedanken verwirklichen zu können. Das Zusammenarbeiten auf Augenhöhe wird auf dem [[Dottenfelderhof]] mit der [[Betriebsgemeinschaft Dottenfelderhof|Betriebsgemeinschaft]] versucht zu verwirklichen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SOZIALFORM, NEUE&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Neue Sozialform&#039;&#039;&#039; für den Dottenfelderhof. Abschaffung der Lohnarbeit mit dem Ideal, dass selbstbestimmte Mitarbeiter aus der biologisch-dynamischen Wirtschaftweise (selbst) heraus arbeiten. Es erfolgte (1969) die Gründung der &amp;quot;Betriebsgemeinschaft&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Eine neue Sozialform- Vision vom selbstbestimmten Mitarbeiter 0:50:39|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:50:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STADTLEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ich kam dann nach Dresden, eine große &#039;&#039;&#039;Stadt&#039;&#039;&#039;, in der ich drei oder vier Jahre lebte. Irgendwann merkte ich, dass ich dort nicht &#039;&#039;&#039;leben&#039;&#039;&#039; konnte. Es war kein Lebensraum, nur toter Asphalt, Lärm, Dreck, ständige Bewegung und Überreizung [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Leben in der Stadt 0:04:38|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:04:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STERN, STERNENGESETZE&lt;br /&gt;
* Aufgrund der jetzt &#039;&#039;&#039;einstrahlenden Umkreiskräfte des Fixsternhimmels&#039;&#039;&#039;, die eben keine Zeit-Raum-Kräfte sind, die nicht in Zeit und Raum wirken, sondern die &#039;&#039;&#039;außerräumlich, außerzeitlich&#039;&#039;&#039;, also in dem Sinne keine Kräfte sind, die man jetzt messen kann. Die kann man physikalisch nicht messen. … nur den Effekt sehen, wie jetzt diese kristallbildenden Kräfte im kristallisierenden Wasser, in den kristallisierenden Schneeflocken nach &#039;&#039;&#039;Sternengesetzen&#039;&#039;&#039;, das heißt nach dem &#039;&#039;&#039;hexagonalen Prinzip&#039;&#039;&#039; sich durchgestalten, durchformen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Grundprinzip des Winters - Kristallisation - Formkräfte 0:06:14|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:06:14]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STERNENHIMMEL UND ERDE IN KORRESPONDENZ&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Sternenhimmel&#039;&#039;&#039; [in eiskalten Winternächten] … tritt mit der &#039;&#039;&#039;Erde&#039;&#039;&#039; in eine Beziehung … das Gefühl … dass da eine Relation ist … dass das nicht irgendwo da oben ist und hier unten ist die Erde … sondern dass das irgendwie in einer &#039;&#039;&#039;Korrespondenz&#039;&#039;&#039; steht … dieses Einstrahlende aus dem kosmischen Umkreis auf die Erde ist eine Realität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beziehung - nächtlicher Sternenhimmel - Wintererde 0:10:10|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:10:10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STICKSTOFF&lt;br /&gt;
*… durch die Stickstoffdüngung … wird gerade dieser Prozess [der von der Pflanze selbst gesteuerte Vorgang der Eigenernährung] gehemmt, der Aufbau dessen, dass sich hier um die Wurzeln herum eine Rhizosphäre entwickelt von Symbiosen … die Mikroben des Bodens … bauen jetzt um die Wurzel herum den Humus ab … sie ätzen die Mineralien an durch die Säuren … ein biologischer Verwitterungsvorgang findet direkt um die Wurzeln herum statt … &#039;&#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;&#039;, Phosphorsäure und solche Sachen, die werden durch den mikrobiellen Abbau aus dem Humus freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STICKSTOFF-ÜBERHANG&lt;br /&gt;
* [Winterprozess des Bodens] … ein Zwang, den ich ausübe, mit diesem &#039;&#039;&#039;Stickstoff-Überhang&#039;&#039;&#039; … es ist zu viel Stickstoff vorhanden … die Pflanzen werden gedrängt, immer noch weiter zu wachsen, obwohl die äußeren Bedingungen es eigentlich gar nicht wirklich zulassen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Wachstumsruhe oder Wachstumszwang 0:02:51|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:02:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STILLSTAND&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;… es, darf es keinen &#039;&#039;&#039;Stillstand&#039;&#039;&#039; geben. Bloß nie stillstehen, … das Ziel bin ICH SELBST. Das lebt in MIR, ganz objektiv, und lebt sich dann nach außen hin nur subjektiv dar als der Manfred Klett, der hier hockt.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STOLPERSTEINE&lt;br /&gt;
* Was man geworden ist im Leben, verdankt man anderen Menschen, durch Begegnungen, durch &#039;&#039;&#039;Stolpersteine&#039;&#039;&#039;:  &amp;quot;Die größten Stolpersteine sind die größten Förderer der eigenen Entwicklung.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Der rote Faden (in der eigenen Biografie) bin ICH 1:28:25|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:28:25]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STRIEGEL, BODENATMUNG&lt;br /&gt;
