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Stanislaw Karlowski
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Stanisław Karłowski
Stanisław Franciszek Józef Karłowski herbu Prawdzic (* 5. August 1879 in Grąbkowo bei Rawicz; † 21. Oktober 1939 in Gostyń) war ein polnischer Bankier, Großgrundbesitzer, Wirtschaftspolitiker und Senator der Zweiten Polnischen Republik. Ab 1931 betrieb er auf seinem Gut Szelejewo (rund 1700–1760 ha) eines der größten biologisch-dynamischen Betriebe Europas seiner Zeit und gilt als Pionier der biodynamischen und ökologischen Landwirtschaft in Polen. Die nach ihm benannte Fundacja im. Stanisława Karłowskiego trägt heute das Dorfprojekt Juchowo.
Herkunft und Ausbildung
Karłowski stammte aus einer schlesisch-großpolnischen Gutsbesitzerfamilie. Er war der Sohn von Leon Karłowski (1845–1885) und Józefa geb. Budziszewska (1846–1927). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Krotoszyn absolvierte er 1902 die Handelshochschule (Akademie Handlowa) in Antwerpen. Anschließend sammelte er praktische Erfahrungen in Banken in Westeuropa (u. a. London und Brüssel).
Karriere als Bankier und Wirtschaftspolitiker
Er begann seine Laufbahn beim Bank Krajowy in Lemberg (Lwów). Von 1910 bis 1917 war er Direktor der Bank Przemysłowy in Lemberg, anschließend bis 1920 Direktor der Bank Handlowy in Warschau. Nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit gründete er den Verband der Polnischen Banken und beriet den Finanzminister bei der Währungsreform. Er war Regierungsbevollmächtigter bei Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland und saß in den Gremien mehrerer großer Unternehmen und Verbände (u. a. „Lewiatan“, Bank Polski, Bank Cukrownictwa, dessen Vizepräsident er war). Zudem war er Präsident der Bank Związku Spółek Zarobkowych und Mitbegründer der Sandomiersko-Wielkopolska Hodowla Nasion SA. 1937 wurde er Präsident des Verbands der Polnischen Kurorte (Związek Uzdrowisk Polskich).
Gutsbesitz und biodynamische Landwirtschaft
Um 1920/1921 erwarb Karłowski das Gut Szelejewo (Kreis Gostyń, Großpolen) mit einer Fläche von etwa 1724–1764 Hektar. Dort betrieb er zunächst eine erfolgreiche Pferde- und Rinderzucht und baute die Saatgutproduktion aus. 1929 kam er mit der biologisch-dynamischen Methode in Berührung (u. a. durch Kontakte zu Günther Wachsmuth). Ab 1930/1931 stellte er den gesamten Betrieb auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise um. Damit entstand einer der größten biodynamischen Betriebe Europas (und vermutlich der Welt) jener Zeit – deutlich größer als etwa Ehrenfried Pfeiffers Betrieb Loverendale in den Niederlanden.
Karłowski propagierte die Methode öffentlich: Er veröffentlichte eine Reihe von Broschüren in polnischer Sprache (darunter Übersetzungen von Ehrenfried Pfeiffer), die zu den ersten biodynamischen Publikationen auf Polnisch zählen, und führte Kurse auf seinem Gut durch. Er stellte Präparate zur Verfügung und beteiligte sich an Debatten in Fachzeitschriften wie der *Gazeta Rolnicza*. 1936 trat er dem Experimentellen Kreis anthroposophischer Landwirte und Gärtner bei. Sein Betrieb wurde mehrfach auf landwirtschaftlichen Ausstellungen ausgezeichnet. Karłowski war kein Anthroposoph im engeren Sinne und hatte Rudolf Steiner nie persönlich kennengelernt; er übernahm jedoch die praktischen Methoden und entwickelte sie auf seinem Großbetrieb weiter.
Politische Tätigkeit
Von 1930 bis 1935 war Karłowski Senator der III. Legislaturperiode der Zweiten Polnischen Republik für den Bezpartyjny Blok Współpracy z Rządem (BBWR). Er gehörte der Kommission für Sozialwirtschaft und der Haushalts- und Finanzkommission an. 1937 erhielt er das Goldene Verdienstkreuz (Złoty Krzyż Zasługi).
Tod
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurde Karłowski im Oktober 1939 von der Gestapo zusammen mit etwa 30 weiteren prominenten Bürgern aus Gostyń als Geisel verhaftet. Am 21. Oktober 1939 wurde die Gruppe auf dem Marktplatz von Gostyń von einem SS-Kommando erschossen. Sein Sohn Zygmunt, Mitglied der Widerstandsbewegung, wurde 1944 in Krakau von der Gestapo ermordet.
Nachwirken
Karłowskis Wirken als früher Förderer der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Polen wurde in der Nachkriegszeit weitgehend vergessen. Seit der Gründung der Fundacja im. Stanisława Karłowskiego und des Dorfprojekts Juchowo (ab 2001) wird sein Name wieder als Bezugspunkt für die biodynamische Bewegung in Polen und Mittelosteuropa verwendet. Die Stiftung trägt seinen Namen auf Vorschlag von Manfred Klett.
Quellen
Hier die direkten Links zu den genannten Quellen:
- Polnische Wikipedia: Stanisław Karłowski
- John Paull & Paweł Bietkowski (2022): Stanisław Karłowski (1879–1939): Pioneer of Biodynamic Farming and Organic Agriculture in Poland. Advances in Social Sciences Research Journal, 9(7). DOI: 10.14738/assrj.97.12692
- Zenodo: Stanisław Karłowski (1879-1939): Pioneer of Biodynamic Farming and Organic Agriculture in Poland
- Academia.edu (englisch): Stanisław Karłowski (1879-1939): Pioneer of Biodynamic Farming and Organic Agriculture in Poland
- Senat Rzeczypospolitej Polskiej: Biografie Stanisław Karłowski
- Journal of Agribusiness and Rural Development (2024): Reflective Sketches – The Biodynamic Impulse in Central Europe (PDF: Download)
- sejm-wielki.pl: Stanisław Karłowski
- Historia Interia: Stanisław Karłowski: ziemianin, finansista, działacz społeczny






