Eine freie Initiative von Menschen bei mit online Lesekreisen, Übungsgruppen, Vorträgen ... |
| Use Google Translate for a raw translation of our pages into more than 100 languages. Please note that some mistranslations can occur due to machine translation. |
Fütterung, Teil 3 - ein Vortrag von Florian Leiber, 2023
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z | 0-9

| Deutsche Folgen 1 - 2 - 3 |
Transkription des 3. Vortrags vom 1. März 2023
+++ dies ist ein maschineller Rohtext - er muss noch von Menschenhand überarbeitet werden. Willst du MitTun? +++
Selektion im Winter und kräuterreiche Futterzusätze 00:00:11
Florian Leiber: Also dann haben wir jetzt noch eine Stunde und die können wir auch gerne ausführlich nutzen, um eure Fragen oder Anmerkungen und alles zu diskutieren. Gibt es jetzt gerade irgendwelchen Redebedarf? Müssen wir reden?
Publikum: Ja, also mit dieser Selektierung, das funktioniert dann ja hier in Europa, also wenn überhaupt dann im Sommer, haben Sie das die Möglichkeit, auf einer Weide, am besten auf der Alp, aber im Winter ist das dann mit dem Selektieren erstmal eigentlich nichts. Also ich meine, man kann sehr qualitatives Futter anbieten, aber das Selektieren fängt aus, oder?
Florian Leiber: Das stimmt. Das stimmt bis zu einem gewissen Grad. Danke für die Frage, weil das ist dann ein sehr wichtiger Punkt in dem Ganzen. Ich habe es jetzt sehr überpointiert, vielleicht auch in Bezug auf diese Weidesituation so erzählt, wo wir uns aber auch klar machen müssen, okay, der Wiederkäuer hat sich als Weidetier entwickelt erstmal und nicht als Stalltier und deswegen bin ich überzeugt, dass diese Verhaltensweisen da sind, aber auch für den wilden Wiederkäuer sieht das im Winter natürlich ganz anders aus, als im Sommer. Aus verständlichen, nachvollziehbaren Gründen.
Und das ist der Punkt, wo die Frage, also von dem, was ich jetzt geschildert habe, wie geht das über in eine Praxis, das ist eben auch noch eine große Herausforderung, wo man dann auch sorgfältig damit umgehen muss, was ist sozusagen Idealismus, mit dem ich da rangehe und was davon ist überhaupt pragmatisch auch möglich. Am Ende dürfen wir auch nicht bestreiten, dass wir mit den Tieren Lebensmittel produzieren wollen und sie nicht einfach nur um ihrer selbst willen halten. Das heißt, das muss irgendwie stimmen.
Und dann möchte ich einen Aspekt als erstes dazu sagen, das Oregano auf der Pizza fällt gewichtsmäßig auch nicht ins Gewicht. Fällt für uns geschmacksmäßig aber sehr ins Gewicht. Im Wesentlichen fressen wir da Stärke und Käse und den Geschmack machen die Kräuter. Und die physiologischen, gesundheitlichen Wirkungen, wie zum Beispiel antioxidative Wirkungen aus dem Oregano, die nehmen wir mit. Und das ist jetzt irgendwie so ein banales Beispiel, aber wo man sieht, ja, unser Umgang mit wirkstoffreichen Pflanzen ist genau der, dass wir mit sehr wenig Gramm unsere Speisen würzen oder einen Tee machen. Und das ist mal das eine, was man in Betracht ziehen kann, das ist, wir sprechen ja nicht über Masse, sondern wir sprechen eben wirklich über Wirkstoffe, die in gewisser Weise dann ja was Pharmazeutisches haben. Und in dem Sinne ist der Wiederkäuer dann sein eigener Pharmazeut.
Das heißt, jetzt haben wir vorhin gesprochen über Spitzwegerich und Chicorée zum Beispiel als Pflanzen, die tanninreich sind, die ins Futter integriert werden. Da geht es auch nicht darum, dass das irgendwie 30 Prozent von dem Futter ist, sondern dass das einen gewissen Anteil, dass das als Element in dem Futter mit drin ist. Ich weiß nicht, wie viel strebt ihr an in der Masse? Ein Prozent. Kann aber sein, dass das vom Geschmackserleben für das Tier sehr entscheidend ist. Heißt aber trotzdem auch, also wenn das angebaut wird und hier als Heu verarbeitet wird, dann kommt das, was du sagst, das haben sie dann halt dabei, können es nicht selektieren. Aber es ist ein Unterschied in Bezug auf sozusagen trotzdem die geschmackliche Vielfalt von dem Futter, ob das drin ist oder nicht. Und ob ich dann, das fände ich dabei noch einen wichtigen Aspekt, ob ich zum Beispiel auch noch eine, wie soll ich das sagen, eine Note von ätherischen Ölen mit drin habe, ob man irgendwie Kümmel oder so noch mit drin hat im Futter. Also das ist das eine.
Um die Masse geht es nicht unbedingt. Wenn wir jetzt trotzdem im Sommer schauen und es geht um die Möglichkeit für die Tiere wirklich auch zu selektieren oder das irgendwie separat zu erfahren oder auch zu nutzen, dann hieße das ja eigentlich, ich muss, wenn ich jetzt nicht im Dauergrünland bin, sondern im Futterbau, also im Futterbau für die Beweidung, ich muss das irgendwie als Streifen oder so mit einbringen. Aber ich muss das nicht in der Breite in die Masse bringen. Zweitens die Frage, wo haben die Tiere auch Gelegenheit, im Sinne von dem Bild, das hier vorher war, von Sträuchern, von Büschen, von Bäumen auch Laub aufzunehmen, weil das ganz stark diese Funktionen auch hat.
Dann habe ich immer die Vorstellung und jetzt wird es theoretisch, aber trotzdem, wie wäre es mit so einer Art Sonntagsweiden, wenn ich jetzt in meinem Betrieb vielleicht sehr wenig, aber doch ein paar Magerwiesenstandorte habe, dass ich das wie den Tieren an bestimmten Tagen anbiete und nicht so nach dem Motto, okay, jetzt wird das einmal alles abgegrast und dann kriegen sie sechs Wochen das nicht, bis es wieder nachgewachsen ist, sondern dass sie irgendwie im Umtrieb regelmäßig immer mal wieder auf diese Flächen kommen. Hat natürlich auch immer was damit zu tun, oder steht dann damit im Zusammenhang, dass es natürlich eine Wachstums- und Reifungsdynamik und so gibt und sich das auch alles ständig verändert. Und was wir, wenn wir versuchen, mit solchen Ansätzen an die Fütterung ranzugehen, dann müssen wir uns eben bewusst sein, was wir nicht mehr sind, ist Agraringenieure, die vorbestimmen, das Tier soll jetzt genau so und so viel von dem und dem haben und wir komponieren das vorher und wir haben das immer bis aufs Letzte im Griff. Können wir gar nicht, sondern dann müssen wir ein bisschen loslassen und sagen, ich überlasse das auch ein bisschen den Tieren und der Situation, was gerade möglich wird. Das heißt, es kriegt ein Element von Chaos rein, was aber sehr, sehr hilfreich sein kann.
