Regionale Initiativen - ein Vortrag von Martin von Mackensen, 2023

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Regionale Initiativen - ein Vortrag von Martin von Mackensen vom 14. April 2023 in Achberg. Click hier zum Video


Transkription vom 14. April 2023 in Achberg

+++ dies ist ein maschineller Rohtext - er muss noch von Menschenhand überarbeitet werden. Willst du MitTun? +++

Einleitung und persönlicher Bezug zu Joseph Beuys 00:00:15

Ja, einen wunderschönen guten Abend, guten Spätnachmittag Ihnen allen. Ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken für die Einladung. Und ich werde auch gleich ein bisschen ausführen, warum das für mich was ganz Besonderes ist. Und ich möchte auch schon versprechen, dass diejenigen, die eben mit den Fragen da schon dabei waren, dass die genau ins Zentrum getroffen haben. Genau da setzen wir jetzt weiter fort. Aber vielleicht zunächst doch einiges zu meiner Person und warum das für mich ein besonderer Moment ist hier heute.

Mein Name ist Martin von Mackensen. Ich bin Landwirt und ich komme vom Dottenfelderhof bei Frankfurt, ein bisschen nördlich von Frankfurt. Und ich bin nicht in eine Landwirtsfamilie hineingeboren. Ich habe als ganz Kleines, als kleiner Junge schon vor der Schule gewusst, dass das mein Beruf sein wird. Und dann gibt es ja oft in der Biografie so etwas, dass alles Mögliche passiert und man ganz andere Impulse hat. Und so ist es mir so gegangen, dass ich noch zur Zeit des Eisernen Vorhangs einen Onkel hatte im Osten von Deutschland. Und den habe ich mehrfach besucht. Er war Metallgestalter und Kunstschmied. Und er hat mir gesagt, ja, mich würde es so sehr interessieren, wie dieser Mensch Joseph Beuys ist. Wenn du den mal irgendwo siehst, dann besuch den doch mal. Das würde mich so interessieren. Und dann gibt es ja so Momente, da ist man dann gar nicht so ganz Herr seiner Situation, des Schicksals.

Mit 15 Jahren stehe ich plötzlich am EDEKA. Ich wollte mir wahrscheinlich ein Brötchen kaufen oder so was. Und da hängt im Plakat Joseph Beuys ein Seminar. Da habe ich gesagt, ja, da solltest du doch hingehen. Habe ich das gemacht. Und es war zwei Tage und ich wusste schon am ersten Abend, das verändert jetzt meine ganze Situation. Ich habe sogar jemand schon am ersten Abend gesagt, jetzt wird alles anders. Und das war auch so. Ich habe nämlich... ich kam dahin und der Joseph Beuys war gar nicht da. Und darum, worum es da ging, habe ich nichts von verstanden. Und nach einer Stunde dachte ich, ich gehe, glaube ich bin hier irgendwie gar nicht richtig. Und dann kam der.

Und dann war aber gleich Pause. Und dann wollten die mich dann so mitnehmen in irgendeine Taverne zum Essen. Und ich guckte so, und der Beuys blieb aber da. "Nee, ich bleibe auch hier." Und ratzfatz saß ich mit dem alleine in dem Raum. Und dann entspann sich so ein Gespräch und mit der Zeit, nach anderthalb Stunden waren wir da zu zweit, merkte ich, der wartete eigentlich auf jemand anderes. Der saß jetzt nicht wegen mir 15-jährigem Kerlchen da. Und dann kam jemand, der war Garten- und Landschaftsbauer, war Professor. Und mit dem plante der eine Bepflanzung. Ich verstand davon gar nichts. Und irgendwann sagte er zu mir: "Und du machst da auch mit, gell." Und habe ich das gemacht.

Und so habe ich also die ersten Momente 1981 von der Planung der Aktion 7000 Eichen mitbekommen. Und habe dann natürlich die ganze Zeit das mitgemacht. Habe dann viele Aktionen von Joseph Beuys auch außerhalb von Kassel weiter verfolgt. Und bin meinem Onkel nach wie vor sehr dankbar, dass er mich da sozusagen auf diese Spur gebracht hat. Und dann bin ich Maschinenschlosser und Werkzeugmacher geworden und habe dann dem Joseph Beuys gesagt, jetzt bin ich da fertig und jetzt möchte ich bei dir studieren. Und ich hatte schon in Basel mit aufgebaut ein Metallobjekt mit Beuys und kannte ihn wirklich gut mittlerweile.

Und dann sagte er mir zu mir, nein, das hat gar keinen Sinn, da war doch was mit Landwirtschaft bei dir. Das musst du machen. Und so stehe ich heute hier als Landwirt und komme wieder an diese Schleife zurück. Ja, das wollte ich nur einmal darstellen, warum das ein besonderer Ort ist für mich, heute hier zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich bin also Landwirt geworden und ich habe viele, viele Jahre biologisch-dynamische Landwirtschaft im Kleinen und im Größeren gemacht und mache das auch heute noch. Ich bin heute Morgen mit meinen Studenten auf dem Acker gewesen und wir haben verschiedene Bestände bewertet und so weiter. Und das ist mein tägliches Geschäft. Aber es ist jetzt nicht mehr so, dass ich viele Tage unter der Kuh zubringe oder auf dem Schlepper, sondern vor allem mit jungen Menschen, um ihnen das Handwerk und die Begeisterung für diesen wunderbaren Beruf zu vermitteln. Ja, ich glaube, es ist ein Bild da.

Der Klee als Grundlage der Industrialisierung 00:05:59

Nochmal herzlichen Dank an die Einladenden. Wir wollen uns jetzt beschäftigen mit dem, was die Synthese, könnte man sagen, ist von diesem, was wir schon gehört haben, was Ökonomie heute bedeutet und was sie in der Zukunft vielleicht bedeuten kann. Und wir wollen verstehen oder Zugänge zu einem Verständnis entwickeln, was ist eigentlich die Grundlage aller Ökologie, aller Haushaltung in der Natur.

Und ich möchte... ich habe das ein bisschen jetzt verändert aufgrund von den Fragen, die vorhin kamen, ich möchte ein bisschen einen anderen Einstieg nehmen. Ich möchte anfangen an der Stelle, wo da die Frage kam nach der Düngung. Wie war denn das da bei dem Justus von Liebig? Und da möchte ich eigentlich anfangen.

Wir schauen also in das 19. Jahrhundert, in jene Zeit, in der die Industrialisierung begann, in der die Landwirtschaft, das haben wir heute auch schon gehört, immer mehr pfiffig wurde, sich unglaublich entwickelte in Bezug auf ihre Möglichkeiten. Und wir schauen in eine Zeit, in der ein riesiger Umbruch in der Landwirtschaft passierte. Man kann fast sagen, so bis in die Mozartzeit 1780, 1770 oder so, war in der Landwirtschaft noch Mittelalter. Und dann passierte innerhalb von 100 Jahren eine unglaubliche Entwicklung. Und diese unglaubliche Entwicklung, in der stehen wir sozusagen mittendrin, die begann mit etwas ganz Unscheinbarem, auf was wir heute noch mal kommen werden, nämlich dem Anbau des Klees.

Wir werden heute... ich hoffe, dass jeder von Ihnen, der heute den Raum hier verlässt, nachträglich dann weiß, anschließend dann weiß, was das für eine Revolution war. Innerlich, sozusagen aus dem inneren Verständnis der Landwirtschaft und äußerlich, das können wir ganz kurz machen. Äußerlich bedeutet das Integrieren des Klees mit dem Gras in die Landwirtschaft die Möglichkeit, dass die Landwirtschaft auf einmal plötzlich immer mehr Erträge erzeugt, auf einmal immer fruchtbarer wird. Wenn man also von der Dreifelderwirtschaft, Sommerung, Winterung, beides Getreide und dann Brache... der Acker ist ein Wesen, der muss auch mal ruhen.

Wenn man da zu etwas kommt und sagt, ja, wir könnten den Acker in der Brache auch besömmern, wir könnten über Sommer eine Kulturpflanze da hinbringen, die endlich einmal unser Vieh ein bisschen besser ernährt, und wenn man das dann systematisch macht und das ist innerhalb weniger Jahrzehnte passiert, dann hat man auf einmal viel Futter. Und wenn man viel Futter hat, kann man auf einmal mehr Tiere behalten. Das haben wir heute auch schon gehört, wie die Landwirtschaft, wie das Leben eigentlich immer so ist, dass es einen Überschuss gibt.

Ich habe eigentlich immer mehr Tiere, als ich brauchen kann. Und jetzt kann ich mehr behalten. Und wenn ich mehr Tiere habe, weil ich mehr Futter habe, was habe ich noch mehr? Ich habe mehr Mist. Und mit mehr Mist und mehr Futterbau habe ich auf einmal auch von denselben Flächen, mit denselben Arten mehr Ertrag vom Getreide. Jetzt kommt man in so eine Aufwärtsspirale. Sind Sie alle gut mitgekommen? Ganz, ganz wichtiger Punkt, fehlt in jedem guten Geschichtsbuch, schreiben Sie es einfach dazu, hier fehlt es. Das ist die Grundlage der Industrialisierung. Nichts anderes, ohne den Klee in der Landwirtschaft, keine Industrialisierung. Ich habe es mal einem Spezialisten vorgetragen, der hat gesagt, ja es stimmt eigentlich, man müsste es jetzt doch mal langsam in die Bücher schreiben. Das hat man irgendwie vergessen, weil es so ein langzyklischer Zusammenhang ist. Das sind eben 40, 50, 60 Jahre, bis das dann mal so wirkt, dass viele Menschen ernährt werden können, die jetzt nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten. Das haben wir heute Morgen schon gehabt. Oder vorhin gehabt, Entschuldigung.

Ja, der Klee ist eingeführt worden 1780 aus Flandern, aus Belgien, aus Holland, aus den Niederlanden. Und wir müssten heute noch unseren Hut vor den Menschen ziehen, der hat eigentlich was ganz Einfaches gemacht. Er ist nämlich in die Wiesen gegangen und hat die Samen gesammelt und sie auf dem Acker probiert. Und dann hat er gemerkt, da kann man noch was anderes dazu. Dann hat er angefangen zu selektieren, das haben dann andere gemacht und so weiter. Und so ist es in die Breite, sehr schnell in die Breite gegangen. Oft sind ja so Sachen, die so selbstverständlich sind, nachher gar nicht mehr gut zu greifen in den Quellen. Und sie geschehen an vielen Orten gleichzeitig und sie entstehen in jeder Region ein bisschen anders. Die Einführung des Klees in die Landwirtschaft.

