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Ein gewaltiger Emanzipationsschritt vollzog sich seit der Neuzeit in der Entwicklung der zur Individuation strebenden Bewusstseinsseele, und als ein Kennzeichen derselben, durch das Hervortreten der Naturwissenschaften. Diese emanzipieren sich aus der Religion und der dieser noch nahen Sakralkunst. Das ursprünglich All-Eine differenziert sich in die Dreiheit von Religion, Kunst und zuletzt Wissenschaft. Der wissenschaftliche Erkenntnisweg übernahm die Führung; Kunst und Religion hatten in diesem keinen Platz mehr. Sie wurden zum kulturellen Beiwerk. In der Landwirtschaft vollzog sich dieser Prozess sehr langsam und zuletzt überstürzt. Dabei versiegten ihr die Quellen moralischen Handelns. Die Begriffe, die die Wissenschaft in Form von Technologien von außen in die Landwirtschaft hereinträgt, sind Machbarkeitsbegriffe; sie sind abstrakt, kalt, tot und die Spuren, die sie hinterlassen, sind eine devastierte, ausgeräumte, der Hässlichkeit preisgegebene Erde. Mit dem Schwinden der Traditionen werden die Leute «mit Wissenschaft die Äcker düngen».[1]

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327, Vortrag vom 20. Juni 1924, Dornach 1999, S. 21.