Ton Baars

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Ton Baars

Prof. Dr. Ton Baars (* 1956 in Amsterdam) ist ein niederländischer Agrarökologe, Forscher und emeritierter Professor für biologisch-dynamische Landwirtschaft. Er arbeitete jahrzehntelang am Louis Bolk Instituut, bekleidete von 2005 bis 2011 den weltweit ersten Lehrstuhl für biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel-Witzenhausen und war maßgeblich am On-Farm-Research auf dem großen biodynamischen Betrieb Juchowo Farm in Polen beteiligt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei Graslandökologie, Milchqualität (insbesondere Fettsäureprofile und Rohmilch), Tiergesundheit und -wohl, partizipativer Forschung sowie dem Zusammenhang von Milchverarbeitung und Gesundheit (Allergien, Asthma).

Ausbildung und frühe Jahre

Baars wurde 1956 in Amsterdam geboren. Ursprünglich wollte er Tierarzt werden, wurde aber nicht zum Veterinärstudium zugelassen. Er studierte Biologie mit Schwerpunkt Ökologie an der Universität Utrecht und schloss 1985 mit dem Master of Science ab. Bereits in den 1970er-Jahren kam er mit biologischer und biodynamischer Landwirtschaft in Berührung, unter anderem durch einen Teilzeitkurs am Kraaybeekerhof und praktische Arbeit auf dem alten biodynamischen Gartenbaubetrieb Sloterland.

2002 promovierte er an der Wageningen University im Bereich Grassland Ecology and Social Science mit der Arbeit "Reconciling scientific approaches for organic farming research". Darin reflektierte er Forschungsmethoden am Louis Bolk Instituut, darunter erfahrungsbasierte und partizipative Ansätze sowie goetheanistische Elemente.

Louis Bolk Instituut (ca. 1980–2005)

Von etwa 1980 bis 2005 arbeitete Baars am Louis Bolk Instituut in Driebergen (Niederlande), zunächst im Bereich Grasland und Tierproduktion, später als Abteilungsleiter. Er entwickelte gemeinsam mit Kollegen On-Farm-Research und partizipative Forschungsansätze, bei denen Praktiker aktiv einbezogen wurden. Wichtige Themen waren Milchqualität (Vergleiche biologischer und konventioneller Milch, u. a. mit phänomenologischen Methoden), Tiergesundheit, Integrität und „Natürlichkeit“ in der biologischen Landwirtschaft sowie ethische Fragen (in Zusammenarbeit mit u. a. Henk Verhoog). Kooperationen bestanden mit Milchverarbeitern wie Zuiver Zuivel und Erzeugergruppen wie Natuurweide.

Professur an der Universität Kassel (2005–2011)

2005 wurde Baars auf den weltweit ersten (Stiftungs-)Lehrstuhl für biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen, berufen. Er betreute unter anderem zwei Promotionen zur Milchqualität und forschte zu biodynamischen Präparaten sowie zur Differenzierung von Milchqualitäten. Die Professur endete 2011. In dieser Zeit und danach veröffentlichte er unter anderem zu Erfahrungs­wissenschaft (experiential science) als Methode, die praktisches Expertenwissen systematisch einbezieht.

Tätigkeit in Juchowo

Seit etwa 2011/2012 war Baars mit dem biodynamischen Betrieb Juchowo Farm (Fundacja im. Stanisława Karłowskiego) in Juchowo bei Szczecinek (Westpommern, Polen) verbunden – einem der größten biodynamischen Betriebe Europas (rund 1.800–1.900 ha, überwiegend sandige Böden, große Milchviehherde mit Brown Swiss und Holstein-Friesian, Heumilch, eigene Verarbeitung). Er leitete bzw. begleitete das Praktikum- und On-Farm-Research und war in internationalen Projekten vertreten.

Zu den von ihm mitgetragenen Vorhaben gehören:

  • Forschungsprojekte zur Bodenfruchtbarkeit mit reduzierter Bodenbearbeitung und mineralischen Ergänzungen (u. a. mit FiBL/Andreas Fließbach, Variabilität von Boden und Ertrag auf sandigen Flächen).
  • Das EU-Core-Organic-Projekt 2OrgCows (2015–2018, Koordination Sven König, Universität Kassel): Gesundheitsprävention bei Bio-Milchkühen, Verhaltensmonitoring (Wiederkauen, Aktivität etc.) zur Früherkennung von Problemen wie Lahmheit oder Stoffwechselstörungen; Vergleich der Rassen.
  • FertilCrop (ebenfalls Core Organic, mit FiBL): Strategien zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit in Öko-Systemen.
  • Arbeiten zu Fettsäureprofilen der Milch in Abhängigkeit von Rasse und Saison (Weide vs. Heu).

Baars beschrieb die Arbeit in Juchowo als Rückkehr zu den Anfängen: Verständnis von Agrarökosystemen und partizipative Entwicklung, wobei Erfahrungen aus Landschaft, Tierhaltung, Forschung und Lehre zusammenkamen. Ziele waren unter anderem verbesserte Bodenfruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer der Kühe und präventive Tiergesundheit.

Weitere Tätigkeiten und aktuelle Schwerpunkte

Baars war Senior Scientist für Milchqualität und Tierwohl am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (Schweiz). Von 2019 bis etwa 2023 arbeitete er in Teilzeit an der Universität Utrecht (medizinische Fakultät) zu Rohmilch, Rohfermentaten und immunologischen Aspekten im Zusammenhang mit Allergien und Asthma. Er war Ehrenmitglied im Board des Raw Milk Institute (RAWMI, USA) und ist Berater der deutschen Vorzugsmilch-Erzeuger sowie weiterer Initiativen zu Rohmilch und Qualitätskäse. Er betreibt die Website milkandhealth.com und publiziert in Fach- und Praxiszeitschriften (u. a. Lebendige Erde).

Zentrale Themen bleiben die Differenzierung von Milchqualitäten über Fettsäuremuster (CLA, Omega-3, n-6/n-3-Verhältnis in Abhängigkeit von Weidehaltung), die Sicherheit und gesundheitlichen Aspekte von Rohmilch sowie die Verbindung von Betriebsweise (Weide, Heu, Präparate, Integrität der Tiere) mit Produktqualität.

Ausgewählte Werke und Publikationen

  • Baars, T. (2002): *Reconciling scientific approaches for organic farming research*. Dissertation, Wageningen University / Louis Bolk Institute. (Teil I: Methodenreflexion; Teil II: Gülle und Weißklee auf sandigen Böden.)
  • Verhoog, H., Matze, M., Lammerts van Bueren, E. & Baars, T. (2003): The role of the concept of the natural (naturalness) in organic farming. Journal of Agricultural and Environmental Ethics.
  • Baars, T. (2011): Experiential science; towards an integration of implicit and reflected practitioner-expert knowledge in the scientific development of organic farming. Journal of Agricultural and Environmental Ethics.
  • Zahlreiche Beiträge zu Milchqualität, Fettsäuren in Demeter-Milch, Rohmilch und Gesundheit (u. a. in Lebendige Erde, Peer-Review-Artikeln zu Fettsäureprofilen und Rohmilch-Sicherheit, Mitwirkung an Übersichtsarbeiten zu Milch und Gesundheit).
  • Beiträge zu partizipativer Forschung, Tierintegrität und goetheanistischen Qualitätsbeurteilungen (z. B. Steigbildmethode bei Milch).

Quellen

Links

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