Technischer Fortschritt und ein neues Naturverständnis 00:11:24

Wir gehen weiter und wir kommen zur Technik. Die Veränderung im 19. Jahrhundert in Bezug auf die Technik. Ganz einfach und ganz, ganz wirkungsvoll. Also man könnte ja heute denken, wenn da so 18 Meter breite Supermaschinen, computergesteuert über die Äcker sausen oder so, das wäre irgendwie ein riesiger technischer Fortschritt oder auch problematischer Schritt. Aber das, was damals passiert ist, das waren viel, viel größere Entwicklungen, die ganz einfach waren. Sie können das noch im 19. Jahrhundert bei Vincent van Gogh sehen. So wurde gesät.

Jetzt erfindet jemand, das hatten die Römer schon mal. Eigentlich nichts Neues. Das Säeschar. Ein kleines Schiffchen. Und da fällt das Korn runter und dieses Schiffchen tut ein bisschen den lockeren Boden zur Seite. Da fällt das Korn runter. Dann ist das Schiffchen, hat noch so zwei Bleche hinten dran. Und bis das Korn wirklich runtergefallen ist, dann fällt neben diesen Blechen der lockere Boden wieder drauf. Und zack ist alles Saatgut schön unten drin. Alles auf einer Höhe. Alles keimt gleichzeitig. Fast alles keimt überhaupt. Und glauben Sie nicht, dass die irgendwie toll waren, diese ersten Säeschare. Die waren geschnitzt aus Eiche und da hat es vielleicht vorne ein bisschen Blech gegeben, damit die nicht so schnell zerschleißen. Und die waren nicht an irgendeiner computergesteuerten Riesenmaschine, sondern die waren einfach an einem Gestänge, wo es ein bisschen rein rieselte. Hinter dem Pferd. Hinter dem Ochsen. Aber eine unglaubliche Entwicklung. Technik. Ich nehme nur jeweils ein paar Beispiele.

Und bevor wir jetzt dann zur Düngung kommen, noch einen weiteren großen Blick. Neben dem, dass der Klee eingeführt wurde. Neben dem, dass viel, viel Technik, und das Säeschar ist nur ein kleines Beispiel, einfachste Technik, die Landwirtschaft total verändert hat. Daneben gibt es jetzt ein neues Denken. Die Menschen gucken auf das, was lebenserzeugend ist, anders. Das ist kein Geschenk mehr. Das ist keine Gnade mehr. Das ist keine Offenbarung des Göttlichen, sondern das können wir doch besser machen. Eine innere Veränderung im Anschauen auf die Landwirtschaft. Wenn ich das und das Tier, wenn ich die beiden vermehre, dann könnte ich doch die positiven Eigenschaften haben. Wenn ich da die ganze Reihe von der Frucht sehe und die ist so toll, dann will ich doch von der das Saatgut nehmen. Die einfachste Art und Weise zu selektieren, zum Beispiel in Bezug auf die Züchtung. Das hat sich massiv geändert. Natürlich haben die Menschen jahrtausendelang selektiert, aber ganz, ganz anders. Jetzt im 19. Jahrhundert ist dieser Blick: Ich will mehr, ich will größer, ich will stärker, ich will besser und so weiter. Als ein Beispiel von diesem inneren Denken, von diesem inneren Prozess im Zugehen auf die Natur, die ja keine Natur ist, sondern eine Kultur ist. Die Natur ist durch den Menschen zu einer Kultur geworden. Eine Kulturnatur.

Justus von Liebig und das Verständnis von Düngung 00:15:15

Und jetzt kommen wir zu dem Justus von Liebig und zu der Düngung. Was macht der? Was ist eigentlich der unglaubliche Schnips? Was ist eigentlich der unglaubliche Griff? Der ist ja toll. Er geht hin und analysiert. Was ist denn in so einer Pflanze, die da innerhalb von einem Jahr wächst? Was ist denn da drin? Und er kommt zu den chemischen Elementen, aus denen diese Pflanze besteht. Und jetzt sagt er, ja, das nehmen wir weg und bringen es in die Mühle und mahlen und machen Getreide daraus. Ah ja, das muss doch wieder dahin. Also heute würden wir wahrscheinlich auch, viele von Ihnen sagen, das ist doch alles sehr nachhaltig. Sehr nachhaltiger Gesichtspunkt.

Und jetzt ist die Frage, in welcher Form muss es wieder dahin? Und da werden wir uns dann möglicherweise, da werden wir dann unterschiedlicher Meinung werden mit vielen Menschen in unserer Kultur. Und die Frage ist vorhin auch angeklungen. Das ist nicht dieselbe Substanz. Der Stickstoff, der mineralisch vorhanden ist oder der Stickstoff, der organisch vorhanden ist. Das ist nicht dieselbe Substanz. Das Kalium, was ich einen Kilometer tief aus der Erde hole und durch verschiedenste Prozesse aus dem Salz ein wasserlösliches Kaliumsalz entstehen lasse, das ist etwas völlig anderes. Und für Justus von Liebig und für viele seiner Nachfolger bis heute ist das völlig dasselbe. Hier scheiden sich die Geister.

Und ich möchte jetzt, weil ich das Glück habe, hier zwei Tafeln zu haben, herzlichen Dank. Ich habe nur mit einer gerechnet. Und man muss ja immer anfangen mit einem Strich. Alles darunter wollen wir jetzt gar nicht besprechen. Das deute ich nur einmal an. Das ist das, was Justus von Liebig die künstliche Düngung genannt hat und was wir eigentlich heute auch noch so nennen. Da möchte ich jetzt weiter erst mal gar nicht darüber sprechen. Das würde zu weit führen. Ich möchte jetzt darüber aufbauen, was ist eigentlich Düngung? Denn das ist jetzt die zentrale Frage in der Landwirtschaft. Und das ist auch die spirituelle Frage in der Landwirtschaft. Düngung ist nämlich viel mehr, als Sie vermuten. Und eigentlich verstehen wir auch ich... bis heute ist es ein großes Rätsel, was Düngung eigentlich wirklich ist. Und wir wollen uns dem heute nähern und ich möchte Ihnen sozusagen ein bisschen das versuchen zu entwickeln. Und dann möchte ich im Hauptteil darauf eingehen, was in Bezug auf die Düngung im Sinne der Humusbildung die Rolle des Tieres ist und inwiefern das ein hochspiritueller Vorgang ist.

Da haben Sie einen kleinen Ausblick, was jetzt alles geschieht. Und wer sagt, das ist mir eigentlich viel zu viel, der darf jetzt auch gerne gehen, das nehmen wir ihm nicht übel.

Geologische Düngung und der Aufbau von Humus 00:18:34

Als Erstes kann man sagen, es gibt eine geologische Düngung. Und diese geologische Düngung, was ist das? Diese geologische Düngung, die hat damit zu tun, dass wir an Standorten es nötig haben, zum Beispiel zu kalken, oder dass wir an Standorten es nötig haben, etwas vom Basalt hinzubringen. Und das ist eine gar nicht so ganz einfache Sache und es ist auch gar nicht so leicht in der Handhabung, weil auch da schnell so eine Vorstellung vorherrscht, man müsse jetzt irgendwie große Mengen in schnell verfügbarer Form eines Gesteins dahin bringen, sozusagen in Ersatz einer mineralischen Düngung. Das ist falsch. Wir haben es bei dem ganzen Düngungsproblem immer auch damit zu tun, dass wir ganz schnell doch so denken, als würden wir eigentlich so etwas Ähnliches wie mineralische Düngung verwenden, künstliche Düngung.

Nein, das stimmt nicht, sondern hier geht es jetzt darum, dass wir als Mensch glücklicherweise die Fähigkeit und die Möglichkeit haben, in großen Zyklen – wir reden jetzt hier eher von Jahrzehnten als von einzelnen Jahren – etwas zum Ausgleich, etwas zur Harmonisierung, etwas zur Regelung der Grundlage des Lebens beitragen zu können. Und das ist eine ganz einfache Sache. Man kann einfach aus einem Kalkstein Grieß, Splitt erzeugen, sagen wir mal sowas so groß wie ein Kopf einer Stecknadel. Ohne Brennen, ohne alles. Einfach der Kalkstein, der zerkleinert ist. Und den kann man zugeben einem Kompostierungsprozess. Und da braucht man relativ wenig. Und wenn das sehr aus dem Ruder gelaufen ist, dann braucht man auch mal 500 Kilo oder 300 Kilo für einen Hektar. Aber in der Regel sind dieses alles Substanzen, die langsam über Jahrzehnte wirken und die immer nur dann sinnvoll sind, wenn eine große Einseitigkeit des Standorts da ist.

Wenn ich eben auf einem granitischen Gestein bin, was wirklich hart ist und wo mein Boden immer wieder sehr sauer wird, dann brauche ich ein bisschen Kalk. Und ich werde nicht groß erfolgreich sein, wenn ich jetzt einen Kalk in Staub, staubfein gemahlen und gebrannt da drauf bringe. Dann erhebt sich erst mal ganz schnell mein pH-Wert, aber er fällt auch genauso schnell. Und das Einzige, was ich erzeuge, ist ein riesiges Ungleichgewicht und ein riesiges Durcheinander in all diesen Prozessen, die der Walter Sorms vorhin wunderbar angesprochen hat... die Zusammenhänge mit dem universalen Eiweißbildungsprozess des Bodens. Dieser Eiweißbildungsprozess des Bodens, der braucht das Mineralisch-Geologische in einer gewissen Harmonie, aber er kann auch mit sehr vielen Unterschiedlichkeiten zurechtkommen. Es geht also darum, sozusagen das, was dahinter ist... ein bisschen auszugleichen, damit es etwas harmonischer wird. Vieles kann das Leben dann selber organisieren. Und vieles von dem, was man dann da düngt, wie eben zum Beispiel einen Basalt oder einen kohlensauren Kalk, das sollte man in der Form düngen, dass man es durch die Lebensprozesse des Düngers und des Bodens hindurch erst gehen lässt. Ich würde gerne damit schon aufhören, zunächst mit dieser Stufe und weitergehen zu einer nächsten.

Und dieser Pflanzendünger, von dem ich jetzt zu sprechen habe, der ist ja dasjenige, was auch vorhin schon angesprochen worden ist, was das Allermeiste ausmacht in unseren Böden. Der Humus ist zu einem großen Teil das Ergebnis vergangenen pflanzlichen Lebens. Lernen wir, auf die Pflanzenwelt so zu schauen, dass wir uns erfreuen können an dem, was ist, jetzt gerade im Frühjahr, gerade bei den Sträuchern, Bäumen, Hecken und so weiter. Aber lernen wir auch, das, was nach unten gebildet wird und in der Erde verbleibt, mindestens genauso zu berücksichtigen. Denn das ist die Quelle allen weiteren Lebens. Das Leben hat diese unglaubliche Fähigkeit zu speichern, zu verdauern, in Ruhe zu kommen durch das, was die Grundpflanzenbewegung ist, die ist vorhin auch schon angesprochen worden, aus dem Licht werden diese zuckerartigen ersten Kohlenhydrateverbindungen gebildet, durchsichtig, süß und immer fester, immer fester, bis es richtig zum Holz wird. Und alles, was Holz ist und in der Erde ist, das ist für die lange Zeit, das ist für das, wo wir im Grunde genommen drauf wirtschaften. Und das ist das, was hier gemeint ist, hauptsächlich, das ist noch viel mehr.