Unterschiedliche Qualitäten und das Weidelabor am FiBL 00:07:29
Florian Leiber: Und in Bezug auf das Winterfutter oder Stallfutter kann man sich ja zumindest die Frage stellen, kann ich unterschiedliche Qualitäten von Grundfutter produzieren und die auch separat lagern und separat füttern. Und das kann ich entweder im Raum separieren, indem ich nicht nur vorne den Futtertisch habe, sondern indem ich bestimmte andere Heuqualitäten vielleicht in der Raufe an einer anderen Stelle noch anbiete und bewusst mache, hier jetzt auf eurem Futtertisch wäre was anderes, als was dann da draußen in dem offenen Stall in den Raufen noch gefüttert wird. Dann habe ich irgendwie so eine bestimmte Entzerrung der verschiedenen Qualitäten im Raum und in der Zeit. Und dann erleben sie zumindest mal Sequenz.
Und als ein Beispiel, wir haben einen Versuch gemacht, wo wir auch einen Demeterbetrieb, die aber eine TMR gefüttert haben, wo auch die Heu- und Emdbestandteile, also auf Deutsch alles Heubestandteile, da mit drin waren in dieser TMR. Und die Kühe haben immer diese TMR bekommen. Dann haben wir einen Versuch gemacht, wo wir zwei Gruppen hatten mit je 15 Kühen. Und bei der einen Gruppe haben wir zusätzlich, also die hat morgens zu melken, also zwischen sechs und acht, hat die nur Heu bekommen. Und dann wieder die TMR und die andere Gruppe hatte immer diese TMR. Und dann hatten sie so Kauhalfter an, wo wir ihre Wiederkau- und Fressbewegungen aufgezeichnet haben. Das war in so einem Anbindestall mit so Blechen zwischen den Plätzen. Wir konnten also individuell für jede Kuh ihren Futterverzehr auswiegen.
Und dann hat sich gezeigt, wenn wir denen morgens früh zwischen sechs und acht statt immer immer TMR einmal für zwei Stunden Heu geben, dann haben sie erstens den ganzen Tag über immer länger gefressen als die anderen und zweitens nachts weniger gefressen als die anderen und dafür mehr nachts noch wiedergekäut. Aber wir haben auch immer geschaut, wie oft wechselt die Kuh ihre Aktivität. Also sie kann entweder in diesem Schema von so einem Sensor, gibt es entweder Fressen oder Wiederkauen oder nichts tun. Und wie oft pro Stunde wechselt sie zwischen dem. Und über diese morgendliche Heugabe, die hatte den Effekt, dass sie nachts, in der Nacht danach, wesentlich weniger Aktivitätswechsel hatten, dass also insgesamt die Herde in der Nacht viel ruhiger war, oder diese Kuhgruppe, als diejenigen, die immer nur TMR hatten. Das heißt, dieses Nacheinander von verschiedenen Qualitäten hat rein ihr Verhaltensmuster im Wechselspiel von Fressen und Wiederkäuen nachhaltig verändert und zwar Stunden später noch. Das zeigt, dass es eben sehr wohl was ausmacht, ob die Kuh alles gleichzeitig kriegt oder nacheinander.
Ein anderes Beispiel ist, das ist nicht von uns, aber andere Gruppen haben solche Experimente gemacht. Wenn Wiederkäuer die Wahl haben, zwischen leguminosenreichem und leguminosenarmem Futter auszuwählen, dann scheint es so zu sein, dass sie morgens, vormittags, mehr leguminosenreiches Futter wählen und nachmittags weniger. Das heißt, dass irgendwie der Bedarf an diesen eiweißreichen Pflanzen oder eventuell an anderen Inhaltsstoffen, die die Leguminosen damit sich bringen, vormittags größer ist als am Nachmittag. Das heißt, auch das spricht dafür, dass man sich damit auseinandersetzen kann, was bedeutet die Tageszeit für den Futterbedarf der Tiere.
Oder auch ganz anders, aber trotzdem, das gehört auch in dieses Thema. Die meisten Betriebe haben heutzutage die Philosophie, okay, immer ad libitum, also der Futtertisch muss immer voll sein, sie können immer fressen, wann sie wollen. Das habe ich hier gerade gesehen, es gibt durchaus Phasen hier auf dem Dottenfelderhof, also in der Nacht fressen sie dann lange gar nicht, weil sie keinen Zugang haben zum Futter. Geht auch, ist eventuell auch unheimlich hilfreich, weil es wahrscheinlich Ruhe reinbringt. Also da gibt es verschiedene Aspekte, mit denen man sich, denke ich, dann auch sehr individuell mit der eigenen Herde auf dem eigenen Betrieb auseinandersetzen muss.
Und die Frage, also jetzt habe ich gesagt, das eine wäre, in der Zeit verändern. Verschiedenes Futter in der Zeit füttern. Das andere ist, verschiedenes Futter im Raum anbieten irgendwie. Heißt immer, ich muss dieses verschiedene Futter auch produziert haben und zugriffig gelagert haben, also mit einem Heustock, wo alles aufeinander liegt, geht das dann nicht. Und dann kann ich mich noch spezifischer damit auseinandersetzen, was wäre der richtige Zeitpunkt und das richtige Maß, um ihnen wie noch was extra auch zur Verfügung zu stellen. Es gibt viele Betriebe, nehme ich fast an, dass es ja auch so ist, dass es dann irgendwie noch Rote Bete oder Wurzelgemüse-Ausputz gibt oder mal Kartoffeln. Das ist so das eine. Und wenn wir auf diese Kräuter kommen, könnte ich ja auch bewusst ein sehr kräuterreiches Heu produzieren. Und dann schauen und mich fragen, wann und wie viel sollen sie eigentlich bekommen.
