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Alain Morau

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Alain Morau
Alain Morau, (* 15. Oktober 1973 in Saint Denis/La Reunion - † 14. Juni 2021 in Karben, Deutschland), ist ein französischer Chemiker, landwirtschaftlicher Praktiker und Forscher im Bereich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, besonders bekannt für Laboruntersuchungen zum Hornmistpräparat der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.
Alain war auf der französischen Insel La Reunion geboren und aufgewachsen. Sein Vater war Hochschulprofessor, seine Mutter Lehrerin. Erst nach dem Abitur betrat Alain das französische Festland, um dort sein Studium der Chemie aufzunehmen.
Nach einem Chemiestudium in Paris (Dipl.-Ing., Chimie ParisTech) arbeitete er von 2000 bis 2008 in der Landwirtschaft mit Schwerpunkt Obstanbau. 2009 absolvierte er den Jahreskurs zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft an der Landbauschule Dottenfelderhof in Bad Vilbel.
Seine Arbeit verbindet praktische landwirtschaftliche Erfahrung mit naturwissenschaftlicher Untersuchung der biodynamischen Präparate und anthroposophischer Reflexion ihrer methodischen Grundlagen.
„Im Frühjahr 2015 sprach mich nach einem Vortrag ein junger Mann mit französischem Akzent an. Sein Name war Alain Morau und er arbeitete seit einiger Zeit am Dottenfelderhof in der Pflanzenforschung. Ihn interessierten Fragen der Dreigliederung und er wollte darüber mit mir ins Gespräch kommen. Sein eigentliches Forschungsgebiet war jedoch der Landwirtschaftliche Kurs Rudolf Steiners. Später wurde er im Bereich der Koordinationsstelle für biologisch-dynamische Landwirtschaft der Universität Kassel-Witzenhausen als Doktorand tätig. In diesem Zusammenhang führte er am Dottenfelder Hof Versuchsreihen mit Kressesamen durch.
Er promovierte über die Testmethoden und die experimentelle Forschung mit biologisch-dynamischen Hornmistpräparaten. Alain war aber auch leidenschaftlich an den politischen Zeitereignissen interessiert. Hier hatte er viele Fragen und wollte diese gerne von der Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus her beleuchtet haben. So kam es, dass wir uns immer wieder trafen und solche Fragen gemeinsam bewegten. Zudem schickte er mir regelmäßig Texte und Videos, insbesondere zu dem, was in Frankreich vorging.
[…] Alains Wesen strahlte etwas von einem guten König aus, der weitsichtig die Belange seines Reiches beobachtet, die Herrschaft darüber jedoch verloren hat und nun auf dem Weg ist, ein neues Reich zu suchen. Dazu musste er vom »Land aufs Meer«.“ (Stephan Eisenhut, Die Drei)[1]
Forschung
Nach Abschluss des Studienjahrs an der Landbauschule Dottenfelderhof leitete er von 2011 bis 2017 ein Forschungsprojekt zur Wirkung des Hornmistpräparats (Präparat 500), in Kooperation mit der Universität Kassel (Witzenhausen) und Dr. Jürgen Fritz. Dabei entwickelte er einen standardisierten Biotest mit Gartenkresse (Lepidium sativum), um die Bioaktivität des Präparats unter kontrollierten Laborbedingungen zu erfassen.
Morau promovierte zu diesem Thema an der Universität Kassel im Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau. Seine wissenschaftlichen Publikationen (u. a. mit Hans-Peter Piepho und Jürgen Fritz, 2019/2020) zeigen unter anderem, dass das Hornmistpräparat das Wurzelwachstum der Kresse beeinflussen und abiotische Stressfaktoren (z. B. Wasserüberdosierung, Gravitationsstress) teilweise kompensieren kann. Parallel dazu veröffentlichte er in der Zeitschrift die Drei Artikel zu den erkenntnistheoretischen Grundlagen des Landwirtschaftlichen Kurses Rudolf Steiners, insbesondere zu goetheanistischer Methodik, den Begriffen des Kosmischen und Irdischen sowie dem objektiven Idealismus.