Aber als allererstes... es sind vor allem das, worauf wir achten müssen, die Kohlenstoffprozesse in ihrem Verhältnis zum Stickstoff. Wir haben also bei allem, was an Pflanzen entsteht, wir werden das dann gleich nochmal in dem nächsten Schritt sehen, zu berücksichtigen, was bleibt, was ist sozusagen unsichtbar im Boden. Ich komme aus einem Betrieb, aus einem Lehr- und Versuchs... ja, besonderen Betrieb, wo ganz viel Züchtung passiert. Wir haben also seit über 30 Jahren nicht nur bei Gemüse, sondern eben auch bei Getreidezüchtung. Und Sie glauben gar nicht, was für ein unglaublicher Unterschied es ausmacht, wenn ein Getreide 10 Prozent mehr Wurzelwachstum erzeugen kann. Und ich kann Ihnen versichern, dass die letzten 100 Jahre das niemanden in der Züchtung interessiert hat. Rundherum auf dem ganzen Globus arbeiten wir mit Pflanzen, Getreidepflanzen, die bekanntlich die Hauptanbaumenge ausmachen, wo niemand mehr geguckt hat, wie ist das denn eigentlich mit dieser Seite, mit dieser Fruchtbarkeit für die nächste und übernächste Generation. Das ist völlig hinten runtergefallen, weil man die Pflanzen gestellt hat in eine Nährlösung hier unten unter dem Strich, wo das gar keine Rolle spielt, wie eigentlich Humus ab- und Humusaufbau funktioniert und wie ich in diesem Prozess jetzt die richtigen Pflanzen, die richtigen Selektionsvorgänge machen kann. Also ein riesiges Thema, was da gerade mal ganz, ganz anfänglich ist, schimmert sozusagen erst mal am Horizont, so muss man es sagen. Das ist noch gar nicht wirklich bearbeitet. Wir fangen damit gerade an an ein paar Orten auf der Welt, eine völlig andere Pflanzenzüchtung im Hinblick auch auf die Frage, wie entsteht Substanz für die Zukunft im Boden. Ein Gesichtspunkt, der wie gesagt 100 Jahre mindestens völlig hinten runterfiel.

Und Sie werden natürlich auch nachher sehen, dass wir in unseren Landwirtschaften immer mehr auch brauchen, gerade hier in dieser zweiten Ebene, das, was von den Bäumen kommt, das, was von den Sträuchern kommt. Man kann eigentlich heute schon sagen, ein zukünftiger Kompost, ein zukünftiger Dünger, eine zukünftige Kultivierung desjenigen, was düngend wirksam werden kann auf dem Acker, wird immer enthalten müssen, Pflanzliches, was auch schon auf dem Wege der Verholzung ist, um den schnell flüchtigen Stickstoff zu halten. Der Kohlenstoff hat die Fähigkeit, das Holzige, das in Dauer gekommene, das auf dem Wege zum Holzsein befindliche Pflanzliche hat die Fähigkeit, den Stickstoff, der schnell sich verliert, festzuhalten. Man kann also sagen, eine Landwirtschaft braucht Hecken, braucht Waldungen, braucht Sträucher, braucht Stängelartiges, was notwendig ist für die Düngung.

Und es schimmert jetzt so ein bisschen auf, dass es eine alte Weisheit gab in der Landwirtschaft. Und wenn man dann die Brüder Grimm hört, die ja nur aufgeschrieben haben, was man eben so jahrhundertelang erzählte... denken Sie nur, wie viele alte Frauen gehen da in den Wald und sammeln Reisig. Nicht jedes zweite Märchen fängt eigentlich so an. Und wofür braucht die denn das Reisig? Man denkt immer, die steckt das alles in den Ofen. Das ist gar nicht der Fall. Das Reisig war zum Einstreuen der Tiere, weil das Stroh viel zu wenig und viel zu gut war. Das war nämlich Futter. Also das, wovon wir heute träumen, ein Agroforsting, eine Integration der Bäume und Sträucher in die Landwirtschaft, in den Ackerbau, das gab es schon. Da dürfen wir uns nichts vormachen. Man hat es vielleicht nicht so gemacht und gebraucht, wie wir es heute brauchen. Aber ich will diesen Weg oder diese Richtung deutlich hier kurz andeuten.

Die Rolle des Tieres in der Landwirtschaft 00:29:12

Wir müssen weitergehen und wir kommen zu der dritten Stufe. Und das ist das, womit wir uns dann mehr zu beschäftigen haben. Alles, was mit den Tieren zu tun hat. Und da spielt es ja eine große Rolle, dass das, was von den Tieren kommt, eben etwas anderes ist. Das völlig anderes ist, als was die Pflanzen sind. Und auch wenn es von den Tieren kommt, die jetzt vielleicht nicht Raubtiere sind oder Fleischfresser sind, sondern Pflanzenfresser sind. Und gerade wenn es von Tieren kommt, die nicht nur Pflanzenfresser sind, sondern Wiederkäuer sind. Dann werden wir nachher auch noch weiter besprechen müssen, wie jetzt diese Pflanzensubstanz eine Veredelung, eine Veränderung, eine Neuschöpfung, muss man sagen, erfährt durch das Tier.

Und je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr kommt man zu dem, was Walter Sorms vorhin gesagt hat. Ohne die Tiere, ohne die Wiederkäuer können wir eigentlich nicht auf dem Niveau, was wir eigentlich wollen, wirklich eine langfristig fruchtbare Landwirtschaft machen. Und ohne die Tiere und ohne das, was mit den Wiederkäuern und dem Düngen zusammenhängt, können wir auch nicht die Qualitäten erzeugen, die eigentlich die Menschen dann auch wirklich nähren. Also es ist nicht nur ein Quantitätsgesichtspunkt hier, sondern es ist auch ein Qualitätsgesichtspunkt. Wir werden das immer wieder merken in der Zukunft, dass Pflanzenbau für den menschlichen Verzehr, für die menschliche Gesundheit und nicht nur die Ernährung, wirkliche Lebensmittel erst entstehen, wenn etwas mit diesem Pflanzenbau verbunden ist, was von den Tieren kommt. Und was das genau ist und wie das genau passiert, das soll dann im nächsten Schritt im Mittelpunkt stehen.

Und schlussendlich gibt es da noch etwas, was mit uns Menschen zu tun hat. Und da ist es sehr wichtig zu verstehen, dass es eben nicht unsere Ausscheidungen sind, sondern das, was vom Menschen als Dünger kommt, das ist nun etwas... das ist nun etwas, was zusammenhängt mit der Fähigkeit, die wir eben in der Landwirtschaft [haben], auf der die ganze Landwirtschaft aufruht, dass wir sie schöpfen. Das ist ein Kunstgebilde. Man hat diese Pappbücher für die Kinder, wo da so die Kühe Mu machen und so. Das ist immer so ganz schön, aber es ist auch ein furchtbares Klischee. Wir müssen eigenen Kindern viel mehr und immer deutlicher machen in der Zukunft: Das ist eine unglaubliche Kunstschöpfung des Menschen. Sie ist sehr labil, sie ist sehr jung, sie ist sehr fragil, die Landwirtschaft. Das ist nichts, was es einfach immer gegeben hat und immer geben wird und was so von sich aus und selber funktioniert. Gar nicht. Sondern die Landwirtschaft ist etwas, was nur durch und mit dem Menschen existiert und was in hohem Maße mit dem menschlichen Denken, Fühlen und Wollen zu tun hat und nur dadurch in einer richtigen Harmonie entstehen kann.

Und wir sind hier in diesem Haus und ich möchte hier durchaus sagen, in dieser wunderbaren Formulierung, wie Joseph Beuys sie oft gebraucht hat, auch in den höheren Formen des Denkens liegt vieles, was wir brauchen für die Zukunft dieser Kunst. Ich meine alles das, was über das Alltagsdenken hinausgeht. Ich meine diese Fähigkeit, in eine Bilderwelt zu kommen, die uns etwas näher an das Wesen der Dinge, der Lebenszusammenhänge der Landwirtschaft bringt. Ich meine die Fähigkeit, in die Zusammenhänge selber hineinzukommen im Denken und ich meine die Fähigkeit, die man Intuition nennen kann, im Tun zu merken, worauf es ankommt. Das sei hier am Rand erwähnt.

Ich möchte jetzt weitergehen. Der Mensch als die Grundlage der Landwirtschaft und der Mensch auch gleichzeitig als der Gestalter der Landwirtschaft und der Mensch ist natürlich auch das große Problem der Landwirtschaft und unserer Kultur. Ja, vielleicht das so, um vier Stufen der Düngung zu haben, und vielleicht kann man auch für denjenigen, dem das hier zu viel war, noch das in ein Bild packen. Man würde das vielleicht, was ich jetzt mühsam mit irgendwie mitteleuropäischen Worten versucht habe, an sie heranzureden. Der Südamerikaner würde einfach sagen, ach, der meint, dass der Schritt des Herren düngt den Acker. Das ist ein Sprichwort aus Brasilien. Der Schritt des Herren, der Schritt des Menschen, der Schritt dessen, der sich in Verantwortung verbindet, der hat düngenden Charakter. Damit sieht man schon, da gibt es einen ganz anderen Düngungsbegriff, als um das Hinschaffen von irgendwelchen Molekülen oder Atomen oder sonst irgendwas. Ja, einmal durchschnaufen.

Der Ackerbau: Hackfrüchte und das Element der Zeit 00:35:05

Jetzt kommen wir zu dem, was ist die Landwirtschaft eigentlich? Wir haben schon gesprochen über das Getreide. Wir haben schon gesprochen über den Klee und das Kleegras und das Futter. Und wir haben noch nicht gesprochen über die Hackfrucht, über das Gemüse, über die Kartoffel, über den Mangold, die Möhre oder oder oder. Und wir haben gesprochen über das 19. Jahrhundert und wir haben gesehen, wie sich in dem 19. Jahrhundert in der Landwirtschaft alles ändert. Und ich habe vielleicht nicht gut genug deutlich gemacht, dass auch im 19. Jahrhundert etwas begonnen hat, was jetzt hier dann langsam wesentlich wird. Und was heute ganz normal ist, dass alles das, was nicht Getreide ist und was nicht Futter ist, was eben Gemüse ist, in allen Variationen auf dem Acker stattfindet.