Und in diesem Zusammenhang versuchen wir halt jetzt gerade uns da so ein bisschen forschend reinzuwühlen in das Thema am FiBL. Da gibt es natürlich ganz viel Erfahrungswissen auf den Betrieben. Ich will überhaupt nicht so tun, als wäre das nicht ein Thema, das längst von verschiedensten Betrieben auch intensiv bearbeitet wird. Und ihr habt eventuell auch schon die ein oder andere Erfahrung mit sowas. Trotzdem ist die Frage, wie kann man irgendwie das noch mehr herausheben, dieses Thema, wie kann man es prominenter machen, also da auch einen Impuls setzen und wie kann man es ein bisschen systematischer verstehen. Und ich habe dann gefunden, lass uns doch den Ansatz machen, dass wir versuchen, auf irgendeine Weise anzufangen, von den Tieren zu lernen. Wir verstehen das eigentlich nur, wenn wir die Tiere uns zeigen lassen, wie diese Bedürfnisse eigentlich verlaufen.
Und das können sie uns natürlich am besten dann zeigen, wenn sie wirklich selektieren können, nämlich auf der Weide. Und dafür haben wir jetzt am FiBL das Weidelabor angelegt. Das hat ein paar Jahre gedauert, das war eine aufwendige Geschichte, um so einen Plotversuch hier, so Streifen anzusäen. Jeder Streifen ist glaube ich 9 Meter breit und ungefähr 100 Meter lang. Und wie ihr seht, haben wir hier vier verschiedene Futtermischungen, die durch diese Farben charakterisiert sind. Das ist einmal, das Rote ist eine reine Gräsermischung, verschiedene Futtergräser. Also jetzt sage ich, wie es ausgesät wurde, das heißt nicht unbedingt, dass das das ist, was da steht. Also einmal nur Gräser. Und diese Gräsermischung ist immer die Basis. Und dann haben wir einmal die blauen Leguminosen drin, das sind Rotklee, Weißklee und Luzerne. Dann haben wir eine Mischung mit tanninreichen Kräutern, dann sind wir beim Spitzwegerich, beim Hornklee und beim Chicorée im Wesentlichen. Und dann haben wir eine Variante mit ätherischen Ölen, also eben sehr aromatische Pflanzen, da ist Schafgarbe drin, da ist Kümmel drin, da ist theoretischerweise Absinth. Wie heißt die Pflanze? Wermut. Wermut, genau, drin.
Und die stehen also jetzt so nebeneinander, die Plots, und mehr oder weniger repräsentiert jeder dieser Streifen das, was hier steht oder was ich gerade gesagt habe. Es ist tatsächlich sehr schwierig, die dann sauber zu halten, aber damit muss man leben. Und dann kommen, immer wenn der Aufwuchs so hoch ist, dass es zu beweiden ist, kommen von oben her, also oberhalb wäre unser Stall, kommen die also erstmal auf die obere Hälfte, paar Tage später auf die untere Hälfte, werden da so reingelassen und dürfen sich dann da drauf verteilen, wo immer sie wollen. Und wir zeichnen auf, wir beobachten, wann ist die Kuh wo? Was macht sie da? Frisst sie da wirklich? Oder steht sie da nur rum?
Eigentlich wollten wir das so fancy, vollautomatisiert machen, mit diesen Kauhalftern und mit GPS-Ortung, dass wir nachher einfach so riesige Datensätze haben, wo man minütlich das darstellen kann. Leider ist die Technik dann immer noch nicht ganz so weit, dass das funktioniert, vor allem das GPS-System ist nicht genau genug. Also sind wir am Ende da gelandet, dass wir das so machen, dass da also eine Masterstudentin den ganzen Sommer Tag für Tag im Feld steht und sogenanntes Spot Sampling macht, das heißt, der Reihe nach, sie hat quasi eine Reihenfolge für die Kühe, hält sie sich bei jeder Kuh, glaube ich, drei Minuten auf und notiert, was sie macht. Also drei Minuten, damit sie auch wahrnehmen kann, ob die gerade einfach nur durchlatscht oder ob sie wirklich da ist, wo sie ist. Zunächst und zunächst, wenn sie einmal durch ist, fängt sie wieder von vorne an. Und auf die Weise bekommen wir jetzt ein Muster, wo wir erstmal wissen, wann sind die Kühe auf welcher Fläche und fressen sie da.
Da muss man ein bisschen tiefer reingehen und das ist dann schon die höhere Kunst der Beobachtung zu schauen, wird jetzt hier wirklich der Chicorée gefressen oder am Ende doch nur das Gras dazwischen. Und das ist eine rechte Herausforderung, das wirklich in einer soliden Weise festzustellen und nicht nur zu vermuten. Aber mehr oder weniger haben wir ein Muster. Und wir haben jetzt, interessant, die erste Auswertung vom ersten Jahr können wir sagen, das ist sehr verschieden zwischen den Kühen. Also es gibt tatsächlich sehr ausgeprägte Muster, die sich von Durchgang zu Durchgang bei einzelnen Tieren auch wiederholen. Also wo wir sagen, über, wir haben, glaube ich, sechs Durchgänge machen können im letzten Jahr. Es gibt Kühe, die in vier von sechs Durchgängen die gleiche Präferenzreihenfolge hatten. Also das heißt, dann ist da irgendwie was los. Das ist nicht zufällig.
Und das versuchen wir jetzt im Zusammenhang zu setzen, erstens mit dem Alter der Tiere, zweitens mit, also Laktationsnummer, Laktationsstadium, Milchleistung, Milchzusammensetzung, Milchfettsäuremuster, ich habe euch vorhin über diese Fettsäuren gesprochen. Und wenn wir sie dann in der Milch haben, sagt man, gut, das ist gesund für den Menschen. Das ist der eine Aspekt, aber es ist auch diagnostisch für uns sehr interessant, weil wir eigentlich aufgrund dieser Omega-3-Fettsäuren in der Milch ja rückwärts sagen können, okay, wenn sich das verändert, dann hat sich also im Pansen was verändert. All diese Dinge setzen wir jetzt in Beziehung zueinander und versuchen anfänglich irgendwie zu verstehen, ob wir nachher Muster finden, von denen wir das Gefühl haben, die sind stabil. Ja, da mit diesen Mustern könnte man irgendwie arbeiten, weil sie, das ist das Entscheidende, den Kühen entsprechen. Ja, dann müssen wir einfach ganz sorgfältig und auch so immer selbstkritisch und nicht zu sehr sich festklammernd an den eigenen Ideen rangehen und schauen, was tun die eigentlich wirklich und sehen wir irgendeinen Zusammenhang mit diesen verschiedenen Aspekten, die ich genannt habe.
