Allianz ELIANT im Gespräch mit der Landbauschule Dottenfelderhof - Martin von Mackensen, 2026

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Martin von Mackensen im Rahmen des yt Beitrags: Allianz ELIANT im Gespräch mit der Landbauschule Dottenfelderhof - Martin von Mackensen vom 16. September 2026

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Transkription vom Beitrag vom 16. September 2026

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Der Hof und das Organismusprinzip 00:00:13

Mein Name ist Martin von Mackensen. Ich bin Landwirt hier am Dottenfelder Hof am Nordrand von Frankfurt. Das ist eigentlich der erste größere landwirtschaftliche Betrieb nördlich von Frankfurt und es ist ein biodynamischer Betrieb, ein langjährig biodynamischer Betrieb, ein großer Gutsbetrieb und ich gehöre zu den Menschen, die diesen Betrieb zurzeit verantworten.

Und meine Aufgabe ist es aber vor allem junge Menschen auszubilden, fortzubilden für die biologische Landwirtschaft. Die biologische Landwirtschaft ist eine Idee, die die Landwirtschaft so auffasst, dass sie ein Ganzes ist, ein Organismus und dieser Organismus ist an jedem Ort, in jeder Region unter den verschiedenen Bedingungen immer etwas anders. Und gleichzeitig hat er natürlich ganz viel Allgemeines, was jeder von diesen landwirtschaftlichen Organismen hat.

Und insofern ist es eigentlich ein Urbild der Landwirtschaft und wir stehen heute in der Situation, dass die moderne Landwirtschaft, die sogenannte konventionelle Landwirtschaft, das man könnte sagen negiert und die Frage des Preises bis hinein in die Organismen wirkt. Und das ist eigentlich verhängnisvoll, weil wir damit in eine Situation kommen, wo uns die Fruchtbarkeit der Böden kaputt geht, wo uns die Gesundheit der Pflanzen kaputt geht und wo uns die Haustiere eben zu Maschinen degeneriert werden. Das heißt, wir brauchen eine Landwirtschaft, die von innen, von dem Organismusprinzip aus gedacht wird und geführt wird.

Die ökonomische Klemme und die Entscheidung an der Kasse 00:01:47

Das ist aber eine schwierige Landwirtschaft, das ist keine industrialisierbare Landwirtschaft und das ist eigentlich der Reiz gleichzeitig. Und das verstehen junge Leute sehr gut, verstehen auch konventionelle Landwirte sehr gut. Die sind eben aber eingeklemmt in dieser ökonomischen Klemme, kann man sagen, oder Schraubzwinge und wir müssen unglaublich aufpassen zurzeit, dass wir in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft nicht in dieselbe Problematik hineingeraten, dass uns sozusagen von außen via Preisdruck eine Landwirtschaft aufgezwungen wird, die wir eigentlich gar nicht machen wollen.

Ja, und wenn Sie jetzt nach den jungen Leuten fragen, dann kann man sagen, die Menschen suchen heute, die jungen Menschen auch außerhalb der Landwirtschaft, die suchen diese Art von Landwirtschaft, wo die Dinge in sich und aus sich heraus zunächst nach den Prinzipien der Gesundheit, der Resilienz, der Nachhaltigkeit, des Aufbaus, der Fruchtbarkeit, der Flexibilität für den Klimabruch gebaut sind, gemacht werden und nicht nach dem Preisdruck von außen. Das heißt, wir brauchen eine Landwirtschaft und das ist die biodynamische Landwirtschaft, die an jedem Ort ein bisschen anders funktioniert, aber doch über ihre Art der Düngung Fruchtbarkeit so erzeugt, dass sie aus sich heraus immer besser wird, besser wird, besser wird und immer eine bestimmte Menge von hochqualitativen Produkten erzeugt und die aber gleichzeitig mit den aktuellen Bedingungen mit kann. Wir sind in der Lage, mit diesem Klimabruch weiter Landwirtschaft zu machen, aber wir müssen die überall neu erfinden.

Das ist nichts, was so mit irgendwie ein bisschen anderen Sorten oder ein bisschen was verändern zu lösen ist, sondern das sind große große Aufgaben, große Schwierigkeiten. Wir würden die gerne auch großflächig angehen, aber es braucht dafür Menschen, die sagen, wir wollen diese Landwirtschaft und diese Entscheidung entsteht heute in unserer Kultur an der Kasse. Das entscheidet jeder Bürger, jeder Mensch selber, indem er an der Kasse dieses Produkt bezahlt oder jenes. Bau das wieder an, weil ich das für richtig halte. Es schmeckt mir auch, es tut mir auch gut, aber ich möchte diese Landwirtschaft und deshalb kaufe ich dieses Produkt.

Was die jungen Menschen suchen 00:03:55

Die jungen Leute, die ich ausbilden darf und die auf solche Höfe kommen wie hier, die tragen in sich das Bedürfnis, mit der Natur in dieser Kunstnaturwelt, die Landwirtschaft ist eine Kunst, die ist keine Natur, aber sie arbeitet mit der Natur, etwas zu kreieren, was wirklich gesund ist, was wirklich nachhaltig ist, was wirklich sinnhaft ist im Ganzen. Da braucht es ein Acker mit der Hecke, da gehört die Eule genauso dazu wie die Schwalbe und wie der Regenwurm und die Maus und so weiter.