*… das Hauptinstrument ist der &#039;&#039;&#039;Striegel&#039;&#039;&#039;. Die leichte Egge, wenn es nicht mehr so gut geht. Oder dann die Hacke bei den Hackfrüchten oder im Feldgemüsebau … das sind alles nur Instrumente, die dazu dienen, zwei Zentimeter, drei Zentimeter höchstens die Kruste oben zu brechen … dass der Boden so gebrochen ist, dass das schwere Kohlendioxid durch den über den Acker streichenden Wind aus den Bodenporen herausgesaugt wird und andererseits Sauerstoff in den Boden reinkommt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
*… das allerwichtigste Instrument ist der &#039;&#039;&#039;Striegel&#039;&#039;&#039; … der Netzstriegel … ist unübertroffen … kann sich jeder Bodenunebenheit angliedern … das beste Instrument … den Boden, die Bodenkruste zu durchstoßen … die Striegelarbeit … immer auch ein bisschen Unkraut dabei erwischt … früher ist eine Hautbearbeitung … wie wenn man die Kühe striegelt … so striegelt man jetzt den Acker und bricht die Kruste … das regt den Stickstoff-Freisetzungsprozess durch Abbau im Boden an, die mikrobielle Aktivität [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Netzstriegel - Striegelbearbeitung - Hautbearbeitung 1:25:37|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:25:37]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;T&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|T}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;T&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TAKT&lt;br /&gt;
* Rhythmen sind nicht gleichmäßig wie ein &#039;&#039;&#039;Takt&#039;&#039;&#039;, sondern schwingen und klingen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Ein taktartiger Rhythmus kann auf eine ernsthafte Krankheit hinweisen [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus ist nicht Takt 0:15:55|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:15:55]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TON&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; ist ja nun etwas ganz, ganz Besonderes … in einer primären Bodenbildung … gibt es keinen &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; … Der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; entsteht … in den Böden … wenn der Kalk plötzlich nicht mehr die Oberhand hat … der pH-Wert muss ein bisschen runtergehen, … dann kann die Tonentstehung einsetzen … Der &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039; ist schon wie auf der Grenze zum Leben … er quillt und er schrumpft … Übergang aus dem Mineralischen zum Lebendigen [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der Kalk geht, der Ton kommt 0:36:43|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:36:43]]&lt;br /&gt;
TONBODEN, KALTER BODEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im &#039;&#039;&#039;Tonboden&#039;&#039;&#039;, den man auch in der Sprache der Landwirtschaft einen &#039;&#039;&#039;kalten Boden&#039;&#039;&#039; nennt … der schwere Boden, der Tonboden braucht sehr lange … er bleibt so lange kalt, als das Wasser im Boden ist … Weil er in den Poren das Wasser hat - das sind sehr feine Poren - das Wasser festhält, kapillar festhält. Das verdunstet nicht so leicht [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erwärmung des Bodens - warmer Sandboden, kalter Tonboden 0:30:41|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:30:41]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TON ENTSTEHUNG&lt;br /&gt;
* durch Verwitterung [von Felsspat, Glimmer u.ä.] &#039;&#039;&#039;entsteht&#039;&#039;&#039; durch die Verwitterung &#039;&#039;&#039;Ton&#039;&#039;&#039;, Tonmineralien … der Ton schafft neben dem Humus eigentlich die Fruchtbarkeit unserer Böden [es entsteht ein BT-Horizont] … Das ist also der Tonhorizont [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#B-Horizont: Verwitterung - Tonbildung - Altwerden des Bodens 0:25:29|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:25:29]]&lt;br /&gt;
TONMINERALIEN, ABBAU&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… keine Grenze mehr ist, zwischen der lebendigen Wurzelsubstanz, der Wurzelhaare. Das ist meistens sehr, sehr zartes Eiweiß. Die wächst … mit diesen Humusteilchen oder Tonteilchen, was da so ist im Boden, wächst das zusammen, dass da keine Grenze mehr ist … Und da scheiden jetzt diese Wurzeln auch die Säuren aus … die Säuren, die sorgen jetzt dafür, dass jetzt in diesen Tonteilchen … die &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;abgebaut&#039;&#039;&#039; werden. Denn die Tonmineralien enthalten im Wesentlichen das Kalium … auf diese Weise kann die Pflanze selbsttätig … sich mit Kalium versorgen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Symbiosen der Pflanze im Boden 1:11:11|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:11:11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TONMINERALIEN, SEKUNDÄRE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Der Winterpozess ist ein Form-Bildungsprozess]. Sodass man davon ausgehen muss …, dass gerade diese koloidalen Substanzen, die durch die Verwitterung frei werden, wie ein Endprodukt der Verwitterung sind, … im Winter, jetzt