Wenn Sie das vor 200 Jahren, 220 Jahren jemand gesagt hätten, der hätte so gemacht: Man kann doch keine Gemüse auf dem Acker anbauen. Das gehört doch in unseren Garten. Und im Garten war alles immer anders. Da kam der Mist hin. Da hat man wirklich gesorgt. Da haben die Frauen, die meistens viel weiser und viel pfiffiger waren als die Männer, die haben dafür gesorgt, dass es da fruchtbar war. Und wir haben gerade am Dottenfelderhof einen Garten, man kann sagen einen Klostergarten. Da ist der Oberboden... er hat vorhin immer von den 25 Zentimetern gesprochen, hätte ich sagen müssen. Nein, nein, stopp, kommt zu uns. 80 Zentimeter, Meter 20, bester humoser Boden. Wenn man den einschickt an konventionelle Institute, sagen die: Bloß nichts düngen. Der ist hochgradig für alles... als Acker nicht, wäre der hochgradig für alles ausreichend. Also ich will damit sagen, es gibt die Welt des Gartens, von der haben wir heute kaum noch eine Ahnung und man spürt es... man muss nur in die Buchhandlung gehen, da merkt man, es gibt ein großes Bedürfnis danach. Gärtnerbücher, da kann man scheinbar richtig ein Geschäft mitmachen. Und es wird sicher auch in Ihnen schlummern, das Bedürfnis täglich sozusagen pflegend in so einem Garten zu sein, für das Wasser zu sorgen, ja sogar für die Wärme zu sorgen, Frühbeet und so weiter und so weiter.

Und alles das ist im 19. Jahrhundert im Grunde genommen zu Ende gewesen. Man hat das rausgebracht in die Feldflur und es hat angefangen mit der Kartoffel und weil die Preußen auf den Böden, wo sich das eigentlich ganz gut eignet, auf den Sandböden, weil die das nicht richtig gemacht haben, dann kam eben auch die Obrigkeit und hat kontrolliert und wer nicht genügend Kartoffeln angebaut hat, hat kräftig Ärger gekriegt. Man hat das mit Gewalt getan. Das Heraussetzen der Kulturen aus dem Garten in den Acker. Als hätte man schon gewusst, was dann alles möglich wird, Mechanisierung und so weiter und die Rumänen, die es dann pflegen und so weiter und so weiter. Also da passiert auch wahnsinnig viel Leid. Man darf heute eigentlich gar nicht wissen, was hinter einer Tomatendose so dahinter steckt, wenn man die auf die Pizza tut. Und nach Süditalien brauchen wir noch nicht mal außerhalb der EG zu gucken. Der EU.

Also ja, ich kann das jetzt, darf das jetzt nicht hier vertiefen, sonst fehlt uns die Zeit. Wir müssen also auch das behandeln, was ist eigentlich der Hackfruchtbau, so nennt man den dann im Ackerbau. Was bedeutet das eigentlich? Dass wir die Gärten aufgehört haben und das auf die Äcker verlegt haben. Das ist eine unumkehrbare Sache. Die meisten Gemüse werden heute dort erzeugt und das hat auch seine Richtigkeit, aber es hat auch seine Probleme und die müssen wir gut angucken.

Und jetzt kommen wir zu etwas, was Ihnen vielleicht schwerfällt, aber ohne das man von der Landwirtschaft eigentlich gar nichts verstehen kann und schon gar nicht von der Ökologie. Landwirtschaft, Leben überhaupt, ist immer Zeit. Und zwar wichtiger als Raum. Wenn ich nicht richtig in der Zeit bin mit meinen Arbeiten, dann kann ich auf dem tollsten Boden mit dem besten Saatgut, mit den tollsten Maschinen eigentlich nichts groß erreichen. Also jemand, der gut ist in der Landwirtschaft, da staunt man oft. Ich habe das große Glück, mit meinen Studenten viel rumzufahren und mir Betriebe anzuschauen. Und manchmal kommt man auf einen Hof und da sind eigentlich alles alte, klappernde, kaputte Maschinen. Die sind nicht toll. Die kann man schon benutzen, aber die sind eigentlich... die anderen würden die wegtun. Und die Böden sind auch nicht so toll. Und es ist vielleicht auch ein Klima, was gar nicht so toll ist, wo es lange Hitze- und Trockenheitsperioden gibt oder so. Aber da wird gut geerntet und das Vieh sieht gut aus und der Käse schmeckt gut und so weiter.

Und dann redet man und hört und geht rum mit dem Landwirt und so. Und dann merkt man, das ist jemand, der ist ganz drinnen in seinen Prozessen. Der weiß, wann er aussät, damit er mit der Feuchtigkeit optimal das, was möglich ist, zum Wachsen bringt. Der weiß, wie er mit seinem knappen Dünger richtig wirtschaftet. Der weiß, welche Früchte er verkaufen kann und wie viel und wann er es in den Betrieb drinnen halten muss. Und alles das kann nur passieren über das Bewusstsein in der Zeit. Das heißt, wir haben es hier nicht nur mit einer Kunst zu tun, sondern wir haben es mit einer Kunst zu tun, die vor allem das Zeitelement zu berücksichtigen hat.

Und bei diesem Zeitelement kann man sagen, man muss etwas zu früh anfangen, damit man zu spät aufhört. Das ist ein typischer Spruch in der Landwirtschaft. Man muss etwas ein bisschen zu früh anfangen und man weiß genau, das dauert dann vier, fünf, sechs, sieben Tage. Und dann ist es schon wieder ein bisschen zu spät. Kommen Sie mit? Also dieses Gefühl, das ist so wie ein Musiker, dem brauche ich auch nichts von einem Sieben-Achtel-Takt erzählen oder so. Das weiß der einfach. Das hat der im Urin, wie das jetzt geht. Und so ist das für uns auch. Wir wissen bei bestimmten Arbeiten im Jahr genau, wir wollen jetzt... das kribbelt dann, wir müssen jetzt los. Und eigentlich ist es noch zu früh, aber wir wissen, das dauert. Und unter Umständen geht uns nochmal die Maschine kaputt und dann dauert es noch zwei Tage länger. Dann wird es schon von selber zu spät. Also dieses in der Zeit sein, *just in time*, das macht ganz viel aus.

Der Stoffkreislauf im landwirtschaftlichen Organismus 00:42:04

Und jetzt möchte ich Ihnen skizzieren etwas, was vielleicht ein Anbau einer Kultur sein soll. Und da haben wir hier die Saat und hier die Entwicklung z.B. eines Getreides. Das fängt jetzt an und wurzelt hier und wächst weiter. Zwei-Blatt-Stadium und wurzelt tiefer und ist jetzt schon bei einer Meter Tiefe. Dann bestockt das eine wunderbare Sache und macht jetzt nochmal ganz neue, ganz kräftige Wurzeln. Und dann schießt es in die Höhe. Jetzt muss ich sozusagen kleiner zeichnen. Dann haben wir hier schon... sehen wir plötzlich schon eine Ähre hervorkommen. Und da ist aber noch gar nichts drin. Das schießt und ist noch gar nicht gefüllt. Und die Wurzel ist mächtig und riesig und tief. Und dann kommt der Moment, wo diese Pflanze blüht. Und zum Zeitpunkt der Blüte ist sie am allergrößten, ist sie am allermächtigsten mit ihrer Wurzel.

Und jetzt kommt die Reife und die Reifung dieser Getreidepflanzen. Es ist bei jeder ein bisschen anders. Ich verallgemeinere Ihnen das jetzt hier etwas. Die Reifung bedeutet jetzt wirklich nur noch eine Reifung und nicht mehr eine Neubildung. Und Sie kennen das ganz genau. Die Pflanzen werden von unten her tot. Unten wird es gelb-braun. Plötzlich können Sie einem Acker, wo Sie immer wieder vorbeispaziert sind, gucken Sie unten rein auf den Boden. Das haben Sie vorher gar nicht getan. So nach Johanni fängt das an, dass die von unten plötzlich heller, heller werden. Und zum Schluss ist noch an der Ähre oben, die Spelze, die ist noch ein bisschen grün. Eine wunderbare Sache. Diese Pflanze tut in ihrem zweiten Vorgang alles, was sie gebildet hat, nochmal umwandeln und schafft es in die Ähre, in das Korn hinein. Die Kornfüllung, der Korninhalt, das, was wir eigentlich als unser täglich Brot oder als unsere Spaghetti, als unsere Nudeln und so weiter essen, das ist nichts anderes als umgewandelte grüne Pflanzensubstanz aus dem Frühjahr. Das soll hier jetzt dieser Bogen, das soll der jetzt symbolisieren. Ich will da gar nicht tiefer drauf eingehen.

Und nun kommt man in einem nächsten... wir sind ja... wir versuchen in die Zeit reinzukommen. Jetzt kommt man in einen nächsten Prozess und da hat man dann hier eine Bodenbearbeitung und hat wieder lockeren Boden. Das kann ich Ihnen alles jetzt gar nicht im Detail [erklären], Sie wollen ja auch nicht an einem Abend hier Landwirt werden. Jetzt kommen wir zu etwas ganz Merkwürdigem, nämlich diesen Klee, den ich jetzt hier schlecht zeichne, aber Sie können sich den schon vorstellen. Also das soll hier alles der Klee sein und der wurzelt jetzt auch wieder wunderbar und wir sind jetzt schon im nächsten Jahr und jetzt passiert etwas sehr Merkwürdiges. Ich muss vielleicht hier noch mal eine Kleepflanze hinzeichnen, damit Sie nicht denken, da wäre nichts.

Es geht nicht um einen Jahreslauf, den ich hier zeichne, es ist etwas Abstrahiertes. Sie werden das ja schon gemerkt haben, es geht um das Grundsätzliche. Wir beschreiben jetzt nicht die Fruchtfolge oder so etwas von einem Hof, sondern es geht um etwas ganz Grundsätzliches und es modifiziert sich in jedem Hof und es kann sich auch in einem Hof nach 20 Jahren wieder modifizieren. Es geht um das Prinzip Getreidebau, Futterbau, Klee, Gras, gemeinsam mit Gras und das landet wo? Haben wir schon besprochen, nicht im Naturkostladen, nicht im Naturkostgroßhandel, nicht sonst wo, sondern bleibt in dem Hof.

Jetzt auf einmal wird interessant, wo kommt denn was hin? Hier ist es so, ja da kommt hier oben, geht was raus von der Ähre. Das ist das Korn, das verlässt den Hof. Jedenfalls ein Teil davon, das wird Brot. Das wird zum Glück kein Brot hier, das nehmen wir mal hier schön mit, das brauchen wir noch, das Stroh. Das sind nämlich die Halme und die Blätter. Und gesprochen haben wir ausgiebig darüber, die zweite Hälfte der Pflanze, die zum Glück noch keine Maschine aus dem Boden rausholen kann, bleibt im Hof. Drei Ernten. Nie mehr vergessen, beim Getreide erntet man dreimal. Eine Hälfte sieht man gar nicht. Die bleibt zum Glück immer im Hof und die kann auch der noch so modernste Landwirt nicht noch verkaufen. Die zweite Hälfte, das Stroh und das Korn bilden ungefähr gleiche Teile. Die eine Hälfte bleibt im Hof, die andere Hälfte ist wirklich das, was verkauft wird. Und davon auch nicht alles, da bleiben noch die Spelzen, da bleibt das Kümmerkorn, das kann man auch noch füttern und so weiter.