Und jetzt gehen wir ins zweite Jahr damit. Ich hoffe, es wird auch noch ein drittes geben. Das ist dann immer die Frage, irgendwann wachsen sich die Bestände so aus. Da müsste man nochmal übersehen eventuell, also damit man überhaupt diese Differenzierung noch hat. Und was wir damit machen, sage ich immer, in erster Linie wollen wir damit auch ein Zeichen setzen. Wir zeigen das die ganze Zeit. Allen Bauern, die bei uns vorbeikommen, zeigen wir immer unsere Weidelabor, um das sozusagen zum Thema zu machen, damit alle daran auch anfangen, ein bisschen zu arbeiten und für uns auch zum Thema zu machen. Man findet mit dem Ansatz jetzt nicht sofort der Weisheit letzten Schluss. Aber wir suchen uns irgendwie auf die Weise, in diese Frage reinzubewegen. Können wir von den Kühen lernen, ob sie einen Tagesrhythmus haben, ob sie ein individuelles Muster haben, ob wir das mit irgendeiner Form von Milchleistung, Milchinhaltstoffen oder so zusammenbringen können.
Und die Schlussfolgerung aus sowas könnte dann sein, dass man erstens sagt, die ätherischen Öle vermeiden die so doll, dass es irrelevant ist, ob man die anbaut oder nicht. Oder dass man sagen kann, die oder die Kräuter, das ist tatsächlich interessant, die werden tatsächlich gesucht von den Tieren, also sollten sie zumindest im Kunstfutterbau in der Wiese mit drin sein. Oder man kann auch versuchen, sie in die Grünlandbestände zu etablieren, wenn man sie nicht hat. Das ist sozusagen das, was daraus werden kann, in Bezug auf die Weide.
Und dann kann man anfangen, sich zu fragen, kann ich jetzt irgendwelche von diesen Erkenntnissen übernehmen, im Sinne, was ich vorhin gesagt habe, dass man im Stall entweder in einem Nacheinander oder in einem Nebeneinander auch verschiedene Futter anbieten kann. Lerne ich hier was von den Kühen, wo ich irgendwann sagen würde, okay, ja, ein sehr bitterstoffreicher Grundfutterkomponente, das bringt es, wenn wir die in der Raufe immer hinten mit anbieten zum Beispiel. Und auf die Weise versuchen wir das so reinzuholen. Am Ende bleibt aber stehen, was du gesagt hast, natürlich können wir nicht aus dem Stall eine Weide machen. Und natürlich können wir auch nicht aus dem Weideland einen Naturschutzpark machen, in dem Sinne. Es ist am Ende, beziehen wir uns darauf, dass wir gemeinsam mit den Tieren was produzieren. Und das muss irgendwie gegeben sein, das steht ja nicht in Frage. Aber ich finde wichtig, dass man damit umgeht, was müssen wir trotzdem mit reinholen, was wirklich auch für das Tier ist.
Die Entwicklung der Haustiere und Tiergerechtheit 00:24:02
Florian Leiber: Ich kann gar nicht genau sagen, wo ich das eigentlich herhabe, aber das habe ich irgendwie so eingeatmet im Laufe meines Lebens, dass es aus diesem biologisch-dynamischen Kontext heraus auch die Überzeugung gibt, und die hatte ich dann irgendwie auch ziemlich lang, dass wenn wir die Haustiere bei uns haben, dass das Beim-Menschen-Sein für die Haustiere so sehr ein Wert in sich ist, dass sie daraus wie etwas mitnehmen, dass sie sich weiterentwickeln, dass wir sie in ihrer evolutionären Entwicklung ihnen wie eine neue Möglichkeit schaffen, über ihr Haustier sein. Und ich war ziemlich viele Jahre davon überzeugt, okay, das ist irgendwie das, worum es geht. Und irgendwann habe ich mich gefragt, was ist das eigentlich für ein Quatsch? Stimmt das in irgendeiner Weise noch?
Auch auf dem biologisch-dynamischen Betrieb schränken wir sie ein in ihren sozialen Dimensionen, wir schränken das Generationen-Miteinander sehr stark ein, oder wenn wir es nicht mehr tun, dann tun wir es heute sehr bewusst nicht mehr, dann machen wir bewusst muttergebundene Kälberaufzucht oder ammengebundene Kälberaufzucht, aber das sind wie neue Impulse, die jetzt auch kommen, aber so ganz offen, also wenn wir schauen, wie verhält sich eine Rinderherde eigentlich, was ist das Sozialgefüge in einer Rinderherde eigentlich? Dann können wir ganz klar sagen, okay, wir haben viel zu wenig Bullen in den Herden, da läuft überhaupt nicht das ab, was eigentlich ablaufen würde, und in Wirklichkeit eine Generationenbeziehung können wir auch nur sehr begrenzt zulassen. Das sind die Einschränkungen, die die Landwirtschaft hat. Wir schränken sie enorm ein in letztlich ihrem Bewegungsradius, der natürlich gerade bei einem Rind hunderte von Kilometern wäre eigentlich, also viel größer als das, was wir anbieten können, und wir schränken sie dann auch noch enorm ein eben in diesem Fressverhalten. Und dann ist die Frage so, was genau ist jetzt das, was ich als Mensch da reinbringe, was die Kuh, was diese ganzen Einschränkungen so aufwiegt, dass ich wirklich überzeugt sagen kann, hier kann sich das Rind in was Neues hineinentwickeln.
