Peter Schnell

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Peter Schnell

Dr. h. c. Peter M. Schnell (* 10. Juni 1938 in Berlin) ist ein deutscher Informatiker, Unternehmer und Stifter. Er war Mitbegründer und langjähriger Vorstand der Software AG und gründete 1992 die Software AG – Stiftung (SAGST), eine der größten privaten Stiftungen Deutschlands. Durch die Einbringung seines Vermögens in die Stiftung und die enge Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Manfred Klett wurde er zu einem wichtigen Förderer anthroposophischer und biologisch-dynamischer Initiativen, darunter der Dottenfelderhof und das Dorfprojekt Juchowo.

Kindheit, Ausbildung und frühe Jahre

Schnell wurde 1938 in Berlin geboren. Nach der Bombardierung des Elternhauses 1943 zog die Familie nach Alsbach bei Darmstadt. Dort erlebte er eine materiell entbehrungsreiche, aber von Natur geprägte Kindheit mit Wäldern. Früh zeigte sich seine Begabung für Naturwissenschaften und Mathematik. Mit 16 Jahren gründete er den ersten Go-Club in Darmstadt und wurde japanischer Amateur-Meister dritten Grades sowie einer der besten Go-Spieler Europas.

Nach dem Abitur 1958 studierte er Mathematik und Physik an der Technischen Hochschule Darmstadt (bei Prof. Alwin Walther). Das Schlüsselerlebnis war der Kontakt mit der ersten kommerziellen elektronischen Rechenanlage, einer IBM 650. Parallel zum Studium arbeitete er in der Programmierung, gab Kurse und war am Deutschen Rechenzentrum tätig. 1965 schloss er das Studium mit dem Diplom in Mathematik ab.

Software AG

1969 gründete Schnell mit fünf Kollegen aus dem Institut für Angewandte Informationsverarbeitung (AIV) in Darmstadt die Software AG (Startkapital 6.000 DM). Er entwickelte das Datenbankmanagementsystem ADABAS (auf Basis des NF²-Modells), das 1971 erstmals bei der Westdeutschen Landesbank installiert wurde und zum durchschlagenden Erfolg wurde. Es folgten NATURAL und weitere Technologien. Unter seiner Leitung wuchs die Firma von einer Garagenfirma mit 13 Mitarbeitern (1972) zu einem internationalen Unternehmen mit über 3.300 Mitarbeitern, 28 Tochtergesellschaften in 80 Ländern und einem Umsatz von rund 800 Millionen DM (1996). Schnell war ab 1981 Alleinaktionär. 1996 übergab er die operative Leitung; der Börsengang erfolgte 1999.

In der Laudatio von 2002 hob Manfred Klett hervor: „Geld zu Reichtum oder Macht zu horten widerstrebte ihm immer. Schon in den Anfängen der Firma galt, wo immer Not war oder Neues werden wollte, war er mit großzügiger Hilfe zur Stelle.“ Die Firma sei primär nicht um des wirtschaftlichen Erfolges willen entstanden, sondern aus dem Bestreben, bessere Technik zu schaffen. Grundsätze waren: mit Geld nie Macht auszuüben, soziale Impulse nicht zu ersticken und Verständnis für das Streben der anderen zu suchen.

Weg zur Stiftung und persönliche Wendung

Aus erster Ehe wurden Schnell zwei Söhne mit Hilfsbedarf geboren. Ihre Pflege und Erziehung am Heil- und Erziehungsinstitut Bingenheim und später in der von ihm mitbegründeten heilpädagogischen Lebensgemeinschaft in Stockhausen (Michael-Stiftung, 1986) prägte ihn tief. Klett beschrieb dies als inneren Impuls, der die äußere Erfolgsrichtung in die Sozialpflichtigkeit des Eigentums verwandelte: „Das Schicksal seiner Söhne hat Peter Schnell auf den Weg geführt, seine nach außen so erfolgreiche Strebensrichtung in die andere zu verwandeln, sich in Freiheit der Zeitforderung nach der Sozialpflichtigkeit des Eigentums zu stellen.[1]“

1992 brachte Schnell 98 Prozent der Aktien der Software AG in die gemeinnützige Software AG – Stiftung in Darmstadt ein (eine zweite Stiftung für die Söhne). Die SAGST ist bis heute Großaktionärin der Software AG und zählt mit jährlichen Ausschüttungen im zweistelligen Millionenbereich zu den größten Stiftungen Deutschlands. Schnell war und ist Vorsitzender des Vorstands. Die Stiftung fördert Bildung, Kinder- und Jugendhilfe, Behinderten- und Altenhilfe sowie anthroposophische Medizin, biologisch-dynamische Forschung, Reformpädagogik und Naturhilfe. Sie unterstützt u. a. die Universität Witten-Herdecke, die Alanus Hochschule und zahlreiche Demeter-Projekte.