Jetzt sind wir bei dem Klee. Also das mag hier das Getreide sein und das mag hier der Klee sein. Und der kann auch zwei und drei Jahre stehen und das gibt auch Regionen, da ist es vielleicht nicht der Klee, sondern da ist es die Luzerne. Und es ist sehr gut, es zu kombinieren mit Gras und so weiter. Das sind jetzt alles Details. Und jetzt verlässt das nicht den Hof, sondern jetzt kommt diese merkwürdige Schleife, kann man sagen, die vorhin der Walter Sorms schon beschrieben hat. Jetzt geht es durch die Tiere hindurch.

Und das, was hier passiert, was das eigentlich ist, das ist ein großes Rätsel. Was ist das Tierwesen eigentlich? Man könnte sagen, ja, 22 Stunden ist das Futter in der Kuh und dann kommt es wieder raus. Was macht der denn jetzt so für ein Pinschen da drum? Ja, ist doch schön, wenn wir ein paar Kühe haben und ein bisschen Milcheiweiß und ein bisschen Fleisch und macht doch jetzt nicht so ein Theater. Aber das ist es. Darum geht es. Was passiert denn da? Das ist die zentrale Frage, die ich heute besprechen möchte. Was da passiert?

Ich mache aber vorher in dem Kreis noch zu Ende, dass man es gut verstehen kann. Wenn es da wieder herauskommt aus dem Tier, dann kann es gut sein, dass wir da Komposthaufen machen und in diesen Komposthaufen das schön veredeln und diese Komposthaufen auch irgendwie mit einer Abdeckung versehen oder dann mal umsetzen oder dass wir es relativ schnell verbrauchen. Jedenfalls ist hier wieder der Mensch gefragt mit Kultur, mit Pflege. Übrigens ist das auch vielen Biodynamikern... hier ist ja kein Biodynamiker, kein Landwirt, da kann ich ganz offen sprechen. Das ist vielen Landwirten gar nicht klar. Überhaupt nicht. Dass man jetzt noch pflegen muss... man muss ja schon die Tiere pflegen, muss den Acker pflegen, aber dass man jetzt den Dünger auch noch pflegen muss, das ist schon wirklich eine große Herausforderung und Sie sehen an allem, was ich hier schildere, was das für ein wahnsinnig anstrengender Beruf ist. In jeder Hinsicht anders. Wer ist die Autorität, ob ich eine dicke oder eine dünne Miete machen muss, ob ich viel Stroh brauche oder wenig, ob ich dreimal wende, ob ich Erde dazu tue oder nicht? Die Autorität, die das sagt, ist nicht irgendein Buch und irgendeine Kompostschule, der ich angehöre, sondern mein Betrieb, meine Bedingungen. Ich muss hier lernen, was am besten ist für diesen Hof und das ist auch nicht für alle Zeit und immer gültig, sondern das hängt ganz stark davon ab, was ich da anbaue und wie viel das in den Teilen ist und wo ich diesen Dünger verwende.

Jetzt sind wir richtig da, danke für diese Frage. Jetzt sind wir da, wo ich hin will. Düngung ist der Höhepunkt dieser Kunst. Die Düngung ist das Eigentliche, von dem wir gar keine Ahnung haben. Mit der Düngung tun wir eben etwas bereiten, was die eigentliche Dauerfruchtbarkeit der Sache ausmacht. Wir müssen jetzt hier das zusammenbringen mit der nächsten Kultur, haben das hier reingebracht und haben jetzt hier vielleicht lauter Dämme. Kommen Sie mit? Und in diesen Dämmen, da sind jetzt schon unsere Kartoffeln drin oder unsere Möhren oder, oder, oder. Und das heißt, wir haben es jetzt hier zu tun mit dem Gemüse. Wir haben es hier zu tun mit der Hackfrucht. Das seien jetzt hier mal Möhren, wir können auch ein paar Kartoffeln andeuten, ist eigentlich egal. Starkzehrer, die wenig Wurzel machen, die in kurzer Zeit wachsen, von denen ganz viel meinen Hof verlässt. Wird Ihnen jetzt was deutlich? Dies ist das Gegenteil von dem hier. Dann können wir noch ein bisschen Grün machen hier.

Also hier haben wir diese Situation, Substanzbildung, die in dem Hof bleibt. Und nicht nur oberirdisch dieses Blatt und Halm des Grases und des Klees, sondern unterirdisch noch diese Stickstoffbindung hier mit den kleinen roten oder rosanen, violetten Knöllchen. Und hier bei der Hackfrucht, bei dem Gemüse, da verlässt jetzt viel den Hof. Und wo die Böden ganz schwach sind von Natur aus, wo es flachgründig ist, wo die Bedingungen ganz schlecht sind, da kann man auch keine Hackfrucht anbauen. Und wo die Bedingungen gut sind, da kann man ein bisschen mehr Hackfrucht anbauen. Aber, jetzt darf der Walter gar nicht genau zuhören, man übertreibt es sehr schnell mit der Menge der Hackfrucht. Da habe ich so meine Fragen bei denen. Was macht denn die Hackfrucht, wenn da so viel rausgeht aus dem Betrieb? Das klingelt in der Kasse. Mit der Hackfrucht hat man viel Einnahmen.

Wir sprechen ja die ganze Zeit über die Ökonomie, die innere und die äußere. Vorhin haben wir von der äußeren Ökonomie und den Problemen gehört. Hier beschäftigen wir uns mit einer inneren Ökonomie zunächst, die in diesem landwirtschaftlichen Organismus wirkt und waltet. Und wenn wir von der nichts verstehen, brauchen wir auch keine Landwirtschaft machen. Wenn wir die Landwirtschaft nach der äußeren Ökonomie innen drinne machen, ist ganz klar, dass das zu Ende geht. Wenn wir nach der inneren landwirtschaftlichen Ökonomie Vorbilder übertragen, transferieren in unsere heutigen Wirtschaftsverhältnisse, dann könnte da manches Interessante bei rauskommen. Das ist jetzt mehr so ein Nebenast. Ich muss jetzt hier an der Sache eigentlich dranbleiben. Ganz schlecht. Lieber aufschreiben, wenn es geht. Weil ich muss jetzt einfach einmal rumkommen und dann kommen wir ins Gespräch.

Hier ist dann irgendwann zum Glück auch wieder Schluss. Und in der Regel kann man sagen, hier haben wir vielleicht 50% unserer Früchte Getreide. Das können auch 60% sein oder sowas. Hier haben wir vielleicht 20-30% unserer Früchte von dem Futterbau. Und jetzt sehen Sie schon, 20% ist schon viel. 25% ist extrem viel. Da sind wir schon auf ganz tollen Böden. Auf jungen Böden in Holland, die dann vielleicht gerade noch ihren Humusgehalt halten können. Wenn das jedes dritte Jahr wird, wenn das jedes zweite Jahr wird, dann kommt man in so Verhältnisse, wo ich herkomme. Ich komme vom Dottenfelderhof, das ist eine wunderbare, fruchtbare Lössebene. Und da hat man 100 Jahre Zuckerrübenanbau gemacht. Jedes zweite Jahr. Da hatte man ein Gleis, wo die Zuckerrüben abgeladen werden konnten, wie von jedem zweiten Jahr. Und als man das 100 Jahre gemacht hat, war überall der Humus besser als auf diesem Dottenfelderhof. Es war eine Domäne, die sollte vormachen für die Landwirtschaft im Allgemeinen, was moderne Landwirtschaft ist. Und man muss sagen, es war eigentlich das Ende. Und es hat 50 Jahre gedauert, dass man mit dem Humus und den ganzen Prozessen unter guten Erträgen jetzt wieder da ist, wo man vielleicht schon mal war. Also uns unterscheidet noch viel von den Humusverhältnissen, von denen der Walter vorhin erzählt hat. Das liegt auch an der Fruchtbarkeit, an der Umsetzung und so weiter. Also wir sehen, wie das Ganze ungefähr funktioniert. Und wir können vielleicht hier mal schreiben, 15 bis 25, Walter, würdest du da noch mitgehen? 25 Prozent heißt jedes vierte Jahr Hackfrucht. Das ist schon sehr, sehr viel. Aber wir haben jedes sechste, 16 Prozent und wissen, dabei geht es langsam bergauf. Hier ist der Verbrauch. Hier geht am meisten raus aus dem Hof. Jetzt haben wir das so vor uns.

Das Tier als Wahrnehmungsorgan für den Hof 00:56:32

Und jetzt kommen wir wieder zurück zu unserer eigentlichen Frage, was passiert hier? Und da muss man sich jetzt klar werden, dass wir nun mit dem Humus und den Prozessen im Tier zu tun haben. Und was passiert da eigentlich? Jetzt kommen wir hier zu dem und wir kommen zu dem, wie wir das eigentlich machen, was wir da tun? Weil wir müssen diese Tiere... die gibt es überhaupt nur durch uns Menschen. Glauben Sie bloß nicht, das ist eine Ziege, ein Schaf, eine Kuh, gäbe ein Kamel ohne den Menschen. Das sind Haustiere im allergrößten Maße und das sind Geschöpfe, das sind Kulturtaten des Menschen. Und was tun die den ganzen Tag? Was machen die den ganzen Tag? Gerade die Wiederkäuer. Verdauen, verdauen, verdauen. Und wenn sie acht Stunden von 24 Stunden, das ist ein bisschen unterbrochen, aber wenn man zusammenzählt, dann sind sie ungefähr acht Stunden von 24 Stunden am Fressen. Dann kommen acht Stunden Wiederkauen. Und dann sind die letzten acht Stunden Ruhen. Eigentlich dreht sich alles immer um Fressen und Verdauen.

Und diese Tätigkeit, wenn man da so hinkommt und so ein Schaf da liegt und kaut und man tritt so ein bisschen zu nah, gucken die einmal so. Was passiert da? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Was passiert in diesen Tieren? Diese Tiere haben ständig eine Wahrnehmung und die genießen sie auch von dem, wo dieses Futter herkommt. Wenn sie gut gehalten werden, wenn sie gut gepflegt sind. Das heißt, wenn sie eine Berührung haben, einen Kontakt, eine Wahrnehmung, einen Zusammenhang bilden können mit der Welt, die diese Pflanzen hervorgebracht hat. Und zwar diese jetzt in diesem Hof und in diesem Jahr bei diesem Aufwuchs.