Und ich bin zu dem Punkt gekommen, dass ich irgendwann sagen muss, ich sehe das nicht. Ich kann nicht sicher sein, dass das stimmt. Weil wir irgendwie die Offenheit, die es dafür bräuchte, damit sie sich irgendwo hinentwickeln können, dem Tier nicht anbieten können. Und dann gibt es eigentlich einen anderen Aspekt, den haben wir als Menschen dem Tier jahrhundertelang angeboten. Und da würde ich drüber reden, ja, das ist eine Qualität, die ist sehr, sehr stark. Das war das gemeinsame Arbeiten mit den Tieren. Also mit dem Tier im Geschirr über den Acker gehen. Und damit meine ich jetzt nicht, das gehört natürlich auch dazu, das Tier über den Acker prügeln. Aber ich meine eigentlich dieses mit dem Tier wirklich in eine Zusammenarbeit kommen. Und wir alle kennen das, wenn wir Umgang haben mit Pferden oder mit Hunden, dann machen wir das wie selbstverständlich eigentlich in dieser Zusammenarbeit sein. Und wie stark die Tiere auf das reagieren. Und jeder, der mal angefangen hat, einen Kalb zu trainieren, auf was auch immer, auf Klauenpflege oder auf einen Reifen ziehen oder was auch immer, macht sofort die Erfahrung, wie stark sie darauf reagieren. Jeder, der mit Hühnern oder mit Schweinen arbeitet, weiß, mit welcher Aufmerksamkeit diese Tiere auf den Mensch reagieren, wenn er nur in den Stall kommt. Und das geht dann nicht in den Schweinestall, wo die spinnen vor Hunger, sondern in Wirklichkeit, wenn sie nicht Hunger haben, sie sind neugierig auf uns. Sie suchen den Kontakt.
Aber wir können das im modernen landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt nicht mehr leisten. Wir haben die Zusammenarbeit mit den Tieren aufgekündigt, weil wir das nur noch so als musealen Beiwerk anbieten können, auf irgendwelchen kleineren Betrieben, dass man mal in der Gärtnerei mit einem Pferd den Boden bearbeitet oder dass man im Wald mit den Stämmen rückt oder so. Aber eine wirkliche Arbeit, eine wirkliche Regelmäßigkeit in einem intensiven Zusammensein mit den Tieren können wir ganz selten so realisieren. Und dann komme ich nicht an den Punkt, zu sagen, aha, da sind wir dran an einer Evolution dieser Haustiere.
Sondern dann komme ich an den Punkt, wo ich mir sagen muss, wenn wir das nicht schaffen, wenn wir diesen Teil des Deals, falls er das dann war, nicht einhalten können, dann müssen wir uns fragen, ob wir den Deal, wenn wir ihn aufgekündigt haben, insofern auch ein bisschen wieder auflösen müssen, zu sagen, dann geben wir, wo immer wir können, den Tieren Freiheitsgrade zurück, die wir ihnen genommen haben. Sei das in dem sozialen Gefüge, sei das in ihrem räumlichen Verhalten oder sei das in dem Futterangebot. Und ich glaube, dass das irgendwie eine ganz, ganz wichtige Herausforderung ist für biologisch dynamische Betriebe heutzutage, sich diese Frage irgendwie zu beantworten und daran zu arbeiten. Wir können sie vielleicht gar nicht beantworten, sondern wir müssen damit intensiv umgehen. Und das habe ich jetzt euch so ganz ausführlich ausgeführt, was das meiner Meinung nach als Aufgabe für uns in der Rinderfütterung bedeutet.
Und genau die gleiche Aufgabe haben wir in der Schweine- und in der Geflügelfütterung auch. Da haben wir vorher ganz kurz über das Schwein gesprochen. Dieses explorative Futtersuchen würde ich vermuten, ist beim Schwein fast wie wichtiger, als was es dann tatsächlich frisst. Ist die Frage, wie es frisst und woher es sich das Futter holt. Und das ist noch eine ganz andere Herausforderung. Weil dann ist die Frage, okay, wo darf das Schwein das denn? Wie können wir das so integrieren in unseren landwirtschaftlichen Betrieb, dass es mit Recht und vielleicht sogar mit Nutzen wühlen kann. Können wir es in die Fruchtfolge irgendwie reinholen? Und können wir das auch so schaffen, dass das nicht nur die Sauen betrifft, die dann da unterwegs sind, sondern dass auch die Mastschweine an dem Teil haben dürfen zum Beispiel. Und ähnliche Fragen für das Geflügel auch.
Und ich glaube, dass das entscheidend ist für die Frage Tiergerechtheit. Und jetzt sage ich bewusst Tiergerechtheit und nicht Artgerechtheit. Weil der Art, das ist die Frage, wenn wir Art sagen, woran messen wir die Art? Messen wir die Art am Wildtier, dann werden wir der nie mehr gerecht. Es sei denn, wir lösen die Tierhaltung in der Landwirtschaft auf. Also könnten wir sagen Haustiergerecht oder eben eigentlich jeweils dem spezifischen Tier gerecht. Was dann auch bedeutet, wenn ich eine Holsteinkuh vor mir habe, die 50 Liter Milch am Tag gibt, dann muss ich über deren Fütterung auch anders reden als alles, was ich jetzt gesagt habe, wenn ich diesem konkreten Tier gerecht sein will. Also das nur zu den Begriffen. Ich glaube, wir müssen von tiergerecht sprechen und uns sehr damit auseinandersetzen, welche Tiere, also nicht nur welche Tierarten, sondern welche Tiere innerhalb der Art haben wir auf unserem Betrieb, wollen wir auf unserem Betrieb und was haben wir denen eigentlich zu bieten. Das ist so, was ich dazu zu sagen hätte, in dem Bezug.
Ihr dürft sehr gerne Fragen stellen. Wenn nicht, und wenn ihr es noch aushaltet, sage ich vielleicht noch zwei, drei Sätze.
Kraftfuttereinsatz und Ressourceneffizienz 00:34:14
Florian Leiber: Zum Thema Kraftfutter bei Kühen. Gibt es bei Demeter Deutschland oder Demeter International in den Richtlinien Vorschriften über Kraftfutter Limite bei den Kühen oder entspricht das einfach der EU-Bioverordnung?
Publikum: Das ist Schweiz. Das ist Schweiz, ja.
Florian Leiber: 25, ja, okay.
Publikum: Die EU-Richtlinie ist 40, ja.
Florian Leiber: Und ich glaube eben, dass es noch eine Weile lang so war, dass Demeter keine eigenen Richtlinien hatte und dass in Brodowin zum Beispiel die Berliner Biomilch produziert wurde mit 40% Kraftfutter. Und also einerseits aus diesem Ressourcenaspekt und andererseits aus diesem physiologischen Aspekt und sozusagen damit Artgerechtheit, Artgerechtheitsaspekt sozusagen, was ist das richtige Futter für einen Wiederkäuer und was ist die richtige Ressource im Sinne auch von diesem Grasland-Thema, was wir vorhin hatten? Es ist ja eigentlich total naheliegend, dass es der allergrößte Quatsch ist, Lebensmittel im Sinne von Getreide oder Ölsaaten oder Körnerleguminosen ausgerechnet an Wiederkäuer zu verfüttern, die ausgerechnet das am allerschlechtesten verwerten können, dann ist wirklich Geflügelmast damit immer noch vom Effizienzstandpunkt her besser und ausgerechnet das Grasland dann nicht anständig zu nutzen.