wieder umschlagen und neue Kristallformen bilden, &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; bilden, en miniature, … die sogenannten &#039;&#039;&#039;sekundären Tonmineralien&#039;&#039;&#039; bilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Formbildungsprozess 1:01:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:01:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TONMIERALIEN, VERWITTERUNGSPROZESS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… der &#039;&#039;&#039;Verwitterungsprozess&#039;&#039;&#039; bleibt nicht bei der Tonbildung stehen … &#039;&#039;&#039;Tonmineralien&#039;&#039;&#039; verwittern weiter und zerfallen in Aluminium-Hydroxid oder Kieselsäure … dieser Zerfallsprozess führt von kristallinen Substanzen zu amorphen, gestaltlosen Koloiden … Koloide sind keine festen kristallinen Strukturen mehr, sondern stellen einen Zustand zwischen fester Form und vollständiger Auflösung dar [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Tonmineralien zerfallen zu Koloiden 0:56:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:56:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;U&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#V|V]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|U}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;U&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNGEIST&lt;br /&gt;
* Manfred erlebte 1944 die Nazis in seiner Schule Salem am Bodensee. Mit und durch die Nazis herrschte ein &#039;&#039;&#039;Ungeist&#039;&#039;&#039;: &amp;quot;… es war durchgängig von morgens bis abends, durch die Nacht hindurch, man möchte sagen eine Zeit des Ungeistes, also wo man als Mensch gar nicht mehr in dem Sinne Mensch sein konnte&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#In Salem am Bodensee erlebte ich noch Nazi-Deutschland 0:07:04|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:07:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUT, FÄDIGES STADIUM&lt;br /&gt;
* [Frühjahr] … und diese erste Generation von Unkraut müssen wir haben … dann kann erst die Saat erfolgen nach 14 Tagen … man muss in der Zeit mit den Prozessen mitgehen, … indem man auf den Acker geht … diese Bewegung macht … dass er sich auch hinkniet … dann sieht er, dass unterm Boden lauter weiße Fäden sind … diese weißen Fäden ist das aufgelaufene &#039;&#039;&#039;Unkraut&#039;&#039;&#039; … was noch nicht den Boden durchstoßen hat … alle Unkrautbekämpfung ist dann am erfolgreichsten, wenn ich die Unkräuter in diesem &#039;&#039;&#039;fädigen Stadium&#039;&#039;&#039; erwische … da haben sie nämlich meistens noch keine Wurzelhaare ausgebildet [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erste Generation Unkraut 0:52:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:52:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUTBEKÄMPFUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Frühjahr] … alle &#039;&#039;&#039;Unkrautbekämpfung&#039;&#039;&#039; ist dann am erfolgreichsten, wenn ich die Unkräuter in diesem fädigen Stadium erwische … da haben sie nämlich meistens noch keine Wurzelhaare ausgebildet … da senkt sich nur die Wurzel in die Tiefe … aber noch nicht die ganz feinen Härchen, womit sie sich dann mit der Wurzel verbindet … und wenn sie mal mit der Erde verbunden ist über die Wurzelhaare … da kann ich sie nicht mehr rausreißen … dann holt sie der Striegel nicht mehr raus [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Erste Generation Unkraut 0:52:00|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:52:00]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUTKEIMUNG, FÖRDERUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… ich sorge dafür, dass jetzt das Unkraut gleichmäßig in dieser verebneten Fläche [druch das Abschleppen im Frühjahr] keimen kann … kommt schön Luft rein, kommt schön Wärme rein … die Unkräuter … fangen jetzt an zu keimen … wir müssen diesen &#039;&#039;&#039;Keimvorgang&#039;&#039;&#039; der Unkräuter … &#039;&#039;&#039;anregen&#039;&#039;&#039; … gleichzeitig fördern wir damit diese Lebendverbauung … die Frostgare … wird gleichmäßig verteilt … gleichmäßige Oberfläche, die locker ist … und dann kann diese Lebendverbauung wirklich den Boden strukturmäßig stabilisieren [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Förderung der Unkrautkeimung und der Lebendverbauung 0:41:47|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:41:47]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNIVERSALITÄT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Handeln aus einer Gemeinschaft heraus, in welcher jeder sein (Handlungs-)Motiv in den Dienst des Moivs der anderen stellt, und darau ein Guss wird um die &#039;&#039;&#039;Universalität&#039;&#039;&#039; des biodynamischen Landbau in die Tat zuzusetzen | [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024#Neue Sozialität: Sein Motiv in den Dienst der Motive der anderen stellen 0:13:26|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:13:26]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNKRAUT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Unkräuter, Beikräuter