Und wenn die Menschen das sehen, dass wir auf diesem Weg sind, dass wir diese Art von Landwirtschaft kreieren, dann sind sie interessiert, dann sagen die, Moment mal, kann ich eine Ausbildung machen, kann ich weitergehen, kann ich solche Höfe mit übernehmen, kann ich in diese Verantwortung gehen und das brauchen wir dringend, weil wir haben eigentlich viele Höfe, viele Möglichkeiten und zu wenig Menschen, die sagen, das ist meins und zwar zu 120 Prozent. Ich bin nicht Netzwerker und verbinde alle möglichen netten Leute, sondern ich mache es wirklich. Die brauchen wir und die finden wir auch und die diese Hoffnung wirklich haben und mit ihrer Händearbeit, mit ihrem Herz, mit der Empfindung und mit ihrem klaren Denken diesen Organismus zu gestalten, in die Zukunft zu führen, das ist eigentlich die Aufgabe.

Der eigene Weg: Joseph Beuys und die Fachschule 00:05:20

Ja, meine persönliche Geschichte ist so, dass ich eigentlich schon einmal als noch nicht Schulkind, ich komme aus einem intellektuellen Haushalt, mein Vater war Lehrer und Dozent und ich komme also nicht aus dem Bauernhof, aber ich bin schon vor der Schule mit fünf Jahren im Hochgebirge, da wurde noch alles mit der Hand gemacht, da wurde mit der Hand gesenst, da wurde das Heu in solche großen Tücher gepackt und so, da habe ich Landwirtschaft kennengelernt und ich wusste, das ist mein Thema und dann, wie das so ist in der Schule, da bin ich noch lange dahin gefahren, auch als meine Eltern ja gar nicht mehr zum Urlaub hingefahren sind und irgendwann hat sich das verloren.

Und dann habe ich in meiner Biografie eine besondere Gelegenheit gehabt. Ich habe lange mit dem Joseph Beuys zusammengearbeitet, ich habe mit dem Joseph Beuys in Kassel Bäume gepflanzt und als ich soweit war, dass ich dann auch eine Maschinenschlosser-Ausbildung hatte und jetzt ein Kunststudium bei Beuys machen wollte, da hat er gesagt, hat keinen Sinn, du wolltest doch was mit Landwirtschaft machen. Er erinnerte das aus einem alten Gespräch und hat mir noch mal gesagt, mach das und dann kam es wieder und er war vier Monate später gestorben. Es war sozusagen auch der richtige Moment, diesen Weg einzuschlagen und ich habe das dann gemacht und ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich es gemacht habe und ich habe dann hier am Dottenfelder Hof lange Landwirtschaft praktisch gemacht und hatte dann das große Glück, einen der Gründer hier noch mit dem Lange zusammenzuarbeiten, der mir dann gesagt hat, du machst das hier weiter mit der Ausbildung und Fortbildung.

Und dann hatte ich noch mal großes Glück, dass das Land Hessen gesagt hat, eine Fachschule ist sinnvoll für das, was sie da machen und so sind wir die einzige biodynamische Fachschule weltweit, die ein eigenes Curriculum hat, eine eigene Prüfungsverordnung hat und wir können hier wirklich landwirtschaftliche, gärtnerische Leute fortbilden und in den letzten Jahren haben wir das zusammengebracht mit der Medizin und jetzt ist es eben auch so, dass hier ein Kollege aus dem medizinischen Bereich in diesem Kurs mit dabei ist und das ist ein Jahr intensive, ja man könnte sagen Präventologie, Landwirtschaft und Medizin. Ich glaube, es ist gar nicht so weit, es braucht gar nicht so viel Fantasiekraft, sondern es ist eigentlich sehr real, was wir in der Zukunft brauchen.

Meine Vision ergibt sich aus den Notwendigkeiten und Gegebenheiten 00:07:51

Wir müssen einfach nur genau hingucken und wir sehen an ganz vielen Ecken Synergien, Zusammenhänge, dass Tiere und Pflanzenbau, dass Tierhaltung und Pflanzenbau zusammengehören. Das ist so eindeutig, das ist so klar, das ist so leicht zu verstehen, das kann man mit dem Empfinden, wenn man dann mitgeht in der Düngung und so weiter, wenn man das dann versucht nachzuvollziehen, dann wird das auch deutlich, dann fühlt man das auch und dann ist dieser große Sprung, jetzt muss ich es auch tun und das wird auch kompliziert und das wird nach innen in so einem landwirtschaftlichen Organismus ganz vielfältig und ganz reich und das kriegt ganz viele Farben, wie man das dann konkret macht und dann entsteht ein gutes Produkt nach außen und diese Vision, dass wir sozusagen Innenräume, dass wir Innenorganismen, dass wir Innengestaltungen der Landwirtschaft brauchen, die dann nach außen, wo Menschen sagen, ja das wollen wir und das kaufen wir auch und das hat auch seinen Preis und damit verbinden wir uns auch, das ist eigentlich ganz naheliegend und das ist meine Vision, die ist eigentlich ganz einfach.


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