Und in der Schweiz ist es halt so, zufälligerweise entspricht die Schweiz der Welt an der Stelle, das heißt wir haben weltweit in den, in der Proportion des gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Landes auf der Welt haben wir ungefähr zwei Drittel Grasland und ein Drittel Ackerland. Ackerland oder Dauerkulturen. Und die ähnliche Proportion hat die Schweiz genau auch, das heißt die Schweiz ist enorm Grasland betont und hat da viel und hat viel, viel zu wenig Ackerland. Importiert enorm viel Futtermittel eben und damit Land von auswärts, auch der Biobereich. Wir importieren ungefähr 10.000 Hektar, also die Schweiz ist klein, 10.000 Hektar Anbaufläche aus dem Ausland pro Jahr, um die Bio Hühner und Schweine zu füttern. Und das ist, das sind 20 Prozent der gesamten, nee das sind mehr als, das sind 60 Prozent der gesamten Bioanbaufläche der Schweiz, die wir uns da nochmal rein importieren, nur um die Viecher zu füttern.
Und entlang dieser Logik ist es in der Schweiz sowohl staatliches Ziel als auch eben spezifisches Bioziel diese Kraftfuttereinsätze für die Wiederkäuer zu limitieren und gleichzeitig damit für eine bessere Nutzung eigentlich der Grünlandreserven zu sorgen. Deswegen gibt es eine Direktzahlungsmaßnahme vom Staat, dass wenn man jetzt also demeterrichtig in Deutschland einhalten würde, 25 Prozent Kraftfutter, dann würde man dafür in der Schweiz eine Prämie bekommen. Auch als konventioneller Betrieb. Und dann gibt es die Bio Suisse, das ist der Dachverband von eigentlich allen Schweizer Biobetrieben, die jetzt jahrelang die Limite hatten, 10 Prozent maximal und seit dem 01.01.2022 wurde das nochmal auf 5 Prozent gesenkt. Und das ist natürlich sehr extrem. Das ist wirklich wenig und in dem Sinne würde ich immer sagen, auch wirklich stark.
Also es ist logisch, es entspricht quasi der Topographie der Schweiz, aber ich finde es auch quasi als Muster oder als Beispiel für außerhalb der Schweiz sehr wichtig, dass man dieses Beispiel hat, wir können mit reinem auf reiner Grasland Basis und das bedeutet also Dauergrünland plus Fruchtfolge Kleegras und so wir können damit Milch produzieren und zwar sehr gut. Und dazu möchte ich ein paar wenn ich das jetzt finde, Moment Moment, wo habe ich das? Kleinen Moment. Das habe ich hier.
Also mit dieser mit dieser Kraftfutterlimite, das wir jetzt nur noch 5 Prozent haben in der Schweiz, hat die Biomilch in der Schweiz verbraucht weniger als ein Drittel der Ackerfläche, welche die konventionelle Milch in der Schweiz braucht. Und sie braucht weniger als ein Viertel der Ackerfläche im Vergleich mit konventioneller Milch aus Deutschland. Das heißt wir die wirkliche Lebensmittelkonkurrenz in der Milchproduktion ist hier sehr deutlich gesenkt. Und das bringt natürlich mit sich, dass jeder einzelne Betrieb herausgefordert ist eben seine eigenen Grünland-Ressourcen so sorgfältig wie möglich zu nutzen. Es trägt bei zum Erhalt oder gar zur Vergrößerung dieses Kohlenstoffspeichers, ich habe da kurz davon gesprochen, das betrifft jetzt das Dauergrünland, dass wir unterm Dauergrünland einen erheblichen Kohlenstoffspeicher haben. Und es trägt zur artgerechten Fütterung der Tiere auch bei.
Milchharnstoffwerte und Fruchtbarkeit 00:41:28
Florian Leiber: Und dann gibt es so bestimmte Einwände und das möchte ich euch gerade noch schildern, was dann häufig vorgebracht wird, wo gesagt wird, warum das nicht gehen soll. Warum man damit nicht klarkommt. Und das eine ist, dass immer gesagt wird, ja wenn ihr nur Grundfutter füttert, dann sinken ja die Harnstoffwerte in der Milch und das ist schlecht für die Fruchtbarkeit. Was ist überhaupt der Zusammenhang? Die Idee ist, übers Grundfutter haben wir zu wenig Eiweiß, deswegen haben wir niedrigere Harnstoffwerte und aber diese angebliche Eiweißunterversorgung sei schlecht für die Fruchtbarkeit.
Erstens stimmt das gar nicht in der Schweiz, weil das Grünland eigentlich so gut ist, dass wir absolut ausreichend, also dass das Eiweiß überhaupt nicht das Problem ist, sondern dass wir eher auch in der Schweiz Eiweißüberschüsse aus dem Grundfutter haben, außer in den höheren Berglagen. Und zweitens stimmt dieser Zusammenhang nicht. Ich zeige euch hier gerade Daten aus dem sogenannten Feed-No-Food-Projekt des FiBL, wo wir eigentlich mit 69 und über eine längere Frist mit 42 Biobetrieben zusammengearbeitet haben und die gemonitort haben über sechs Jahre und diese Betriebe haben, das waren fünf verschiedene Gruppen, welche in unterschiedlicher Weise mit dem Kraftfutter umgegangen sind in dieser Zeit. Es gab also eine Gruppe, die hat ihr Kraftfutter Level beibehalten und es gab zwei verschiedene Gruppen, die ihr Kraftfutter Level ein bisschen gesenkt haben. Es gab eine Gruppe, wo die Betriebe innerhalb dieser Zeit ihr Kraftfutter auf Null runtergefahren haben und es gab eine Gruppe, die war immer auf Null. Das sind die Kilogramm pro Kuh und Tag zwischen Null und 1,2 Kilogramm pro Kuh und Tag. Also eh auf einem sehr niedrigen Niveau.
Und dann haben wir geschaut, was hat der Milchharnstoff gemacht in dieser Zeit und man sieht eigentlich nicht so ein deutliches Bild, die Tendenz ist ganz leicht über alle diese Betriebe gegen Milchharnstoffgehalt ganz leicht zurück. Und deutlich, das sind ja alles Biobetriebe, die teilgenommen haben an unserer Studie und dann seht ihr diese graue Fläche, der obere Rand der grauen Fläche ist der Durchschnitt aus den Herdebüchern der ganzen Schweiz quer über alles, also konventionell. Und dann seht ihr, wir sind also mit dem Milchharnstoffbereich, mit dem Milchharnstoff im Bio insgesamt deutlich unter der konventionellen Marke. Verwundert auch nicht, weil die Soja da reinschmeißen die ganze Zeit.