sind immer Heilpflanzen für den Boden, die die Natur natürlich in einer Üppigkeit hervorbringen muss, was aber nicht notwendig so sein muss. Man sollte von jeder Spezies ein paar Exemplare stehen lassen, dann kommt von der geistigen Welt nicht dieser Impuls, sofort nachwachsen zu müssen  [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Umgang mit Unkraut 1:40:20|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 01:40:20]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNVERBRÜCHLICHKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;quot;… wenn man zu seiner Idee steht und &#039;&#039;&#039;unverbrüchlich&#039;&#039;&#039; das, was man für richtig und wahr hält, auch wirklich tut. Dann kommen einem plötzlich von außen Konstellationen zu, die einem helfen, das Problem zu lösen.&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Prüfung auf Herz und Nieren: 1973 Pachtvertrag per Ministerbeschluss 1:06:18|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 01:06:18]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URRHYTHMUS&lt;br /&gt;
*… der Urrhythmus … der einfachste, verständlichste Rhythmus, der Jahresrhythmus … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Rhythmus des Bodens: Frühjahr - geben, Herbst - bekommen 0:25:35|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:25:35]]&lt;br /&gt;
UR-PERSISCHE-KULTUR, BODENBEARBEITUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Seit der &#039;&#039;&#039;ur-persischen Kultur&#039;&#039;&#039;, so im achten vorchristlichen Jahrtausend, gibt es &#039;&#039;&#039;Bodenbearbeitung&#039;&#039;&#039; … Da hat man angefangen, eben den Boden zu ritzen, noch nicht zu pflügen, … Meistens waren es sogar Holzpflüge [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Bodenbearbeitung 0:03:04|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:03:04]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;V&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#W|W]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|V}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;V&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VENUSKRÄFTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hüllen bildende Kräfte [[Die Lichtwurzel - ein Vortrag von Ralf Rößner, 2018#Der menschliche Körper als Mikrokosmos 0:25:30|| Rößner, R. Die Lichtwurzel, Vortrag, 2018, 00:25:30]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERSTEHEN, ZUSAMMENHANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Um wirklich zu verstehen, warum eine Kompassnadel fortwährend auf Norden ausgerichtet ist, muss man die Funktion der magenetischen Nadel im richtigen großen &#039;&#039;&#039;Zusammenhang&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;verstehen&#039;&#039;&#039;. Das ist nur ein Beispiel, wenn man die wahren Zusammenhänge von Böden, Pflanzen und Tieren verstehen will [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Den wahren Zusammenhang von Boden, Pflanzen und Tiere erkennen 0:00:29|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:00:29]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERSTEHEN, NATUR-KULTUR ZUSAMMENHANG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oft ist es sinnvoll, vom Menschen und seinen Rhythmen auszugehen, um die &#039;&#039;&#039;Natur-Kultur Zusammenhänge&#039;&#039;&#039; im Pflanzen-, Boden- und Tierleben zu &#039;&#039;&#039;verstehen&#039;&#039;&#039; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Wie kann ich auf die mich umgebenden Rhythmen aufmerksam werden? 0:06:27|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:06:27]]&lt;br /&gt;
VERTRAUEN, EIGENEN IDEEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett betont die Wichtigkeit, seinen &#039;&#039;&#039;eigenen Ideen&#039;&#039;&#039; zu &#039;&#039;&#039;vertrauen&#039;&#039;&#039;, sie lebendig im Bewusstsein zu halten und sie ständig an der Wirklichkeit und den äußeren Widerständen zu prüfen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VERTRAUEN, KREDIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zum herausragensten Ereignis im Leben des ehem. Chef der Commerzbank gehört die Erfahrung, dass ein unbesicherter Kredit wichtig und richtig war, und dass ein &#039;&#039;&#039;Kredit&#039;&#039;&#039; heißt: &#039;&#039;&#039;Vertrauen&#039;&#039;&#039; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Kein Geld und schlechte Perspektiven 0:59:26|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:59:26]]&lt;br /&gt;
VERWITTERUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Gestein &#039;&#039;&#039;verwittert&#039;&#039;&#039; … durch Wasser-, durch Luft- und durch Wärme-Einwirkung … löst sich dieser Kristallverband und dann beginnt die &#039;&#039;&#039;Verwitterung&#039;&#039;&#039; [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn der Verwitterung 0:15:58|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:15:58]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;[[#A|A]] [[#B|B]] [[#C|C]] [[#D|D]] [[#E|E]] [[#F|F]] [[#G|G]] [[#H|H]] [[#I|I]] [[#J|J]] [[#K|K]] [[#L|L]] [[#M|M]] [[#N|N]] [[#O|O]] [[#P|P]] [[#Q|Q]] [[#R|R]] [[#S|S]] [[#T|T]] [[#U|U]] [[#V|V]] [[#W|&#039;&#039;&#039;&amp;lt;u&amp;gt;W&amp;lt;/u&amp;gt;&#039;&#039;&#039;]] [[#X|X]] [[#Y|Y]] [[#Z|Z]] | [[#0-9|0-9]] &amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Anker|W}}&#039;&#039;&#039;&amp;lt;big&amp;gt;W&amp;lt;/big&amp;gt;&#039;&#039;&#039;    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WACHSTUM, SCHNELLES UND LANGSAMES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lebensbetrachtung in der Biodynamik: Unterschiedliche &#039;&#039;&#039;Wachstumsrhythmen&#039;&#039;&#039;. Einjährige Pflanzen wachsen &#039;&#039;&#039;schnell&#039;&#039;&#039; und reproduzieren sich häufig. Hingegen Bäume und mehrjährige Pflanzen wachsen &#039;&#039;&#039;langsamer&#039;&#039;&#039;, aber gehen ins Holz [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
WAFFEN, GEISTIGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;Heute glaubt man, Widerstände dadurch brechen zu können, dass man Krieg führt, … Das ist keine Methode der Zukunft mehr, … einzig … &#039;&#039;&#039;Geistige&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Waffen&#039;&#039;&#039; brechen jeden Widerstand. … Man muss treu zu dem stehen, was man als richtig und wahr - nicht nur richtig, sondern auch wahr - für sich selbst erkannt hat - und dazu stehen … und immerfort mit Geduld warten, warten, warten, warten&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WAHRHAFTIGKEIT, SPÜREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Meine Mission ist die &#039;&#039;&#039;Wahrhaftigkeit&#039;&#039;&#039;, mit der Wahrheit zu sein [ … ]. Wenn ich Menschen sehe, die etwas tun, das sie erfüllt, &#039;&#039;&#039;spüre&#039;&#039;&#039; ich das [[Therese - Menschen in der Landwirtschaft, 2021#Meine Mission ist die Wahrhaftigkeit 0:20:43|| Therese, Menschen in der Landwirtschaft, 2021, 00:20:43]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WALDORFSCHULE STUTTGART UHLANDSHÖHE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach dem Krieg besuchte Manfred Klett die wiedereröffnete &#039;&#039;&#039;Waldorfschule in Stuttgart Uhlandshöhe&#039;&#039;&#039;, die als Ur-Schule bekannt ist. Die Schule war während des Krieges zerbombt worden, und die Schüler mussten in den Pausen Schutt aufräumen [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Nach Kriegsende nach Stuttgart Uhlandshöhe- meine Hoch-Zeit an der Waldorfschule 0:09:15|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:09:15]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WANDEL, REPRODUKTION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alle Pflanzen haben die Fähigkeit zur &#039;&#039;&#039;Reproduktion&#039;&#039;&#039;, sie bilden Samen. Von Generation zu Generation erfolgt jedoch ein &#039;&#039;&#039;Wandel&#039;&#039;&#039; und Erneuerung. Wird Wandel ggf. duch Pflanzen mit bewirkt? Hinweis auf das Buch von [[Andreas Suchantke]] [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Rhythmus im Pflanzenleben: Reproduktionszyklen, schnelles und langsames Wachstum, Bodenaufbau 0:33:46|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WÄRME, LEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles Leben braucht &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;, braucht &amp;quot;wärmemäßiges&amp;quot; und &amp;quot;feuchtemäßiges&amp;quot; [[Gesichtspunkte aus dem Landwirtschaftlichen Kurs - 1. Vortrag von Martin von Mackensen, 2022#Feuchtemäßiges, Wärmemäßiges 0:33:40|| Mackensen, M. Gesichtspunkte Landw. Kurs, 1. Folge, 2022, 00:33:40]]&lt;br /&gt;
WAWILOW-ZENTREN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… wenn man anfängt so zu gucken, wie wurde Landwirtschaft erfunden, dann … kommt man … in diese &#039;&#039;&#039;Wawilow-Zentren&#039;&#039;&#039; und landet im fruchtbaren Halbmond … wie konnte die Menschheit das Getreide aus den Gräsern hervorbringen oder die Ölpflanzen … [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Zweiter Aspekt: Kulturprozess 0:04:45|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:04:45]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WIDERSTAND BRECHEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manfred Klett: &amp;quot;…möchte ich Ihnen ans Herz legen, dass es wirklich so ist: Wenn man seinen eigenen Ideen vertraut - und nicht nur jetzt die irgendwo stilisiert zu einem Dogma - sondern dass man immerfort diese lebendig erhält im Bewusstsein und treu zu dieser Idee bleibt und die ständig prüft an der Wirklichkeit, an den Widerständen, die einem von außen entgegenkommen, dann ist eine solche Idee… - ich möchte sagen, die &#039;&#039;&#039;bricht&#039;&#039;&#039; jeden &#039;&#039;&#039;Widerstand&#039;&#039;&#039;!&amp;quot; [[Manfred Klett - Biografie als Film, 2017#Seinen eigenen Ideen vertrauen 0:46:44|| Klett, M. Biografie als Film, 2017, 00:46:44]]&lt;br /&gt;