Und das nennt man Weidegang. Eigentlich sehr abstrakt, eigentlich ein blödes Wort. Das klingt so, als würde man ja die Kühe auf die Weide lassen oder so. Das stimmt ja auch. Wir lassen natürlich die Kühe auf die Weide. Aber es ist ein viel, viel tieferer Vorgang. Und darauf möchte ich eigentlich heute in der Hauptsache hinweisen. Man kann nichts, aber auch gar nichts von dem Humus verstehen, wenn man diesen Prozess nicht versteht. Das ist hauptsächlich ein Stoffwechselvorgang. Aber gleichzeitig ist es ein Wahrnehmungsvorgang. Und dieser Wahrnehmungsvorgang, eine Wahrnehmung, worauf bezieht die sich? Auf die Welt, in der dieses Futter gewachsen ist. Was nehmen die Tiere denn da eigentlich wahr? Ja, das schmeckt. Irgendwann ist es auch mal ausgeschmeckt. So interessant ist das auch nicht, dass man ein ganzes Leben damit zubringen kann. Genau. Ein nach innen gerichteter Geschmack.

Und das heißt, sie genießen die Kräfte. Sie genießen dasjenige, was bei diesem Wachstum maßgeblich war. War es trocken, war es feucht. War es warm, war es kühl. War es zu Anfang Wärme und die sind losgewachsen. Dann ist es ein bisschen gestoppt, weil es kühler wurde. Und dann wurde es wieder feuchter und so weiter. Und jetzt bildet sich dieser Löwenzahn ein bisschen anders. Und dieses Knaulgras wieder ein bisschen anders. Und dieser Klee und so weiter.

Und das heißt, und das möchte ich wirklich ganz, ganz massiv unterstützen oder ganz massiv rausholen. Wir können das Ganze nur betreiben, wenn wir wirklich den Tieren eine Wahrnehmung ermöglichen. Und zwar nicht eine Wahrnehmung, wie wir sie gerne haben. Heute fahren wir mal an Bodensee und morgen fahren wir mal da und dahin. Sondern eine Wahrnehmung von dem, womit sie eigentlich die ganze Zeit zu tun haben, dem Stoffwechsel. Und aus dem diese Pflanzensubstanz entstanden ist. Das heißt, die brauchen eigentlich das, was wir nicht sehen an den Pflanzen. Das verarbeiten die. Die Bedingungen, die dieses Pflanzenwachstum jetzt ermöglicht haben.

Und das ist schon eine sehr geheimnisvolle Sache, die man eigentlich ohne die Anthroposophie überhaupt gar nicht verstehen kann. Die Pflanze bildet sich jedes Jahr, jeden Aufwuchs, jeden Moment an jedem Standort anders. Nämlich sie ist Abbild der Bedingungen, die da herrschen. Und die Art, wie sie diese Bedingungen in ihre Substanzbildung mit hineinprägt, die holt das Tier hervor. Die genießt das Tier. Und ohne diese Wahrnehmung funktioniert das Ganze auf Dauer nicht. Das heißt, das Humuszentrum ist auch immer damit beschäftigt, genau dieses Geheimnis weiter zu bearbeiten. Jeder Landwirt ist eigentlich damit beschäftigt, an diesem Geheimnis, an dieser außerordentlich schwierigen Sache, für uns so grobklotzige Materialisten, weiterzuarbeiten. Das besser und besser zu verstehen.

Und eins ist ganz klar. Wenn ich sage, ach, das brauche ich doch nicht so viel. Ich mache das ein bisschen kleiner und ich kann aber gut viel verkaufen. Ich mache das ein bisschen größer, die Tiere. Und ich hole mir noch ein bisschen Futter von da und ein bisschen Futter von da. Dann können diese Tiere das gar nicht machen. Sie haben nämlich eine Wahrnehmung, die eigentlich eine Verarschung ist. Sie kriegen eine Wahrnehmung von etwas, was gar nicht zu ihrem Hof gehört. Jetzt kapiert man auf einmal, warum diese Biodynamiker da so drauf rumreiten, dass das Futter aus dem eigenen Hof kommt. Das ist nicht, weil da vielleicht irgendwelche Pestizide dran sind oder so. Das ist es natürlich auch. Aber das Entscheidende ist, wir wollen die Tiere in Bezug auf die Kräfte, die das Wachsen der Pflanzen ermöglicht haben, die in diesem Wachstum geronnen sind, wie könnte man es noch ausdrücken? Wir wollen den Tieren die Wahrnehmung der Gestaltbildung der Pflanze ihres Hofes geben und nicht eines anderen, weil die Qualität ihrer Ausscheidung davon geprägt ist.

Jetzt müsst ihr mir das so rumgeben und wiederholen lassen. Das erspare ich Ihnen jetzt. Ich versuche es noch einmal kurz zu wiederholen. Die Tiere sind etwas anderes als Maschinen. Darüber sind Sie sich sofort sicher. Ich bin in China gewesen und habe da für den biodynamischen Landbau viermal Seminar gemacht. Irgendwann kam ein Professor zu mir nach einem Vortrag und hat gesagt, das sei ja interessant, aber man könne das vielleicht auch technisch lösen mit diesen Tieren. Und ob ich denn nicht mit ihm morgen mitfliegen würde in eine ganz andere Stadt, weil da hätte er diese Maschine in seinem Labor schon am Laufen. Wo er sozusagen diesen Bioreaktor macht, in dem Kohlenstoff und Stickstoff ganz geschickt mit bestimmten Enzymen und so weiter verbunden werden aus Pflanzenmassen. Mir war natürlich sofort klar, das kann nie funktionieren, weil genau das fehlt. Die Wahrnehmung der Bedingungen, in denen die Pflanzen gewachsen sind, die innerlich genossen, die innerlich verarbeitet werden und die jetzt dem aufgeprägt werden, was das Tier verlässt.

Das wollte ich heute in den Mittelpunkt stellen der Darstellung und wollte Ihnen damit zeigen, warum ist diese Landwirtschaft so aufwendig, so schwierig und warum ist dieses Durchgehen durch das Tier, was ja noch sehr abstrakt und sehr komisch eigentlich hier geschildert ist, warum eigentlich eben das Pflegen der Tiere so entscheidend ist und wir gar nicht einen schönen Gemüsebau, einen guten Getreidebau haben können auf Dauer, ohne das Pflegen der Tierwesenheit. Und ich bin natürlich insofern sehr, sehr dankbar, dass morgen die Kollegin Mechthild hier sprechen wird, weil sie ja eine Frau ist, die wirklich sich um die Tiere und um die besseren Verhältnisse der Tiere kümmert und sie davon auch einen Eindruck kriegen. Ja, jetzt können wir diese Fragen bearbeiten.

Frage zur Bodenbeobachtung und Bodengare 01:06:11

Publikum: Also einfach zur Kontrolle, dass ich ein Gefühl von meinem Boden kriege, wie häufig nimmt so ein Landwirt dann eine Probe aus dem Boden, damit er lernt, weil es einmal reicht, wenn die das im falschen Zeitpunkt nehmen, dann ist ja sozusagen die Energie aus dem Boden draußen. Also muss ich das mehrfach übers Jahr machen oder vor der Ernte, nach der Ernte. Wie sieht der Lernprozess da aus für so einen Landwirt?

Martin von Mackensen: Tolle Frage. Hat jeder die Frage verstanden? Soll ich die nochmal wiederholen? Also er fragt danach, wie lernt ein Landwirt, ich sag's mal ganz einfach, seinen Boden zu lieben oder ein bisschen konkreter, seinen Boden richtig zu beurteilen. Und das ist wirklich schwierig und das ist noch schwieriger als die Tiere und noch schwieriger als die Pflanzen, weil die offenbaren relativ vieles freiwillig, das sieht man sehr schnell. Beim Boden dauert das immer. Immer dann, wenn der Boden so geschädigt ist, so verändert ist, dass man es sieht, ist es viel zu spät.

Das heißt, meine Arbeit, ich muss ja jungen Leuten das beibringen, die besteht darin, täglich mit ihnen Rundgänge zu machen, von März bis November, täglich Boden in der Hand zu haben, täglich dieses Verhältnis von Wurzel und Pflanze zu bestaunen und zu gucken und täglich sich zu wundern und zu freuen. Und dabei jetzt langsam zu merken, da gibt es eine Ebene, die hängt einfach mit physischen Bedingungen zusammen, nämlich wie gut halten die Teile zusammen. Vorhin haben wir das gehört, da müsste man eigentlich noch sagen, ja die Hälfte des Bodens ist gar nicht Boden, sondern die ist Luft oder Wasser, die ist Porigkeit. Und diese Porigkeit, die macht eigentlich die Musik, die ist es eigentlich. Kann der Boden gut atmen, kann der Boden gut, auch nicht zu viel atmen, kann der Boden gutes Wasser halten, haben wir vorhin auch schon gehört. Das ist alles die physische, die räumliche Struktur, sagen wir Landwirte, oder Garezustand, wir haben so ein merkwürdiges Wort, was uns keiner übersetzen kann, wo immer wieder gefragt wird, was heißt das denn eigentlich, Bodengare. Das ist so ein geheimer Landwirtsbegriff, wo man sehr vieles zusammenpackt und weiß, dieser Boden ist jetzt in dem Zustand, er hat ja wirklich eine tolle Gare.

Aber die ist völlig anders unterm Getreide, die ist vollkommen anders unter dem Klee und die ist vollkommen anders, erst recht nochmal anders, unter den Hackfrüchten. Also es ist schon eine Wissenschaft für sich, schon allein nur die physische Seite.

Jetzt kommen wir zu der lebendigen Seite, die hängt mit dem Humus zusammen, die hängt mit dem Humusabbau und Aufbau zusammen, die hängt damit zusammen, wie viel Luft kann jetzt, wie viel Wärme, wo stehen wir im Jahresrhythmus und so weiter. Weil der Boden ist kein mikrobiologisches, chemisches Ding, was für sich abgeschlossen ist, sondern der Boden hängt ganz massiv mit der Sonne, mit dem Mond, bis zu den Fixsternen, mit den Prozessen zusammen. Es ist ganz merkwürdig, wo man sagen könnte, im Herbst und im Frühjahr gibt es gleiche Verhältnisse, da könnte der Boden doch gleich sein. Das ist überhaupt nicht der Fall. Im Frühjahr gibt es ein ganz stark abbauendes, in die Pflanzen übergehendes Leben, im Herbst gibt es ein Leben, was abstirbt und in den Boden hineingeht, obwohl die Verhältnisse, zum Beispiel Tagestemperatur, Sonnenscheindauer und so weiter ganz ähnlich sind. Also da gibt es einen geheimen Jahresrhythmus, der völlig anders ist als unser Jahresrhythmus. Das ist die Lebenszeit und so weiter und so weiter.