Und als Maßstab für die Fruchtbarkeit haben wir die Zwischenkalbezeit herangezogen und da seht ihr, auch da geht irgendwie so rauf und runter, ist irgendwie nicht doll, was passiert bei diesen Versuchsbetrieben. Gleichzeitig ist die Zwischenkalbezeit aber immer kürzer gewesen als in dem konventionellen Durchschnitt und im konventionellen Durchschnitt ist sie in derselben Zeit sogar noch raufgegangen. Das heißt, diesen Zusammenhang mit unseren niedrigeren Harnstoffgehalten und einer schlechteren Fruchtbarkeit, auf dieser Ebene betrachtet, stimmt einfach nicht. Und das sieht man auch auf ganz vielen Einzelbetrieben, die teilweise dann im Berggebiet wirklich niedrige Harnstoffwerte haben, von unter 10. Dass die überhaupt nicht zwangsläufig deswegen irgendwelche Fruchtbarkeitsprobleme haben.
Vielleicht noch ein Wort, was sagt uns denn eigentlich der Harnstoffgehalt? Was drückt der aus? Wo kommt der her, dieser Harnstoff, in die Milch?
Publikum: Von den Rohfasern?
Florian Leiber: Nee. Ja?
Publikum: Eiweiße, die von den Milch *[?]* nicht oft umgesetzt werden?
Florian Leiber: Also, Eiweißüberschuss im Pansen, der von diesen Mikroorganismen im Pansen nicht umgesetzt werden kann, weil es im Verhältnis zu der vorhandenen Energie und zu allem zu viel ist. Die kriegen das nur noch abgebaut, aber sie können das nicht mehr verarbeiten. Und daraus wird im Pansen Ammoniak. Und dieses Ammoniak geht über die Pansenwand ins Blut und ist im Organismus für die Kuh ein Gift. Und deswegen hat die Kuh einen speziellen Ablauf in der Leber, um aus Ammoniak Harnstoff zu machen. Und der Harnstoff kann dann wieder übers Blut in die Nieren geführt werden und ausgeschieden werden.
Und das bedeutet, wenn ich jetzt also einen Eiweißüberschuss im Pansen habe, führt das eigentlich zu einer latenten, dauerhaften Ammoniakvergiftung der Tiere, mit der sie fertig werden, weil ihre Leber das die ganze Zeit entgiftet und in den Harnstoff umwandelt. Aber die Leber, die hat ja mit Milchsynthese auch noch ganz, ganz viel anderes zu tun. Das ist einfach eine zusätzliche, permanente Belastung der Leber. Und im Wesentlichen wird das dann ausgeschieden über den Harn und gelangt nur, weil das Molekül so klein ist, zufällig in die Milch und deswegen können wir es in der Milch messen. Es hat in der Milch überhaupt keine Funktion.
Es hat aber, die Kuh hat aber eben eine interessante, andere Fähigkeit noch. Aus Harnstoff, den Harnstoff über den Speichel, der ist ja eh im Blut, und aus dem Blut heraus wird in den Speicheldrüsen Speichel produziert und da gerät der Harnstoff auch in den Speichel. Und mit dem Speichel gerät der Harnstoff wieder in den Pansen und im Pansen ernährt er die Bakterien, aber nur, wenn ich die Kühe regelmäßig mit einem Proteinunterschuss füttere. Die Wiederkäuer haben sich sehr gut daran adaptiert, mit wenig Protein sehr effizient umzugehen, um das eigentlich so gut wie möglich zurückzuhalten in ihrem Organismus. Jetzt haben wir wieder eine Parallele zum Vogel. Und der Vogel ist eigentlich der Wiederkäuer der Lüfte.
Und dieses heißt eigentlich, dass dieses immer Proteinüberschüssige füttern, was die intensiven Züchter eben machen, weil das ist, was aus der Holsteinkuh 50 Liter heraus prügelt. Sowohl von der Belastung, die das Tier hat, zusätzlichen Belastungen, auch zu dieser ganzen Milchbildung, zusätzliche Belastungen den Ammoniak zu entgiften und von der Ressourceneffizienz auch völliger Quatsch ist. Klammer zu, das war ein kleiner Exkurs zu dieser Harnstoff-Story.
Publikum: Ja? Wir hatten jetzt im Winter auch mitbekommen, dass wir laut diesen Richtwerten, die immer bei der MLP stehen, einen Proteinmangel hatten und auch dadurch zu niedriger Harnstoffwert wird. Das heißt, das ist eigentlich Quatsch, dass man sich deswegen jetzt Stress machen müsste.
Florian Leiber: Also, ja, ich glaube, dass man sich deswegen auf jeden Fall keinen Stress machen muss, eigentlich wegen der Tiergesundheit. Wenn du nicht irgendwo bei 5 landest oder so. Und es gibt natürlich, man muss jetzt schauen, was ist die Folge von, also ein langfristiger Proteinunterschuss, heißt natürlich im Kehrwert auch ein Energieüberschuss und dann muss man schauen, und da muss man halt schauen, auf seine Tiere, verfetten die mir? Ja, weil im Verhältnis dann die Milchbildung zu gering ist und diese Energie dauernd übrig bleibt und dann ist die hier. Aber das muss ich eigentlich in der Wahrnehmung haben.
Publikum: Aber wenn das jetzt nur über den Winter so ist und dann ja mit der weiten Saison eh wieder hoch geht, dann ist das eigentlich nicht so, dass man sich da um die Tiergesundheit jetzt in den drei Monaten.
Florian Leiber: Vorsicht! Wenn ihr jetzt zum Beispiel auch noch saisonal abkalben würdet oder wenn ihr relevant viele Kühe habt, die am Ende dieser Winterperiode kalben, dann kann es passieren, dass man in ein Problem kommt, also wenn man jetzt wirklich in dem Sinne einen Energieüberschuss hat und die anfangen zu verfetten, dann kommt ja ein Ketose-Risiko. Ja, nach der Kalbung. Darauf muss man halt achtgeben. Das hat aber natürlich auch viel zu tun mit der Trockenstell-Fütterung. Insofern, das ist die Seite, auf die man achtgeben muss. Aber wie gesagt, da zählt ganz wesentlich die Beobachtung, also die Wahrnehmung, verfetten die Kühe eigentlich tatsächlich oder nicht. Und die ist wichtiger als am Ende der Harnstoffwert auf dem Zettel.