WILLENSKRAFT, NOTWENDIGKEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Tatsache hat es mir einfach geholfen, … Sachen einfach zu tun, wenn es … wenn es notwendig ist. […] Ich glaube, dieses Motiv [Handeln aus Notwendigkeit] wird … jugendliche Leute … helfen [[Alberto - Menschen in der Landwirtschaft, 2018#Frage 7 - Landwirtschaft ist anstrengend! Wie überwindest du dich zu solcher Arbeit? 0:07:33|| Alberto, Menschen in der Landwirtschaft, 2018, 00:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… in der Winterszeit [Winterzeit fängt im Nov. an, und hat gem. Rudolf Steiner ihren Höhepunkt Mitte Jan. bis Mitte Feb.] … kristallbildenden Kräfte … am allerstärksten wirksam … das ist der eigentliche &#039;&#039;&#039;Winterprozess&#039;&#039;&#039; … ein Form-Bildungsprozess … im Winter schwingt es zurück und kristallisiert wieder … Frostsprengung … Re-Kristallisation der Tonmineralien … eine naturhafte Bodenbearbeitung … die Natur bearbeitet sich selbst … um einen fruchtbaren Boden für das kommende Jahr zu bilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Formbildungsprozess 1:01:59|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 01:01:59]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERERLEBNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im Winter … denkt sich die Erde selber … das ist ein Wintererlebnis … Jeder Denkakt ist ein &#039;&#039;&#039;Wintererlebnis&#039;&#039;&#039; … der Winterprozess … äußerlich … ein Todesprozess, aber innerlich wird die Erde ungeheuer geistig [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wintererlebnis - Denkakt der Erde und des Menschen 0:24:24|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:24:24]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERKRÄFTE, ZUR RUHE KOMMEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das äußere Leben ist verschwunden … diese &#039;&#039;&#039;Formkräfte&#039;&#039;&#039; werden wirksam … und da findet ein Prozess statt … wenn man denkt … ich muss erst mal &#039;&#039;&#039;zur Ruhe kommen&#039;&#039;&#039;, so wie die Natur draußen zur Ruhe kommt während der &#039;&#039;&#039;Winterszeit&#039;&#039;&#039; … ich muss innerlich irgendwie zur Ruhe kommen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterruhe - Formkräfte - Gedankenkräfte 0:13:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:13:31]]&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, AUFGABE DES MENSCHEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Ergebnis dieses &#039;&#039;&#039;Winterprozesses&#039;&#039;&#039;, wo die Natur sich selber bearbeitet … da haben wir nichts zu suchen draußen … [aber] wir haben sehr wohl was zu suchen draußen, indem wir über einen Acker gehen im Winter … und schauen uns … diese Stimmungen … an … Das gehört zum Landwirt-sein allemal dazu [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beginn des Frühlingsprozesses 0:28:31|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:28:31]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, RUHEZUSTAND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Einzige, was dann noch wächst während des &#039;&#039;&#039;Winters&#039;&#039;&#039; … alles andere ist tot … also ist abgestorben und im &#039;&#039;&#039;Ruhezustand&#039;&#039;&#039; … die Wurzelspitzen der tiefgehenden Saugwurzeln der Wintergetreide … wachsen ganz, ganz langsam noch [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WINTERPROZESS, VERBORGENHEIT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Boden] … der &#039;&#039;&#039;Winterprozess&#039;&#039;&#039; ist ein sehr &#039;&#039;&#039;verborgener&#039;&#039;&#039; … weil … eigentlich da nicht mehr viel äußerlich passiert … die Pflanzen sind abgestorben im Herbst … ein äußeres Leben ist da kaum noch zu konstatieren … im Winter hört das Wachstum auf … aber … bei dieser milden Witterung … sieht man immer, dass die Blätter die Tendenz haben, sich ein bisschen zu stellen … ein Zwang … durch den Stickstoff-Überhang [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterprozess - Wachstumsruhe oder Wachstumszwang 0:02:51|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:02:51]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZELN, ABBAUPROZESSE&lt;br /&gt;
*… Mikroben des Bodens … gruppieren sich um die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; … von der Wurzel ernährt … bauen jetzt um die Wurzel herab den Humus ab … ätzen die Mineralien an durch die Säuren … ein biologischer Verwitterungsvorgang findet direkt um die Wurzeln herum statt … der PH-Wert wird erniedrigt … der Humus wird angegriffen … Stickstoff, Phosphorsäure und solche Stoffe werden durch den mikrobiellen &#039;&#039;&#039;Abbau&#039;&#039;&#039; aus dem Humus freigesetzt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Frühjahrsprozess - Abbauprozess des Humus 1:16:03|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:16:03]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, ATMUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;atmet&#039;&#039;&#039; wie Mensch und Tier … die Wurzel kann nur wachsen, wenn sie O2, Sauerstoff, hat … CO2 im Boden … wirkt nämlich wie ein Gift … schwerer als Luft … möchte immer im Boden unten bleiben … ich deswegen den Boden offenhalten im Frühjahr, so lange es nur irgend geht … dass der Boden entlüften kann [und er] Sauerstoff einatmen kann [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Beatmung des Bodens 1:22:35|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:22:35]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, AUSSCHEIDUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… über diese Wurzelhaare scheiden jetzt die Wurzeln … die sogenannten &#039;&#039;&#039;Wurzelausscheidungen&#039;&#039;&#039; aus … Eiweißbruchstücke, niedermolekulare Eiweiße, dann Zucker oder Kohlehydrate … Fermente … Säuren, organische Säuren … die Pflanzen sind eigentlich ein Eimer ohne Boden … durch diese Wurzelausscheidungen … ernährt die Pflanze den Boden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Pflanze ernährt den Boden 1:09:38|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:09:38]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL ZU WURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Und diese Wurzelhaare wachsen mit dem Erdreich zusammen. Die wachsen mit der Mineralität der Erde zusammen. Die bilden eine Einheit…. durch Mykkhorizen, das ist eine Pilzsymbiose von Wurzel zu Wurzel … Ein ganzer Wald ist irgendwie unterirdisch über das Wurzelwerk miteinander verbunden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZELHAARE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… sobald sich hier diese feinen &#039;&#039;&#039;Wurzelhärchen&#039;&#039;&#039; herausbilden, immer hier oben an den Wurzelspitzen, dann ist die Pflanze verhakt … das ist auch ein Problem … der Unkrautbekämpfung … Sobald die Pflanze ergrünt, kommen diese Wurzelhaare …  Die verwachsen jetzt mit dem Erdreich. Und dadurch bekommt die Pflanze überhaupt erst richtig Halt. Also hier bilden sich jetzt aus überall diese Wurzelhaare. Zunächst die ganze Länge der Wurzel, zuletzt nur noch am Ende, an der Wurzelspitze, diese Wurzelhaare [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ausbildung der Wurzelhaare 1:01:13|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:01:13]]&lt;br /&gt;
WURZELHAARE WACHSEN MIT ERDE ZUSAMMEN &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… diese Wurzelhaare … bilden ganz feine Ausstülpungen … einen halben Millimeter lang, … Diese &#039;&#039;&#039;Wurzelhaare&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wachsen&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;&#039;Erdreich&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zusammen&#039;&#039;&#039;. Die wachsen mit der Mineralität der Erde zusammen. Die bilden eine Einheit. Die Pflanze ist in Bezug auf ihre Wurzel mit der Erde eins, ungetrennt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzelhaare und Erde wachsen zusammen 1:06:09|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:06:09]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, ERNÄHRUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… Diese sogenannten Assimilate [durch Synthese im Sonnenlicht in den Blättern entstanden], die sich hier oben in der grünenden Pflanze bilden, die fließen jetzt zum Teil herunter in die &#039;&#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039;&#039;. Und dann fängt nämlich die Pflanze an, sich selbst zu &#039;&#039;&#039;ernähren&#039;&#039;&#039; … rinnen diese Assimilate in den Blättern durch die Stängel, durch die Wurzel hindurch herunter bis an die Wurzelspitzen. Und ernähren die Wurzeln in ihrem Wachstum [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Synthetisierung am Sonnenlicht 1:07:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:07:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, KRONWURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Kronwurzeln&#039;&#039;&#039; … die wachsen erst im Frühjahr. Aber die Saugwurzeln … die wachsen ganz, ganz langsam noch [während des Winters in die Tiefe] [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, NERVEN-SINNES-POL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… der Gesamtumfang dessen, was sich … [bei der Wurzel]  in Gleichzeitigkeit abspielt, das ist … ähnlich wie im Menschen, wenn er fühlt, wenn er denkt. Da finden auch alle möglichen prozessualen Vorgänge im Gehirn oder sonst im Nervensystem … statt. Und das Ergebnis nehmen sie wahr, indem sie Gedanken haben, Gefühle haben und Willensimpulse freisetzen können. Und dieses ganze Geschehen hier unter dem Boden ist … so ähnlich wie im menschlichen Haupt, … auch ständiger Abbau stattfinden muss im Gehirn, dass wir Gedanken haben. Und die Pflanze hat keine Gedanken, aber die wächst. Es ist ein Wachstumsprozess, der da ausgelöst wird … die &#039;&#039;&#039;Wurzel&#039;&#039;&#039; ist eigentlich der &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Pol&#039;&#039;&#039; der Pflanze [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Wurzel als Nerven-Sinnes-Pol der Pflanze 1:21:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 01:21:33]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WURZEL, SAUGWURZEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Einzige, was dann noch wächst während des Winters … das sind die Wurzelspitzen der tiefgehenden &#039;&#039;&#039;Saugwurzeln&#039;&#039;&#039; der Wintergetreide … sie wachsen ganz, ganz langsam noch … aber sie wachsen in die Tiefe … in Richtung Erdmittelpunkt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterung - Winterweizen 0:04:19|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:04:19]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WÜSTE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus ehemaligen Kulturlandschaften kann auch &#039;&#039;&#039;Wüste&#039;&#039;&#039; werden. Das hatte Manfred Klett auf seiner Expedition im Nordosten Syriens tief geprägt [[Manfred Klett - Videobotschaft anlässlich der Buchübersetzung auf Niederländisch, 2024|Klett, M. Videobotschaft NL, 2024, 00:01:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ZAUBERN&lt;br /&gt;