Also es ist wirklich keine einfache Sache, ein Bodengefühl zu entwickeln und dieses Bodengefühl sollte nicht nur dafür da sein, zur richtigen Zeit die richtige Kultur anzubauen, sondern die hängt natürlich damit zusammen, was ist denn jetzt eigentlich, wie muss denn für diesen Hof, für diesen Ort, für diese Kultur die richtige Düngung sein. Auf dem einen Hof muss man sagen, pack's zusammen, lass deinen wenigen Mist möglichst so und arbeite ihn sofort ein, das geht schon im Boden. Und auf dem anderen Betrieb muss man sagen, du musst richtig gute Kompostierung machen, wenn du mit den Böden vorankommen willst und so weiter. Es ist nichts verallgemeinerbar. Das ist wirklich eine Kunst.

Erstmal da hinten.

Wechselwirkung von Humuswirtschaft und Präparaten 01:10:51

Publikum: Ich wollte fragen, gibt es denn jetzt irgendwelche Wechselwirkungen zwischen der Humuswirtschaft und den Präparaten, im Besonderen die Ackerpräparate? Und vielleicht auch als Nachfrage, ja, so wäre es dann.

Martin von Mackensen: Also das habe ich jetzt ganz ausgespart absichtlich, weil das wirklich die Zeit vollkommen sprengen würde, aber natürlich gibt es da eine Wechselwirkung und die ist auch erheblich. Wir versuchen gerade mit diesen biologisch dynamischen Präparaten oder diesen Zubereitungen, er hat das vorhin sehr schön gesagt, der Walter Sorms, die wir Präparate nennen. Das sind ja Zubereitungen, die jetzt ganz besonders stark genau das benutzen, worüber wir die ganze Zeit gesprochen haben. Der Organismus, aus dem ein Futter zu Mist wird und nochmal wie rückgekoppelt wird durch die Hörner mit diesem Tierwesen und jetzt zu einem Dünger weiterverarbeitet wird durch weitere trickreiche Geschichten. Das ist pur, das enthält, was hier auch ist. Wir brauchen beides, das hat eine große Bedeutung, aber wir brauchen auch das andere, was sozusagen ordnend, regulierend nochmal auf einem anderen Niveau das Ganze, wie könnte man sagen, mitsteuert, mitführt, mitlenkt. Hilft Ihnen das? Also es ist pur das, wonach Sie fragen. Gerade. Das eine zieht, wie von oben und das andere stößt, wie von unten. So eine kurze Zusammenfassung, Rudolf Steiners.

Man kann das ganz gut nachdenken, man kann da eigentlich sehr gut mit reinkommen. Ich glaube nur nicht, dass unter uns so schnell einer ist, der es neu erfinden könnte. Also die Erfindung, muss man schon sagen, ist genial. Das Nachvollziehen, das Nachdenken, das Verstehen können, das braucht schon einiges, aber das kann man erreichen. Das kann man jetzt nicht an einem Nachmittag erreichen, aber das ist nichts Magisches.

Hatte sich da hinten schon ganz lange jemand gemeldet noch? Nein. Bitte?

Publikum: Ich habe nicht verstanden, wie wirkt sich das aus, wenn das Tier mit einem fremden Futter genährt wird?

Martin von Mackensen: Das Tier ist eben keine Maschine und schon, dass man sagt, das Tier wird damit genährt, das habe ich sicher auch so gesagt, ist eigentlich schon nicht richtig. Sondern was passiert ganz genau? Wir müssen genau gucken. Es ist auch eine Wissenschaft, die Landwirtschaft. Und da heißt es, genau hinschauen. Genau hinschauen. Und wenn man eine Kuh, ein Schaf, eine Ziege beim Fressen beobachten, das muss man oft machen und viele Stunden und zu verschiedenen Anlässen und bei verschiedenem Futter, oder ein Huhn, wie das frisst und so weiter, dann stellt man fest, dass das eine Beziehung ist. Da entsteht etwas.

Und ich kann das besonders deutlich für die Kühe beschreiben. Die Kuh geht raus und kommt in die Landschaft, da sind die Vögel über ihr, die übernehmen ein gewisses Verhältnis zu dem ganz Luftigen. Und sie konzentriert sich dann nach unten und dann wird einmal das umfasst und geschluckt und dann gibt es so einen Moment und dann geht es los. Oder es geht zwei Schritte weiter. Sie behaucht es und dann nimmt sie eigentlich, in dem wie das zurückkommt, auf ihr feuchtes Flotzmaul, nimmt sie wahr, wie das jetzt genau ist. Und nimmt sie es oder nimmt sie es nicht, das entscheidet sich dann.

Das heißt, wir haben eigentlich einen Vorgang zu berücksichtigen, wo wirklich eine Beziehung zwischen dem Tier und dem Futter entsteht, die ganz, ganz inniglich und ganz, ganz sensibel und ganz, ganz entscheidend ist. Und man kann schon sagen, die biodynamische Landwirtschaft ist die erste, die ganz klar sagt, einzig eigentlich auf der Welt, das ist genauso nährend für das Tier wie die Substanz. Die Beziehung zur Welt ist auch eine Nahrung wie die stoffliche Seite. Und das habe ich hier versucht mit den zwei Farben anzudeuten. Das ist nicht so, dass es auch noch nett ist für das Tier, dass es ein bisschen Wahrnehmung hat, sondern das ist auf Dauer genauso nährend, genauso wichtig wie die Stoffmenge, die Substanz selbst. Das sind zwei Dinge, die zusammen eine Ganzheit ergeben.

Und wenn ich jetzt ihm etwas gebe, wo es die Wahrnehmung gar nicht so hat, dann ist es eine ständige Verarschung. Ich hole das von da drüben und hier sind die Tiere halt in dem Hof. Hier gehen sie vielleicht auch sogar mal auf die Weide, das reicht vielleicht nicht und so weiter. Aber das Futter kommt zur Hälfte von wo ganz anders, ganz anderen Bedingungen. Dann störe ich diese innere Arbeit ständig und dann brauche ich mich nicht wundern, dass das, was da entsteht, nicht dieselbe Kraft hat in Bezug auf den Gesamtorganismus, der immer mehr eine Eigenheit, man könnte sagen eine Individualität werden will, weil die Tiere diese Wahrnehmung nicht haben.

Das ist eine sehr interessante Sache, die natürlich uns als Materialisten ziemlich... wir sind ja dann doch irgendwie ganz schön, hängen so ganz schön an den Stoffen dran, die uns da ganz schön beansprucht. Und ich kann vielleicht sagen, da gab es vor ungefähr zehn Jahren einen holländischen Versuch von holländischen Forschern und die hatten von Biodynamik und Anthroposophie gar keine Ahnung. Die hatten diesen Impuls, sie wollten nämlich überprüfen, wie düngend wirken die Exkremente der Tiere. Und da kamen sie zu dem merkwürdigen Verdacht, dass es da eine Rolle spielt, ob das Futter aus dem Betrieb kommt, in dem die Tiere sind oder nicht. Dann haben sie einen Systemversuch angestellt, haben zwei Höfe sozusagen, zwei Herden unterschiedlich gefüttert und haben dann gemerkt, dass in Bezug auf die Dünger, ja man könnte sagen, das was nachher an den Pflanzen qualitativ messbar ist, nicht so sehr die Menge, sondern die Qualität der Pflanzen, die dann aus der gedüngten Erde erwachsen, dass es da nicht um ein, zwei Prozent, sondern um 18, 20 Prozent bessere Verhältnisse gibt. Und das haben sie genannt Heimvorteil, Homefield Advantage. Also wer das nachgucken will, das findet man sofort im Internet. Eine sehr spannende Sache, dass die das irgendwie... die Holländer sind ja toll, die haben so ein Gefühl, da ist doch irgendwas. Und da haben sie das rausgekriegt.

Das hat uns natürlich sehr gefreut, aber ich meine, man kann das auch verstehen, in dem Moment, wo einem klar wird, was ist dieses Tier, dieses heilige, dieses unglaublich große Wesen, eines Wiederkäuers, einer Kuh, eines Schafs, einer Ziege, was ist das eigentlich von seinem Wesen und was kann das und wie toll ist es eigentlich.

Tierfreie Landwirtschaft und Resilienz 01:18:50

Publikum: Es gibt ja nun auch die Bestrebungen, oder Höfe, die tierfrei arbeiten oder das auch finden wollen. Würden Sie sagen, dass das auf Dauer nicht funktioniert oder was?

Martin von Mackensen: Ja, das ist ja sozusagen in gewisser Weise eine ganz einfache Zusammenfassung von dem, was ich jetzt hier anderthalb Stunden an Sie rangeschwätzt habe. Auf Dauer wird das nicht funktionieren, davon bin ich ganz sicher überzeugt. Diese Entwicklung der Landwirtschaft, wenn man die mehr studiert, das kann ich jetzt nicht ausführen, dann kommt man dazu, dass man merkt, durch die Tiere und insbesondere durch die Wiederkäuer, man kann aber auch sagen, durch die Vielheit der Tierwelt, kommt etwas, was eben mit dieser dritten Stufe zu tun hat, was mit Beziehung und Zusammenhang zu tun hat. Da geht es gar nicht um Substanzmengen. Also wenn Sie dem weiter nachgehen wollen, schreiben Sie sich hier noch dazu Beziehung und Zusammenhang. Das sehen Sie an der Biene, das sehen Sie an der Kuh, das sehen Sie am Regenbogen, das sehen Sie überall. Tiere schaffen Beziehungen und Zusammenhänge und das macht lebendige Organismen resilient, stabiler, gesünder, krisenfester, wie man das auch immer ausdrücken mag.

Alles braucht Beziehung und Zusammenhang, ist keine Maschine. Und das kommt von den Tieren und wir müssen denen unglaublich dankbar sein, weil die nichts anderes machen als Generation für Generation für diese Beziehung, für dieses Zusammenhängliche zu sorgen. So ein Regenwurm, der immer in seiner Röhre das Obere mit dem Unteren, wir sind ja heute hier mit dem Humus vor allem im Thema. Der Regenwurm verbindet eigentlich ständig den Unterboden, die Verhältnisse da ganz unten in 1,20 Meter mit dem oben auf der Erde. Nachts kommt er raus und legt da seine Praline hin, dann geht er wieder runter, zieht da noch gerade ein Hälmchen mit, ach dann macht er noch das zu, weil jetzt wird es wärmer. Wir müssten eigentlich mal die verstehen, dann könnten wir bessere Wettervorhersagen machen. Dann macht er das zu, dann kommt er zwei Wochen rum, bleibt er da unten, dann kommt er wieder hoch und dann sind da schöne, tolle Pilze auf diesem Halm gewachsen, dann frisst er die ab, nimmt die wieder mit runter, bringt er wieder frischen Ton von unten hoch. Unglaublich, alles Beziehung. Niemand hat den Auftrag erteilt.

Publikum: Obwohl natürlich der Regenwurm da auch eine Rolle spielt, ohne Frage. Aber halt eben nicht die Großtiere oder nicht die Wiederkäuer, sage ich mal, in der tierfreien Landwirtschaft.