Zusammenarbeit mit Manfred Klett

Die Begegnung mit Manfred Klett und dem Dottenfelderhof Anfang der 1980er-Jahre beschrieb Schnell später als „karmischen Einschlag“. Kletts Begeisterung für den biodynamischen Landbau als Kulturimpuls führte dazu, dass Schnell privates Vermögen in den Dottenfelderhof investierte. Die SAGST unterstützte die Landbauschule Dottenfelderhof und die dortige Forschung und Züchtung. Klett und Schnell waren langjährige Weggefährten; Klett hielt 2002 die Laudatio bei der Verleihung der Goldmedaille für Verdienste um das Stiftungswesen an Schnell durch den Bundesverband Deutscher Stiftungen (aus der Hand von Bundespräsident Johannes Rau).

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Weitere gemeinsame Impulse betrafen die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum und vor allem das Dorfprojekt Juchowo. Klett initiierte und begleitete das Projekt über mehr als 20 Jahre; Schnell und die SAGST stellten die finanzielle Grundlage bereit. Auf Anregung Schnells schrieb Klett sein Buch Von der Agrartechnologie zur Landbaukunst, um darin seine praktischen Erfahrungen im Bereich der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in gesammelter Form zu dokumentieren. Die Veröffentlichung erfolgte 2021.

Engagement der SAGST für Juchowo

Die Software AG – Stiftung war Mitinitiatorin und zentrale Förderin des Dorfprojekts Juchowo (seit 2001). Gemeinsam mit anderen Stiftungen ermöglichte sie den Erwerb von Land, Gebäuden und Maschinen durch die Fundacja im. Stanisława Karłowskiego und sicherte so die langfristige biodynamische Bewirtschaftung und den Schutz vor Spekulation. Die Förderung konzentrierte sich auf gemeinnützige Bereiche: Forschung, Naturschutz, Ausbildung, Pädagogik und Sozialtherapie.

Wichtige Meilensteine:

  • Unterstützung des Landkaufs und der Infrastruktur (Ställe, Präparatehaus, Verarbeitung).
  • Aufbau der Sozialtherapie und des Zakład Aktywności Zawodowej (Werkstatt für Menschen mit Behinderungen); die SAGST finanzierte u. a. etwa 3 Millionen Złoty des rund 9-Millionen-Projekts (Grundsteinlegung 2017, Eröffnung Ende 2018 für 50 Menschen mit Hilfebedarf und 16 Mitarbeitende).
  • Förderung von Forschungsprojekten (u. a. mit Prof. Dr. Ton Baars, Bodenfruchtbarkeit, Milchqualität, Tiergesundheit in Kooperation mit FiBL und EU-Programmen).
  • Unterstützung pädagogischer Angebote (Erlebnispädagogik, Schulklassen aus Polen und Deutschland, Jugendprogramme).
  • Beratende Begleitung durch SAGST-Mitarbeitende (u. a. Klaus Plischke, Cornelius Sträßer, Reiner Scheiwe, Wilfried Schneider u. a.).

Die SAGST bezeichnet Juchowo als „heilsamen Impuls für die gesamte Region“ und „Leuchtturm“ für ländliche Entwicklung in Mittel- und Osteuropa. Die Förderung läuft seit über zwei Jahrzehnten und umfasst sowohl finanzielle Mittel als auch inhaltliche Begleitung.

Würdigung

Manfred Klett fasste in der Laudatio zusammen, dass Schnell „in doppelter Hinsicht die symptomatischen Zeichen der Zeit erkannt und, diesen folgend, sein Lebenswerk geschaffen hat“. Die Stiftung unter seinem Vorsitz hat sich über Deutschland hinaus auf Europa, die USA und Brasilien ausgeweitet und seit den späten 1990er-Jahren Tausende von Projekten gefördert. Schnell verbindet unternehmerische Schaffenskraft mit der Überzeugung, dass Eigentum sozialpflichtig ist und in den Dienst kultureller und sozialer Entwicklung gestellt werden soll.

Quellen

  • Laudatio von Dr. Manfred Klett auf Dr. h. c. Peter M. Schnell (17. Mai 2002): https://www.stiftungen.org/fileadmin/stiftungen_org/Verband/Was_wir_tun/Auszeichnungen/Medaille/Laudatio-auf-Schnell-2002.pdf
  • Software AG – Stiftung: Über den Stifter und Juchowo (sagst.de, Abschnitte Stifter & Stiftung, Schwerpunkte / Juchowo)
  • Trauer um Manfred Klett (SAGST, 2025): Erwähnung der Begegnung mit Klett und Dottenfelderhof sowie Juchowo
  • Wikipedia und Biografien zu Peter Schnell (Informatiker) und Software AG – Stiftung
  • Juchowo-Rundbriefe und Dankesworte (u. a. 2021) an die SAGST und Mitarbeitende
  • Berichte zu Dottenfelderhof und Landbauschule (SAGST-Unterstützung)

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