* Der Boden ist das Organ was alles das hervorbringt und &#039;&#039;&#039;hervorzaubert&#039;&#039;&#039;, was nur irdendwie die Existenz vom Menschenund Tier erfmöglicht auf Erden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Ackerbau und Gartenbau 0:00:40|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:00:40]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZEITPUNKT, RICHTIGER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… das Grundgesetz alles Acker- und Pflanzenbaus, Gartenbaus, nämlich zum &#039;&#039;&#039;richtigen Zeitpunkt&#039;&#039;&#039; das Richtige richtig zu tun … Ich muss mich in den Zeitprozess stellen … das Abschleppen eine ganz große Bedeutung … nicht so früh mit den Schleppern auf den Acker … im Untergrund hat man ganz starke Verdichtungen, die sich das ganze Jahr nicht mehr zurückbilden [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Zum richtigen Zeitpunkt das Richtige richtig tun 0:46:42|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:46:42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZISTERZIENSER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die &#039;&#039;&#039;Zisterzienser&#039;&#039;&#039; … hatten … die Fähigkeit, … langfristige Fruchtbarkeit zu entwickeln an den Orten, wo sie eigentlich von Natur aus gar nicht ist … die schlechten Standorte fruchtbar gemacht haben … Ihre besondere Kulturleistung besteht … darin, dass sie ihre Kraft für diese übermenschliche Arbeit … aus dem Stein und dem Licht … gewonnen haben [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Die Fruchtbarkeitskultur der Zisterzienser 0:16:39|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:16:39]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZUWENDUNG UND BESCHENKUNG &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… die Zuwendung ist … in der Natur wirksam … Wenn ich einem gegenüber mich zuwende in einer Positivität … dann passiert da was … &#039;&#039;&#039;Zuwendung und Beschenkung&#039;&#039;&#039; … man plötzlich weiß, wo es drauf ankommt [[Entstehung des Bodens - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2018#Der persönliche Verhältnis: Zuwendung und Beschenkung 0:51:54|| Mackensen, M. Entstehung des Bodens, 2018, 00:51:54]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
4 ELEMENTE, GETRENNT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Winterprozess der Erde] … die &#039;&#039;&#039;vier Elemente&#039;&#039;&#039; … das Erdige, das Wässrige, die Luft, das Gasförmige und die Wärme … treten auseinander … der Boden wird ein physischer Körper … anorganisch, tot … die Elemente von Luft und Wärme … sondern sich … es wird kalt … die Natur wird rein physisch, rein anorganisch, rein tot … die Elemente sich voneinander sondern [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Winterphänomen - Trennung der 4 Elemente 0:40:07|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:40:07]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HEXAGONALES KRISTALLISATIONSPRINZIP&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [Frostgare] … das &#039;&#039;&#039;hexagonale Kristallisationsprinzip&#039;&#039;&#039; … bei der Bildung von Eiskristallen … jede Schneeflocke und jeder Eiskristall folgt diesem Prinzip … doch jede Form ist einzigartig und anders gestaltet … ein Grundmuster, das unendliche Vielfalt hervorbringt [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 1. Folge von Manfred Klett, 2018#Die Frostgare 0:43:32|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 1. Folge, 2018, 00:43:32]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9 GRAD, UNKRAUTWACHSTUM &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*… im frühesten Frühjahr … wenn der Boden sich oberflächlich … erwärmt hat [Mitte Februar] … Erst bei &#039;&#039;&#039;neun Grad&#039;&#039;&#039; fangen überhaupt dann die &#039;&#039;&#039;Unkrautsamen&#039;&#039;&#039; an, zu keimen … der Boden dunkel durch die Wassersättigung … Jetzt im Frühjahr wird er plötzlich hell … dass Luft und Wärme in den Boden reinkommen [[Bodenentwicklung im Jahreslauf - 2. Folge von Manfred Klett, 2018#Ruhe im Winter - Geduld im Frühjahr 0:33:33|| Klett, M. Bodenentwicklung im Jahreslauf, 2. Folge, 2018, 00:33:33]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gesamtglossar des biodyn.wiki]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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