Martin von Mackensen: Ja, ich will Ihnen ja sagen, dass es das gar nicht gibt. Das ist ja eine absolute Illusion. Man muss diesen Menschen sagen, ich kann euch total verstehen, ich kann euch total unterstützen, dass ihr diese Art von Tierhaltung, wie sie heute ist, nicht unterstützen wollt und dass ihr sagt, das Einzige, was hilft, ist nicht mitmachen, nicht essen. Ist ja richtig. Aber wenn ihr jetzt euch fragt, wie man eine Landwirtschaft dauerhaft machen kann, dann brauchen wir ein bisschen Tiere. Das ist im Verhältnis sehr, sehr wenig. Und man kann über jeden Vegetarier nur froh sein als Landwirt, weil wir so viele gute Tierprodukte gar nicht haben. Also das mäßige Essen von Fleisch ist dringend angesagt. Und wenn es Menschen gibt, die ganz ohne, das können sie auch super. Überhaupt nicht, da überhaupt nicht.

Aber meine Tochter ist Kinderärztin und die erlebt dann, wie das ist, wenn die Mütter mit den vegan ernährten Kindern mit zwei Jahren in die Praxis kommen. Ich will da gar nicht mehr ausformulieren. Da gibt es heute auch ein Pendel, das in die andere Richtung geht, wo man wirklich aufpassen muss. Unsere beste Kuhmilch ist eigentlich das, was wir... da denken wir eigentlich an die Kinder. Nach der Muttermilch. Das ist mal ein Stück Käse, Quark, Joghurt und so weiter. Das braucht man als stark wachsendes Kind. Wenn Erwachsener über die tierischen Produkte drüber rauskommt, ist das nur gut. Weil so viel Gute haben wir gar nicht. Ist das eine Antwort? Bitte?

Publikum: Könnte man ein Minimum einstellen von Wiederkäuern auf so eine Fläche Land? Also dass man einen Kompromiss macht.

Martin von Mackensen: Ja, das ist doch eine spannende Frage. Gibt es da vielleicht eine sinnvolle Untergrenze? Und die gibt es sicher. Und nach dem Vortrag müsste Ihnen schon klar sein, dass man die nicht im Allgemeinen, genauso wie eine Obergrenze, nicht im Allgemeinen formulieren kann. Sondern was ist die Autorität? Ich brauche nur so machen. Dann haben Sie wieder der Organismus, der Hof, die Verhältnisse. Wie viel baue ich zum Beispiel von dem an? Wenn ich davon richtig viel anbaue, dann brauche ich auch relativ viel Tiere. Wenn ich auf einem Standort bin, wo ich ab und zu ein bisschen Getreide mache und ein bisschen Futterbau mache, dann brauche ich ganz wenig Tiere und so weiter und so weiter. Wenn ich auf einem flachgründigen Standort bin, ist es wieder anders, wenn ich auf einem tiefgründigen Standort bin und so weiter. Also da gibt es keine allgemeine Formel, so gerne ich sie Ihnen geben würde. Ich muss Sie darauf hinweisen, der Hof ist die Autorität. Aber es ist richtig, in vielen, auch in vielen biodynamischen Betrieben werden viel zu viele Tiere gehalten und viel zu schlicht das, was man von ihnen hat, gepflegt. Würde man das besser pflegen, würde man das besser safen, würde man das heiliger halten, käme man mit viel weniger aus. Und das ist natürlich eine Frage für die Zukunft. Um es noch mal anders auszudrücken, wir brauchen die Information der Tiere für die Bodenfruchtbarkeit. Das Entscheidende ist nicht die Stofflichkeit, sondern Zusammenhang, Beziehung, Information.

Nein, nein, das habe ich ja eben gesagt. Habe ich ja eben gesagt, wenn man vernünftig damit umgeht, dann merkt man ganz schnell, so viel können wir gar nicht erzeugen, wie die Leute gerne haben wollen. Wir haben ja heute eine total verrückte Welt. Jetzt sind wir wieder bei der Ökonomie, wo man Tiere industriell hält, wie Maschinen. Und jetzt will ich gar nicht ins Detail gehen, um was man alles macht, damit die überhaupt genug Futter haben und wie man die füttert und wie alt die werden und so weiter. Das ist alles furchtbar. Das brauchen Sie... das muss ich Ihnen jetzt nicht erklären, das können Sie überall finden. Das ist total verrückt und von da heraus werden wir kein Richtiges ableiten. Ich habe versucht, Ihnen deutlich zu machen, dass das Richtige eine Idee ist, eine Kunstidee ist, die der Mensch realisiert mit den Reichen der Natur, mit der Gesteinswelt, mit der Pflanzenwelt, mit der Tierwelt. Und dass das ein Prozess ist, der sich immer nach den Verhältnissen, nach den Bedingungen richten muss, in denen ich das tue. Das ist das Prinzip des biodynamischen Hof-Individualität, Hof-Organismus.

Die Erde als Lebewesen und die menschlichen Ausscheidungen 01:26:08

Publikum: Ich habe eine Frage, wenn man jetzt die Erde als Ganzes, als ein Lebewesen betrachtet, so wie wir Menschen ein Lebewesen sind. Und die Tiere eben auch, die sich auf der Erde ernähren, die Beziehung zur Erde herstellen. Und dass die Erde vielleicht als Lebewesen betrachtet, diese Beziehung zu diesen Tieren braucht, wie so eine Befruchtung auch oder Erweckung ihrer Kräfte nötig hat, um weiterhin diese Frucht hervorzubringen, die die Menschen erhält.

Martin von Mackensen: Dem kann ich gar nichts hinzufügen. Ich hoffe nur, dass man es hat verstehen können. Können Sie es nochmal wiederholen? Drehen Sie sich doch einmal um.

Publikum: Mir kam eben der Gedanke, dass es sein kann, wenn man die Erde an sich als ein Lebewesen betrachtet, so wie wir auch Lebewesen eben sind, nur mit einer anderen Form eben. Und dann kommt die Kuh und haucht die Erde an und nährt sich aus dem, was aus der Erde hervorkommt. Und dass dadurch eine gegenseitige Befruchtung entsteht und ein Weckruf an die Lebenskräfte dieses Erdwesens erfolgt und so eine Beziehung entsteht, die dann erblüht und die Erde erhält und die Menschen erhält durch die Früchte, die dadurch geweckt werden. Also die Lebenskräfte der Erde werden geweckt durch die befruchtende Beziehung der Tiere zu dem Erdwesen.

Martin von Mackensen: Herzlichen Dank. Ich will das in einem Stichwort zusammenbringen. Das mag jetzt für viele ganz unverständlich sein, aber Paracelsus spricht von der Frucht in der Erde. Der meint so etwas wie den Humus. Und das hat man eben bei ihm so ein bisschen durchklingen gehört. Herzlichen Dank. Jetzt kommen Sie dran.

Publikum: Haben Sie Erfahrungen mit effektiven Mikroorganismen?

Martin von Mackensen: Ja, effektive Mikroorganismen sind etwas Wunderbares. Das ist ja eine Sammlung von Mikroorganismen eines Japaners aus ganz verschiedenen Lebensprozessen. Ungefähr 100, 120 verschiedene Mikroorganismen, Pilze, Bakterien, Enzymbilder und so weiter. Und die helfen immer dann viel, wenn etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Also wenn eine Jauche umgekippt ist und fürchterlich stinkt oder wenn relativ tote Verhältnisse sind, dann hat man erstmal sozusagen ein Set einer Impfung. Das ist so, wie wenn Sie nach einer Antibiotika-Kur, dann sagt Ihnen der Arzt, wir müssen mal was jetzt im Darmaufbau machen. Und dann gibt man Ihnen so die verschiedensten Mikroorganismen in so Kapseln, dass sie im Magen nicht kaputt gehen. Und dann fängt das erst mit... Damit sind Sie noch nicht heil. Aber es ist sozusagen ein wichtiger Schritt für die Bedingung von Heilung. Die muss jetzt wieder von innen ergriffen werden. Die kann man auch nicht von außen machen. Also Sie sehen, wie die Landwirtschaft, wie ähnlich sie dem Menschen ist, wenn man sie so versteht.

Publikum: Sie hatten das vorhin extra ausgeklammert, dass es bei den Menschen um das Tun geht und nicht um die Ausscheidung. Ich wollte jetzt nochmal an einen belgischen Wissenschaftler anknüpfen, der im Gegensatz dazu sagt, dass alle Exkremente, ob Tier, ob Mensch, wieder zur Erde zurückmuss, um den Kreislauf zu halten.

Martin von Mackensen: Ja, das ist natürlich eine ganz wichtige Frage. Danke. Und das geht ja in die Zukunft. Und da kommt es jetzt sehr drauf an. Da baue ich auf Sie, dass Sie aus diesem Vortrag in den nächsten Jahren und Jahrzehnten etwas mitnehmen. Das ist nämlich eine sehr entscheidende Frage. Die menschlichen Ausscheidungen kommen natürlich zur Erde zurück. Geht ja gar nicht, also sollen wir sie in den Weltraum schicken oder so. Das ist ja klar. Aber wir sollten tunlichst vermeiden, sie dahin zu tun, wo menschliche Nahrung entsteht. Es gibt sehr viele Bedingungen, wo diese Ausscheidung durchaus sinnvoll eingesetzt werden kann und viel sinnvoller als was wir heute in den Kläranlagen machen. Aber das sind die Bedingungen, wo etwas wächst, was wir nicht verzehren, sondern was ganz in den Weisheitsstrom der Substanz des Kohlenstoffes kommt, was Holzbildung macht.

Also die menschlichen Exkremente müssen gut oxidiert werden, gut in eine Kompostierung kommen, nicht im Wasser bleiben wie in der Kläranlage. Und dann müssen sie dahin kommen, wo wir Holzbildung, ob zum Heizen, ob zum Düngen, ob zum sonst irgendwas machen, da macht es Sinn. Sie brauchen, jetzt sage ich es mal ganz kosmologisch, sie brauchen die Langzügigkeit der Holzbildner. Das hängt zusammen mit Jupiter, mit Mars und mit Saturn. Und nicht dahin, wo die Kuh übermorgen frisst oder gar unser Gemüse entsteht. Das kann man ganz gut verstehen, wenn man sich in diese Kräfte, in diese bildenden Prozesse eindenkt. Soviel vielleicht dazu. Jetzt hatten sich noch zwei Leute gemeldet. Das ist nicht der Fall. Das wäre jetzt die Chance, schnell eingreifen und Schluss.

Ich wollte noch bemerken, dass es da hinten diese Beuys-Bücher gibt, zu denen ich ja vorhin von meiner Beziehung angefangen habe. Herzlichen Dank fürs Zuhören. Soweit, das war's.


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