"An important methodology to study horn manure is to develop specific laboratory trials. At the Dottenfelderhof farm in Germany, a bioassay was designed to study this. This work aimed to produce robust and reliable data through a controlled and easily reproducible experimental setup. For this purpose, Alain Morau was inspired by a protocol developed by researchers in integrative medicine to test the influence of a highly diluted substance (in their case, mistletoe) on the development and morphology of watercress. The principle consisted in observing the first stages of development of watercress seeds grown in a hydroponic solution having received different concentrations of dynamised horn manure (0.1 µl and 1µl, plus a control modality without preparation). The results of this study (Morau et al., 2020a) were the following: At the early growth stage, the cress root growth was usceptible to the effects of horn manure. The effect of horn manure was strongly dependent on time, but stable within many months. A stabilising pattern of action was significant, indicating the potential to increase the resilience of the agricultural system in practice."[2]
Nachruf
„Mit 47 Jahren verstarb viel zu früh unser Mitarbeiter Alain Morau. Auf den Dottenfelderhof kam Alain Morau 2008 für das Studienjahr der Landbauschule. In seiner Projektarbeit begann er, einen bereits in der Arzneimittelforschung entwickelten Test mit keimenden Kressesamen zur Wirksamkeitsprüfung des biologisch-dynamischen Hornmistpräparates zu erproben. Drei Jahre später ergriff er eigenständig die Aufgabe der Methodenentwicklung dieses Kressetestes in einem mehrjährigen Forschungsprojekt, das unter anderem auch von der anthroposophischen Gesellschaft gefördert wurde.
Es folgte eine siebenjährige intensive, experimentelle Arbeit an wöchentlichen Versuchsserien mit Kressesamen. Vorbild war dabei für ihn die Arbeit von Lilli Kollisko, der Pionierin der Forschung mit kleinsten Entitäten. Jede Woche wurden 15 Liter Hornmistpräparat gerührt und dann die kleinst mögliche Menge in vorbereitete Beutel mit Kressesamen auf feuchtem Filterpapier ausgebracht. Verschiedene Einflussfaktoren wurden daraufhin geprüft, wie sie helfen können, eine Wirkung des Präparates zur Erscheinung zu bringen. Eine bedeutende Entdeckung war, dass das Wurzelwachstum der Kressekeimlinge am deutlichsten auf das Hornmistpräparat reagiert, wenn die Beutel mit den Pflanzen täglich eine kurze Zeit aus der senkrechten Orientierung zum Erdmittelpunkt herausgenommen und in die Horizontale gelegt werden.
2015 wurde er als Doktorand im Bereich der Koordinationsstelle für biologisch-dynamische Landwirtschaft der Universität Kassel tätig und pendelte wöchentlich zwischen dem Dottenfelderhof und Witzenhausen. Für die Promotion erfolgten zwei Publikationen über die Entwicklung der Kressetestmethode in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der dritte, fast vollendete Promotionsaufsatz ist eine Metastudie zur zusammenfassenden Auswertung vieler Ergebnisse experimenteller Forschungsarbeiten mit dem biologisch-dynamischen Hornkieselpräparat aus den letzten Jahrzehnten.
Ab 2017 veröffentlichte er insgesamt 10 Artikel in der Zeitschrift Die Drei zu zeitgeschichtlichen und politischen Themen sowie auch eine Reihe von vier Artikeln, in denen er den Lesern den Zusammenhang der grundlegenden Gedanken des Landwirtschaftskurses von Rudolf Steiner nahebringen wollte.“[3]
Links
- https://www.soi-esprit.info/a-propos-de-ce-site/liste-des-auteurs/13-morau
- https://ditsl.academia.edu/AlainMorau
- https://diedrei.org/files/media/hefte/2018/Heft10_2018/05-Morau-DD1810.pdf
- https://orgprints.org/id/eprint/32104/1/32104-13OE006-uni-kassel-fritz-2017-gartenkresse-hornmistpraeparat.pdf
Einzelnachweis
- ↑ Nachruf von Stephan Eisenhut in Die Drei, Link https://diedrei.org/files/media/hefte/2021/Heft4-21/02-Eisenhut-Morau-DD0421.pdf
- ↑ Biodynamic Horn Manure: Nurturing Soil and Plant vitality. A Scientific overview: https://demeter.net/wp-content/uploads/2024/05/EN_Booklet_500.pdf
- ↑ https://www.dottenfelderhof.de/fileadmin/images/forschung/Aktuelles/RZ_Bericht_2021_web.pdf