Wirtschaftlichkeit von Kraftfutter und Mineralstoffversorgung 00:51:10
Florian Leiber: Und jetzt als letztes noch, als letztes noch, das ist noch, an jeder deutschen Landwirtschaftsschule, an jeder schweizerischen Landwirtschaftsschule und in der Schweiz auch auf Fachhochschulebene und auf Hochschulebene, überall kriegt man immer, diese Story erzählt, ein Kilo Kraftfutter, zwei Kilo Milch. Das ist eine total vereinfachte Faustregel, die irgendwie wirklich auch in den Lehrmitteln immer, immer wieder drin steht. Und die dann so verallgemeinert wird, als ob das heißt, okay, also wenn ich jetzt auf mein Grundfutter noch fünf Kilo Kraftfutter obendrauf füttere, dann habe ich nachher zehn Kilo Milch mehr. Und in dem Sinne heißt es dann halt schnell, wenn wir jetzt also mit dem Kraftfutter zurückgehen, also zwei Kilo Kraftfutter weniger, heißt vier Kilo Milch weniger.
Und das haben wir jetzt in verschiedenen Projekten immer angeschaut. Was passiert denn, wenn wir das Kraftfutter zurückfahren? Und dann haben wir hier das Projekt, was ich euch eben gezeigt habe, wo wir über viele Betriebe über sechs Jahre lang geschaut haben und haben gesehen, pro reduziertes Kilo Kraftfutter ist die Milchleistung um 0,9 bis 1,4 Kilo Milch zurückgegangen, im Schnitt 1,2. In einem Versuch, von dem sprach ich euch auch vorhin, mit diesen, auf diesem biologisch dynamischen Betrieb mit den angebundenen Swiss Fleckvieh-Kühen, da haben wir auch eine Kraftfutter-Reduktion gemacht, individuell auf jedes Tier genau ausgemessen und geschaut. Für ein Kilo Kraftfutter-Reduktion ist die Milch um 1,25 Kilo zurückgegangen. Also fast 1 zu 1.
Da muss ich mich fragen, was kriege ich für den Liter Milch und was bezahle ich für das Kilo Kraftfutter? Rein ökonomisch. Und in der Schweiz geht das überhaupt nicht auf. In der Schweiz ist es klar, dann fütter gar kein Kraftfutter, weil du kriegst das, das Kraftfutter ist so teuer, das kriegst du über die Milch nicht wieder rein. Und dann kann man sich fragen, warum machen die das denn eigentlich alle? Weil sie es von der Schule über alle Stufen durch immer gelernt haben und weil die Milchleistung in absoluten Kilo pro Jahr mehr zählt, als mal nachzurechnen, ob das wirtschaftlich eigentlich aufgeht.
Und es gibt viele Betriebe mittlerweile in der Schweiz, Bio-Betriebe und konventionelle Betriebe, die auf null Kraftfutter umgestellt haben. Also nicht sehr viele, aber etliche. Und ich habe noch nie von einem gehört, der sagt, dass es nicht wirtschaftlich wesentlich besser gelaufen wäre hinterher. Und dann gibt es noch, das ist FiBL, da kann man immer sagen, wir sind voreingenommen und alles. Dann gibt es hier noch Agroscope, das ist die konventionelle Schweizer Forschung. Die sagen sogar, dass der Wirkungsgrad nur in ihren Versuchen bei 0,5 bis 0,8 war. Also ein Kilo Kraftfutter, 0,8 Kilo Milch, dann lohnt es sich wirklich gar nicht mehr.
Jetzt mache ich mal einen Punkt. Jetzt ist es auch halb fünf. Aber wir können gerne noch ein bisschen plaudern, wenn ihr mögt. Wenn ihr erschöpft seid, verstehe ich das auch. Wenn nicht, dann danke ich euch für eure Geduld. Hast du noch was? Alle denken, bitte nicht, bitte seid still.
Publikum: *[Frage aus dem Publikum, unverständlich]* *[?]*
Florian Leiber: Die einfache Antwort ist, dass ich sagen würde, ich finde es falsch, sich in irgendeiner Weise darauf zu verlassen, meine Kühe fressen ja Erde oder lecken Steine. Sondern es ist wichtig, unsere Kühe bringen eine Leistung. Die Leistung ist in jedem Fall auch auf dem Biobetrieb so hoch, dass sie stoffwechselmäßig einen viel höheren Bedarf an diesen einzelnen Mineralstoffen haben, als ein wilder Wiederkäuer es hätte. Deswegen können wir uns niemals darauf verlassen, zu sagen, wir gehen hier sozusagen so Nullweg und verlassen uns darauf, das holen die sich irgendwie draußen vom Boden oder so.
An der Stelle, das ist meine persönliche Meinung, sollte man sehr genau einfach entsprechend der bestimmten Bedarfszahlen, die es dafür gibt, für die jeweiligen Leistungssituationen, für den Standort natürlich auch. Ich muss irgendwie wissen, ob ich ein Mangelstandort habe in der einen oder anderen Hinsicht, ob ich ein Selenmangelgebiet habe oder nicht. In Bezug auf das Laktationsstadium, das ist was anderes, ob die Kuh gerade kalbt oder später in der Laktation ist, zum Beispiel mit Phosphor und Calcium. Da gibt es einfach Werte, da gibt es die sorgfältig vorgeschlagenen Zusammensetzungen seitens der Mineralfuttermittelproduzenten und das würde ich so anbieten immer. Wenn man das in Leckschalen anbietet, dann stellt man dem Tier ja auch frei, wie viel es sich davon nimmt. Aber für die Zusammensetzung bin ich verantwortlich.
Die sind jetzt auf diesem Computer drauf und von dort könntet ihr sie bekommen. Die sind dort auf dem Desktop. Hier, das ist ja von hier der Computer, da habe ich die vorhin drauf getanzt. Also ich danke euch für eure Geduld und euren Langmut. Ich hoffe, ihr habt was davon gehabt. Mir hat es Spaß gemacht, ich mache sowas sehr sehr gerne und wünsche euch alles Gute und hoffe auf euren Beitrag für eine gute Welt.
| Deutsche Folgen 1 - 2 - 3 |






